Das Büchlein, das von der Heilkraft des frischen Wassers han

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1921 erschienenen Buchausgabe

so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische

Fehler wurden stillschweigend korrigiert; ungewöhnliche und

regional gefärbte Ausdrücke bleiben gegenüber dem Original

unverändert. Rechtschreibvarianten wurden nicht vereinheitlicht,

sofern die Verständlichkeit des Textes dadurch nicht berührt wird.

Die gedruckte Fassung wurde in einer Frakturschrift gesetzt, in

der die Großbuchstaben I und J identisch sind. Die Initiale des

Arztes ~Dr.~ I. aus Lyon wurde daher vom Bearbeiter willkürlich

festgelegt. Weiterhin wird im Alphabetischen Register nunmehr

zwischen den Begriffen mit den Anfangsbuchstaben I und J

unterschieden, was im Original nicht möglich war.

In der Buchversion wurde für den Begriff ‚et cetera‘ die tironische

Note für ‚et‘ verwendet, welche allerdings mit vielen Schriftarten

nicht dargestellt werden kann. Aus diesem Grund wurde in der

elektronischen Version von der Abkürzung ‚etc.‘ Gebrauch gemacht.

Besondere Schriftschnitte wurden in der vorliegenden Fassung mit

den folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:

kursiv: _Unterstriche_

fett: =Gleichheitszeichen=

gesperrt: +Pluszeichen+

Antiqua: ~Tilden~

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[Illustration:

_Jos. Kösel, autotyp._

]

Meine

Wasser-Kur

durch mehr als 40 Jahre erprobt

u. geschrieben zur Heilung der Krankheiten

u. Erhaltung der Gesundheit

von

~Msgr.~ Sebastian Kneipp

Päpstl. Geheimkämmerer, Pfarrer in Wörishofen (Bayern),

Inhaber des Komturkreuzes vom Orden des hl. Grabes.

Mit dem Bildnisse des Verfassers

Jubiläumsausgabe

erschienen im Jahre der

100. Wiederkehr des

Geburtstages

Kneipps

92. Auflage

Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet

Kommandit-Gesellschaft München

Verlagsabteilung Kempten

1921

„Geh’ hin und wasche Dich siebenmal im Jordan, und

Dein Fleisch wird wieder gesund und Du rein werden!“

4. Kön. 5, 10.

[Illustration]

Sämtliche Rechte, insbesondere Übersetzungsrecht, sind vorbehalten.

Druck von Jos. Kösel, Kempten.

Vorwort zur ersten Auflage.

Als Priester liegt mir vor allem das Wohl der unsterblichen Seelen

am Herzen. Dafür lebe ich, und dafür will ich sterben. In den

verflossenen vier Jahrzehnten, 30 bis 40 lange Jahre hindurch, haben

mir indessen auch die sterblichen Leiber viele Arbeit und opfervolle

Sorgen bereitet. Ich habe diese Arbeit nie gesucht. Das Kommen eines

jeden Kranken war und ist mir (natürlich gesprochen) eine Last. Nur

der Aufblick zu demjenigen, der vom Himmel herabgestiegen ist, unser

aller Krankheiten zu heilen, und der Gedanke an die Verheißung: „Selig

sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen....;

der letzte Trunk Wasser soll nicht unbelohnt bleiben“ waren imstande,

die naheliegende Versuchung, alle Bittgesuche ohne Unterschied des

Bittstellers in jedem Falle abzuweisen, zu unterdrücken. Diese

Versuchung lag um so näher, da nicht Gewinn, vielmehr unberechenbarer

Zeitverlust; nicht Ehre, vielfach Verleumdung und Verfolgung; nicht

Dank, sondern in gar manchem Falle Undank, Spott und Hohn meine Diäten

bildeten. So mußte es gut sein, und ich bin ganz damit zufrieden. Daß

ich aber nach solchen Antezedenzien (Vorgängen) nicht besondere Lust

verspüre zum Schreiben, begreift ein jeder, zumal bereits das Alter

drückt und Geist und Körper sich nach Ruhe sehnen.

Nur das anhaltende und ungestüme Drängen meiner Freunde, die es eine

Sünde gegen die Nächstenliebe nennen, wenn meine Erfahrungen mit meinem

modernden Körper in die Grube fahren, zahllose Bittschreiben von

Geheilten, insbesondere aber das Flehen armer, verlassener Kranker auf

dem Lande drücken mir den Schreibgriffel in die widerstrebende, bereits

zitternde Hand.

Der ärmeren Klassen, der vielfach verwahrlosten und vergessenen

Kranken auf dem einsamen Lande habe ich mich jederzeit mit besonderer

Aufmerksamkeit und Liebe angenommen. Diesen vor allen soll mein

Büchlein gewidmet sein. Die Sprache ist zu dem Zwecke angemessen,

einfach, klar. Mit Absicht suche ich, mit Umgehung jedes gelehrten

Firlefanzes, mehr in Unterhaltungsform zu schreiben, als ein dürres,

ausgetrocknetes, saft- und kraftloses Gerippe zu geben. Die Breite der

einen oder anderen Erzählung, manche Wiederholungen mag man, den guten

Zweck, die redliche Absicht im Auge behaltend, nachsichtig übersehen.

Nichts lag mir ferner, als gegen irgendeine der bestehenden

medizinischen Richtungen polemisierend, kämpfend aufzutreten,

irgendeine Persönlichkeit, deren Wissenschaftlichkeit und Ruf auch nur

im kleinsten Punkte anzugreifen.

Ich weiß sehr gut, daß nur dem eigentlichen Fachmanne derlei

Veröffentlichungen zustehen; ich lebe indessen der Überzeugung,

daß gerade solche dankbar sein werden, wenn einmal auch ein Laie

seine vieljährigen Erfahrungen in dieser Beziehung mitteilt. Jedem

aufrichtigen Entgegenkommen werde ich stets mit Freuden die Hand

reichen, Korrekturen und Winke dankbar annehmen. Um jenen unschweren

Tadel und jene gar leichte Kritik aber, welche Parteistandpunkten

entfließen, werde ich mich durchaus nicht kümmern und den „Pfuscher“

und „Quacksalber“ ruhig hinnehmen.

Ich selbst habe nichts sehnlicher gewünscht, als daß ein Mann von

Beruf, ein Arzt, mir diese schwere Last und drückende Arbeit abgenommen

hätte, und ich trage kein innigeres Verlangen und Wünschen, als daß

endlich die Leute vom Fach allgemeiner und umfassender auch die

Wasserheilmethode gründlich studieren und in die Hand und Aufsicht

nehmen mögen. Ein solcher wolle diese Laienarbeit als kleines

Hilfsmittel betrachten. An dieser Stelle kann ich versichern daß trotz

meines vielfach sehr schroffen und abstoßenden Benehmens das größte

Gebäude nicht ausgereicht hätte, all die Kranken und Leidenden, welche

ohne Übertreibung nach Tausenden und Zehntausenden zählen, aufzunehmen,

daß ich ferner mit Leichtigkeit reich, sehr reich sein könnte, wenn ich

nur einen Teil des mir angebotenen Heillohnes hätte annehmen wollen.

