Heauton timoroumenos

Ich will dich schlagen, doch nicht hassen,

Wie Metzger schlagen, ohne Zorn,

Will, wie einst Moses jenen Born

Aus Fels schlug, Wasser springen lassen,

Die Flut, die deinem Aug entquillt,

Will meine Wüsten damit tränken,

Mein Schiff durch Tränenmeere lenken,

Dem voller Gier das Segel schwillt,

Will deinem Schluchzen jauchzend lauschen,

Dem Stöhnen, das mit wilder Macht

Mich lockt, wie Trommelschall zur Schlacht,

Den Seufzern, die mein Herz berauschen.

Bin ich ein schriller Mißakkord

Im reinen Klange ewiger Sphären,

Soll Selbstgespött den Geist verzehren?

Die Ironie, sie wird zum Mord!

Sie kreischt in mir und beißt und wiegelt,

Sie, die mein Blut vergiftet hat,

Der Spiegel bin ich, trüb und matt,

In dem sich die Megäre spiegelt.

Ich bin die Wunde und der Pfeil,

Das Opfer und der Überwinder,

Der Henker und der arme Sünder,

Ich bin der Hals und bin das Beil.

Der Vampyr bin ich meines Lebens!

Verdammt bin ich, durch alle Zeit

Zu lachen bis in Ewigkeit,

Und will ich lachen, ist's vergebens.

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 64 / 211 题