Eine Komödie.
Namen.
Herr von Berg. Geheimer Rath.
Der Major. Sein Bruder.
Die Majorin.
Gustchen. Ihre Tochter.
Fritz von Berg.
Graf Wermuth.
Läuffer. Ein Hofmeister.
Pätus und Bollwerk. Studenten.
Herr von Seiffenblase.
Sein Hofmeister.
Frau Hamster. Räthin.
Jungfer Hamster.
Jungfer Knicks.
Frau Blitzer.
Wenzeslaus. Ein Schulmeister.
Marthe. Alte Frau.
Lise.
Der alte Pätus.
Der alte Läuffer. Stadtprediger.
Leopold. Junker des Majors. Ein Kind.
Herr Rehhaar. Lautenist.
Jungfer Rehhaar. Seine Tochter.
Erster Akt.
Erste Scene.
Zu Insterburg in Preussen.
Läuffer.
Mein Vater sagt: ich sey nicht tauglich zum Adjunkt. Ich
glaube, der Fehler liegt in seinem Beutel; er will keinen
bezahlen. Zum Pfaffen bin ich auch zu jung, zu gut
gewachsen, habe zu viel Welt gesehn und bey der
Stadtschule hat mich der geheime Rath nicht annehmen
wollen. Mag's! er ist ein Pedant und dem ist freylich
der Teufel selber nicht gelehrt genug. Im halben Jahr
hätt' ich doch wieder eingeholt, was ich von der Schule
mitgebracht, und dann wär' ich für einen Klassenpräceptor
noch immer viel zu gelehrt gewesen, aber der Herr geheime
Rath muß das Ding besser verstehen. Er nennt mich immer
nur Monsieur Läuffer, und wenn wir von Leipzig sprechen,
fragt er nach Händels Kuchengarten und Richters Kaffehaus,
ich weiß nicht: soll das Satyre seyn, oder--Ich hab'
ihn doch mit unserm Konrektor bisweilen tiefsinnig genug
diskuriren hören; er sieht mich vermuthlich nicht für
voll an.--Da kommt er eben mit dem Major; ich weiß nicht,
ich scheu ihn ärger als den Teufel. Der Kerl hat etwas
in seinem Gesicht, das mir unerträglich ist. (geht dem
geheimen Rath und dem Major mit viel freundlichen
Scharrfüssen vorbey.)
Zweyte Scene.
Geheimer Rath. Major.
Major.
Was willst du denn? Ist das nicht ein ganz artiges Männichen?
Geh. Rath.
Artig genug, nur zu artig. Aber was soll er Deinen Sohn
lehren?
Major.
Ich weiß nicht, Berg, Du thust immer solche wunderliche
Fragen.
Geh. Rath.
Nein aufrichtig! Du must doch eine Absicht haben, wenn Du
einen Hofmeister nimmst und den Beutel mit einemmahl so
weit aufthust, daß dreihundert Dukaten herausfallen. Sag
mir, was meinst Du mit dem Geld auszurichten; was foderst
Du dafür von Deinem Hofmeister?
Major.
Daß er--was ich--daß er meinen Sohn in allen
Wissenschaften und Artigkeiten und Weltmanieren--Ich weiß
auch nicht, was Du immer mit Deinen Fragen willst; das
wird sich schon finden; das werd ich ihm alles schon zu
seiner Zeit sagen.
Geh. Rath.
Das heißt: Du willst Hofmeister Deines Hofmeisters seyn;
bedenkst Du aber auch, was Du da auf Dich nimmst--Was
soll Dein Sohn werden, sag mir einmahl?
Major.
Was er... Soldat soll er werden; ein Kerl, wie ich gewesen
bin.
Geh. Rath.
Das letzte laß nur weg, lieber Bruder; unsere Kinder
sollen und müssen das nicht werden, was wir waren: die
Zeiten ändern sich, Sitten, Umstände, alles, und wenn Du
nichts mehr und nichts weniger geworden wärst, als das
leibhafte Kontrefey Deines Eltervaters--
Major.
Potz hundert! wenn er Major wird, und ein braver Kerl
wie ich, und dem König so redlich dient als ich!
Geh. Rath.
