Hiergegen protestierte der erste Sekretär in einer längeren

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Anmerkungen zur Transkription.

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Die Schreibweise und Interpunktion

des Originaltextes wurden übernommen; offensichtliche Druckfehler sind

stillschweigend korrigiert worden.

Um die Übersicht zu verbessern, sind die Verlagswerbung und der

Buchdeckel an das Ende des Textes verschoben worden.

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August Strindberg

Das Rote Zimmer

Roman

*

1919

Hyperionverlag / Berlin

Deutsch von Else von Hollander

Das Rote Zimmer

+_Rien n'est si désagréable

que d'être pendu obscurément_+

+_~Voltaire~_+

Erstes Kapitel

Stockholm aus der Vogelschau

Es war ein Abend Anfang Mai. Der kleine Park auf Mosebacke war für

das Publikum noch nicht geöffnet, und die Beete waren noch nicht

umgegraben; die Schneeglöckchen hatten sich durch die Laubansammlungen

des Vorjahres hindurchgearbeitet und waren gerade im Begriff, ihre

kurze Laufbahn abzuschließen, um den empfindlicheren Krokus Platz zu

machen, die unter einem unfruchtbaren Birnbaum Schutz gesucht hatten;

der Flieder wartete auf südliche Winde, um aufzublühen, aber die Linden

boten den Buchfinken, die ihre mit Flechten bekleideten Nester zwischen

Stamm und Ast zu bauen begonnen hatten, in ihren unaufgesprungenen

Knospen noch Liebesdecken; noch hatte kein menschlicher Fuß die

Kieswege betreten, seit der Schnee des letzten Winters verschwunden

war, daher führten Tiere und Blumen ein sorgloses Leben in diesem Park.

Die Spatzen sammelten allen möglichen Plunder, den sie dann unter den

Dachpfannen der Navigationsschule versteckten; sie schleppten sich

mit Stücken von den Raketenhülsen vom letzten Herbstfeuerwerk, sie

lasen Strohhalme von den jungen Bäumen, die im Jahre vorher aus der

Baumschule in Rosendal gekommen waren und -- sie sahen alles! Sie

entdeckten Mullfetzen in Lauben und holten auch wohl zwischen den

Splittern eines Bankfußes Haarbüschel von Hunden hervor, die sich seit

dem Josephinentage im vorigen Jahr nicht mehr hier gebalgt hatten. Das

war ein Leben!

Die Sonne aber stand über Liljeholm und schoß ganze Strahlenbündel gen

Osten; sie drangen durch die Rauchwolken von Bergsund, sie eilten über

den Ritterfjord, kletterten zum Kreuz der Riddarholmskirche hinauf,

warfen sich auf das steile Dach der Deutschen Kirche, spielten mit

den Wimpeln der Boote an der Schiffsbrücke, illuminierten die Fenster

im Zollgebäude, beleuchteten die Wälder von Lidingö und verschwammen

in einer rosenfarbenen Wolke, weit weit in der Ferne, wo das Meer

liegt. Und von dort kam der Wind und machte denselben Weg zurück über

Vaxholm, vorbei an der Festung, vorbei am Zollamt, bis zur Siklainsel,

drang in Hästholm ein und sah sich die Sommerfrischen an; kam wieder

heraus, eilte weiter und gelangte nach Danvik, entsetzte sich und

stürmte davon, am Südstrande entlang, spürte den Geruch von Kohle,

Teer und Tran, prallte gegen den Stadthofkai, stürzte nach Mosebacke

hinauf, in den Park und fuhr gegen eine Wand. Im selben Augenblick

wurde die Wand aufgetan von einem Mädchen, das eben die Verkittung der

Doppelfenster entfernt hatte; ein entsetzlicher Geruch von Bratfett,

Bierresten, Tannenzweigen und Sägespänen drang heraus und wurde vom

Winde weit fortgeführt, der jetzt, während die Köchin die frische Luft

durch die Nase einzog, die Fensterwatte erfaßte, die mit Flimmer und

Berberitzenbeeren und Heckenrosenblättern bestreut war und nun auf den

Wegen des Gartens einen Rundtanz begann, an dem bald die Spatzen und

Buchfinken teilnahmen, da sie nun ihre Wohnungssorgen zum größten Teil

beseitigt sahen.

Unterdes setzte die Köchin ihre Arbeit an den Doppelfenstern fort,

und nach wenigen Minuten war die Tür von der Kneipe nach der Veranda

geöffnet, und in den Garten trat ein junger Herr, einfach aber vornehm

gekleidet. Sein Gesicht hatte nichts Ungewöhnliches, aber in seinen

Blicken lag etwas Besorgtes und Unruhiges, das allerdings verschwand,

als er aus dem engen Wirtshauszimmer herauskam und den freien Horizont

vor sich hatte. Er wandte sich nach der Windseite, knöpfte den

Überzieher auf und holte ein paarmal tief Luft, was seinen Brustkorb

und sein Gemüt zu erleichtern schien. Dann begann er an dem Geländer

auf und ab zu gehen, das den Garten von dem steilen Seeufer trennte.

Tief unter ihm lärmte die eben erwachte Stadt; die Dampfkrane unten

im Hafen schnurrten, die Eisenstangen in der Eisenwage rasselten,

die Pfeifen der Schleusenwärter schrillten, die Dampfer an der

Schiffsbrücke rauchten, die Omnibusse polterten klappernd über das

holprige Pflaster; Lärm und Rufen auf dem Fischmarkt, draußen auf dem

Strom flatternde Segel und Fahnen, Geschrei der Möwen, Hornsignale von

Skeppsholm, das Herausrufen der Wache vom Södermalmsmarkt, klappernde

Holzpantoffel der Arbeiter in der Glasfabrikstraße, -- das alles machte

einen Eindruck von Leben und Betriebsamkeit, der die Energie des

jungen Mannes zu wecken schien, denn jetzt hatte sein Gesicht einen

Ausdruck von Trotz und Lebenslust und Entschlossenheit angenommen, und

als er sich über das Geländer beugte und auf die Stadt zu seinen Füßen

niederblickte, war es, als betrachte er einen Feind; seine Nasenflügel

weiteten sich, seine Augen flammten, und er hob die geballte Hand, als

wolle er die arme Stadt herausfordern oder ihr drohen.

Jetzt läutete es sieben von Katrina, und Maria sekundierte mit ihrem

milzsüchtigen Diskant, und die Große Kirche und die Deutsche fielen mit

ihren Bässen ein, und die ganze Luft hallte bald von allen Abendglocken

der Stadt; aber als eine nach der andern verstummte, hörte man noch

weit in der Ferne die letzte ihr friedvolles Abendlied singen; sie

hatte einen höheren Ton, einen reineren Klang und ein rascheres

Tempo als die andern -- das hat sie wirklich! Er lauschte und suchte

festzustellen, woher der Klang kam, denn er schien Erinnerungen in

ihm zu wecken. Da wurden seine Mienen weich, und sein Gesicht drückte

den Schmerz aus, den ein Kind empfindet, wenn es sich allein gelassen

sieht. Und er war allein, denn sein Vater und seine Mutter lagen auf

dem Klarakirchhof, von wo man noch die Glocke hörte, und er war ein

Kind, denn er glaubte noch an alles, an wahre Dinge wie an Märchen.

