Die alte Burg bei Löbnitz

Nahe bei Löbnitz über grünen Wiesen, wodurch sich das Flüßchen Barth

hinschlängelt, grünt ein kleiner Eichenwald mit einem durchrinnenden

Bächlein und den schönsten und dichtesten Haselbüschen, welche sich

fast jeden Herbst unter dem braunen Schmuck ihrer Früchte beugen. An

der Südseite des Wäldchens liegt eine Ziegelei, und am nördlichsten

Ende erhebt sich eine Burghöhe, deren Umwallung ringsum eine Senkung

umgibt, in welcher die elegischen und zauberischen Sträuche Kreuzdorn

und Hagedorn, Hollunder und Alf-Ranke, Nessel und Nachtschatten sich

festgesiedelt hatten und dem Andringer das Aufsteigen fast schwer

machten; auch hatten die Füchse sich den Wall und sein altes Gemäuer

zu ihren unterirdischen Wohnungen durchminiert. Dieser alten Burg

gegenüber erhob jenseits am rechten Ufer des Flusses unweit Wobbelkow

ein stattliches Hünengrab sein grünbemoostes Haupt, von dessen Gipfel

man die Stadt Barth mit ihren roten Dächern und in der Landschaft

umher ein halbes Dutzend Kirchtürme und ein halbes Hundert Höfe und

Dörfer überschauen konnte. Dieses Eichwäldchen ward nach den

Trümmern jener Burg gewöhnlich nur zur alten Burg genannt. Hier

hatte sich nun ein Abenteuer begeben, welches durch alle Münde und

Mäuler der Menschen die Runde machte: Eine junge, hübsche Dirne,

welche die Kühe des Zieglers im Busche hütete, war plötzlich

verschwunden oder entlaufen, und da geschah es, daß die Stimmen der

Sage sich wieder aufweckten, die oft verschollen ihre Zeit träumt und

schläft und dann mit doppelter Lebendigkeit wieder in die Ohren der

Menschen tönt. Und in folgender Weise war die Erzählung des Gärtners

Christian Benzin:

"Herr, sie sagen so was von der Dirne des Zieglers, die vor vierzehn

Tagen am hellen scheinenden Mittag verschwunden und nicht

wiedergekommen ist. Die Leute munkeln, und des alten Schweden

Sturbergs Jungen aus Wobbelkow, die einem Kalbe nachgelaufen, haben

es gesehen: Ein Matrose in bunter, rotgestreifter Jacke ist mit ihr

am Saum des Waldes spazierengegangen und hat einen Blumenstrauß in

der Hand gehabt, und sie glauben, der habe sie weggelockt und mit

sich auf sein Schiff genommen. O du Herr Jemine! Das Schiff, worauf

die Dirne fährt! Soviel ist wahr, den Buntjack werden die

Sturbergsjungen wohl spazieren gesehen haben, aber meiner Sir so weit,

als die dummen Leute sich einbilden, ist sie nicht unter Segel

gegangen. Ich weiß wohl, wo sie sitzt, und Jochen Eigen, den sie

immer den Edelmann schelten, weiß es wohl noch besser, aber der

schämt sich und sagt's nicht und verrät nichts von seinen

Hausheimlichkeiten, als wenn er mal ein wenig zu tief ins Glas

geguckt hat." Und bei diesen Worten machte der Gärtner Christian eine

gar absonderliche und verwunderliche Miene.

"Nun, Benzin, nur her mit Euren Geschichten! Jetzt, hoffe ich,

wird's einmal wohl ans Licht kommen, warum Ihr bei dem Namen alte

Burg immer so wunderliche Reden und Gebärden braucht. Hier muß es

irgendwo stecken, daß Ihr auf der Jagd nie in diesen Busch hinein

wollt und mit leichten, diebischen Katzentritten an seinem Rande

umherschleicht oder Euch in gehöriger Entfernung Eure Stelle anweisen

laßt. Darum habt ihr, als die schönen Mamsellen aus Barth jüngst

dahin Nüsse pflücken gingen und noch andere hübsche junge Frauen

mitgehen wollten, so wunderliche Gesichter geschnitten und sie in den

Löbnitzer Wald auf den Kamp zu laufen verlockt, wo man unter den

Pfriemenbüschen wohl Hasen und Füchse aufjagen, aber keine Nüsse

schütteln kann. Es muß was Besonderes mit diesem Busche sein. Und

nun heraus damit! Ich lasse Euch diesmal nicht los."

