Wie ewige Jugend liegt es über diesen Menschen. --

Jugend, die Glut ist und Licht und alle Seligkeit entzündet, die an den

tiefen Seen der Seele blüht.

Jugend, die alle Schatten und Finsternisse überwindet, die neben aller

Schönheit ihrer Stunde warten.

So im Traum und Rausch versonnen und versponnen sitzen die Menschen Tag um

Tag in diesem seltsamen Garten.

Wie auf einer Insel der Seligen.

Draußen ganz dicht und nahe brausen die Wellen der fiebernden Großstadt.

Dröhnen die Schläge der Glocken, die Stunde von Stunde scheiden. Rennt,

jagt, fährt und saust jedes Tempo jeder möglichen Bewegung, ist die Luft

erfüllt von Ziel und Zweck.

Zu den Gestaden dieses seligen Gartens aber dringt nichts davon herein, ob

er gleich nur durch weit offene Tore vom Bilde der Straße sich trennt.

Hier ist Vergessenheit und Stille.

Hunderte von Menschen und dennoch kein Lärm.

Träume wandeln auf allen Wegen.

Und die Wellen jeder Sehnsucht brechen sich an den Ufern dieses Meeres von

Einsamkeit und Ferne.

Alle Wirklichkeit spricht hier eine neue Sprache. Der große Schwung der

Linien, die diesen Garten umgrenzen, scheinen abgelöst von den andern

Bauten umher, wie die architektonische Idee an sich im Raume zu stehen.

Das Leuchten der Blüten im schimmernden Rasengrün ist eine Symphonie von

Licht und Farbe.

Und die Rhythmen der Musik, die der Mitte des Gartens entstrahlen, sind die

tönenden Stimmen all der Sehnsucht, die aus den pochenden Blutwellen der

träumenden Herzen umher auf- und niederfluten. --

Und daß dort auf dem breiten Baumgang unter hängendem Goldgrün geräuschlos

und ohne jeden Prunk eben ein König über die stillen Wege fährt und mit

milder Güte auf all diese bunte Menge blickt -- das gehört so ganz zu

dem Traumbilde dieses seltsamen Gartens, daß es von niemanden als etwas

Besonderes empfunden wird.

Wenige gibt es, die diesen Garten nicht kennen.

Und keiner, der ihn kennt und ihn nicht liebte.

Diesen seltsamen Garten, der aus geraden Linien und hellen geheimnislosen

Quadraten eine mystische Perspektive schafft, die aus den Elementen der

Stille, des Rausches, der Verlorenheit des Traumes und den schäumenden

Wellen der Sehnsucht sich aufbaut zu etwas tief Unvergeßlichem dem, der es

mit der Seele schaut.

Von den Gärten der Erde: Ein Buch der tiefen Stille · 第 29 / 111 题