Im Gange macht man die Wendung nicht scharf, sondern in einer _Kurve_.

Die Zügelfaust bewegt sich in der eben beschriebenen Weise, die Last des

Oberkörpers neigt sich ein wenig nach der zu wendenden Seite hin, Schenkel

und Reitpeitsche wirken, wie oben angegeben, entgegenhaltend bezw. stärker

pressend oder klopfend.

Für die Wendung im Galopp sei noch bemerkt, daß das Pferd im Rechtsgalopp

nur rechts, im Linksgalopp nur links gewendet wird. Will die Reiterin,

welche meist nur Rechtsgalopp reitet, die Linkswendung machen, so muß sie

zuerst das Pferd zum Schritt parieren und nach ausgeführter Wendung wieder

in den Rechtsgalopp einsprengen, oder die Wendung (im Renversgalopp) in

ziemlich großer Kurve ausführen.

8. Das Reiten der verschiedenen Gangarten.

Es handelt sich hier darum, zu erläutern, wie das Pferd in die betreffende

Gangart gesetzt und darin erhalten wird.

Um im _Schritt_ (Fig. 37) anzureiten, senkt die Reiterin etwas die

Zügelhand und treibt das Pferd durch einen leichten Druck mit dem Schenkel

vorwärts. Sie hat darauf zu achten, daß das Pferd den Kopf leicht an

das Gebiß stellt und den Hals aufrichtet, wodurch das Gleichgewicht

hergestellt und das Pferd in gleichmäßigem Schrittempo erhalten wird.

Träge Pferde werden unter Zuhilfenahme der Reitpeitsche auf der rechten

Seite mit energischem, bis zum moderierten Gebrauch des Sporns sich

steigernden Hilfen zu munterem Schritt angetrieben; heftige Pferde aber,

die vorwärtsdrängen und leicht ins Trippeln fallen, müssen bei weicher

Führung stetige halbe Anhaltungen erhalten, während der Schenkel

regungslos bleibt und nur das Gesäß auf die Hinterhand einwirkt.

[Illustration: Fig. 37. Der Promenadenschritt.]

Das _Zurücktreten_, welches in der Praxis oft Verwertung findet, wird dem

nicht dressierten Pferde sehr schwer; in der Dressurperiode braucht man es,

um das Pferd auf die Hanken zu setzen. Vor dem Zurücktreten versammelt die

Reiterin das Pferd, die Hand senkt sich etwas, dreht sich schraubenartig,

bis der kleine Finger gegen den Leib kommt, Schenkel und Reitpeitsche geben

eine leichte Hilfe, das Gewicht wird etwas nach rückwärts verlegt.

Nach drei bis vier Schritten Rückwärtstreten gibt man wieder Luft, das

Manöver in dieser Weise fortsetzend, es jedoch nicht über zehn bis zwölf

Schritte ausdehnend, da sonst der Zweck verloren geht und das Pferd leicht

widersetzlich würde. Will dasselbe mit der Kruppe ausweichen, so legt man

den Schenkel bezw. die Reitpeitsche an der betreffenden Seite etwas fester

an, wodurch es wieder auf die gerade Linie zurückgebracht wird. Man hat

darauf zu achten, daß das Pferd dabei nicht hinter die Zügel kriecht und

von selbst zurückeilt, wobei das Gleichgewicht verloren geht. Das Pferd

muß stets auf die Hilfen warten; wenn es dies nicht tut, sondern ohne

die Hilfe zurückeilt, so wirken Schenkel und Peitsche wieder

vorwärtstreibend. Das Zurücktreten wird auch als Strafe bei Pferden

angewendet, die sich sehr auf die Vorhand legen oder in den Hanken steifen,

um sie wieder ins Gleichgewicht zu setzen, eventuell auch bei anderen

Ungezogenheiten.

