III.

Ich fand in dieser Nacht dein Bette leer.

-- »Beim kranken Kinde hättest du gewacht.«

Ich hab' gelobt dir Liebe bis zum Tod;

Mein Herz, das starb in dieser Nacht.

Die Stunden, da das Kind allein verschmacht,

Hat sie bei einem fremden Mann verbracht.

Ich hab' gelobt ihr Liebe bis zum Tod;

Mein Herz, das starb in dieser Nacht.

Ein Särglein für mein Herz und für mein Kind.

Und in der Jasminlaub' ein glücklich Paar!

Als Gott, der liebe Herr, das Weib erschuf,

Ob er wohl auch bei Troste war?

Herr Graf, du hast mich lieb gehabt.

Herr Graf, du hast mich lieb gehabt,

Das arme Bauernkind,

Und dort, wo junge Dirnen auch

Von altem Adel sind.

Ich war dein lieber süßer Schatz,

Und du mein trauter Franz,

Jetzt trägst du deine goldne Kron'

Und ich den Dornenkranz.

Herr Graf, du hast mich lieb gehabt,

Wir hatten zwei ein Bett.

Wenn ich von deinen Hunden jetzt

Den Bretterkobel hätt'!

Du hast der Köche zwei und drei,

Der Kellermeister vier;

Wer reicht die harte Krume Brot,

Den Wassertrofen mir?

O Herr, du hast mich lieb gehabt,

Und unser Kind verschmacht,

Der Vater fährt ins hohe Schloß,

Die Mutter in den Schacht.

Wenn einst sich auf die Gräber tun,

Die Schlösser stürzen ein,

Dann wird, du stolzer Bräutigam,

Wohl unsre Hochzeit sein?

Neuer Sang mit altem Klang.

Ich weiß ein Lied zu singen

Von einer schönen Maid,

Die hat ein weißes Hemde

Und güldenes Geschmeid.

Das güldene Geschmeide,

Das tat mir nichts zuleide.

Das Hemde war so lind.

Ich such' am linden Hemde

Daß ich den Herzschlag find',

Dann stoß' ich in den Busen

Das Messer ihr geschwind.

Der harte Stahl tat klingen,

Das heiße Blut tat springen

Mir in das Angesicht.

Dann beicht' ich meine Sünden

Und gehe zum Gericht,

Um meinen Lohn zu finden

Auf hohem Blutgerüst.

Vom Leben will ich scheiden,

Statt Liebespein zu leiden

Ob einer falschen Maid.

Ein Streitgesang.

Die größte Schmach, die je mir werden kann,

Vermaledeit sei sie, tut der mir an,

Der von mir sagt, ich hätte keinen Feind.

So kläglich arm, zu haben keinen Feind!

Hat je gelebt so arm ein braver Mann?

Ich hasse keine Seele. Denn mir weiht

Den Erdensohn das allgemeine Leid.

Doch, alles Schlechte, Falsche, was da baut

An diesem Leid, ich hass' es tief und laut.

Um eitel Liebe buhl' ich nicht, ist sie

Durch fremden Schwächen huldigende List

Zu wohlfeil mir auf jedem Markt zu haben.

An heißem Haß der Schlechten mich zu laben

Ist meine Lust. Es müssen alle, alle

Die Schurken, Schleicher mich mit bittrer Galle,

Die Wichte mich mit giftigem Hohn begeifern,

Die Finsterlinge meiner fluchend eifern,

Die Knechte fliehen mich, die frevlen Herren,

Die hochmutswütigen, mir Krieg erklären.

Denn was ich will: die Menschheit neu

Verjüngt zu sehn, und sich getreu.

Dem Menschen nicht, dem Laster künd' ich Krieg,

Und sollt es selbst im eigenen Busen sein:

Der ewige Herr im Himmel, der ist mein.

Mein auch der Streit -- und sein der Sieg.

Wenn Gott mich fragt am Tage des Gerichts:

Wo sind sie, die dich lieben? -- sag' ich nichts.

