Herrn v. François zu gleichem Zweck dem Major v. Glasenapp überwiesen,
er fand bei Owikokorero einen ruhmreichen Tod.
[9] »Großleute« nennen die Eingeborenen ihre angesehenen
Stammesmitglieder, die zugleich den dem Kapitän beigegebenen »Rat«
bilden.
[10] Ein Beispiel für die Rechtsprechung unter den Khauas hat mir auch
ein Missionar mitgeteilt. Die Rheinische Mission hatte einst versucht,
die Khauas für das Christentum zu gewinnen. Eines Sonntags morgens fand
der Missionar (Rust, später in Hoachanas) in seinem Garten einen Jungen
mit Obststehlen beschäftigt. Als dieser den Missionar erblickte, gab er
Fersengeld und ließ sich hierin auch nicht durch den mehrmaligen Ruf:
»Halt« stören. Entrüstet warf ihm der Missionar eine Handvoll Erde nach
und verklagte den Jungen dann vor dem Stammesgericht. Dieses entschied
nach langer Beratung, daß der Junge straflos sei, weil er lediglich aus
Hunger gestohlen hätte, der Missionar dagegen 20 Mark und die Kosten
zu tragen habe, weil er am heiligen Sonntag mit Erde geworfen hätte.
Woraus zu schließen, daß das Christentum bei dem Stamm anscheinend
schon mehr Wurzel geschlagen hatte, als der Missionar selbst ahnte.
[11] Ist inzwischen gefangen.
[12] Es ist richtig, daß Witbooi während seiner Kriege mit den Hereros
Leben und Eigentum Weißer stets geschont hat.
[13] Siehe Schwabe, »Mit Schwert und Pflug in Deutsch-Südwestafrika«,
2. Aufl. Berlin 1904. E. S. Mittler & Sohn. Kapitel 8.
[14] Eine genaue Verlustliste beizufügen, war mit Rücksicht auf den zur
Verfügung stehenden Raum leider nicht möglich.
[15] Nach den letzten aus Südwestafrika eingetroffenen Nachrichten hat
es Witbooi elf Jahre später in der Tat ähnlich gemacht. Er hat Ende
Oktober 1905 nach vergeblichem Angriff auf die Wasserstelle Aminuis und
Kirris der Truppe 350 Weiber und Kinder überlassen.
[16] Die Stärke der zum Kampf gegen Witbooi erforderlichen Truppe
gründete sich auf die Berechnungen des Majors v. François.
[17] Dies ist die Darstellung, wie sie aus den Akten des Gouvernements
in Windhuk hervorgeht. Nach dem mittlerweile erschienenen Buche des
Missionars Irle, »Die Hereros«, Seite 217, soll dagegen mein Vorgänger,
Major v. François, bei der Wahl Samuels zum Oberhäuptling in der Tat
den Ausschlag gegeben haben.
[18] Diese Kenntnis hatte ich kurz vorher durch einen vertraulichen
Besuch des Bergdamarakapitäns Cornelius bei mir in Windhuk erhalten.
Dieser war eigens zu dem Zweck gekommen, mich um Erlösung von dem
Hererojoch zu bitten, so daß ich die jetzt gegebene Gelegenheit hierzu
um so lieber benutzt habe. Im Gegensatz hierzu schreibt die Befreiung
der Bergdamaras von Okombahe der Missionar Irle in seinem Buche »Die
Hereros«, Seite 150, der Mission zu, die sie bereits 1870 herbeigeführt
hätte. Wie dem auch sein mag, Cornelius fühlte sich jedenfalls 1895
noch nicht von den Hereros frei. Andernfalls würde er mit seiner Bitte
nicht zu mir nach Windhuk gekommen sein. Die Bergdamaras hatten z. B.
bis 1895 aus ihren Gartenerzeugnissen an Manasse einen Tribut zu
bezahlen, den dieser selbst auf 1200 Mk. jährlich bewertete. Auch saß
bis 1895 in Okombahe neben dem Kaffernkapitän noch ein Hererokapitän
(zuletzt Daniel Kariko) als Bevollmächtigter Manasses, und ihm stand
auf dem Platz die Oberhoheit zu.
