Musik in der Ferne

Im Dunkel plätschert kalter Regen

Wie Kummer, der nicht sprechen will,

Auf graue Bäume stumm und still,

Der Sturmwind wird sie trocken fegen.

Dort unten in der finstern Nacht

Erklingt ein Instrument vom weiten,

Krächzt eine Weise, die vor Zeiten

Vergnügten Leuten Spaß gemacht.

Es stöhnt und weint mit heiserer Kehle

Das arme Instrument im Wind,

Naiv und harmlos wie ein Kind,

Wie eine Musikantenseele.

Ein jeder Ton ist falsch, o Gott!

Und solch ein Ding, das Harmonien

Wie die zeugt, die vorüber ziehen,

Nennt sich Harmonika -- --, zum Spott.

Es wimmert, wie die Kinder wimmern,

Wenn Strafe ihnen ward als Lohn;

Im Wind zerflatternd lockt sein Ton

Die Träume, die im Dunkel flimmern.

Wie kläglich dünn ist die Musik!

Und dennoch rührt mich fast zu Tränen

Der jämmerliche Klang, mein Sehnen

Weckt armer Hände Ungeschick.

Das zage Herz zieht sich in Trauer

Zusammen, müde, leer und hohl,

Du Eckchen Himmel, lebe wohl!

Es regnet, mich durchrieseln Schauer.

Dort aus dem grauen Dunkel tönt

Der Singsang, dürftig und bescheiden,

Ein Lied des Lebens, das in Leiden,

Die niemals enden wollen, stöhnt.

In diesem Schluchzen weint die Klage

Der ganzen Menschheit still und leis,

Des ungelösten Rätsels Frage,

Des blütenlosen Herbstes Tage,

Der Schmerz, der nichts von Schönheit weiß.

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 198 / 211 题