Viele Patienten kamen und sagten: „Ich gebe 100, 200 Mark, wenn Sie

mich gesund machen.“ Der Leidende sucht Hilfe, wo er sie findet, und

bezahlt dem Arzte mit Freuden, was ihm zukommt, wenn er ihn heilt,

gleichviel ob die Heilung mit der Medizinflasche oder der Wasserkanne

geschieht.

Berühmte Männer aus dem Stande der Ärzte haben die Wasserheilmethode

mit Entschiedenheit und großen Erfolgen begonnen. Mit ihnen wurden ihre

Winke und Ratschläge und Kenntnisse vielfach begraben. Daß endlich

einmal dem Morgenrot ein dauernder heller Morgen folge!

Für jeden im Buche genannten oder angedeuteten Namen stehe ich

jederzeit mit voller Verantwortung ein und werde nie anstehen, auf

Verlangen denselben öffentlich zu nennen. Manche vielleicht harte

Ausdrucksweise möge man auf Rechnung meiner etwas herben und derben

Gemütsart schreiben. Mit ihr bin ich alt geworden, und es fällt beiden

schwer, uns im Alter noch zu verleugnen und zu trennen.

Dem die Wanderung antretenden Büchlein möge vor allem Gottes Segen

nicht fehlen!

Und wenn einst meine Wasserfreunde erfahren, daß ich in die Ewigkeit

gewandert, dann wollen sie mir den Liebesdienst erweisen und in einem

kräftigen Vaterunser einen kühlenden Strahl mir nachsenden, allwo der

Arzt der Ärzte die arme Seele in der Feuerkur zum ewigen Leben heilt

und läutert.

+Wörishofen+, Eisenbahnstation Türkheim in Schwaben,

1. Oktober 1886.

+Der Verfasser.+

Aus dem Vorworte zur sechsten Auflage.

.... Ich benütze daher diese Gelegenheit, nochmals das Jordanbad bei

Biberach in Württemberg bestens zu empfehlen, welches ganz nach meiner

Heilmethode anfangs Mai 1889 eröffnet wird unter Leitung des ~Dr.

med.~ +Stützle+, eines tüchtigen Arztes, der sich, wie bereits in der

5. Auflage bemerkt, eine gründliche Kenntnis und Erfahrung dahier

und somit mein volles Vertrauen erworben hat. Ich lebe der festen

Überzeugung, daß +solchen+ Ärzten mein Heilverfahren ebenso zur eigenen

Befriedigung wie zum Segen ihrer Patienten gereichen wird.

+Wörishofen+, am Neujahrstage 1889.

+Der Verfasser.+

Aus dem Vorworte zur zwölften Auflage.

.... Besonders aber tröstet mich, daß neue Heil-Anstalten entstanden

und entstehen, so daß in den verschiedenen Gegenden die Leidenden nicht

zu weit zu reisen haben, um Hilfe durch Wasser-Anwendungen zu bekommen.

Das +Jordanbad+ bei Biberach wurde eröffnet; recht viele Kranke haben

sich dorthin gewendet, und die Anstalt hat schon viele recht glückliche

Kuren aufzuweisen. Eine zweite Gelegenheit ist geboten in +Immenstadt+;

auch von dieser Anstalt wird nur Rühmliches gesagt, und deshalb ist

gute Aussicht für die Zukunft vorhanden, daß sich dieselbe immer weiter

entwickeln werde.

Die dritte Wasserheilanstalt wurde eröffnet in +Ulm+ und wird, wie ich

schon öfters gehört, sich nach und nach immer weiter entfalten.

In +Rosenheim+ ist auf allgemeines Verlangen der Stadt eine Anstalt

nach meinem System kürzlich eröffnet worden, und ich habe bereits

gehört von den guten Erfolgen; denn Herr ~Dr.~ Bernhuber war längere

Zeit in Wörishofen Badearzt und besitzt ein herrliches Talent für sein

Fach. Er ist nicht bloß ein guter Arzt, sondern auch ein vorzüglicher

Operateur; derselbe hat oft erklärt: „Mit Wasser werden Krankheiten

geheilt, wo andere Mittel keine Hilfe mehr bringen können.“ Deshalb

hoffe ich mit Grund, daß gerade diese Anstalt sich recht segensreich

entwickle.

Herr ~Dr.~ Georg Wolf hat in +Traunstein+, wo schon durch das frühere

Bad die nötigen Gebäude vorhanden sind, eine neue Anstalt eröffnet.

Herr ~Dr.~ Wolf ist ein ruhiger, besonnener und edler Charakter, hat

in Wörishofen durch längere Zeit mein ganzes Heilverfahren gründlich

kennen erlernt und eingeübt, und ich glaube, daß ich diesen Arzt

mit Recht den Patienten für das Heilverfahren meiner Wasserkur aufs

wärmste empfehlen kann. So haben meine vielen Freunde und Gäste in der

Nähe und in der Ferne, namentlich die in Österreich, eine günstige

Gelegenheit, die guten Wirkungen meiner Wasserkur unter seiner Leitung

kennen zu lernen; denn gerade Leidende aus Österreich und Ungarn,

so weit von hier entfernt, haben mit großer Begeisterung meine

hiesige Wasserkur-Anstalt besucht und nach der Heimkehr, in dankbarer

Erinnerung an die erzielten Erfolge, mein Heilverfahren weiter

verbreitet.

+Wörishofen+, den 3. Dezember 1889.

+Der Verfasser.+

Aus dem Vorwort zur siebenundzwanzigsten Auflage.

Zu den neuesten Anstalten, die nach meinem Prinzipe entstanden sind,

gehört ferner die Kaltwasserheilanstalt +Schärding+ in Oberösterreich.

Dieselbe wird von einem meiner Schüler, Herrn +Otto Ebenhecht+,

geführt und kann ich vorgenannten Herrn jedermann empfehlen.

Eine zweite Anstalt in Österreich hat in Brixen (Süd-Tirol) Herr ~Dr.~

+Otto v. Guggenberg+ jüngst eröffnet. Auch dieses Institut eines meiner

eifrigsten und gelehrtesten Jünger empfehle ich angelegentlichst zu

fleißiger Frequenz.

Im Monat Januar 1891 hat Herr ~Dr.~ +Wendelin Loeser+ eine

Wasserheilanstalt nach meiner Methode in Veitshöchheim bei Würzburg

eröffnet. Herr ~Dr.~ Loeser ist ein ruhiger Denker und wird sicher

seinem Unternehmen Ehre machen.

+Wörishofen+, 26. Februar 1891.

+Der Verfasser.+

Aus dem Vorworte zur dreiunddreißigsten Auflage.

Beim Erscheinen der 33. Auflage will ich ankündigen, daß in derselben

manche Abänderung getroffen wurde. Es gibt Leute, die auch die

einfachste Schreibweise und einfachste Darstellung mit Zweifel erfüllt.

So wurde bei verschiedenen Anwendungen manches geändert, manches

weggelassen, manches ergänzt, so daß das Ganze besser aufgefaßt und

sicherer angewendet werden kann. Und so Gott will, wird noch eine

gänzlich umgearbeitete Ausgabe dieser verbesserten Auflage folgen.

+Wörishofen+, am 14. August 1891.

+Der Verfasser.+

Aus dem Vorwort zur fünfzigsten Auflage.