Doch zeig' ich zum Ersatz ihm, die mich hassen.

Und bitt' ihn um die Prüfung des Gewichts.

Ich hoff', er wird es gelten lassen.

Gott und Volk gehört zusammen.

Eurer Flüche Blitzesstrahlen

Schlendre ich zurück auf euch,

Foder' Rechenschaft von allen,

Die gefährden Gottes Reich.

Pfaffen, die sich drängen zwischen

Gott und Menschheit, sie zu trennen,

Die hier fälschen und dort fischen,

Ihnen will ich Wahrheit nennen:

Gott und Volk gehört zusammen,

Heut und alle Tage, Amen.

Und auch jene Pharisäer,

Die mit ihrem flachen Wissen

Spielen sich auf große Seher

Und den Himmel wollen schließen,

Die dem Volke frech vernichten

Seinen Gott und seine Seele --

Weltgeschichte wird sie richten

Und es zeigen grausig helle:

Gott und Volk gehört zusammen,

Heut und alle Tage, Amen.

An die Naturalisten.

Geister dieser Zeit, wer soll verstehen

Euch nach menschlicher Vernunft Gesetzen?

Pessimistisch haßt ihr dieses Leben,

Will jedoch die Kunst ein schönres schaffen,

Hei, wie ihr sie geifernd gleich verlästert!

Das, was aus dem Leben ihr verwünscht,

Möchtet in der Kunst ihr wiederfinden,

Nur nichts Froheres, um Gotteswillen,

Nichts, was unsre Seele könnt erfreuen,

Denn die reine Freude soll verpönt sein;

Nichts, was Lieb' und Hoffnung könnte wecken

Zu der Menschheit. Und erst Ideale!

Ideale hat nur der Philister.

Sonst ist Kunst auf lichten Höhn geschritten,

Heiter reigend um die ernstre Schwester

Religion. Sonst hat sie in Erz und Marmor

Mit des Lieds erhabnen Weiheklängen

Unsere Helden zur Unsterblichkeit geleitet,

Unseren ungezognen Leidenschaften

Maßvoll edlere Gestalt gegeben,

Und im Spiel ein Gottesreich gestiftet,

Munter Schnippchen schlagend der Materie.

Und dies lichte Reich wollt ihr vernichten?

Just den göttlichsten der Sinne ihr verlöschen?

Phantasie! Wozu denn ward sie euch?

Wollt ihr schon verstümmeln euer Wesen:

Raubt das Aug', das Ohr, die Sprache euch,

Nicht jedoch die Kraft, die aus dem Staub uns hebt.

Frei nach allen Keimen soll entwickeln

Sich der kleine Mensch. Schildert, Realisten,

Genial den Kot, die feuchte Fäulnis,

Wühlt und schwelgt darin, Naturalisten,

Nach Belieben; auch nach dieser Seite

Muß ausleben sich die Menschheit.

Düngt den Baum, auf daß er wachse, grüne.

Warum ihn verspotten, wenn er blüht?

Menschenbaum braucht Erdreich nicht allein,

Auch Sonnenschein. Und ohne üppig Blühen

Keine Frucht. Die Jugend sei gepriesen

Mit ihrem heitern, hoffnungsfrischen Herzen! --

Gern sei euch der Würmer Reich gelassen,

Achtet, wie sie kriechen, bohren, pissen,

Schildert, bitten wir, nur recht dramatisch

Und genau, man will ja alles wissen.

Uns doch sei gegönnt, als Schmetterlinge

Hoch die sonnigen Blüten zu umgaukeln,

Dieses Sein mit Phantasie zu schmücken,

Und mit freier Seel' die Totengräber,

Die aus Knochen Kunstgebilde machen,

Manchesmal ein wenig auszulachen.

Leute gibt es allerlei.

Leute gibt es allerlei

Auf der weiten Gotteswelt.

