September 1939 in Warschau zu geben, für die großen Züge und einige
Einzelheiten, die meinem Gedächtnis nicht mehr genau gegenwärtig
waren, stütze ich mich auf das Werk "Cywilna Obrona Warszawy we
wrzesniu 1939", Warszawa 1964, im wesentlichen auf die einleitende
Chronik von Wladyslaw Bartoszewski.
2) Ein tragischer Gefühlskonflikt hatte Dr. Hurtigs dorthin gebracht.
Sie waren im August auf Ferien in Frankreich; als Krieg
unvermeidlich schien, kehrten sie zurück. In Kattowitz angekommen,
fanden sie alle Freunde schon fort, und fuhren noch schnell nach
Warschau, und haben nicht überlebt.
3) siehe Cywilna Obrona S.107.
4) Der Schweizer Exporteur J. und Frau, Geschäftsfreund Zygmunt
Kriegers war auf der Rückkehr von einer Uhrenverkaufsreise nach
Russland in Warschau steckengeblieben, und sie wurden auch evakuiert,
ich besuchte sie vorher, wir wurden verhaftet und in heftigem Feuer
auf eine Polizeiwache geführt, aber bald freigelassen.
5) Meine Erinnerung war, daß auch ein zweiter jüdischer Vertreter,
der Bankier Rotwand, unter den Geiseln war, aber ich habe dafür keine
Belege gefunden.
6) Dazu bemerkt Chaim Kaplan in "Buch der Agonie" S.46 für den 1.
Oktober: "Die Deutschen bewahrten bei ihrem Einmarsch in die
Hauptstadt die Disziplin..", und weiter für den 3.Oktober, der
deutsche Oberbefehlshaber habe wissen lassen, "daß er den Juden keine
Schwierigkeiten zu bereiten wünsche". Aber das sei nur ein
politischer Schachzug, kommentiert Kaplan weiter, "in der
tagtäglichen Wirklichkeit werden die Juden diskriminiert".
7) Wie man weiß, ist v.Fritzsch vor der Kapitulation Warschaus
umgekommen, man weiß nicht, ob seine Anwesenheit dort wirklich die
Bedeutung hatte, die man ihr meinte zumessen zu können. Eine spätere
Version von deutscher Seite ist, daß er dort den Tod gesucht hat.
(siehe u.a. Gisevius a.a.O.Bd.I. S.459).
8) Erst in jüngster Zeit habe ich erfahren, daß der Schwedische
Botschafter sich damals um Hilfe für von den Nazis bedrohte
Flüchtlinge sehr verdient gemacht hat, auch schon bei der Evakuation
von Ausländern während der Belagerung.
9) Über diese "grüne Grenze" siehe auch Kaplan a.a.O S.82f. und S.91.
10) Siehe dazu: Walter Laquer / Richard Breitmann "Der Mann, der das
Schweigen brach", wonach der SS Funktionär Adolf Eichmann aus Berlin
im Oktober 1939 nach Kattowitz gekommen war, die Deportation der
Juden in das eigentliche Polen zu beaufsichtigen. Die Stadt sollte
von Juden geräumt, sie sollte "judenrein" werden. (S.71).
11) Es gab weiter Kommen und Gehen über die Zonengrenze, und ich
bekam noch mehrere Nachrichten von meiner Mutter, immer mit dem
absoluten Rat, nicht nach Lemberg zu kommen. Es gab dort auch
Bedrücktheit, Hunger und Ungewissheit.
12) Kaplan a.a.O S.66.
13) siehe Kaplan S.84/S. Es hieß damals, daß der Armeekorpshygieniker
Dr. Richter gegen diese massive Bevölkerungsbewegung wegen
Seuchengefahr Einspruch erhoben hatte.
14) Ausreise von neun jüdischen Familien nach Palästina ist auch
erwähnt in Kaplans Tagebuch in der Eintragung vom 25.11.1939 (s.90).
Ich weiß nicht, ob er von Angehörigen dieser Gruppe spricht.
15) Kaplan S,.92.
Anmerkungen zu "Kriegsflüchtling"
1) Er war ein Philosoph im laizistischent Flügel, ursprünglich mir
dem Liberalen Benedetto Croce eng verbunden, wurde dann aber
Mussolinis Kultusminister, nun aber nicht mehr aktiv politisch,
schien er eine ehrenvolle Stellung im italienischen Geistesleben
bezogen zu haben.
