Jung und frühlinghaft, zu viel köstlichem Werden bereit, liegt er traumhaft
still hingebreitet in der sonnenschweren Himmelsbläue der schaffenden
Sommerlust.
Die hochstehenden Rosenbäume, die den Weg säumen, haben ihre ersten Blüten,
die zarten, jungen Obstbäume halten in stolzer Verschämtheit ihre ersten
Früchte dem heißen Sonnenlichte entgegen. Junges lichtes Gras leuchtet
grüngolden über den Boden hin, und die süße Buntheit blühender Blumen
bricht ringsum aus dem fruchtbaren wohlgepflegten Boden hervor.
Überall fühlst du die sorgende, schützende Hand der Liebe, die aus der
Fruchtbarkeit der Erde all die seligen Farben und Düfte zaubert und ihre
stumme Dunkelheit in Licht und Schönheit wandelt.
Aber auch den dankbaren Blick der Freude fühlst du hier, die das Werdende
zu nehmen weiß und an jedem neuen Blatt und Halm, an jeder jungen Blüte, an
dem täglichen Auf und Ab des Wachstums, am Säen und Pflegen, am Ernten und
Genießen mit voller Seele teilnimmt.
Ganz aus der Liebe geboren, blüht und glüht und duftet der Garten dir
entgegen, wenn du seine Tür öffnest und in seine kleine stille Welt
eintrittst, die zwei Herzen hier sich schufen und bauten.
Rankendes Purpurgehänge klettert am kleinen Hause auf, in dem die beiden in
froher Freundschaft ihr Leben leben.
Vor der Treppe, die zum Hause führt, liegt ein prachtvoller Schäferhund
und sieht dich mit klugen Augen an. Sein glänzendes Fell, die leuchtenden
Augen, die gespannte Wachsamkeit seiner Haltung, alles sagt dir, daß auch
über ihm eine sorgende, pflegende Hand wacht, daß er hier sich aufgenommen
fühlt in den magischen Kreis der Liebe, die alle Kreatur erst zu ihrer
Vollendung bringt.
Klug schaut er dir entgegen. Er versteht die Sprache deines Wesens. Kein
störender Laut kommt aus seiner Kehle, ruhig läßt er dich eintreten, als
wisse er, daß kein unedler Drang dich zu dieser Schwelle bringt. --
Das liebe Häuschen mit seinen lauschigen Erkern und Veranden steht scharf
in der Mitte des Gartens und teilt ihn in doppeltem Sinne in zwei Hälften,
die zwei kleine Welten für sich sind.
Der Vorgarten steht im Zeichen der Schönheit und Lust.
Der andere Teil ist der nützlichen Fruchtbarkeit unterstellt. In zierlichen
Rabatten wächst und blüht und reift dort allerlei erdenklich Brauchbares,
das so stracks aus der warmen Erde den beiden in das trauliche Heim hinein
wächst.
Hier waltet die ältere der beiden.
Die Mütterliche mit den starken schaffenden Händen, mit denen sie Haus und
Herd, Garten und Getier unter dem Segen ihrer sorgenden Liebe hält.
Die andere, vom Leben zarter gestaltete, trägt das Licht der Freude
durch die Räume. Mit leichteren Schritten wandelt sie die sanfteren Wege.
Schneller ist ihr Gang, sorgloser ihre Bewegung, sie hat das Lachen der
Jugend in ihrer Stimme, und der Duft einer anderen Welt ist um sie her.
An der Schwelle des Hauses treffen sich beider Wege. So genau in der Mitte
dieses zwischen den Gärten steht, so genau treffen sie da mit ihres Wesens
Mitte zusammen. Gleich zu gleich an innerem Werte, nur so weit verschieden
in der Melodie ihrer Seelen, daß sie zusammen eine neue, reichere und
höhere geben, ruhen sie ineinander in jener stillen und starken Sicherheit
ihrer Tage, die nur solche ganz erfahren, die in einer großen Liebe ruhen.
Zu zweien nur wandelt der Mensch im Paradiese.
Einsamkeit bindet und hemmt die seligsten Kräfte des Menschenherzens.
Zwei geben sich Leben und Echo.
Der Einsame geht in der Starre des Schweigens, an dem sich das zarteste
Wellenspiel seines Wesens bricht und stirbt, und das die Blüten seiner
Seele in der Knospe verdorren läßt.
So wandeln die beiden von ihrer Einsamkeit erlöst, im Segen ihrer Liebe
durch die zwei Wellen ihrer Gärten in Geben und Nehmen sich einander
schenkend, das Spiel ihrer Kräfte in den Dienst der Arbeit und Freude
gestellt, der Arbeit und Freude zu zweien, aus der wie im Wechselspiel
zwischen Sonne und Erde die unendliche Fülle seliger Möglichkeit blüht.
Und der Kreis ihrer Tage schließt sich zu dem Ring der Vollendung, wie er
nur jenen sich schließt, die zwischen ich und du die heilige Bindung der
Liebe finden.
Vieler Schritte gehen an diesem Garten vorüber.
Vieler Blicke ruhen sekundenlang auf der lächelnden Schönheit seiner
glücklichen Stille.
Und vieler Herzen Einsamkeit umspielen diese Insel des Friedens mit den
unruhigen Wellen einer ungestillten brennenden Sehnsucht.
Was könnte auch vollkommener sein, als zu zweien im eigenen Heime schalten,
vor dessen Schwelle im eigenen Garten die Jahreszeiten den Reigen der
Freuden tanzen.
Und alle, die durch die junge Schönheit dieses blühenden Gartens gehen und
über die Schwelle des Hauses treten, schauen in die Harmonie zweier Seelen,
die in dem schenkenden Füreinander das Gleichmaß ihres Wesens gefunden.
In dem Gastbuche des Hauses findest du solche Worte:
Innen einer Seele selig verbunden sein
Mit sicherem Wissen, sie ist mein.
Draußen umher in heiliger Natur
Ein eigen Stück Erde auf blühender Flur --
Das ist Vollkommenheit, wie sie das Leben
Nur den ganz wenigen gegeben.
Euch ist das frohe Wunder geschehn --
Könnt glücklich so durch eure Tage gehn.