Wem die Sache nicht gefällt,

Wer da ausmarschiert, um jeden,

So nicht sein ist, zu befehden,

Der wird nimmermehr auf Erden

Mit der Fehde fertig werden.

Juden, Slaven, Atheisten,

Welsche, Philosophen, Christen,

Japanesen, Deutsche, Heiden,

Und wie noch die Massen scheiden,

Kasten, Sekten, Nationen,

Die in Gottes Licht sich sonnen,

Alles rollet hin und her,

Wie der Wellenschwall im Meer.

Wie die Wässer und die Winde,

Stürmisch hier, und da gelinde,

Ewig um den Erdball kreisen,

So in den Naturgeleisen

Wogt die Menschheit hin und wieder;

Schranken, die du heute aufstellst,

Brechen morgen krachend nieder.

Güter, die durch Krieg errungen,

Frieden, so durch Krieg erzwungen,

Reifen neuerdings die Saaten

Aus zu neuen Schreckenstaten.

Nicht einander jagen, schlagen,

Sondern mit Geduld ertragen

Nach dem Rate der Natur,

Ist das Omega und Alpha

Aller Bildung und Kultur.

Wer da ausmarschiert, um jeden

Fremdgesinnten zu befehden,

Der wird nimmermehr auf Erden

Mit der Fehde fertig werden.

Wär' der letzte Feind zertreten,

Müßte er sich selber töten

Als den Rest in dem Planeten.

Der Schwindel an das Publikum.

Von allen Rädern unserer Zeit,

In Werkstatt und auf Eisenbahn,

Steht als Regiererin der Welt

Das Glücksrad obenan.

Das braucht man nicht zu treten erst

Das dreht sich selber um,

Ich kann es dir empfehlen sehr,

Verehrtes Publikum.

Pack an, pack an, ist morgen leicht

Die halbe Welt schon dein,

Und bist du klug, mein guter Freund,

Wird's bald die ganze sein.

Ei, komm doch, ich verspreche dir

Die stolzesten Paläste,

Mit Viergespann, Lakaien d'ran,

Und königliche Feste.

Der Bacchus wird als Portier

Die Gäste nicht verscheuchen,

Die Venus macht im Haus Honneurs,

Ist huldvoll ohnegleichen.

Mit Aktien und Lotterie

Mußt du dein Glück beginnen;

Verdienen ist philisterhaft,

Doch vornehm ist gewinnen.

Da ruht man auf dem Sofa aus

Und schmaucht die feinsten Zigarren,

Und läßt für sich den »Pöbel«, traun,

Hübsch arbeiten und sparen.

Ei, was Gewissen, Ideal!

Das Leben ist ein Spielchen,

Und hochperzentige Wertcoupons

Sind unser höchstes Zielchen.

Was Arbeit, Narr, das Glücksrad her,

Das dreht sich selber um,

Ich kann es dir empfehlen sehr,

Verehrtes Publikum!

Der Besessene.

Mir graut, ich bin besessen,

Besessen von dem Gelde hier,

Mein Schaffen, selbst mein Sinnen,

Mein Träumen wird zu Gelde mir.

Was meine Hand berühret,

Wird märchenhaft zu Gelde mir,

Die Sehnsucht meines Herzens

Wird eingelöst mit Gelde mir.

Ich dürst' nach Lieb' und Freundschaft,

Nach Mut, nach Frohsinn, Ehr' und Ruhm,

Mein heißer Drang nach Tugend,

Er setzt sich schnöd in Gelde um,

Vor meiner Türe wimmern, ach,

Die Hungernden und Armen,

Und ich bin nicht imstande, ach,

Mich ihrer zu erbarmen.

O Brüder, liebe Brüder,

Wie teil' ich euch von Überfluß,

Da ich doch selber mitten

Im schnöden Gelde darben muß.

Das Geld als Segen Gottes,

Das habe nie besessen ich,

Doch bin von schlechtem Mammon

Seit Jahr und Tag besessen ich.

