I
Im letzten Herbst machte ich eine Reise nach dem Süden, weit nach
dem Süden hinab, und kam an einem frühen Morgen mit dem
Flußdampfer nach dem Dorf D., einem kleinen Dorf, einem
sonderbaren Dorf, versteckt und vergessen, einem Dorf mit einem
Dutzend Häuser, einer Kirche, einem Posthause und einer
Flaggenstange. Der Ort ist Eingeweihten, Abenteurern und
Spielern, feinen Leuten und Vagabunden, bekannt, und während
einiger Sommermonate des Jahres herrscht in diesem Krähwinkel
Leben und großer Umsatz.
Jetzt war Markt im Dorfe, und die Bevölkerung der Umgegend war
herbeigekommen; sie trugen Gewänder aus Seide und Pelz mit
Gürteln und Schärpen und Geschmeiden, alles nach Stand und
Vermögen. Um die Kirche herum standen Reihen von Zelten, wo
gekauft und verkauft wurde; eins dieser Zelte war blau, -- es war
das Zelt des Pavo aus Sinvara.
Aber ganz in der Nähe der Kirche, mitten zwischen der
Flaggenstange und dem Posthause, lag das Hotel. Das obere
Stockwerk war blau, -- dort verspielten die Spieler ihr Geld.
Man erzählte im Hotel, heute abend würde Pavo ganz sicher kommen.
Ich fragte, wer Pavo sei, und man ersah aus dieser Frage, daß ich
hier fremd war, sonst kannten alle Pavo. Er war der Mann, der die
Bank dreimal gesprengt hatte, sein Vater war der Besitzer des
größten Gutes in meilenweitem Umkreis, und Pavo selber hatte bei
dem letzten Frühlingsfest sein ganzes Vermögen durchgebracht.
Alle Mädchen des Dorfes sprachen von ihm, wenn sie am Abend bei
der Pumpe zusammenkamen, und die Frommen beteten für ihn, so oft
sie an ihn dachten. Kurz, er war der Spieler und der verlorene
Sohn, eine gefallene Größe, ein Ex-Krösus, Pavo aus Sinvara. Er
war der Stolz der Stadt und ihre Schande zugleich.
Und mit Pavos Zelt hatte es die Bewandtnis, daß seine gute Mutter
das Zelt für ihn gekauft, und ihm das Geschäft eingerichtet
hatte, um ihn, wenn möglich noch auf den rechten Weg zu bringen.
Es hätte ja auch alles gut gehen können, wenn Pavo nur hätte
Ernst machen wollen, aber das mißratene Kind hatte schon in der
nämlichen Woche sein Zelt mit der blauen Farbe der Spielbank
angestrichen, denn sein Sinn war unverändert. Er spielte auch
noch immer. Alles, was er hinter dem Ladentisch verdiente, legte
er auf den Roulette-Tisch, und in der Regel verließ er die Bank
ärmer, als er gekommen war. Sein Zelt hatte eine gute Kundschaft;
er verkaufte viele Sachen, weder die Bauern noch die Dorfbewohner
gingen an ihm vorüber, alle wollten mit Pavo aus Sinvara handeln.
Und seine Mutter verschaffte ihm immer Waren in Hülle und Fülle,
sein Zelt war bis an das Dach vollgepfropft.
Jetzt, heute abend, sollte er kommen. Das ganze Dorf wußte, daß
er kommen würde.
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