2) "Wspólnota Interesów" vorher zum Flickkonzern gehörig. Der sich
unter staatlicher Zwangsverwaltung weitgehend neu bildende
Verwaltungsstab unter Przedpelski wurde wichtigster Repräsentant des
polnischen Etatismus in Oberschlesien.
3) Winiewicz hatte bereits in Budapest 1940 eine polnische Zeitung
herausgegeben, für 1941 wird er als Presseattaché der Polnischen
Botschaft in der Türkei bezeichnet, von 1942 an "Senior Official,
Polish Ministry of Preparatory Work, Peace Conference". Ich wußte
damals nicht, daß er offizielle Funktionen hatte. Die Frage, die er
mir stellte, kam aber nicht von ungefähr. Trotz seiner Herkunft von
der äußersten polnischen Rechten, ist er aber schon 1945 "Councillor"
und 1946 Charge d'Affairs der polnischen Botschaft in London, also
schon der neuen Volksrepublik Polen, dann ihr Delegierter zur ersten
UNO Tagung, 1947, Botschafter in Washington und schließlich
Außenminister. War es der Drang nach Eroberung der Westgebiete, der
ihn auf eine, für seine politische Herkunft, so erstaunliche Laufbahn
gebracht hat? (Für seine Biography "World Biography").
4) Als ich später Roman Przedpelski fragte, was ihn bewog, mir zu
helfen, da er mich doch kaum kannte, erwähnte er meine Korrespondenz
für die Entwicklung von neuen Geschäften für Türkdal, die er in
Istanbul gesehen hatte. Ich hätte die energischsten Bemühungen dafür
gemacht, also wollte er mir helfen und hielt es für ein
verantwortbares Risiko.
5) Klaus Täubert "Die Welt des Franz Goldstein" in "Tribüne",
Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, Heft 98, 1986, beschreibt
Lebenslauf, Tätigkeit in Kattowitz, später Jerusalem, und den
Anziehungspunkt, den seine Bibliothek dort bildete.
6) Siehe "Handbuch der Deutschen Exilpresse", herausgegeben von
Liselotte Maas I S.86, II S.436.
7) Ich konnte seine Begeisterung nicht teilen, anscheinend nicht dazu
geboren, ein guter Zionist zu sein. Zwar kaum im stark
verbürgerlichten deutschen Judentum, aber bei Juden im Osten oder
New York hatte es wohl auch gewalttätiges Verbrechertum gegeben.
8) Max Pinn hat die Verwirklichung seiner Hoffnungen nicht mehr
erlebt, er fiel auf dem Weg nach Jerusalem einem arabischen Überfall
zum Opfer.
9) Rondavels sind runde Hütten kolonialen Stils, meist gebrannter Ton
oder Ziegelwerk mit Gras oder Strohdach, sie konnten ganz geräumig
und komfortabel sein.
10) Die Einwohnerzahl Nordrhodesiens, des heutigen Zambias, wird für
1942 auf etwa 1.380.000 geschätzt, wovon nur etwa 15.000 Europäer,
auf 288.000 Quadratmeilen. Die Südgrenze bildete der große Zambesi
Fluß, die einzige Eisenbahn durchquerte das Land von Süd nach Nord
über etwa 500 Meilen zur nördlichen Grenze mit dem damaligen
belgischen Kongo. Das Klima ist zwischen subtropisch und tropisch,
der "Copperbelt", wo ich später in Mufulira arbeitete, lag dicht an
der Grenze zum Kongo, mit seinem benachbarten Katanga Bergbaugebiet.
11) Zum Schicksal unter deutscher Okkupation siehe Charles Cruikshank
"The German Occupation of the Channel Islands" S.113 und Artikel im
"Observer" vom 12.Mai 1985 über die vier Jüdinnen, die von dort
deportiert wurden, mit Photographie auch meiner Schwester Marianne
Grünfeld.
12) Hierzu siehe Leonard Gross "The last Jews of Berlin" und die
Erinnerungen von Maria Gräfin von Maltzan "Schlage die Trommel und
fürchte Dich nicht" (Berlin 1986).
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--"A German of the Resistance. The last letters of Count Helmuth
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Walter Grünfeld.
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