Und weil vor dem Verlieren

In Angst und Sorg' ich beben muß,

So hab' ich Not und Elend

Vom Geld, solang ich leben muß.

Und wenn ich's einst verlassen soll,

Wird doppelt hart das Sterben,

Und schmähen einen Geizhals mich

Die tief verhaßten Erben. --

O grauenhaftes Schicksal, du,

Den Mammon zu verfluchen,

Und ihn mit Hungers Hast und Gier

Doch immer müssen suchen.

Dem Armen das Verschmachten

Für seine Seele frommen muß,

Dieweil die meine jämmerlich

Im goldnen Bann verkommen muß.

O Gott, wie wird das enden noch,

Was soll mich Ärmsten laben,

Wenn ich den goldnen Becher leer

In lahmer Hand werd' haben!

Noch einmal möcht' für Göttliches

Auf Erden ich erwarmen.

Erlöse von den Banden mich,

Erbarmen, Herr, Erbarmen!

Der Reiche.

Ach, wir armen Reichen werden

Oft der Lästerzungen Beute!

Und wir sind, bei Licht betrachtet,

Doch die allerbesten Leute.

Was! ich nicht getreu der Pflicht?

Hab' geschworen, reich zu werden;

Schuft, der seinen Eidschwur bricht

Und verachtet Gott auf Erden!

Was! ich hätt' nicht Religion?

Gott ist auf die Welt gekommen,

Glaub' ich fromm, und hat im Gold

Irdisch Wesen angenommen.

Was! ich hielt' auf Ehre nicht?

Darum brauch' ich Geld in Haufen,

Daß ich, wo die Waare feil,

Auf dem Markt kann Ehre kaufen.

Also ist es lustig leben!

Meine Schäden zu verhüllen

Eilt der eine, und der andre

Meine Wünsche zu erfüllen.

Hei, wie ist's doch schön auf Erden!

Wo man alles kann erwerben. --

Einer nur läßt lang sich suchen,

Einer, der für mich will sterben.

Der Übermensch.

Da sitzt ein armer Sünder

Auf einer harten Bank,

Wie Rosen blühn die Wangen

Des Jünglings, stark und schlank.

Ein freies Leben führte

Der junge Nimmersatt,

Er tat zwar nichts aus Liebe,

Doch liebte er die Tat.

Er hat geraubt, gemordet,

Sonst Unheil viel getan,

Ein Berg von Missetaten

Begräbt den jungen Mann.

Ein Meer von heißen Tränen

Ist über ihn geflossen,

Und wo sein Fuß gewandelt,

Kann keine Blume sprossen.

Nun steht er vor den Richtern

In aller Ruhe da.

Man fragt: »Hast du's begangen?«

Er sagt gelassen: »Ja.«

Er weint nicht und er lacht nicht.

Und einer, der noch glaubt,

Fragt: Ob er nicht bereue?

Er schüttelt kühl das Haupt.

Man führt herein die Mutter,

Der er den Sohn erschlagen,

Sie stummt und starrt ins Leere,

Kann nimmer weinen, klagen.

Man führt herbei die Schwestern,

Die nach dem Bruder schrein;

Man trägt den zarten Säugling,

Den mutterlosen, herein.

Der Jüngling, kalten Auges

Blickt er die Opfer an,

Als fragte er: Was weiter?

Ihr seht, ich hab's getan.

Nur einmal strahlt sein Auge,

Das kalte Auge, licht,

Als die Gerichtsverhandlung

Der Abend unterbricht.

Wohlan, jetzt kommt das Süpplein

Und dann der gute Schlummer,

Er schläft die sieben Stunden,

Ohn allen Gram und Kummer.

Die Qualen unsrer Seele,

Dir sind sie nicht bewußt,

Beneidenswertes Untier

Mit deiner hohlen Brust.

Der Erde heiße Herzglut,

Sie kann dich nicht erreichen,

Des Lebens wilde Schmerzflut

Dich nimmermehr erweichen.

