Aber er gibt sie mir wieder. Tausendfältig gibt er sie mir wieder. --

Ich öffne die Tür am Wege.

Nun kommt mit. Steigt die Stufen zwischen den überhängenden Zweigen der

Tannen und Buchen hinauf, in denen die Sommersonne mit goldenen Kugeln

spielt und zwischen den dunklen Ästen klettern die roten Glühlampen

der Rosen hinauf. So hast du von Schattenspiel und Lichtleuchten und

Purpurfarben ein seliges Willkommen schon beim Eintritt in meine Welt.

Der Garten muß uns eine Welt sein, sonst hat er keinen Sinn.

Eine Welt, an die wir uns selbst verlieren, um uns neu und ganz

wiederzufinden. Weit laß ihn sein, deinen Garten, wenn es möglich ist.

Nicht eng und klein, daß man von hier bis dort seine Grenzen sieht und

immer zwischen Anfang und Ende hin und her geworfen wird und nie zu jenem

seligen Untertauchen in die Freude kommt, das uns nur die Fülle gibt.

Ach, ich liebe auch den kleinen Garten des Nachbarn und ich wünsche jedem

unter uns ein Gärtlein, sei es noch so klein -- immer ist's seliger als

keines. Aber mein Garten ist weit -- weit --

Ins Grenzenlose und Unendliche schaue ich hier, und täglich finde ich ein

Neues, Unerwartetes, eine heimliche Freude, ein neues, helles Glück in den

vier Winden seiner unerschöpflichen Schönheit.

Ich habe Traurige hineingeführt, und sie wurden getröstet.

Menschen der Freude ließ ich ein, und sie tranken sich göttlichen Rausch an

seinem übervollen Becher.

Leidende fanden den Willen zum Leben in ihm wieder.

So kommt und schaut, daß ihr ihn erkennt und liebt mit meiner endlosen

Liebe.

Auf den schattenumhangenen Treppen stiegen wir hinauf.

Nun teilen sich die Wege.

Wo nur zuerst hin in diesem Garten ohne Ende. Grenzenlos wie eine selige

Unendlichkeit.

Am Abhang, der zur Straße fällt, geht ein lauschiger Weg zwischen

blütenduftigen, lachenden Rasenflächen und ernsten, hohen Tannen und

Laubbäumen, die einen grünen Wall zum Wege unten hin bauen. Im leuchtenden

Rasen stehen viele tragende Fruchtbäume, die ein wenig schwer und

nachdenklich ihre Zweige zur Erde senken, sie arbeiten an den süßen

Früchten des Herbstes -- stören wir ihre Ruhe nicht.

Überall siehst du reinliche, sandbestreute Wege zwischen den großen,

weiten Rasenflächen, die voll zarter, wehender Blumen sind, die wie bunte

Teppiche, in tausend Farben gestickt, im Sommerwinde schaukeln. Blau,

weiß und gelb flatterts drüber hin im sanften Rhythmus schwebender

Schmetterlingsflügel.

In der Mitte ein Rund. Das Herz meines Gartens, zu dem alle Schönheit

hinlugt, von dem aus du in all seine Geheimnisse schauen, und dich in die

Tiefe seiner Welt hineinträumen kannst. Tische und Bänke stehen da. Rot

im lichten Sommergrün. Ein Kranz von dunkelroten Geranien säumt das Rund.

Kirschen-, Apfel- und Pfirsichbäume geben ihren spielenden Schatten

über diesen Platz, von dem das Auge in trunkener Lust in eine schier

überwältigende Herrlichkeit schaut. Viele hundert altersschöne Bäume jeder

Art und jeden Namens fast, erblickst du von hier an den aufsteigenden

Höhen, die den Garten königlich umbauen.

Und hebst du den Blick zur Höhe, siehst du dort hoch über allem die alte,

ragende Burg, mit strengen edlen Linien das Bild hundertjähriger Geschichte

umfassend, steigt sie in die glasklare, seidenweiche Sommerbläue des

Himmels und gibt dem Garten den unsagbar berauschenden Reiz, der uns aus

ferner Vergangenheit wie aus altersgoldener Weite anrührt. Und die Hügel,

die zu dieser Burg führen, sind umwachsen von den adelsstolzen Reben,

deren honigschwerer Saft einst in goldenen Königsbechern und auf stolzen

Bischofstafeln seine Feuer und Verzauberungen spielen ließ und noch immer

spielen läßt. Auf der anderen Seite ragt über den Hügeln die Kapelle

auf; mit ihren runden dunklen Schieferkuppeln, aus denen spitz die Kreuze

aufspringen, liegt sie, von meinen hohen Pappeln eingerahmt, wie ein Bild

von Künstler Hand vor mein schwelgendes Auge hingestellt.

Und weiter zur Rechten, wenn du im Garten umschaust, liegt eine Waldhütte

von Birkengeländer umhegt, hohe Tannen stehen stille Wacht davor, Akazien

und Hollunder breiten weithin ihre Zweige vor ihr her und die weißen

bräutlichen Blüten des Jasmins verhängen und mengen sich mit dem dunklen

Tannengezweig und gießen ihren schweren Duft auf die Wege, die zu diesem

stillen Winkel führen. Zur Linken sind gar viele Plätze da, die zur Ruhe

und Beschaulichkeit laden. Tief eingeschnitten in einer Taxushecke kannst

du sitzen und den silbernen Glockenklängen lauschen, die von der Kapelle

alle Stunden den Berg herabrieseln. Unter den rätselhaften Mispelzweigen,

die sich weit und schallend über eine Bank breiten, kannst du seltsame

Träume erhaschen.

In allen Winkel blüht und duftet es. Ströme von Licht fallen von den Bäumen

nieder, die ihren Namen von diesem goldenen Regen haben. Und purpurn und

violett und weiß gießt der Flieder seinen Sommerrausch über deine Seele.

Der Rotdornbaum ist von tausend rosigen Büschen übersät und blühende

Ligusterhecken stehen wie weiße Mauern inmitten der tiefgrünen

Rasenflächen. Himbeerrot leuchten die schweren Dolden der Weigelienbüsche.

Birken wehen ihre grünen Schleier im linden Winde, der von den Wäldern her

reine wohlige Luft bringt.

Im Hintergrunde leuchten rotbeerige Sträucher.

Ein weites Rund glüht von Erdbeerfrüchten und Rosen, und beider Düfte

mischen sich zu einem Ton, der wie bebender Harfenklang über deine Sinne

geht.

Von den Gärten der Erde: Ein Buch der tiefen Stille · 第 34 / 111 题