So brach auch hier ein Herz, da das andere sich von ihm löste, das andere,
das es sein eigen glaubte. Denn doppelt schwer fiel der Schlag, da beider
Füße schon auf der heiligen Schwelle standen, die zum Tempel der Zukunft
führte.
Der Verräter ging zu neuen Wegen.
Das getroffene Herz welkte und starb.
Und das Haus, das in allen seinen Winkeln schon alle Bilder ihres kommenden
Glückes getragen, von aller Schwere und Süße kommender Ahnungen bis zum
Rande erfüllt war, mit den beiden in alle schwingenden Fernen seliger
Hoffnungen geschaut hatte -- dieses plötzlich so arm und leer gewordene
Haus schloß seine Augen. Müde und blind und taub steht es seitdem mitten in
dem verfallenen Königreich einer gestorbenen Liebe.
Und der Garten, der voll war von den Geheimnissen dieser Liebe, der die
Schwüre ihrer Herzen hörte und die Melodien ihres rauschenden Blutes
mitgesungen, dessen Licht und Schatten ihres träumenden Lächeln und
die glühenden Küsse ihrer heiligen Berauschungen getrunken, er brannte
lichterloh in dem Feuer des schäumenden Lebens, an dem die beiden zu neuen
Welten wachsen wollten. --
Das heilige Feuer erlosch.
Und mit ihm alle heilige Schönheit.
Und so häuft sich hier nur Leben auf Leben, die den ruhelosen Weiten dieses
verwunschenen Raumes die Gluten vieler Sommer bringen. Brunst auf Brunst
wirft sich über seine nutzlosen Fruchtbarkeiten. Schönheit und Fülle
stürzen übereinander, ringen miteinander, um die immer enger werdenden Wege
und Winkel. Leben geht über Leben hin, wuchert und ringt, stürzt und fällt,
steht wieder auf und würgt alles Schwache, das ihm kaum noch widersteht.
Feuer entzündet sich an Feuer, ewiger Samen zeugt wildes Blühen, und
fallende Früchte durchlohen die Erde mit endlosen Zeugungskräften.
So brausend und bebend von allen Heimlichkeiten roh gewordener
Lebenstriebe, liegt der Garten in sonnenheißen Sommergluten.
Aber all das brünstige Glühen und Blühen darin ist ohne jeden Sinn und
Ziel. Es muß ersticken an sich selbst, sich auflösen in sich selbst und zur
Sinnlosigkeit des Chaos zurückkehren, da kein Wille der Liebe ihm die Wege
zur reinen Schönheit weist.
Denn der Sinn alles Lebens wird immerfort durch den starken Willen der
Liebe aus der Finsternis des Chaos zur Wirklichkeit der Schönheit erlöst,
deren tiefstes Geheimnis die Gesetze der Form und Ordnung sind. Ohne diesen
Willen der Liebe stirbt alles Leben an sich selbst, verfängt sich in die
Hemmungslosigkeit seiner Urfülle, an der Ziellosigkeit seiner Wege, an der
Brunst seines triebhaften Dranges.
Die Liebe aber heiliget alles Leben.
Ohne sie verbleibt es ein verwunschenes Chaos ohne Sinn und Ziel.
So mußte dieser Garten verderben, da er keine Liebe mehr über sich fand,
die seinem Leben einen Willen gab und seiner Schönheit Fülle an das Maß der
Ordnung band.