Die Glocke von Sankta Klara verstummte, und er wurde durch das Geräusch

von Schritten auf dem Kiesweg aus seinen Gedanken gerissen. Auf ihn zu

kam von der Veranda her ein kleiner Mann mit großem Backenbart und

einer Brille, die mehr die Blicke als die Augen schützen zu sollen

schien, mit einem boshaften Munde, der gern einen freundlichen, ja

sogar gutmütigen Ausdruck annahm, einem eingebeulten Hut, einem

sauberen Überzieher mit defekten Knöpfen, auf Halbmast gehißten Hosen

und einem Gang, der Sicherheit und Scheu zugleich andeutete. Sein

Äußeres war so unbestimmt, daß man unmöglich seine gesellschaftliche

Stellung oder sein Alter danach abzuschätzen vermochte. Man konnte

ihn ebensogut für einen Handwerker wie für einen Beamten halten, und

er schien zwischen neunundzwanzig und fünfundvierzig Jahren zu sein.

Jetzt schien er sich jedoch von der Gesellschaft des Herrn, dem er

entgegenging, geschmeichelt zu fühlen, denn er zog ungewöhnlich rief

den verbogenen Hut und steckte sein gutmütigstes Lächeln auf.

»Sie haben doch nicht gewartet, Herr Assessor?«

»Nicht einen Augenblick. Eben hat die Uhr sieben geschlagen. Ich

danke Ihnen, daß Sie gekommen sind, denn ich muß gestehen, daß diese

Zusammenkunft von größter Wichtigkeit für mich ist; es gilt sozusagen

meine Zukunft, Herr Struve.«

»Kreuzdonnerwetter!«

Herr Struve blinzelte mit den Augenlidern, denn er hatte sich nur auf

einen Grogabend gefaßt gemacht und hatte -- aus guten Gründen -- wenig

Lust zu einer ernsten Unterhaltung.

»Damit wir besser miteinander reden können,« fuhr der Assessor fort,

»wollen wir uns hier draußen hinsetzen, wenn Sie nichts dagegen haben,

und einen Grog trinken.«

Herr Struve zupfte an dem rechten Bartzipfel, drückte vorsichtig den

Hut auf den Kopf und dankte für die Einladung, blieb aber unruhig.

»Erstens muß ich Sie bitten, mich nicht mehr Assessor zu titulieren,«

begann der junge Herr das Gespräch, »denn das bin ich nie gewesen; ich

war nur außerordentlicher Hilfsarbeiter, und das hat mit heute ein

Ende; ich bin nur noch Herr Falk.«

»Was sagen Sie?«

Herr Struve sah aus, als habe er eine vornehme Bekanntschaft eingebüßt,

blieb aber bei guter Laune.

»Sie sind doch ein Mann mit liberalen Ideen ...«

Herr Struve versuchte zu Wort zu kommen, um eine längere Rede zu

halten, aber Falk fuhr fort:

»Ich habe Sie um eine Unterredung gebeten in Ihrer Eigenschaft als

Mitarbeiter des freisinnigen ›Rotkäppchens‹.«

»Aber um Gottes willen, ich bin ein so unbedeutender Mitarbeiter ...«

»Ich habe Ihre donnernden Artikel in der Arbeiterfrage und in allen

andern Fragen gelesen, die uns am Herzen liegen. Wir sind jetzt

im Jahre +III+, mit römischen Ziffern, denn jetzt tritt die

neue Volksvertretung im dritten Jahre zusammen, und wir werden bald

unsere Hoffnungen verwirklicht sehen. Ich habe im ›Bauernfreund‹ Ihre

vortrefflichen Biographien der führenden Politiker gelesen, dieser

Männer aus dem Volke, die endlich vorbringen dürfen, was ihnen so lange

schwer auf der Seele gelegen hat; Sie sind ein Mann des Fortschritts,

und ich schätze Sie sehr!«

Struve, dessen Blick bei der feurigen Rede erloschen war, statt sich zu

beleben, machte sich die blitzableitende Äußerung zunutze und ergriff

mit Eifer das Wort.

»Ich muß gestehen, es ist mir eine wirkliche Freude, von einem jungen

und -- das darf ich wohl sagen -- hervorragenden Manne, wie Sie es

sind, Herr Assessor, eine Anerkennung zu hören, anderseits aber, warum

wollen wir über Dinge sprechen, die allzu ernster, um nicht zu sagen

trauriger Natur sind, wo wir hier draußen im Schoße der Natur sitzen,

heute, am ersten Frühlingstag, wo alles in Knospen steht und die Sonne

ihre Wärme in der ganzen Natur verbreitet; lassen Sie uns sorglos sein

und unser Glas in Frieden trinken. Verzeihung, aber ich glaube, ich bin

das ältere Semester -- und -- wage -- deshalb vielleicht vorzuschlagen

...«

Falk, der wie ein Feuerstein ausgegangen war, um Stahl zu suchen,

merkte, daß er in Holz gehauen hatte. Er nahm das Anerbieten ohne Wärme

an. Und da saßen nun die neuen Brüder und hatten sich nichts zu sagen

außer der Enttäuschung, die ihre Gesichter ausdrückten.

»Ich habe dir vorhin gesagt, Bruder,« nahm Falk das Gespräch wieder

auf, »daß ich heute mit meinem bisherigen Leben gebrochen und die

Beamtenkarriere aufgegeben habe; nun will ich nur noch hinzufügen, daß

ich Schriftsteller zu werden gedenke!«

»Schriftsteller! O Himmel, warum denn? Das ist doch ein Jammer!«

»Das ist kein Jammer! Aber nun möchte ich dich fragen, ob du weißt,

wohin ich mich wenden kann, um Arbeit zu bekommen?«

»Hm, das ist wirklich schwer zu sagen. Es strömen von allen Seiten

so viele Leute herzu. Diesen Gedanken solltest du aufgeben. Es ist

wirklich ein Jammer, daß du deine Laufbahn abbrechen willst; die

Schriftstellerkarriere ist dornenvoll!«

Struve sah aus, als empfinde er Bedauern, konnte aber doch eine gewisse

Befriedigung, einen Unglücksgefährten zu bekommen, nicht verbergen.

»Aber«, fuhr er fort, »sage mir doch den Grund, warum du eine Laufbahn

aufgibst, die Ehren und Macht bringt.«

»Ehre den Leuten, die sich die Macht anmaßen, und Macht den

Rücksichtslosen.«

»Ach, du redest! So gefährlich ist es doch nicht!«

»Nicht? Nun, dann lassen wir das. Ich will dir nur ein Interieur

von einem der sechs Ämter geben, denen ich zugeteilt war. Die fünf

ersten habe ich sofort verlassen, aus dem einfachen Grunde, weil keine

Arbeit da war. Jedesmal, wenn ich hinaufkam und fragte, ob etwas zu

tun sei, war die Antwort: Nein! Und ich habe auch niemanden etwas tun

sehen. Dabei war ich in so einflußreichen Ämtern, wie dem Kollegium

für Spiritusfabrikation, der Steuereinschätzungskommission und der

Generaldirektion für Beamtenpensionen. Als ich aber diese Unmengen von

Beamten sah, die durcheinander wimmelten, kam mir der Gedanke: das Amt,

das alle diese Gehälter auszuzahlen hat, müsse doch etwas zu tun haben.

