Ich glaube, sie ist mein Lieblingsplatz.
Im Hintergrunde ist sie von einer dichten Waldparzelle begrenzt, alte,
ernste Bäume ragen von der Böschung auf, die hier zur unteren Terasse
abfällt, zwischen dem dunklen Gehänge einiger Riesentannen steht eine Bank
aus Astwerk, vom kletternden Grün der Waldrebe umflochten, da sitzest du
tief im Versteck wie unter schweren Vorhängen und schaust mitten in die
lachende Wiese, die auf stark ansteigender Bodenwelle hinauf zu dem Zaune
des Gartens klettert.
Hinter dem Zaune ist die Straße, die zwischen Gärten und kleinen
Landhäuschen immer bergan zum Gipfel der Hügel dieser Stadtseite führt.
Und so blickt mein Auge von diesem Platz über den Zaun hinaus in ein
weites, wogendes, grünes Meer leiser im Winde spielender Laubmassen,
die sich dicht und wohlig in die tiefe, sanfte Bläue des Sommerhimmels
einschmiegen.
Und die Wiese selbst.
All das bunte Blühen in der schaukelnden Lust der spielenden Lüfte. Der
berauschende Duft, der darüber weht. Das schimmernde Silber und Gold des
wechselnden Lichtes. Das schwebende Tanzspiel der zarten Falterschwingen
über dem wiegenden Farbengewoge. Bienen summen ihr trunkenes Lied und
naschen aus all den offenen Bechern der Lust.
Dein Herz ist von trunkener Freude wie ein übervoller Brunnen, bis in seine
letzten Tiefen fühlst du eine selige Ergriffenheit, in der du dich eins
weißt mit dem ewigen All des Seins. --
Ich weiß nicht, wann mein Garten am schönsten ist.
Im Frühling, wenn der leuchtende Schaum der Baumblüte gegen den blauen
Himmel lacht und das junge Laubgrün in der Sonne durchsichtig und golden
wird, die ersten Veilchen aus verborgenen Winkeln aufbrechen, ihre
keuschen, berauschenden Düfte dir wie ein Lied goldener Erinnerungen an das
Herz rühren und neue, junge Träume auf allen Wegen dir entgegenkommen --
o dann ist er unglaublich herrlich in seiner klingenden Lust und seiner
heimlichen Süße, umtönt von den jauchzenden Liebesliedern, die zwischen
Baum und Gesträuch auf und niederfliegen.