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Anmerkungen zur Transkription.
Das Original ist in Fraktur gesetzt. Schreibweise und Interpunktion des
Originaltextes wurden übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler
sind stillschweigend korrigiert worden.
Worte in Antiqua sind so +gekennzeichnet+; gesperrte so: ~gesperrt~
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Straußenpolitik
Neue Tierfabeln.
[Illustration]
Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart.
Die Gesellschaft Kosmos will die Kenntnis der Naturwissenschaften und
damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen
in den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten. -- Dieses Ziel
glaubt die Gesellschaft durch Verbreitung guter naturwissenschaftlicher
Literatur zu erreichen mittelst des
Kosmos, Handweiser für Naturfreunde
Jährlich zwölf Hefte. Preis M 2.80;
ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten
Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es
erscheinen im Vereinsjahr 1908:
=Meyer, Dr. M. Wilh., Erdbeben und Vulkane. Reich illustriert. Geb.
M 1.-- = K 1.20 h ö. W.=
=Dekker, Dr. Herm., Naturgeschichte des Kindes. Illustriert. Geb. M
1.-- = K 1.20 h ö. W.=
=Sajó, Prof. Dr. K., Krieg u. Frieden im Ameisenstaat. Reich
illustriert. Geb. M 1.-- = K 1.20 h ö. W.=
=Teichmann, Dr. E., Vererbung als erhaltende Macht. Illustriert.
Geb. M 1.-- = K 1.20 h ö. W.=
=Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen Waldes. Reich
illustriert. Geb. M 1.-- = K 1.20 h ö. W.=
Diese Veröffentlichungen sind durch ~alle Buchhandlungen~ zu
beziehen, daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur
M 4.80) zum =Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde= (auch
nachträglich noch für die Jahre 1904/07 unter den gleichen günstigen
Bedingungen) entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der
erschienenen Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.)
Geschäftsstelle des Kosmos: =Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart=.
Straußenpolitik
Neue Tierfabeln
von
Dr. Th. Zell
Dreizehnte Auflage.
[Illustration]
Stuttgart
~Kosmos~, Gesellschaft der Naturfreunde
Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung.
Max Dethleffs Buchdruckerei.
Inhaltsverzeichnis.
Seite
Vorwort VII
Tiergestaltenverbesserer 1
Schämen sich manche Tiere? 8
Der Respekt der Raubtiere vor den Menschen 15
Können nur Herdentiere zu Haustieren gemacht werden? 20
Die angebliche Nervosität der Tiere 27
Gibt es Tiere, die sich spiegeln? 32
Tiere als Heuchler 46
Verstellungskünste bei Vogeleltern 53
Straußenpolitik 58
Wittern die Geier Tierleichen? 64
Die Schnepfe als angeblicher Mediziner 70
Sichtotstellen als Rettungsmittel 73
Das Wiedererkennungsvermögen bei Menschen u. bei Tieren 76
Anhang 81
Vorwort.
Zu den vor zwei Jahren erschienenen Tierfabeln soll das vorliegende
Buch eine Fortsetzung bilden. Was ich dort im Vorwort sagte, gilt
auch hier: es sind nämlich nicht nur wirkliche Fabeln behandelt
worden, sondern auch solche Fälle, deren Unwahrheit noch nicht völlig
ausgemacht ist.
Ich hoffe, daß auch die vorliegende Arbeit dazu beiträgt, weiteren
Kreisen Interesse für die meist so verkannte Tierwelt einzuflößen.
Wegen der Zuschriften und Kritiken verweise ich auf den Anhang.
~Berlin~ +W.+ 57, Ende Februar 1907.
=Der Verfasser.=
Tiergestaltenverbesserer.
Obwohl jeder, der sich eingehend mit dem beschäftigt, was die uns
umgebende Natur an Tieren und Pflanzen geschaffen hat, m. E. beinahe
täglich einen neuen Grund zu größerer Bewunderung findet, so fehlt
es nicht an Leuten, die einen ganz entgegengesetzten Standpunkt
einnehmen. Fast mit einer gewissen Geringschätzung sprechen sie von
den geschaffenen Gebilden, die deutlich durchblicken läßt, sie selber
hätten die Sache viel zweckmäßiger gestaltet. Namentlich zwei Tiere
sind wegen ihrer angeblichen Unzweckmäßigkeit kritisiert worden, das
Nilpferd und die Giraffe. Da ich nirgends gelesen habe, daß diesen
tadelnden Urteilen widersprochen wäre, so sei es in nachstehendem
gestattet, den Beweis zu liefern, daß die Sache sich denn doch nicht so
einfach verhält, wie die gelehrten Herren Kritiker vermeinen.
Ich halte es nämlich für einen der verhängnisvollsten Irrtümer, der
Natur ins Handwerk pfuschen zu wollen.
Über das Nilpferd schreibt ein berühmter Philosophieprofessor
(~Lotze~, im Mikrokosmus, 2. Aufl. Bd. 2 S. 77): Wir bewundern
die entsetzliche Stärke des Nilpferdes, aber in der Tat ist dies mehr
eine zerstörende als eine arbeitende, und wir würden in Verlegenheit
geraten, wenn wir entsprechend große Vorteile nachweisen sollten,
die dieses schwierig verwendbare Kapital dem Tiere selbst in seinen
natürlichen Lebensverhältnissen verschaffte.
Hierauf ist folgendes zu erwidern. Wenn der Hippopotamus nach dem
Wunsche des Herrn Professors klein und zierlich gestaltet wäre, so
existierte kein einziges Exemplar heute mehr. Ob das ausgewachsene Tier
in seiner jetzigen Gestalt unter den Raubtieren Feinde hat, darüber
streiten die Afrikareisenden. ~Brehm~ und andere verweisen die Kämpfe
zwischen Löwen und Flußpferden in das Reich der Fabel, ~Bronsart von
Schellendorf~ will selbst ein totes gesehen haben, das Wunden aufwies,
die ihm ein Leopard, also ein viel kleineres Raubtier als der Löwe,
zugefügt hatte. Für die Ansicht ~Bronsarts~ spricht der Umstand,
daß die Nilpferde hauptsächlich in der Nacht ihr heimisches Element
verlassen und weiden gehen, ferner daß die Eingeborenen versichern, es
geschehe das aus Furcht vor einem Überfalle durch Löwen und Leoparden.
Allerdings könnte man wieder einwenden, daß die beiden genannten
Raubtiere mit Vorliebe in der Nacht auf Raub ausgehen, doch scheint
ein Anschleichen bei der nächtlichen Stille schwieriger als am Tage
zu sein. Überdies soll der Löwe zu dieser Zeit sein Kommen regelmäßig
durch Brüllen anzeigen.
Wir können die Sache hier auf sich beruhen lassen, jedenfalls kann
nicht der geringste Zweifel bestehen, daß der junge Hippopotamus ohne
den Schutz der Mutter unfehlbar ein Opfer von großen Raubtieren, auch
von wilden Hunden usw. werden würde. Aber selbst in seinem heimischen
Element, wohin er sonst flüchten könnte, wäre er seines Lebens nicht
sicher, denn ein junges Nilpferd würde allein in Kürze ein Opfer eines
Krokodils werden. Dasselbe Schicksal würde ein ausgewachsenes Nilpferd
erleiden, wenn es, wie der Kritiker wünscht, nur klein und zierlich
wäre.
