vielleicht das Petschaft oder Sigill zu stark auf. ~Quod valet de
toto, valet quoque de singulo~, sagt die Universitätsfibel. In Egypten
und Palästina fand ich +durchwegs+ auffallend kleine Petschaften
oder Siegel, wovon zwei etwa ein abendländisches geben würden. Also
gilt mein allgemein aufgestellter Satz nicht von diesen Ländern
insbesondere. Wie ich zum ersten Male in Alexandrien den kleinen
Fleck auf dem Amtspapiere erblickte, glaubte ich, es wäre ein Spaß,
und ich schmunzelte bei mir selber, so viel man immer über etwas
Amtliches schmunzeln darf. Bisher hielt ich, als guter Abendländer,
das amtliche Ansehen für unzertrennlich mit einem großen Siegel oder
einem grandiösen Stempel, und in der Erste schien mir die egyptische
Regierung gerade um das minder werth, als das Siegel, gegen einem
europäischen Amtssiegel, kleiner war. Auch mit solchen Begriffen
verläßt man das gescheute Franken-Land.
Noch mehr. Sogar das kleine egyptische Regierungssiegel hatte eine
unnütze Größe. Wie kann das sein? Ich bekam in Großkairo einen
gestempelten Thorschein; allein keine Zunge bekümmerte sich darum,
weder am Thore, noch in und über der Wüste, und, außer dem meinigen,
sah kein Auge den Stempel. Sollten etwa die Europäer auch so unnütze
stempeln, es ginge bei ihnen so gewiß, als zweimal zwei vier machen,
mehr verlustig, und der Vortheil fiele offenbar auf die Seite der
Egypzier; man versteht mich -- der Vortheil oder Gewinn, weniger zu
verlieren.
Der Hakim.
Mehrmals las ich, daß die Palästiner sich von den Europäern den Puls
fühlen lassen, in der Meinung, alle Franken wären +Hakim+ (Aerzte).
Letzteres kann ich bestätigen, nicht aber ersteres; denn selten
begehrte man in Palästina von mir ärztlichen Rath oder Beistand. Um
aber doch ein Beispiel anzuführen, so traten einmal in Jerusalem
drei bis vier verschleierte Frauenzimmer in meine Klosterzelle und
verlangten den Arzt. Ich hatte eben Besuch, und sie wurden von meinem
Gaste ziemlich derbe hinausgewiesen. Seit Syrien von egyptischen
Truppen besetzt ist, zählt es mehr europäische Aerzte, und es bleiben,
meines Wissens, die reisenden Franken so ziemlich ungeschoren.
In Jaffa weilte ein herumziehender Arzt, ein Grieche. Vergebens
wollte ich mit ihm ein ärztliches Gespräche anbinden. Wahrscheinlich
hat der Mann Arzneiwissenschaft gar nie studirt. Ich rühme an ihm,
als etwas Ausgezeichnetes, einen goldenen Uhrschlüssel, den er mit
Selbstgefälligkeit recht tüchtig auf dem Bauche bammeln ließ. Um die
Höhe seiner wissenschaftlichen Bildung muthmaßlich und unmaßgeblich
zu bezeichnen, will ich ihm den Glauben in das Herz legen, welchen
das alte Wörterbuch ~Gemma gemmarum~ (Ausgabe von 1508) über das
~Nolimetangere~, auf deutsch: Rühre mich nicht an oder Krebs,
ausspricht: „Es ist eine gewisse Krankheit, welche am Gesicht ~ex
mictura glirium entsteht~.“ Das heißt, firm gesprochen. Damals wußte
man also die Ursache vollkommen gut; jetzt zweifelt man. Oft werden
wir weiser, wenn wir weniger wissen wollen. Unser griechischer Arzt
verfügte sich, nach Verrichtung gelungener und mißlungener Kuren, sowie
auch guter Geldgeschäfte, in die Stadt Jerusalem. Solche herumirrende
Kurirer erinnern mich an die italienischen Zinngießer und die
französischen Scherenschleifer, welche das Schweizer-Land durchkreuzen.
Sind sie in einem Dorfe fertig, alsbald in einem andern zünden sie
das Kohlenfeuer an und stellen den Schleifstuhl auf, um die Kunden zu
befriedigen.
Die Fleischbank.
In der Absicht, meinen faden Reistisch zu verbessern, ging ich zur
Fleischbank am Marktplatze. Ausgezogene Schafe hingen an Haken. Die
herumstehende Menge war so groß, daß man sich, wie bei uns zu den
Osterrindern, ordentlich durchdrängen mußte. Endlich öffnete sich eine
Lücke am hölzernen Geländer, und ich füllte sie auf der Stelle, von
allen Seiten gedrückt, nur von der Bank her nicht. Ein sauertöpfischer
Fleischer konnte nicht genug abschneiden und abhauen, so sehr rissen
sich die Leute um das Fleisch. Ein Wohlgenährter saß auf seinen Beinen
und nahm die Zahlung an. Ein Anderer war damit beschäftigt, die
sonderbar geformten Gewichte in die Wagschale zu werfen und daraus
zu nehmen. Bereit lag ein Schreibzeug, eine lange metallene Büchse,
welche sonst der Schriftgelehrte vor der Brust zwischen das Oberkleid
schiebt, und nicht ohne einigen Stolz einen Theil davon hervorschauen
läßt. Man sieht, daß der Fleischverkauf ja auf eine großartige Weise
betrieben ward. Schon harrte ich längere Zeit; jetzt wurde ich aber des
Wartens überdrüssig. Man hat mich als Fremden und Franken doch zu wenig
beachtet. Ich verließ die Schlachtbank.
Um meiner Mißstimmung mit einem Balsam zu begegnen, spazirte ich die
Stadt hinaus. Besser, als das saure Gesicht des Schlächters gefiel mir
das üppige Grün im Mauergraben, welcher die Stadt in einen Halbzirkel
sperrt. Indessen wollte es mir auf dem mohammetanischen Leichenacker
auch nicht behagen. Meine Gedanken richteten sich noch immer nach dem
übelriechenden Aas, welches in demselben eine Woche früher ein Rudel
Hunde mit einer Begierde aufzehrte, daß der Fraß mit Raufhändeln
gewürzt wurde. Heute war Alles aufgefressen bis an die größern
Knochen; nicht mehr verpestete das Aas den lieblichen Ort, -- Dank der
einsichtigen, wohllöblichen Gesundheitspolizei -- der Hunde.
Ich kehrte um. Vor mir schritt ein Offizier durch das Thor. Die Wache,
ein alter Kerl mit einem magern Gesichte, präsentirte unverzüglich
das Gewehr. Kaum aber hatte er es zur Seite genommen, als er mit
der rechten Hand buckelmachend die Lenden rieb, wahrscheinlich aus
Ehrerbietigkeit gegen seine Leibwache.
Umsonst war ich Willens, im Rückwege gegen meinen Fleischer eine recht
mürrische Miene aufzupflanzen. Es stand eine andere Fleischbank offen,
und ich säumte nicht, mein Glück hier zu versuchen. Ich rief aus voller
Kehle, und es half. Unter dem Nachrufe von +haidi+ entfernte ich mich
mit meinem Fleische in fröhlicher Stimmung.
Die Araber, diese klugen Leute, glauben, daß der Fremde ein Strohkopf
sei, sofern er, in Beobachtung der Bescheidenheit und des Anstandes,
nicht spreche oder, um es genauer auszudrücken, nicht maule. Wenn er
nur den Mund spaltet, gleich viel, was er donnere, er wird sogleich ein
Gegenstand der Ehrfurcht. Ich machte diese Erfahrung nicht nur dieses,
sondern auch andere Male. Kurz und gut, im Nu ward, auf meinen Lärm,
mir Fleisch zugewogen.
Der Zuckerrohrmarkt.
Niemand in Europa hat die absterbenden Zähne gerne; doch hätschelt
man dort die Dinge, welche ihnen das frische Weiß rauben. Oder sind
sie, mit Erlaubniß zu fragen, liebenswürdig, die Zähne von der Farbe
-- geräucherter Schinken und mit den Höhlen, worin die Schmerzen mit
Vorliebe wüthen? Ach, wären nur die Zähne durch und durch Schinken, so
könnte man sie anschneiden, und mit dem speckweißen Liebreize das ganze
Menschengeschlecht entzücken. Allein selbst die Aeuglerin kann sich im
dienstfertigsten Spiegel nicht ganz zurecht gucken die tintenen Zähne
mit deren malerischen Schluchten, in welchen die balsamischen Quellen
der Schmätze entspringen. Es thut mir leid; aber ich kann es nicht
ändern.
Es ist zwar nicht der daumensdicke, manneshohe Pflanzenhalm, nicht
die binsenartigen, langen Blätter, welche zu drei Fingerbreiten
über einander um denselben sich ansetzen, nein, nicht dieses Gras,
dieses Zuckergras, dieses Zuckerrohr ist es, welches den Zähnen so
viel Verderben bringt, sondern der Saft dieses Gewächses, nachdem er
durch Kochen eingedickt und dann geläutert oder raffinirt worden: der
+Zucker+.
Sehnlichst verlangte mich, den Vater eines so raffinirten Kopfes und
Verwüsters der schönen Welt näher kennen zu lernen. Außer dem Thore der
Stadt ist eine Menge frisches Zuckerrohr an einer Reihe ausgebreitet,
worum Verkäufer und Käufer wimmeln, unter welch’ letztern ich
namentlich Soldaten mit ihren halbschwarzen Gesichtern bemerkte. Ich
wollte mich zuerst satt +sehen+; allein das Sehen nur verschafft nicht
sehr viel Vergnügen, weil -- es nichts kostet. Dachte ich doch, ich
werde den Saft des Rohrs im Munde auch ausziehen können, wenn es Andere
mit so vieler Lust thun. Ist man einmal draußen in der weiten Welt, so
muß man etwas mitmachen, damit man daheim etwas erzählen kann, hört’
ich so oft schon sagen. Ich kaufte ein Zuckerrohr. Ich biß wohl oben;
aber das Süßsalzige mundete mir nicht. Der Zuckerrohrhändler, meinen
Fehler gewahrend, warf den obern Theil des Halmes gleich weg, und ich
biß in den untern, der besser schmeckte. Ganz rein schmeckte das Süß
hart über der Wurzel. Wie aber oben das Rohr weniger rein schmeckt,
so schmeckt das unterste, zum Theil in der Erde steckende Glied nach
Wurzeligem. Die grüne Pflanze enthält bedeutend viel Saft, welcher,
wie im eingedickten und geläuterten, so auch im frischen Zustande, die
angenehme, reine Zuckersüßigkeit besitzt. Das Rohr wird so genossen,
daß man rohe Stücke in den Mund nimmt, und sie zerbeißt, um daraus den
Saft zu verschlingen. Die faserigen Theile werden weggespieen.
Der Tabakschneider.
+Roman Pane+, welcher die alte Welt mit dem Tabak bescherte, geschieht
fürwahr in alle Zeiten Unrecht, daß er nicht wenigstens zur Linken
+Mohammets+ von den Moslim verehrt wird; denn wer möchte in Abrede
stellen, daß diese den Tabak minder leicht entübrigen könnten, als den
Koran?
Hätte ein Bursche nicht so lächerlich gelacht, als er an der Hand einen
türkischen Pfeifenkopf drechselte, nach den Gedanken der alten Zeit
umwendend, schier gedankenlos modelte, durchstach und in wenig Zeit
fertig hudelte, ich würde eher zum Tabakschneider geeilt sein.
Hinter dem Handwerksmanne jene drei Wände von Mauer mit der offenen
Seite und dem Thürverschlusse gegen die Gasse, mit dem platten
Dache von Holz müssen ja das Audienzzimmer sein, welches er nur
zur Seltenheit betritt. Denn -- er hockt mit diesem Raume zwar
auf gleicher Höhe, aber auf einem Mauervorsprunge und unter einem
Vordache, vielleicht auch damit er mit seinen Kunden leichter verkehren
könne. Wie mag den Glücklichen ein Anderer beneiden, dem bloß von
außen an einer Bude ein kleiner obdachloser Winkel zu Verrichtung
seiner Kunst vergönnt ist. Zu einem buchstäblichen Winkelhandwerke
verurtheilt, begrenzt sich die Handthierung des armen Teufels einzig
auf Zerschneidung und Zerschnitzelung des kundschaftsweise anvertrauten
Rauchtabaks, und für einen Piaster schneidet er ein ordentlich Schock.
Wenden wir uns wieder zu dem Tabakschneider in der Bude. Es sind bei
ihm so wenig Artikel ausgekramt, daß er sein Gedächtniß damit nicht
überladen darf. Haufen von unzerschnittenem und zerschnittenem Tabak
liegen unordentlich herum. Eine Wage mit messingenen Schalen und einem
hölzernen Balken lauert auf den Käufer. Damit aber den Verkäufer selbst
das Warten nicht verdrieße, schneidet er für sich -- und Andere Tabak
in gar hübschen Nadeln. Ein der Länge nach gespaltenes, ziemlich großes
Rohr oder Halbrohr dient zur Aufnahme des Tabaks. Jenes ist mit Eisen
gerändert, wo das Schneidemesser hart vorbeifährt. Letzteres, auf einer
Seite so befestiget, daß es mit geringer Mühe herab- und hinaufläuft,
ähnelt in den wesentlichsten Beziehungen unserem Schneidemesser mit
der Vorrichtung dazu, wie selbes die Apotheker zu Zerschneidung von
Arzneien, z. B. von Wurzeln, und die Liebhaber des Tabaks zu anderem
Behufe gebrauchen. Noch ähnlicher, als unserm Schneidemesser der
Apotheker ist es dem Schneidestuhle, mittelst dessen der Häckerling
bereitet wird. Drückt der morgenländische Tabakschneider mit der
Hand das ungeschnittene Kraut im Halbstiefel wohl zusammen und ein
wenig über den Rand, so schiert er mit dem herunterschwirrenden
Messer gleichsam eine Scheibe ab, die, sogleich in viele Schnitzel
zerzottelnd, auf eine Schilfdecke zu Boden fällt.
Der Nargilebediente; die Rauchvirtuosität.
Von den vielen Handwerkern, welche dem Abendlande angehören, dagegen im
Morgenlande vergebens gesucht werden, will ich bloß den Kunstgärtner
(im strengeren Sinne des Wortes) nennen. Ein Deutscher, dessen erwähnt
ward, that sich für einen Gärtner aus, und kannte wirklich einige
Gewächse nach ihren lateinischen Namen. Hier aber beklagte er seinen
Beruf, weil die Natur ohne Kunsthilfe Alles viel schöner hervortreibe,
als es der erfahrungsreiche Gärtner Europas den dortigen Anlagen und
Treibhäusern abdringe.
Dem abendländischen Kunstgärtner hält indessen der Morgenländer
einen andern Berufsmann entgegen, welchen gerade das Abendland
nicht aufzuweisen vermag; ich meine den +Nargilebedienten+, den
Nargileträger. Argile oder Nargile heißt eine Tabakspfeife mit einer
Tasche voll Wasser, durch welches der Rauch gesogen wird. Mit drei bis
vier Nargilen geht der Gewinnlustige auf der Gasse umher, und erhascht
er einen Liebhaber, so stopft er ihm die Pfeife mit Tabak und setzt
überhaupt Alles so in Bereitschaft, daß der Rauchlüstling bloß das
Mundstück der Pfeife zwischen die Lippen und die Hand in den Geldbeutel
schieben darf.
Kaum sättiget man sich an diesem Auftritte, so schreitet ein
wohlhabender Morgenländer stattlich daher; schweigsam und treu wie der
Schatten folgt ihm ein schwarzer Sklave, welcher die lange, brennende
Pfeife seines Herrn trägt. Nun mache ich einen Besuch. Alsbald füllt
der Diener oder gar die Dame des Hauses die mit einem bernsteinernen
Mundstücke versehene Pfeife und raucht sie an, um sie mir darzubieten.
Ich wische das Mundstück hübsch fein ab, und rauche mit der größten
Bequemlichkeit. So reicht auch der Diener seinem Herrn immer die
angerauchte Pfeife.
Im Rauchen sind die abendländischen Christen, im Vergleiche mit den
Morgenländern, gleichsam Stümper. Es ist übrigens für den Reisenden
eben nicht unumgängliche Nothwendigkeit, daß er mitrauche. Ich lernte
zwar das Rauchen erst auf der Reise, verzichtete darauf jedoch öfter
längere Zeit.
Der Kaffeeröster und Kaffeezerstößer.
Ich trete in ein großes Gewölbe. An der Wand brennt es in einer Höhle.