[19] Samuel sagte mir: »Major trau den Hereros nicht, ich muß das
wissen, denn ich bin selbst einer.« Zugleich zeigte er mir einen Brief
seines Halbbruders Gerhardt (gefallen 12. Januar 1904 in Okahandja),
in welchem dieser vor einer seitens der feindlichen Häuptlinge
beabsichtigten Falle warnte.
[20] Als ich jetzt den Oberhäuptling fragte, ob zwei Schrapnells
genügten, um die gegenüber sichtbare dichte Linie schwarzer Wollköpfe
zum Verlassen ihrer Stellung zu bewegen, antwortete er lakonisch:
»Nein, einer.«
[21] Während der zweitägigen Verhandlungen waren zwischen beiden Lagern
Posten ausgestellt, diesseits Weiße und Eingeborene gemischt. Von der
Machtlosigkeit des Oberhäuptlings zeugte es, daß jeden Abend dessen
Sohn Friedrich auf Posten ziehen mußte, weil ein anderer hierzu nicht
hatte bewogen werden können.
[22] Hierbei hatten einmal die Hereros Gelegenheit, ihren Mangel an
Kriegsfertigkeit zu zeigen. Eine Hereropatrouille hatte zwei feindliche
Hereros gefangen und sandte dieselben unter Bedeckung eines Mannes
in unser Lager. Dieser ließ den Gefangenen die Waffen und ritt stolz
voraus, mit der Weisung, ihm zu folgen. Natürlich schossen sie ihn nach
kurzer Zeit vom Pferde und verschwanden sowohl mit dem Roß wie mit dem
Gewehr ihres Überwinders. Allerdings war dies ein Ausnahmefall, aber
einem Hottentotten wäre so etwas überhaupt nie begegnet.
[23] Charakteristisch zeigte sich hier das Mißtrauen Samuels gegen
Kahimema. Bei dessen Eintreffen machte er sich schußfertig und sprang
hinter einen Busch, ihm von dort strafende Worte zurufend. Erst
nachdem Kahimema sein Gewehr abgenommen worden war, beruhigte sich der
Oberhäuptling wieder.
[24] Diese Schuldigen waren der Kapitän Eduard Lambert, gefallen bei
Gobabis, der Magistrat Fledermuis, gefallen bei Otjunda, und endlich
der Führer einer Patrouille, die beschuldigt war, vor Bekanntgabe des
Kriegszustandes eine Patrouille von uns überfallen und grausam ermordet
zu haben. Dieser Führer war auf dem Gefechtsfelde von Siegsfeld
anscheinend tot gefunden worden. Trotzdem war er mit dem Leben
davongekommen. Er hatte einen Schuß in der Hüfte, einen Bajonettstich
im Schenkel und einen Kolbenschlag auf den Kopf. Mit diesen
Verwundungen machte er den Feldzug weiter mit und focht auch noch bei
Otjunda. Ich erklärte dem Mann, daß er nicht zu den Begnadigten gehöre,
daß mir aber jetzt die Hände gebunden seien, da er nunmehr gleichfalls
mein Wort habe. Den Eingeborenen muß ein gegebenes Wort unverbrüchlich
gehalten werden, sonst ist ihr Vertrauen niemals wieder zu gewinnen.
[25] Abgedruckt aus Nr. 15 des Deutschen Kolonialblattes vom 1. 8. 1896.
[26] Als Beweis für die kindliche Auffassung der Eingeborenen möge
dienen, daß, als die 250 Mann starke Truppe in Omaruru einmarschierte,
der Missionar seitens der Hereros gefragt wurde, ob denn der Deutsche
Kaiser jetzt noch Soldaten zu Hause hätte.
[27] Wegen des Wasser- und Futtermangels ist dies die einzige Art,
durch die Namibwüste zu kommen.
[28] Leider inzwischen verstorben.
[29] Einer der Bewohner Swakopmunds leistete sich damals den
treffenden Witz, die aus Kapstadt eingeführten Arbeiter hätte der mit
ihrer Anwerbung betraute Hauptmann v. Perbandt mit Genehmigung der
Kapregierung vom Galgen abgeschnitten.
[30] Siehe Kapitel I, S. 4.
[31] Der Missionar des Stammes.