Folglich ließ ich mich zum Kollegium für Auszahlung der Beamtengehälter

versetzen ...«

»In dem Amt bist du gewesen?« fragte Struve, dessen Interesse zu

erwachen begann.

»Ja. Ich kann nie den großen Eindruck vergessen, den dies umfangreiche

und gut organisierte Amt auf mich machte, als ich dort eintrat. Ich

ging um elf Uhr vormittags hin, weil das Amt um diese Zeit geöffnet

wird. Im Amtsdienerzimmer lagen zwei junge Amtsdiener über einem Tisch

und lasen das ›Vaterland‹.«

»Das Vaterland?«

Struve, der bisher den Spatzen Zucker hingeworfen hatte, begann die

Ohren zu spitzen.

»Ja. Ich sagte Guten Morgen. Eine schwache, schlangenartige Bewegung

der Rücken der beiden Herren deutete an, daß mein Gruß ohne

ausgesprochenen Unwillen aufgenommen wurde; der eine machte sogar

eine Bewegung mit dem rechten Stiefelabsatz, die einen Händedruck

bedeuten mochte. Ich fragte, ob einer der Herren frei sei und mir die

Räume zeigen könne. Sie erklärten, sie seien verhindert; sie hätten

Order, das Amtsdienerzimmer nicht zu verlassen. Ich fragte, ob weiter

keine Amtsdiener da seien. Doch, es seien noch andere da. Aber der

Oberamtsdiener habe Ferien, der erste Diener sei auf Urlaub, der zweite

sei dienstfrei, der dritte sei zur Post, der vierte krank, der fünfte

hole Trinkwasser, der sechste sei auf dem Hof. ›Und da sitzt er den

ganzen Tag; im übrigen pflegt kein Beamter vor ein Uhr zu kommen.‹ Das

war ein Wink für mich, wie unpassend mein früher, störender Besuch war,

und eine Anspielung darauf, daß die Amtsdiener auch Beamte seien.

Nachdem ich jedoch erklärt hatte, daß ich fest entschlossen sei, die

Räume zu besichtigen, um dadurch einen Begriff von der Verteilung der

Arbeit in einem so einflußreichen und großen Amt zu bekommen, ließ

sich der Jüngere von den beiden herbei, mich zu begleiten. Es war ein

großartiger Anblick, der sich mir bot, als er die Tür öffnete und

eine Flucht von sechzehn Zimmern, größeren und kleineren, vor meinen

Blicken lag. Hier muß es doch Arbeit geben, dachte ich, und hatte das

Gefühl, eine glückliche Idee gehabt zu haben. Das Prasseln von sechzehn

Birkenholzfeuern, die in sechzehn Kachelöfen flammten, unterbrach sehr

angenehm die Stille der Zimmer.«

Struve, der immer aufmerksamer zugehört harte, suchte jetzt zwischen

Oberstoff und Futter der Weste einen Bleistift hervor und schrieb 16

auf seine linke Manschette.

»›Dies sind die Zimmer der Hilfsbeamten,‹ erklärte der Diener.

›Ach so! Sind denn viele Hilfsbeamte hier?‹ fragte ich.

›O ja, es reicht aus!‹

›Was machen sie denn?‹

›Sie schreiben natürlich, ein bißchen ...‹ -- Hierbei sah er so

vertrauensvoll aus, daß ich es für geraten hielt, ihn zu unterbrechen.

Nachdem wir die Zimmer der Kopisten, der Sekretäre, der Kanzlisten,

des Revisors und des Revisionssekretärs, des Kontrolleurs und des

Kontrollsekretärs, des Staatsanwalts, des Kammerverwesers, des

Archivars und des Bibliothekars, des Kämmerers, des Kassierers, des

Syndikus, des Obersekretärs, des Protokollsekretärs, des Aktuars,

des Registrators, des Expeditionssekretärs, des Bürochefs und des

Expeditionschefs durchwandert hatten, blieben wir schließlich vor

einer Tür stehen, auf der mit vergoldeten Buchstaben geschrieben

stand: Präsident. Ich wollte die Tür öffnen und eintreten, wurde aber

ehrerbietig von dem Diener gehindert, der in wirklicher Unruhe meinen

Arm faßte und ›Still!‹ flüsterte. -- ›Schläft er?‹ konnte ich in dem

Gedanken an ein altes Gerücht nicht unterlassen zu fragen. ›Um Gottes

willen, sagen Sie nichts; hier darf niemand eintreten, bevor der

Präsident klingelt.‹ -- ›Klingelt der Präsident denn oft?‹ -- ›Nein,

ich habe ihn in dem Jahr, seit ich hier bin, nicht klingeln hören.‹

-- Wir schienen wieder auf das vertrauliche Gebiet zu kommen, deshalb

brach ich ab.

Als die Uhr bald zwölf war, stellten sich nach und nach die

Hilfsbeamten ein, und ich war sehr überrascht, in ihnen lauter

alte Bekannte aus der Generaldirektion für Beamtenpensionen

und dem Ausschuß für Spiritusfabrikation zu finden. Aber meine

Überraschung wurde noch größer, als ich den Kammerverweser von der

Steuereinschätzungskommission hereinspazieren, sich in das Zimmer und

auf den Ledersessel des Aktuars setzen und es sich hier ebenso bequem

machen sah wie in dem andern Amt.

Ich nahm einen der jungen Herren beiseite und fragte ihn, ob es nicht

angebracht sei, hineinzugehen und dem Präsidenten meine Aufwartung zu

machen. ›Still!‹ war seine geheimnisvolle Antwort, indem er mich in das

achte Zimmer führte! Wieder dieses geheimnisvolle ›Still!‹

Das Zimmer, in dem wir uns jetzt befanden, war ebenso dunkel wie alle

andern, aber schmutziger. Roßhaarbüschel guckten aus dem zerrissenen

Leder der Möbel heraus; dicker Staub lag auf dem Schreibtisch, auf

dem ein ausgetrocknetes Tintenfaß stand; da lag auch eine unbenutzte

Siegellackstange, auf die der frühere Besitzer in anglosächsischen

Buchstaben seinen Namen gemalt hatte, eine Papierschere, deren

Scheren zusammengerostet waren, ein Datumzeiger, der auf Johanni vor

fünf Jahren stand, ein Staatskalender, der fünf Jahre alt war, und

ein Bogen Konzeptpapier, auf dem Julius Cäsar, Julius Cäsar, Julius

Cäsar mindestens hundertmal abwechselnd mit Vater Noah, Vater Noah

geschrieben stand.

›Dies ist das Zimmer des Archivars, hier sind wir ungestört‹, sagte

mein Begleiter.

›Kommt der Archivar denn nicht her?‹ fragte ich.