"Ja, Herr, dies ist Euch ein Busch! hier ließe sich viel erzählen,

und wer eine hübsche Frau und schöne Tochter hat, der lasse andere

Weiber in diesen Busch Nüsse pflücken gehen. Ich sage nur soviel:

wie manche hübsche Jungfer würde ihr Herzleid zu erzählen haben, wenn

sie sich nicht schämte! Ich erinnere mich noch, mein Vater hat mir's

erzählt,--es sind wohl ein paar Stiege Jahre her--da waren ein paar

schöne Jungfern aus Barth gekommen Nüsse zu pflücken, und sie sind

hier im Wäldchen verschwunden. Man hat die Verschwundenen tage- und

wochenlang gesucht, wie man Stecknadeln sucht, bei Sonnenlicht und

Laternenlicht, aber keine Spur von ihnen gefunden, kein Mensch hat

sie wiedergesehen. Mein Vater sagt, es sei große Wehklage und Trauer

um sie gewesen--denn es waren Kinder ehrsamer und reicher Leute--und

zuletzt in Kentz und Starkow und in allen Kirchen umher mit den

Glocken um sie geläutet, als hätte ein Wolf oder Bär sie gefressen.

Aber deren gibt's hier nicht; ich weiß wohl, wer der Wolf ist. Und

doch hat sich's wunderlich genug offenbart: sie waren nicht von

wilden Tieren aufgefressen, sondern nach acht bis zehn Jahren von

Vergessenheit und Verschollenheit sind sie mit einemmal noch ganz

frisch und blank wieder unter den Lebendigen aufgetreten und haben

sich nichts merken lassen. Aber die Leute haben doch eine Art Grauel

vor ihnen angewandelt und haben ihrer Jungferschaft nicht recht

getraut, und die armen hübschen Mädchen haben zuletzt als alte

Jungfern sterben müssen.

Und nun will ich erzählen, was Jochen Eigen mir erzählt hat, der

diese Geschichten am besten weiß; aber er wird sich hüten sie dem

Herrn zu erzählen. Und dann wird der Herr verstehen, warum ich

hübsche junge Frauen und Mädchen nicht so leichtfertig in den Wald

laufen lassen will, und warum ich neulich krank ward, als ich die

Nacht bei dem Fuchsbau am Burgwall, wo sie gegraben hatten,

Schildwache stehen und die jungen Füchse, wenn sie etwa heraus

wollten, zurücktreiben sollte.