[32] Der Oberhäuptling, bekanntlich längst ein erbitterter Feind der
Familie Tjetjo, freute sich unverhohlen über diese Entwaffnung seiner
Stammesgenossen. Bei der allgemeinen Erhebung der Herero 1904 wird
er diese Gewehre jedoch schwer vermißt haben. Traugott hat auch an
dem Aufstande teilgenommen, ob und wie bewaffnet, ist nicht bekannt
geworden.
[33] Gefallen am 13. April 1904 bei Oviumbo.
[34] Gefallen am 22. Februar 1904 bei Otjihinamaparero.
[35] Gefallen am 4. Februar 1904 bei Omaruru.
[36] Gefallen am 17. Dezember 1905 bei Toasis.
[37] Gefallen am 11. August 1904 bei Waterberg.
[38] Um jedoch diesen treugebliebenen Bastardsoldaten zu zeigen, daß
mein Vertrauen zu ihnen nicht verloren gegangen sei, wurden ihnen
während meiner Anwesenheit in Rehoboth die Wachen anvertraut.
[39] »Meine Expedition 1900 ins nördliche Kaokofeld und 1901 durch das
Amboland«. W. Süfferott, Berlin.
[40] Gefallen im Januar 1904 bei Witvley.
[41] Wie bereits erwähnt, gefallen am 13. März 1904 bei Owikokorero.
[42] »Die Zukunft Deutsch-Südwestafrikas«. Berlin 1904. E. S. Mittler &
Sohn.
[43] Erhielt ich doch sogar von autoritativer Seite in einem
Privatbriefe die Anregung hierzu. Ich bat den Herrn Verfasser, mich
doch in einigen Jahren an diese Sache zu erinnern, da ich sie bis zur
Niederschlagung des Hereroaufstandes vielleicht wieder vergessen hätte.
[44] Oberleutnant in der Schutztruppe.
[45] Der neue Häuptling soll »Nande« heißen.
[46] In einem Privatbrief.
[47] Deutsches Kolonialblatt 1900.
[48] Deutsches Kolonialblatt vom 1. Januar 1904. Ich selbst hatte
während meiner Amtszeit -- durch meine Pflichten noch zu sehr an das
Herero- und Namaland gefesselt -- weder Gelegenheit noch Zeit zu einem
Besuche des Ovambolandes gefunden.
[49] Glaubten doch die Truppen, nach der Abreise des Majors v. François
im Juli 1894 nicht mehr an ihren Kontrakt gebunden zu sein, sondern mit
mir einen neuen, für sie vorteilhafteren Kontrakt schließen zu können.
[50] Von der Einrichtung des Oberkommandos ab bis zum Jahre 1906 ist
dies der jetzige Oberst Ohnesorg gewesen; ein Beweis, daß er sich
seiner umfangreichen Aufgabe mit Geschick entledigt hat.
[51] Siehe Instruktion für die Bezirksamtsleute, Anlage 1.
[52] »Es ist traurig, wenn man von seiner Regierung im Stich gelassen
wird,« sagte mir einst ein Kaufmann, dem die Unterstützung der
Regierung beim Schuldeneintreiben gegen Eingeborene nicht weitgehend
genug erschien.
[53] 1899 erhielten die bisherigen Bezirkshauptmannschaften diese
Bezeichnung.
[54] Auch Kollekten, die ich während meines Heimatsurlaubes 1898
zu Heiratszwecken sammelte, hatten Erfolg. So kamen an einem Abend
im April 1898 in Wiesbaden allein 2400 Mark zusammen, darunter von
Archivrat ~Dr.~ Hagemann 1000 Mark. Mit diesem Gelde wurden vier junge
Paare unter der Bedingung ausgestattet, daß sie dem ersten Kinde den
Vornamen des Gebers, bzw. dessen Frau beizulegen hätten.
[55] Diese Opfer sind im Schutzgebiet sowohl wie in der Heimat
arg unterschätzt worden. Noch unmittelbar nach beendigtem
Bondelzwartskrieg, Anfang 1904, habe ich einem Ansiedler, der über
dessen Ergebnisse sich unzufrieden ausgedrückt hatte, geantwortet: »Und
wenn der Deutsche Kaiser eine ganze Division in dieses Land sendet, so
werden wir auch mit einer solchen Truppenmacht mit den Eingeborenen
kaum fertig werden.«
[56] Hatte doch z. B. der Deutsche Kolonialbund kurz vor Beginn des
Aufstandes der Bondelzwarts folgende Forderung aufgestellt:
1. Jeder Farbige habe einen Weißen als »höheres Wesen« zu betrachten.
2. Vor Gericht sollten erst die Aussagen von sieben Farbigen diejenige
eines Weißen aufwiegen.
