I.

Ich will nicht immer auf Dich zählen,

Doch bin von Eifersucht ich frei,

Wozu mit dererlei sich quälen,

Denn glücklich wird man nicht dabei.

Die Liebe hoch und hoch wir zwei!

Du übst mit kluger Überlegung

Praktiken von besonderer Art,

Und Künste Deiner eignen Prägung

Sind für den Kenner aufgespart,

Mir bleibt noch immer was verwahrt.

Laß nur die lieben Leute bellen,

Was geht mich Dein Geburtsschein an?

Ich sehe Deinen Busen schwellen,

Verstrickt in Deines Auges Bann,

Und was Dein heißer Kuß erst kann ....

Sei mir so treu wie irgend möglich,

Besonders wenn es Dir mal paßt;

Begegne meinem Wunsch verträglich,

Er ist ja ein bescheidener Gast,

Auf jede Laune stets gefaßt.

»Entschwunden sind die schönen Zeiten«

Höhnt mancher törichte Gesell.

Dank Dir und Deinen Zärtlichkeiten

Brennt immer noch die Lampe hell,

Wir und die Liebe! Wein her, schnell!

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 114 / 211 题