Die „Wasserkur“ hat jetzt bereits die fünfzigste Auflage erlebt und

möchte gern ein Jubiläum feiern und allen Menschen, besonders den

Kranken zurufen: „Lernet das Wasser und seine Anwendungen und Wirkungen

recht kennen, und es wird euch Hilfe bringen, wo Hilfe noch möglich

ist!“

Was mich betrifft, so kann ich mich nur freuen und wünsche von Herzen,

daß fernerhin alle Kranken Linderung und Hilfe bekommen. Ich wünsche

besonders, daß die Fachmänner der Medizin das Wasser, diese Gabe des

Schöpfers, recht anzuwenden sich beeifern und diesem Stiefkinde ein

Plätzlein im Hause und Heilmittelschätze gönnen möchten.

Der fünfzigsten Auflage gebe ich den Auftrag: Nehme dich der Kranken

an, daß sie gesund werden! Sei gut Freund den Gesunden, daß sie

nicht erkranken! Und weil ich als Priester täglich das heilige Opfer

darbringe, so sollen alle diejenigen im heiligen Opfer eingeschlossen

sein, welche nach Wörishofen kommen, und auch diejenigen, welche die

Kur zu Hause gebrauchen wollen, damit sie den Segen des Himmels zur

Genesung erlangen.

+Wörishofen+, am Lichtmeßtage 1894.

+Der Verfasser.+

Vorwort zur sechzigsten Auflage.

Eine brave Familie hatte einen recht gut erzogenen Sohn, der zu den

besten Hoffnungen berechtigte und sich auch für seinen Stand und Beruf

ziemlich gut ausgebildet hatte. Eines Tages bat er seinen Vater, er

möge ihm erlauben, eine große Reise durch die ganze Welt zu machen,

und versprach ihm, nach Verlauf von neun Jahren bestimmt wieder zu

kommen und alle Erlebnisse zu erzählen, die er mitgemacht habe. Nach

dieser Zeit wolle er wieder bei seinen Eltern zu Hause bleiben und sich

stets bemühen, ein treuer und guter Sohn zu sein. Die guten Eltern

ließen ihren Sohn sehr ungerne fort; denn sie fürchteten, es möchte ihm

schlimm ergehen, und er möchte unter schlechte Gesellschaft geraten,

wodurch er verdorben werden könnte. Endlich reiste der Sohn, nachdem er

noch zuvor den elterlichen Segen erbeten und auch erhalten hatte, ab.

Er hatte nur das Beste im Auge und bewahrte sein den Eltern gegebenes

Versprechen treu und gewissenhaft. Genau nach neun Jahren kam er wieder

nach Hause, und zwar als derselbe gute und brave Sohn, als welcher er

das elterliche Haus verlassen hatte. Und wer mit ihm zusammentraf,

wollte so gut wie die Eltern selbst seine Lebensschicksale gerne hören.

Dieses Bild paßt gar nicht übel auf „Meine Wasserkur“, die ich vor

neun Jahren in der edelsten und besten Absicht auch in die Welt

hinausgeschickt habe, damit die Menschen in ihren vielen Mühseligkeiten

und Leiden Linderung und Hilfe bekommen und zugleich lernen sollten,

wie man zu leben habe, um gesund, berufsfähig und ausdauernd zu bleiben

und ein hohes Alter zu erreichen. Die überaus günstige Aufnahme und

ungemein rasche Verbreitung meiner „Wasserkur“ gehört sicher zu den

Seltenheiten, und es wird nicht leicht ein Buch gefunden werden können,

das in so kurzer Zeit 59 Auflagen erlebt hat und nun in sechzigster

Auflage erscheint. Nicht minder auffallend und überraschend ist es,

wie sich das ehedem so einfache Wörishofen während dieser Jahre

so bedeutend verändert hat. Wer Wörishofen in den früheren Jahren

gesehen hat und es jetzt sieht, der wird es fast nicht mehr erkennen.

Je mehr meine Bücher in allen Ländern verbreitet wurden, um so mehr

kamen und kommen noch von allen Himmelsgegenden die Kranken herbei,

und dadurch wurde ich gezwungen, obwohl ich es gar nicht im Sinne

hatte, eine Wasserheilanstalt zu errichten, damit die Kranken in der

„Heimat der Wasserkur“ Trost und Hilfe bekommen könnten. So wenig ich

selbst anfangs zur Errichtung einer derartigen Anstalt geneigt war,

geradeso sträubte sich auch Wörishofen lange Zeit dagegen; nur das gute

Verhältnis zwischen mir und meinen Pfarrangehörigen konnte dies endlich

zustande bringen.

Nach neun Jahren kam der Sohn wieder nach Hause und erzählte seine

Lebensschicksale. So könnte auch „Meine Wasserkur“ nach diesen neun

Jahren manches Schicksal erzählen. Sie ist wohl in den meisten Häusern

gut aufgenommen worden, wenn sie auch von manchem mit Unwillen in

einen Winkel geworfen wurde. Es wird ihr ergangen sein, wie es allen

Unternehmungen ergeht; das Gute wird nicht selten angegriffen, und

würde es nicht angegriffen, so wäre es auch nicht gut. So ging es auch

mit der „Wasserkur“ und ihrem Verfasser.

Nun geht die sechzigste Auflage in die große Welt hinaus. Möge sie eine

höhere Macht führen und ein höherer Beistand ihr immer folgen, wo immer

sie angewendet wird!

Ich selbst werde mit dem Buche im Geiste herumwandern in die einzelnen

Gegenden und nicht versäumen, den Lenker aller Schicksale anzurufen, er

möge allen zuteil werden lassen, was für ihr zeitliches und ewiges Heil

nützlich ist.

+Wörishofen+, den 15. März 1896.

+Der Verfasser.+

Inhalts-Verzeichnis.

Seite

Vorwort III

Einleitung 1

Erster Teil: Wasser-Anwendungen.

Allgemeines 15

Abhärtungs-Mittel 21

Wasser-Anwendungen 32

~A.~ Aufschläger:

1. Der Oberaufschläger 32

2. Der Unteraufschläger 33

3. Ober- und Unteraufschläger zusammengenommen 34

4. Auflage auf den Unterleib 34

~B.~ Bäder:

I. Fußbäder:

1. Das kalte Fußbad 39

2. Das warme Fußbad 39

II. Halbbäder 42

III. Sitzbäder:

1. Das kalte Sitzbad 44

2. Das warme Sitzbad 46

IV. Vollbäder oder Ganzbäder:

1. Das kalte Vollbad 47

2. Das warme Vollbad 56

3. Die Mineralbäder 62

V. Teilbäder:

1. Das Hand- und Armbad 65

2. Das Kopfbad 65

3. Das Augenbad 67

~C.~ Dämpfe:

1. Der Kopfdampf 72

2. Der Fußdampf 76

3. Der Leibstuhldampf 78

4. Besondere Dämpfe auf einzelne kranke Stellen 80

~D.~ Gießungen:

1. Der Knieguß 81

2. Der Schenkelguß 82

3. Der Unterguß 83

4. Der Rückenguß 83

5. Der Ganz- oder Vollguß 84

6. Der Oberguß 85

7. Der Armguß 88

8. Der Kopfguß 89

~E.~ Waschungen:

1. Die Ganzwaschung 90

2. Die Teilwaschung 93

~F.~ Wickelungen:

1. Der Kopfwickel 93

2. Der Halswickel 94

3. Der Schal 96

4. Der Fußwickel 97

5. Der Unterwickel 98

6. Der kurze Wickel 100

7. Das nasse Hemd 102

8. Der spanische Mantel 102

~G.~ Trinken des Wassers 105

Zweiter Teil: Apotheke.

