Die Küste

Eine Festung, dies Gestade!

Lang gestreckt und weiß und grade

Liegt es da, ein fester Wall,

Und die Wogen, die Schwadronen,

Brechen sich in tiefem Fall

Jählings an den Mauerkronen,

Wälzen sich umsonst heran,

Stürmen stets von neuem an,

Um die Brüstung zu erreichen.

Vorwärts jetzt mit frischer Kraft,

Die Besatzung kommt ins Weichen,

Vorwärts jetzt, die Bresche klafft!

Drauf und dran, ihr wilden Koppeln,

Müßt die Kräfte jetzt verdoppeln,

Horch, wie toll die Trommel schlägt!

Hört ihr nicht den Sturmwind pfeifen?

Schnell die Böschung blank gefegt,

Wagt nur mutig anzugreifen.

Stücke Erde, groß und klein,

Stürzen ab und Felsgestein,

So, jetzt wanken schon die Zinnen!

Trümmer liegen überall,

Häufen draußen sich und drinnen,

Abgebröckelt ist der Wall.

Dringt durch die gesprengte Mauer!

Wütend flutet kalter Schauer,

Immer größer wird die Not.

Heulend nahen neue Gäste,

Reiche Ernte hält der Tod

In der fast erlegenen Veste.

Leichen häufen sich zum Turm,

Dämmen jetzt den wilden Sturm,

Decken rings die feuchte Erde.

Von Verstümmelten ein Hauf

Packt die abgehetzten Pferde,

Hemmt der müden Rosse Lauf.

Eine Festung, dies Gestade,

Lang gestreckt und weiß und grade!

Ohne Zagen wirft und baut

Diese Festung ohne Gleichen,

Daß es allen Feinden graut,

Barrikaden auf von Leichen.

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 153 / 211 题