An Julie

Daß mich die Leute auf den Gassen

Nicht mal in Frieden rauchen lassen!

Mich fragt ein jeder dumme Wicht,

Woran ich seit drei Jahren schreibe,

Was ich in meinen Nächten treibe,

Denn daß ich schlafe, glaubt man nicht.

Willst du mir deine Lippen reichen?

Die tollen Nächte, die dich bleichen,

Sie trocknen die Korallen auch.

Daß diese Wunder nicht verderben,

Mein schwarzes Lieb, mußt du sie färben

Mit deines Atems heißem Hauch.

Mein Drucker glaubt sich längst vergessen,

Er meint, es warten seine Pressen

Auf meine! Und ein ganzer Trupp

Honetter Herren hält die Wette,

Daß mich mein Glück verlassen hätte,

Man schwatzt davon in jedem Klub.

Hast du noch deinen Muskateller?

Wir waren gestern erst im Keller,

Vielleicht blieb noch ein Rest zurück.

Wie glüht dein Mund! Ich will geschwinde

Mal sehen, ob ich was erfinde,

Natürlich ein verrücktes Stück.

Sie sagen, daß ich keine Lieder

Mehr pfeifen kann und daß ich wieder

Mich werfe in den vollen Strom.

Es lohnt nur nicht, sonst schickten heute

Nach Sankt Helena mich die Leute

Mit einem Magen-Karzinom.

Wenn ich am Feuer weiter nasche,

Verbrenn ich sicher noch zu Asche,

Auch Herkules ist ja verbrannt;

Soll in den Gluten ich verderben,

Will ich bei Dejanira sterben,

Drum öffne schleunigst dein Gewand!

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 21 / 211 题