Das wilde G'jaid der Not,

Das um den Erdball hetzet,

An dem sich jedes Herz

Langsam zum Tod verletzet,

Du bist davor gefeit.

Das Stöhnen in der Brust

Des Nächsten ist dir, traun,

Ergötzlichkeit und Lust.

Dich bindet keine Sitte

Und keine Menschlichkeit.

Immun bist gegen Liebe,

Immun auch gegen Leid.

Dein Sittensprüchlein lautet:

's gibt weder Gut noch Schlecht.

Wer siegt, das ist der Herrscher,

Wer stark ist, der hat recht. --

Des andern Tags die Richter

Erörtern das Gesetz;

Dich langweilt »dieses öde

Und müßige Geschwätz«.

Von Gut und Böse jenseits

Bist du durch nichts beenget,

Kein Mitleid, kein Gewissen

Je dein Gemüt bedränget.

Die Macht war deine Gottheit. --

Nun hat sie sich gewandt,

Der Stärkre hat den Schwächern

Vor das Gericht gebannt.

Wirst du es auch nicht spüren,

Du eisenharter Mann,

Wenn sie an dir vollführen,

Was andern du getan?

Vielleicht kommt doch zum Vorschein

Bei dir ein bißchen Herz,

Wenn du dich hebst das erstemal

Im Leben -- himmelwärts.

Im Saale auf die Richter

Das Volk mit Bangen harrt.

Der Knab' schaut in die Runde

Und streicht den jungen Bart.

Es will ihn fast befremden,

Daß jetzt die Frauen weinen

Und bangen, als die Richter

Zum Urteilsspruch erscheinen.

Nun wird es dumpf und schwül

Als wie in einem Grab.

Der Richter hebt sich hoch --

Tritt vor -- und bricht den Stab.

»Zum Tod!« haucht es, »zum Tode!«

Dann alles stumpf und stumm. --

Der Mörder blickt mit Staunen:

»Zum Tode? -- Wen? -- Warum?

Zum Tode mich?!« er ruft's,

»Zum Tode durch das Strängen?

Der einzige starke Mensch

-- Und wollen ihn jetzt hängen!«

Die Dichter und die Leute.

Wir säen Samen,

Es wachst nix.

Wir schreiben Dramen,

Es wirkt nix.

Wir erzählen Geschichten,

Es tut nix.

Wir dichten Gedichten,

Es hilft nix.

Wir sprechen Sprüche,

Es nutzt nix.

Wir fluchen Flüche,

Es schad't nix.

Unterricht für moderne Poeten.

Dichter, wenn du für die Leute

Dichten willst, so sei gescheute,

Baue, sollst du etwas gelten,

Ihnen pappendeckne Welten,

Helden, die mit Spagatschnüren

Hübsch sind durch den Plan zu führen.

Dichte Gärten, wo die Grillen

Statt zu zirpen Flöten spielen.

Und zur schönen Augenweide

Dichte Rosen fein aus Seide,

Daß sie duften, Herr Verfasser,

Dichte Tau aus Kölnerwasser.

Mit Magie und Zauberstücken

Magst du ihren Kopf berücken.

Lorbeerkranz wird zwar nicht echt sein,

Doch aus Gold wird er dir recht sein. --

Eins nur, laß die Leute schauen

Nie in deines Herzens Auen.

Deines Gartens schönste Blüte,

Holde Rosen im Gemüte

Würden sie auf Graswert messen

Und mit plumpen Schnauzen fressen.

Des Sängers Verzweiflung.

Während eines blutigen Krieges.

Am erstbesten Eichbaum zerschlag' ich die Leier! --

Zerberste, zerschelle in schnöde Scherben,

Stöhne, schrille im Sterben zum letztenmal falschen Gesang! --

Da sangen die Saiten

Von grünender Erde! --

Rot muß sie sein, von Menschenblut rot sein!

Schießt und stecht und schlaget sie nieder

Die Menschen, die elenden, wo ihr sie findet!

