Und noch bist du nicht am Ende meines Gartens.
Sieh dort das wundervolle, große Steinbecken in dreiteiligem Rund barock
gefaßt, wie der Märchenbrunnen aus Kinderland liegt er kühl unter den
hügelansteigenden Bäumen, die ihn mit ihrem Laub geheimnisvoll umhängen.
Maigrüne Weiden und silberstämmige Birken suchen ihr Bild in seinem dunklen
Wasser, blühendes Gaisblattgewinde hängt in wehenden Guirlanden von den
Bäumen nieder, gelbe Schwertlilien stehen wie goldene Kerzen um ihn her,
und aus dem dunklen, ruhenden Wasser steigen in silbernen Mondnächten der
Froschkönig und die Prinzessin die Stufen hinauf, die zu seinem Grunde
führen.
Hier kannst du dem Märchenzauber lauschen, der seit Jahrtausenden die
Nächte träumender Gärten durchwandelt. Dem Zauber ewiger Jugend, der alt
ist wie die Ewigkeit des Lebens und ewig jung wie die neugeborene Stunde
des Tages.
Hast du dir Rausch genug getrunken an meinem Garten?
Und glaubst nun all seine Herrlichkeit zu kennen!
Siehe aber, noch ist kein Ende.
Mehr noch wartet dein.
Steig hinauf zur Höhe. Vier Stufenwege führen hinan. Durch dichte Laubwege
führen sie, von Bäumen fast aller Namen dicht umstanden. Den Abhang
hinunter fließt ein grüner Sammtteppich, von blühendem Gekräut bunt
durchwirkt.
Auf schmalen, tief verschatteten Wegen wandelst du in traumhaft süßer
Stille, nichts stört dir dein Lauschen und Denken, weit weg von den kleinen
Dingen des Alltags bringt diese Unendlichkeit der Stille umher die Höhen
und Tiefen des Tages zu dir, und du verlierst dich an jenes selige Schauen,
aus dem alle Erkenntnisse blühen.
Der eine der Stufenwege führt zu einem einsamen Tempel, der auf einer
schönen, alten Mauer steht, eine Mauer, die roh von Steinen aufgetürmt,
wie von Kyklopenfaust geworfen, stark und trotzig zur obersten Terrasse
aufsteigt. Vom Tempel fällt ein dichter Vorhang üppiger Efeuranken über das
Gestein und gibt ihm eine malerische Bewegtheit und ernste Anmut.
Weiter entlang führt ein anderer Aufstieg wieder auf engem laubdichten
Pfade zu einem Ruheplatz, der dir einen Ausruf der Freude entlockt.
Unter einem hohen, alten, weit um sich greifenden Nußbaum steht eine
Bank auf erhöhten Stufen, um den mächtigen Stamm des Baumes ist ein Tisch
gezimmert. Im Schatten dieses Baumes an einem heißen Sommertage zu sitzen,
ist eine unaussprechliche Entzückung. Ein Geländer von dünnen Birkenzweigen
schließt den zur untersten Terrasse fallenden Abhang ab, ein wildes Gewirr
hängender Waldrebe spinnt zwischen Baum und Busch und um das Geländer hin.
Und durch dieses Meer sonnenflimmernden Blättergeriesels siehst du auf ein
Bild unendlicher Schönheit.
Hingelagert auf weinumsponnener Höhe breit und wuchtig ausladend, siehst
du hier wieder die alte Heidenburg meiner Stadt, wo Frankenherzöge in
frühesten Jahrhunderten hausten, Bischöfe ihren heiligen Sitz hatten.
Auf der Ebene des Berges ist die Burg stark und edel hingebaut, mit Zinnen
und Türmen, die sich gegen die Bläue des Himmels mit wundervollen, breit
ausladenden Mauerprofilen abheben, die den Berg hinab zum Tal hin in
scharfen Stufenlinien die Luft durchschneiden.
Zu dieser Burg hinauf geht dein Blick, wo du auch gehst und stehst im
Garten und ihre alte, ehrwürdige Pracht steht wie eine königliche Krone
über der stillen Schönheit meines Gartens.
Und von diesem geheimnisvoll schönen Platze wandle ich weiter durch
blühendes, duftendes Strauchwerk, unter blütenschweren Bäumen durch kühle
Schattengänge hin. Einige Stufen führen zur obersten Terasse. Auch da
üppigblühende Bäume und Gesträuch. Unter wehendem Birken- und Weidengezweig
wartet wieder eine Bank auf dich zum Stillsein und Schauen. Ein schönes
Steinbecken in spielender Rokokofassung, von hohen Schwertlilien, purpurnem
Fliedergebüsch und schwerhängendem Goldregen eingeschlossen, liegt in
ruhendem Stimmungszauber eingebettet; in seinem dunklen Wasser baden meine
Singvögel und fliegen dann froh in die blaue Ferne und nehmen ein Stück
meiner Seligkeit auf ihren Flügeln mit und in ihren Liedern bringen sie
diese Seligkeit zu den andern Herzen, die in andern Gärten wandeln und auf
die Stimmen der Freude lauschen. --
Und wieder ein Weg zur Höhe führt zu meinem Teehäuschen. Ein liebes,
weinumranktes Häuschen. Tannen stehen rechts und links neben drei runden
Stufen, die zu seiner Türe führen.