An Juana

Du bist's, für die ich einst entbrannte,

Die erste, welche mein ich nannte,

Der ich geweiht mein ganzes Sein!

Erinnerst du dich auch noch dessen?

Ich habe es noch nicht vergessen,

Im letzten Sommer warst du mein.

Wie rasch entschwinden doch die Zeiten,

Die wir mit tausend Nichtigkeiten

Vergeuden, schnell sind sie entflohn.

Fast zwanzig Jahre sah ich schwinden,

Und du, Gefährtin meiner Sünden,

Hast ihrer beinah achtzehn schon.

Scheint auch die rote Rose bleicher,

Ist ihre Pracht nur um so reicher,

Ich schmeichle nicht, schön bist du doch!

Kein liebend Weib war liebevoller,

Kein spanisch Köpfchen jemals toller,

Denkst du des letzten Sommers noch?

Des Abends noch, da du mich kränktest

Und dann dein Halsgeschmeid mir schenktest,

Da ich ob deines Zorns geschmollt;

Drei Nächte fand ich keinen Schlummer,

In bittersüßem Liebeskummer

Hab ich geküßt das rote Gold.

Und die verräterische Schöne!

Denkst du noch an die tolle Szene,

O Andalusiens holder Stern?

Dein Liebster wollt vor Lachen sterben,

Und Eifersucht schien zu verderben

Den Gatten fast, den alten Herrn.

Nimm dich in acht, hör was ich sage,

Von neuem kehren jene Tage

Der Liebe bald vielleicht zurück.

Ein Herz, das dich einmal besessen,

Kann deiner nimmermehr vergessen,

Das Herz begehrt kein besser Glück.

Ach was! ich mag den Strom nicht dämmen,

Ich kann das Rad der Zeit nicht hemmen,

Ich halte seinen Gang nicht auf;

Was kümmern uns entschwundene Freuden,

Das Lied ist aus, wir wollen scheiden,

Das ist einmal der Welten Lauf.

Die Zeit entführt auf ihren Schwingen

Den Lenz, die Lerche und ihr Singen,

Ach, unser Dasein gleicht dem Rauch;

Karg ist die Frist uns zugemessen,

Was frommt mir, daß ich dich besessen,

Und dir, daß meiner du vergessen ....

Mein Leben schwindet, deines auch!

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 20 / 211 题