Sieht man von diesen Feinden ab, so kommt noch ein anderer Umstand
hinzu, der ein kleines Nilpferd bei seiner Nahrungssuche gefährden
würde. Bei seinen Weidegängen ebenso wie bei seinen Wanderungen
nach anderen Flüssen und Seen stößt es in seiner Heimat häufig auf
undurchdringliches Dickicht. Wäre das Nilpferd etwa von der Größe eines
Hundes, so wäre es schlimmer daran als ein Mensch, der wenigstens
mit Werkzeugen sich mühsam einen Weg bahnen kann. Gerade aber durch
die Wucht ihres kolossalen Leibes können Elefanten, Nashörner,
Kafferbüffel und ebenso auch unsere Nilpferde schnurgerade Wege oder
Tunnels durch das dichteste Gestrüpp brechen. Dadurch werden sie zu
Wohltätern für die Menschen, indem diese ihre Straßen gern benutzen.
Die Afrikareisenden, namentlich v. ~Wißmann~, heben diesen Umstand
besonders hervor.
Ich glaube hiernach bewiesen zu haben, daß es vorläufig doch besser
ist, wir überlassen die Schöpfung der Flußpferde der Natur und nicht
unseren Gelehrten.
Auch den Elefanten hielt derselbe Professor für zu groß, doch brauchen
wir hierauf nicht näher einzugehen, da alles, was vom Nilpferd gesagt
ist, auch für das Rüsseltier zutrifft.
Was die Giraffe betrifft, so hat ein Kritiker (~Wolfgang Kirchbach~,
im Zeitgeist 1902, Nr. 24) folgendes an ihr auszusetzen gehabt. Er
betrachtete nämlich mit seinem Freunde die beiden Giraffen im Berliner
Zoologischen Garten und sah, wie diese Tiere Heu fraßen, ferner, daß
sie die Beine grätschen müssen, um frisches Gras vom Boden aufzunehmen.
Er folgerte hieraus, daß der Hals dieser Tiere nicht zu lang, sondern
vielmehr die Beine zu hoch geraten seien, oder daß der Rücken zu
kurz sei. Indem er die Anpassungstheorie verwirft, setzt er seinem
Freunde seine Theorie über die Giraffe auseinander, von der ich die
markantesten Stellen in nachstehendem anführe. »Sie sehen, daß jedes
Tier, Pferd, Ochse, Esel, alle vierfüßig laufenden Tiere zunächst so
organisiert sind, daß sie mit dem Maul die Erde unter sich und mit
ihren schlanken Affenhänden, Elefantenrüsseln und anderen Gliedmaßen
auch Nahrung bis zu einer gewissen Höhe über sich erlangen können.
Klettertiere wie Eichhörnchen und Affen kommen in diesem Verhältnis
am höchsten. Unter ihnen zeichnen sich die Einhufer und Zweihufer
durch Hälse aus, die so lang sind, daß sie trotz einer beträchtlichen
Höhe des Rückgrats vom Boden doch auch, ohne die stehende Stellung,
den Wandergang zu verlassen, den Boden abweiden können. Ein ganz
bestimmtes Verhältnis der Halslänge zur Höhe der Vorderbeine und
bis an die Schlüsselbeine ergibt sich daraus. So ist das Pferd zwar
langhalsig, aber sein Hals ist nicht zu lang, sondern gerade lang
genug, um den Boden zum Abweiden mit dem Maule zu erreichen; eine große
Bequemlichkeit für diese Weidetiere, daß sie nicht erst niederzuknieen
brauchen und mitten im Weiden, ohne zeitraubendes Aufspringen, auch
gleich weiterlaufen können. Nun betrachten Sie die Giraffe! Ihr Hals
ist eher etwas zu kurz geraten im Verhältnis zu ihren hohen Beinen, und
wenn wir etwas an ihr zu lang fänden, so müßten wir uns zuerst fragen:
Warum sind diese Beine so lang? Bei genauerer Betrachtung stellt
sich heraus, daß der Giraffenhals im Verhältnis zur Größe des ganzen
Tieres durchaus nur der Länge eines Pferdehalses entspricht. Soweit
er, nach unten gebogen, zu kurz scheint, ist in Erwägung zu ziehen,
daß er gerade lang genug ist, um höher gewachsenes Gras, wie es in den
Verbreitungsgebieten der Giraffe wächst, bequem zu erreichen. Wenn sie,
um ganz kurzes Gras zu erreichen, die Beine etwas breit stellen muß, so
ist das für die Erwerbung anatomischer Eigentümlichkeiten im Kampfe ums
Dasein ein schlechtes Zeugnis, denn eigentlich müßten ihre Beine dafür
allmählich durch Anpassung etwas kürzer geworden sein. Das ist ihnen
aber gar nicht eingefallen.« Weiter heißt es:
»Wie wollen Sie also, mein Herr, behaupten, die Giraffe habe ihren
allzu langen Hals durch ›Anpassung‹ im ~Lamarck-Darwinschen~
Sinne erhalten in Anbetracht der hohen Bäume, während ihr Hals
einfach zu kurz ist? Und sie frißt ja Gras, mein Herr, es fällt der
Giraffe gar nicht ein, nur vom Laube zu hoher Bäume zu leben; der
Kampf um Erhaltung und Nahrung weist sie gar nicht darauf an, das
Laub von Bäumen abzufressen. Womit ich Ihnen das beweise, mein Herr?
Eben mit diesen beiden schönen Berliner Giraffen vor uns. Hier in
diesem Antilopenhaus ist weder die berühmte Palme noch eine +Acacia
giraffae+ noch sonst ein Baum, den diese Giraffen abweiden, sie
leben seit Jahren von Heu, Gras und anderen Futterdingen, welche
in Ermangelung edler Giraffenbäume die Direktion des Zoologischen
Gartens in hochherziger Weise diesen afrikanischen Persönlichkeiten
zur Verfügung stellt. Daraus erkennen Sie klar, daß die Blätter
hoher Bäume, besonders der Akazie, für besagte Giraffen nur eine
gelegentliche Delikatesse sind, wie für jedes Pferd die Blätter vieler
Bäume auch. Die Giraffen haben ihre langen Beine und Hälse nicht, weil
sie genötigt sind, von hohen Bäumen zu fressen, sondern sie fressen
davon, weil sie zufällig so lange Vorderbeine und Hälse haben, genau
wie der Elefant mit seinem Rüssel sich auch aus beträchtlicher Höhe die
schönsten Früchte bricht.«
Diese Deduktion hört sich sehr gelehrt an, basiert aber völlig auf
Irrtum. Dabei wollen wir die Berechtigung oder Nichtberechtigung der
Anpassungstheorie an dieser Stelle ganz auf sich beruhen lassen. Dem
Kritiker genügt es, daß er Giraffen Heu fressen sieht, und sofort
steht es für ihn fest, daß Baumlaub nur Leckerbissen für sie sind.