Ueber dem Feuer steht schief ein irdenes, großbäuchiges und ziemlich
enghälsiges Gefäß zur Röstung des Kaffees. Dieser wird von einem Manne
mit einem Stäbchen fleißig umgerührt, bis er gar ist. In einer offenen
Pfanne würden während des Röstens offenbar mehr kräftige Bestandtheile
sich verflüchtigen.
Neben dem Herde nimmt der Mörser seine Stelle ein. Eine runde, tiefe
Aushöhlung des Fußwerkes von einer alten Marmorsäule ist er -- fest
ummauert. Ein Mann beschäftigt sich eigens mit dem Zerstoßen oder
Zermörsern des Kaffees. Er handhabt eine große, eiserne Mörserkeule,
die durch ihren schweren Fall zermalmt. Dazu musizirt der Arbeiter
stöhnend auf echt arabisch bei jedem Plumps. Hat der Kaffee eine
mehlichte Beschaffenheit erreicht, so wird er durch ein Sieb gebeutelt.
Das Seihsel fällt auf einen platten, großen, fein geflochtenen
Strohteller; das Ueberbleibsel im Siebe wird in den Mörser geschüttet,
um es aufs neue zu zermalmen. Den letzten Ueberrest betrachtet der
Araber als Auswurf; allein leicht kann man hier übervortheilt werden.
Der betrügerische Araber rechnet zu jenem gerne solchen Kaffee, den er
noch gar wohl benützen kann.
Ein Italiener von meiner Bekanntschaft kauft, um Einiges zu ersparen,
unzerstoßenen Mokkakaffee. Er bringt ihn in die Werkstätte. Er muß
warten; denn so eben wird für einen andern schon Dastehenden Kaffee
geröstet. Nun geht es an den seinigen. Es faßt das irdene Gefäß und
bald der Mörser den Kaffee, und für die Röstung und Pülverung bezahlt
er eine Kleinigkeit. Fein wie Mehl ist der zermörserte Kaffee.
Der Baumwollereiniger und der Schilfdeckenweber.
Die Baumwolle wird in der Nähe von Jaffa, aber nicht auf einem Baume,
wie das deutsche Wort zu allgemein sich ausdrückt, obschon es auch
Baumwolle gibt, sondern an einem wenige Fuß hohen, strauchartigen
Gewächse gewonnen. Genug, daß sie gedeiht, und zu den nützlichsten
Erzeugnissen des Erdbodens gezählt werden darf.
Die Baumwolle beschäftigt manche Hände, bis sie gereiniget ist.
In einer Werkstätte setzte Einer ein größeres Rad mittelst eines
Tretschemels und ein kleineres mit der einen Hand an der Kurbel in
Bewegung. Diese zwei Räder trieben zwei Walzen, die nahe über einander
und in ungleicher Richtung liefen. Wird die durchsämte Baumwolle mit
der noch freien Hand in die Walzenfuge gehalten, so erschnappt diese
den wollenen Theil und läßt ihn auf der andern Seite fallen; auf der
nähern Seite bleiben die Samenkörner zurück. Selbst auf der Neige des
Wintermonates verrichteten in Ramle das Geschäft der Samenabklappsung
beinahe nackte Männer.
Ich entfernte mich vom Baumwollereiniger, und wollte lieber dem
Schilfdeckenweber zuschauen. Der Webstuhl ist sehr niedrig, kaum
über einen halben Fuß hoch vom Boden, und von Baum zu Baum sind als
Kette Schnüre angestreckt. Abwechselnd stehen zwei Schnüre sich nahe,
um einen Zwischenraum von beiläufig drei Zoll offen zu lassen. Der
hölzerne Kamm mit so viel Bohrlöchern, als Kettenschnüre sind, hängt
nicht, sondern lastet auf den letztern, nachdem die Schnüre durch den
Kamm gezogen worden. Da das Gewebe, nämlich die Decke, in der Breite
etwa fünf Fuß mißt, so weben zwei Burschen einträchtig neben einander,
ein jeder die Hälfte der Breite, während jedoch der eine allein den
Eintrag mit dem Kamme zuschlägt. Beide hocken vor diesem Werkzeuge
auf dem Gewebe, und in dem Maße, daß sie weiter weben, rutschen sie
vorwärts, wie unsere Kinder, welche noch nicht gehen können. In der
Nähe der Weber liegt der Schilf, bei dem einen unter den Füßen. Behende
spalten sie ihn mit dem bereit gehaltenen Messer. Das Schilfband ziehen
sie mit den drollig davon hüpfenden Händen abwechselnd über und unter
zwei Schnüre des Aufzuges durch, auf gleiche Weise das nächste Band,
nur gegenüber und schließend, u. s. f. Von den Schilfbändern werden die
Schnüre ebenso umschlungen, wie beim Flechten der Körbe von den Weiden
die Stäbchen. Die Burschen weben mit großer Fertigkeit, und haben
sie zugewoben, so müssen die Schnüre durchschnitten, und allemal die
zwei näher stehenden zusammengeknüpft werden, damit sie den Schilf da
festhalten, wo er im Weben sich kreuzt.
Man macht von den Schilfdecken ungemein viel Gebrauch. Unter Zelten,
in Häusern und Kirchen deckt er die Erde oder Steine. Der Betende
zieht zuerst seine Schuhe aus, und dann wirft er sich in dem Tempel
auf einer Schilf- oder Strohdecke nieder. Betet unter freiem Himmel
der Mohammetaner, sein Antlitz gegen Mekka gewendet, und hat er gerade
eine Schilf- oder Strohdecke bei der Hand, so breitet er sie, oft unter
seinen nackten Füßen, aus.
Der wandernde Schiffer und Kinderspiele.
Ich konnte zuerst nicht klug werden, als ich etwas erblickte, das aus
Schwarzem herausragte und im Meere herumzappelte. Es war ein bis an
die Lenden entblößter Schiffer. Er saß in einem so kleinen Kahne, daß
dieser dem Manne mit ausgestreckten Beinen kümmerlich Platz gestattete.
Er ruderte mit keinen eigentlichen Rudern, sondern mit kleinen
Plattschaufeln. Er hielt diese in den Händen fest, je eine Schaufel in
einer Hand, und platschte damit in das Wasser, wie, man wird mir die
Vergleichung erlauben, der schwimmende Hund mit den Vorderpfoten. Das
Schiffchen fuhr ziemlich schnell von einem größern Schiffe zum andern,
von Riff zu Riff, und wenn es in den Grund lief, so trug der Schiffer
es gleich weiter, bis er es wieder flott machen konnte.
Um ja Alles auszuplaudern: Ein noch kleineres Schiffchen ließen die
Knaben vor dem lateinischen Hospize auf der Gassenpfütze herumfahren.
Ich lobe an diesen Schiffchen, ich darf wohl sagen, die treffliche
Eigenschaft, daß es keine Kameelfüße hatte; denn wenn die Buckeligen
mit ihren schweren, breiten Füßen durch die große Pfütze trabeten, so
entstieg dieser ein sehr unangenehmer Geruch bis in meine Zelle. Außer
der kindischen Schifffahrt nahm ich bei den Kleinen sonst keine andere
Spiele wahr, als eine Art Wettlauf und das Gleiten auf einer geneigten
Fläche, z. B. indem ein Kind, Kopf voran, sich von einem andern an den
Armen herunterschleifen ließ.
Spiel der älteren Leute.
Die Araber überlassen sich nicht sehr häufig dem Spiele. Karten trifft
man allerdings bei ihnen, allein ziemlich selten. In Kaffeehäusern zu
Kairo spielten Araber Schach, aber mit possenhaft plumpen Figuren.
An der kleinen Meeresbucht bei Jaffa sah ich ebenfalls beim Spiele
Morgenländer, welche das Schachbret in den Sand gezeichnet hatten.
Eines Tages bemerkte ich am Hafen von Jaffa zwei im Spiele begriffene
Soldaten. Schnell trat ich näher. In ein Bret waren vierzehn
schalenförmige Vertiefungen gearbeitet, wovon je sieben eine Reihe
bildeten. Eine ziemliche Anzahl Ziegelbröckchen legten sie in die
mittlern sechs Gruben. Mir wurde der Zusammenhang des Spieles nicht
völlig deutlich; doch so viel nahm ich wahr, daß aus einer Grube die
Steine gehoben und davon einer allemal in eine Vertiefung um die
andere gesetzt wurde. Wenn dann der letzte Stein in eine leere Grube
fällt oder nicht, so bringt es dem Spielenden Verlust oder Gewinn. Das
Spiel ist wohl kein anderes, als das von +Niebuhr+ und +Burckhardt+
beschriebene +Mangal+.
Der eine der spielenden Soldaten war der am Hafenthore wachehaltende
Soldat. Mit der linken Hand hielt er das Feuergewehr, und mit der
rechten spielte er. Da gesellte sich ein dritter Soldat hinzu. Er
hatte nichts Eiligeres vor, als seinen Mantel hart am Spielbrete
niederzuwerfen und, nach Ablegung der Schuhe, sich aus denselben
barfuß zu stellen; denn nach solcher Vorbereitung verrichten viele
Mohammetaner das Gebet. Dieser Soldat mochte im Beten stehen oder
hocken, oder auf das Gesicht niederfallen, die Spielenden ließen
sich nicht im mindesten stören. Der Eine lachte unterdessen manchmal
mit aller Herzlichkeit, andere Male kicherte er. Es ist eine
bemerkenswerthe Sache, daß, so viele Sprachen auch in der Welt den
Tausch der Gedanken und Gefühle vermitteln, dennoch das Lachen,
welches vom leisen Schmunzeln bis zum schallenden Gelächter so viele
Gemüthszustände ausdrückt, meines Wissens -- allenthalben gleich
ist sowohl in Beziehung auf die Beschaffenheit, als auf das Maß der
Töne. Das gilt im Wesentlichen auch vom Weinen. Die afrikanischen
und asiatischen Kinder können so unharmonisch weinen, wie die
unserigen. Die Erscheinung erklärt sich dadurch, daß die Lach- und
Weinlaute Naturlaute sind, welchen die Kunst weder Mark abbettelte,
noch andichtete. Kehren wir zu den lachenden Spielern zurück. Der
Neuangekommene näherte sich, nach vollendeter +Andacht+ (Asser),
alsogleich dem Spielbrete, und ohne Umständlichkeit schob er einen der
Spielenden weg. Jetzt betrachtete ich erst mit mehr Aufmerksamkeit eine
große Narbe am Vorderarme des neuen Spielers, und wirklich glaubte ich
dieselbe als ein Ordenszeichen kriegerischer Tapferkeit mit seinem
herrischen Benehmen in Einklang bringen zu sollen.
Meine Lebensart.
Meine Lebensart würde nicht jeder Europäer gepriesen haben. Ich kam in
die römische Fastenzeit. Die lateinischen Mönche aßen nichts, als Brot,
Kräutersuppen, Hülsenfrüchte, Gemüse, Fische, Oelbeeren u. dgl. Zudem
dürfen diese Speisen nicht mit Butter oder Schmalz, sondern sie müssen
mit Oel abgekocht werden. Das wäre allerdings eine engherzige und harte
Vorschrift für Bewohner von Ländern, wo das Oel selten und theuer, die
Butter hingegen im Ueberflusse und zu wohlfeilem Preise zu haben ist.
Uebrigens wird von Kundigen die Thatsache nicht bestritten, daß das
Pflanzenfett weniger reizende Eigenschaften besitzt, als das Thierfett,
wie: die Butter.
Die magere oder Fastenkost (~il magro~) eignet sich, beim Lichte
betrachtet, in der That, die sinnlichen, d. h., die thierischen
Gelüste des Menschen abzutödten, mithin die Weltüberwindung eher in
den Kreis der Möglichkeit hereinzuziehen. Wundern muß man aber sich,
daß der gemeine Genuß des Weins, welchen die strengste Diät, wie die
mohammetanische Rechtgläubigkeit verbietet, und welcher schon so
manche Sünde veranlaßte, im römischen Fastenspeisezettel einen Platz
behauptet. Gibt man nun auch zu, daß man mit dem Fasten den Zweck der
Weltüberwindung näher oder minder nahe erstrebt, so darf man darum auf
der andern Seite das Nachtheilige nicht verschweigen, daß es hier und
da den Zunder zu Krankheiten legt, nicht bloß, wenn auch vorzüglich bei
den Griechen, wie wir schon oben in Gaza vernommen haben, sondern auch
bei den Lateinern.
Da ich von einer Unpäßlichkeit immer nicht hergestellt ward, so
unterwarf ich meine Ernährungsweise der ernstesten Prüfung, deren
Ergebniß war, daß ich anfing, die Ursache meiner Nichtwiedergenesung in
der Fastenspeise zu suchen. Ich sann auf Abhilfe der magern Kost. Auf
meine der Gesundheit geltenden Gründe erlaubte mir der Pater Superior
mit aller Bereitwilligkeit, was ich wollte; bloß eine Kleinigkeit
fehlte, nämlich der Koch vollführte nicht. Ich wünschte unter Anderem
Milch. Ich wendete mich deswegen an den Pater Superior, an den Koch,
an den Konsul +Damiani+, an den Schulmeister der Maroniten, an einen
Italiener, dem ich empfohlen war, und der sie täglich trank, -- ich
goß nur Wasser ins Meer. Schienen die Einen vergeßlich zu sein, so war
die Vergeßlichkeit in der That eine milde und tröstliche im Gegenhalte
derjenigen des Kaisers +Klaudius+, der Viele dem Tode überlieferte und
einen Tag nach der Hinrichtung sie wieder zu Tische und zum Spiele
einlud.
Zwei Tage aß ich freiwillig nichts, als Brot und im Wasser gekochten
Reiß, ohne Oel, ohne Butter, ohne Salz, kurz, ohne eine Zugabe; Wasser
diente als Getränke. Besorgt endlich für meine bevorstehende Seereise
bei dieser entkräftenden Nahrung, ging ich zu Markte, verschaffte mir
ein Huhn, und so wurde mir nach Belieben gekocht. Ueberdies kaufte ich
Butter und Honig, -- und Brot, Butter und Honig auf einander schmeckten
mir eben so köstlich, als einst auf den Kindsbeinen, wenn ich diesen
Leckerbissen aus der freigebigen Hand meiner alten Großmutter empfing.
Indessen würde man sich um die jaffanische Butter, neben der
vorarlbergischen und schweizerischen in der Gebirgsgegend, schwerlich
reißen. Wer leicht Ekel empfindet, isset sie nicht. Sie sieht schmutzig
aus, und die Haare sind in solcher Menge in sie geflochten, als wäre
es mit Fleiß geschehen, damit sie nicht von einander falle. Dessen
ungeachtet schmeckt die Butter nicht übel, einzig etwas säuerlich,
keineswegs aber ranzicht. Sie wird auf dem Markte feil geboten. Ein
Verkäufer hatte einen hohen, unordentlich gekneteten Haufen auf dem
Teller. Zum Zeichen meiner Kauflust streckte ich ihm einen Piaster
dar. Gleich ergriff er die kupferne Schalenwage, krabbelte mit den
ausgebreiteten Fingern flink von der Butter, wog ab und ich bekam,
nackt von Hand zu Hand, mehr, als ich erwartete. Ich vergesse nicht,
beizufügen, daß der Verkäufer ein Mohammetaner war. Wäre er ein
morgenländischer Christ gewesen, ich würde wahrscheinlich minder
erhalten haben. Ich muß dieser Vermuthung an der Fackel einer neuen
Thatsache leuchten. Beim Einkaufe des Mundvorraths sah ich mich um
Zwieback um. Der käufliche aus Zypern ist sehr gut: kleine, runde, etwa
zwei Daumen dicke Brote, oben mit fünf Punktirungen. In einer Bude, in
die ich zufällig trat, machte man das Anerbieten, mir sogleich Zwieback
zu holen. Die Leute in der Bude benahmen sich mit so vieler Artigkeit,
daß sie mir Zutrauen einflößten; sie bezeugten auch Freude darüber,
daß ich ein Christ, und zwar kein griechischer sei. Sie forderten für
eine Ocke drei Piaster. Wirklich kaufte ich sieben Ocken. Nach dem
Kaufe fragte ich gelegentlich vor den mohammetanischen Buden. +Keiner
verlangte mehr, als drittehalb Piaster.+ Der Abendländer erzählt mit
Schmerz eine solche Thatsache, die einen so auffallenden Unterschied
zwischen Christen und Moslim herausstellt.