Der regelmäßige _Trab_ ist die wichtigste Gangart des Pferdes, weil jedes

Bein hierbei infolge seiner gleichmäßigen Schenkelordnung die gleiche

Schwere zu tragen hat, die Beweglichkeit aller Muskeln, Sehnen und Gelenke

dabei am zweckmäßigsten entwickelt und für schwierige Gänge und

Übungen vorbereitet wird. Auch für die Reiterin ist der Trab, abgesehen

von dem schnellen und sicheren Fortkommen, eine gesunde und stärkende

Bewegung, und an ihm bildet sie vorzugsweise Haltung und Gleichgewicht.

Man teilt den Trab ein in kurzen, Mittel- und gestreckten Trab. Fehlerhaft

gebaute Pferde sind nicht immer imstande, diese Regelmäßigkeit

innezuhalten, z. B. solche mit langem Rücken können nicht weit genug

vorgreifen, sehr kurze oder schwachrückige Pferde greifen zu weit hinaus,

bevor noch der Vorderfuß den Platz verlassen hat, und hauen sich dann an

die Vordereisen oder in den Ballen, was man Greifen nennt.

[Illustration: Fig. 38. Der englische Trab.]

Der Trab ist die einzige Gangart, in welcher das Gesäß den Sattel

verläßt, um sich nach den Tritten des Pferdes werfen zu lassen. Er ist

deshalb für die Anfängerin ebenso angreifend wie belehrend, da nur in ihm

die Sicherheit des Sitzes erreicht werden kann. Ehe sich jedoch der Körper

daran gewöhnt hat, den regelmäßigen Stoß zu ertragen, tritt eine

allgemeine Schmerzhaftigkeit sämtlicher Muskeln ein, besonders auch

Brustschmerz. Die Dame bedient sich daher fast immer bei regelmäßig

trabenden Pferden gern des sogenannten _englischen Trabes_, besonders

bei Pferden, die stark werfen und die man deshalb Hochtraber nennt. Der

englische Trab (Fig. 38) besteht darin, daß man den Vortritt des einen

Hinterfußes im Bügel stehend, auffängt, und erst bei dem Vortritt des

andern Hinterfußes sich wieder leicht auf den Sattel fallen läßt.

Der Körper nimmt dabei eine leichte Neigung nach vorn an, doch ist ganz

besonders darauf zu achten, daß die Schultern in der Querachse des Pferdes

bleiben, weil sonst eine drehende Bewegung von den Hüften aus eintritt,

die weder schön ist noch vorteilhaft aussieht. Die Bewegung des englischen

Trabes darf keineswegs etwa durch festes Aufstützen auf den Bügel und

durch _Heben_ des Oberkörpers erzwungen werden, sondern muß aus der

Bewegung des Pferdes selbst hervorgehen. Hat die Reiterin sich schon

einigermaßen an den Sitz auf dem Sattel und die Bewegungsart des Pferdes

gewöhnt, so wird sich die Art des Englischtrabens ganz von selbst

ergeben. Ein regelmäßig tretendes Pferd wird die Reiterin geradezu dazu

auffordern, sich dieser Methode des Trabsitzes zu bedienen, welche nicht

angreift und in der man lange verharren kann -- vorausgesetzt, daß man

sich nicht hineinzwingt. Die Ballenfläche des Fußes muß dabei

regungslos auf der Trittfläche des Steigbügels verharren, während das

Knöchelgelenk in steter Bewegung bleibt. Lose, locker muß der ganze

Körper dabei bleiben. Es sei bemerkt, daß es keine Gangart gibt, welche

die elegante, geschmeidige Reiterin so angenehm in die Erscheinung treten

läßt, als gerade diese, und vorteilhafter kann sich keine Reiterin

präsentieren, als in dieser Art des Reitens -- notabene, wenn sie diese

Methode vollständig beherrscht.