Allgemeines und Einteilung 111

Tinkturen oder Extrakte 115

Tee 115

Pulver 116

Öle 116

Heilmittel 117

Inhalt einer kleinen Hausapotheke 158

Kraft-Nährmittel u. Verwandtes:

Rezept zur Bereitung des Kleienbrotes 159

Etwas über die Kraftsuppe 160

Bereitung des Honigweines 161

Dritter Teil: Krankheiten.

Einleitung 165

Alphabetisches Verzeichnis der Krankheiten 166

Alphabetisches Register 365

[Illustration]

[Illustration]

Einleitung.

Kein Blatt am Baume ist dem andern absolut oder vollkommen gleich,

viel weniger ein Menschenschicksal dem andern. Könnte ein jeder vor

seinem Sterben sein Leben schreiben, es wären so viele verschiedene

Lebensbilder als Menschen selbst. Verworren sind die Wege, die in

deinem Leben kreuz und quer sich durcheinander verschlingen, --

zuweilen gleich einem unentwirrbaren Knäuel, bei dem die Fäden ohne

Plan und Zweck ungeordnet aufeinander liegen. So scheint es oftmals,

in der Tat jedoch ist es niemals so. Das Licht des Glaubens wirft

seinen erhellenden Strahl in das wirre Dunkel und zeigt, wie all die

verschlungenen Pfade weisen Zwecken dienen und sämtliche auf ein

vom allweisen Schöpfer von Anfang an geplantes und gestecktes Ziel

hinführen. Wunderbar sind die Wege der Vorsehung.

Wenn ich von der Hochwarte des Alters aus die zurückgelegten

Lebensjahre überblicke und die Verschlingungen meiner Wege sehe, so

schlängeln diese einigemal scheinbar am Rande des Abgrundes; zuletzt

aber münden und führen sie gegen alle Hoffnung auf die Sonnenhöhe des

Berufes, und ich habe allen Grund, das liebevolle und weise Walten

der Vorsehung zu preisen, umsomehr, als die nach menschlichem Dünken

schlimmen und zum Tode führenden Pfade mir und unzähligen anderen den

+neuen Lebensquell+ zeigten.

Ich war über 21 Jahre alt, als ich mit dem Wanderbuche in der Tasche

die Heimat verließ. Das Wanderbüchlein charakterisierte mich als

Webergesellen, doch seit meiner Kindheit Tagen stand es auf den

Blättern des Herzens anders geschrieben. Mit namenlosem Weh und

sehnsüchtiger Ausschau nach Verwirklichung meines Ideals hatte

ich auf diesen Abschied lange, lange Jahre gewartet, ich wollte

Priester werden. So ging ich, nicht wie man wünschte und hoffte, das

Weberschifflein weiter zu rudern, sondern ich eilte von Ort zu Ort und

suchte, ob ich niemanden fände, der mir zum Studium behilflich wäre.

Da nahm sich der nun verewigte Prälat Matthias Merkle († 1881), der

damals Kaplan in Grönenbach war, meiner an, gab mir zwei Jahre hindurch

Privatunterricht und bereitete mich mit so unermüdetem Eifer vor, daß

ich schon nach diesen zwei Jahren ins Gymnasium aufgenommen werden

konnte. Die Arbeit war keine leichte und allem Anscheine nach eine

vergebliche. Nach 5 Jahren der größten Entbehrung und Anstrengung war

ich körperlich und geistig gebrochen. Der Vater holte mich einst aus

der Stadt, und noch klingen mir die Worte des Wirtes in den Ohren, bei

dem wir rasteten. „Weber,“ sagte er, „dieses Mal holt Ihr den Studenten

zum letztenmal.“ Der Wirt war nicht der einzige, der so sprach; mit ihm

teilten andere dieselbe Ansicht. Ein damals berühmter Militärarzt galt

als großer Menschenfreund und als hochherziger Helfer armer Kranker.

Im vorletzten Jahre meiner Gymnasialzeit besuchte er mich 90 mal, im

letzten Jahre wohl über 100 mal. So gerne hätte er mir geholfen; aber

das fortschreitende Siechtum siegte über seine ärztlichen Kenntnisse

und seine stets opferbereite Nächstenliebe. Ich selbst hatte längst

alle Hoffnung aufgegeben und sah mit stiller Ergebung meinem Ende

entgegen.

Zur Unterhaltung und Zerstreuung blätterte ich gerne in Büchern. Der

Zufall -- ich bediene mich dieses gebräuchlichen, aber vagen, d. i.

nichtssagenden Wortes; denn es gibt gar keinen Zufall -- spielte mir

ein +unscheinbares Büchlein+ in die Hand; ich öffnete es; +es handelte

von der Wasserheilkunde+. Ich blätterte hin und blätterte her; da

stand Unglaubliches. Am Ende, so blitzte ein Gedanke in mir auf,

findest du gar deinen selbsteigenen Zustand! Ich blätterte weiter.

Richtig, das paßte, das stimmte, das war fast bis aufs Haar getroffen.

Welche Freude, welcher Trost! Neue Hoffnungen elektrisierten den

welken Leib und den noch welkeren Geist. Das Büchlein wurde zuerst

der Strohhalm, an den ich mich klammerte; nach kurzer Zeit war es der

Stab, auf welchen sich der Kranke stützte; heute gilt es mir als das

Rettungsboot, welches eine barmherzige Vorsehung mir zur rechten Zeit,

in der Stunde der höchsten Not sandte.

Das Büchlein, das von der Heilkraft des frischen Wassers handelt, ist

+von einem Arzte geschrieben+, die Anwendungen selbst sind größtenteils

sehr schroff und streng. Ich probierte ein Vierteljahr, ein halbes

Jahr; ich fühlte keine wesentliche Besserung, aber auch nie Nachteile.

Das gab Mut. Es kam der Winter des Jahres 1849; ich war wieder in

Dillingen. Wöchentlich 2-3 mal suchte ich eine einsame Stelle und

badete einige Augenblicke in der Donau. Rasch war ich der Badestelle

zugeeilt, noch rascher marschierte ich nach Hause in die warme Stube.

Schaden brachte diese kalte Übung nie, Nutzen, wie ich meinte, nicht

viel. Im Jahre 1850 kam ich in das Georgianum nach München. Da fand

ich einen armen Studenten, dem es noch viel schlimmer erging als

mir selbst. Der Anstaltsarzt weigerte sich, ihm zur Erlangung des

für die Weihe notwendigen Tischtitels ein Gesundheitszeugnis zu

schreiben; denn, so lautete das Verdikt, er lebe nicht mehr lange.