Diesen Forderungen hat in der Heimat niemand widersprochen, im
Schutzgebiet dagegen wurden sie mit Vergnügen begrüßt. Ich will mich
hier über deren Zweckmäßigkeit nicht äußern, aber zur Anwendung würde
man sie nur _unterworfenen_ Völkerschaften gegenüber bringen können.
[57] Die bei Streitigkeiten zwischen beiden Rassen seitens der Kapitäne
abzuordnenden Beisitzer hatten tatsächlich kein Aburteilungsrecht
über die weißen Angeklagten. Sie sollten -- als zuhörende Beisitzer
-- den mißtrauischen Eingeborenen lediglich eine Gewähr für die
Unparteilichkeit unserer Rechtsprechung geben.
[58] Kajata war der Ankläger. Die Angeklagten waren zwei deutsche
Händler, bezüglich derer der Ankläger gleichzeitig den Antrag auf
zwangsweise Entfernung von ihren derzeitigen Wohnsitzen im Hererolande
stellte, die sie ohne Genehmigung des Gouvernements in Besitz genommen
hatten. Beide wurden für ihre Tat seitens des Bezirksgerichts Windhuk
zu Geldstrafen verurteilt. Ein halbes Jahr später aber fielen sie mit
unter den Ersten dem ausgebrochenen Hereroaufstande zum Opfer.
[59] Die größte Handelsfirma im Hererolande war diejenige von Wecke und
Voigts in Windhuk. Die Geschäftsinhaber Gebrüder Voigts waren sogar in
dem Befehl des Oberhäuptlings Samuel, der bei Beginn des Aufstandes die
Ermordung sämtlicher Deutschen anordnete, unter denjenigen bezeichnet,
die zu schonen seien. Dies traf auch auf den in Orumbo wohnenden Farmer
und Händler Conrad zu, der, noch ehe es eine deutsche Herrschaft gab,
mit den Hereros Handelsgeschäfte getrieben hatte. Bei ihm kam der
Befehl des Oberhäuptlings auch zur praktischen Geltung. Er wurde nach
der Gefangennahme durch die Hereros auf ein Pferd gesetzt und bei der
Missionsstation Otjihaenena abgeliefert.
[60] Unter der Herrschaft der bisher üblichen Gepflogenheit kam es
nur zu häufig vor, daß ein Händler unbegrenzten Kredit gab und dann
das Verzeichnis der Schulden einfach dem Distrikts- und Bezirksamt
behufs Eintreibung übersandte. Diese üble Gepflogenheit, die die
Behörden zu Schuldeneintreibungsinstituten stempelte, würde auch
die Kreditverordnung, wie sie schließlich erlassen worden ist, wohl
gemildert, aber nicht beseitigt haben.
[61] Veröffentlicht im Deutschen Kolonialblatt 1897.
[62] Das Verzeichnis der einzelnen Handelsfirmen, die sich an dem
Waffenhandel beteiligt haben, befindet sich bei den Akten des
Gouvernements in Windhuk.
[63] 2. Aufl. Berlin 1897. E. S. Mittler & Sohn.
[64] ~Dr.~ Schinz, »Deutsch-Südwestafrika«.
[65] Gleich nach Empfang der Preisfestsetzungen für die amtlichen
Verkaufsstellen haben denn auch zwei Bezirksamtmänner (Keetmanshoop
und Gibeon) gegen die höheren Verkaufspreise für Eingeborene dringende
Vorstellungen erhoben.
[66] Aber auch Reichsdeutsche hatten in dieser Beziehung manchmal
ein weites Gewissen. So enthielt das bei einem ermordeten Händler
aufgefundene Schuldenverzeichnis mehrfach die Notiz »geliehen an den
Herero so und soviel Patronen«. Ferner hielt ein deutscher Händler die
Zeit des Hereroaufstandes für geeignet, um nach dem Ovambolande zwei
Gewehre mit Patronen zu verkaufen. Hierwegen gefaßt, meinte er, daß
unsere Gesetzgebung sich auf jenes Land doch nicht beziehe.
