Nicht weit von der Aalbeck liegt ein kleiner Hof namens Granitz unter
der großen waldigen Uferforst, welche auch die Granitz genannt wird.
Auf diesem Höfchen lebte vor nicht langen Jahren ein Herr von Scheele.
Dieser war in seinen späteren Tagen in Trübsinn gesunken und sah
fast keinen Menschen mehr, da er früher ein sehr munterer und
geselliger Mann und ein gewaltiger Jäger gewesen war. Diese
Einsamkeit des alten Mannes, sagen die Leute, kam daher, daß ihm drei
schöne Töchter, die man die drei schönen Blonden hieß, und die hier
in des Waldes Einsamkeit unter Herden und Vögeln aufgewachsen waren,
mit einem Male alle drei in einer Nacht davongegangen waren und nie
wiedergekommen sind. Das hatte der alte Mann sich zu Gemüt gezogen
und sich von der Welt und ihren lustigen Freuden abgewendet. Er
hatte vielen Umgang mit den kleinen Schwarzen und war auch mancher
Nacht außer dem Hause, und kein Mensch wußte, wo er gewesen war; wenn
er aber um die Morgendämmerung heimkam, flüsterte er seiner
Haushälterin zu: "Pst! Pst! Ich habe heint an hoher Tafel
geschmaust." Dieser alte Herr von Scheele pflegte seinen Freunden zu
erzählen und bekräftigte es wohl mit einem tüchtigen husarischen und
weidmännischen Fluche, in den Granitzer Tannen um die Aalbeck und an
dem ganzen Ufer wimmele es von Unterirdischen. Auch hat er Leute,
die er dort herum spazieren führte, oft eine Menge kleiner Spuren
gezeigt, wie von den allerkleinsten Kindern, die da im Sande von
ihren Füßchen einen Abdruck hinterlassen hätten, und ihnen plötzlich
zugerufen: "Horch! Wie es da wieder wispert und flüstert!" Ein ander
Mal, als er mit guten Freunden längs dem Meeresstrand gegangen, ist
er wie in Bewunderung plötzlich still gestanden, hat auf das Meer
gezeigt und gerufen: "Da sind sie meiner Seele wieder in voller
Arbeit, und viele Tausende sind um ein paar versunkene Stückfässer
Wein beschäftigt, die sie ans Ufer wälzen. Was wird das die Nacht
ein lustiges Gelag werden!" Dann hat er ihnen erzählt, er könne sie
sehen bei Tage und bei Nacht, und ihm tun sie nichts, ja sie seien
seine besonderen Freunde, und einer habe sein Haus einmal von
Feuersgefahr errettet, da er ihn nach Mitternacht aus tiefem Schlafe
aufweckte und ihm einen Feuerbrand zeigte, der vom Herde gefallen und
schon anderes Holz und Stroh, das auf der Flur lag, anzünden wollte.
Man sehe beinahe alle Tage einige von ihnen am Ufer; bei hohen
Stürmen aber, wo das Meer sehr tobe, seien sie fast alle da und
lauern auf Bernstein und Schiffbrüche, und gewiß vergehe kein Schiff,
von welchem sie nicht den besten Teil der Ladung bergen und unter der
Erde in Sicherheit bringen. Und wie herrlich da unter den Sandbergen
bei ihnen zu wohnen sei, und welche kristallene Paläste sie haben,
davon habe auch kein Mensch eine Vorstellung, der nicht da gewesen
sei.
Dieser alte Mann galt sonst für einen guten und freundlichen Mann,
und kein Mensch hat ihm nachgesagt, daß er etwas tue, was einen Bund
mit bösen Geistern verrate. Aber der Umgang mit den kleinen
Schwarzen ist nicht immer so unschuldig. Davon gibt es auch eine
Geschichte.