1. KAPITEL. ALLGEMEINE LEBENSBEDINGUNGEN

Um Blattpflanzen mit Erfolg im Zimmer kultivieren zu können, d. h. sie zur

höchsten Entwickelung zu bringen, ist es nötig, daß man im Auge behält,

daß es die Blätter sind, welche, und zwar nur im Lichte, die Hauptmasse

der festen Pflanzensubstanz, den Kohlenstoff, aus der Luft in Gestalt von

Kohlensäure, aufnehmen und aus dieser den Kohlenstoff abscheiden. Ohne

Licht ist diese Arbeit der Blätter nicht möglich. Sie findet am

intensivsten im Sonnenlichte, weniger stark im zerstreuten Tageslichte

statt und vermindert sich in dem Maße, wie das Licht abnimmt. Im Zimmer

erhält nun jede Pflanze sehr viel weniger Licht als im Freien. Schon in

einer Entfernung von einem Meter vom Fenster hat die Pflanze nur noch ein

Fünftel der Lichtmenge, welche eine Pflanze im Garten erhält. Sie kann

also hier nur ein Fünftel der Arbeit verrichten. Je näher wir die Pflanze

an das Fenster stellen, desto mehr Licht erhält sie, desto besser wird sie

sich entwickeln.

Die Kohlensäure ist in der Luft nur in geringer Menge enthalten. In

10,000 Teilen Luft sind nur etwa 4 Teile Kohlensäure. Außerdem braucht die

Pflanze aber noch aus der Luft Sauerstoff, ein Gas, von welchem in

100 Teilen Luft nur 21 Teile enthalten sind. Um der Pflanze diese beiden

Bestandteile recht reichlich zuführen zu können, müssen wir ihr also recht

viel frische Luft geben.

Die Hauptmasse der frischen Pflanze bildet Wasser. Ohne Wasser kann die

Pflanze nicht leben. Die großen Blattflächen verdunsten beständig Wasser,

um so mehr, je trockener die Luft ist. Zimmerluft ist, besonders im Winter

im geheizten Zimmer, außerordentlich trocken. Die Wasser-Verdunstung der

Pflanze ist dann eine besonders starke. Den durch die Verdunstung

entstehenden Wasserverlust müssen wir durch Begießen ersetzen.

Mit dem Wasser nimmt die Pflanze aus dem Boden Nährstoffe auf, die sie

während der Vegetationsperiode braucht. Während der Ruheperiode braucht

die Pflanze diese Nährstoffe nicht oder nur in sehr beschränktem Maße.

Deshalb müssen wir dafür sorgen, daß die Pflanze während der Ruheperiode

möglichst wenig verdunstet, damit sie nicht gezwungen ist, mit dem Wasser

viel Nährstoffe aufzunehmen. Die Verdunstung wird eingeschränkt durch

feuchte Luft und niedere Temperatur. Wenn wir die Blätter häufig

bespritzen, bildet sich um dieselben eine feuchte, kühle Luft. Außerdem

können wir die Pflanzen dadurch vor zu starker Verdunstung bewahren, daß

wir sie während der Nacht mit einem über einige Stäbe gebreiteten Stück

nasser Leinwand, Gaze oder dergl. bedecken. Während der Vegetationsperiode

müssen wir andererseits für reichliche Verdunstung und reichlichen

Wasserersatz sorgen, damit die Pflanzen mit dem Wasser recht viel

Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen. Die Wasseraufnahme erfolgt nur durch

Wurzeln und zwar um so stärker, je wärmer die die Wurzeln umgebende Erde

ist. Je kühler der Boden ist, desto geringer ist die Wurzeltätigkeit.

Während der Vegetationsperiode begießen wir die Pflanzen deshalb mit

Wasser, das wärmer ist als die Zimmertemperatur. Zartere kann man nach und

nach an Wasser von 25 bis 30° R [31,25 bis 37,5° C] gewöhnen. Sie befinden

sich dann dabei sehr wohl. Niemals sollte man Wasser zum Begießen

verwenden, das kühler als die Zimmertemperatur ist.

Die Erde im Topfe soll stets eine bestimmte Menge Luft enthalten. Erde,

welche dauernd so naß ist, daß keine Luft darin Platz hat, ist nicht

geeignet für das Wachstum der Pflanzen. Die Wurzeln ersticken in solcher

Erde und verfaulen, die Pflanze geht zu Grunde. Deshalb muß man dafür

sorgen, daß das überschüssige Gießwasser schnell aus dem Topf abfließen

kann. Das Loch im Boden des Topfes darf niemals durch Erde verstopft sein.

Andrerseits darf die Erde nicht zu trocken werden, weil sonst die Pflanzen

nicht genügend Wasser finden, ganz trockene Erde aber häufig nur sehr

schwer wieder Wasser annimmt. Wenn die Pflanzen täglich mit zu wenig

Wasser begossen werden, dann tritt nicht selten der Fall ein, daß die Erde

im Topfe nach und nach von unten her trocken wird, während sie oben feucht

ist. Die Wurzeln vertrocknen dann leicht. Pflanzen, deren Erde zu trocken

geworden ist, stellt man mehrere Stunden bis an den Topfrand in eine

Schüssel Wasser von etwa 30 Grad R [37,5° C]. Um eine gleichmäßige, nicht

zu starke und nicht zu geringe Feuchtigkeit der Erde im Topfe zu erhalten,

begießt man nur dann, wenn die Pflanze Wasser braucht, d. h. wenn die

Blätter anfangen schlaff zu werden; dann aber gießt man so reichlich, bis

das Wasser aus dem Abflußloche herausfließt. Wenn das Wasser sofort nach

dem Begießen abfließt, dann ist das ein Zeichen, daß die Erde an einer

Stelle so trocken ist, daß sie kein Wasser mehr annimmt. Der Topf ist dann

sofort in Wasser zu stellen.

Alle Pflanzen brauchen zu ihrem Gedeihen eine bestimmte Temperatur. Jede

Pflanze hat im Laufe des Jahres eine bestimmte Ruheperiode. Während dieser

Periode kann die Temperatur niedriger sein, als während der Zeit der

Wachstums. Je nach der Heimat der betreffenden Pflanze muß die Temperatur

während der Ruheperiode kälter oder wärmer sein. Pflanzen der Tropen

wollen auch während der Nuheperiode eine Temperatur von 12–15° R.

[15–18°C], sie sind also im geheizten Wohnzimmer zu halten. Pflanzen der

Subtropen und der diesem Klima entsprechenden tropischen Gebirge hält man

am besten bei 6–10° R. [7–12°C], also in ungeheizten, aber mit geheizten

Räumen in Verbindung stehenden Zimmern. Pflanzen der warmen gemäßigten

Zone werden am besten bei 2 biz 4° R. überwintert, also im frostfreien

hellen Keller, auf hellen Korridoren etc. Pflanzen der kalten gemäßigten

Zone müssen im Winter ganz kalt stehen, leichter Frost ist ihnen nicht

schädlich. Nur soll man die in Töpfen stehenden Pflanzen nicht zu strenger

Kälte auösetzen.

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Zimmerblattpflanzen · 第 11 / 43 题