[67] Eine Verfügung hierüber siehe Anlage 4.
[68] 1895 wurde z. B. auf dem Scheibenstande in Windhuk eine Kiste mit
20000 Patronen, Modell 88, vergraben gefunden, in welcher Absicht,
liegt nahe.
[69] Noch 1904 erfolgte auf die fortgesetzten Klagen der Ansiedler
seitens der Kolonialabteilung eine Anfrage an das Gouvernement, ob
nicht das Militärgewehr freigegeben werden könnte. Da ich damals das
Truppenkommando bereits abgegeben hatte, wies ich darauf hin, daß
an dieser Frage der Truppenkommandeur mehr beteiligt sei als der
Gouverneur, und übersandte die Frage dem General v. Trotha mit der
Bitte um Antwort. Der letztere sprach sich dann gegen die Freigabe noch
viel schärfer aus, als ich dies je getan hatte.
[70] Distriktschef von Okahandja.
[71] Die Stationen sind auf der Karte Seite 283 eingetragen.
[72] Dies veranlaßte eine Hamburger Zeitung, gestützt auf eine
Zuschrift aus Keetmanshoop, zu der Behauptung, es sei von mir im Hause
des Missionars häufig »Kriegsrat« abgehalten worden.
[73] Sohn und Nachfolger des Kapitäns.
[74] Der Streit um die Kapitänswürde war zwischen Cornelius Frederiks
und dessen Vetter, dem Kapitän Paul Frederiks von Bethanien,
unmittelbar nach dem Tode des vorhergehenden Kapitäns ausgebrochen
und hatte damals (1894) sogar zu einem offenen Kampfe zwischen beiden
auf dem Platze Bethanien geführt. Da die Masse des Stammes dem Paul
Frederiks, als dem Erbfolgeberechtigten, treu geblieben war, mußte
der schwächere Cornelius Frederiks das Feld räumen. Er trat zu seinem
Schwiegervater, dem damals noch im Kriege gegen uns befindlichen
Kapitän Witbooi, über. Nach dessen Unterwerfung erfolgte die Aussöhnung
zwischen den beiden Vettern. Cornelius Frederiks kehrte nach Bethanien
zurück und war dort eine Zeitlang deutscher Polizist. Unter der Asche
glimmte jedoch die Nebenbuhlerschaft zwischen den beiden Vettern
weiter. Im Anschluß an den Aufstand Witboois ist sie dann wieder zum
offenen Ausbruch gekommen.
[75] Wie bereits erwähnt, haben im Schutzgebiet die Häuptlinge aus dem
Holländischen die Bezeichnung »Kapitän« angenommen. Bei den Hereros hat
sich indessen dieser Titel nie völlig einzubürgern vermocht, da sie
sich -- anders als die Hottentotten -- durchweg ihrer eigenen Sprache
bedienen und sich in dieser gegenseitig mit dem Titel »Omuhona«, d. i.
»Herr«, anreden. Diesem Titel entspricht mehr das deutsche »Häuptling«,
daher ziehe ich bei den Hererokapitänen diese Benennung vor.
[76] Siehe Bild Seite 39.
[77] Nr. 49 vom 9. Dezember 1905.
[78] Lebt im Ruhestande im Rheinland.
[79] Eine überaus komische Persönlichkeit. Mitten im Kriege mit
Witbooi, in dem ich zuweilen zur persönlichen Verhandlung im
feindlichen Lager war, bettelte mich Keister, wo er mich sah, um
Kaffee, Tabak und Alkohol an. Als Beweis, daß er dieser Vergünstigung
würdig sei, glaubte er einst hinzufügen zu sollen. »Ik soll ni vecht
ni, ik is allteid achter bei de Frumensche« (Ich fechte nie, ich bin
immer hinten bei den Weibern). Auch in der späteren Friedenszeit gab
dieser Keister noch vielfach Veranlassung zu Scherzen.
[80] Kapitän »Kort« war allgemein der Name für Witbooi unter den
Eingeborenen.
[81] Eine Abzweigung der Hereros, aber mit diesen politisch vereinigt.
[82] Drei Jahre im Lande Hendrik Witboois. Berlin 1897. E. S. Mittler &
Sohn. Seite 260.
