Am Abend, als es schon zu dämmern beginnt, rollen sieben Heuwagen
mit der Arbeiterschaar langsam aus der Prärie heim. Die meisten
waschen ihre Hände draußen auf dem Hofe, ehe sie zum Abendbrot
gehen, einige kämmen auch ihr Haar. Da sind alle Nationen und
mehrere Rassen vertreten, da sind jüngere und ältere Personen,
Einwanderer aus Europa und eingeborene amerikanische Landstreicher,
alles mehr oder weniger Vagabunden und verunglückte Existenzen.
Die wohlhabenderen der Bande tragen einen Revolver in der hinteren
Rocktasche. Das Essen wird gewöhnlich in großer Hast eingenommen,
ohne daß irgend jemand was sagt. Die vielen Menschen haben Respekt
vor dem Aufseher, der selber an der Mahlzeit teilnimmt und über
die Ordnung wacht. Und wenn die Mahlzeit beendet ist, begeben sich
die Leute sofort zur Ruhe. -- -- --
Heute aber wollte Zachäus sein Hemd waschen. Es war so hart von
Schweiß geworden, es schauerte ihn am Tage, wenn die Sonne auf
seinen Rücken brannte.
Der Abend war dunkel, alle waren zur Ruhe gegangen, von dem
großen Schlafschuppen her ertönte nur noch ein gedämpftes Murmeln
in die Nacht hinaus.
Zachäus ging nach der Küchenwand hin, wo mehrere Behälter mit
Wasser standen. Es war das Wasser des Kochs, das dieser
sorgfältig während der Regentage sammelte, denn das Wasser zu
Billybory war zu hart und zu kalkhaltig, um darin zu waschen.
Zachäus bemächtigte sich eines der Wasserbehälter, zog sein Hemd
ab und fing an, es darin zu reiben. Der Abend war still und kalt,
es fror ihn gehörig, aber das Hemd mußte gereinigt werden, und er
pfiff sogar leise vor sich hin, um sich ein wenig zu ermuntern.
Da öffnete plötzlich der Koch die Küchenthür. Er hielt eine Lampe
in der Hand, und ein breiter Lichtstrahl fiel auf Zachäus.
»Aha!« sagte der Koch und kam heraus.
Er setzte die Lampe auf die Treppe, ging geradeswegs auf Zachäus
zu und fragte: »Wer hat dir das Wasser gegeben?«
»Ich nahm es,« antwortete Zachäus.
»Es ist mein Wasser!« schrie Polly. »Du, schmutziger Sklave, hast
es genommen, du Lügner, du Dieb, du Hund!«
Zachäus erwiderte nichts auf dieses alles, er fing nur von neuem
an, seine Beschuldigung mit den Fliegen im Pudding zu wiederholen.
Der Lärm, den die beiden verursachten, lockte die Leute aus dem
Schlafschuppen herbei, sie standen gruppenweise da und froren und
lauschten mit größtem Interesse dem Wortwechsel.
Polly schrie ihnen entgegen: »Ist es nicht großartig von dem
kleinen Ferkel? Mein eigenes Wasser!«
»Nimm du dein Wasser,« sagte Zachäus und stürzte den Behälter um.
»Ich habe es benutzt!«
Der Koch hielt ihm die Faust unter das Auge und fragte: »Siehst
du die?«
»Ja,« antwortete Zachäus.
»Ich will sie dich kosten lassen!«
»Wenn du es wagst!«
Da ertönten plötzlich ein paar schnelle Schläge, die erteilt und
im selben Augenblick zurückbezahlt wurden. Die Zuschauer stießen
ein Geheul über das andere aus, das war der Ausdruck ihres
Beifalls und Wohlbehagens.
Zachäus aber hielt nicht lange stand.
Der blinde, untersetzte Irländer war wütend wie eine Tigerkatze,
seine Arme waren aber zu kurz, um etwas gegen den Koch ausrichten
zu können. Schließlich taumelte er zur Seite, drei, vier Schritt
über den Platz und fiel dann um.
Der Koch wandte sich an die Menge:
»Ja, da liegt er nun! Laßt ihn liegen! Ein Soldat hat ihn
gefällt!«
»Ich glaube, er ist tot!« sagte eine Stimme.
Der Koch zuckte die Achseln.
»Meinetwegen!« erwiderte er übermütig. Und er fühlt sich wie ein
großer, unüberwindlicher Sieger vor seinem Auditorium, er wirft
den Kopf in den Nacken und will seinem Ansehen noch Nachdruck
verleihen, er wird litterarisch: »Ich überlasse ihn dem Teufel,«
sagt er. »Laßt ihn liegen! Ist er etwa der Amerikaner Daniel
Webster? Kommt her und will mich lehren, Pudding zu kochen, mich,
der ich für Generale gekocht habe! Ist er Oberst der Prärie,
frage ich?«
Und alle bewunderten Pollys Rede.
Da erhob sich Zachäus wieder vom Boden und sagte genau so
verbissen, genau so trotzig wie vorhin: »Komm heran, du
Hasenfuß!«
Die Leute brüllten vor Entzücken, der Koch aber lächelte nur
mitleidsvoll und sagte: »Unsinn! Ich kann mich ja ebensogut mit
dieser Lampe prügeln!«
Damit nahm er die Lampe und ging langsam und würdevoll hinein.
Es ward dunkel auf dem Platz, und die Leute begaben sich wieder
in ihren Schlafschuppen zurück. Zachäus nahm sein Hemd auf, rang
es sorgfältig aus und zog es an. Dann schlenderte auch er hinter
den andern drein, um seine Pritsche aufzusuchen und zur Ruhe zu
kommen.