Auf furchigen Feldern,

Bei goldenen Garben,

Heiteren Herzens im Schäferhaine;

In brausender Werkstatt voll regen Fleißes,

Auf rollenden Rädern,

Auf wogenden Wellen in Handel und Wandel;

Auch zwischen den Wänden der Schule, des Wissens,

Im Tempel der göttlichen Kunst, erglühend

Im Schönen und Wahren.

Wo ihr sie findet, trotzig sich freuend, die Menschen,

Schießt und stecht und schlaget sie nieder!

Was soll sie, die flackernde Flamme

Am häuslichen Herde?

Befreit sie und pflanzt die lebendigen Fahnen

Auf Türme und Dächer,

Auf prangende Zinnen stolzer Paläste!

Was lohet und leuchtet entfachet zu Lunten,

Gebilde der Menschen schmelzt ein in den Gluttopf.

Da sangen die Saiten

Von blauem Himmel voll Sonnen und Sterne!

Rot muß er sein, der herrliche Himmel muß rot sein!

Tauchet die Pinsel in brennende Städte

Malet mit lohen Gluten den Himmel;

Wölbet mit Wolken des wogenden Rauches

Den Flammenofen über der Erde,

Daß keine der sengenden Sonnen, der stechenden Sterne

Keiner uns trübe das Schauspiel!

Da sangen die Saiten

Von rosigem Antlitz der Jugend.

Sie sangen von Liebe im Herzen, von Lust in der Brust wohl,

Von trautester Treue, bis einstmals der Tod trennt. --

Fehde den lugvollen, trugvollen, gleißenden Saiten!

Im Herzen ist Haß.

In der Brust brausen Brände!

O reißt auseinander die liebeträumenden Leben.

Das Weib mag weinen und welken,

Der Mann muß erbleichen -- und brechen die Liebe.

Reißet den Sohn vom sehnenden Herzen der Mutter,

Einsam sollen sie sterben und starrenden Auges verwesen!

Haß dem Guten, dem göttlich Gerechten,

Haß dem Hohen und Holden!

Im Herzen ist Haß,

Entfachet zur flammenden Tat ihn:

Die Lebenden tötet, die Toten rächet,

Daß ewige Rache die Menschheit richte! --

Da sangen die Saiten

Von Leben und Liebe,

Von Friede und Freude,

Von wahrer, erhabener Menschenvollendung!

-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --

Am erstbesten Eichbaum zerschlag' ich die Leier!

Eine Stimme in der Wüste.

Es mußt' ein wildes Schlachten kommen,

Du, Welt, verträgst den Frieden nicht,

Du schreist nach ihm, und naht er schüchtern,

So schlägst du ihm ins Angesicht.

Ich sah noch keinen Tag erstehen,

Der nicht entfacht vom Reinen war,

Und keine Sonne sah ich sinken,

Die trüb nicht vom Gemeinen war.

O dummes, bettelhaftes Prahlen

Mit deines Fortschritts großen Siegen,

Wenn unter den brutalen Füßen

Zermalmt der Seele Schätze liegen.

Zermalmt ist mit den Götzenbildern

Auch Jovis hehre Lichtgestalt,

Und deine neuen Lichter leuchten,

So wie der Fäulnis Phosphor strahlt.

Du weißt so viel und bist nicht weise,

O sage, Welt, ob dir denn wohl ist

Bei deiner krausen Hochkultur, die

Außen bunt und innen hohl ist?

Den Hexentanz des Lebens tanzt

Die Kunst getreulich mit; die Taube

Entsank den reinen Himmelshöhen

Und flattert halbbetäubt im Staube.

Die Güte und die Menschenwürde,

In heißen Kämpfen dir errungen,

Ist fremd geworden deinem Herzen,

Ein Schmuck nur wortelustiger Zungen.

O, nichts vom vorigen Jahrhundert

Hast du dir, Welt, gemacht zu Nutzen,

Als bloß die Kunst, mit frechem Flunker

All deine Torheit aufzuputzen.