[83] Seinen komischen Anstrich behielt Manasse auch bei den ernstesten
politischen Verhandlungen, indem er während derselben mit seinen
besonders lang geratenen Fingern fortgesetzt Fliegen totschlug und auch
mit unfehlbarer Sicherheit eine nach der anderen traf.
[84] Südwestafrika, Land und Leute. Berlin 1906.
[85] Der Vater von Paul Frederiks war derjenige Kapitän, der den ersten
Vertrag mit Lüderitz geschlossen, somit auch die erste Veranlassung zur
Aufrichtung der deutschen Schutzherrschaft in Südwestafrika gegeben hat.
[86] Erst in jüngster Zeit gelang es Hauptmann Volkmann, Cornelius mit
seinem gesamten Anhang gefangen zu nehmen.
[87] Morenga ist inzwischen gleichfalls gefangen.
[88] Ferner hatten im Oktober 1904 die Viehwächter des Missionars
Fenchel in Keetmanshoop in Unkenntnis der Verhältnisse dessen Vieh den
Leuten Morengas in die Hände getrieben. Es wurde sämtlich mit vielen
Grüßen an den Missionar zurückerstattet.
[89] Der selbst aus der Familie des Oberhäuptlings stammende Tjetjo tat
es z. B. weniger gutwillig. Er war ursprünglich selbst Konkurrent um
die Oberhäuptlingswürde gewesen, später aber freiwillig zurückgetreten.
[90] Als dann durch Bemühung der Regierung zwei weißen Händlern die
gestohlenen Pferde seitens der Ovambos zurückgegeben waren, behielten
die bisherigen Besitzer sowohl Pferde wie den bereits erhaltenen hohen
Schadenersatz (Kühe im Werte von etwa 1700 Mark pro Pferd), letzteren
für die »Abnutzung«. Weder Verwaltung noch Gericht waren in der Lage,
hiergegen einzuschreiten.
[91] An dieser Stelle sei Einwanderungslustigen die treffliche
Broschüre des verstorbenen Farmers Hermann in Nomtsas »Viehzucht und
Bodenkultur in Südwestafrika, zugleich Ratgeber für Auswanderer«
(Deutscher Kolonial-Verlag, Berlin ~W.~ 62) vom Jahre 1902 auf das
wärmste empfohlen.
[92] Lange pflegt sich das Wasser auch z. B. im Fischfluß zu halten,
der überhaupt im Unterlauf fast ständig fließt. Von dessen Wassermassen
-- etwa mit der Lahn vergleichbar -- während der Regenperiode zeugt
jetzt wieder der bedauernswerte Umstand, daß nach den letzten
Verlustlisten aus Südwestafrika drei Reiter beim Baden im Fischfluß
ertrunken sind.
[93] Wer mehr über die Mittel zur Erbohrung wie zur Stauung
des Wassers zu wissen wünscht, dem sei das Werk von Rehbock,
»Deutsch-Südwestafrika«, empfohlen.
[94] Dinter.
[95] Frankfurter Zeitung vom 22. Februar 1906.
[96] In dieser Beziehung kann man jedoch Abhilfe schaffen durch strenge
Durchführung des Verbotes, ungekochtes Wasser zu genießen.
[97] »Klopphengste« nannte man sie bezeichnenderweise in Südwestafrika.
[98] Namentlich seitens des damaligen stellvertretenden
Truppenkommandeurs Major Mueller (jetzt in Kamerun), der für
Pferdezucht besonderes Interesse zeigte.
[99] Farmer Hermann-Nomtsas rechnet bereits für die zweite Generation
auf eine marktfähige Wolle.
[100] In der »Täglichen Rundschau«.
[101] Genau wie bei der Kolonne Estorff beim Vormarsch gegen den
Grootberg während des Swartbooi-Feldzuges (Kapitel ~V~, S. 149).
[102] Vergleiche auch das Schriftchen »Strauße und Straußenzucht in
Südafrika« von C. W. S. Nolte. Sonderabdruck aus dem Journal für
Ornithologie, ~XLIII.~ Jahrgang, Januar 1895.
[103] Dem Jagdlustigen empfehle ich das Buch von Wissmann: »In den
Wildnissen Afrikas und Asiens«.