Jetzt hatte ich einen lieben Kollegen. Ich weihte ihn ein in die

Mysterien (Geheimnisse) meines Büchleins, und wir beide probierten und

praktizierten um die Wette. Der Freund erhielt binnen kurzer Frist vom

Arzte das gewünschte Zeugnis und lebt heute noch. Ich selbst erstarkte

mehr und mehr, wurde Priester und lebe im hl. Berufe schon über 38

Jahre. Meine Freunde schmeicheln mir und sagen, daß sie heute noch,

wo ich bereits 70 Jahre zähle, die Stärke meiner Stimme bewundern und

über meine Körperkräfte staunen. Ein treubewährter Freund blieb mir

das Wasser; wer kann es mir verargen, daß ich ihm gleichfalls treue

Freundschaft bewahre?

+Wer selbst in Not und Elend saß, der weiß Not und Elend des Nächsten

zu würdigen.+

+Nicht alle Kranken sind in gleicher Weise unglücklich.+ Wer Mittel

und Wege besitzt, sich Heilung zu verschaffen, kann sich leicht mit

einer kurzen Leidenszeit versöhnen. Solche Kranke wies ich selbst in

den ersten Jahren zu Hunderten und Tausenden ab und ließ sie abweisen.

Jener Arme bedarf zumeist unseres Mitleids, welcher, selbst arm und

verlassen, +von den Ärzten aufgegeben und von den Medikamenten und

Heilmitteln verlassen ist+. Leute dieser Art zähle ich in großer

Menge zu meinen Freunden; denn solche Arme und gänzlich Verarmte, die

nirgends mehr Hilfe bekamen, habe ich nie abgewiesen. Hart, gewissenlos

und undankbar wäre es mir vorgekommen und käme es mir noch vor, solchen

Verlassenen die Türe zu verschließen, jene Hilfsquellen zu verweigern,

welche mir selbst in meiner Not Heilung und Rettung gebracht haben.

+Die große Zahl der Leidenden, die noch größere Verschiedenheit

ihrer Leiden spornte an, die Wassererfahrung zu bereichern, die

Wasserheilmethode zu vervollkommnen.+

Meinem ersten Wasserrate, dem bekannten Büchlein, bin ich für seinen

einleitenden Unterricht von Herzen dankbar. Doch bald schon erkannte

ich, daß manche Anwendungen zu schroff, für die menschliche Natur viel

zu stark und abschreckend sind. „Roßkuren“ nannte man mit Vorliebe die

Wasserkur, und noch heutzutage lieben es viele, welche das beschimpfen,

was sie gar nicht kennen oder nicht gründlich kennen, alles nach

Wasser Schmeckende in Bausch und Bogen als Schwindel, Pfuscherei usw.

zu bezeichnen. Gerne gebe ich zu, daß manche Anwendungen und Übungen

der noch primitiven, d. h. erst entstehenden und noch unentwickelten

Wasserkur eher für ein starkmuskeliges und starkknochiges Roß paßten

als für ein von Fleisch weich umkleidetes und mit zarten Nervchen

besaitetes Menschengerippe.

Im Leben des berühmten +Paters Ravignan+ ~S. J.~ kommt folgende Stelle

vor: „Seine Krankheit, ein Halsübel, wurde durch die Anstrengung (der

Pater war ein berühmter Prediger, der in Paris, London und vielen

anderen großen Städten mit apostolischem Eifer seines Amtes waltete)

verschlimmert und ging bald in ein chronisches über.... Die Luftröhre

war nur mehr +eine+ Wunde, die Stimme blieb erloschen und sein Organ

wie erschöpft. Zwei ganze Jahre (1846-1848) sollten in Untätigkeit und

Leiden verfließen. Kuren an verschiedenen Orten, Luftveränderung im

Süden, welche folgten, verliefen ohne Resultate. Im Juni des Jahres

1848 nahm Pater Ravignan Aufenthalt bei Doktor K. R.... in dessen

Landhaus im Tale zu B.... Eines Morgens nach der Messe, zu der Stunde,

die gewöhnlich alle Bewohner des Hauses vereinigte, kündigte der

Doktor den Versammelten mit besorgter Miene an, daß Pater Ravignan

sich leidender fühle und nicht zum Frühstück kommen werde. Damit

verschwand er auch selbst wieder,.... ging zu dem Kranken und sagte

ihm: ‚Stehen Sie auf und folgen Sie mir!‘ ‚Aber wohin führen Sie

mich?‘ antwortete letzterer. ‚Ich will Sie ins Wasser werfen!‘ ‚Ins

Wasser?‘ sagte Ravignan, ‚mit dem Fieber, mit dem Husten! Doch wohlan,

es tut nichts, ich bin in Ihren Händen und muß Ihnen gehorchen.‘ Es

handelte sich um ein sogenanntes Sturzbad, ein gewaltsames, aber

wirksames Mittel, wie der Biograph (Lebensbeschreiber) sagt. Der Erfolg

war ein augenscheinlicher. Schon zum Mittagessen brachte der Doktor

triumphierend seinen Kranken in gutem Wohlbefinden mit, und der am

Morgen noch Stumme erzählte am Abende die Geschichte seiner Heilung.“

Das nenne auch ich so eine kleine Roßkur, welche ich trotz ihres

Erfolges weder selbst nachahmen, noch zur Nachahmung empfehlen möchte.

An dieser Stelle muß ich es sagen, daß ich nicht alle an unseren

dermal bestehenden Wasserheilanstalten üblichen Anwendungen billige,

manchmal sogar entschieden mißbillige. Dieselben erscheinen mir viel

zu stark und -- man verzeihe den Ausdruck -- viel zu einseitig. Gar

zu vieles wird über denselben Leisten geschlagen, und viel zu wenig

wird nach meinem Dafürhalten unterschieden zwischen den verschiedenen

Patienten, ihrer größeren oder geringeren Schwäche, der mehr oder

minder tief eingesessenen Krankheit, deren mehr oder weniger weit

fortgeschrittenen Verwüstungen und Folgen usw. Darin gerade, in der

Mannigfaltigkeit aller Anwendungen und in der verschiedenartigen, jedem

einzelnen Patienten durchaus angemessenen Applizierung +derselben+

Anwendung wird und muß sich der Meister zeigen. Es kamen zu mir aus

verschiedenen Heilanstalten Kranke, welche bitter klagend sagten: „Es

ist nicht zum Aushalten, es hat mich förmlich ausgeworfen.“ Das soll

und darf nicht sein. Einst stellte sich mir ein gesunder Mann vor,

welcher behauptete, er habe sich beim Waschen in der Frühe verdorben.

„Wie haben Sie es denn angestellt?“ fragte ich. „Ich habe,“ lautete

die Antwort, „eine Viertelstunde lang den Kopf unter das Brunnenrohr

gehalten, welches eiskaltes Wasser ausspie.“ Ein Wunder, wenn sich ein

derart Mutwilliger nicht gründlich verderben würde! Wir spotten und

lächeln über ein solch törichtes, unvernünftiges Verfahren. Und doch

wie viele, bei denen man voraussetzen mußte, daß sie vernünftig das

Wasser anzuwenden wissen, haben ebenso töricht, nach meinem Dafürhalten

noch törichter gehandelt und damit für immer die Patienten vom Wasser

zurückgeschreckt! Zahlreiche Beispiele können meiner Behauptung als

ebenso viele schlagende Belege dienen.

Ich +warne+ vor jedem zu starken und vor jedem zu häufigen Anwenden des

Wassers. Der sonstige Nutzen des Heilelementes kehrt sich in Schaden,

das hoffende Vertrauen des Patienten in Furcht und Entsetzen.