Vor langen, langen Jahren war Jochen Eigens Urgroßvater*, ein

prächtiger, stolzer Edelmann, so prächtig und steinreich, daß er den

Zaum seines Pferdes mit Juwelen besetzte und in einem goldnen

Steigbügel saß. Dieser hatte im Lande Rügen und auch hier im

Pommerlande viele schöne Höfe, Wälder und Bauern, so viele, daß man

sie nicht zählen konnte--ein prächtiger, stolzer Mensch, der mit

sechsen vom Bock fuhr, einen Läufer vor sich herlaufen und seine

Pferde in langen Strängen springen ließ. Aber es war ein wilder,

verwegner Mensch, der nichts von Gottes Wort und Wegen wissen wollte,

ein toller Jäger und Reiter und ein greulicher Weiberjäger, der wie

der Falk auf die Tauben, auf die schönen Dirnen lauerte. Diesem

Eigen hat in jenen alten Zeiten auch Löbnitz und Diwitz und Wobbelkow

gehört, und hier bei Löbnitz hat er im Walde ein prächtiges

Burgschloß gehabt mit vielen Türmen und Fenstern, wo er manche schöne

Nacht durchschwärmt und durchtrunken und mit seinen lustigen Gesellen

bei Wein und Weibern bankettiert hat. Und dort auf dem hohen

Hünengrabe an dem andern Ufer, dort am Wege zwischen Redebas und

Wobbelkow, hat er sich ein prächtiges, aus eitel gehauenen demantenen

Steinen gebautes Lustschloß hingestellt. Da ist er oft hingaloppiert

und hat dort gesessen und mit einem Kieker auf die Landstraßen umher

ausgeschaut, ob seine wilden Lauscher und Räuber, die er ausgeschickt

hatte, schöne Weiber einzufangen, nicht irgendwo mit Beute

heransprengten. Diese armen Gefangenen haben sie dann bei

nächtlicher Weile, wo andere gute Christenleute schlafen, auf die

Burg im Walde geschleppt und dort versteckt, daß weder Hund noch Hahn

danach gekräht hat. So hat der böse Mensch sein wildes, verruchtes

Wesen viele lange Jahre getrieben, und Gott hat ihm manchen Tag die

Zügel schießen lassen. Das lag aber in seinem Blute, und Jochen, dem

der Edelmann lange vergangen sein sollte, dessen Großvater schon ein

armer Weber gewesen--der Herr glaubt nicht, was die alten Leute von

dem zu erzählen wissen, wie grausam der in seinen jungen Jahren auf

die hübschen Dirnen gejagt hat. Er will sich's nun nur nicht mehr

merken lassen, aber diese lüsternen Edelmannsnücken hat er noch genug

in sich. Endlich aber ist doch des alten wilden Jägers Tag gekommen,

es ist Krieg geworden, und Pest und Hunger und Moskowiterzeit und

Kalmückenzeit, ich weiß den Namen nicht recht, aber eine grausame

böse Zeit ist gekommen, und da ist jener Bösewicht auch von seinem

Jammer gefaßt worden: seine Schlösser und Häuser verbrannt, seine

Scheunen und Speicher ausgeleert, sein Vieh weggetrieben. Da hat er

sich zuletzt hier in die Burg bergen und verstecken und knapp leben

lernen müssen wie andere arme Leute. Da ist seine Rechnung bei dem

höchsten und obersten Rechenmeister übervoll gewesen, und er hat ihn

mit seinem Blitz geschlagen und sein prächtiges Sündenhaus angezündet,

und er und seine Weiber sind alle zu weißen Aschen verbrannt, und

von der ganzen Herrlichkeit, wo sonst Geigen und Trompeten klangen

und Tag und Nacht bankettiert ward, liegen noch kaum ein paar Steine

da, und nun sind die Füchse und Marder und Eulen die einzigen

Nachtmusikanten.

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* Die Eigen sind allerdings ein altes adliges Geschlecht in der Insel

Rügen gewesen, aber jetzt längst verloschen und verschollen. Möglich,

daß Jochen Eigen, welchen sie gern den Edelmann schalten, aus jenem

Geschlechte war. Ich habe weder Lust noch Veranlassung gehabt seinem

Ursprunge diplomatisch nachzuforschen. Bei diesen Geschichten dringt

sich übrigens wieder die bekannte Erfahrung auf, daß Bauern und

Dienstleute in Erinnerung mancher Unbill und Ungerechtigkeiten, die

ihnen von schlimmen Edelleuten widerfahren sind, indem sie der

freundlichen Herren darüber vergessen, eine Freude und Ergötzung

erleben, wenn sie sich märchenhaft erzählen, wie das Unglück oder gar

der Gottseibeiuns irgendeinem bösen verruchten Geschlechte das Garaus

gemacht habe.

