Die Rolle der Münchener Polizei

Die Münchener Polizeidirektion unter Pöhner arbeitete mit dem Oberland

zusammen. Die Verbindung wurde durch einen Leutnant Weil aufrecht

erhalten. Zahlreiche Akten des Freikorps Oberland gingen nach Zimmer

117 der Polizeidirektion, Referat 6a, politische Abteilung,

Regierungsrat Frick. Auch ist der Verdacht geäußert worden, daß die

Flucht der Mörder Erzbergers nach Ungarn mit Hilfe falscher Pässe

bewerkstelligt wurde, die der Münchener Polizeipräsident Pöhner

ausgestellt hat. Folgender Fall macht diese Vermutung wahrscheinlich. In

einem Münchener Hotel wurde ein Kaufmann Hans Eickmann von einem

Polizisten verhaftet, weil er zwei Pässe hatte. Als Eickmann dann dem

Polizeipräsidenten vorgeführt wurde, sagte Pöhner: »Der eine Paß ist

falsch, geben sie ihn sofort her. Ich habe den Herrn in einer

politischen Sache nach Ungarn gesandt. Der Mann wird entlassen, führen

Sie ihn aber nicht durch die politische Abteilung.« (Reichstag, 17. Juni

1921.)

Aller Wahrscheinlichkeit nach fällt die Ermordung der Sandmeyer, des

Abgeordneten Gareis, das Attentat auf Auer, die Ermordung des Leutnant

Schweighardt und des Spitzels Hartung auf das Konto des Freikorps

Oberland oder von Kreisen, die ihm nahe stehen.

Bei alledem darf man sich nicht etwa vorstellen, daß in Bayern ständig

eine bis zur Gluthitze gesteigerte politische Atmosphäre herrscht. Im

Gegenteil, das offizielle Vertuschungssystem hat es mit sich gebracht,

daß der Durchschnittsbürger von all diesen Vorgängen entweder überhaupt

nichts erfährt oder sie als selbstverständlich betrachtet, ihre

Erwähnungen aber als eine Berliner Hetze auffaßt. Denn die Presse, die

abgesehen von den paar sozialistischen Organen politisch vollkommen

rechts steht, auch wo sie sich demokratisch nennt, macht dieses

Vertuschungssystem vollkommen mit.

Vier Jahre Politischer Mord · 第 128 / 146 题