Bei dem Kirchdorfe Lancken unweit der Granitz wohnte ein Bauer namens
Matthes Pagels, ein sinniger, fleißiger Mann, der sehr einsam und
still lebte, und den die Leute für sehr reich hielten. Einige
munkelten auch, er sei ein Hexenmeister. Aber mancher wird für einen
Hexenmeister gehalten, der sein Geld durch die natürlichste Hexerei
erwirbt, daß er fleißig ist und gut aufpaßt. Dieser Pagels war aber
kein guter Mensch. Er bekam Streit mit einem seiner Nachbarn, weil
dieser ihn beschuldigte, er pflüge ihm an einer Seite den Acker ab.
Und der Bauer Pagels tat das wirklich; er fluchte und schwur aber,
das ganze Ackerstück gehöre ihm in seiner ganzen Breite, soweit er
gepflügt hatte, und noch zehn Schritte weiter bis zu der hohen Buche,
die oben an dem Rain stand; und das wollte er durch Eid und Schriften
beweisen. Und er hat es bewiesen durch Eid und Urkunden und ein
Papier vorgebracht, wodurch der Acker sein geworden ist. Die Leute
sagen aber, zwei von den kleinen Schwarzen, die ihm auch das Geld in
das Haus getragen, haben das falsche Papier geschmiedet und in der
großen höllischen Staatskanzlei des Teufels geschrieben und besiegelt.
Matthes Pagels aber hat schon bei seinem Leben die Strafe dafür
gehabt, daß er weder Kraft noch Ruhe hatte vor seinen kleinen
Geistern: jede Nacht um zwölf Uhr mußte er mit aller Gewalt aus dem
Bette und auf dem Ackerstück rundwandeln und auf die hohe Buche
klettern und dort zwei volle Glockenstunden aushalten und frieren.
Noch sieht man ihn zuweilen da als einen kleinen Mann im grauen Rocke
mit einer weißen Schlafmütze auf dem Kopfe; gewöhnlich sitzt er aber
wie eine schneeweiße Eule auf dem Baume, sobald die Mitternacht
vorbei ist, und schreit ganz jämmerlich. Und kein Mensch kommt dem
Baume gern zu nahe, und kein Pferd ist da auf dem Wege
vorbeizubringen, sondern sie schnauben und blasen und bäumen sich und
gehen auch mit dem besten Reiter durch und querfeldein. Als meine
selige Mutter, die in Lancken geboren war, noch ein Kind war, sangen
die Leute noch vom Matthes Pagels und seiner Buche:
Pagels mit de witte Mütz,
Wo koold un hoch is din Sitz!
Up de hoge Bök
Un up de kruse Eek
Un achter'm hollen Tuun;
Worüm kannst du nich ruhn?
Darüm kann ick nich rasten:
Dat Papier liggt im Kasten,
Un mine arme Seel
Brennt in de lichte Höll.