Honig findet man in einigen Buden. Man bewahrt ihn in einem enghälsigen
Kruge, schöpft ihn mit einem hölzernen Löffel, und wägt ihn auf der
Schalenwage. Zuerst, um eines kleinen Versuches willen, legte ich
ein Kohlblatt auf meine Hand, und begehrte für wenige Kreuzer. Ein
Mohammetaner wies mich ab. Ein Anderer weigerte sich Anfangs, später
aber deutete er mir, daß ich, weil ich mit keinem Gefäße versehen war,
die Hand recht hohl machen solle. Als in der Folge für sieben bis
acht Kreuzer (R. V.) eine Achtelsmaß (ein halber Schoppen) Honig in
mein Trinkglas gewogen wurde, konnte ich mir leicht erklären, warum
der erste Mohammetaner an mich keinen verkaufen wollte; denn für das
Geldstück, das ich ihm zeigte, würde mir mehr gehört haben, als ich
hätte versorgen können. Der Honig, wenn auch ein wenig trübe, schmeckt
gut.
Ich lese die Bibel.
Was mir ein hohes Vergnügen gewährte, war das Lesen in der Bibel,
während ich eben auf dem Schauplatze stand, worauf dieselbe so
oft führt; denn Joppe ward zu Judäa gezählt. Die Patres gaben mir
eine Vulgata ohne irgend einen Anstand. Ich würde zwar +Luthers+
ausgezeichneter, kraftdeutschen Uebersetzung den Vorzug eingeräumt
haben; allein eine solche war nicht aufzubringen, und unter den
lateinischen Uebersetzungen verdient die Vulgata gewiß eine
Ehrenstelle. Das Latein des ehrwürdigen +Hieronymus+ erhebt sich weit
über das Mittelmäßige.
Das alte Testament enthält einen so großen Reichthum an
Eigenthümlichem aus dem Leben der Israeliten, daß es ein wahres
jüdisches Volksbuch ist. Es überrascht insbesondere mit der Schilderung
von Sitten und Gebräuchen. Hier, wo ich als Reisender die Aufgabe,
diejenigen der heutigen Einwohner im alten Lande der Juden zu
beobachten, nach Maßgabe meiner Zeit und Kräfte löste, fühlte ich in
mir gleichsam einen Drang, zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart
Vergleichungen anzustellen, wofür mir der süße Lohn zu Theil ward, in
der Bibel so treuen Zeichnungen zu begegnen.
Ein Pater sagt, ich werde des Teufels.
Der Umstand, daß ich nicht in die Messe ging, schien die sechs Mönche,
welche das Hospiz bewohnen, unangenehm zu berühren. Die Stimmung
derselben war mir bald nicht mehr zweifelhaft. Es fragte mich nämlich
eines Mittags der Koch, Frater +Emanuel+, ob ich die Messe angehört
hätte. Ich antwortete: Nein. Der Eifer wimmelte in seinen Händen,
und ich merkte ihm an, daß er es darauf anlegen wollte, mich recht
auszuholen. Ich fertigte ihn kurz mit den Worten ab, daß ich nur auf
lateinisch in religiöse Gegenstände mich tiefer einlassen würde.
Im Nu schritt der Pfarrer (~padre curato~) mit zwei Mönchen daher.
Der Meinungskampf begann in der Kirchensprache der Katholiken. Jener
stolperte unglücklich genug über seine lateinischen Fehlbrocken. Um
aber doch seinen Worten einen salbungsvollen Nachdruck zu verleihen,
schlug er mit der Faust auf dem Tische den Takt, und glühender Eifer
rollte seine Augen. Der ganze Rüstzeug von Verstand und Vernunft
würde dem Menschen wahrlich wenig mehr nützen, wenn das Gepolter
einer Faust Beweiskraft hätte. Der Pfarrer trieb sich auf dem Boden
der faden Jesuitenlogik herum, und ich merkte, daß mit ihm kein Satz
ordentlich durchzuführen sei. Ich erklärte geradezu, daß ich mich
zum Protestantismus bekenne. Auf diese Erklärung suchte man mir
den bekannten Satz ins Herz zu prägen, daß einzig und allein die
römisch-katholische Kirche selig mache; ich sei verdammt, hieß es,
und laut rief ein Mönch mit einem buntscheckigen Barte, daß ich in
die Hölle fahren werde[11]. Ich sei mit meinem religiösen Schatze
zufrieden, erwiederte ich; ich wolle den Frieden meiner Seele wahren;
ich könne glatterdings nicht bekehrt werden. Sofort erloschen die
Flammen der Patres, und ich wurde nimmermehr mit derlei Zwisten gequält.
Ich warne, aus dieser einzelnen Vorfallenheit allgemeine Sätze
herauszufolgern. Die Patres haben höhern Auftrag, ihren Glauben zu
verbreiten, und der Bekehrungsversuch darf wohl nicht befremden. Ich
meine sogar, daß mein Tagebuch dadurch eher gewonnen, als verloren habe.
Wie die Gleißnerei im Namen der heiligen Religion einen Unschuldigen
prügelt; laue Konsulats- und Mönchspolizei.
Der Franzose, einer meiner Wegweiser in Jerusalem, machte eines Abends
in seiner Trunkenheit nicht wenig Spektakel in und vor meiner Zelle.
Weil mit einem Berauschten nichts anzufangen war, so stieg ich hinunter
zum Pater Superior. Mir nach eilte der Franzose bis zur Kirche, worin
die Mönche beteten. Dies hinderte jedoch den Zornentbrannten nicht, vor
der geweihten Stätte so ungestüm zu lärmen, daß jene die Kirchenthüre
zuschlossen. Und sich nicht begnügend mit bloßem Lärmen, schlug er mich
mit der Hand und versetzte mir mit seinen Reitstiefeln einen Fußtritt.
Gegen die Ueberfälle vertheidigte ich mich mit genauer Noth, in der
Ueberzeugung, daß eine ernste Gegenwehr mit Händen und eine kräftige
Vertheidigung mit Worten Anlaß darböten, einer falschen Anklage Gewicht
zu geben, und mich nicht minder zu beschuldigen, als den Angreifenden.
Eben drohte der Franzose mit dem Messer, als endlich die Patres
herzutraten, denselben beschwichtigten und mir beistanden. Der Pater
Superior mußte wohl einsehen, daß unser von den Mönchszellen ziemlich
gesondertes Wohnen zur Seite hoch oben in den Pilgerkämmerlein den
Unfrieden allzu sehr begünstigen würde. Er befahl Trennung; da ich aber
mein Gepäcke holen wollte, spektakelte der Franzose von neuem auf dem
Dache, und hob, unter Drohungen gegen mich, einen Stein. Indeß hatte
das rohe Benehmen die gute Folge, daß ich +neben den Patres+ eine
weit bessere Zelle bekam.
Tages darauf war es mein erstes Geschäft, den Schutz des
österreichischen Konsuls anzuflehen. Diesen Vorfall zuerst tief
bedauernd, äußerte er sich dann, daß er nicht einschreiten könne, und
daß ich mich mit den Worten zufrieden geben sollte: ~Questo è finito~
(die Sache ist abgethan), indem wir einander die Hand reichen und
umarmen würden. Hiezu konnte ich mich deswegen um so weniger verstehen,
weil der eben anwesende Franzose seine im Rausche ausgestoßenen
Beschimpfungen jetzt im nüchternen Zustande wiederholte, und weil er
noch aus dem Grunde Recht haben wollte, +daß ich kein Christ sei+.
Mit dieser Gleißnerei hat er auch die Mönche zu berücken gesucht.
+Der Pater Superior bemerkte inzwischen ganz wohl, daß Schimpfen
und Schlagen von seiner (des Franzosen) Seite nimmer angehe, welcher
Religion ich auch zugethan sein möge.+ Ich verlangte beim Konsulate
förmliche Genugthuung und Sicherheitserklärung, die ich denn auch mit
Zähigkeit erhielt.
Der Konsul scheint dasjenige zu glauben, was der erste ihm vormalt.
Die Dreieinigkeit theilte er ein in Gott, als Obersten, in unsere
liebe Frau (Madonna) und in +Jesus Christus+. War der Konsul sich der
Zeitfolge bewußt, so soll vor der Hand keine Einwendung geschehen,
besonders dann, wenn er, ein öfterer Fall, in gewisser irdischer
Begeisterung sprach. Der Konsul erregte erst meinen großen Unwillen
gegen ihn, als hart neben seinen Ohren ein Mann mir erzählte, daß der
Franzose den Vater desselben am gleichen Abende mit Stockschlägen
mißhandeln wollte. Still, still, lispelte der etwas verlegene Konsul,
welcher die Sache zu vertuschen suchte, und als er sie nicht mehr
leugnen konnte, beschönigte er den Franzosen damit, daß dieser, in
der Wuth über mich, auch einen andern Handel angesponnen habe. Es
war erdichtet; denn das Hospiz wird gleich nach Einbruch der Nacht
gesperrt, in welcher ich unter die unsanften Hände gerathen bin. Viel
vermag fürwahr bei einem Morgenländer die glatte Zunge und die rothen,
unten mit Leder überschlagenen Reitknechthosen eines Franzosen, solche
mit einer weiter gediehenen Bildung natürlich unzertrennliche herrliche
Erscheinungen des Abendlandes.
Doch die Sicherheitserklärung ist da nur Schein, wo man straflos
schimpfen und schlagen darf. Mit persönlicher Sicherheit wanderte ich
bisher unter der arabischen Polizei, aber nicht unter der fränkischen.
Im Unwillen über die Lauheit oder Machtlosigkeit des Konsuls, welcher
österreichischer und französischer zugleich ist, entschlüpften
mir einige Worte, welche den Mann stachelten und in etwelche
Bestürzung brachten. Vater und Sohn, welcher letztere eigentlich die
Konsulatsgeschäfte besorgt, arbeiteten von nun an, in Verbindung mit
dem Superior, angelegentlich an der Herstellung des Friedens. Im Zimmer
des Paters bat der Franzose kniefällig ab, und, die Hand auf ein Buch
haltend, schwor er bei einem Heiligenbilde und legte das Handgelübde
ab, daß er mir nie etwas Leides zufügen wolle. Diese plötzliche Demuth
des Kerls mußte mich neuerdings mißtrauisch machen.
In einer solchen Lage war kaum ein anderer, ehrenhafter Entschluß mehr
möglich, als der, die Abreise nach Beirut in Gesellschaft des Franzosen
auf das bestimmteste abzulehnen. Einem Menschen, der sich mehr, als
viermal treulos zeigte, darf man nicht trauen. Mein Entschluß wurde
noch dadurch befestigt, daß der Vater des Rais, mit welchem wir nach
Beirut übersetzen sollten, und der kein fränkisches Wort verstand,
in +Gegenwart des Konsuls+ für die Ueberfahrt zweimal mehr forderte,
als man gewöhnlich bezahlt. Ich glaubte die Falle zu erkennen.
Wahrscheinlich war verabredet, die Ueberfahrtskosten für den Franzosen
und Deutschen auf mich zu wälzen. Immer lebhafter überzeugte ich mich,
daß es hohe Zeit sei, diese zwei besitzlosen Leute, die wahrsten
Abenteurer auf Erden, vom Halse zu schütteln. Nach einem siebentägigen
Aufenthalte in Jaffa begaben sie sich an Bord.
Wie sind doch die Verhältnisse so eigenartig, welche die Furchen der
Stirne auszuebnen vermögen? Unter andern Umständen wäre das längere
Warten auf eine Reisegelegenheit für mich eine Pein gewesen, während
ich es unter diesen leicht erträglich fand. Ich miethete mich in eine
Bombarda des Hauptmanns +Kiriako Bagsîno+, eines Hydrioten, bis in die
Nähe (sechs Stunden) von Smyrna. Das Schiff war nach Konstantinopel
bestimmt; ich glaubte aber den Weg nach Smyrna wählen zu müssen,
weil ich eine kleine Geldanweisung +für den Nothfall+ an das Haus
+Sturzenegger+ und +Prélat+ in Smyrna bei mir hatte. Das größere
Kreditschreiben lautete auf den österreichischen Konsul in Beirut,
Herrn +Laurella+, bei welchem das Geld wirklich bereit lag, ohne daß
ich es der angeführten Verumständigungen wegen wirklich bezog.
Der Konsul Damiani; mein Besuch in seinem Hause.
Nach der Ankunft in Jaffa stieg ich beim Herrn Konsul +Damiani+ ab.
Heute noch trägt er im morgenländischen Gewande den Militärhut aus den
Zeiten +Napoleons+. Der Hut geht zur morgenländischen Tracht gerade so
gut, als zur europäischen; denn das häßlichste Kleidungsstück, das man
erdenken konnte, steht nirgends gut.
Der ehrwürdig aussehende Greis nahm mich freundlich auf. Sein Sohn
geleitete mich sogleich in eine Zelle des Gastgebäudes (~ospizio della
Terra Santa~).
Ich sah den Konsul bisher nur in seinem Waarenlager am Kai, gleich
neben dem armenischen Kloster. Ich wurde von Andern in sein Haus
geführt, ohne daß ich den Besuch beabsichtigte. Täusche man sich nicht
über die Wohnung des Konsuls. Sie ist sehr unansehnlich, so daß unsere
Bauern in schönern Häusern wohnen. Der Konsul saß unten im Hofe. Den
Hut vertrat diesmal eine abgeblichen rothe Mütze, und um den Kopf über
die Ohren war ein Tuch gebunden; denn die Zähne litten Schmerzen.
Man prangt immer mit der Weltweisheit, man verehrt die Seele als das
Ewigwährende am Menschen, man schmäht auf den vergänglichen Staub
des Körpers, man lehrt Verachtung der Kleiderpracht, und doch vermag
man nur mit Mühe den widerlichen Eindruck zu besiegen, den man beim
Anblick einer mit häßlichen Kleidern bedeckten, höher gestellten Person
empfängt, selbst wenn noch so hoch deren Seelenadel emporflackerte.
Hätte ich nicht schon gewußt, daß +Damiani+ Konsul wäre, ich würde
ihn schwerlich beachtet haben. Er pflegte sonst seinen langen, grauen
Schnurrbart hinauszustreichen und zu zwirnen. Diesmal ließ er ihn fein
in Ruhe, weil er überzeugt sein durfte, daß zwischen dem unreinen Tuche
um dem Kopfe keine Hoffahrt mehr möglich sei.
Nicht die köstlichsten Treppen leiteten hinauf ins Gastzimmer. Darin
hing eben die Wäsche an zwei Reihen von der Linne herab. Der Christ
beging seinen Sonntag und die Wäsche deswillen doch keinen Fehler,
weil -- das Trockenwerden keine Hände erfordert. Zuerst wurde ich
im Zimmer Niemand gewahr; bald dann erschien der Sohn des Konsuls
hinter der Wäsche, so ganz theatermäßig, wie der Schauspieler hinter
der Blendewand. Nach den theilweise erzählten Vorgängen durfte ich
auf keine andere, als auf eine kalte Aufnahme rechnen. Nach der
Begrüßung setzte sich der junge Mann wieder auf den Strohteppich,
von Papier und Siebensachen umgeben, die alle kreuz und quer durch
einander lagen, wie ein Nest voll junger Kaninchen. Es wurde durch
einen schwarzen Sklaven mit Tabak und Kaffee aufgewartet. Mehr, als
dies interessirte mich die Ausstattung des Zimmers mit Hausgeräthen.
Fratzen aus Europa, z. B. Gipsfiguren, schämten sich vor reich
gestickten morgenländischen Gewändern. Um das christliche Europa noch
feierlicher herüberzubeschwören, stand an einem Orte der ans Kreuz
genagelte +Christus+. Der Sohn war nicht wenig bemüht, mit den Schätzen
des Hauses die Bewunderung des Zuschauers zu erwecken. Es wurde
angeblich ein Gegengift in Form eines Steines, das Horn einer Schlange,
Alterthümer, ein massiver Klumpen Silber u. s. f. vorgewiesen. Ich
wurde dabei, zu meinem Leidwesen, nicht im mindesten gerührt.
Dem gutmüthigen und gesprächigen Konsul, der schon eine hohe Stufe des
Alters erklommen hat, horchte ich mit gespannter Aufmerksamkeit zu.
Freilich sichern nicht gerade die Jahre, nicht die Silberlocken (die
im Morgenlande dem Barbier und Turban gehören), nicht der höhere Rang,
nicht die größere Macht als Familienhaupt dem Greise Aufmerksamkeit
und Liebe, Ehrfurcht und Vertrauen, sondern die reichern und reifern
Kenntnisse und Erfahrungen, die weisen Sprüche und Warnungen,
ja die lebendige Geschichte eines Menschenalters, die er auf der
Zunge herumträgt. +Damiani+ erzählte eine breite Historia von
einem Mylord, und als ich gelegentlich die Bemerkung einwob, daß im
Abendlande Manche nicht rauchen, daß hier dagegen das Rauchen den
Hauptgenuß verschaffe, so erwiederte er: In Jerusalem ist es wieder
anders; dort schnupfen sie mehr; schon kleine Dingerchen (er deutete
die Höhe mit der Hand) fangen das Schnupfen an. Es war ein Wunder, daß
der Herr Sohn nicht immer in unser Gespräch einfiel. Sonst kann er sich
des Plauderns mitten hinein so wenig enthalten, als hin und wieder eine
mit seltenen Rednertalenten begabte Jungfer Köchin, wenn man mit dem
geistlichen Herrn ein paar Worte reden möchte.
