Die Farnkräuter sind fast durchweg Schattenpflanzen, welche im Walde
wachsen, wo sie wenig oder gar nicht direkt von den Sonnenstrahlen
getroffen werden. Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß wir sie nicht
direkt in die Sonne stellen dürfen, sondern so ausstellen müssen, daß das
sie treffende Licht durch das Laub davorstehender Pflanzen gedämpft worden
ist. Andrerseits wollen die Farne doch reichlich Licht haben, sie dürfen
also nicht in dunklen Ecken oder weit ab vom Fenster aufgestellt werden.
Ferner verlangen die Farne in den meisten Fällen viel Luftfeuchtigkeit,
deshalb sollen sie täglich wiederholt mit dem Zerstäuber besprengt werden.
Nur die Gold- und Silberfarne sowie die Gleichenien sind gegen direkte
Nässe an den Wedeln sehr empfindlich. Da aber auch diese feuchte Luft zum
guten Gedeihen brauchen, so hält man sie am besten unter Glas und sorgt
für Luftfeuchtigkeit durch ein in dem Kulturraume aufgestelltes mit Wasser
gefülltes flaches Gefäß. Frei im Zimmer stehende Farne werden sich stets
sehr schön entwickeln, wenn man sie des Nachts mit nasser Gaze bedeckt,
die aber die Wedel nicht berühren darf. Die beste Erde für Farne ist eine
Mischung aus 3 Teilen Heideerde und 1 Teil gutverrotteter Lauberde, der
man etwas groben reinen Sand und, wenn möglich, kleine Holzkohlenstückchen
zusetzt. Außerdem muß eine gute Scherbenunterlage für sehr guten
Wasserabfluß gesorgt werden. Die Töpfe für Farne sollen stets mehr breit
als tief sein, weil die Wurzeln sich flach ausbreiten. Aus diesem Grunde
sind Schalen besser als Töpfe. Fehlen Schalen, so vermindert man den Raum.
für die Erde in den Töpfen durch eine hohe Scherbenunterlage. Während der
Wachstumperiode sind Farne für eine schwache flüssige Düngung sehr
dankbar. Frei im Zimmer halten sich die Farne mit derben, lederartigen
Blättern (»Wedeln«) am besten. Zu diesen gehören:
_*Cyrtomium falcatum Sw._, in Japan, China, am. Himalaya und an den
Nilgherries, auf den Sandwichsinseln, Madagascar und in S.-Afrika
heimisch, mit 30–60 cm langen, 15–22 cm breiten, einfach gefiederten
Wedeln, deren Fiedern 10–15 cm lang, 2½–5 cm breit, eiförmig zugespitzt,
sichelförmig sind.
_*Asplenum Nidus L._(1). Das Vogelnest, von den ostafrikanischen Inseln
bis nach Japan, den Gesellschaftsinseln und Neukaledonien heimisch,
ausgezeichnet durch einfache 60–120 cm lange, 7½–20 cm breite,
lanzettliche, zugespitzte, lederartige, dunkelgrüne Wedel, welche so
zusammenstehen, daß sie ein riesiges Nest zu bilden scheinen.
_*Polypodium aureum L._(2), ein in Ost-Amerika von der Halbinsel Florida
bis Brasilien heimisches, prächtiges Farnkraut mit kriechendem, dicht mit
rostbraunen Schuppen besetztem Wurzelstock, von dem sich die bei guter
Pflege und genügender Wärme und Luftfeuchtigkeit bis mannshohen, bis einen
halben Meter breiten, im Zimmer aber meist nur einen halben bis einen
Meter hohen und einen viertel Meter breiten Wedel erheben. Die Wedel sind
langgestielt, in eine lange Spitze ausgezogen und seitwärts bis nahe an
den Mittelnerv in bald mehr bald weniger zahlreiche etwas gewellte Lappen
eingeschnitten. Das schönste an diesen Wedeln ist die eigentümliche,
köstlich blaugrüne, beduftete Farbe, von der sich an fruktifizierenden
Wedeln die leuchtend orangegelben Fruchthäufchen äußerst wirkungsvoll
abheben. Während die beiden zuerst genannten Arten im Winter kühl,
möglichst bei 4–6° R. [5–7,5°C], stehen wollen, zieht dieses Farnkraut
einen etwas wärmeren Standort vor.
[Illustration: Platycerium]
Selten in Kultur, aber seiner Eigentümlichkeiten wegen sehr zu empfehlen
ist das ganz harte Elephantenohr, *_Platycerium alcicorne Desv._, im
gemäßigten Australien, auf den Mascarenen und Seychellen heimisch. In der
Heimat wächst diese Pflanze an Baumstämmen, sie gedeiht bei uns aber auch
im Topfe sehr gut. Ihren Namen hat die Pflanze nach den eigenartigen
Wedeln, welche in Größe, Form und Farbe in der Tat sehr an Elephantenohren
erinnern. Diese Wedel stehen aufrecht und bilden niemals Sporen. Außer
ihnen treten nun noch vollständig anders geformte Wedel auf, welche 60 bis
90 cm lang werden und wiederholt gabelig geteilt sind. Die einzelnen
Lappen hängen wie breite blaugrüne Lederstreifen herab und tragen
bisweilen auf der Rückseite in der Nähe der Spitze ausgebreitete braune
Sporenmassen. Auch dieses Farnkraut will im Winter nicht zu warm stehen.