Ganz gut, aber nach funfzig Jahren haben wir vielleicht
einen andern König und eine andre Art ihm zu dienen. Aber
ich seh schon, ich kann mich mit Dir in die Sachen nicht
einlassen, ich müste zu weit ausholen und würde doch
nichts ausrichten. Du siehst immer nur der graden Linie
nach, die Deine Frau Dir mit Kreide über den Schnabel
zieht.
Major.
Was willst Du damit sagen, Berg? Ich bitt Dich, misch
Dich nicht in meine Hausangelegenheiten, so wie ich mich
nicht in die Deinigen.--Aber sieh doch! da läuft ja
eben Dein gnädiger Junker mit zwey Hollunken aus der
Schule heraus.--Vortrefliche Erziehung, Herr Philosophus!
Das wird einmal was rechts geben! Wer sollt' es in aller
Welt glauben, daß der Gassenbengel der einzige Sohn Sr.
Excellenz des königlichen geheimen Raths--
Geh. Rath.
Laß ihn nur.--Seine lustigen Spielgesellen werden ihn
minder verderben als ein galonirter Müßiggänger,
unterstützt von einer eiteln Patronin.
Major.
Du nimmst Dir Freyheiten heraus.--Adieu.
Geh. Rath.
Ich bedaure Dich.
Dritte Scene.
Der Majorin Zimmer.
Frau Majorin. (auf einem Kanapee)
Läuffer. (in sehr demüthiger Stellung neben ihr sitzend)
Leopold. (steht)
Majorin.
Ich habe mit Ihrem Herrn Vater gesprochen und von den
dreihundert Dukaten stehenden Gehalts sind wir bis auf
hundert und funfzig einig worden. Dafür verlang' ich
aber auch Herr--Wie heissen Sie?--Herr Läuffer, daß
Sie Sich in Kleidern sauber halten, und unserm Hause
keine Schande machen. Ich weiß, daß Sie Geschmack haben;
ich habe schon von Ihnen gehört, als Sie noch in Leipzig
waren. Sie wissen, daß man heut zu Tage auf nichts in
der Welt so sehr sieht, als ob ein Mensch sich zu führen
wisse.
Läuffer.
Ich hoff', Euer Gnaden werden mit mir zufrieden seyn.
Wenigstens hab' ich in Leipzig keinen Ball ausgelassen,
und wohl über die funfzehn Tanzmeister in meinem Leben
gehabt.
Majorin.
So? lassen Sie doch sehen. (Läuffer steht auf) Nicht
furchtsam, Herr...Läuffer! nicht furchtsam! Mein Sohn
ist buschscheu genug; wenn der einen blöden Hofmeister
bekommt, so ists aus mit ihm. Versuchen Sie doch einmal,
mir ein Kompliment aus der Menuet zu machen; zur Probe
nur, damit ich doch sehe.--Nun, nun, das geht schon an!
Mein Sohn braucht vor der Hand keinen Tanzmeister! Auch
einen Pas, wenn's Ihnen beliebt.--Es wird schon gehen;
das wird sich alles geben, wenn Sie einmal einer unsrer
Assembleen werden beigewohnt haben. Sind Sie musikalisch?
Läuffer.
Ich spiele die Geige, und das Klavier zur Noth.
Majorin.
Desto besser: wenn wir aufs Land gehn und Fräulein
Milchzahn besuchen uns einmal; ich habe bisher ihnen
immer was vorsingen müssen, wenn die guten Kinder Lust
bekamen zu tanzen: aber besser ist besser.
Läuffer.
Euer Gnaden setzen mich ausser mich: wo wär ein Virtuos
auf der Welt, der auf seinem Instrument Euer Gnaden
Stimme zu erreichen hoffen dürfte.
Majorin.
Ha ha ha! Sie haben mich ja noch nicht gehört. ... Warten
Sie; ist Ihnen die Menuet bekannt? (singt)
Läuffer.
O... o... verzeihen Sie dem Entzücken, dem Enthusiasmus,
der mich hinreißt. (küßt ihr die Hand.)
Majorin.
Und ich bin doch enrhumirt dazu; ich muß heut krähen wie
ein Rabe. Vous parlez françois, sans doute?
Läuffer.
Un peu, Madame
Majorin.
Avez Vous deja fait Vôtre tour de France?
Läuffer.
Non Madame. ... Oui Madame.
Majorin.
Vous devez donc savoir, qu'en France, on ne baise pas
les mains, mon cher. ...
Bedienter. (tritt herein)
Der Graf Wermuth ...