Anbetung der Sonne

Am Morgen nach Caspars Ankunft blieb der Lord länger als gewöhnlich in

seinen Zimmern. Auch dann vermied er es noch, Caspar rufen zu lassen,

und machte erst die tägliche Promenade. Als er zurückkam, ging Caspar

vor dem Salon auf und ab; die Bewegung Stanhopes, als wolle er ihn

umarmen, schien Caspar zu übersehen; er blickte steif zu Boden. Sie

traten ins Zimmer, der Lord entledigte sich seines schneebedeckten

Pelzmantels und stellte möglichst unbefangen Fragen: wie es Caspar

ergangen, wie der Abschied, wie die Reise gewesen und mehr dergleichen.

Caspar antwortete bereitwillig, wenn auch ohne Ausführlichkeit, war

freundlich und keineswegs bedrückt oder vorwurfsvoll. Dies gab Stanhope

zu denken, und es bedurfte einer gewissen Anstrengung von seiner Seite,

um die sonderbar kühle Unterhaltung fortzusetzen. Er konnte sogar einen

leisen Schrecken nicht unterdrücken, wenn er Caspar ansah, der ihn mit

seinen weinfarbigen Augen fortwährend fremd betrachtete.

Es war eine Erlösung, als der Polizeileutnant gemeldet wurde. Stanhope

empfing ihn im Nebenzimmer; sie sprachen dort über eine halbe Stunde

leise miteinander. Nachdem der Graf hinausgegangen war, trat Caspar zum

Schreibtisch, streifte den Diamantring von seinem Finger und legte ihn

mit bedächtiger Gebärde auf einen angefangenen, in englischer Sprache

geschriebenen Brief; dann schritt er zum Fenster und blickte in das

Schneetreiben.

Stanhope kam allein zurück. Er fragte, ob Caspar wisse, wo er

untergebracht werden solle. Caspar bejahte.

»Es ist am besten, wir gehen mal gleich zu den Lehrersleuten hin, um

dein künftiges Quartier in Augenschein zu nehmen,« sagte der Lord.

Caspar Hauser; oder, Die Trägheit des Herzens, Roman · 第 24 / 41 题