Um auf gerader Linie aus dem Schritt in den Trab überzugehen, stellt man

sich das Pferd in die Hand, entlastet es dann vorne durch eine leichte

Körperneigung nach rückwärts, indem mit Schenkel und Reitpeitsche

die vortreibenden Hilfen gegeben werden. Damen, welche ihr eigenes

Pferd reiten, können es auch leicht an den Zungenschlag gewöhnen. Die

Zügelhilfen dürfen jedoch nie fehlen, denn es ist durchaus notwendig,

daß das Pferd die vortreibende Hilfe aus der Zusammenstellung, d. h. dem

Gleichgewicht erhält. Wird das Pferd kürzer und fauler, so wird es

durch die bekannten Schenkel- bezw. Peitschenhilfen zum fleißigen Treten

animiert, wird es länger, als erwünscht, so kommen die ebenfalls bereits

bekannten Zügelhilfen zur Anwendung.

[Illustration: Fig. 39. Der Galopp.]

Der _Galopp_ (Fig. 39) ist diejenige Gangart, die für die Reiterin am

bequemsten ist, in welcher sie sich sehr elegant präsentiert, welche

daher von ihr am meisten bevorzugt werden wird und in der das Pferd seine

größte Schnelligkeit, wenn auch nicht seine größte Ausdauer, entwickeln

kann.

Je nach der Geschwindigkeit hat man den kurzen oder Paradegalopp und den

verstärkten Galopp, der sich wieder bis zu der Karriere oder dem Rennlauf

entwickeln kann.

Die Bewegungen des Galopps sind, wenn das Pferd in Haltung ist, wiegend und

angenehm, für lange Strecken jedoch für das Pferd angreifender als der

Trab, weil seine Lungentätigkeit dabei eine bedeutend erhöhte ist, auch

seine Beine nicht wie beim Trab, gleichmäßig zur Aktion kommen, weshalb

der Galopp beim Tourenreiten nur in Abwechslung mit den anderen Gangarten

zur Anwendung gelangen darf. Neuerdings wird allerdings behauptet, daß der

Galopp das Pferd weniger angreife als der Trab. Um dem Pferde den Galopp zu

erleichtern, muß man durch Verlegung des Schwerpunktes auf die Hinterhand,

also durch eine besonders aufgerichtete bezw. sogar etwas nach rückwärts

geneigte Haltung des Oberkörpers, die Vorhand möglichst entlasten, damit

das Pferd im Vorwärtssprung nicht behindert wird.