Mein Besuch währte länger, als dem Konsularschutze angemessen war, und
wie ich mich vom Sitze erhob, im Begriffe, zur Thüre hinauszugehen,
duckte ich mich recht höflich, um nicht an der Wäsche anzustreifen, die
ich, den Spuren ihrer irdischen Vergänglichkeit zum Trotze, wegen der
Schönnähtereien bereits angestaunt hatte.
Ich besuchte schon früher den griechischen Konsul. +Der+ ist ganz nach
europäischem Geschmacke gekleidet, dazu sehr gewandt und gefällig. Die
abendländische Kleidung flößt dermalen hier zu Lande Achtung ein.
Der Konsul kredenzte mir Punsch. Ich lächelte über mein gutes Europa,
dem in manchen Dingen mehr Ehre widerfährt, als es verdient. +Echte+
Bildung ist dort keineswegs so heimisch, wie man gemeiniglich glaubt.
Bei Vielen beschränkt sie sich darauf, nach der Mode sich zu kleiden,
die Komplimente gehörig zu schneiden, die Formeln der Begrüßung und
Unterhaltung sich geläufig eingetrichtert zu haben, über Konzerte,
Theater und Dichter ein wenig zu plaudern, wo nicht französisch zu
sprechen, doch die Kinder oder Verwandten, das Möpschen, einige
Geräthschaften, Kleidungsstücke, Speisen oder Getränke französisch zu
nennen, wenn man nicht gerne einen Besuch annimmt, zu Hause zu sagen,
daß man nicht zu Hause sei, oder auf dem Gipfel der Gesundheit zu
erklären, daß man sich unwohl befinde, etwa zu einer Zither zu singen,
niedlich zu spielen und zu tanzen u. dgl. Ich bitt’ um Vergebung. Diese
~Toilette -- serviteur -- souffleur -- charade -- Jeannette -- nièce
-- joli -- secrétaire -- corsette -- côtelette -- liqueur -- excuse
-- guittare -- dames -- écossaise~ -- Bildung, wenigstens ein sehr
honnetes Wort, klingt doch allerlieblichst ins Ohr.
Auch die Russen haben einen Konsul, in der Person eines Griechen. An
den Festtagen wehen die Flaggen der verschiedenen Konsuln ganz zierlich
über Jaffa, und so stolz, als wären hier die Christen Meister. -- --
Ich fand die Festtage üb er an diesen Flaggen doch Freude.
Vorbereitung zur Abreise.
In Jaffa hatte ich zwei Stunden früher Tag, als die Leute in meiner
Heimath. Ich saß oft am hellen Morgen mit der Feder am Tische, indeß
sie im finstern Zimmer -- zweifelsohne schliefen. Ungeachtet dieses
heitern Glückes wollte ich nicht länger im alten Kanaan weilen; ich
sehnte mich immer heißer nach -- der Morgennacht meines Vaterlandes.
Es war nun meine Abreise gewiß. Man zimmerte, freilich erzlangsam, mehr
und mehr sturmbeschädigte Kähne zurecht, um die Befrachtung unseres
Schiffes zu fördern. O freudige Aussicht für mich, der ich länger denn
fünf Wochen auf günstige Witterung für die Abfahrt hoffte und harrte.
Wiewohl in Jaffa, Kaifa, Akre, Said und Beirut achtzehn Schiffe durch
den letzten Sturm losgerissen oder zerschmettert wurden, so bemächtigte
sich dennoch meiner nicht die mindeste Bedenklichkeit, dem Winde
und Wasser mich anzuvertrauen. Mein Hauptmann hatte ja sein Schiff
gerettet, und wie hätte ich zu ihm nicht Zuversicht fassen sollen. Auch
rechnet heiße Sehnsucht nicht mit dem Griffel der Aengstlichkeit.
Ohne Zahlung zu leisten, konnte und wollte ich billigerweise nicht
abreisen. Ich darf versichern, daß die Patres nichts weniger, als
unfreundlich wurden, so oft sich mein Geldbeutel öffnete. Ich hielt
für gerathener, kurze Zeit nach meiner Ankunft mich mit denselben zum
Voraus über Kost und Wohnung förmlich einzuverstehen. Die Zahlung dafür
war, nach der Versicherung +Damianis+, ziemlich stark; ich habe indeß
keine Ursache zur Unzufriedenheit. Es mag aber vielleicht befremden,
daß noch Keiner mit größerer Strenge meine Goldstücke untersuchte und
erlas, als der Präsident (Pater Superior) +Martin+; fast alle von ihm
ausgeworfene Stücke brachte ich an, die einen vollzählig, die wenigen
mit sehr geringem Verlust. Mehr noch stutzte ich, als nach der Räumung
meiner Zelle, gleich vor der Abreise, der Superior mit dem langfädenen
Kohlenbarte sogleich spähend in dieselbe trat, vielleicht in Kraft des
von ihm unter dem 11. Jenner mir ausgestellten Zeugnisses, „daß ich
musterhaft gelebt habe.“ Ich erwähne solches nicht, um meinem Herzen
gegen Ordensleute, als solche, Luft zu machen. Ich liefere nachgerade
den schlagendsten Beweis dadurch, daß ich Alles nachtragen werde, was
ich von den Patres Rühmliches weiß. Ich setze dabei voraus, daß man
die Vorurtheile, welche die Spanier in ihrem Vaterlande einsaugen,
kenne, und daß man Niemanden ein gewisses Mißtrauen gegen die Franken
im Allgemeinen verübele, weil durchschnittlich lockere Abendländer vom
Schlage der Glücksritter in Syrien sich herumtummeln. Der Deutsche,
dessen ich oben gedachte, wurde weit schlimmer behandelt, als ich,
ob er gleich sich für einen guten Katholiken ausgab, und die Messe
alle Tage barfuß anhörte. Er bewohnte ein schlechtes Zimmer, welches
dem Winde und Regen nicht ganz zu wehren vermochte. Seine Bettdecke
war feucht und schmutzig. Es ist der Welt Brauch, die Leute so zu
empfangen, wie sie entgegenkommen. Auch reichte man ihm schlechtere
Nahrung, als mir. Diese Behandlung wirft zwar allerdings im Grunde
kein vortheilhaftes Licht auf die Patres; allein es erhellt daraus
doch +das+ Günstige, daß dieselben hier gar keinen Unterschied der
Glaubensbekenntnisse berücksichtigten. Ueberdies legte man mir seit dem
oben berührten Strauße nicht das geringste Hinderniß in den Weg. Als
ich mich, zum Zeichen, daß ich den Sonntag der Christen ehre, gegen
den Pater Superior äußerte, ich wolle während der Messe mich in die
Kirche begeben, erwiederte er: Thun Sie, was Sie wollen. Mit dem Frater
+Emanuel+ lustwandelte ich nach jenem Wortwechsel mehr, als einmal,
und half ihm für unsere Küche Spargeln suchen, die in der Umgegend
von Jaffa wild wachsen. Ich kann zum Ueberflusse beifügen, daß die
Ordensmänner sehr viel Zeit mit Beten hinbringen und, so viel ich
bemerkte, ein durchaus sittliches, eingezogenes Leben führen.
Den Reisepaß holte ich, ohne ihn unterschreiben zu lassen. Von
einem Konsulate, das mich nicht schützen konnte, wollte ich keine
Unterschrift.
Mit dem Schiffshauptmanne war die Uebereinkunft getroffen, daß ich die
Lebensmittel selbst mir anschaffen müsse. Ich kaufte einen Vorrath
von Aquavit, Kaffee, Zwieback, Reis, Zucker, Zitronen, Pomeranzen,
Fleisch, Hühnern und Durra, letzteren zur Fütterung dieser Hausthiere.
Schon aber im Hospiz aß ich wegen der schmalen Fastenbrocken oft vom
Zwieback. Weil der Hauptmann auf Einschiffung drang, so übertrug ich
den Ankauf von Hühnern einem fränkischen Knaben, welchen ich dazu mit
dem nöthigen Gelde versah. Er kehrte nicht wieder, und ich mußte selber
zu Markte gehen. Auf dem Rückwege erwischte ich den losen Jungen in
der lateinisch-maronitischen Schule; meine Piaster waren unter den
Aermeln verborgen. Fast zu oberst am Kai besitzt die Stadt das einzige
Schenkhaus, wo man Aquavit, Wein und kalte Speisen bekommen kann.
Nach Rhodos.
Griechische Stille; das Meer raset; Reiseerfahrungen; das herrliche
Zypern; der Taurus; der Spiegel meiner Reisegefährten; Wolken
von Weihrauch; der griechische Fasttag war für mich ein Fetttag;
der griechische Koch; im östlichen Hafen der Kolosser vor Anker
gegangen.
+Dinstags den 12. Jenner 1836.+
Abends beim Einbruche der Nacht kam der Hauptmann +Bagsino+ an Bord.
Die Schaluppe wurde schnell eingehoben, die Anker gelichtet, die Segel
ausgespannt -- Alles mit so wenig Kommandiren und Geräusche, daß der
italienische Lärm einen grellen Gegensatz zu dieser griechischen Stille
bildete. Heftig brauste der Nordwind.
+Den 13.+
Seit vor San Pietro di Nembo das Meer mit mir Schmollis machte, könnte
ich es dann und wann ordentlich liebherzen. Ich betrachtete die
rauschenden Wogen als lauter scherzende Kinder, welche nur daseien, um
den Griesgram des Alters zu verscheuchen. Die Natur meint es gar nicht
so böse, wie man oft ihr wildes Aeußeres mißdeutet. Uebrigens tobte in
der Nacht gewaltiger Sturm. Wäre man Rahm gewesen, man würde ohnfehlbar
bis morgen Butter geworden sein.
Allerdings muß man auch das Reisen lernen. Anfangs war ich gar
linkisch. Auf der Fahrt von Alexandrien nach Bulak verwahrte ich den
Reis so schlecht, daß dieser, vielleicht aus langer Weile, zu dem
darunter liegenden Holze hinabspazierte. Der Kaffee wußte aus dem
Papiere Auswege zu finden. Auf der Reise von Kairo nach El-Arysch
sorgte ich so nachlässig für den Zucker, daß ich ihn schaben mußte,
bevor er zum Gebrauche sich eignete. Der Rhum floß zur Hälfte weg, weil
ich die Flasche schlecht verstopft hatte. Durch Schaden gewitziget,
verwahrte ich nun einmal meine Lebensmittel mit besonderer Sorgfalt.
Ich mußte aber auch darüber wachen, daß nichts davon entwendet werde;
denn man weiß, daß sich in manchen Menschen die wunderliche Begierde
regt, mehr zu nehmen, als ihnen gehört. Ich stellte den Mundbedarf in
meine Nähe. Da langte einmal in der Nacht ein knöpfiger Arm in meinen
Brotkorb. Ich ergriff und erkannte ihn. Nur +ein+ Reisegefährte, ein
Maure, trug Aermel mit Knöpfen. Ich wurde gerade zur rechten Zeit
erinnert, wie ich mich gegen ihn verhalten müsse. Kaum aber war der
fremde Arm aus dem Brotkorbe entwichen, so wurde dieser von einer Welle
geneckt, weswegen ich ihn alles Ernstes in die Sicherheit flüchtete.
Das Meer hat mir +Ibrahim+, +Ali+, +Mansur+, +Mustafa+ und all’ die
Namen der Moslim verrauscht, die ich auf Gassen und Wegen so oft hörte.
Anders tönt es jetzt in meinen Ohren; im Schiffe gilt es dem +Mitri+
oder +Dimitri+ (~Demetrius~), +Kiriako+ (~Ciriacus~) u. s. f. Ach,
beurkundeten christliche Namen nur immer christlichen Sinn.
Mittags wurde mir eine Suppe mit rothem, lebendigem Gewürze vorgesetzt.
Auf der Reise ißt man, und man murmelt höchstens mit saurer Miene
einige für den Koch unvortheilhafte Bemerkungen.
+Den 14.+
Nie werde ich das herrliche Schauspiel vergessen. Wir lagen auf der
Höhe der Insel +Zypern+. Hoch streckte der beschneite H. Kreuzberg
(~monte di Santa Croce~, der Olymp der Alten) sein Haupt empor. Diese
schweizerische Gebirgswelt wühlte in mir beinahe das Heimweh herauf.
Den Tag über erfreute mich das beßte Befinden; bloß gestern fühlte ich
ein wenig Unbehagen im Kopfe wegen der stark bewegten See.
+Den 15.+
Ich sah einen Küstenstrich von Karamanien. Veränderlicher Wind und
Wetter trübten hin und wieder meine gute Laune.
+Den 16.+
Wir segelten einem Vorsprunge des Taurusgebirges, dem Kap Chelidonium,
nahe, und verloren die Küste von Kleinasien nie aus den Augen. Die
Fahrt ist von nun an mehr derjenigen auf einem Landsee zu vergleichen.
Schon sind wir von Jaffa gegen den Nordpol vier Grade vorgerückt, und
man konnte auch wirklich einige klimatische Verschiedenheit wahrnehmen.
+Sonntags den 17.+
Wir segelten vorüber an Castelori und andern Ortschaften von
Natolien. Vor dem nahen, hohen Gebirge der alten Lykier träumte ich
mich auf einige Stellen des Vierwaldstätter-Sees in der Schweiz, so
ähnlich war der Ausblick. Die Fahrt gewährt in der That recht viel
Unterhaltung. Die Umrisse der schweizerischen, wie dieser Berge sind
mit ausnehmender Kühnheit gezeichnet. Wir bewundern einen solchen Zug
auch an Kunstwerken, -- wie einen vorhängenden Fels, so den Thurm von
Pisa. Hingegen sind die Berge um Jerusalem träge Massen, Kegel oder
Halbkugeln, gleichsam nur gut zum Faulenzen für das Auge.
Ein frischer Wind jagte uns so muthig vorwärts, daß wir schon vor der
Mitte des Tages im pamphylischen Meere ein Korn, +Rhodos+, erblickten,
und bis zum Eintritte der Nacht steuerten wir diesem Eilande ziemlich
nahe. Ein Berg hatte eben einen Wolkenhut auf, als die Sonne unterging.
Ich halte nun einen Augenblick an, um meine Reisegesellschaft zu
zergliedern. Ein Engländer und ein Grieche, ein Maure und ein Jude, so
wie ein griechischer, schiffbrüchiger Hauptmann und seine Matrosen, das
waren meine Reisegefährten.
Der Engländer, ein Geistlicher, besaß einen edeln, gutmüthigen
Karakter. Ich schätzte mich glücklich, in Jaffa seine Bekanntschaft zu
machen, wo er bei dem englischen Konsul, einem Morgenländer, einkehrte,
allein die morgenländische Kräuter- und Hühnerküche nicht besonders
rühmte. Das Französische sprach er als guter Englishman. Wenn er in
der fremden Sprache redete, war mit ihm so schwer nachzukommen, als
mit einer schlechten Tänzerin. Ich erzähle von ihm zwei echt britische
Züge. Er wanderte durch die Wüste bis in die Nähe von El-Arysch. Jetzt
vernahm er, daß er der Quarantäne sich unterwerfen müsse. Alsbald
entschloß er sich zum Rückfluge nach Kairo, um über Alexandrien und
Beirut nach Jerusalem zu reisen. Ein paar Male des Morgens rief ich
den Geistlichen, wenn sich ein merkwürdiges Schauspiel darbot. Er
hatte die Artigkeit, zu antworten, und seine Nichttheilnahme damit
zu entschuldigen, daß es bei ihm Gesetz sei, in der Frühe so und so
lange zu lesen oder zu schreiben. Die Gottheit hat dem Menschen ein
bestimmt abgegrenztes Gebiet angewiesen, worüber er Herr und Meister
ist. Man frage indessen nicht nach der geographischen Länge und Breite
desselben; denn es erscheint sehr klein am Maßstabe. Es ist nun gut,
wenn der Mensch in diesem seinem Gebiete, d. h., sich gewisse Gesetze
vorschreibt; es ist aber nicht gut, wenn er solche in untergeordneten
Dingen mit eigensinniger Strenge vollstreckt und so zum Sklaven seiner
selbst hinabsinkt. Ich sah unsern Reisegenossen nicht sehr oft, weil er
in das Zimmer des Schiffsherrn und ich in den Schiffsraum eingemiethet
war. Letzteren Platz hatte ich einzig dem Pater Präsidenten des
lateinischen Hospizium in Jaffa zu danken, weil er sich mit einem
ungewöhnlichen Eifer in die Abschließung des Vertrages mischte, und
jene so sehr beschleunigte, daß es mir an Zeit gebrach, zu fragen, wo
ich wohl im Schiffe untergebracht würde. Doch, außer der Kehrseite,
wendete die Sache auch diesmal ihre Lichtseite zu. Ich lernte so dem
Schiffsraumleben auf den Puls fühlen. Hier liefere ich denn eine
flüchtige Zeichnung meiner Gefährten im Schiffsraume.
