Trunken von Sonne und Erdenschöne kehre ich heim von meinen Wegen, die
mitten durch die prangende Herrlichkeit stiller Gärten führen. Ich will
euer Lob singen, ihr Gärten, ihr Gottesgaben, dem Sterblichen gegeben zu
tiefer, süßer Lust, zu seliger Einkehr in sich selbst, zu heiliger Ruhe,
die den Frieden kennt.
Wo anders kommt die Stille dir so nahe wie in deinem Garten, wo du nur
dich und das deine fühlst und dein Sinn mit allem Naturgeschehen sich
geheimnisvoll verbindet und du mit Werden und Sein täglich neue Nähen
feierst. Hier schaust du in die Stille wie in einen tiefen Brunnen, in dem
unausschöpfbar selige Quellen rauschen.
Hier steht die Zeit still. Vor den Pforten deines Gartens läßt du sie
zurück.
Drinnen ist Ewigkeit. Sie nimmt dich in ihre Weite, und in ihrer
Unendlichkeit ruht deine Seele aus von Raum und Zeit und findet heim zu
sich selbst, erkennt sich wieder und nimmt sich selbst in Besitz.
Was dir auch das Leben tat. Was es an dir verbrach und zerbrach -- hier
wird es hell, und neu, und selig genesest du zu deiner eigenen Reine und
Stille zurück.
Denn hier ist nicht Leben, hier ist Sein.
Das Sein, aus dem all Leben kommt, zu dem all Leben mündet, an dessen
heiliger Schwelle du dich als Einzelwesen aufgelöst fühlst in die
Ewigkeitswellen tiefster letzter Erkenntnisse. Weltfern und erdennah bist
du und aufgetan wie ein leuchtender Spiegel jeder sanften Stille, die aus
dem Meere flutender Schönheit an die Ufer deiner Seele rührt.
Du spielst mit dem dinglosen Sein, und die bangsten Rätsel des Lebens lösen
sich von ihrer Schwere und binden sich mit Schatten und Licht, mit
Wolken und Duft, mit jedem seligen Scheine, zu dem die große Stille alle
Wirklichkeit erlöst, zu jenem Rausch von Sicherheit und Kraft, in der du
dich und das andere in tiefster Lust erfaßt und erkennst. --
Das tut dir dein Garten.
Und jeder Garten tut so dem, der ihn liebt.
Jedem nach seinem Sein gibt er seine besondere Fülle.
Je nach der Höhe deiner Art öffnet er dir die Tiefen der Erkenntnis und
Schönheit. --
Und so spiegelt jeder der allerlei Gärten, durch die ich, trunken von Sonne
und Erdenschöne, hinwandele, ein ander Angesicht wieder. Wenn ich in einen
Garten schaue, sehe ich das Antlitz dessen, der in diesem Garten waltet,
und das Bild seines Wesens wird mir bekannt.
Ich will erzählen von einigen Gärten, die am Wege blühen, aus deren
versonnener Stille und heimlicher Verschwiegenheit tausend klingende
Stimmen zu mir reden von den Herzen und Händen derer, die hier ihre
stillsten Träume suchen und ihrer Sehnsucht Fernen zur Nähe zwingen.
Jeder spricht eine andere Sprache und verrät in seinem tiefen Schweigen die
letzten Dinge unserer Seelen.
Und von Gärten will ich erzählen, die ich an meinen Lebenswegen fand, die
wie Tempel der Schönheit des Menschen Schritte begleiten und ihre Seelen
zur Andacht der Stille verführen, zur heiligen Stille, die die Brücke zu
den fernen Geheimnissen des Lebens ist.