Das Ansprengen in den Galopp kann aus dem Stand, dem Schritt und dem Trab

geschehen; die Hilfe dazu ist dieselbe, doch muß das Pferd stets vorher

dazu versammelt werden. Um _rechts_ anzusprengen, verlegt die Reiterin ihr

Gewicht zunächst auf die innere (rechte) Seite und macht hier das Pferd

weich, indem sie es an den äußeren Zügel und Schenkel -- eventuell

unter Zuhilfenahme der Trensenzügel -- heranarbeitet, wodurch der äußere

(linke) Hinterfuß durch den hinter dem Gurt liegenden (linken) Schenkel

veranlaßt wird, unter das Gesäß zu treten. Wenn die Reiterin dann den

Kopf des Pferdes eventuell unter Zuhilfenahme des rechten Trensenzügels

so weit rechts stellt, daß sie das rechte Auge desselben schimmern sieht,

gleichzeitig mit dem (linken) Schenkel eine antreibende Hilfe, vielleicht

auch noch einen Zungenschlag gibt, so wird das Pferd stets richtig

anspringen. Diese bei der Kavallerie eingeführte Praxis ist zwar

rationeller als die gebräuchliche Methode, vorläufig aber für die Dame

schwerer zu erlernen. Nach der letzteren versammelt die Dame ihr Pferd mit

Zügel und Schenkel, stellt den Kopf desselben analog rechts, und gibt ihm

mit der Gerte eine leichte Hilfe auf die rechte Schulter. Jedes Damenpferd

ist voraussichtlich auf die hier angegebene Methode dressiert und wird

demnach auch dieser Hilfe Folge leisten. Fühlt die Reiterin, daß das

Pferd wieder in den Trab fallen will, so wird die Hilfe, event. verstärkt,

wiederholt. Zum Linksanspringen wird analog verfahren, obwohl die meisten

Damen nur ungern links Galopp reiten. Um das Pferd wieder in Trab oder

Schritt zu setzen, werden die Zügel schärfer angenommen, Schenkel und

Peitsche pressen gleichzeitig etwas kräftiger gegen, während der Körper

wieder eine leichte Rückwärtsneigung annimmt. Man zwingt dadurch das

Pferd zum Unterschieben der Hinterhand, um auf dieser zu parieren, schont

demnach die Vorhand. Das Bewahren des Gleichgewichts auch in dieser Gangart

gibt der Reiterin Sicherheit und elegantes Aussehen und schont das Pferd.

Um aus dem kurzen Galopp, mit dem man bei den ersten Sprüngen der

Versammlung des Pferdes wegen stets zu beginnen hat, in ein stärkeres

Tempo überzugehen, gibt man dem Pferde etwas mehr Luft im Maul, ohne die

Anlehnung des Gebisses, die hier von besonderer Notwendigkeit ist, dabei zu

verlieren, und läßt den Schenkel etwas vermehrt wirken. Um wieder kürzer

zu werden, bringt man sich das Pferd in angeführter Weise durch

Schenkel, Peitsche und Zügel wieder mehr in die Hand, eine leichte

Rückwärtsneigung mit dem Körper einnehmend, läßt dann das Pferd in den

Trab und schließlich in den Schritt fallen. Kurze und plötzliche

Paraden aus schnellen Gangarten sind, wie schon angeführt, möglichst

zu vermeiden, da sie bei nicht ganz sicherem Sitz leicht ein Einbüßen

desselben zur Folge haben, auch dem Pferde verhängnisvoll werden können.

Die Wechselung des Galopps von einer Hand auf die andere kann ebenfalls

bei vollständiger Versammlung des Pferdes ausgeführt werden. In dem

Augenblick, wo eine Wechselung ausgeführt werden soll, stellt man -- wie

oben angegeben -- das Pferd auf die andere Hand, der Schenkel geht hinter

den Gurt, während die Peitsche durch eine klopfende Hilfe auf die rechten

Rippen das Pferd zum Wechsel animiert. Die Hilfe tritt in dem Augenblick

ein, wo das Pferd die Vorderbeine zum Weitersprung anhebt, die Hinterbeine

sich demnach noch unter dem Leibe befinden. Wenn die Reiterin, ohne dabei

ihr Gleichgewicht zu verlieren, und ohne zu reißen oder zu rucken, die

Hilfe richtig gibt, so wird das gut dressierte Pferd sofort die Wechselung

ausführen.

Ich habe das hier mit angeführt, weil es in der Praxis vorkommen kann. Im

allgemeinen wird jedoch -- schon weil die Dame wenig links Galopp reitet --

nicht viel Gebrauch davon gemacht.

Die Angewohnheit mancher Pferde, auf zwei Hufschlägen zu galoppieren,

d. h. mit dem Hinterteil auszuweichen, darf nicht durchgelassen

werden. Schenkel und Reitpeitsche haben durch geeignete Hilfen dem

entgegenzutreten.

Auch des _Kreuzgalopps_, einer falschen und gefährlichen Gangart, wäre

noch Erwähnung zu tun, und welche keineswegs durchgelassen werden darf.

Derselbe besteht darin, daß das Pferd vorn rechts, hinten links -- oder

umgekehrt -- galoppiert. Abgesehen davon, daß dabei leicht ein

Sturz eintreten kann, wird die Dame bei jedem Sprung eine unangenehme

Erschütterung im Körper verspüren, welche ihren Sitz stört. Manche

Pferde springen in den Kreuzgalopp ein, wenn sie unvorbereitet, d. h. ohne

vorherige Zusammenstellung zum Galopp animiert werden. In solchem Falle

muß das Pferd sofort pariert werden, um es aus der Versammlung mit den

korrekten Hilfen wieder in den Galopp zu setzen.