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Der Herr weiß wohl die alte Eiche, die dicht an der Burg steht, ein

besonderes altes Gewächs, welchem der Blitz auch vor einigen Jahren

die eine Hälfte abgespaltet hat. Da spielt jetzt eine gar

wunderliche Musikantengesellschaft drauf. Wenn man nur achtgibt und

aufmerkt, daß auch kein Vögelchen im Walde schwirrt und zirpt, um den

Baum ist's nimmer still. Spatzen und Zeisige und Meisen flattern und

schreien da bei Tage in solcher Menge, daß man sein eigen Wort nicht

hören kann, und des Nachts--o herrje!--machen die Eulen und Krähen

und Raben ihren Gesang, daß einem die Haare zu Berge stehen. Sie

sagen auch, daß die Füchse dann aus ihren Löchern kommen und

mitheulen, und daß die Schlangen, deren unten am Bache so viele sind,

dann einen Ringeltanz halten; aber ich habe es nicht gesehen. Das

ist aber einmal wahr, daß man die Pferde, die in ihren Nüstern von

Gespenstern und anderm Teufelszeug eine Witterung haben, an dieser

Seite des Waldes selbst bei Tage kaum grasen sieht. Der Herr hat

auch wohl den schwarzen Storch gesehen, der nicht weit von der Burg

auf einer abgestumpften Buche horstet. Hier um Löbnitz, Redebas und

Divitz, wo die Barthwiesen und Bäche so viele Nattern, Schlangen und

Frösche ziehen, hat's der Störche auf allen Dächern und Scheunen die

Menge, aber nirgends sieht man einen schwarzen Storch als hier.

Zuweilen sollen Jahre sein, so er ganz ausbleibt, schon seit

Menschengedenken hat man davon gesprochen, aber er erscheint zu

seiner Zeit immer wieder. Dieser schwarze Storch ist hier der

Feldhauptmann des ganzen Vogelgefieders. Viele Leute sagen, er sei

der alte Edelmann selbst oder auch ein Sohn von ihm, den er mit einer

Mohrenprinzessin gezeugt haben soll, die er dem Sultan im Mohrenlande

abgekauft hatte. Denn Zauberer, Hexenmeister, Mohren und solches

wanschaffene Teufelsgesindel, das keinen ordentlichen Vater und

Mutter vorzeigen kann, wippsen hier des Nachts umher, und diese haben

die vielen Fußtritte ausgetreten, die zu dem Wall hinlaufen; denn die

Menschen hüten sich wohl, um dieses Revier Fußsteige zu machen.

Dieses Gesindel wohnt bis auf den heutigen Tag in unterirdischen

Sälen, die noch viele hundert Schuh tief unter den Füchsen liegen,

und mancher hat es deswegen tief unter dem Wall heraus oft so

wunderlich sausen und klingen gehört, mit ganz anderer Gewalt und

andern Tönen, als Füchse und Marder in ihren Löchern machen können.

Mit diesem schwarzen Storch ist es ein gar absonderliches Ding. Das

wissen alle Bauern und Hirten zu erzählen, er hat auf den Wiesen ein

dreimal größeres Jagdrevier als irgendeiner der bunten Störche, und

keiner von diesen kommt ihm in sein Verbiet; ja sie fliegen gleich

davon, als wenn sie den Teufel sähen, sobald sie ihn nur von fern

erblicken. Des Nachmittags gegen den Abend, wenn die Sonne ins Gold

zu gehen anfängt, sieht man ihn zwischen der Burg und dem Hünengrabe

immer hin und her fliegen, auch sitzt er dann oft auf diesem Hügel

und schaut gegen die Stadt Barth hinüber, woraus er in seinen Tagen

vielleicht manche hübsche Dirne verlockt hat. So muß er nun nach

Gottes Spruch und Urteil viele Jahrtausende in Vogelgestalt

herumfliegen--denn wer wird ihn zu erlösen kommen?--und statt seiner

früheren Leckerbissen mit der schlechten Speise der Frösche und

Schlangen, die jeder Mensch anspeit und ausspeit, vorlieb nehmen, und

in seinem schwarzen Rock zeigen, daß er ein Schelm und Bösewicht von

Natur ist. Aber es ist sonst doch noch etwas anderes dabei, und das

ist eben das Greuliche, der Matros in der bunten Jacke. Ich weiß

nicht, ob es ein Matros ist, in welcher Gestalt ihn viele wollen

gesehen haben, oder ein hübscher flinker Jägerbursch, aber die bunte

Jacke gehört einmal dazu. Und keiner versteht, wie dieser Buntjack

und der Schwarzrock, der Storch, zugleich da sein können, und was

diese Vermaskierung bedeutet, aber ein buntes Teufelsspiel ist es

sicherlich, und hat manche arme Seele um Ehre und Glück gebracht.