Die graugelockte Weisheit schweiget,

Die unerfahrne Jugend spricht;

Besiegt, ruft sie, sind Elemente!

-- Die Leidenschaften sind es nicht.

Von Hohn und Geifer der Parteien

Seh' ich mein Vaterland beflecket,

Die Führer blind und taumelnd, bis sie

Ein grauses Menetekel wecket.

Dann mitten in der wilden Drangsal

Wird männiglich die Welt verfluchen,

Doch ringend mit den Nachtdämonen

Den Flug in lichtere Höhn versuchen.

Das stete Glück macht Sünder, Toren,

Und kleines Unheil Weltverhöhner.

Die maßlos schwere Not allein ist

Der große Sühner und Versöhner.

Ständchen.

In einer Winternacht

Hab' ich dies Lied erdacht,

Es sei als Minnesang

Der Mitwelt dargebracht. --

Ihr Menschen seid nicht wert,

Daß man euch liebt und ehrt,

Daß man sein Herzblut gibt

Für das, was ihr begehrt,

Denn euer Wunsch ist Wahn,

Und schief ist eure Bahn,

Und jeden steinigt ihr,

Der euch ein Gut gewann.

Der euch ein Gut gewann,

Und euch ein Heil ersann;

Und es geschieht ihm recht,

Denn er hat schlecht getan.

Wer eure Laster schürt

Und euch zum Abgrund führt,

Dem euer schändendes

Und falsches Lob gebührt.

Für dies Geschlecht des Kain

Kann Abscheu nur allein,

Statt Lieb' und Opferlust,

Die rechte Gabe sein.

Kräftigung.

Was ich suchte, konnt' ich lang' nicht finden,

Was ich liebte, tat zu schnell entschwinden,

Was ich haßte, wollt' mich überwinden.

Doch, was linde Lieb' nicht mochte wagen,

Daß hat droher Trotz zurückgeschlagen,

Und der Kampf hat mich zur Kraft getragen.

Gen Himmel hinauf.

Die Menschen bauen, die Menschen zerstören,

Sie lieben, umarmen und schlagen sich tot;

Sie schwärmen von Schönheit, Tugend und Ehren,

Sie klimmen hinan mit großer Not.

Doch sind sie oben nahe dem Ziele,

So stirbt der Drang, es kehrt sich der Wille --

Sie stürzen sich wieder hinab in den Kot.

Das ist der Geschichte ewiger Lauf,

Wir können's nicht wenden,

Nicht ändern und enden,

Unsre Bestimmung ist ewiges Ringen

Gen Himmel hinauf.

Anklage.

Wenn die wilden Wetter schlagen

Und die giftigen Seuchen toben,

Welch ein grauses Heulen, Klagen,

An den hohen Himmel oben!

Großer Gott, für solche Armen

Hätt' ich wahrlich kein Erbarmen.

Hemmest du die bösen Wetter

Und die giftgeschwellten Seuchen,

Machen sie mit Kriegsgeschmetter

Aus sich selber tausend Leichen.

Fürsprache.

Doch, was auf Erden keimt,

O laß es reifen,

Und was im Menschen ruht,

Das laß erstehn.

O Gott, laß dieses irrende,

Nach deinen Höhen ringende,

Dies arme, herrliche Geschlecht

Nicht untergehn!

Dem Dichter.

Mein Sänger, laß' den Widerpart

Und sing' ein lustig Liedel,

Und lade sie zur Himmelfahrt

Mit einer hellen Fiedel.

Es ruft den einen zwar der Herr

Mit dumpfem Donnerkrachen,

Den andern lockt er noch vielmehr

Mit heiterem Sonnenlachen.

Der eine folgt den Elegie'n,

Der andre frohen Stanzen;

Man kann wohl in den Himmel knien

Man kann auch hinein tanzen.

Mein Lied · 第 13 / 21 题