Das Pferd darf sich im Galopp keineswegs auf die Hand auflegen, es muß

leicht an derselben stehen. Bei jedem Galoppsprung muß man daher etwas

Luft geben -- unmerklich -- und jeden Niedersprung ebenso unmerklich wieder

aus der Hand weich auffangen. Dadurch behält das Pferd ein frisches Maul

und wird nicht fest werden.

Bei der _Karriere_ empfiehlt es sich, den Trensenzügel mit anzufassen und

das Pferd so tief, als es der Dame eben möglich ist, zu führen, damit es

seine Rückenmuskeln gebrauchen kann. Man muß jeden Augenblick fühlen,

daß das Pferd nicht fest wird, um nicht die Herrschaft über dasselbe

zu verlieren. Bei jedem Vorwärtssprung ist Luft zu geben, bei jedem

Niedersprung eine weiche halbe Anhaltung, unterstützt durch das Gesäß,

welches beim Vorsprung die Vorwärtsbewegung mitmachen, aber niemals

den Sattel verlassen soll. Dabei muß der Oberkörper möglichst seine

senkrechte Stellung beibehalten. Beim Kürzerwerden aus dieser Gangart

pflegen viele Pferde hart zu prellen, weshalb der Sitz besonders fest zu

halten ist, ebenso wie dabei eine leichte Rückwärtsneigung des Körpers

stattzufinden hat. Man muß bei der Karriere mit Sitz und Zügelführung

besonders vorsichtig sein, weil manche Pferde, welche nicht vollkommen

in Haltung sind, in dieser Gangart sich festmachen und durchgehen wollen

eventuell auch mit tiefgenommenem Kopfe hinten ausschlagen. Man hat sich

dabei besonders des Hinterteils zu versichern, muß aber auch auf das

Terrain achten, denn ein Fehltritt kann bei der Schnelligkeit der Bewegung

für Pferd und Reiterin verhängnisvoll werden.

Nach Beendigung der Karriere-Reprise muß das Pferd so lange in ruhiger

Gangart bewegt werden, bis die Lungen wieder in ihre gewöhnliche

Tätigkeit versetzt sind, wenn man einer eventuellen Erkrankung des Pferdes

vorbeugen will.

_Die Seitengänge_ dienen dazu, um dem Pferde die Schulter freizumachen und

es in den Rippen und Hanken zu biegen. Sie müssen deshalb, besonders nach

Beendigung der Sommerkampagne, geübt werden, um das Pferd wieder auf

den alten Standpunkt zu bringen. Wie bei den besprochenen natürlichen

Gangarten das Pferd auf einem Hufschlag geht, so tritt dasselbe bei

den Seitengängen, hervorgerufen durch schräge Vorwärtsbewegung, zwei

Hufschläge nebeneinander, von denen der eine von den Vorderbeinen, der

andere von den Hinterbeinen herrührt. Um die Kopfstellung richtig zu

bewirken, wird der Trensenzügel mit angefaßt.

Je nach der Stellung des Kopfes und der Biegung der Rippen teilt man die

Seitengänge ein in:

_Schulter herein_: nach innen gestellter Kopf, die Vorhand in die Bahn, die

Hinterhand auf dem äußeren Hufschlag, wobei die inneren Extremitäten die

äußeren überschreiten müssen.

_Renvers_: Vorhand auf dem inneren Hufschlag, Kopf nach außen gestellt;

die inneren Extremitäten überschreiten die äußeren.

_Travers_: nach innen gestellter Kopf, die Vorhand auf dem äußeren,

die Hinterhand auf dem inneren Hufschlag; die äußeren Extremitäten

überschreiten die inneren.

_Kontra-Schulter herein_: Kopf nach außen, die Vorhand auf dem äußeren,

die Hinterhand auf dem inneren Hufschlag, die äußeren Extremitäten

überschreiten die inneren.