Jeder Tierbeobachter weiß, daß sich Tiere in der Gefangenschaft
an Dinge gewöhnen, deren ausschließlicher Genuß auf die Dauer
ihren Tod herbeiführt. Gefangene Gemsen fressen ebenfalls unser
gewöhnliches Gras, gehen dafür aber auch bald ein, weil ihnen die
trockenen Alpenkräuter fehlen. Ausführlich hat sich über diesen Punkt
~Girtanner~ ausgesprochen (Der Zoologische Garten, Bd. 21, S. 1)
und nachgewiesen, daß nur die unzweckmäßige Ernährung die Schuld daran
trägt, wenn gefangene Gemsen so bald eingehen. Reicht man dagegen
unserer europäischen Antilope Wildheu und namentlich Baumlaub, so kann
man sie jahrelang in vorzüglichem Zustande erhalten. Es heißt bei ihm:
»Für Gemsen in zoologischen Gärten des Tieflandes wäre heutzutage mit
nicht allzuhohen Spesen Wildheu, wie es die Gemse liebt, in großen
Quantitäten per Eisenbahn leicht zu verschaffen. Man muß dieses kurze,
feine, mit seinem starken würzigen Geruch weithin duftende Heu nur
kennen, um leicht zu begreifen, wie sehr die Gemse, weit von den Bergen
entfernt, anders danach schnuppert und sich streckt, als nach dem
schwachen geruchlosen Gewächs der Ebene. -- Nur neben dem im Winter als
Hauptsache verfütterten Heu dürfen ohne Nachteil Küchenabfälle, Kohl,
Salat, Kartoffelhäute, Rüben usw. und nur in ganz kleinen Quantitäten
gereicht werden, sind aber bei leichtesten Darmkatarrh-Erscheinungen
auf längere Zeit zu entziehen. Werden sie hingegen, wie oft zu sehen,
der Bequemlichkeit und Wohlfeilheit halber und gewöhnlich erst noch
als einzige Abwechselung mit dem schädlichen, besonders jungen Gras
gebraucht, so geht die Gemse den Weg alles Fleisches, nachdem zuerst
das Fleisch in erstaunlich kurzer Zeit von der Gemse gegangen ist.«
Kühe kann man mit Fischen füttern, wir hatten einen Hund, der Obst fraß
usw. Daraus folgt natürlich noch nicht, daß die Rinder Fleischfresser
und die Hunde Vegetarier sind. Daß es in zoologischen Gärten so wenige
Giraffen gibt, liegt nicht bloß an der Seltenheit der Tiere, sondern
vornehmlich daran, daß gerade die Nahrung zu wünschen übrig läßt.
Wir haben noch ein anderes und zwar heimisches Tier, das ebenfalls
Baumzweige und Blätter frißt, ich meine das Elentier. Obwohl es bei
uns noch in Ostpreußen vorkommt, können sich gewiß nur wenige Leser
entsinnen, jemals in einem zoologischen Garten ein Exemplar dieses
Tieres gesehen zu haben. Hören wir, welchen Grund ~Brehm~, der
doch gewiß eine unbestrittene Autorität auf diesem Gebiete ist,
hierüber sagt: »Leider ertragen die nach Europa gebrachten Giraffen
die Gefangenschaft nur bei bester Pflege längere Zeit. Die meisten
gehen an einem eigentümlichen Knochenleiden zugrunde, welches man
›Giraffenkrankheit‹ genannt hat. Ursachen der letzteren dürften Mangel
an Bewegung und ungeeignete Nahrung sein. Nach den Erfahrungen, welche
ich an Elchen gemacht habe, glaube ich, daß namentlich Gerbsäure dem
Giraffenfutter zugesetzt werden muß, um ihr Wohlbefinden zu fördern;
denn gerade die Mimosenblätter sind besonders reich an diesem Stoffe.«
Baumlaub ist also für die Giraffen kein Leckerbissen, sondern etwas
Unentbehrliches. Schillings hat bei seinen zahlreichen Beobachtungen
überhaupt niemals gesehen, daß die Giraffe freiwillig Gras frißt. (Mit
Blitzlicht und Büchse S. 231.)
Zur Erreichung des auf dem Baume wachsenden Futters braucht die Giraffe
ihren langen Hals und hohe Beine. -- Ja, wäre es denn nun nicht besser,
die Giraffe hätte kürzere Beine oder einen längeren Rücken, damit sie,
ohne die Beine zu grätschen, bequem wie ein Pferd oder ein Rind grasen
könnte? Darauf kann man nur mit einem entschiedenen Nein antworten.
Angenommen, die Giraffe könnte bequem grasen und Baumlaub wäre für ihre
Gesundheit nicht notwendig -- was ja leicht denkbar wäre -- so ergäben
sich folgende Konsequenzen.
In ihrer Heimat gibt es zahllose Antilopen-, Zebra-, Straußenherden,
die alle auf Grasnahrung angewiesen sind. Grasten die Giraffen, so
würden sie natürlich den Tieren, die Baumlaub nicht erreichen können,
vielfach die unentbehrliche Nahrung fortfressen.
Ferner sei folgendes bemerkt: Die Giraffe ist eines der größten Tiere
und wird von ihren Feinden, namentlich von Menschen und Löwen, schon
aus weitester Ferne gesehen. Besonders würde das der Fall sein, wenn
sie auf freier Ebene graste. Die Bäume dagegen gewähren ihr einen
Schutz, der nicht hoch genug anzuschlagen ist.
Wir wollen über diesen Punkt ~v. Wißmanns~ Ansicht hören. In
seinen afrikanischen Jagderlebnissen heißt es: Diesmal traf ich das
wundervolle Wild in einem lichten Hochwald, der aus Bäumen bestand, die
ich noch nicht gesehen hatte -- ganz helle, ebenfalls fleckige Stämme,
die der Giraffe durch gleiche Färbung denselben Schutz gewähren wie
Mimosenwälder.
Ferner kommt folgendes in Betracht.
In die weiten wasserarmen Wildnisse, welche die Giraffe bevorzugt,
kommen Europäer äußerst selten, und diese Gelände sind nicht offene,
weit übersichtliche Steppen, sondern lichte, weite, meist aus Akazien
bestehende Wälder, die der Giraffe Äsung bieten und die sie dem Auge
verbergen. Es gehört schon Übung dazu, sie zwischen den gefleckten
Akazienstämmen und anderen, meist hell gefärbten Bäumen herauszufinden,
wenn sie sich nicht bewegt.
Schließlich noch eins. In meinem Buche: »Ist das Tier unvernünftig?«
habe ich ausführlich dargetan, daß alle Geschöpfe mit guten Augen
-- wie auch der Mensch -- nicht wittern können, also z. B. Affen,
Vögel, daß umgekehrt alle feinnasigen Tiere wie Hunde, Hirsche usw.
schlecht sehen können. Die Giraffe gehört zu der ersten Klasse; wie
schon ihr wundervolles Auge anzeigt, kann sie ausgezeichnet sehen,
vermag aber nicht zu wittern.[1] Das kann man z. B. daraus deutlich
erkennen, daß sie Damen die künstlichen Blumen vom Hute genommen hat,
was kein feinnasiges Tier jemals tun würde. Jetzt, wo es nach dem
Wunsche der Natur geht, holt sie ihr Futter von hohen Bäumen und hat
während des Fressens von ihrer turmartigen Höhe einen unendlich weiten
Gesichtskreis. Ginge es nach dem Herrn Kritiker, so weidete sie, hätte
ihren Kopf zur Erde geneigt und könnte naturgemäß unendlich leichter
beschlichen werden.