+Demetrius+, aus Chios (Scio) und Handelsmann, hatte eine schöne
Gesichtsbildung und sprach griechisch, arabisch und türkisch. Seine
Umgänglichkeit ließ mich wünschen, in einer seiner Sprachen meine
Gedanken mit ihm auszutauschen.
Der Maure aus Algier, ein Hadschi (Mekkapilger), mit einem gemeinen
Gesichtsausdrucke, einem langen Barte und einem Turban, ließ keinen
edlern Zug seiner überaus lockeren Seele durchblicken. Er plauderte zum
Arabischen das Wenige fränkisch, womit er zwischen +Demetrius+
und mir kümmerlich den Dolmetscher spielte. Während unserer Fahrt
von Jaffa nach Rhodos endete der mohammetanische Fastenmonat; allein
dieser Anhänger des Islam nahm es nicht sehr genau, und er aß manchmal
Kleinigkeiten bei Tage während der Fastenzeit. In Jaffa verletzten
auch andere Mohammetaner vor meinen Augen das Fastengebot. Der Hadschi
trank Wein und Branntewein. Dem Kleinhandel obliegend, kaufte er
in Jerusalem Rosenkränze, um sie in Konstantinopel zu verkaufen.
Es ist überhaupt bei den Morgenländern Sitte, die selbst von den
protestantischen Franken nachgeahmt wurde, mit einem Rosenkranze müßige
Stunden zu vertreiben, indem sie eine Perle nach der andern von ihrer
Stelle verschieben. Wenn die Leute des Niederganges bei ihren Besuchen
nicht selten kaum wissen, welche schickliche Haltung sie ihren Händen
geben sollen, um so weniger verlegen ist der Morgenländer, welcher
mit Bequemlichkeit auf dem Diwane hockt, und mit den Händen anständig
den Rosenkranz durchtändelt. Der Algierer hatte, als französischer
Unterthan, einen französischen Paß bei sich. Er schien die Franzosen zu
hassen. In Alexandrien besuchte er seinen alten Fürsten, den Dei.
Der Jude, ein Konstantinopler und Rentner, begleitete seine Frau nach
Jerusalem, um in der heiligen Gegend mit ihr die Tage des Lebens zu
beschließen. Sie starb ihm weg, und darum war er auf der Rückreise
nach Konstantinopel begriffen, um vielleicht für den schmerzlichen
Verlust der alten Geliebten bei einer jungen -- Trost zu schöpfen.
Viele Israeliten folgen bekanntlich einem religiösen Berufe, sich
in der alten Königsstadt anzusiedeln, wenn sie sich bis zu einem
gewissen Grade von ökonomischer Unabhängigkeit emporgearbeitet haben.
Der Mann war hochbetagt und grau. Ich gewahrte an ihm keine einzige
Untugend; nur war er schmutzig und voll Ungeziefer, das selbst seinen
ehrwürdigen Bart zu einem Parke für die komischen Jagden mit der
Brille -- auserkohr. Die schönen Gesichtszüge und das ganze Benehmen,
mit Vorbehalt einiger seltsamen Liebhabereien, gewannen dem Greise
Zuneigung und Vertrauen. Das Beten verstand er aus dem Fundamente.
Während des Gebetes konnte er sich die Kaffeeporzion zutheilen
und andere Arbeiten unter fast krampfhaften Zuckungen der Lippen
verrichten. Seine Augen strahlten hinauf zu Jehova demüthig aus den
Lumpen, in die er sich genistet hatte, und aus den, irgendwo mit einem
Tuchanschrote zugeschnürten Lumpensäcken, die ihn umschanzten. Das
+Schallah+ (wenn es Gott gefällt, so Gottes Wille) wiederholte er oft
und kräftig im Flusse der Rede. Von fröhlichem Gemüthe, stimmte unser
Konstantinopler bisweilen ein Lied oder gar die „~Cara Cascatella~“ an.
Und siehe, da tanzte er einmal mit seinen krummen, vor Alter unwilligen
Beinen, mit seinem gebogenen, steifen Rücken und mit seinen Eisschollen
am Kinne. Man hätte dabei herzlich lachen müssen, wenn man selbst von
keinem kleineren Unmuthe gebeugt gewesen wäre, als bei +Hans Sachs+ die
Bäurin wegen der saubern Wirthschaft ihres tölpischen Mannes:
Wie hast du kocht, daß dich Bock schändt,
Das Fleisch verschütt, das Kraut verbrennt,
Die Katzn erschlagn, das Kalb ertränkt.
Die Regungen der Freude sind verschieden und groß bei Jung und Alt.
Tanzte doch +David+ aus allen Kräften und jauchzend, als er die
Bundeslade holte.
Nachdem ich einige Zeit in Mitte der Mohammetaner gelebt hatte, war die
Gelegenheit mir recht erwünscht, die griechischen Christen in der Nähe
ein wenig kennen zu lernen. Morgends und Abends zog der Schiffsjunge
(Friandol) mit einem brennenden Weihrauchfasse von Mann zu Mann, und an
dem emporwirbelnden, angenehmen Rauche bekreuzte man sich gar vielmal
und schnell über einander, unter leisem und kurzem Gebete. Damit der
Weihrauch ja nicht verfehle, wehte man ihn mit der Hand gegen das
Gesicht. Der Koch war eine drollige Fettmasse auf Kosten Anderer, und
ein Muster von kleiner Spitzbüberei. Das Fleisch kochte er gleichsam zu
dürren Holzfasern aus, damit er die Brühe schlürfen könne. Glücklich
trat ein griechischer Fasttag ein, da mir doch eine natürliche Suppe
bereitet ward. Das erste Mal zwackte der Koch mir Reis. Beim zweiten
Male, als er ein größeres Quantum wollte, erklärte ich ihm, ich kenne
das Reiskochen zu gut, als daß er mehr benöthige. Wie er dann einsah,
daß er mich nicht belugsen könne, meinte er: Etwas für die Herren in
dem Zimmer des Hauptmanns. O nein, antwortete ich. Aber etwas für den
Koch. Da war es ausgeplappert. Sogar Pappenstiele, wie diese, welche
beinahe nicht die Tinte werth sind, können ins Innere des Menschen
zeigen.
+Montags den 18. Jenner.+
Erwacht, aufgestanden, und die Stadt +Rhodos+ schwebte im Schleier
der Morgendämmerung vor den Blicken. Mit Ungeduld wollte ich denselben
lüften; doch bald entschwand er von selbst, und deutlich erschienen
die Umrisse der Stadt. Auf eine niedrige Anhöhe gepflanzt, fiel sie
lieblich ins Auge. Neben dem freudigen Grün der Wiesen, welche die
Stadt halb umkränzen, streben die düsteren Festungsthürme empor. Wir
ließen die Quarantäneanstalt, ein schloßartiges Gebäude, rechter Hand,
und legten im östlichen Hafen an; ein Tannicht von Masten deutete auf
den westlichen.
Billig konnte ich nicht ans Land steigen -- ohne Ehrfurcht und
Dankbarkeit gegen die alten Hellenen, welche, der Ruhm des
Menschengeschlechtes, Denkmäler eines so nützlichen und edeln Daseins
aufrichteten; hier insbesondere pries ich die Kolosser.
Rhodos.
Lage, Himmel, Volkszahl.
Diese einst der Sonne geweihte Insel der Rosen, nach Kandia die größte
des griechischen Archipels und die berühmteste der Sporaden, erstreckt
sich von Nordwest nach Südost in die Länge, und erhebt den Atabyris
(Artamit) zum höchsten Berge. Die Fruchtbarkeit des Eilandes auf dem
glücklichen Erdstriche sucht Ihresgleichen. Der Himmel in Syrakus
und Rhodos, rühmte schon +Plinius+, wird nie so bewölkt, daß die
Sonne nicht an einer Stunde des Tages herabblicke. In die Sommerhitze
fächeln unermüdliche Winde angenehme Kühlung, und milde fließt der
Winter dahin. Der gegenwärtige aber war ein wenig strenger: selbst das
Wasser wurde von Eis überschossen, was freilich mit außerordentlicher
Seltenheit sich ereignet. Jedoch begrüßten mich auf einem Spaziergange
im Freien die Auen im schweizerischen Maiengewande. In Jaffa, wo zwar
die Blöker auch in der kältesten Zeit graseten, ward das Grün durch den
Frost ein wenig erschreckt und bleich. Hier, vier Grade weiter gegen
Norden, scheint es minder gelitten zu haben.
Die Bewohner des Eilandes theilen sich, wie der Sohn des
österreichischen Konsuls in Rhodos, des Herrn +Josef Anton Giulianich+,
mir bezeugte, in beiläufig 26,000 Griechen, 11,000 Türken und 2000
Juden. Gering sind an der Zahl die Lateiner, noch viel geringer die
Protestanten. Man darf gar nicht zweifeln, daß die Insel eine weit
größere Bevölkerung ertragen würde, wäre der Boden besser angebaut.
Sie wird von einem türkischen Pascha regiert. Griechen beklagen den
jetzigen als einen Wütherich.
Die Stadt Rhodos.
Kaum war ich angelandet, als ich einen Scioten traf, der mir in einem
Athem seine Schicksale, seine Leiden schilderte. Leidensgefährten
leihen einander gerne das Ohr. Er erzählte, daß er, den 5. Christmonat
des vergangenen Jahres von Beirut abgereist, wegen der entsetzlichen
Stürme erst vor acht Tagen hier anlangte. So schlimm diese Nachricht
an und für sich lautete, so sehr durfte ich nun froh sein, daß ich
über das böse Wetter in Jaffa verblieb. Ich war doch auf festem Boden
und unter trockenem Obdache, und, wenn man so sagen will, auch bei
trockenen Mönchen.
Rhodos sprach mich sogleich freundlich an. Ich brachte Gott meinen Dank
dar, daß ich den häßlichen Städten Palästinens entronnen war. Die Stadt
nebst den einen Büchsenschuß abliegenden, städtisch gebauten Dörfern
ist von nicht ganz unbedeutender Größe, und steht dem Umfange nach dem
schweizerischen St. Gallen nicht nach.
Die Häuser, mit meistens platten Dächern, sind ziemlich hoch, ihre
Mauern gerade, davon manche mit Kalk übertüncht. Die Vorderseite vieler
Wohnungen, gleich über den Pforten, schmücken die Wappen der alten
Johanniter. Man freut sich hier ordentlich wieder der Glasfenster,
von denen Wohnlichkeit entgegenglänzt. Die Kamine ragen als kleine
Thürmchen hinauf, die eine Pyramidenspitze und auf dieser etwas
Spießartiges tragen. Mehr, als neun runde, dünne Moscheethürme steigen
empor, und, Abends beleuchtet, goßen sie goldene Säulen über den
schwarzen Wasserspiegel des Hafens bis zum -- vergangenen Riesenbilde.
+Anmerkung.+ Bekanntlich soll als eines von den sieben Wundern
der alten Welt eine eherne Riesensäule des +Helios Phöbus+ am
Eingange des Hafens gestanden und als Leuchtthurm gedient haben.
Dieser Koloß, woher die Rhodier Kolosser genannt wurden, war
nach +Plinius+ siebenzig, nach Andern achtzig Ellen hoch; allein
sechsundfünfzig Jahre nach der Aufstellung des Riesen stürzte der
Stolz menschlicher Unternehmungen durch ein Erdbeben zusammen. So
baut der Mensch mit Zuversicht in die Gegenwart, damit die Nachwelt
staune, doch weniger über seine größten Werke, als vielmehr über
das Wunder, womit eine andere Hand, als die seinige die Zukunft
leitet. Noch die Trümmer wurden bewundert. Wenige vermochten den
Daumen des Riesenbildes mit den Armen zu umspannen. Die Trümmer
blieben bis zum Jahre 656 n. Chr., da sie an einen jüdischen
Handelsmann verkauft wurden, welcher damit neunhundert Kameele
belud.
Die Gassen sind enge und krumm. Ueber denselben wölbt sich an manchen
Stellen von einer Häuserreihe zur andern eine schmale Bogenbrücke, jene
zu verbinden, und so eher den Schaden der Erdbeben zu verhüten, die,
wie sie in den alten Zeiten, z. B. beim Sturze der Riesensäule, ihre
Stärke durch Verheerungen ankündigten, so bis auf den heutigen Tag von
den Rhodiern gefürchtet werden.
Der Kai ergötzte mich mit seinem feinen Straßenpflaster, das überhaupt
in der Stadt sehr schön ist, selbst mit seinen wohlgemeinten Zierereien
nicht überall in den Hauptstädten Europens Nebenbuhler findet. Es
drängt sich das schneidende Gegentheil auf: In Syrien die elendesten
Gassen, in Rhodos reine und zierliche. Die Pflaster sind wohl eine der
Hauptzierden und ein Ehrenpunkt bei den Rhodiern. Man betritt sogar
hübsch gepflasterte Landwege. Man hat Ursache, das Lob, das +Salomo
Schweigger+ vor drittehalb Jahrhunderten dem Pflaster spendete,
vollkommen zu bestätigen. Die Bassar sind schön, gewiß schöner, als
viele der unsrigen, aber nicht sehr belebt. In einigen Gassen frohlockt
als ein Siegeszeichen der Christenfeinde eine Gruppe sehr großer
Steinkugeln, die von den türkischen Erobern hereingeschleudert worden.
Die Stadt wird von einer mehrfachen Mauer und einem doppelten
Wallgraben umzingelt. An den sehr starken Thoren, wie an andern Theilen
des Festungswerkes, sind die Spuren der alten christlichen Machthaber,
der Johanniter-Ritter, noch nicht ausgelöscht. So erblickt man über den
Thoren Kreuze, welche den Verehrern des Halbmondes wenig Anstößiges
darzubieten schienen. Wie bald würden manche Christen Mond und Sterne
zerstören, sobald sie ein Mond- und Sternland unter ihre Botmäßigkeit
gebracht hätten. Ich sah über einem Thore, selbst in halb erhabener
Arbeit, das Bild eines Mannes, wenn ich nicht irre, des Apostels
+Paulus+. Ich verwunderte mich um so lebhafter darüber, als bekanntlich
sonst der Islam die Erzeugnisse der bildenden Künste nicht duldet.
In und bei der Stadt bewegen sich mehrere Windmühlen; eine neben einer
großen, in den Felsen geteuften uralten Zisterne.
Das Leichenfeld.
Rings um die Stadt von Meer zu Meer streicht der Leichenacker. Den
Leichen räumen die Mohammetaner ungemein viel Feld ein, weil sie
ungerne ein altes Grab ruhestörerisch aufzubrechen scheinen. Das
steppenartige Weichbild bewirkt daher wegen der vielen Steine einen
unangenehmen Eindruck. Es würde dieser allenfalls leidlich gemildert,
wenn die Grabsteine, wie die Gebäude, zu Rathe gehalten und vom
Zerfalle gerettet würden; allein deswillen ladet man keine Sorge sich
auf. Der eine Leichenstein steht gerade aufrecht und schön erhalten
mit einem wohlausgehauenen und hohen Turbane, der andere ist halb,
der dritte ganz umgestürzt, ein vierter zertrümmert, und zwischen
den in frommer Erinnerung an die Verstorbenen gesetzten Zeichen
lockt wucherndes Gras das Vieh zur Weidung daher. Soll in der wilden
Zerfallenheit der Grabmäler etwa das Sinnbild sich abspiegeln, daß eben
noch hinfälliger und vergänglicher die Hülle des Menschen sei, als
der fallende und zerbrechliche Stein? Eine solche Betrachtung dürfte
indessen über dem Gesichtskreise des gemeinen Muselmannes hinausliegen.