Denn wenn so ein glatter Geelschnabel und Grünling von einer hübschen

jungen Dirne oder ein anderes schönes Weibsbild hier im Walde Blumen

lesen oder Nüsse pflücken geht und ihre Gedanken nicht in acht nimmt,

daß sie nicht ganz auf Gottes Wegen bleiben--ich meine, wenn sie

etwas zu junges und zu Lustiges denkt oder mit verbotenen

Götzenbildern des Herzens spielt, wie unser Herr Pastor Scheer sagt,

auf der Stelle stellt sich der schöngestreifte Buntjack ein und macht

vor ihr seine Kratzfüße. Er macht sich gar leidig und freundlich

heran, reicht Blumensträußchen, erbietet sich als Diener die

Nußbeutel zu tragen, und spielt so mit tausend Blücklingen und

Heuchlingen und Schmeichlingen um die Weibsen herum, daß die armen

Begigelten und Behexten nicht wissen, wie ihnen geschieht, und nimmer

gewahr werden können, welch ein Hahnenfüßler er ist. Auch kommt er

wohl immer ganz wie von ungefähr als ein feiner, blöder Jüngling, als

ein hübscher, unschuldiger Knab', irgendein buntes Vöglein auf der

Hand tragend und sprechend: 'Sie sucht Blumen, schöne Jungfer, Sie

will Nüsse pflücken--o komm Sie mit mir! Ich weiß wo schönste Blumen

stehen, wo braune Nüsse in Menge hängen.' Und so lockt er sie fort,

und führt sie durch Blumen und Nüsse immer tiefer in den Wald, und

lockt sie endlich auf den Burgwall--'O da ist eine ganz prächtige

Aussicht, schöne Jungfer', ruft er, 'da kann Sie die schöne Welt mal

weit umher überschauen.' Da oben liegt aber ein kleiner roter runder

Stein wie zu einem Sitz zurechtgemacht mit einem immergrünen

Plätzchen daherum, da hat der Schelm Blumen und Nüsse hingestreut,

und wohl rosenrote Äpfel und Pflaumen, und heißt sie sich setzen und

sich des Blicks über die weite Landschaft freuen. Aber siehe! Wie

sie herantreten und den Stein berühren, tut sich das grüne Plätzchen

auf, und Buntjack und Jungfer und Nüsse und Blumen--alles sinkt

plötzlich tief in die Erde hinab, in die unterirdischen Säle, aus

welchen es oft so wunderlich herausklingt--und die armen versunkenen

Dirnen kommen nimmer wieder, oder einige kommen auch wohl nach Jahren

wieder an das Licht und unter die Menschen, aber sie schämen sich zu

sagen, wo sie so lange gewesen sind und was ihnen widerfahren ist. O

wie manche hübsche Jungfer, die mit dem lustigen Buntjack Blumen und

Nüsse pflücken ging, hat hier den Blumenkranz ihrer Unschuld verloren.

Ich sage soviel, meine Frau ließe ich für alle Schätze der Welt

nicht in diesen Busch gehen. Die Jungen, die des Nachts auf den

Wiesen die Pferde hüten, erzählen viel von dem Eulen- und

Krähengeschrei, aber zuweilen haben sie auch ein Wimmern und Winseln

wie tief aus der Erde heraus gehört, und dann haben sie den schwarzen

Storch gesehen sich in der Luft über dem Walde mit den Flügeln

wiegend und klatschend, als sei ihm das eine Freude. Aber ich weiß

nicht, ob man alles so glauben soll, aber gewiß böses Spiel ist

dahinter, wiewohl man glauben soll, daß Gott solches Spiel nicht

zuläßt bei denen, die mit den rechten Gedanken und mit frommen

Bibelsprüchen in der Brust versehen sind, und wenn sie sich auch

unter lauter Teufelsgesindel im düstersten Walde und in einsamster

Wüste verirrt hätten."

Kater Martinchen · 第 23 / 24 题