Auch hier wollen wir uns auf ~v. Wißmann~ berufen. Er sagt darüber
folgendes: Schwierig ist die Jagd auf dieses Wild, denn die enorme
Höhe des Lichtes über dem Boden erlaubt ihm nicht nur einen weiten
Umblick, sondern auch Einblick in niedrige Dickungen, die sein Feind
zum Anschleichen benutzt. -- Das Auge ist nicht allein der schönste
Schmuck der Giraffe, sondern auch ihr schärfster Sinn, ihre beste Waffe
im Kampfe ums Dasein.
Also vorläufig wollen wir Nilpferde und Giraffen lieber so lassen, wie
sie geschaffen sind, und sie nicht nach den Wünschen mehr oder weniger
gelehrter Kritiker ummodeln.
Schämen sich manche Tiere?
Die meisten Menschen werden die Frage, ob Tiere sich schämen können,
entschieden bejahen. Sie werden darauf hinweisen, daß bei Jägern, die
doch in gewissem Sinne die besten Hundekenner sind, die wenigstens am
meisten Gelegenheit haben, die Seele dieses anhänglichen Vierfüßlers zu
beobachten, Redensarten wie: »Pfui, Hekter, schämst du dich gar nicht!«
etwas ganz Alltägliches sind. Auch ~Darwin~ und ~Perty~ nehmen an, daß
hochentwickelte Tiere Scham besitzen. Trotzdem will es mir scheinen,
daß diese Annahme auf sehr schwachen Füßen steht, und ich möchte in
nachstehendem meine Ansicht näher begründen.
Zunächst ist es einleuchtend, daß man Scham nicht mit Schuldbewußtsein
verwechseln darf. Daß das letztgenannte hochentwickelte Tiere besitzen,
davon bin ich überzeugt, und ich werde dafür später einige Beispiele
anführen. Ein Verbrecher kann sehr wohl wissen, daß er Unrecht begeht,
braucht sich deswegen aber noch lange nicht zu schämen. Ebenso ist
Ärger und Scham zweierlei; es ist ärgerlich, wenn man als armer Teufel
geboren ist, aber man braucht sich dessen nicht zu schämen. Wenn man
es trotzdem tut, so liegt falsche Scham vor, denn Voraussetzung einer
jeden wahren Scham ist immer der Gedanke, daß man es anders oder
besser hätte machen oder unterlassen können. In meinem Buche: »Ist das
Tier unvernünftig?« habe ich darauf hingewiesen, daß wir den Tieren
kein Gefühl unterschieben sollen, das wir nicht bei Naturvölkern
und Kindern antreffen. Nun ist es sicherlich bei den Naturvölkern
recht zweifelhaft, ob der Begriff der Scham in unserem Sinne bei
ihnen vorhanden ist. Kinder lernen jedenfalls das wirkliche Schämen
verhältnismäßig spät, weil es etwas künstlich Anerzogenes ist.
Wenn mein Hund gegen das Verbot auf dem Sofa gelegen oder genascht hat,
und ich rufe ihm zu: »Aber pfui, was hast du getan?« so gewährt er das
bekannte Bild, daß er sich furchtsam niederkauert und, mit dem Schwanze
wedelnd, mich bittend ansieht. Ist das nun Scham, oder ist es Angst vor
Schlägen? Das letzte ist zunächst das Wahrscheinliche.
Ähnliche Fälle sind folgende. Hunde, z. B. Pudel, denen der hintere
Teil des Körpers geschoren ist, pflegen diese Partie gern zu
verstecken. Es heißt dann allgemein: Seht, wie der Hund sich schämt!
In Wirklichkeit dürfte der Hund frieren und sich vor Kälte zu schützen
suchen.
Bekannt ist es ferner, daß Hirsche, die ihr Geweih abgeworfen haben,
sich selten sehen lassen, sich vielmehr im dichtesten Gestrüpp
aufhalten. Viele nehmen auch hier an, der König der Wälder schäme sich,
sich ohne seine Krone in der Öffentlichkeit zu zeigen. Viel näher und
begründeter ist die Ansicht, daß das Tier sich infolge seiner geringen
Wehrhaftigkeit nicht so sicher fühlt wie sonst und deshalb Verstecke
bevorzugt.
Für die Annahme, daß Tiere sich schämen, werden mit Vorliebe gewisse
Handlungsweisen der großen Raubtierarten, insbesondere der Löwen
angeführt. Es ist in unzähligen Fällen beobachtet worden, daß speziell
die Katzenarten nach einem Fehlsprunge das beschlichene Wild nicht
weiter verfolgen. Auch hier war man mit dem Urteile schnell bei der
Hand. Der König der Tiere schämt sich, daß er den Sprung nicht richtig
bemessen hat. Auch in diesem Falle liegt ein großer Irrtum vor, wie
sich aus dem folgenden ergeben wird. Ich habe in meinem Buche eingehend
dargetan, daß man zwischen Lauf- und Schleichraubtieren unterscheiden
muß. Zu den erstgenannten gehören die Hundearten, zu den zweitgenannten
die Katzen. Die Schleichraubtiere sind fast alle Kletterer, aber keine
ausdauernden Läufer. Umgekehrt sind die Laufraubtiere vorzügliche
Läufer, aber keine Kletterer. Der Löwe gehört zu den Katzen, und als
solcher kann er einen schnellfüßigen Pflanzenfresser durch ausdauerndes
Laufen nicht einholen. Es wären wohl alle Antilopenarten ausgerottet,
wenn sie von den großen Katzen nicht nur beschlichen werden könnten,
sondern -- falls sie sich vor einer Überlistung durch ihre Vorsicht
bewahrt hatten -- nicht einmal fähig wären, sich durch die Flucht
zu retten. Daß der Löwe bei einem Fehlsprunge nur deshalb nicht
an Verfolgung denkt, weil er nicht so schnellfüßig ist, wie das
beschlichene Tier, ersieht man daraus, daß er unter Umständen nochmals
springt. Es kommt nämlich manchmal vor, daß das verfolgte Tier einen
Weg einschlagen muß, der eine Krümmung aufweist, z. B. weil er durch
eine gewundene Schlucht führt. Dann schneidet der Löwe die Krümmung ab
und versucht den Sprung nochmals. Denn durch den kürzeren Weg besteht
naturgemäß für ihn die Möglichkeit, ein Geschöpf einzuholen, obwohl es
ihm an Schnelligkeit überlegen ist.
Der ausgezeichnete Tierbeobachter ~Loewis~ erzählt von seinem
zahmen Luchs Lucy einen Vorfall, der anscheinend beweist, daß trotzdem
Katzenarten Schamgefühl besitzen. Er schreibt nämlich folgendes:
»Sein Ehr- und Schamgefühl war ebenfalls nicht unbedeutend entwickelt.