+Dreißig Jahre lang+ habe ich sondiert und jede einzelne Anwendung

an mir selbst probiert. Dreimal -- ich gestehe es offen -- sah

ich mich veranlaßt, mein Wasserverfahren zu ändern, die Saiten

abzuspannen, von der Strenge zur Milde, von großer Milde zu noch

größerer herabzusteigen. Nach meiner heutigen, bereits über 17 Jahre

feststehenden und durch zahllose Heilungen erprobten Überzeugung

wendet jener das Wasser mit den +vorteilhaftesten Wirkungen und

sichersten Resultaten+ an, welcher es in der +einfachsten, leichtesten,

schuldlosesten+ Form zu gebrauchen weiß.

In welchen Formen ich das Wasser als Heilmittel benütze, das besagt der

+erste Teil dieses Büchleins+, welcher von den Wasseranwendungen, und

der +dritte Teil+, der von einzelnen Krankheiten handelt.

+Im zweiten Teil+ (man lese dessen besondere Einleitung) habe ich

den Landleuten insbesondere einige Mittel für eine Hausapotheke

zusammengestellt, welche wie die Wasseranwendungen selbst im Innern

des Körpers einen der drei Zwecke: Auflösung oder Ausscheidung oder

Kräftigung verfolgen.

An jeden Fremden, welcher bei mir Hilfe sucht, stelle ich vorerst

einige Fragen, um nicht voreilig und zu meinem Schaden zu handeln.

Auch dieses Büchlein schuldet noch in Kürze Antwort auf folgende Fragen:

1. +Was ist Krankheit, und aus welcher gemeinsamen Quelle fließen alle

Krankheiten?+

Der menschliche Körper ist eines der wunderbarsten Gebilde aus

der Schöpferhand Gottes. Jedes Gliedchen paßt zum Gliede, jedes

strenggemessene Glied zum harmonischen, zu staunenswerter Einheit

verbundenen Ganzen. Noch merkwürdiger ist das Ineinandergreifen der

Organe und ihre Tätigkeit im Innern. Selbst nicht der ungläubigste Arzt

und Naturforscher, auch für den Fall, daß er „mit der Lanzette und dem

Sektiermesser noch keine Seele gefunden“, kann dem unnachahmlichen

Menschengebilde die gerechteste und höchste Bewunderung versagen.

Der ganze innere und äußere Mensch spielt nur die eine Weise: Alles

an und in mir preise den Namen des Herrn! -- Dieser Wohlklang und

diese Wohlordnung, Gesundheit genannt, wird aufgehoben durch die

verschiedenartigsten Störungen, durch die mannigfaltigsten Eingriffe,

welche man mit dem Namen „+Krankheit+“ bezeichnet. Krankheiten im

inneren, Krankheiten, Leiden am äußeren Körper gehören zu dem täglichen

Brote, das die meisten Menschen mit Willen oder Widerwillen kauen

müssen.

+All diese Krankheiten+, welche Namen sie immer führen mögen,

+haben+, so behaupte ich, +ihren Grund, ihre Entstehungsursache, ihr

Würzelchen, ihren Keim im Blute+, vielmehr in +Störungen des Blutes+,

mag dieses nun in seiner im gesunden Zustande geordneten +Zirkulation

gestört+ oder in seiner +Zusammensetzung+, in seinen Bestandteilen,

durch nicht dahin gehörige, schlechte Säfte +verdorben+ sein. Gleich

wohlgeordneten Bewässerungsanlagen durchzieht das Adernetz mit seinem

roten Lebenssafte den ganzen Körper, alles, jeden Teil, jedes Organ

des Körpers in seiner ihm zuträglichen Art nährend, befruchtend. Im

Maße liegt die Ordnung; jedes Zuviel und jedes Zuwenig im Tempo des

Blutumlaufes, jedes Eindringen fremdartiger Elemente stört den Frieden,

die Eintracht, bewirkt Zwietracht, setzt an Stelle der Gesundheit --

Krankheit.

2. +Wie erfolgt die Heilung?+

An den Spuren im Schnee erkennt der geübte Jäger das Wild. Den Spuren

geht er nach, wenn er den Hirsch, die Gemse, den Fuchs erjagen will.

Der tüchtige Arzt weiß schnell, wo die Krankheit steckt, wo ihr

Ursprung ist, welche Ausdehnung sie genommen. Die Symptome zeigen ihm

die Krankheit, diese bezeichnet ihm die zu wählenden Mittel. Höchst

einfach ist dieses Verfahren, dieser Prozeß, möchte mancher sagen.

Zuweilen ja, zuweilen auch nicht. Wenn jemand mit erfrorenen Ohren zu

mir kommt, so weiß ich, das hat die Kälte getan; wer am Mühlstein sitzt

und plötzlich wegen zerquetschter Finger laut aufschreit, den werde

ich nicht fragen, wo es denn eigentlich fehle. Gar nicht so einfach

verhält es sich schon mit ganz gewöhnlichen Kopfbeschwerden oder gar

mit Magen- oder Nerven- oder Herz- und anderen Leiden, welche nicht

nur einer mehr-, ja vielfachen Ursache entstammen, sondern sehr oft

von Leiden benachbarter Organe herrühren können, welche Leiden den

Magen, das Herz, die Nieren usw. schlimm beeinflussen, nachteilig auf

dieselben einwirken. Ein Strohhalm macht das Perpendikel der größten

Ganguhr stille stehen. Die kleinste Kleinigkeit vermag das Herz in die

peinlichste Unruhe zu versetzen. Die Kleinigkeit sofort zu finden,

darin besteht die Kunst. Diese Untersuchung kann oft sehr kompliziert,

überaus verwickelt sein, und die mannigfaltigsten Täuschungen sind

nicht ausgeschlossen. Man wird hievon im dritten Teile dieses Buches

Beispiele finden.

Wenn ich mit dem Fuße oder mit einer Axt an den Stamm einer jungen

Eiche schlage, so bebt der Stamm, es zittert jeder Ast, und es bewegt

sich jedes Blatt. Wie verkehrt, wollte ich schließen: Das Blatt

zittert, es muß angegriffen, von irgend einem Gegenstande berührt

worden sein! Nein, weil der Stamm zittert, zittert auch der Ast und

das Blatt als Teil und Teilchen des Stammes. Die Nerven sind solche

Äste am Baume des Körpers. „Er hat ein Nervenleiden, die Nerven sind

angegriffen.“ Was heißt das? Nein, der ganze Organismus hat einen

Schlag erhalten, ist geschwächt worden. Deshalb zittern leider auch die

Nerven.