Auch die Kinder, mehr oder minder der Wiederhall der Erwachsenen,
beweisen, wie wenig man sich um die Leichensteine bekümmere. Zwei Buben
warfen nach einem Ziele, und dieses war ein Turban auf dem Grabe. Es
wäre schade, wenn die Menschen nicht stürben; sonst könnten die Rosse
nicht nach Lust in den Todtenkammern zu Alexandrien ein Freudenlied
wiehern, noch die Rhodier-Buben die Turbane der Gräber zur Zielscheibe
der Vergnügungen nehmen.
Im Uebrigen wird in Rhodos für die Stiftung von Grabmälern weit
mehr gethan, als in Jaffa, von dessen Leichenacker man das Auge am
liebsten wegwendet, weil es darin vergebens sich erbauen würde; in
Joppe sogar zerschneidet die Grabhügel ein Weg, als ein gepflasterter
da, wo Denksteine mit Füßen getreten werden. In Rhodos gibt es auch,
mitten im großen Leichenfelde, mehrere kleinere Leichenhöfe, in deren
Einfangsmauer an der Außenseite dreieckige Ziegelbröckchen eingesprengt
sind.
Das heilige Feld (~Campo Santo~) erhält das Andenken der einst für den
Schiffsbau im Dienste des Großherrn gestandenen Schweden.
Die Bewohner; das lateinische Hospiz; ein Knabenspiel; große Hähne.
Die Bewohner zeichnen sich durch Schönheit aus. Ich begegnete
auffallend hübschen Frauenzimmern. Die Griechinnen verschleierten sich
vor mir nicht; sie sollen sich jedoch vor dem Mohammetaner verhüllen.
Es mag ersprießlich sein, daß die Schwärmerei den Gesichtsschleier
befängt. Hinwieder sind die Türkinnen um kein Haar besser. Ich ging
durch eine Gasse, worin mohammetanische Weiber einen kleinen Kreis,
wie es schien, zu Disputirübungen bildeten; ein großer Knabe daneben
ergriff ängstlich und lärmend sogleich den Schleier eines Weibes, um
dessen Gesicht vor mir zu verbergen. Ich brach in Lachen aus, und
kehrte den närrischen Leuten den Rücken. In der höflichern Manier ist
der Rücken der abendländische Schleier des Gesichtes.
Nunmehr in dem Lande, wo der Sultan unmittelbarer herrscht,
durchmusterte ich mit Verwunderung die Kleidung des Militärs. Sieht man
einen Theil desselben, so glaubt man sich kaum mehr unter den Türken.
Auch gibt es, außer den Kriegsleuten, nicht wenig fränkisch gekleidete
Personen, und da ich in Syrien von den Weltneuigkeiten beinahe ganz
abgeschieden war, so lebte ich gleichsam neu auf, als ich wieder so
Manches erfuhr; denn Rhodos zählt immer eine beträchtliche Anzahl
Schiffe in seinen Häfen, weil es die Straße von Konstantinopel und
Smyrna nach Alexandrien und aufwärts nach der ganzen Küste bis hin zu
dem gegenüber Himmel und Meer trennenden Streifen Natoliens berührt,
und weil viele Schiffe vor der Insel sich mit frischem Mundvorrathe
versehen, letzteres um so gewisser, als die Lebensmittel in sehr
billigem Preise stehen. Ich bekam für zwei Kreuzer so viel Pomeranzen,
daß ich geflissentlich kleinere auslas, um sie in den Taschen bequem
tragen zu können. Eine kleine Maß (Ocke) vortrefflicher Wein kostet
sechs Kreuzer R. W. Leute, wie die Bewohner dieses Landes, die sich
besser ausfinden, wissen ihn noch um die Hälfte wohlfeiler zu kaufen.
Eine Ocke Honig kostet sechszig bis achtzig Para (12 bis 16 Kreuzer).
Nur das Brot ist theuer und schlecht; denn der Pascha, welcher sich
mit Alleinhandel befaßt, zog die Bäckereien an sich. Sollte man etwa
bedauern, daß nicht auch die höhern und edlern Güter des Menschen in
den Bereich des Handels, des Alleinhandels fallen? Gewaltige der Erde
fänden doch eine viel mächtigere Quelle zu Vermehrung ihrer Schätze,
und ohne Widerrede wäre es für einzelne Begüterte ein herrlicher
Gewinn, wenn sie auf dem Ruhepolster das, worüber sie noch nicht
verfügten, nämlich einen hellern Verstand und ein lautereres Gemüth,
durch Geld sich aneignen könnten.
Die Konsuln wohnen in einem griechischen Dorfe gegen West außerhalb der
Stadt. In demselben besitzen die Lateiner auch ein Hospiz, welches von
zwei Patres bedient wird. Die lateinische Gemeinde ist etwa 120 Seelen
stark. Der eine Pater, ein gar freundlicher und gefälliger Mann, zeigte
mir in der Kirche ein Frauenbild von gehauenem und gemaltem Marmor,
welches sehr alt sein soll. Der Pater erzählte: In einem Grundstücke
des Eilandes ward von einem Sklaven umgegraben. Da vernahm dieser eine
Stimme: „Laß mich gehen.“ Als er tiefer drang, stieß er auf etwas
Hartes, und siehe, es war ein Frauenbild, ein sehr wunderthätiges
(~molto miracolosa~).
Griechische Knaben belustigten sich, indem sie unter scherzenden
Bewegungen über den Weg sangen, und türkische --, indem sie spielten.
Diese übten sich in einem Spiele, welches einem in der Schweiz unter
verschiedenen Namen bekannten durchaus ähnelt. Ein Knabe stellt sich
vorne, der andere hinten. Der vordere setzt ein Pflöckchen vor eine
Grube, in welche er ein kleines Stäbchen steckt. Treibt er dieses nach
vornen und aufwärts, so fliegt das von ihm getroffene Pflöckchen gegen
den hintern Knaben. Wenn der letztere mit der Hand das noch fliegende
Pflöckchen erhaschen kann, so ist der vordere besiegt, und beide
wechseln ihre Rollen; wo nicht, so wirft der hintere nach der Grube.
Bleibt das Pflöckchen in einer gewissen Nähe von derselben liegen, so
ist es Gewinn; kommt es nicht nahe genug, so schlägt der vordere Knabe
mit einem Stäbchen darauf, damit es aufhüpfe, und damit er es sodann
im Fluge -- fortschlage. Fliegt das Pflöckchen jetzt nur so weit, daß
der hintere Knabe die Grube von jenem an erspringen kann, so ist er
verloren, sonst aber nicht. Gleichermaßen darf der vordere Knabe nur
bestimmte Male auf das Pflöckchen schlagen, um es flügge zu machen.
Schlägt er diese Male erfolglos, so ist er überwunden. Ich möchte den
Alterthumsforscher mit nichten tadeln, wenn er sogar Staub und Moder
ausbeutet; er darf aber auch mir nicht verargen, wenn ich in manchen
Kinderspielen nichts minder, als Kinderspiele für den Freund der alten
Welt erblicke. Ueberlieferungen von Munde zu Munde können sich so rein
bewahren, als Ueberbleibsel von Werken der Menschenhand.
Es würde der, im Vergleiche selbst mit palästinischen, auffallend
großen Hähne keine Erwähnung geschehen, wenn nicht schon die Alten die
großen und streithaften Hähne von Rhodos gepriesen hätten.
Der Abend im Schiffsraume.
Man führte mich in ein jüdisches Haus, wo ein ausnehmend guter Wein
ausgeschenkt werde. Ich kaufte einen großen Krug mit herrlichem rothen
Rhodier.
Der Rhodier-Wein, zu meinen Füßen gestellt, schwänkt mir den Zwieback.
Der Krug mahnt mich an die Weinkrüge, welche untreue Weiber oder
Mägde in irgend einen Winkel verbergen, um daraus gelegentlich Muth
zu Verblendung der Männer oder Meister zu schöpfen. Ich sitze auf
Wrack, einer niedrigen Windenscheibe, die mit einem großen Damenbrete
ausgemalt war. Unter mir breitet sich ein Strohteppich aus, neben mir
das Bett mit einer Pomeranze darauf, damit sie den Wein mir kühle,
-- dann meine Habseligkeiten, vor allen der Spender des Segens, der
Brotkorb. Gegenüber lagert der unsäuberliche Jude mit einem Graubarte,
der schmutzig auf die Brust herunterkräuselt. Nahe über ihm steht eine
Katze, deren Augen von der Begierde nach Beute glänzen. Würde der
lauernde Vierfüßer ein wenig abwärts gerückt sein, -- der Judenkopf
wäre das segelnde Schiff unter der ehernen Riesensäule der -- Katze
gewesen. Der Mann des Hebrons schläft fest und schnarcht, daß die
Nasenflügel zittern wie Espenlaub. Vielleicht hörte das hebräische
Schnarchen selbst der Maure, welcher, voll Freude über das eingetretene
mohammetanische Jubelfest (das große Beiram), in der Stadt sich gütlich
that, und einmal eine ganze Nacht im Kaffeehause zubrachte. So hängt
man gemeinhin an die Fasten ein Gegengewicht: Man enthält sich kürzer
oder länger, mehr oder minder der Speisen und Getränke, man sammelt die
Eßlust, und man leert nach der Hand um so leckerer größere Schüsseln
und Becher. Bloß drei Fuß über der Schiffsladung von Sesam hängt vom
Verdecke ein Laternchen herunter, welches die Höhle erleuchtet.
All’ diese Armseligkeiten betrachtend, bin ich doch zufrieden, und
nun blicke ich durch die Oeffnung des Verdeckes gen Himmel zu Gott
empor, dem ich mit gerührter Seele meinen Dank für die goldene Gabe der
Gesundheit darbringe. Sie war mehrmals auf der Neige, und ich lernte
sie schätzen, die mich von so manchem Joche befreite; unbesorgt genieße
ich jetzt die frische Luft der Nacht, die grünen Früchte des Südens und
seine glühenden Weine.
Spaziergang gegen Trianda.
Mich gelüstete, eine griechische Dorfschaft in einiger Entfernung von
der Stadt zu besehen. Ich erstieg zuerst den Hügel gleich über Rhodos;
der Weg durchstach einmal einen Felsen. Jener soll heute +Smiths+ Höhe
heißen, weil der englische Admiral +Sidney Smith+ auf demselben wohnte,
ehe seine Flotte nach Egypten absegelte. Auf der Höhe eröffnet sich die
köstliche Aussicht über die Stadt und einen Theil der Insel, auf andere
Eiländer und an die Küste des alten Karien. Von den schneebedeckten,
kühn in den blauen Aether tauchenden Ausläufern des Taurus schwang sich
mein Gedanke beinahe unwillkührlich in die Gegend des Bodensees; denn
das Meer, in engen Schranken zwischen Kleinasien und den Eiländern,
glich einem See. Ich ging sofort eine Strecke weit auf dem Scheitel
des Hügels, und lenkte dann rechts hinunter zum Meeresstrande, wo mir
mehrere Marktleute mit Eseln und Maulthieren begegneten; Kameele traf
ich nicht. Vor dem Siechenhause (~casa dei leprosi~) saßen einige
Menschen, die bettelnd ihre Hand schüsselförmig hervorstreckten;
eben ruhte auf ihren Gesichtern die erwärmende Sonne, von dem kalten
Nordwinde sich erholend. Eine starke Stunde im Westen von Rhodos liegt
eine sehr weitläufig gebaute Dorfschaft mit fest gemauerten Häusern,
die in Höfe eingesperrt sind. Eine Menge Oelbäume trägt dazu bei, daß
die Häuser noch mehr in der Verborgenheit erscheinen. Die alte Stadt
Rhodos soll in der bedeutenden Länge vom Vorgebirge Bovo, dem gleich
nördlich die neue Stadt Rhodos sich anschließt, die nach Trianda sich
ausgedehnt haben.
Die Männer auf dem Lande waren mit einem Turbane bedeckt. Die meisten
von denjenigen, welche an mir vorübergingen, hatten eine wilde,
unfreundliche Miene. Ein Mann, der viele Jahre auf der Insel verlebte,
versicherte mich, daß die rhodischen Griechen durchaus wackere Leute
seien, und daß man unter ihnen völlig sicher reise, bei Tag und Nacht,
über Berg und Thal. Nach dem Aeussern würde ich in der That ein
ungünstiges Urtheil gefällt haben. Damit nicht dem Irrthume der Fang
gelinge, soll Niemand verkündigen, daß er Fische gefangen habe, sobald
er die Schwere des Netzes in der Tiefe des trüben Wassers verspürt,
sondern erst dann, wenn er die Fische fühlt oder sieht.
Auf dem Rückwege, immer am Meere vorbei, hörte ich, seit ich Triest
verlassen habe, wieder zum ersten Male einen Brunnen plätschern, zum
ersten Male sah ich wieder den lautern Wasserstrahl mit den Perlen
scherzen. Man nennt die Insel sehr reich an Brunnquellen, welche auf
wohlthätige Weise in der wolkenlosen oder wolkenarmen Jahreszeit die
Stelle des Regens übernehmen, um, durch die Hand des berechnenden
Landmannes geleitet, das Feld zu berieseln und zu befruchten.
Nach Konstantinopel, Triest und heim.
Wir gingen am 20. Jenner schon unter Segel; allein ein heftiger
Gegenwind jagte uns gegen die nun öden Feuerschlünde zurück, die zu
Ehren des Beiram so laut gedonnert haben, er verbannte uns in den
Hafen von Rhodos. Ich benützte diesmal die Zeit, meinen Reisepaß bei
dem österreichischen Konsul, Herrn +Giulianich+, unterschreiben zu
lassen. Die Hausfrau ist eine Deutsche, und mit einem innigen Vergnügen
sprach ich wieder einmal mit deutscher Zunge. Die freundliche Aufnahme
im Schoße einer europäisch gebildeten Familie erquickte mich wie ein
Frühlingslüftchen.
Die Rückreise über Konstantinopel werde ich nicht ausführlich
schildern. Die Sehnsucht nach dem Abendlande, wirkliche Reisesattheit,
ungewöhnlich ungünstige Umstände machten mich nachlässiger im
Beobachten und im Aufzeichnen des Beobachteten, obschon ich mein
Tagebuch fortsetzte.
Am 24. Jenner steuerten wir endlich von Rhodos weg. Links erhoben
sich die Sporaden, rechts bald das Vorgebirge Krio (Knidus der Alten)
und linker Hand vorwärts die Insel +Kos+. Mit ehrfurchtsvollen
Erinnerungen heftete ich auf dieselbe meinen Blick; denn Kos ist
das Geburtsland von +Hippokrates+. An der Morgenseite spielte das
Halbgrün der Weiden bis an den Gipfel des Berges in der Sonne,
welche von Karien lieblich herüberleuchtete. Wie vor Jahrtausenden
kreiset noch die gleiche Sonne, noch umschweben das gleiche Land die
Lüfte, noch bespülen das gleiche die Fluthen des Meeres, ach, muß
es denn unabänderlicher Wille sein, daß der gleiche Sterbliche dort
nicht umherwandle, und lehre, wie Andere, gleich ihm, die Krone der
Unsterblichkeit verdienen? Der Theil der Morgenseite, welcher, gegen
Mitternacht, völlig in die Nähe trat, war unbewohnt. Als wir umbogen,
kam die Stadt +Kos+ zum Vorscheine, großartig in der Schminke der
Ferne. Die Thürme trugen sich schlank über den Moscheedom, und die
vielen weißen Landhäuser verliehen dem schönen Landschaftsbilde einen
besondern Reiz. Nahe der Stadt belebten die Küste mehrere Windmühlen,
auf welche das Schloß Putrun (das alte Halikarnaß) von Kleinasien
herabschaute. Eben trieb ein Kahn die Meerstraße querein, schief in
den Wind, gegen Kos. Ich beneidete die Leute in dem Fahrzeuge, in
das ich hätte hinüberhüpfen mögen, um in die gefeierte Stadt der
Aerzte zu wallfahrten; ich zürnte dem Winde, vor dem unsere Segel so
bereitwillig sich blähten, damit mein Auge an dem Lande der Koer um so
minder sich weiden könne. Es ist wohl verzeihlich, wenn ein Arzt, vor
der Insel Kos vom Strome seiner Gefühle hingerissen, die Fesseln der
Kürze in der Beschreibung ausnahmsweise abwirft.