›Er ist seit fünf Jahren nicht hier gewesen, also jetzt wird er sich

wohl schämen, zu kommen.‹

›Ja, aber wer versieht denn seinen Dienst?‹

›Der Bibliothekar.‹

›Worin besteht denn seine Tätigkeit in einem Amt wie diesem Kollegium

für Auszahlung der Beamtengehälter?‹

›Sie besteht darin, daß die Amtsdiener die Quittungen sortieren,

chronologisch und alphabetisch, und sie zum Buchbinder schicken, worauf

der Bibliothekar ihre Aufstellung auf die dafür bestimmten Regale

überwacht.‹«

Struve schien jetzt Gefallen an der Unterhaltung zu finden und schrieb

dann und wann ein Wort auf seine Manschette; als Falk eine Pause

machte, glaubte er etwas Bedeutsames sagen zu müssen.

»Nun, aber wie hat denn der Archivar sein Gehalt bekommen?«

»Ja, das ist ihm nach Hause geschickt worden. Das war doch sehr

einfach. Jedenfalls gab mir mein junger Kollege den Rat, hineinzugehen,

dem Aktuar meine Reverenz zu machen und ihn zu bitten, mich den andern

Beamten vorzustellen, die jetzt allmählich eintrafen, um das Feuer

in ihren Öfen zu schüren und die letzten Strahlen der Kohlenglut

zu genießen. Der Aktuar sei eine sehr mächtige und auch gutherzige

Persönlichkeit, berichtete mein Freund, und sehr empfänglich für

Höflichkeit.

Nun hatte ich, der ich den Aktuar in seiner Eigenschaft als

Kammerverweser gekannt hatte, eine ganz andere Meinung von ihm; aber

ich glaubte meinem Kollegen und ging zu ihm.

In einem großen Lehnstuhl vor dem Kachelofen saß der Gefürchtete, die

Beine auf einem Renntierfell ausgestreckt. Er war sehr beschäftigt

damit, eine echte, in Handschuhleder eingenähte Meerschaumspitze

einzurauchen. Um nicht müßig zu sein, hatte er die Postzeitung vom

gestrigen Tage vorgenommen, die ihn über die Wünsche der Regierung

unterrichtete.

Bei meinem Eintritt, der ihn zu betrüben schien, schob er die Brille

hoch und legte sie auf den kahlen Schädel; das rechte Auge versteckte

er hinter dem Zeitungsrand, und mit dem linken schoß er eine Kugel auf

mich ab. Ich brachte mein Anliegen vor. Er nahm die Zigarrenspitze in

die rechte Hand und sah nach, ob es ›genützt hatte‹. Das entsetzliche

Schweigen, das nun entstand, bestätigte all meine Befürchtungen. Er

räusperte sich und spuckte, daß die Kohlenglut im Ofen laut aufzischte.

Dann fiel ihm die Zeitung ein, und er setzte seine Lektüre fort. Ich

meinte, mein Anliegen mit einigen Variationen wiederholen zu müssen.

Da hielt er nicht länger an sich. ›Was wollen Sie, Herr? Was haben Sie

in meinem Zimmer zu suchen, Herr? Kann ich in meinem eigenen Zimmer

nicht ungestört sein? Wie?! Hinaus, hinaus, hinaus, Herr! Sehen Sie

denn nicht, daß ich beschäftigt bin? Sprechen Sie mit dem Obersekretär,

wenn Sie irgend etwas wünschen! Nicht mit mir.‹ -- Ich ging zu dem

Obersekretär.

Dort tagte seit drei Wochen ein großer Materialausschuß. Der

Obersekretär hatte den Vorsitz, und drei Kanzlisten führten das

Protokoll. Die von den Lieferanten eingesandten Proben lagen auf den

Tischen verstreut, an denen alle nicht beschäftigten Kanzlisten,

Abschreiber und Sekretäre Platz genommen hatten. Man hatte, allerdings

mit großer Meinungsverschiedenheit, sich für zwei Ballen Lesseboer

Papier entschieden und nach wiederholtem Probeschneiden achtundvierzig

Scheren von dem preisgekrönten Fabrikat aus Graatorp (von welcher

Fabrik der Aktuar fünfundzwanzig Aktien besaß) bestellt; das

Probeschreiben mit den Stahlfedern hatte eine ganze Woche erfordert und

das Protokoll darüber zwei Ries Papier verschlungen; jetzt war man zu

den Federmessern gekommen, und das Kollegium war gerade dabei, sie auf

den schwarzen Tischplatten zu probieren.

›Ich schlage Sheffield Nr. 4 mit zwei Klingen, ohne Korkzieher, vor,‹

sagte der Obersekretär und hob einen Splitter aus der Tischplatte, so

groß, daß man ein Feuer damit hätte anzünden können. ›Was meinen Sie,

Herr Sekretär?‹

Dieser, der beim Probeschneiden zu tief geschnitten hatte und auf

einen Nagel gestoßen war, so daß ein Eskilstuna Nr. 2 mit drei Klingen

beschädigt wurde, schlug diese Marke vor.

Nachdem alle sich geäußert und ihre Ansichten unter Beifügung

praktischer Proben streng motiviert hatten, beschloß der Vorsitzende,

zwei Gros Sheffield zu bestellen.

Hiergegen protestierte der erste Sekretär in einer längeren Ausführung,

die zu Protokoll genommen, in zwei Exemplaren kopiert, registriert,

sortiert (alphabetisch und chronologisch), eingebunden und von dem

Diener unter Oberaufsicht des Bibliothekars auf ein geeignetes Regal

gestellt wurde. Dieser Protest war von warmem vaterländischen Gefühl

erfüllt und wollte in der Hauptsache darauf hinweisen, wie nötig es

sei, daß der Staat die einheimische Produktion fördere. Da hierin

aber eine Anklage gegen die Regierung lag, weil sich der Protest doch

gegen einen Beamten der Regierung richtete, mußte der Obersekretär

die Regierung in Schutz nehmen. Er begann mit einer Geschichte der

Entstehung des Manufakturwarendiskonts (bei dem Worte Diskont spitzten

alle außerordentlichen Hilfsarbeiter die Ohren) und gab einen Überblick

über die ökonomische Entwicklung des Landes in den letzten zwanzig

Jahren, wobei er sich so in die Einzelheiten vertiefte, daß die

Uhr in der Riddarholmkirche zwei schlug, ehe er zum Thema gekommen

war. Bei dem verhängnisvollen Glockenschlage sprangen alle Beamten

von ihren Plätzen auf, als sei Feuer ausgebrochen. Als ich einen

jungen Kollegen fragte, was das zu bedeuten habe, antwortete der

alte Sekretär, der meine Frage gehört hatte: ›Die erste Pflicht des

Beamten, mein Herr, ist, pünktlich zu sein, mein Herr!‹ Zwei Minuten

nach zwei war keine Menschenseele mehr in den vielen Zimmern! ›Morgen

haben wir einen heißen Tag,‹ flüsterte mir ein Kollege auf der Treppe

zu. ›Was um Gottes willen ist denn los?‹ fragte ich unruhig. ›Die

Bleistifte!‹ antwortete er. Und es gab heiße Tage! Siegellack, Kuverte,

Papiermesser, Löschpapier, Bindfaden. Aber das ging noch an, denn alle

hatten wenigstens Beschäftigung. Es kam aber ein Tag, da sie knapp

wurde. Da faßte ich mir ein Herz und bat, mir etwas zu tun zu geben.