Man hat dabei hauptsächlich zu beachten, daß das Gewicht nach der inneren

Seite verlegt wird, daß man dem Pferde den Kopf nicht weiter herumstellt,

als bis man das betreffende Auge schimmern sieht, und endlich, daß das

Pferd sich in nicht größerer als in einer Sechszehntel- bis Achtelwendung

vorwärts bewegt. Der treibende innere Schenkel (bezw. die Peitsche) geht

leicht heran, das Pferd durch fortwährendes Drücken (bezw. Klopfen)

zum Vorwärtstreiben animierend, während der entgegengesetzte äußere

Schenkel (bezw. die Peitsche) das zu weite Ausweichen mit dem Hinterteil

verhindert. Die Seitengänge werden im Schritt und im kurzen Trab geritten,

sehen bei richtigem Sitz und guter Führung sehr elegant aus und erhalten

das Pferd gehorsam und geschmeidig.

[Illustration: Fig. 40. Der Rennlauf.]

Unter welchen Modifikationen die Seitengänge nur nützlich wirken können,

soll noch kurz erörtert werden. Ist die Seitwärtsstellung des Pferdes

zu stark, so daß die dafür erforderliche Biegung der Wirbelsäule nicht

angenommen werden kann, so tritt der Hinterfuß derjenigen Seite, nach

welcher sich das Pferd bewegt, nicht unter die Last, sondern seitwärts

derselben. Indem er sich so der Belastung und damit der Biegung entzieht,

wird er nicht nur nicht bearbeitet, sondern gibt dem Pferde sogar das

beste Mittel, sich den Einwirkungen der Reiterin zu entziehen, denn alle

Widersetzlichkeiten beginnen mit dem Seitwärtstreten des Hinterfußes.

Solange man aber das Pferd -- auch in der Biegung -- gerade erhalten kann,

ist es im Gehorsam.

Um nicht unvollständig zu sein, habe ich die Seitengänge hier mit

angeführt, obwohl sie von der Anfängerin nicht geritten werden können.

Dazu gehört schon eine ganz tüchtige Reiterin, und dieser wieder

brauche ich nicht zu sagen, wie die Seitengänge geübt werden und wie die

Zügelführung dabei ist.

_Springen_ ist nicht so schwierig, selbst nicht für die noch nicht firme

Reiterin, wenn die Vorstudien dafür richtig eingeleitet sind. Wert und

Bedeutung wird das Springen allerdings erst gewinnen, wenn die Reiterin

Jagd reitet. Vorher aber muß es eingeübt und studiert werden. Auch schon

des Pferdes wegen, denn jedes Pferd springt anders, auch muß jede Reiterin

wissen, nicht nur wie sie sich selbst dabei zu verhalten hat, sondern auch,

wie ihr Pferd springt und ob dasselbe grundsätzlich kein Hindernis scheut.

Letzteres ist außerordentlich wichtig -- andererseits kann ein Unglück

eintreten. Für nicht fertige Reiterinnen sind beim Anreiten an das

Hindernis alle Einwirkungen auf das Pferd gefährlich, indem dieselben,

nicht im richtigen Moment gegeben, dasselbe stören und verwirren müssen.

Dreistes Heranreiten, gleichmäßige Anlehnung und Hintenheruntersitzen --

dann aber gewähren lassen, ist für die mittelmäßige Reiterin das Beste.

[Illustration: Fig. 41. Der Hochsprung.]

Beim Anreiten an ein Hindernis, ob Graben oder Hürde, muß dem Pferde mit

Schenkel und Peitsche ordentliche Anlehnung an das Gebiß gegeben werden,

damit es nicht ausbricht und dabei eine kurze und heftige Wendung macht,

oder durch Stutzen auf den Vorderfüßen kurz vor dem Hindernis die

Reiterin aus dem Sattel schleudert. Durch den Absprung bekommt die Reiterin

einen Stoß, der sie vorwärts resp. auf den Hals wirft, wenn sie nicht

ihr ganzes Gewicht auf die Hinterhand verlegt hat. Der Niedersprung ist mit

einer Rücklehnung des Körpers auszuführen und das Pferd, dem sofort nach

dem Absprung Luft gegeben wurde, wieder mit dem Zügel aufzufangen. Zum

Anreiten an ein Hindernis, sei dieses ein Graben zum Weitersprung oder eine

Barriere, Hürde etc. zum Hochsprung, bedient man sich am besten des

kurzen Galopps, um das Pferd recht versammelt zu erhalten; in der Karriere

anzureiten, wenn es nicht die Notwendigkeit erfordert, vermeide die noch in

der Lehrperiode befindliche Reiterin lieber.