Wir segelten vorüber an den Inseln Kalmino (Kalymna), Leros und
Pathmos, Samos und Ikaria (Nikarie) nach Tschesme, wo ich mich mit
dem Hauptmanne +Bagsîno+ über die Mitfahrt nach Konstantinopel
verständigte. Chios lag herrlich vor den Blicken und nahe; ringsum
Ionier-Land. In Tschesme wechselte ich ein freundlich Wort mit dem
wackern österreichischen Konsul. Ipsara, Metelino, (das alte Lesbos);
das sigrische Vorgebirge doublirt; Blitz und Donner begleitete den
Regen auf dem ägäischen Meere vor +Tenedos+ (Bogdscha), gegenüber
von Troas. Ich setzte meinen Fuß auf den Boden dieses Eilandes. Der
thrazische Chersonesus gewährte wieder den ersten Anblick Europens;
die Dardanellen (Hellespont), ihre Schlösser; die Flüsse Simois und
Rhodius; Abydos und Gallipolis; wir ankerten vor dem asiatischen
Dorfe Kamares, dem Lande der Mysier; dann schwamm unser Fahrzeug im
Marmarameere (Propontis) an der Marmarainsel (Prokonnesus) vorüber.
Donnerstags den 4. Hornung Morgens liefen wir beim Mondesscheine in
den Bospor und, vorbei an Skutari, mit Tagesanbruch in den Hafen von
+Konstantinopel+ (Stambul). +Einzig war das Schauspiel.+ In der großen
Kaiserstadt, welche meine nicht geringen Erwartungen sogar überbot,
weilte ich bis zum 17. Hornung. Auf dem Dampfschiffe reiste ich ab;
der Olympus thronte vor den Augen; es entzückte mich die Fahrt längs
des trojischen Feldes, vor dem Kap Baba (~promontorium Lectum~),
neben dem Ida, zwischen Lesbos und Äolien; und deutlich sah ich die
Stadt Metelino (Mitylene). Spät Abends den 18. Hornung erreichten wir
den Hafen von Smyrna (Ismir). Mich durchströmte die seltene Freude,
einen Landsmann, Herrn +Sturzenegger+ von Trogen, so wie früher
in Konstantinopel einen andern Schweizer-Bürger, Herrn +Morelli+,
Handelsmann aus Bern, zu treffen.
Am 23. Hornung reisete ich am Bord der Brigg Macacco, Kapitän
+Radonicich+, mit dem Sohne des österreichischen Konsuls in Rhodos
von Smyrna ab. Das Ankertau hielt uns später im Meerbusen, dessen
Hafen wir verlassen haben; wir fuhren durch die Seestraße von Chios;
zwischen den Inseln Tino (Tenos) und Mykone, zwischen Syra (Syros) und
Delos, zwischen Paros und Thermia (Cythnus), zwischen Serfo (Seriphus)
und Sifanto (Siphnus); ein Sturm zwang uns zurück gegen Hydrea vor
Argolis; vorwärts segelten wir dann gegen Cerigo -- rechts das Gebiet
der alten Spartaner, links die Cykladen -- und vorüber am Kap St.
Angelo (Vorgebirge Malea der alten Lakedemonier). Statt die Meerenge
nach der Bucht von Kolokythia (~Laconicus sinus~) zwischen Lakonien und
dem englischen Cerigo (Cythera) zu wählen, umsteuerten wir diese Insel;
dort das Kap Matapan (tänarische Vorgebirge) und das Mainagebirge
(Taygetus); die Küste von Messene (Navarin sehr deutlich); weiter
Zante, Cephalonia, Santa Maura, Antipaxos und Paxos; durch die Straße
der Insel Korfu und nahe der freundlichen Stadt gleichen Namens; zum
letzten Male erblickte ich einen Moscheethurm im Epirus; wegen eines
stürmischen Windes warfen wir die Anker aus im Hafen von Arcangelo der
Dalmazier.
Dinstags den 15. Merz langte ich mit einem Herzen voll Wonne zu Triest
an. Schon waren die Bäume auf dem Felde mit ihrem Blüthenstrauße
geschmückt. Der jugendliche Lenz erwies mir die Gefälligkeit, das
harte, +vierzigtägige+ Gefängniß im Theresienlazarethe wenigstens
einigermaßen zu lindern. Unbeschreibliche Freude athmete meine Brust,
als ich mit dem neubesiegelten Freibriefe am 23. April aus der
Quarantäneanstalt trat. Ich berührte einige Städte Oberitaliens, in
denen die indische Cholera wüthete; in Tirol, +von Meran bis Mals
ging ich zu Fuß+; am 1. und 2. Mai +fuhr ich über Schnee+, selbst am
3. noch im Schlitten, und am 4. schüttelte ich, im vollen Besitze der
Gesundheit, zu Hause die Hand der Meinigen.
Anleitung zu der Pilgerfahrt nach Jerusalem.
Es würden vielleicht mehr Abendländer nach Palästina pilgern, wenn
ihnen eine umfassende Anleitung zur Reise bekannt wäre. Ich will
trachten, dieselbe so zu geben, daß ich eine Antwort auf Fragen über
wesentliche Dinge nicht schuldig bleibe.
+Was für polizeiliche Schriften werden erfordert?+ Um in der Türkei, in
Syrien und Egypten zu reisen, bedarf man keines Passes der herrschenden
Landesbehörde. Ein +Reisepaß+ aus der Heimath genügt, sofern er von
der Gesandtschaft desjenigen Staates beglaubigt ist, durch den man zu
wandern vorhat. In der Türkei, in Syrien und Egypten wendet der Pilgrim
sich an den Konsul, unter dessen Schutz er sich stellen will.
+Wie versieht man sich am beßten in Beziehung auf die
Geldangelegenheiten?+ Außer dem Reisescheine ist denn freilich der Nerv
der Unternehmungen nöthig. Den Vorzug verdient ein Kreditschreiben
oder auch, an dessen Statt, mehrere Wechsel an Handelshäuser der
Hauptstädte, durch die man reiset. Es wäre aus einleuchtenden Gründen
unrathsam, viel Geld mitzuschleppen. Bis an den Ort, wo man sich
einschifft, weiß ein Jeder den Kurs des Geldes. Hier aber räth am
beßten das Handelshaus, an welches man addressirt ist. Zu meiner Zeit
kursirten in der Türkei, in Syrien und Egypten z. B. die levantischen
Thaler (~tallero~, österreichische Münze am Werthe von beiläufig 2
Gl. 24 Kr. R. W.). Auch Goldmünzen gehen, als: die österreichischen
und holländischen Dukaten, die venezianische Zechine. Das ist
zuverlässig. Für Syrien nehme man bares Geld mit sich wegen der wenig
häufigen Geldgeschäfte mit diesem Lande und wegen vorauszusehender
Unannehmlichkeiten oder Schwierigkeiten, welche ein an ein syrisches
Haus addressirtes Kreditschreiben oder Wechsel verursachen könnte.
Bezieht man in Alexandrien oder sonst wo egyptische Münze, so läuft sie
in Syrien; von Konstantinopel gehen dort wenigstens die Silbermünzen,
z. B. die Beschlik (Fünfpiasterstücke). Faßt man die Sache fest und
klar auf, so wird man nicht leicht in Geldverlegenheit gerathen. Ich,
für meinen Theil, wählte am liebsten Goldmünzen, und verwahrte sie in
einem Papiere so, daß sie weder bemerkt, noch bei einiger Vorsicht
verloren werden konnten, noch auch im mindesten mich belästigten.
+Mit welcher Sprache kommt man am beßten aus?+ Ich wiederhole, daß die
italienische schon seit Jahrhunderten die herrschende unter den Franken
im Morgenlande ist.
+Welches ist der kürzeste und beßte Weg nach Jerusalem und wieder nach
Hause zurück?+ Ich rathe, zuerst nach Marseille, Livorno oder Triest
zu reisen. Letzterer Hafen dürfte der beachtenswertheste sein, weil
die Gelegenheiten zur Abfahrt sich häufiger darbieten, wenigstens
öfter, als in demjenigen von Livorno[12]. In Triest kann man manchmal
schon am Tage der Ankunft auf einem Segelschiffe abreisen, und selten
muß man nur eine Woche lang auf ein solches warten. Der gerade Weg
führte allerdings nach Jaffa; allein hieher findet man, meines
Wissens, keine, nach Beirut selten eine Gelegenheit, welche übrigens
schon deswillen vorzüglicher wäre, weil man eine Quarantäne ersparen
würde. Von Beirut nach Jaffa und umgekehrt sind in der regenfreien
Zeit, nach Versicherung des Konsuls +Damiani+, die Gelegenheiten,
wenigstens auf arabischen Fahrzeugen, häufig. Sonst schiffe man sich
nach Alexandrien in Egypten ein. Es mag auch dem Umstande, daß man
meist nur auf Umwegen zum Ziele gelangt, der seltene Besuch Jerusalems
durch die Abendländer zugeschrieben werden. +Der römische Hof+, in
manchen andern Dingen doch wohl über das Maß eifrig, +thut nichts oder
wenig zu stärkerer Bevölkerung der Hospizien im verheißenen Lande
und zu Belebung der Wallfahrt nach dem wichtigsten Wallfahrtsorte+,
und sie könnte nur so leicht, zum mindesten alle Jahre einmal, auf
eigene Rechnung ein Dampfschiff nach Jaffa ausrüsten, nachdem die
Gläubigen vom Orte und von der Zeit der Abreise gehörig in Kenntniß
gesetzt worden wären. Oder warum sorgt in unserm unternehmenden
Zeitalter nicht eine Dampfschiffahrtsgesellschaft, wie diejenige in
Triest, +einmal+ für eine +direkte+ Fahrt nach Jaffa? Wie angenehm
müßte es für Manche sein, wenn sie, selbst in der Mitte Deutschlands,
voraussagen könnten: In drei Wochen werde ich die Ostern in Jerusalem
feiern. Von Alexandrien nach Jaffa legte ich den Seeweg zwar nicht
zurück; allein nach einem Gewährsmanne, +Failoni+, segeln täglich
arabische, zwar nicht reinliche, aber sichere Küstenfahrer dahin
ab. Ich glaube auf das Wort; ich denke bloß hinzu: +außer der
Regenzeit+, da der Himmel heller ist, und sollte noch ein heftiger
Wind die Sicherheit bedrohen, so ersteuert der Küstenfahrer bald das
Land. Als ich +Failonis+ Angabe las, wurmten in mir zuerst manche
Bedenklichkeiten; die Worte +arabisch+, +Barke+, +Meer+ waren mir
anstößig, und ich würde mich einem arabischen Seemanne mit Widerwillen
und Besorgniß anvertraut haben: seit ich aber den nachgibigen Araber,
die bedachtsame Küstenfahrt und die stillere, bessere Jahreszeit,
theilweise aus eigener Erfahrung, kenne, so wollte ich mit einem
arabischen Küstenfahrer unbedenklich reisen. -- Von Jaffa erreicht man
bald Jerusalem. Dann kehre man nach Jaffa zurück. Hier miethe man sich
an Bord eines griechischen, nach Konstantinopel laufenden Schiffes.
Von Stambul bis Wien wird das Boot vom Dampfe getrieben. Ich überlasse
nun einem Jeglichen selbst, den Weg nach Hause zu suchen. An der
türkisch-österreichischen Grenze währt die Quarantäne kürzere Zeit, als
in Triest; auch soll sie nicht so theuer sein. Von Alexandrien nach
Jaffa fährt man mit und ohne Dragoman, mit einem solchen schon darum
angenehmer und bequemer, weil ihm zugleich auch das Geschäft eines
Koches übertragen wird.
+Wann soll man die Reise antreten?+ Der Pilger will in Jerusalem ein
bedeutendes Fest feiern. An Ostern mögen bei 10,000 griechische
und armenische Pilgrime die Stadt besuchen, und wegen dieses Festes
warten Schiffe auf der Rhede von Jaffa, welche ihre Bestimmung nach
Konstantinopel haben. Darauf muß man durchaus das Augenmerk richten,
wenn man nicht gleichsam an Jaffa gefesselt sein will, wie +Andromeda+
an die Felsen. Im Hornung oder Merz in die See zu stechen, darf
Niemanden bangen. Vor Korfu schon koset ein blauer Himmel, und der
Merz und April Palästinas, noch mehr des Egyptenlandes gehören zu der
warmen, regenfreien Jahreszeit, in welcher die Küstenfahrt gewöhnlich
mit keinen, selten mit einigen Gefahren kämpft. Ich ertheile den Rath,
die Reise, wo möglich, so zu veranstalten, daß man inmitten des Monates
Hornung die Seefahrt beginnt.
+Wie lange dauert die Reise?+ Ich will nun die Dauer annähernd
berechnen, und lieber zu lang, als zu kurz.
Von Triest nach Alexandrien 20 Tage.
Aufenthalt in Alexandrien 3 „
Seefahrt von Alexandrien nach Jaffa 4 „
Quarantäne in Jaffa 19 „
Wanderung von Jaffa nach Jerusalem 2 „
Aufenthalt in Jerusalem, den Ausflug nach
Bethlehem inbegriffen 8 „
~Nb.~ Kürze oder Länge des Aufenthalts
würde hauptsächlich vom Erwarten
des Festes bestimmt.
Zurück nach Jaffa 1 „
~Nb.~ Die Rückreise, auf der man sich
nicht, wie auf der Hinreise nach
Jerusalem, in Arimathia aufhält, wird
deswegen einen Tag kürzer angegeben,
als letztere.
Abwarten eines Schiffes 4 „
Reise nach Konstantinopel 20 „
Aufenthalt in Konstantinopel 14 „
Wasserreise nach Wien mit Einschluß der
Quarantäne (kürzestens 30 Tage) 41 „
----------
Zusammen 136 Tage.
Man könnte bis Ende Brachmonates wieder zu Hause eintreffen, nach einer
Abwesenheit von etwa fünftehalb Monaten.
+Wie lebt man?+ Man kauft in Triest zwei Leintücher, eine Wollendecke,
eine Matratze und ein Kissen: die Schiffsbettung, deren man, wenn
auch nicht auf dem Dampfschiffe, doch auf der Küstenfahrt nach Joppe
und später bedarf. In jenem Schiffe kann man auf eine Beköstigung
zählen, wie in einem Gasthofe. Alexandrien besitzt Wirthshäuser nach
fränkischer Einrichtung. Hier versehe man sich für die Fahrt nach
Jaffa mit Nahrungsmitteln, z. B. mit gewöhnlichem Brote (Zwieback
ist für die kleine Reise kaum nöthig), das acht Tage gut bleibt, mit
frischem Fleische, mit Hühnern, mit Reis, Kartoffeln, Zucker, Kaffee,
mit Zitronen und einer Flasche Aquavit, und man schaue vor der Abfahrt
besonders nach, ob der Rais süßes Wasser in gehöriger Menge gefaßt
habe. Ohnehin wird man nicht vergessen, eine kleine Kaffeekanne von
Weißblech, eine eiserne Kasserole (zum Kochen des Fleisches u. dgl.)
mit einem schüsselförmigen, als Teller dienenden Deckel, so wie
Messer, Gabel und Löffel, einen Becher und Holzkohlen zu kaufen. Es
gibt Araber, die sich so gerne auf Andere stützen, daß man wohl thut,
selbst an Salz und Feuerzeug sich nicht mangeln zu lassen. Nimmt man
gleich von Hause aus etwas mit, um wenigstens den Zucker, Kaffee und
Reis gehörig aufzubewahren, so wird man es nicht bereuen. Für den
Mundbedarf schafft man sich zugleich einen Korb nach egyptischer
Art an[13]. Im jüdischen Lande spricht man bei den Bewohnern der
Klöster oder Hospizien zu. In Jaffa trifft man zweifelsohne einen
+griechischen+ Schiffshauptmann; seine Kost ist eher schlecht.
Beköstiget man sich selbst, so lebt man besser und freier, während
man zugleich um ein Bedeutendes wohlfeiler durchkommt. Man kaufe also
einen Vorrath an Lebensmitteln etwa auf zwanzig Tage, Zwieback aber
etwa auf dreißig Tage, auf längere Zeit ja nicht, da die Griechen
bei schlimmer Witterung gerne in einen Hafen steuern, wo man wieder
frischen Mundbedarf aufkaufen kann. Beim Abschlusse der Uebereinkunft
mit dem Schiffshauptmanne muß das Kochen und das hiezu nöthige Holz
wohl bedungen werden. Wenn man sich recht deutlich erklärt, so ist
vom griechischen Hauptmanne, welcher wenig zu schreiben pflegt, ein
schriftlicher Aufsatz nicht geradezu erforderlich. Meine Uebereinkunft
mit dem Hydrioten geschah mündlich; ich schrieb sie bloß in meine
Brieftasche, worauf ich sie noch dem griechischen Konsul anzeigte. Zu
Konstantinopel, nämlich in Galata und Pera, laden den Reisenden, neben
einem ~ospizio della Terra Santa~, fränkische Wirthshäuser ein. Auf
allen Dampfschiffen sorgt die Küche für ein üppiges Leben. Ich müßte
eine recht saure Mühe mir aufbürden, wenn ich, nach dem Beispiele der
abendländischen Reisehandbücher, angeben sollte, welches das beßte
Wirthshaus in Wien sei. Der Ankömmling aus dem Lande des Aufganges
kennt mehr Genügsamkeit.