[Illustration: Pteris serrulata]
Von den dünnblättrigen Farnen sind zunächst einige _Pteris_-Arten für das
Zimmer sehr zu empfehlen. Sehr verbreitet ist _*Pteris cretica L._, eine
in der warmen gemäßigten Zone beider Hemisphären heimische Art, welche
15–30 cm lange, zierliche, langgefiederte Wedel bildet. Wie bei vielen
Farnen sind hier die sporentragenden, fertilen Wedel von den
unfruchtbaren, sterilen, abweichend gebildet. Sehr hübsch ist eine aus
Japan stammende weißgestreifte Form _albo-lineata_(3). Noch zierlicher ist
der ebenfalls ganz harte _Pteris serrulata L. fil._(4) in China, Japan und
Natal heimisch, dessen 25–50 cm lange, 15–25 cm breite Wedel in sehr feine
Fiedern zerschlitzt sind und äußerst graziöse Büsche bilden. Beide Arten
wollen im Winter kühl, bei 4 bis 6° R. [5–7,5°C] stehen. Etwas wärmer will
_*Pteris quadriaurita Retz_, eine in den Tropen heimische Art, stehen. Sie
gedeiht auch im geheizten Wohnzimmer, wenn für feuchte Luft gesorgt wird.
Die gefiederten Wedel erreichen bei der Stammform bis zu 1 m Länge und
30 Cm, ja noch mehr Breite. Schöner sind einige Varietäten, von denen man
eine mit breitem weißen Mittelbande als _Pteris argyraea Moore_ ziemlich
häufig antrifft. Ganz besonders schön und dabei klein bleibend ist die
Varietät _Pteris tricolor Linden_(5), deren Wedel auf grünem Grunde weiß
und rot gezeichnet sind. Diese Form wird am schönsten im Glaskasten an
einem sonnigen Fenster, wenn man die direkten Sonnenstrahlen durch
Leinewand abhält.
[Illustration: Adiantum cuneatum]
Recht beliebt sind die *Frauenhaar-* oder _Adiantum_-Arten. Die Wedel
derselben sind entweder ganz einfach, so bei dem etwas selteneren
_Adiantum reniforme L._, aus Madeira, Teneriffa, Mauritius und Bourbon,
oder einfach gefiedert oder doppelt gefiedert oder wiederholt gabelig
geteilt und dann mit zahlreichen Fiedern an den einzelnen Zweigen besetzt.
Alle _Adiantum_-Arten sind leicht an den zierlich dünnen Wedelstielen, den
charakteristisch geformten keil- oder rautenförmigen Fiedern, der
auffallend dünnen und dabei doch festen Textur derselben und den am Rande
auf der Unterseite sitzenden etwa halbmondförmigen Fruchthäufchen sehr
leicht zu erkennen. Wegen ihrer dünnen Textur vertragen sie alle keine
trockene Luft und gedeihen am schönsten im hellen Glaskasten. Einige Arten
lassen sich aber bei sorgsamer Pflege auch frei im Zimmer halten, wie
_*Adiantum cuneatum_(6), _*A. Capillus Veneris L._(7), das *Venushaar*,
welches über die ganze Erde verbreitet ist, und _*Adiantum pedatum L._,
das *fußförmige Frauenhaar* aus Nordamerika und Südostasien, wenn man sie
im Winter im kühlen Zimmer einziehen läßt und dann nur eben vor dem
Vertrocknen schützt. Die beiden letzten Arten halten übrigens unter
leichter Decke auch im Freien aus.
[Illustration: Adiantum pedatum]
Die schönste Art ist _*Adiantum Farleyense Moore_, eine Gartenform des
amerikanischen _Adiantum tenerum Swartz_ welche am besten im warmen Zimmer
einzeln unter einer Glasglocke kultiviert wird. Schöne Exemplare erreichen
bei guter Kultur bis einen halben Meter Durchmesser. Die Wedel dieser Art
werden wegen der sehr großen. Fiedern am besten an dünnem steifem Draht
festgebunden. Bemerkenswert ist etz, daß man von dieser Form nur sehr
selten Fruchtwedel erhält. Ein neuerdings eingeführtes, sehr dankbares
Farnkraut ist _Nephrolepis bostoniensis_ (8) mit sehr eleganten, langen
Wedeln. Vergleiche über Farne auch Gartenbaubibliothek Band 8, Mönkemeyer,
die Farne.