VII

Am nächsten Abend war ich reisefertig. Meine Sachen waren nach

dem Dampfer hinuntergeschafft, meine Rechnung war bezahlt und

alles geordnet. Ich stecke dem Hoteldiener einen Geldschein in

die Hand und sage ihm Lebewohl. Er zuckt heftig mit den weißen

Augen und fängt an zu weinen. Der arme Teufel küßt mir die Hand.

»Wollen Sie es wohl glauben,« sagt er gleich darauf und trocknet

seine Augen, -- »der Herr von Sinvara reist mit demselben Dampfer

wie Sie. Er hat Pavo versprochen, heimzukehren.« Und der

allwissende Mensch verfolgt mich bis zum letzten Augenblick mit

seinen Geschichten. Pavo hatte seinem Vater wieder eine Rede

gehalten. Als es nicht half, daß er ihm mit Fürst Yariw drohte,

hatte er ihm eine kleine, völlig unbrauchbare Pistole gezeigt,

mit der er sich leider erschießen müsse, um seine Ehre zu retten.

Da hatte der Vater nachgegeben. Er wollte wirklich Fürst Yariws

Freundschaft nicht verlieren. Außerdem hatte er Gott hoch und

teuer gelobt, mit dem Spielen innezuhalten, sobald er sein Geld

zurückgewonnen habe. Kurz: der Herr von Sinvara wollte nach Hause

reisen.

»Adieu!« sagte der Diener. »Sie treffen ihn unten am Dampfer.«

Die Uhr schlug fünf.

Im selben Augenblick, als der Spielsaal geöffnet wurde, begab ich

mich an den Landungsplatz. Der Dampfer nahm eine Partie

Bastmatten ein. Einige Minuten später kamen auch wirklich der

Herr von Sinvara und sein Diener, sie waren beide reisemäßig

gekleidet. Es waren viele Menschen zugegen, Pavo sah ich aber

nicht. Ich fragte einen alten Mann nach ihm, ich sagte:

»Weshalb begleitet er seinen Vater nicht an das Schiff?«

»Pavo ist stolz!« antwortete ein junges Mädchen, das gerade

herzukam. »Einen Vater, der seine Ringe verspielt, kennt er

nicht. Das sieht Pavo ähnlich.«

Da stand auch das kleine Mädchen des Herrn von Sinvara. Sie stand

abseits und sah zu, aus der Entfernung, mit gesenktem Haupt.

Der, nach dem sie ausschaute, schenkte ihr keinen Blick.

Ich ging ein paar Mal auf dem Kai auf und nieder, bezahlte meinen

Wagen und gab acht, daß alle meine Sachen an Bord gebracht waren.

Der alte Diener des Herrn von Sinvara war schon da, ihn selber

sah ich hingegen nicht. Ich sah mich nach seinem kleinen Mädchen

um, auch sie war verschwunden.

Die letzte Matte wurde in den Lastraum versenkt, und der letzte

Passagier kam an Bord. Plötzlich entsteht ein allgemeines Fragen

nach dem Herrn von Sinvara, der mitfahren wollte. Wo war er

geblieben? Sein alter Diener springt auf. Wo in aller Welt war

sein Herr? Der Dampfer blieb liegen, man konnte doch nicht ohne

den großen Herrn abfahren! Wir durchsuchen alle das Schiff, den

Kai, alle Ecken und Winkel, wir fragen alle Menschen nach ihm,

und niemand vermag uns Bescheid zu geben. War er ins Wasser

gefallen? Hatte er sich hineingestürzt und war in aller Stille

ertrunken? Plötzlich überkommt mich eine Ahnung, ein ganz

sonderbarer Gedanke, ich bitte den Schiffer noch fünf Minuten zu

warten, dann würde ich vielleicht Auskunft über den Vermißten

geben können.

Ich springe an Land, ich eile nach dem Hotel, stürme die Treppe

hinauf, in das blaue Stockwerk. Mit verhaltenem Atem öffne ich

die Thür und sehe hinein.

Zuerst sehe ich das kleine Mädchen des Herrn von Sinvara. Sie hat

ihre errötende Miene wiedergewonnen und sieht glücklich aus. Und

vor ihr auf dem Stuhl sitzt der Herr von Sinvara wieder am

Roulette.

* * * * *

Sklaven der Liebe, und andere Novellen · 第 36 / 48 题