Aus den Fenstern des Gutsgebäudes beobachtete ich eine eigentümliche,
das Gesagte dartuende Szene. Der große Teich war im November mit
einer Eisdecke belegt, nur in der Mitte war für die Gänseherde ein
Loch ausgehauen worden und von der schnatternden Schar dicht besetzt.
Mein Luchs erblickte dies mit lüsternen Augen. Platt auf die Eisdecke
gedrückt, schiebt er sich nur rutschend weiter heran, mit seinem
Schwänzchen vor Begierde hastig hin und her wedelnd. Die wachsamen
Nachkommen der Kapitolsretter werden unruhig und recken die Hälse bei
der drohend nahenden Gefahr. Jetzt duckt sich unser Jagdliebhaber,
und wie ein Schleudergeschoß fliegt mit gespreizten Pranken im Bogen
mitten in die erschreckte Sippe der grimme Feind, nicht ahnend, auf
welch trügerischem Element die heißersehnte Beute ruht. Statt mit jeder
Tatze eine Gans zu erfassen, klatscht der Luchs ins kühle Naß; denn
alles Federvieh war rasch zum Loche hinausgesprungen oder geschwind
untergetaucht. Jetzt gab ich die auf dem spiegelhellen Eise verwirrten
Gänse als verloren auf; aber statt nun leicht Herr über die armen
Vögel zu werden, schlich triefend, mit gesenktem Kopfe, Scham in
jeder Bewegung zeigend, nicht rechts und links schauend, mitten durch
die Wehrlosen der Luchs sich fort und verbarg sich auf viele Stunden
an einem einsamen Platze. Hunger, Jagdlust und angeborene Blutgier
konnten die Beschämung über den verfehlten Angriff nicht unterdrücken.«
Haben wir nicht in diesem Falle einen deutlichen Beweis, daß auch
ein Tier sich schämen kann? Von anderer Seite ist hiergegen geltend
gemacht worden, der Luchs habe sich nicht geschämt, sondern er sei
nur deshalb trübselig davongeschlichen, weil ihm das kalte Bad höchst
unwillkommen gewesen sei. Nun ist es ja richtig, daß die Katzen im
allgemeinen keine Freunde des Wassers sind. Aber auch unser Hinz scheut
ein Bad keineswegs, wenn es gilt, sich einen guten Bissen für sein
Mäulchen zu verschaffen. So beobachtete ich im verflossenen Frühjahre
folgendes. Im Schilfe eines Sees machten sich ein Paar Sperlinge eine
Liebeserklärung. Die Katze eines benachbarten Gehöftes wurde durch das
laute Gezeter aufmerksam und schlich sich lautlos an das Liebespärchen
heran. Plötzlich machte sie einen gewaltigen Sprung -- allerdings
daneben -- und sauste in das Wasser. Angenehm schien ihr das Bad auch
nicht zu sein, aber wenn ein Haustier das kalte Wasser nicht scheut,
so wird es ein frei lebendes erst recht nicht tun. Nun bedenke man,
daß Luchse vorwiegend Bewohner kalter Zonen sind. Wie ~Loewis~
berichtet, schlief sein Luchs selbst im kranken Zustande freiwillig auf
dem Dache bei einer Kälte von 10 bis 12 Grad. Ein solches Tier soll,
wenn es ins kalte Wasser kommt, deswegen tieftraurig sein? Das glaube
ich nimmermehr.
Ich sehe hier vielmehr wiederum einen Fall der Gewohnheit vorliegend.
Der wilde Luchs, der im Freien nach einem Vogel, also einer wilden Gans
oder Ente springt und sie nicht erhascht, weiß, daß er sie niemals mehr
bekommt. Der Vogel fliegt dann davon und ist für ihn verloren. Daß
zahmes Geflügel nicht ordentlich fliegen kann, ist dem Luchs sicherlich
nicht bekannt, denn ich habe niemals etwas davon gehört, daß er wie
Fuchs, Marder, Iltis unserm Hausgeflügel nachstellt.
Ich möchte nur daran erinnern, daß auch Menschen in neuen, ihnen
ungewohnten Verhältnissen in ähnlicher Weise handeln. So las ich von
einem deutschen Jäger folgendes Erlebnis aus Südrußland. Er war mit
seinem Hunde, den er an der Leine führte, auf die Jagd gegangen.
Unerwartet kamen ihm plötzlich Trappen zu Schuß, die sonst wegen
ihrer Scheuheit schwer zu beschleichen sind. Er legte auf einen Hahn
an, fehlte ihn jedoch. Ärgerlich über sein Mißgeschick erzählte er
später seinem Wirt sein Erlebnis. Dieser fragte ihn, warum er denn
nicht seinen Hund auf die Trappen losgelassen hätte? Der Deutsche
sah ihn ganz erstaunt an, denn Trappen können bekanntlich, wenn sie
auch vorher einen Anlauf nehmen müssen, ganz gut fliegen. Sein Wirt
setzte ihm auseinander, daß bei der herrschenden Witterung -- es war
gerade Rauhreif gefallen -- Trappen nicht fliegen können und von einem
schnellen Hunde leicht eingeholt werden.
Hier hat also der deutsche Jäger genau so wie der Luchs gehandelt.
Beide waren ärgerlich und verstimmt über ihr Mißgeschick und beide
dachten nicht daran, daß sie nachträglich noch zu einer Beute gelangen
konnten, denn in den bisherigen, ihnen bekannten Verhältnissen war eine
solche Möglichkeit ausgeschlossen.
Wenn ich somit bezweifle, daß die Tiere ein Schamgefühl besitzen, so
gehen m. E. diejenigen zu weit, die ihnen das Ehrgefühl und namentlich
das Schuldbewußtsein absprechen. Ich bin vielmehr davon durchdrungen,
daß manche hochorganisierten Tiere solches besitzen. Da gewöhnlich das
Vorhandensein eines Schuldbewußtseins bei Tieren bestritten wird, so
möchte ich hierfür einige Beispiele anführen.
Der Hund einer meiner Tanten z. B. ist durchaus kein besonders kluges
Tier, aber ein Schuldbewußtsein kann man ziemlich häufig bei ihm
feststellen. So soll er sich nicht auf den besten Teppich legen, was
er mit Vorliebe tut, da er am dichtesten und wärmsten ist. Gewöhnlich
klimpert er mit seiner Hundemarke und einem Schlüssel, die beide an
seinem Halsbande hängen, so laut wie ein Schäfchen mit einem Glöckchen,
schleicht er sich aber zu dem gedachten Teppich, so weiß er so zu
gehen, daß er nicht das geringste Geräusch erregt.