+Wie viel kostet die Reise?+ Es wäre leicht, zu antworten, würden
nur die Preise zu verschiedenen Zeiten nicht schwanken. So waren
die Lebensmittel zu meiner Zeit in Jaffa mindestens um ein Drittel
kostspieliger, als vor der Besetzung Palästinas mit egyptischen
Truppen. Und davon abgesehen, läßt sich der Voranschlag der Kosten
nur beiläufig bestimmen. Wer gesonnen ist, den Reiseplan geradenweges
zu verfolgen, und nirgends sich längere Zeit aufzuhalten, wer weder
wissenschaftliche Forschungen anstellen, noch durch großen Aufwand
Aufsehen erregen will, immer und überall aber für die Gesundheit,
als eine unschätzbare Juwele, Sorge trägt, und in steter Rücksicht
auf dieselbe die verschiedenartigen Vergnügungen der Reise genießt:
der wird diese mit 600 Gl. R. W. bestreiten können. Es fiele nicht
schwer, in die Einzelnheiten einzugehen. Jeder, welcher die Reise zu
unternehmen Willens ist, wird übrigens leichter durch Erfahrung das
Nähere finden, als durch die Uebung des Gedächtnisses in Angaben aus
dem todten Munde eines Buches.
Schlußbetrachtungen.
Hier an meinem Ziele, wo ein weites Feld von Rückerinnerungen sich
schließt, kann ich nicht umhin, darüber Rechenschaft abzulegen, +wie+
ich die Reise in den gegenwärtigen Blättern erzählte.
Alles Wesentliche schrieb ich auf der Reise zwischen Triest und Afrika,
in Alexandrien und in Kairo, in El-Arysch und in Ramle, in Jerusalem
und in Jaffa, in Rhodos und Tschesme (auf dem Meere zwischen Ionien
und dem thrazischen Bospor, in Konstantinopel und in Smyrna, auf dem
Seewege nach Triest) und im Theresienlazarethe, am meisten jedoch in
Kairo, El-Arysch, Jaffa und Triest, und selten blieb ich in bedeutendem
Rückstande. Mit dieser Arbeit, ich gestehe es, raubte ich mir
manchen ruhigen Genuß; hingegen auch würzte ich damit, zu reichlicher
Vergeltung, viele Stunden, zumal von denjenigen, welche in den
Quarantäneanstalten vergingen. Im Garten bereitet man dem Rosenstrauche
ein Beetchen, und er treibt Blätter und Dornen; aber man pflanzt ihn
nicht wegen der Blätter und Dornen, sondern in der Hoffnung, daß mit
der Zeit noch duftende Blumen aufquellen, womit die Freude sich einen
Kranz winde.
Ich fühle wohl, daß ich hätte zwei Dinge thun können: erstens
das Geschichtliche einweben, und zweitens mit Auszügen neuerer
Reisebeschreibungen meine ergänzen. Ich wollte weder das Eine, noch das
Andere; das Eine nicht, weil auf der Reise zur Seltenheit eine kleine
Garbe geerntet wird, sondern weil jeder Unterrichtete die Hauptsache am
Schreibpulte ausbeuten kann; das Andere nicht, weil ich die Rolle eines
Plünderers verabscheue, und weil ich vermuthe, daß Manche ebenso gerne
einen Rundreisenden begleiten, als den Zusammenstoppeler und Erklärer
inmitten eines Bücherhaufens. Ich behaupte zwar nicht, daß ich die eben
bezeichnete Bahn aufs allerstrengste verfolgte, ohne ausnahmsweise in
einen Seitenweg abzuweichen, indem ich glaubte, wenigstens einige,
vielleicht nicht mit Gebühr gewürdigte Männer des sechszehnten
und siebenzehnten Jahrhundertes, wie sie mir gerade in meiner
literarischen Einsamkeit begegneten, in diesen Sprechsaal einladen zu
dürfen[14].
Als Lustreisender hätte ich denn auch nicht dem Schulzwange gehorchen
mögen, um ein Ebenmaß zu beobachten. Bald ernst, bald scherzhaft, jetzt
ausführlich und vielleicht gar gedehnt, dann kurz und abgebrochen,
-- so schrieb ich je nach meinen Lagen und Launen. Das Wanderbuch
ist ein Spiegel verschiedener Gemüthsstimmungen. Wie sollte ich nun
am Ende meiner Fahrten, etwa zu Gunsten untergeordneter Rücksichten,
das Tagebuch anders zuschneiden, damit das Bild meines Reiselebens
erbleiche? Es wäre ein wenig zu hart, wenn man stets nach den Geboten
der Schule leben müßte, wie der Karthäuser nach seiner Klosterregel.
Nicht die Städte der Welt sind das Ziel einer Reise, sondern die
Wahrheit. Mit Andern will ich in nichts wetteifern, als in dem
aufrichtigen Streben, der Wahrheit zu dienen. Das letzte Reiseziel
aber ist viel schwieriger zu erreichen, als Alexandrien und Kairo,
Jerusalem und Bethlehem. Man gibt wieder, was ein Eingeborener oder
ein schon längere Zeit im Morgenlande weilender Franke erzählte;
allein es hält nicht immer leicht, den rechten Mann zu finden. Man ist
das Werkzeug der öffentlichen Meinung unter den Franken; allein man
kann die Ansichten Einzelner mit derselben verwechseln. Man verfaßt
es in Schrift, was man selbst durch die Sinne wahrnahm; allein diese
werden gerne von Täuschungen getrübt. Mehrmals stellte ich mich vom
Schreibpulte aufmerksam auf die Gasse, auf daß ich dann wieder an jenem
die Feder sicherer handhabe. Um die körperlichen Eigenthümlichkeiten,
so wie die Tracht der Jerusalemer mit möglichster Genauigkeit zu
schildern, setzte ich mich im Bassar auf eine steinerne Bank, und
schrieb, von den Leuten ungestört, gleich nieder, was mein Auge
erspähte. Wenn ich auch nicht die leiseste Neigung hege, den Zweifel
deshalb mundtodt zu erklären, so brachte ich nun einmal, was ich
vermochte, treulich und ohne Gefährde.
Nützt meine Reisebeschreibung Niemanden, so nützte sie doch mir, mehr
aber noch die Reise selbst. Als Wanderer lernte ich Welt und Menschen
an einem größeren Maßstabe kennen.
Oft beschmollte ich unsern Schnee, und träumte mich mit Wonnegefühl
unter einen lindern, lachenden Himmel. Ich konnte im Egyptenlande
während des Wintermonats ahnen, welche Gluth die Sonne des Sommers
auf dasselbe aussprühe. Uebrigens frieren die Leute im Winter auch
an andern Orten, wie in dem gar sommerheißen Konstantinopel, obschon
kürzere Zeit, ohne daß sie durchgängig die bequemen Heizeinrichtungen
besitzen, die uns, den von Eis Umringten, jenen lieblichen künstlichen
Sommer in die Stube zaubern. Wahrlich, wir stehen nicht schlimmer.
Ich sah jenseit des Mittelmeeres fruchtbarere Gegenden, als in der
Schweiz und in Teutschland, als selbst in Frankreich und Italien.
Was frommt jedoch dem Bauer die Ergibigkeit der Fluren, wenn er die
Bodenerzeugnisse zusammt dem daran klebenden Schweiße dem Machthaber
unter die Füße legen muß? Ich sah aber auch viel unfruchtbarere
Gegenden, wie in der Nähe von Jerusalem, wo die Menschen Zähne haben
müßten, um die Steine zu zermalmen, einen Magen, um sie zu verdauen,
eine Werkstätte, um sie in Blut zu verwandeln, falls jene in +der+
Nacktheit ihnen viel nützlicher werden sollten. Wir stehen nicht
schlimmer mit unsern grünen Hochweiden, vor denen viele Berge Syriens
und Kleinasiens, Thraziens und des peloponnesischen Archipels ihre
Häupter ehrerbietig senken würden.
Ich traf tugendsame Menschen, aber auch den schlimmen, den feigen
Araber, den schlauen, den treulosen Griechen. Bei uns versüßen mein
Leben viel wackere Leute, die zugleich die Träger einer umfassenderen
Bildung und Weltaufklärung sind, nicht zu gedenken, daß ich durch die
Bande der Sprache, wie der Sitten, der Religion, wie des Vaterlandes
und, ich will noch beifügen, der Vorurtheile an sie geknüpft bin. Und
wer möchte vom Bande der Familie schweigen? Wir stehen einmal nicht
schlimmer.
Ich reisete durch gesunde Gegenden, so Jaffa und Gaza in der pestfreien
Zeit, aber auch durch solche, welche, außer der Pest, noch von andern
schrecklichen Geißeln der Menschheit geplagt werden. Bei uns fallen
wohl zahlreiche Opfer der langsam tödtenden Schwindsucht, aber seit
Menschenaltern nimmermehr jenem Ungeheuer. Wir stehen in der That nicht
schlimmer.
Nein, +wir stehen nicht schlimmer, aber besser+. Nichts trug zur
Aussöhnung mit den heimathlichen Verhältnissen williger bei, als meine
Reise und gerade diese mittlerweile gewonnene Wahrheit. Der Gedanke,
daß das Schicksal gegen uns mehr Milde erzeigt, als gegen die Einen,
hat jederzeit etwas Tröstliches, mag auch sonst ein herberes Schicksal
uns beugen, als Andere. Ich darf die volleste Zufriedenheit mit der
Entwerfung und Ausführung meines Reiseplanes ausdrücken.
Soll ich nun Andern die gleiche Reise, insonderheit die Pilgerfahrt
nach Jerusalem, wie ich sie angab, rathen? Wem die Wanderlust beinahe
im gebieterischen Tone zuspricht, und wem gleichzeitig es nicht an
Mitteln ermangelt, dieselbe zu befriedigen, der trete die Reise an mit
heiterer Entschlossenheit. Wenn er einerseits freilich einen Kelch voll
Bitterkeiten an die Lippen setzt, wenn er vielleicht der Gefahr sich in
die offenen Arme stürzt; so werden ihm andererseits der angenehmsten
Augenblicke manche vergönnt, und mit einem güldenen Schatze neuer
Kenntnisse und Erfahrungen wird er sich bereichern. Geht auch ein
kleiner Weltschatz verlustig, dieser wird von den Kleinoden, welche man
für Kopf und Herz sammelt, weit aufgewogen.
Ich bin kein Schwärmer. Ich möchte die Erneuerung der Kreuzzüge nach
dem jüdischen Lande nicht herbeiwünschen. Es taucht inzwischen aus
dem Meere der Weltereignisse die merkwürdige Erscheinung, daß die
meisten Gemüther der abendländischen Christen für Jerusalem in seiner
örtlichen Bedeutung gleichsam erstorben sind, und daß seit länger, denn
einem halben Jahrtausende kein zweiter +Petrus von Amiens+ sich erhob,
die Abendwelt für das gelobte Land zu entflammen. Der Mensch liebt
bisweilen die Hindernisse, um sich im Kampfe gegen sie zu messen. Je
zahlreicher dieselben aus dem Wege geräumt wurden, desto mehr lenkten
in der Folge die Abendländer ihre Aufmerksamkeit von Palästina ab.
Man möchte bereits beklagen, daß, nach Beseitigung aller Hindernisse,
nunmehr der Entschuldigung oder Beschönigung jede Ausflucht
abgeschnitten ist.
Immerhin glaube ich, daß die Pilgerfahrt nicht nutzlos wäre für einen
Schriftgelehrten. Derjenige, welcher daheim in seinem Stübchen sich an
einer Beschreibung von Jerusalem schier preßhaft zerarbeitet, indem
er staubbedeckte Schriften gleichsam hungerig durchwühlt, und mit
mühsam erborgten Stellen das magere Buch kaum genug ausspicken kann,
würde doch nicht übel thun, wenn er hinginge, die Brust in Jerusalem
zu durchlüften, und das Auge auf der Wache Zions im Buche der Natur zu
erfrischen.
Ich glaube nicht, daß die Pilgerfahrt nutzlos wäre für den Bibelfreund.
Sogar der beßte denkgläubige Christ kann die Bibel, zum wenigsten
ihren Einschlag örtlicher Beziehungen, weder mit der Klarheit und
Lebendigkeit der Vorstellungen, noch mit der Fülle und Tiefe der
Gefühle erfassen, wie der Pilgrim, welchem insbesondere das Lesen
der Urkunden einen Vollgenuß verheißen muß. Die unübertreffliche
Schilderung, wie jener fromme und treue Knecht zu +Rebekka+ kam, wie
die holdselige Jungfrau, mit ihrem Wassergefäße auf den Schultern,
heranschreitet, wie sie dem Ankömmlinge einen Trunk Wassers anbietet,
wie sie für seine Kameele aus dem Brunnen schöpft u. dgl. --,
solche Züge mögen Jedermann anmuthen; allein sie erregen wohl einen
ganz eigenthümlichen Eindruck im schauenden Pilger, welcher in der
seelenvollen Schilderung die heutigen Sitten des Morgenländers als eine
Verjüngung der alten bewundert.
Auch glaube ich nicht, daß die Pilgerfahrt nutzlos wäre für manche
Mühselige und Beladene, Leichtsinnige und Welttrunkene. In Gaza weht
gesunde, eine milde, die herrlichste Luft. Dort und in Jaffa fühlte ich
mich, so zu sagen, noch einmal so leicht auf der Brust. Beide Städte
befällt die Lungenschwindsucht als eine große Seltenheit. Man darf
ebenfalls von der Seereise Heil erwarten, bei gehöriger Behutsamkeit,
z. B. vor dem Zuge des Windes. +Nach der Rückkehr ins Vaterland
stand meine Gesundheit auf besserem Fuße, als vor dem Anbeginne
der Reise.+ Beleuchten wir jetzt die andere Seite. Unsere gnädigen
Frauen und Fräulein, so wie ihre ergebenen Herren und Jünkerlein
unternehmen im Laufe der günstigeren Jahreszeit glänzende Badereisen
zu Wiederherstellung der Gesundheit, viele aber aus Lust zu einem
üppigeren Leben, zu Liebe und Spiel, zu Tafel und Tanz, und mehrere von
den üppig lebenden, liebenden und spielenden, tafel- und tanzfreudigen
Kurgästen wallfahrten vielleicht später reumüthig und bußfertig
nach einem winzigen Gnadenorte; nur wollen sie diesen Glanz ihres
Ueberflusses an irdischen Gütern und diesen Schatten ihrer Hoffnung
auf himmlische Schätze nicht nach ihrem Gnadenorte aller Gnadenorte,
nach Golgatha, tragen. Sei es, daß die gewöhnlichen Wallfahrten des
Abendländers, selbst im Schoße der Kirche, die sie anordnet, einen
übeln Klang haben, es will die Pilgerreise in ein so entferntes Land,
wie diejenige nach Jerusalem, wenigstens zum Theile von einem ganz
andern Standpunkte aus beurtheilt werden. Große Luftveränderungen sind
ein kräftiger Balsam für verzärtelte oder siechende Geschlechter; große
Wanderungen sind ein starker Hebel der Kultur und Zivilisazion.
Verbesserungen im zweiten Bande.
S. 50 Z. 1 von oben lies +in der Tiefe zwischen Moriah+
+und Zion+; +jenseits+ am.
„ 64 „ 3 „ „ „ +wären+ für +waren+.
„ 80 „ 11 „ unten lösche das ; vor +weiter+.
„ 125 statt 152.
„ 156 Z. 4 von unten lies +heben+ für +haben+.
„ 159 „ 8 „ „ „ +heirathen+ für +heitathen+.
„ 161 „ 10 „ oben „ +schỏfe+ für +schṓfe+.
Nicht sinnstörende Druckfehler (z. B. 1, 19 Schemmel st. +Schemel+,
1, 103 Letze st. +Letzte+, 1, 123 faullenzt st. +faulenzt+, 1, 181
schlossen st. +schloßen+, 1, 211 pauckte st. +paukte+, 1, 303 Regen st.
+Regnen+, 2, 162 Montag st. +Montags+), insbesondere der Interpunkzion,
wenigstens im ersten Bande (z. B. S. 8, 26, 28), so wie auch die
Ungleichheit in der Rechtschreibung (z. B. +Kroazien+ neben +Kroatien+,
+lange Weile+ neben +Langeweile+, +Pfennige+ neben +Pfenninge+, +Bogen+
neben +Bögen+, +Reiß+ neben +Reis+) wolle der Leser selbst verbessern.
Inhalt des ersten Bandes.