Zerschneide vorsichtig mit der Schere einen vom Mittelpunkt zur

Peripherie (zum äußersten Kreis) laufenden Netzfaden des Kunstgewebes

der Spinne! Das ganze Netz fährt zusammen, die mit wunderbarer

Genauigkeit gesponnenen, wie mit dem Zirkel abgemessenen Vierecke

und Dreiecke bilden auf einmal die unregelmäßigsten, ungeordnetsten

Figuren. Wie töricht, wollte ich urteilen: Das ist ein verworrenes

Ding, die Spinne muß sich vergessen und beim Weben ihres Seidenhauses

dieses Mal wesentliche Fehler begangen haben. Spanne den kleinen Faden

wieder an, und die frühere, wundersame Ordnung ist augenblicklich

hergestellt! Den einzigen winzigen Faden suchen und finden, darin

liegt die Kunst. Wer statt dessen im Gespinste herumtappt, wird es

ganz zerstören. Die Anwendung überlasse ich einem jeden selbst und

schließe nur mit der eigentlichen Antwort auf unsere Frage: +Wie

einfach, unkompliziert und leicht+, ich möchte sagen, +fast jede

Täuschung, jeden Irrtum ausschließend ist die Heilung, wenn ich

weiß, jede Krankheit ruht in Störungen des Blutes! Die Arbeit der

Heilung kann nur die zweifache Aufgabe haben: entweder muß ich das

ungeordnet zirkulierende Blut wieder zum richtigen und normalen Laufe

zurückführen, oder ich muß die schlechten, die richtige Zusammensetzung

des Blutes störenden, das gesunde Blut verderbenden Säfte, Stoffe

(Krankheitsstoffe) aus dem Blute auszuscheiden suchen.+

+Eine weitere Arbeit+, die Kräftigung des geschwächten Organismus

ausgenommen, +gibt es nicht+.

3. +Auf welche Weise bewirkt das Wasser die Heilung?+

Den Tintenfleck auf der Hand wäscht das Wasser schnell ab, die

blutende Wunde reinigt es aus. Wenn du im Sommer nach angestrengtem

Tagewerk dir mit frischem Wasser den verkrusteten Schweiß von der

Stirne waschest, so lebst du neu auf: es kühlt, kräftigt und tut

wohl. Die Mutter gewahrt auf dem Köpfchen ihres Kleinen Schuppen und

festsitzende Krusten. Sie nimmt warmes Wasser oder gar Lauge und löst

die Unreinigkeiten auf.

+Auflösen+, +ausleiten+ (gleichsam abwaschen), +kräftigen+, +diese drei

Eigenschaften des Wassers genügen uns+, und wir stellen die Behauptung

auf:

+Das Wasser+, speziell (im besondern) unsere Wasserkur +heilt

alle überhaupt heilbaren Krankheiten+; denn ihre verschiedenen

Wasseranwendungen zielen darauf ab, die Wurzeln der Krankheit

auszuheben, sie sind imstande:

~a~) +die Krankheitsstoffe im Blute aufzulösen+;

~b~) +das Aufgelöste auszuscheiden+;

~c~) +das so gereinigte Blut wieder in die richtige Zirkulation zu

bringen+;

~d~) +endlich den geschwächten Organismus zu stählen+, d. i. zu

neuer Tätigkeit zu kräftigen.

4. +Woher stammt die Empfindsamkeit der jetzigen Generation, woher die

auffallend schnelle Empfänglichkeit für alle möglichen Krankheiten+,

welche man, zum Teile wenigstens, früher nicht einmal dem Namen nach

kannte?

Diese Frage würde mir gewiß mancher gerne schenken. Gleichwohl

erscheint sie mir von besonderer Wichtigkeit, und ich zögere nicht, zu

sagen, diese großen Uebelstände rühren vorzüglich +her von dem Mangel

an Abhärtung+. Die Verweichlichung der heutzutage lebenden Menschen

hat einen hohen Grad erreicht. Die Schwächlichen und Schwächlinge, die

Blutarmen und Nervösen, die Herz- und Magenkranken bilden fast die

Regel, die Kräftigen und Kerngesunden die Ausnahme. Man fühlt sehr

empfindlich jeden Wechsel der Witterung; der Übergang der Jahreszeiten

geht nie vor sich ohne Schnupfen und Katarrh; selbst der zu schnelle

Eintritt von der kalten Straße ins warme Zimmer bleibt nicht ungerächt

usw. usw. Das war doch vor 50, 60 Jahren noch ganz anders; wohin sollen

wir kommen, wenn, wie die allgemeine Klage der Besonnenen lautet, es

mit der Menschenkraft und dem Menschenleben so rapid, so auffallend

schnell bergab geht, wenn das Hinsiechen schon anfängt, ehe das

kräftige Leben noch begonnen? Es ist hohe Zeit, daß man endlich zur

Einsicht komme.

Einen kleinen Beitrag zur Remedur (Heilung) solcher Notstände mögen die

+wenigen schuld- und gefahrlosen Mittel bieten+, welche +ich zur

Abhärtung der Haut, des ganzen Körpers und einzelner Körperteile+

den Wasseranwendungen beifüge. Es wurden diese Mittel bereits von

zahllosen Personen aus allen Ständen, von manchen mit anfänglichem

kopfschüttelndem Lächeln akzeptiert, später aber mit bejahendem Nicken

und mit sichtlichen Erfolgen praktiziert. ~Vivant sequentes!~

Ebenso wichtige Kapitel wie über die Abhärtung wären zu schreiben

über die +Ernährung+, +Kleidung+ und +Lüftung+. Davon vielleicht ein

andermal. Ich weiß, meine Sonderansichten werden auf großen Widerspruch

stoßen. Gleichwohl halte ich fest an denselben; denn eine langjährige

Erfahrung erst hat sie gereift. Es sind nicht Pilze, die über Nacht

im Gehirne aufschossen; es sind Edelfrüchte, manchem eingefleischten

Vorurteile hart und herb, einem gesunden Geistesmagen aber vortrefflich

mundend.

Es soll nur angedeutet werden, daß +bezüglich der Ernährung+

bei mir die Hauptregel lautet: Trockene, einfache, kräftige, nicht

verkünstelte und durch scharfe Gewürze verdorbene Hausmannskost und

das unverfälschte Getränk, das in jedem Quell der liebe Herrgott

spendet, beides genügsam gebraucht, ist dem Menschenkörper am besten

und förderlichsten. (Ich bin nicht Puritaner und gestatte gern ein

Glas Wein oder Bier, lege demselben aber durchaus nicht die allgemein

beliebte Bedeutung bei. Vom medizinischen Standpunkte aus, nach

Krankheiten z. B., mögen diese Getränke zuweilen eine Rolle spielen; in

gesundem Zustande indessen lege ich dem Obste größere Bedeutung bei.)

+In der Bekleidung+ folge ich dem Grundsatze der Altvordern:

Selbst gesponnen, selbst gemacht, ist die beste Landestracht. Ich

bin zunächst gegen die auffallende Ungleichheit oder vielmehr

ungleichmäßige Verteilung der Bekleidung, zumal im Winter -- ein

großes Verderben für die Gesundheit. Der Kopf hat seine Pelzmütze;

der Hals die feste Halsbinde, darüber den meterlangen Wollschlips;

die Schultern tragen eine drei- bis vierfache Decke, beim Ausgehen

noch den Überwurf oder gar den Pelzkragen; die Füße allein, die

armen, vernachlässigten Füße bedecken wie im Sommer die Socken oder

Strümpfe, die Schuhe oder Stiefel. Was folgt aus dieser unvernünftigen

Parteilichkeit? Das obere Umgebinde und Umgewinde zieht, wie eine

Pumpe das Wasser, Blut und Wärme in den oberen Stock, die unteren

Körperteile werden blutarm und kalt, Kopfweh, Kongestionen, Erweiterung

der Kopfadern, hundert Übelbefinden und Nöten sind damit gelöste

Rätsel. Im weiteren bin ich gegen die direkte, unmittelbar den Leib

berührende Wollbekleidung und für die Bekleidung mit dem trockenen,

festen, kernhaften, unverkünstelten Linnen oder Reisten. Letzteres ist

mir die liebste Haut auf der Haut, welche diese nie verweichlicht,

vielmehr ihr stets die besten Frottierdienste tut. Das vielzweigige,

haarige, fettige Wollgeflecht auf bloßem Körper (wie die Wolle meinen

Zwecken dient, sagt das Allgemeine zu den Wasseranwendungen) gilt mir

als Säfte- und Wärmesauger, als Mitursache der schrecklich wuchernden

Blutarmut unserer schwachen, elenden Generation. Das neueste Wollregime

in verbesserter Auflage wird dieser Blutarmut nicht ab- und dem Blute

nicht aufhelfen. Die jüngeren Leute können es erleben und das Regime

überleben.