Noch drastischer sind folgende Fälle. ~Milne Edwards~ erzählt,
daß ein Haushund, der sehr blutdürstig war und Schafe erwürgte, alle
Nächte an die Kette gelegt wurde. Er vermochte aber sein Halsband über
den Kopf abzustreifen, worauf er aufs Feld lief, ein Schaf erwürgte,
dann aber regelmäßig nach einem Bache lief, um den blutigen Rachen
abzuwaschen. Hierauf eilte er vor Tagesanbruch auf den Hof zurück, wo
er mühsam den Kopf durch das Halsband zwängte und dann sich schlafen
legte, damit man nicht in ihm den Verbrecher entdeckte. -- Ein Hund in
Berlin hatte besondere Neigung, im nahen Garten sein Wesen zu treiben,
obwohl ihm verboten war, dorthin zu gehen. Er ging oft frühmorgens auf
einem Umwege durch den Keller dahin; wurde er gerufen, so kam er nicht
durch die Gartentüre herbei, sondern schlich durch den Keller nach
seiner Hütte und aus derselben ganz langsam hervor, als wenn er eben
erst vom Lager aufgestanden wäre.
Selbst Ziegen haben ein sehr feines Gefühl für Recht und Unrecht.
~Brehm~ erzählt von den Ziegen seiner Mutter folgendes: Meine
Mutter hält Ziegen und achtet sie hoch, ist deshalb auch um ihre
Abwartung sehr besorgt. Sie kann sofort erfahren, ob ihre Pfleglinge
sich befriedigt fühlen oder nicht; denn sie braucht nur zum Fenster
heraus zu fragen, so erhält sie die richtige Antwort. Vernehmen
die Ziegen die Stimme ihrer Gebieterin und fühlen sie irgendwie
sich vernachlässigt, so schreien sie laut auf, im entgegengesetzten
Falle schweigen sie still. Genau so benehmen sie sich, falls sie
unrechtmäßigerweise gezüchtigt werden. Wenn sie einmal in den Garten
geraten und dort mit ein paar Peitschenhieben von den Blumenbeeten oder
Obstbäumen weggetrieben werden, vernimmt man keinen Laut von ihnen;
wenn aber die Magd im Stalle ihnen einen Schlag gibt, schreien sie
jämmerlich.
Am überzeugendsten aber dürfte der Fall sein, den ~Schomburgk~
mitteilt und den ~Brehm~ wiedergibt: In der tierkundlichen
Abteilung des Pflanzengartens von Adelaide wurde ein alter Hutaffe mit
zwei jüngeren Artgenossen in demselben Käfige gehalten. Eines Tages
griff er, übermütig geworden durch die grausam gehandhabte Beknechtung
seiner Mitaffen, vielleicht auch beeinflußt von der herrschenden heißen
Witterung, seinen Wärter an, gerade als dieser das Trinkwasser für
die gefangenen Affen erneuern wollte, und biß ihn so heftig in das
Handgelenk des linken Armes, daß er nicht nur alle Sehnen, sondern
auch eine Schlagader schwer verletzte und dem Manne ein längeres
Krankenlager zuzog. Sofort, nachdem mir dies gemeldet worden war,
verurteilte ich den Schuldigen zum Tode, und früh am folgenden Morgen
nahm ein anderer Wärter ein Gewehr, um meinen Befehl auszuführen. Ich
muß erwähnen, daß Feuerwaffen in der Nähe der Käfige sehr oft gebraucht
werden, um Katzen, Ratten usw. zu vertilgen; die Affen haben sich daran
so gewöhnt, daß sie weder einer Flinte halber, noch wegen des Abfeuerns
derselben im geringsten sich beunruhigen. Als der Wärter dem Käfige
sich näherte, blieben die beiden jüngeren Affen wie gewöhnlich ruhig
auf der Stelle; der verurteilte Verbrecher dagegen floh in größter
Eile in den Schlafkäfig und ließ sich durch keinerlei Lockungen und
Überredungskünste bewegen, hervorzukommen. Das gewöhnliche Futter
wurde gebracht: er sah, was er früher nie getan hatte, ruhig zu, daß
die Gefährten fraßen, bevor er selbst seinen Hunger gestillt hatte,
und erst, als der Wärter mit dem Gewehre sich so weit vom Käfige
zurückgezogen hatte, daß er von ihm nicht mehr gesehen werden konnte,
kam er vorsichtig und ängstlich hervorgekrochen, ergriff etwas von dem
Futter und lief in größter Eile in den Schlafkäfig zurück, um es dort
zu verzehren. Nachdem er zum zweitenmal herausgekommen war, um sich
ein anderes Stück Brot zu sichern, wurde die Tür seines Zufluchtsortes
rasch von außen geschlossen; als der arme Schelm nunmehr wiederum den
Wärter mit der Todeswaffe auf den Käfig zukommen sah, fühlte er, daß
er verloren sei. Zuerst stürzte er sich wie wahnsinnig auf die Tür
des Schlafkäfigs, um sie zu öffnen; als ihm dies aber nicht gelang,
stürmte er durch den Käfig, versuchte durch alle Lücken und Winkel zu
entwischen, und warf sich, keine Möglichkeit zur Flucht entdeckend,
am ganzen Leibe zitternd, auf den Boden nieder und ergab sich in das
Schicksal, welches ihn schnell ereilte. Seine beiden Genossen zeigten
keine Spur von Aufregung und blickten ihm voll Erstaunen nach.
Die Geschichte ist vollständig wahr und liefert ein bemerkenswertes
Beispiel für die Fähigkeit des Affen, Wirkung und Ursache zu verbinden.
Muß man somit bezweifeln, daß die Tiere ein Schamgefühl besitzen, so
kann man ihnen doch nicht gut das Schuldbewußtsein absprechen.
Der Respekt der Raubtiere vor den Menschen.
Von jeher hat es der Mensch geliebt, das an sich seltsame Verhalten
mancher Tiere dadurch zu erklären, daß er ihnen edelmütige oder
ähnliche sympathische Beweggründe unterlegte. Beispiele hierfür können
wir schon bei den Alten ausfindig machen.
So erzählt uns ~Plutarch~, Herkules habe immer eine große Freude
gehabt, wenn er bei seinen Unternehmungen einen Geier gesehen, weil er
die Gerechtigkeit dieses Vogels bewunderte, indem derselbe, obgleich
von Fleisch lebend, doch kein lebendiges Tier anfällt.
Teilen wir heute etwa noch die Ansicht des alten Helden und halten den
Geier für einen gerechten Vogel? Gewiß nicht! Wir sind der Meinung, daß
der Geier wie die Hyäne deshalb Aas fressen, weil es für sie bequemer
ist. Ferner sind sie beide nicht gewandt und schnell genug, um sich nur
von lebenden Tieren zu ernähren. Nicht die Gerechtigkeit, sondern das
+Non possumus+ ist also der wahre Grund.
Ähnlich schreibt ~Älian~: Der Adler wird oft von Raben gefoppt,
verachtet sie aber, fliegt hoch durch die Lüfte und überläßt ihnen die
Tiefe; das tut er nicht aus Furcht, sondern aus eigentümlichem Edelmut.
Auch hier müssen wir zu dieser Erklärung ein großes Fragezeichen
machen. Der wahre Grund ist vielmehr der, wie schon ~Lenz~ mit
Recht betont, daß die von Raben, Schwalben, Bachstelzen geneckten
Raubvögel nicht aus Edelmut forteilen, sondern weil sie wissen, daß da
keine Beute zu hoffen ist, wo der schreiende Schwarm die übrigen Tiere
warnt.
