4. KAPITEL. ANZUCHT UND VERMEHRUNG

Die Anzucht der Blattpflanzen aus Samen bereitet in den meisten Fällen

keine besonderen Schwierigkeiten. Sie hat nicht selten den Nachteil, daß

es ziemlich lange dauert, bis man einigermaßen ansehnliche Pflanzen

erlangt. Schneller kommt man im allgemeinen durch vegetative Vermehrung:

Teilung oder Stecklinge zum Ziele. Leider lassen sich aber viele

Blattpflanzen auf letztere Weise nicht vermehren.

Für die Anzucht aus Samen ist möglichst frischer Samen unbedingt

notwendig. Man bestelle deshalb stets nur ganz frischen Samen und warte

lieber mit der Aussaat, bis der Samenhändler frische Saat erhalten hat,

als daß man alten Samen Verwendet. Das Geld für letzteren ist in weitaus

den meisten Fällen fortgeworfen und alle aufgewendete Mühe umsonst. Die

Keimung der Samen wird stets durch etwas erhöhte Temperatur beschleunigt.

Samen von Pflanzen aus den Tropen brauchen sogar meist eine etwas erhöhte

Bodentemperatur, um zu keimen. Will man sich seine Blattpflanzen aus Samen

heranziehen, so ist es deshalb sehr vorteilhaft, wenn man sich einen

kleinen Kasten baut, der heizbar ist. Am einfachsten verwendet man eine

Kiste Von etwa 25 cm Höhe, in welche man ein Stück starkes Schwarzblech

auf vier in den Ecken festgeschraubte Klötze von 8 cm Höhe aufnagelt. Die

Kiste wird mit einer Glasscheibe bedeckt. Auf das Schwarzblech bringt man

Erde, in welche man die Töpfe mit den Samen bis zum Rande einsenkt. Der

Raum zwischen dem Schwarzblech und dem Boden der Kiste, der Heizraum, wird

durch ein an einer Seite ausgesägtes Stück zugänglich gemacht und außerdem

durch eine Anzahl Löcher von etwa 2–3 cm Durchmesser an allen vier Seiten

ventiliert. Zum Heizen verwendet man ein Nachtlicht. Ein kleines

Thermometer im oberen Raume ist zur Beobachtung der Temperatur notwendig.

In einem solchen Wärmkasten kann man die zartesten Pflanzen aus Samen

heranziehen.

Außer Wärme ist zur Keimung der Samen eine recht gleichmäßige, mäßige

Feuchtigkeit notwendig. Die Erde, in der die Samen ruhen, darf *niemals*

trocken werden. Deshalb bedeckt man die Töpfe, wenn sie frei im Zimmer

stehen, mit einer Glasscheibe, wodurch ein zu schnelles Austrocknen der

obersten Schicht vermieden wird. Ferner brauchen die Samen zur Keimung

auch Luft. Aus diesem Grunde wird die Glasscheibe auf dem Topfe jeden Tag

kurze Zeit abgenommen; die Samen aber werden nur so tief in die Erde

gebracht, wie sie dick sind. Noch empfehlenswerter ist es, die Samen *auf*

die Erde zu legen und mit zerriebenem Torfmoos leicht zu bedecken. Sehr

feine Samen, z. B. von Begonien, streut man auf die zuvor mit einem

Brettchen leicht angedrückte, völlig geebnete Erde und drückt sie dann

leicht an. Sporen von Farnen streut man auf ein Stückchen

glattgeschnittenen Moostorf (Insektenkastentorf), dessen Oberfläche man

mit einem Hölzchen etwas gelockert hat und legt dann das Torfstück in ein

mit etwas Wasser gefülltes Gefäß. Das Wasser ist von Zeit zu Zeit zu

erneuern.

Stecklinge lassen sich von Zweigen und Blättern machen. Zweigstecklinge

steckt man am besten in recht sandige Erde oder in Torfmull. Auch

Kokosfaserabfall eignet sich sehr zur Stecklingsvermehrung. Der Steckling

soll stets so geschnitten sein, daß die untere Schnittfläche durch den

Blattknoten geht. Man steckt die Stecklinge möglichst nahe an den Rand des

Topfes, weil sie sich hier erfahrungsgemäß leichter bewurzeln. Es scheint,

als ob die durch die Topfwandung eindringende Luft die Wurzelbildung

befördert; wenigstens deutet der Umstand, daß, wenn man in den Topf einen

kleineren verkehrt stellt und ihn dann mit Erde füllt, Stecklinge an den

Wandungen, sowohl denen des kleineren als auch des größeren leichter

Wurzeln bilden als in der Mitte der Erde, darauf hin. Da die

unterirdischen Stengel, die Rhizome, ebenfalls Zweige sind, so können auch

sie zur Stecklingsvermehrung verwendet werden. Stets sollen die Stecklinge

in einer gleichmäßig feuchten Luft gehalten werden. Kann man etwas

Bodenwärme geben, so ist es um so besser.

Eine ganze Anzahl Pflanzen mit fleischigen oder dickadrigen Blättern

lassen sich verhältnismäßig leicht durch Blattstecklinge vermehren. Es

gehören hierher buntblättrige _Begonien_, _Peperomien_, _Gesneraceen_,

_Bryophyllum_, _Sanseviera_ etc. Während Blätter normal keine Laubknospen

bilden, besitzen die der genannten Pflanzen die Eigenschaft, unter

bestimmten Verhältnissen Knospen und Wurzeln zu bilden. Diese Verhältnisse

sind: gleichmäßig feuchte Luft und Erde und etwas erhöhte Temperatur. Die

Vermehrung durch Blattstecklinge ist also nur in einem heizbaren Kasten

auszuführen. Die Methoden der Vermehrung sind verschieden. Im einfachsten

Falle steckt man das Blatt, dem man ein Stück des Blattstieles gelassen

hat, in sandige Erde (_Peperomien_). Begonienblätter legt man entweder auf

feuchten Sand, wobei der Blattstielstumpf in den Sand kommt, durchsticht

die Hauptadern an den Gabelstellen und drückt die Blattfläche durch kleine

/\ gebogene Holzstückchen fest an den Sand an. Oder man schneidet die

Blattfläche bis auf ein kleines Dreieck von etwa 5 cm Länge fort und

steckt dieses Dreieck in den Sand. Außer bei _Bryophyllum_ welches an den

Kanten des Blattrandes Knospen bildet, entwickeln sich nach bald längerer,

bald kürzerer Zeit an den Schnittflächen Knospen, welche, wenn sie

bewurzelt sind, einzeln in kleine Töpfe gepflanzt werden.

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Zimmerblattpflanzen · 第 14 / 43 题