»Ja, ja, ja. Ich habe dich verraten. Aber komm jetzt rasch, da du bereuen
kannst! Sie werden uns ziehen lassen! Wir müssen ihnen entkommen!«
Da beugte sich der Mörder zum Boden herab, wo seine von den Vätern ererbte
Streitaxt zu seinen Füßen lag. »Du Sohn eines Diebes,« sagte er, die Worte
hervorzischend. »Dir habe ich getraut. Dir bin ich gut gewesen.«
Aber als Tord sah, wie er sich nach der Axt bückte, da wußte er, daß es nun
sein Leben galt. Er riß seine eigne Axt aus dem Gürtel und schlug nach
Berg, ehe dieser sich noch aufrichten konnte. Die Schneide fuhr zischend
durch die Luft und drang in den herabgebeugten Kopf. Berg, der Riese, fiel
mit dem Kopfe nach vorn zu Boden, der ganze Körper taumelte nach. Blut und
Hirn spritzte heraus, die Axt fiel aus der Wunde. In dem struppigen Haar
sah Tord ein großes, rotes, klaffendes Loch nach einem Axthieb.
Jetzt stürzten die Bauern herein. Sie freuten sich und priesen die Tat.
»Jetzt steht deine Sache gut,« sagten sie zu Tord.
Tord sah auf seine Hände herab, als sähe er da die Fesseln, mit denen er
herangeschleift worden war, um den zu töten, den er liebte. Sie waren wie
die des Fenriswolfes, aus nichts geschmiedet. Aus den grünen Lichtern des
Schilfes, aus dem Spiel der Waldschatten, aus dem Gesang des Sturmes, aus
dem Rascheln des Laubes, aus dem Zauber der Träume waren sie gewoben. Und
er sagte laut: »Gott ist groß!«
Aber wieder verfiel er in seine frühern Gedanken. Er sank neben der Leiche
auf die Knie und legte seinen Arm unter den Kopf des Freundes.
»Tut ihm nichts zuleide,« sagte er. »Er bereut, er will zum Heiligen Grabe
pilgern. Er ist nicht tot, aber fesselt ihn nicht. Wir waren gerade bereit,
zu gehen, da fiel er. Der weiße Mönch wollte wohl nicht, daß er bereue,
aber Gott, der Gott der Gerechtigkeit, liebt die Reue.«
Er blieb neben der Leiche liegen, sprach mit ihr, weinte und flehte den
Toten an, aufzuwachen. Die Bauern bereiteten aus einigen Speeren eine
Bahre. Sie wollten die Leiche des Bauern herab auf seinen Hof tragen. Sie
hatten Ehrfurcht vor dem Toten und sprachen leise in seiner Nähe. Als sie
ihn auf die Bahre hoben, stand Tord auf, schüttelte die Haare aus dem
Gesicht und sprach mit einer Stimme, die vor Schluchzen zitterte:
»So saget denn Unn, die Berg, den Riesen, zum Mörder machte, daß er von
Tord, dem Fischer, dessen Vater ein Wrackplünderer und dessen Mutter eine
Hexe ist, erschlagen ward, weil er ihn lehrte, daß die Grundfeste dieser
Erde Gerechtigkeit heißt.«