Es ist auch nicht Kühnheit der Schwalbe, wie man annimmt, wenn sie mit
Hohngeschrei die meisten Raubvögel umschwirrt, sondern das Gefühl der
Sicherheit, schneller als der verspottete Räuber fliegen zu können. Das
sieht man recht deutlich daran, daß sie ein Angstgeschrei erhebt und
Reißaus nimmt -- zum Beispiel sich in das Schilf stürzt --, sobald der
Baumfalk sich blicken läßt, weil dieser eben schneller als die Schwalbe
fliegt.
Edelmut nimmt man auch bei den Edelfalken an, um zu erklären, weshalb
sich diese eine geschlagene Beute von so elenden Schmarotzern wie
den Milanen abnehmen lassen. Eine Glucke verteidigt sich gegen den
Gabelweih -- sagt ~Naumann~ -- aber der Wanderfalk gibt ihm die
Beute heraus.
Sollte auch hier wieder der Edelmut nicht nur in unserer Phantasie
existieren? Dürfte sich die Sache nicht etwas anders verhalten? Daß der
Wanderfalk keine Beute vom Erdboden nimmt, wissen wir, aber wir nehmen
mit Recht an, daß er nicht aus Edelmut ein sitzendes Tier verschont,
sondern wir vermuten ganz richtig, daß er wegen seiner rasenden
Schnelligkeit Gefahr liefe, zu zerschellen. Deshalb raubt er nur
fliegende Vögel. Ist doch vor ein paar Jahren selbst in Berlin einem
Habicht, der doch nicht so schnell fliegt, folgendes passiert: Bei der
Verfolgung einer wilden Ente stieß er so heftig auf die Herkulesbrücke,
daß ihn ein Passant mit leichter Mühe fangen konnte.
Bedenkt man nun, daß alle schnellfliegenden Vögel auf dem Boden
regelmäßig sehr unbeholfen sind -- der Mauersegler, dieser
unübertreffliche Flieger, kann wegen seiner langen Flügel vom Erdboden
sich kaum erheben --, daß aus diesem Grunde als Sitz stets ein Baum
oder ein Ort, der das Abfliegen erleichtert, bevorzugt wird, so wird
die Nachgiebigkeit des Wanderfalken wahrscheinlich ihren Grund darin
haben, daß er auf der Erde als einem ihm fremden Element große Mühe
hätte, die Gabelweihe abzuwehren. Deshalb kalkuliert er mit Recht: Bei
meiner Gewandtheit im Erbeuten ist es praktischer für mich, mir ein
neues Opfer zu holen, als es auf einen ungewissen Streit ankommen zu
lassen.
Nach diesen Beispielen möchte ich auf das eigentliche Thema zu sprechen
kommen und auseinandersetzen, daß ich zwar ohne weiteres zugebe, daß
die Raubtiere vor dem Menschen Respekt haben, aber nicht recht daran
glaube, daß der Grund darin liege, weil die Tiere in dem Menschen ein
höheres Wesen erkennen.
Schon die Alten haben ähnliche Gedanken geäußert. So schreibt
~Plinius~ folgendes: Bemerkt der Elefant den Fußtritt eines
Menschen eher als den Menschen selbst, so bleibt er stehen, wittert,
blickt umher, schnaubt vor Wut, zertritt aber die Fußspur nicht,
sondern hebt sie aus, gibt sie dem nächsten, dieser wieder dem
nächsten usw., worauf die Herde sich schwenkt und in Schlachtordnung
aufmarschiert. So soll auch die grimmige Tigerin, die keinem Tiere
weicht und selbst die Spuren des Elefanten verachtet, ihre Jungen in
Sicherheit bringen, sobald sie die Spur eines Menschen erblickt. Wie
erkennen sie die Spuren des Menschen? Wo haben sie ihn je gesehen,
da jene Wildnisse von ihm so selten betreten werden? Woher wissen
Elefanten und Tiger, daß der Mensch zu fürchten ist? Sie sind ihm doch
so weit an Kraft, Größe und Schnelligkeit überlegen! Das ist die große
Macht des Naturtriebes, daß die größten und wildesten Tiere gleich
wissen, was sie fürchten müssen, wenn sie es auch nie zuvor gesehen
haben.
Ähnlich äußert sich ~Brehm~: Selbst Löwe, Tiger und Jaguar
fürchten anfangs den Menschen und gehen ihm fast feig aus dem Wege;
nachdem sie aber gelernt haben, welch schwaches, wehrloses Geschöpf er
ist, werden sie seine furchtbarsten Feinde, und es scheint fast, als ob
sie dann das Menschenfleisch dem aller übrigen Säugetiere entschieden
vorzögen.
Speziell vom Löwen schreibt er: Den Menschen greift der Löwe äußerst
selten an. Die hohe Gestalt eines Mannes scheint ihm Ehrfurcht
einzuflößen. Im Sudan wenigstens, wo er in manchen Gegenden häufig
auftritt, sind so gut wie keine Fälle bekannt, daß ein Mensch von einem
Löwen gefressen worden wäre.
Die Araber jener Gegenden versichern, daß der Mensch, welcher einen
ruhenden Löwen treffe, denselben durch einen einzigen Steinwurf
verscheuchen könne, falls er Mut genug habe, auf ihn loszugehen. Wer
dagegen entfliehe, sei unrettbar verloren. Zweimal, so sagen sie,
weiche jeder Löwe dem Manne aus, weil er weiß, daß dieser das Ebenbild
Gottes des Allbarmherzigen ist, den auch er, als ein gerechtes Tier,
in Demut anerkennt. Frevelt jedoch der Mensch gegen die Gebote des
Erhaltenden, welche bestimmen, daß niemand sein Leben tollkühn wage,
und geht er dem Löwen zum drittenmal entgegen, so muß er sein Leben
lassen.
Die Araber sind auch der Meinung, daß der Löwe bei seinen Raubzügen
deshalb vorher brülle, um die Tiere zu warnen. ~Brehm~ meint
mit Recht, der wahre Grund dürfte der sein, daß er dadurch das Wild
aufscheuchen, insbesondere das Vieh der Nomaden zum Ausbrechen aus der
Hürde veranlassen will. Die Begründung der Wüstensöhne hinsichtlich des
Respekts scheint daher ebenfalls mehr poetisch als zutreffend zu sein.
Hiervon abgesehen, wird aber die Tatsache, daß der Löwe häufig vor dem
Menschen zurückweicht, doch von zahlreichen glaubwürdigen Beobachtern
bestätigt.
~Brehm~ hält den aufrechten Gang des Menschen für den ausschlaggebenden
Grund. Aber dieser kann schwerlich deshalb als furchterweckend in
Betracht kommen, weil es ja vierfüßige Tiere gibt, die viel größer als
der Mensch sind und trotzdem von Raubtieren angegriffen werden, wie zum
Beispiel manche Büffelarten. Tiger sind auf den Rücken von Elefanten
gesprungen und haben von dort Menschen heruntergeholt. Das große Kamel
ebenso wie die fast achtzehn Fuß hohe Giraffe bildet eine bevorzugte
Beute des Löwen. Gerade das letztgenannte Tier zeigt deutlich die
irrige Anschauung, daß die Größe imponierend wirkt, denn der Kopf der
Giraffe befindet sich etwa zwölf Fuß höher als der eines Menschen.