Um das Pferd an den Sprung zu gewöhnen, muß man mit ganz niedrigem

Barriere- oder Stangensprung anfangen und ganz allmählich die

Anforderungen steigern, doch darf man in einer Lektion nicht so oft

springen, daß das Pferd ermüdet, da dies am ehesten Unlust zum Springen

erzeugt. (Fig. 41, der Hochsprung.)

[Illustration: Fig. 42. Der Weitsprung.]

Zum Üben des Sprunges über den Graben (Fig. 42, der Weitsprung), wähle

man anfangs schmalere Gräben mit _festen Rändern_, weil Einbrechen das

Pferd oft auf längere Zeit hinaus widerwillig macht. Während des Sprunges

überlasse man das Pferd sich selbst, damit es sich an die Abmessung

der Gräben und die dafür aufzuwendende Kraft gewöhne. Bei vielen

verschiedentlichen Hindernissen, die kurz aufeinander folgen, gebe man

dem Pferde etwas Zügelfreiheit, daß es seinen Hals dehnen und für den

demnächst auszuführenden Sprung selbst seine Dispositionen treffen kann.

9. Auf- und Absitzen.

Unter den vielen Gründen, welche gegen das Reiten der Damen im Seitsitz

angeführt wurden, war auch der, daß die Reiterin nicht allein bezw. ohne

Hilfe das Pferd besteigen könne. Im allgemeinen ist das ja richtig, wenn

auch eine gewandte, im Turnen geübte Reiterin wohl imstande sein wird,

wenigstens von einer Erhöhung, z. B. einem Tritt oder Stuhl aus, allein

aufs Pferd zu gelangen, d. h. wenn dasselbe gehalten wird. Unterwegs

allerdings und allein wird die Reiterin nur ausnahmsweise imstande sein, in

den Sattel zu gelangen.

[Illustration: Fig. 43. Das Ordnen des Reitkleides und Aufschieben des

Steigbügels.]

Die gebräuchlichste Manier, und, sagen wir auch die kavalierste, ist

diejenige, daß der die Dame chaperonierende Herr die Dame in den Sattel

hebt. Es geschieht das bei uns so, daß sich die Dame mit der Front nach

vorn, die rechte Schulter gegen das Pferd neben dieses stellt, die rechte

Hand auf das obere Horn legt, mit der linken Hand das Kleid lüpft und sie

dann auf die linke Schulter des Herrn legt, worauf sie mit dem linken Fuß

in die verschränkten Hände ihres Kavaliers tritt. Indem sie nun sich

mit dem rechten Bein vom Boden leicht abstößt, das linke Knie streckt,

während der Herr die süße Last erhebt, wird sie auf diese Weise auf den

Sattelsitz geworfen. Hier legt sie sofort das rechte Bein über die

Gabel, während der Herr den Bügel über den linken Fuß streift und das

Reitkleid zurecht zieht. (Fig. 43.) Es soll aber nicht unausgesprochen

bleiben, daß beiderseitig eine besondere Geschicklichkeit dazu gehört,

dieses Manöver auszuführen, bei welchem dem Herrn oftmals eine ziemlich

unbequeme Rolle zuerteilt ist. Seitens des schon mehrfach erwähnten

Reitmeisters James Fillis wird denn diese Art, d. h. daß die Dame den

_linken_ Fuß zum Aufheben gibt, statt den rechten, beanstandet.

Der Damen-Reitsport · 第 9 / 11 段