[104] In den zur Zeit in der »Südwestafrikanischen Zeitung«
erscheinenden »Erlebnissen« des bereits genannten Farmers und Händlers
Conrad in Orumbo klagt dieser selbst über den eingerissenen Zwang zum
Kreditgeben und wünscht dessen Beseitigung.
[105] Siehe »Deutsches Kolonialblatt« Jahrgang ~XVII~ Nr. 6 vom 15.
März 1906, Seite 160.
[106] Nach einer Berechnung der Landesvermessung in Windhuk stellen
sich die Zahlen genau, wie folgt. 1. Gesellschaften 276450 ~qkm~, 2.
Eingeborene 287567 ~qkm~, 3. Regierung 149860 ~qkm~. Hierbei ist der
sogenannte Caprivizipfel außer Betracht gelassen.
[107] Auf die einzelnen Gesellschaften verteilt sich das benutzbare
Gesellschaftsland, wie folgt: 1. Kolonial-Gesellschaft für
Südwestafrika 33000 ~qkm~, 2. Kaoko-Land- und Minengesellschaft
25000 ~qkm~, 3. Hanseatische Land-, Minen- und Handelsgesellschaft
10000 ~qkm~, 4. South African Territories Ltd. 10300 ~qkm~, 5.
Siedlungsgesellschaft für Deutsch-Südwestafrika 10000 ~qkm~, 6. South
West Africa Company 13000 ~qkm~.
[108] Auch auf einen von mir stammenden Aufsatz im August-Heft der
»Deutschen Revue« 1906 darf ich verweisen.
[109] Namentlich unter ihrem mehrjährigen Leiter im Schutzgebiete,
~Dr.~ Rhode, welcher fortgesetzt große Unternehmungslust an den Tag
gelegt hat.
[110] Diesen Standpunkt vertritt vor allem die seitens der Mutter
des in Warmbad gefallenen Leutnants Jobst verfaßte Broschüre: »Mußte
es sein?«. Nach der mir vor kurzem zu Gesicht gekommenen Vorrede
zur 4. Auflage war die Verfasserin auch im November 1904 noch nicht
anderer Ansicht geworden. Auch die Broschüre »Die Schutzverträge in
Südwestafrika« von ~Dr.~ Hesse befleißigt sich dieses Standpunktes,
obwohl sie erst 1905 geschrieben ist. Sie enthält außerdem mancherlei
Irrtümer und Unrichtigkeiten. Im übrigen erscheint die Frage
gerechtfertigt, warum der Herr Verfasser sein angeblich besseres Wissen
nicht bereits vor Jahren zum besten gegeben hat. Damals hätte es noch
nützen können. Jetzt aber setzt er sich dem Verdacht aus, lediglich die
bekannte Weisheit der Rathaustreppe zu verkünden.
[111] Wurde dann vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und erschossen.
[112] Desgleichen.
[113] Siehe Skizze Seite 449.
[114] Anscheinend ist es eine Unterschätzung des Gegners, welcher der
zwar tapfere, aber sonst klar denkende Offizier zum Opfer gefallen ist.
Leutnant Jobst hatte seinerzeit den chinesischen Feldzug mitgemacht und
von dort wie fast alle damaligen Kriegsteilnehmer eine Geringschätzung
des kriegerischen Wertes Eingeborener mitgebracht. »Das sind keine
Chinesen,« konnte man die ziemlich zahlreich bei der Schutztruppe
vertretenen, ehemals in China gewesenen Offiziere nach dem ersten
Zusammentreffen mit unseren Eingeborenen fast immer sagen hören.
[115] Siehe Kapitel ~V~, S. 167.
[116] Vertreter der South African Territories Ltd.
[117] Dieser Platz ist auch im jetzigen Feldzuge vielfach als Sitz
Morengas genannt worden.
[118] Der Platz Keetmanshoop selbst nebst Weidefeld war bereits 1898
Kronland geworden (Kapitel ~V~, S. 155).
[119] Gefallen am 30. August 1904 bei Sjambokberg.
[120] Siehe Skizze Seite 449.
[121] Der deutsche Führer der auf unserer Seite gegen die Hereros
im Felde stehenden Witboois, Leutnant Müller von Berneck, sagte mir
auf meine Frage nach deren Verhalten anläßlich ihrer Entwaffnung und
Gefangennahme später in Rehoboth wörtlich folgendes: