Ein Frosch sass im nassen Grase, befriedigt und wohl aufgeblähet, denn er
hatte eben gespeist, und da ihm das Verschmauste wohl bekam, so fühlte er
sich nicht ungeneigt zu philosophieren, zwinkerte behaglich mit seinen
feuchten Augen und dachte:
»Was ist doch die Welt so seriöse! -- und machen sie alle so fatale Mienen,
statt das Leben frisch zu nehmen wie es ist! Ich bin zufrieden, und mir
geht es gut; auch nehme ich die Dinge wie sie kommen!«
Und obwohl er schon zu viel gegessen hatte, schnappte er noch im Übermute
nach einer Fliege, die des Weges flog, und verzog dann sein breites Maul zu
einem superiorem Lächeln: Es war doch wirklich alles zu dumm!
So hockte er froh an des Teiches Rand, blickte in die laue Luft und hiess
die Weltordnung gut. Libellen hingen und schwirrten, dicke Waldschnecken
schleppten sich fort, ein Vöglein jammerte und eine hagere Katze schlich
umher. Alles beobachtete und genoss der Frosch als heitrer Skeptiker und
Bon-vivant und plumpste dann wieder in den Teich.
Von Tag zu Tag aber gedieh er, zum Verderben zahlloser Mückchen, die
enthusiastisch in der Sonne schillerten. -- Kein Wunder, wenn sich der
Frosch da »hatte« und seine Lebensanschauung sich zu einem immer
insolenterem System abrundete!
Und unumwölkt floss sein Dasein dahin, denn jeder ist selbst seines Glückes
Schmied.