Sie gaben mir sieben Ries Papier für häusliche Abschriften, durch

die ich mich verdient machen könne. Diese Arbeit führte ich in sehr

kurzer Zeit aus; aber statt Anerkennung zu finden und angespornt zu

werden, wurde ich mit Mißtrauen behandelt, denn man schätzte fleißige

Leute nicht. Später bekam ich überhaupt keine Arbeit mehr. Ich will

dir die qualvolle Beschreibung eines Jahres voller Demütigungen, voll

zahlloser Stiche, voll grenzenloser Bitterkeit ersparen. Alles, was mir

lächerlich und kleinlich vorkam, wurde mit feierlichem Ernst behandelt,

und alles, was ich als groß und rühmenswert schätzte, wurde in den

Staub gezogen. Das Volk nannte man Pack und vertrat den Standpunkt,

es sei eigens für die Garnison da, damit sie im Bedarfsfalle

daraufschießen könne. Man schmähte offenkundig die neue Staatsform und

nannte die Bauern Verräter.[1] Das hörte ich sieben Monate lang mit an;

man begann mir zu mißtrauen, da ich an dem Gelächter nicht teilnahm,

und forderte mich heraus. Als man das nächste Mal die Oppositionshunde

angriff, explodierte ich und hielt eine lange Rede mit dem Ergebnis,

daß die andern wußten, wie sie mit mir daran waren und daß ich

unmöglich wurde. Und jetzt mache ich es wie so viele Schiffbrüchige:

ich werfe mich der Literatur in die Arme!«

Struve, den der abgehackte Schluß nicht zu befriedigen schien, steckte

den Bleistift in die Tasche, trank seinen Grog aus und hatte eine

zerstreute Miene aufgesetzt. Er glaubte aber doch etwas sagen zu

müssen.

»Lieber Bruder, du bist noch unerfahren in der Lebenskunst; du wirst

sehen, wie schwer es ist, sein Brot zu verdienen, du wirst sehen, wie

das allmählich die Hauptsache im Leben wird. Man arbeitet, um Brot zu

bekommen, und man ißt sein Brot, um arbeiten zu können. Glaube mir, ich

habe Weib und Kind, und ich weiß, was das heißen will. Man muß sich den

Verhältnissen anpassen, siehst du. Man muß sich anpassen! Und du weißt

nicht, wie die Lage eines Schriftstellers ist. Der Schriftsteller steht

außerhalb der Gesellschaft!«

»Nun ja, das ist die Strafe dafür, daß er sich über die Gesellschaft

erheben will! Im übrigen verabscheue ich die Gesellschaft, denn sie

beruht nicht auf freier Übereinkunft, sie ist ein Gewebe von Lügen --

und ich gehe ihr mit Vergnügen aus dem Wege!«

»Es wird kalt,« bemerkte Struve.

»Ja, wollen wir gehen?«

»Vielleicht gehen wir.«

Die Flamme des Gesprächs war erloschen.

Unterdes war die Sonne untergegangen, der Halbmond hatte den Horizont

erklommen und stand jetzt über den Feldern im Norden der Stadt, hier

und da rang ein Stern mit dem Tageslicht, das noch oben am Himmel

verweilte; unten in der Stadt, die nun still zu werden begann, wurden

die Gaslaternen angezündet.

Falk und Struve wanderten zusammen in nördlicher Richtung und

plauderten über Handel, Schiffahrt, Gewerbe und alles mögliche, was sie

nicht interessierte, worauf sie sich unter gegenseitiger Erleichterung

trennten.

Während neue Gedanken in seinem Kopf keimten, ging Falk die Stromstraße

hinunter bis Skeppsholm. Er kam sich vor wie ein Vogel, der gegen

eine Fensterscheibe geflogen ist und nun geschlagen daliegt, gerade

als er die Schwingen zu heben glaubte, um direkt ins Freie hinaus zu

fliegen. Er setzte sich auf eine Bank am Strande und lauschte auf

das Wellengeplätscher; eine leichte Brise rauschte in den blühenden

Ahornen, und der Halbmond leuchtete mit schwachem Schein über dem

schwarzen Wasser; da lagen zwanzig, dreißig Boote am Kai vertäut,

rissen an ihren Ketten und streckten eins nach dem andern die Köpfe

empor, nur einen Augenblick, um dann wieder unterzutauchen; Wind und

Wellen schienen sie vorwärts zu jagen, und sie machten einen Anlauf

gegen die Brücke, wie eine Koppel gehetzter Hunde; aber die Kette riß

sie zurück, und dann stießen und stampften sie, als wollten sie sich

losreißen.

Hier blieb er bis Mitternacht sitzen; da schlummerte der Wind ein, die

Wellen gingen zur Ruhe, die gefangenen Boote rissen nicht mehr an ihren

Ketten, die Ahorne rauschten nicht mehr, und der Tau fiel.

Da stand er auf und wanderte träumend nach Hause in seine einsame

Dachkammer hinten auf Ladugaardsland.

Das tat der junge Falk; der alte Struve aber, der am selben Tage

in das konservative »Graumützchen« eingetreten war, nachdem das

»Rotkäppchen« ihn verabschiedet hatte, ging nach Hause und schrieb

für die berüchtigte »Volksfahne« einen Artikel »Über das Kollegium

für Auszahlung der Beamtengehälter«, vier Spalten, die Spalte zu fünf

Kronen.

[1] Diese Schilderung trifft jetzt nicht mehr zu, nachdem die

große Reorganisation der Ämter vorgenommen ist.

Zweites Kapitel

Unter Brüdern

Der Flachshändler Karl Nikolaus Falk, ein Bruder des früheren

außerordentlichen Hilfsarbeiters im Ministerium und jetzigen

Schriftstellers Arvid Falk und Sohn des verstorbenen Flachshändlers

Herrn Karl Johann Falk -- der zu den fünfzig Ältesten der Bürgerschaft

gehört hatte und Hauptmann der Bürgerwehr, Kirchenvorsteher und

Direktionsmitglied der Stockholmer Feuerversicherungsgesellschaft

gewesen war --, hatte sein Geschäft, oder wie seine Feinde es mit

Vorliebe nannten, seinen Laden, in der Österlangstraße, schräg

gegenüber der Ferkensgasse, so daß der Kommis, wenn er von seinem Roman

aufblickte, den er heimlich unter dem Ladentisch las, gelegentlich

ein Stück von einem Dampfer, ein Radgehäuse, einen Klüverbaum und

ähnliches, sowie einen Baumwipfel auf Skeppsholm und einen Streifen

Luft darüber sehen konnte. Der Kommis, der auf den nicht ungewöhnlichen

Namen Andersson hörte -- und er hatte hören gelernt --, hatte eben,

früh am Morgen, aufgemacht und eine Flachsknocke, eine Fisch- und eine

Aalreuse, ein Bündel Angelruten und ungesplissene Federn hinausgehängt;

darauf hatte er den Laden ausgefegt, hatte Sägespäne auf den Fußboden

gestreut und sich hinter dem Ladentisch niedergelassen, wo er aus

einer leeren Kerzenschachtel, von einer Hakenstange gehalten, eine Art

Mausefalle konstruiert hatte, in die sein Roman hinunterfallen konnte,

wenn der Prinzipal oder einer von dessen Bekannten den Laden betrat.

Etwaige Kunden schien er nicht zu befürchten, teils weil es früh am

Morgen war, teils weil er nicht an einen Überfluß in dieser Beziehung

gewöhnt war. Das Geschäft war zu Zeiten des seligen König Fredrik

gegründet worden -- Karl Nikolaus Falk hatte wie alles andere auch

diesen Ausdruck von seinem Vater geerbt, der ihn wiederum in direkt

absteigender Linie von seinem Großvater übernommen hatte -- es war

früher gut gegangen und hatte ein schönes Stück Geld abgeworfen, sogar

noch bis vor wenigen Jahren; da aber war das unglückselige Kammersystem

gekommen und hatte allem Handel ein Ende gemacht, alle Aussichten

zerstört, alle Unternehmungslust gehemmt und die Bürgerschaft mit dem

Untergang bedroht. So behauptete Falk; andere aber waren der Ansicht,

daß er sich nicht um das Geschäft kümmerte und daß ein gefährlicher

Konkurrent sich unten am Schleusenplatz niedergelassen hatte. Falk

sprach jedoch nicht unnötig von dem Verfall des Geschäfts und war

klug genug, Gelegenheit und Zuhörer sorgfältig zu wählen, wenn er

diese Saite anschlug. Wenn einer von seinen alten Geschäftsfreunden

in freundlicher Weise sein Erstaunen über den verminderten Verkehr

äußerte, sagte er, er habe sich auf den Großhandel in der Provinz

verlegt und benutze den Laden nur als Aushängeschild; und sie glaubten

ihm, denn er hatte hinter dem Laden ein kleines Kontor, in dem er sich

meistens aufhielt, wenn er nicht in der Stadt oder auf der Börse war.

Wenn jedoch seine Bekannten -- das war etwas anderes --, der Sekretär

und der Magister, dieselbe freundliche Besorgnis äußerten, dann hatten

die schlechten Zeiten, die von dem neuen Kammersystem herrührten, die

Stagnation hervorgerufen.

Jetzt aber war Andersson von ein paar Burschen gestört worden, die

in der Tür gefragt hatten, was die Angelruten kosteten, hatte dabei

auf die Straße hinaus gesehen und den jungen Herrn Arvid Falk zu

Gesicht bekommen. Da er sich das Buch gerade von ihm geliehen hatte,

konnte es liegen bleiben, wo es lag, und mit vertraulichem Ton und

einer Miene heimlichen Einverständnisses begrüßte er seinen früheren

Spielkameraden, als dieser den Laden betrat.

»Ist er oben?« fragte Falk mit einer gewissen Unruhe.

»Er ist beim Kaffeetrinken,« antwortete Andersson und deutete nach der

Decke. Im selben Augenblick hörten sie, wie gerade über ihren Köpfen

ein Stuhl gerückt wurde.

»Jetzt ist er vom Tisch aufgestanden, Herr Arvid.«

Sie schienen beide dies Geräusch und seine Bedeutung gut zu kennen.

Darauf hörte man ziemlich schwere, knarrende Schritte das Zimmer in

allen Richtungen durchkreuzen, und durch die Decke drang ein dumpfes

Gemurmel zu den lauschenden jungen Leuten hinunter.

»Ist er gestern abend zu Hause gewesen?« fragte Falk.

»Nein, er war aus.«

»Mit den Freunden oder den Bekannten?«

»Mit den Bekannten.«

»Und ist spät nach Hause gekommen?«

»Ziemlich spät.«

»Glauben Sie, Andersson, daß er bald herunterkommt? Ich möchte nicht

gern hinaufgehen, meiner Schwägerin wegen.«

»Er wird wohl bald hier sein, das höre ich am Schritt.«

Im selben Moment hörte man oben eine Tür zuschlagen, und unten wurde

ein bedeutungsvoller Blick gewechselt. Arvid machte eine Bewegung, als

wolle er gehen, aber dann ermannte er sich.

Nach einigen Sekunden hörte man Geräusch im Kontor. Ein böser Husten

erschütterte den kleinen Raum, und dann ertönten die bekannten

Schritte: stapf -- stapf, stapf -- stapf!

Arvid ging hinter den Ladentisch und klopfte an die Tür des Kontors.

»Herein!«

Er stand seinem Bruder gegenüber. Dieser sah wie ein Vierziger aus,

und er war es auch ungefähr, denn er war fünfzehn Jahre älter als der

Bruder und hatte sich deshalb, allerdings auch noch aus andern Gründen,

gewöhnt, ihn als einen Knaben zu betrachten, an dem er Vaterstelle

vertrat. Er hatte hellblondes Haar, einen blonden Schnurrbart, blonde

Augenbrauen und Wimpern. Er war ziemlich korpulent, daher konnte er

so gut mit den Stiefeln knarren, die unter der Last seiner stämmigen

Gestalt kreischten.

»Du bist es nur?« fragte er mit einem leichten Anflug von Wohlwollen

und Verachtung, Gefühlen, die bei ihm unzertrennlich waren, denn er

war nicht böse auf die, die in irgendeiner Hinsicht unter ihm standen,

gleichzeitig aber verachtete er sie. Indes er sah jetzt doch aus, als

sei er enttäuscht, denn er hatte ein dankbareres Objekt für seinen

Ausbruch erwartet, und der Bruder war eine bescheidene und schüchterne

Natur, die nie unnötig opponierte.

»Ich störe dich doch nicht, Karl?« fragte Arvid, der an der Tür stehen

geblieben war. Diese demütige Frage hatte die Wirkung, daß der Bruder

beschloß, seinem Wohlwollen Ausdruck zu geben. Er nahm selbst eine

Zigarre aus seinem großen, gestickten Lederetui und bot dann dem Bruder

aus einer Kiste an, die in der Nähe des Kamins ihren Platz gefunden

hatte, weil die Zigarren -- die »Besuchszigarren«, wie er sie offen

nannte, denn er war eine offene Natur -- einen Schiffbruch erlebt

hatten, was sie sehr interessant, wenn auch nicht besser machte, und

eine Strandauktion, wodurch sie sich sehr billig stellten.

»Nun, was hast du auf dem Herzen?« fragte Karl Nikolaus, indem er sich

seine Zigarre anzündete und darauf die Streichholzschachtel in die

Tasche steckte, -- aus Zerstreutheit, denn er konnte die Gedanken nur

auf einen Punkt konzentrieren, innerhalb eines Kreises, der nicht sehr

groß war; sein Schneider hätte auf den Zoll sagen können, wie groß,

wenn er seinen Leibesumfang maß.

»Ich möchte über unsere Geschäfte mit dir sprechen,« antwortete Arvid

und drehte seine unangezündete Zigarre zwischen den Fingern.

»Setz dich!« kommandierte der Bruder.

Es war immer seine Gewohnheit, die Leute aufzufordern, sich zu setzen,

wenn er sie sich vornehmen wollte, denn dann hatte er sie unter sich

und konnte sie leichter zerschmettern, -- falls es erforderlich war.

»Unsere Geschäfte? Haben wir Geschäfte miteinander?« begann er. »Davon

weiß ich nichts. Hast ~du~ Geschäfte?«

»Ich meinte nur, ich möchte wissen, ob ich noch etwas zu bekommen

habe.«

»Was sollte das sein, wenn ich fragen darf? Etwa Geld? He?« scherzte

Karl Nikolaus und ließ den Bruder den Duft der feinen Zigarre genießen.

Da er keine Antwort bekam, die er auch nicht haben wollte, mußte er

selber sprechen.

»Bekommen? Hast du nicht alles bekommen, was dir zusteht? Hast du nicht

selbst die Quittung vorm Vormundschaftsgericht unterschrieben? Habe

ich dich seitdem nicht ernährt und gekleidet, das heißt dir Vorschuß

gegeben? Denn diese Summen wirst du zurückzahlen, wenn du einmal dazu

imstande bist, deinem eigenen Wunsch entsprechend; ich habe alles

aufgeschrieben, um es zu haben für den Tag, da du selber dein Brot

verdienen kannst, und das hast du bisher noch nicht getan.«

»Das gerade möchte ich jetzt tun, und deshalb bin ich hergekommen, um

genau zu erfahren, ob ich noch etwas zu erwarten habe, oder ob ich

etwas schuldig bin.«

Der Bruder warf einen durchdringenden Blick auf sein Opfer, um zu

ergründen, ob dieses irgendwelche Hintergedanken habe. Dann begann er

mit seinen knarrenden Stiefeln den Fußboden in einer Diagonale zwischen

Spucknapf und Schirmständer zu durchmessen; die Berlocken bimmelten

an der Uhrkette, als wollten sie die Leute warnen, ihnen in den Weg

zu kommen, und der Tabaksrauch stieg empor und legte sich in langen,

drohenden Wolken, die ein Unwetter anzukündigen schienen, zwischen

Kachelofen und Tür. Er ging heftig auf und ab, mit gesenktem Kopf und

vorgeschobenen Schultern, als memoriere er eine Rolle. Als er sie zu

können glaubte, blieb er vor dem Bruder stehen und sah ihm gerade

in die Augen mit einem langen, meergrünen, falschen Blick, der wie

Vertrauen und Schmerz aussehen sollte; und mit einer Stimme, die klang,

als komme sie aus der Familiengruft auf dem Klarakirchhof, sagte er:

»Du bist nicht ehrlich, Arvid! Du bist nicht ehr--lich!«

Jeder Zuhörer, außer Andersson, der hinter der Ladentür stand und

lauschte, hätte sich rühren lassen von diesen Worten, die mit dem

tiefsten brüderlichen Schmerz ein Bruder dem Bruder sagte. Arvid

selbst, der von klein auf an den Glauben gewöhnt worden war, daß alle

andern Menschen vortrefflich seien, er selbst aber schlecht, überlegte

wirklich einen Augenblick, ob er ehrlich sei oder nicht, und da seine

Erzieher mit zweckdienlichen Mitteln ein höchst empfindliches Gewissen

in ihm großgezogen hatten, konstatierte er, daß er nicht sehr ehrlich

oder zum mindesten nicht sehr offen gewesen war, als er soeben in

ziemlich verschleierter Weise an den Bruder die Frage gestellt hatte,

ob er ein Schurke sei.

»Ich bin zu der Ansicht gekommen,« sagte er, »daß du mich um einen

Teil meines Erbes betrogen hast; ich habe mir ausgerechnet, daß du die

schlechte Beköstigung und deine abgelegten Kleider zu hoch bewertet

hast; ich weiß, daß mein Vermögen nicht für meine schrecklichen Studien

draufgegangen sein kann, und ich glaube, daß du mir eine recht große

Summe schuldest, die ich jetzt brauche und die ich jetzt -- ausbezahlt

haben möchte!«

Ein Lächeln erhellte das blonde Gesicht des Bruders, und mit einer so

ruhigen Miene und einer so sicheren Geste, als habe er sie jahrelang

einstudiert, um in Aktion treten zu können, sobald das Stichwort fiel,

steckte er die Hand in die Hosentasche, schüttelte das Schlüsselbund,

bevor er es herausholte, ließ es in der Luft eine Volte machen und trat

voll Andacht an den Geldschrank. Er schloß ihn schneller auf, als seine

Absicht war und als die Heiligkeit des Ortes vielleicht gestattete,

holte ein Papier heraus, das ebenfalls bereit gelegen und auf das

Stichwort gewartet hatte, und reichte es dem Bruder.

»Hast du dies geschrieben? -- Antworte! Hast du dies geschrieben?«

»Ja!«

Arvid erhob sich, um zu gehen.

»Nein, setz dich! -- setz dich! Setz dich!«

Wenn ein Hund im Zimmer gewesen wäre, würde er sich sofort gesetzt

haben.

»Nun, was steht da? Lies! -- Ich, Arvid Falk, bestätige und bezeuge,

-- daß -- ich -- von -- meinem Bruder, dem mir vom Gericht bestimmten

Vormund -- Karl Nikolaus Falk -- mein Erbe vollständig ausgezahlt

bekommen habe, -- in Höhe von usw.«

Er schämte sich, die Summe zu nennen.

»Du hast also eine Sache bestätigt und bezeugt, an die du nicht

geglaubt hast! Ich darf wohl fragen: ist das ehrlich? Nein, antworte

auf meine Frage! Ist das ehrlich? Nein! Ergo hast du ein falsches

Zeugnis abgelegt. Du bist also ein Schuft! Ja, das bist du! Habe ich

nicht recht?«

Die Szene war zu dankbar und der Triumph zu groß, um ohne Publikum

genossen werden zu können. Der unschuldig Angeklagte mußte Zeugen

haben; er machte die Tür zum Laden auf.

»Andersson!« rief er. »Beantworten Sie mir eine Frage: hören Sie genau

zu! Wenn ich ein falsches Zeugnis abgebe, bin ich dann ein Schuft oder

bin ich es nicht?«

»Sie sind natürlich ein Schuft, Herr Prinzipal,« antwortete Andersson

ohne Bedenken und mit Wärme.

»Hörst du: er sagt, ich bin ein Schuft -- wenn ich eine falsche

Quittung unterschreibe. Nun, was habe ich vorhin gesagt? Du bist nicht

ehrlich, Arvid; du bist nicht ehrlich! Das habe ich schon immer gesagt!

Gutmütige Menschen sind sehr oft Schufte; und du bist immer gutmütig

und nachgiebig gewesen, aber ich habe gemerkt, daß du insgeheim

andere Gedanken hegtest; du bist ein Schuft! Das hat dein Vater auch

gesagt, ich betone ›gesagt‹, denn er sagte immer, was er dachte und war

ein rechtschaffener Mann, Arvid, und das -- bist -- du -- nicht! Sei

überzeugt: wenn er jetzt noch lebte, so würde er mit Schmerz und Gram

sagen: Du bist nicht ehrlich, Arvid! Du -- bist -- nicht ehrlich!«

Er schritt wieder einige Diagonalen ab, und es klang, als applaudiere

er seiner Szene mit den Füßen, und er klingelte mit dem Schlüsselbund,

als gebe er das Signal für den Vorhang. Die Schlußreplik war so

abgerundet gewesen, daß jede Hinzufügung das Ganze verderben würde.

Trotz der schweren Beschuldigung, die er tatsächlich seit mehreren

Jahren erwartet hatte, denn er war immer der Überzeugung gewesen, daß

der Bruder ein falsches Herz habe, war er sehr froh, daß es jetzt

vorüber war, und so glücklich vorüber, so gut und so sinnreich vorüber,

daß er fast fröhlich und sogar ein wenig dankbar gestimmt wurde.

Außerdem hatte er ja eine so gute Gelegenheit gefunden, loszuwettern,

nachdem er oben in der Familie gereizt worden war; seinen Zorn an

Andersson auszulassen, hatte im Lauf der Jahre seinen Reiz eingebüßt,

-- und ihn oben auszulassen -- dazu hatte er die Lust verloren.

Arvid war verstummt; er war eine durch die Erziehung so

eingeschüchterte Natur, daß er immer etwas Unrechtes zu tun glaubte; er

hatte von Kind an diese furchtbar großen Worte: rechtschaffen, ehrlich,

aufrichtig, wahrhaft täglich und stündlich aussprechen hören, so daß

sie wie Richter vor ihm standen, die ihn immer schuldig sprachen. Er

dachte einen Moment, er habe sich in seinen Berechnungen getäuscht,

der Bruder sei unschuldig und er selber wirklich ein Schuft; aber

im nächsten Augenblick sah er in dem Bruder einen Betrüger, der mit

einfachem Advokatengeschwätz ihn übertölpelte, und er wollte sich aus

dem Staube machen, um nicht mit ihm in Streit zu geraten, wollte sich

aus dem Staube machen, ohne ihm sein Anliegen Nummer 2 vorzutragen: daß

er nämlich im Begriff stehe, seinen Beruf zu wechseln.

Die Pause wurde länger, als beabsichtigt war. Karl Nikolaus hatte also

Zeit, in der Erinnerung seine eben erlebten Triumphe durchzugehen. Das

kleine Wort »Schuft« tat der Zunge so wohl, wenn sie es aussprechen

konnte, genau so wohl wie das Wort »Hinaus!«. Und das Öffnen der

Tür und Anderssons Antwort und die Vorführung des Dokuments, alles

hatte so gut geklappt; das Schlüsselbund war nicht auf dem Nachttisch

liegengeblieben, das Schloß hatte funktioniert, das Dokument war

bindend gewesen wie ein Garn und die Schlußfolgerung wie die Angel,

die den Hecht in ihrer Schlinge fängt. Er war in gute Laune gekommen;

er hatte verziehen, nein, er hatte vergessen, alles vergessen, und

als er den Geldschrank wieder zuwarf, da verschloß er die unangenehme

Affäre für immer. Aber er wollte sich nicht so von dem Bruder trennen,

er hatte das Verlangen, über andere Dinge mit ihm zu sprechen, ein

paar Schaufeln Geschwätz über das unangenehme Thema zu werfen, ihn in

einer alltäglichen Situation zu sehen, zum Beispiel ihn an einem Tisch

sitzen zu sehen, warum nicht essend und trinkend? Die Menschen sahen

immer vergnügt und zufrieden aus, wenn sie aßen und tranken, und er

wollte ihn vergnügt und zufrieden sehen; er wollte sein Gesicht ruhig

sehen und hören, daß seine Stimme nicht mehr zitterte, und kam zu dem

Entschluß, ihn zum Frühstück einzuladen. Die Schwierigkeit war, einen

Übergang zu finden, eine geeignete Brücke, die man über den Abgrund

werfen konnte. Er suchte in seinem Kopf, fand aber keine, er suchte in

seinen Taschen und fand die -- Streichholzschachtel.

»Teufel auch, du hast ja deine Zigarre nicht angesteckt, Junge!« sagte

er mit wirklicher, nicht erheuchelter Wärme.

Aber der Junge hatte seine Zigarre im Lauf des Gesprächs zerbröckelt,

und sie wollte nicht mehr brennen.

»Hier, nimm dir eine neue!«

Er holte sein großes Lederetui heraus:

»Sieh her! Nimm nur! Es sind gute Zigarren!«

Der Bruder, der so unglücklich veranlagt war, keinen Menschen verletzen

zu können, nahm das Anerbieten dankbar an, wie eine zur Versöhnung

hingestreckte Hand.

»So, alter Junge,« fuhr Karl Nikolaus fort und schlug einen angenehmen

Gesellschaftston an, auf den er sich so gut verstand. »Komm jetzt, dann

gehen wir zu Riga und frühstücken ein bißchen! Komm nur!«

Arvid, an Freundlichkeit nicht gewöhnt, war hierüber so gerührt, daß er

dem Bruder hastig die Hand drückte und hinauseilte, durch den Laden

hindurch, ohne Andersson zu grüßen, hinaus auf die Straße.

Der Bruder blieb bestürzt stehen; dies konnte er nicht begreifen; was

sollte das bedeuten! Davonlaufen, wenn er zum Frühstück eingeladen

wurde; davonlaufen, und dabei war er doch nicht böse. Davonlaufen!

Das würde ein Hund nicht getan haben, wenn man ihm ein Stück Fleisch

hingeworfen hätte!

»Er ist so sonderbar!« murmelte er und stampfte über die Dielen. Darauf

trat er an sein Pult, schraubte den Sessel so hoch, wie es ging, und

kletterte hinauf. Von diesem erhöhten Platz pflegte er Menschen und

Verhältnisse von einem höheren Gesichtspunkt zu betrachten und fand sie

in der Regel klein, allerdings nicht so klein, daß sie nicht für seine

Zwecke zu verwenden gewesen wären.

Drittes Kapitel

Die Kolonisten

Es war zwischen acht und neun Uhr an dem schönen Maimorgen, als

Arvid Falk nach der Szene bei dem Bruder durch die Straßen wanderte,

unzufrieden mit sich selbst, unzufrieden mit dem Bruder und unzufrieden

mit der ganzen Welt. Er wünschte sich trübes Wetter und schlechte

Gesellschaft. Daß er ein Schuft war, daran glaubte er nicht ganz,

aber er war mit sich selbst nicht zufrieden; er war gewohnt, hohe

Anforderungen an sich zu stellen, und es war ihm eingeimpft, in dem

Bruder eine Art Stiefvater zu sehen, vor dem er große Achtung, fast

Ehrerbietung hegen müsse. Aber auch noch andere Gedanken tauchten

auf und erfüllten ihn mit Sorge. Er war ohne Geldmittel und ohne

Beschäftigung. Dies letzte war vielleicht das Schlimmste, denn die

Untätigkeit war für ihn ein böser Feind, da er mit einer nimmer

ruhenden Phantasie begabt war.

Das rote Zimmer · 第 1 / 25 段