Ich komme an die +Lüftung+. Den Fischen, die aus Quellwasser

kommen, insbesondere den Gebirgsforellen geben wir bei weitem den

Vorzug. Bachfische stellen wir zurück, Fische aus Sümpfen und Mooren

mit dem ekligen Geschmacke schenken wir einem jeden. Es gibt auch

eine Sumpf- und Moorluft. Wer sie einatmet, füttert seine Lunge mit

Pesthauch. Die Luft, zum dritten Male eingeatmet, sagt ein berühmter

Arzt, wirkt giftartig. Ja, wenn die Leute das verständen und übten,

in ihren Wohn- und insbesondere Schlafzimmern stets möglichst

reine, frische, sauerstoffhaltige Luft zu haben, viel Unwohlsein

und viele Krankheiten blieben ihnen erspart. Die reine Luft wird

verdorben hauptsächlich durch das Atmen. Wir wissen gar wohl, daß 1-2

Weihrauchkörnchen, welche man auf der Glut vergehen läßt, ein ganzes

Zimmer mit Wohlgeruch erfüllen. Wir wissen auch, daß 15-20 Zigarren-

oder Pfeifenzüge hinreichen, einen großen Raum nach Tabaksqualm riechen

zu machen. Das Kleinste, Unbedeutendste reicht oft hin, die reine

Luft in der einen oder andern, angenehmen oder unangenehmen Weise zu

verderben. Ist das Atmen nicht einem solchen Rauche ähnlich?

Wie viele Atemzüge machen wir in einer Minute, in einer Stunde, bei

Tag, bei der Nacht!

Wie verdorben muß die reine Luft werden, wenn wir den Qualm auch nicht

sehen! Und wenn ich nicht lüfte, d. i. die schlimme, durch Kohlensäure

(lebensfeindliche Luft) verdorbene Atmosphäre nicht erneuere, welch

verdorbene und Verderben anrichtende Miasmen (Gestänke) werden in

die Lunge einströmen? Die Folgen können und müssen nun gleichfalls

schlimme, schädliche sein.

Wie +Atmen+ und +Ausdünstung+, ebenso nachteilig wirkt auf

die reine, gesunde Lebensluft eine zu +große Wärme+, insbesondere

eine zu große Zimmerwärme. Auch sie macht die Luft schlecht und, da sie

den Sauerstoff, das die Luft belebende Element, verzehrt und tötet, zum

Leben unfähig, für das Einatmen schädlich. 12-14 Grad ~R.~ Wärme

sind ausreichend, 15 Grad sollen nie überschritten werden.

Man sorge für gründliche Lüftung sämtlicher Wohn- und Schlafräume und

führe dieselbe täglich mit Konsequenz und Ausdauer durch in einer

Ordnung, wie sie niemanden belästigt, der Gesundheit eines jeden nützt.

Große Sorgfalt verwende man vor allem auf die Lüftung der Betten.

* * * * *

Ich habe gesagt, was ich an dieser Stelle zu sagen für gut befand. Das

Gesagte genügt, ein Bild des anklopfenden Fremden zu geben; man möge

ihn entweder freundschaftlich einlassen oder ungehört von der Türe

weisen. Auf beide Arten des Empfanges bin ich gefaßt, und mit beiden

erkläre ich mich zufrieden.

[Illustration]

Erster Teil

Wasser-Anwendungen

„~Aquae omnes.. laudent nomen Domini!~“

„Ihr Wasser alle, preiset den Namen des Herrn!“

[Illustration: Jegliches Kräutlein der Erde preise den Namen des Herrn.]

Allgemeines.

Die von mir gebrauchten und in diesem ersten Teile beschriebenen

+Wasseranwendungen+ teilen sich in

+Aufschläger+,

+Bäder+,

+Dämpfe+,

+Gießungen+,

+Waschungen+,

+Wickelungen+,

+Trinken+ des Wassers.

Die Unterabteilungen einer jeden Anwendung enthält das erste Register.

Fremdklingende Übungen sind namentlich und sachlich an Ort und Stelle

erklärt.

+Dem Wesen aller Krankheiten+ entsprechend, wonach diese

durch Störungen des Blutes, nämlich durch anormalen, fehlerhaften

Blutumlauf oder durch dem Blute beigemischte, verdorbene fremdartige

Bestandteile, die Krankheitsstoffe, entstehen, +verfolgen+ die

Wasseranwendungen den +dreifachen Zweck+: des +Auflösens+,

des +Ausscheidens+ der Krankheitsstoffe und der +Kräftigung+

des Organismus.

Im +allgemeinen+ kann gesagt werden, daß der +erste Dienst des Lösens

von allen Dämpfen+ und den warmen +Kräutervollbädern+ besorgt wird; der

+zweite Dienst+ des +Ausscheidens von sämtlichen Wickelungen+, +zum

Teil+ von den +Gießungen+ und +Aufschlägern+; der +dritte Dienst+ der

+Kräftigung von allen kalten Bädern+, +allen Gießungen+, +zum Teil von

den Waschungen+, +endlich+ von dem +gesamten Material der Abhärtung+.

Ins einzelne kann und will ich an dieser Stelle, um nicht zu

Mißverständnissen Anlaß zu geben, nicht eingehen.

Da +eine jede+ Krankheit in den oben angegebenen Blutstörungen wurzelt,

so leuchtet ein, daß auch in einem jeden Krankheitsfalle +alle drei

Arten der Anwendung+ oder mit anderen Worten verschiedene Anwendungen

vorkommen müssen, welche mehr oder weniger +auflösen+, +ausleiten+ und

+kräftigen+; ferner, daß nicht der kranke Körperteil allein, etwa der

Kopf oder der Fuß oder die Hand, in Behandlung kommt, sondern +stets

der ganze Körper+, den ja in solchem Falle krankes Blut durchströmt:

die kranke Stelle mit Vorzug und besonderer Berücksichtigung, der

übrige Körper als Mitleidender. Es wäre einseitig und gefehlt, in

diesen zwei wichtigen Punkten anders handeln zu wollen. Manche

Beispiele im dritten Teile werden meine Behauptung rechtfertigen.

Meine Wasser-Kur Durch mehr als 40 Jahre erprobt und geschrieben zur Heilung der Krankheiten und Erhaltung der Gesundheit · 第 1 / 36 段