Nun hat die Tiefe der Erde die Geheimnisse des Gartens zu hüten. --

Und wenn ich dich nun noch etwas weiter geleite, da wo meine lachende

Wiese endet und um eine Biegung herum wir an einem kleinen Feldstück

mit rankenden Bohnen und Erbsengeblühe vorüber, immer von den dichten

Waldbäumen begleitet, endlich wieder zu den unteren Terrassen absteigen und

dann plötzlich am grünumhangenen Treppengange sind, der zu der Türe meines

Gartens führt -- dann bleibst du noch einen Augenblick stehen, geblendet

von dem flutenden Golde der sinkenden Sonne, das durch das dunkle

Tannengezweig gleitet und dicht wie ein Gemälde der großen alten Meister

mit Schauern der Ehrfurcht dich überschüttet.

Ich öffne noch nicht die Türe.

Ruhe noch einen Augenblick aus von allem Erlebten.

Denn vollendete Schönheit ist ein Erlebnis.

Und nun kennst du mein Königreich.

Und weißt, daß ich, trotzdem ich ein Verliebter bin, nicht zu viel von ihm

sagte.

Du ahnst vielleicht sogar, daß es noch zu wenig war.

Daß da, wie in einem Briefe der Liebe, noch tausend köstliche Dinge

zwischen den Zeilen stehen, die so zart und heimlich sind, daß man sie

nicht in den Ring der Worte einfangen kann.

Aber in die Melodie des Liedes lösen sich all diese köstlichen

Heimlichkeiten süß und linde auf.

Und so wirst du begreifen, daß alles Unaussprechliche meines Gartens zu

seligen Liedern wurde, die alles Letzte, Tiefste und Süßeste ausschöpfen zu

einem singenden Reigen seligen Glückes. Ich lege dir diese Lieder in deine

Hände, in dein Herz.

Werde froh daran und reich -- reich an jener zugleich traurigen und

beglückenden Sehnsucht, die uns zu den Ufern der Erfüllung trägt.

An der Sehnsucht zu einem Garten, der irgendwo schon dir blüht und duftet

und dir dein heimlich Königreich werden will.

Diese selig traurige und dennoch beglückende Sehnsucht will ich in deine

Seele pflanzen mit meinen Liedern, die in meinem Garten blühten.

Von den Gärten der Erde: Ein Buch der tiefen Stille · 第 39 / 111 题