Nur das soll zugegeben werden, daß ein vierfüßiges Tier bequemer am
Halse gepackt werden kann, als der aufrechtstehende Mensch. Trotzdem
aber überfällt der Leopard den Strauß, der viel größer als der Mensch
und ebenfalls nur zweifüßig ist.
Im übrigen richten sich zahlreiche Tiere beim Angriff oder der
Verteidigung auf und gewähren dann einen weit überwältigenderen Anblick
als der Mensch, so Hengste, Gorillas usw. Daß sich hierdurch die großen
Raubtiere von einer Attacke jemals haben abhalten lassen, ist wohl noch
nicht behauptet worden.
Dagegen steht fest, daß die sogenannten Menschenfresser fast
ausnahmslos Raubtiere mit schlechten Zähnen sind, nicht mehr imstande,
ihre sonstige Nahrung, nämlich das flüchtige Wild, Wildschweine und
Affen, zu erbeuten. Not kennt kein Gebot; ein Raubtier, das nur die
Wahl hat, zu verhungern oder Menschen anzufallen, wird unzweifelhaft
das letztere tun.
Warum tut es das nun nicht auch in der Blüte seiner Jahre? Ich meine,
die unglückselige Vorstellung von der »Tapferkeit« der Raubtiere ist
schuld daran, daß wir uns darüber wundern. Man vergleiche das in den
»Tierfabeln« auf S. 25 Gesagte. Hier heißt es: Selbst die größten
Arten scheuen Tiere, von denen sie bedeutenden Widerstand erwarten,
und greifen sie bloß dann an, wenn sie durch Erfahrung sich überzeugt
haben, daß sie trotz der Stärke ihrer Gegner als Sieger aus einem
etwaigen Kampfe hervorgehen.
Kann man ein solches Verhalten Tapferkeit nennen? Gewiß nicht!
Außerdem muß man folgendes berücksichtigen. Bei jedem Angriff auf ein
vierfüßiges Geschöpf weiß das Raubtier im voraus ganz genau, welche
Waffen ihn bedrohen können: Das Pferd kann hinten ausschlagen, der
Büffel mit den Hörnern stoßen, der Eber mit seinen Gewehren schlagen,
der Pavian gefährlich beißen usw. Nur beim Menschen weiß es nicht
genau, was kommen kann. Er kann es von fern mit Bogen und Lanze
verwunden, mit Felsstücken werfen, in der Nähe mit Schwert oder Dolch
verletzen -- wobei wir von den furchtbaren Wirkungen des Feuergewehres
ganz absehen wollen. Selbst der Ureinwohner auf niedrigster Kulturstufe
vermag durch vergiftete Pfeile das größte Raubtier zu töten.
Was also bei keinem Tiere vorkommt, das kann sich beim Menschen
ereignen; das Raubtier weiß niemals genau, woran es ist.
Natürlich wird eine vom Hunger geplagte Bestie nicht lange Reflexionen
darüber anstellen, ob der Angriff auf den Menschen gelingt oder nicht.
Je häufiger sie ihn besiegt, desto frecher wird ihr Gebaren werden.
Aber wenn ein großes Raubtier gesättigt oder wenigstens nicht hungrig
ist, so ist folgende Reflexion nicht unwahrscheinlich: Wenn ich wüßte,
ich erbeute den Menschen, ohne erheblich verletzt zu werden, so würde
ich mich auf ihn stürzen -- aber man kann ja dem Frieden nicht trauen.
Anschleichen kann ich mich nicht, wie es meine liebste Methode ist,
denn der Kerl hat mich schon gesehen. Ob er gefährliche Waffen bei sich
trägt? Er glotzt mich so unverschämt an -- nun, die Sache ist mir doch
zu riskant, ich werde mich empfehlen. -- Umgekehrt wird ein fliehender
Mensch gewöhnlich deswegen verloren sein, weil er durch seine Flucht
offenbart, er fühle sich dem Feinde nicht gewachsen.
Ein unbewaffneter Mensch, der einen Löwen mit Gemütsruhe anstarrt, ist
wie ein Kartenspieler, der sich den Anschein gibt, als habe er viele
Trümpfe, die er in Wirklichkeit gar nicht besitzt. Einem solchen
Spieler gelingt es ja häufig, die anderen zu täuschen.
Zum Beweise dafür, daß hauptsächlich die Unberechenbarkeit des Menschen
den Respekt hervorruft, will ich mich auf folgende Tatsachen berufen.
In nördlichen Ländern scheinen giftige Waffen wenig gebraucht zu
werden, so daß hier der Mensch erst durch Feuerwaffen gefährlichen
Tieren, wie Eisbären, Walrossen, Grislybären usw., energisch auf den
Leib rücken konnte. Die alten Schilderungen von der Furchtbarkeit
dieser Geschöpfe scheinen gar nicht so übertrieben zu sein.
Ausdrücklich bestätigt das ~Haacke~, indem er schreibt: Übrigens
soll der Graubär von heute, mit den Wirkungen der Büchse bekannter als
der Graubär früherer Zeiten, viel vorsichtiger und furchtsamer sein als
dieser.
Wie lieb im übrigen den Raubtieren ihr eigenes Leben ist, dafür seien
nur zwei Beispiele angeführt. ~v. Wißmann~ schildert einen bereits
früher erwähnten Angriff, den ein Kapbüffel auf einen ausgewachsenen
Löwen macht. Der »König der Tiere« läßt wirklich seinen Fraß -- eine
getötete Antilope -- im Stich und nimmt Reißaus. Sodann möchte ich
darauf aufmerksam machen, daß nach ~Livingstone~ angebundene
Pferde oder Ochsen nur ausnahmsweise von Löwen angegriffen werden, weil
diese eine -- Falle vermuten. Das gleiche berichtet ~Brehm~ von
Tigern. Man sieht also ganz deutlich, daß auch vierfüßige Tiere, und
zwar selbst solche, die sonst gern gefressen werden, unter Umständen
Respekt einflößen, daß also der aufrechte Gang des Menschen nicht der
wahre Grund sein kann.
Die Tatsache, daß große Raubtiere vielfach den Menschen unbehelligt
lassen, erklärt sich also wohl daraus, daß sie nicht hungrig sind und
die Unberechenbarkeit seiner Verteidigung scheuen. Ihr Leben ist ihnen
zu lieb, um sich auf ein riskantes Unternehmen einzulassen.
Können nur Herdentiere zu Haustieren gemacht werden?
Es gibt gewisse Behauptungen, die gläubig nachgebetet werden, weil man
sie für allgemein gültige Wahrheiten hält. Zu ihnen gehört auch diese:
Nur aus Herdentieren können Haustiere gemacht werden. Ich teile diese
Meinung in keiner Weise und möchte in nachstehendem meine abweichende
Ansicht näher begründen.
Eingehend hat sich mit der hier erörterten Frage ein so ausgezeichneter
Tierkenner wie ~Perty~ beschäftigt. Er schreibt darüber folgendes: