Hans Paasche

Hans _Paasche_ war zuerst Offizier in den Kolonien und war unter den

Schrecken des Kolonialkrieges zum Pazifisten geworden. Während des

Krieges schwebte gegen ihn ein Hochverratsprozeß, weil er ein Flugblatt,

das ihm ein Agent provocateur im Auftrag der Polizei zustellte,

verbreitet hatte. (Wolfgang Heine, »Deutsche Tageszeitung«, 26. Oktober

1920.)

Paasche hatte in den ersten Tagen der Revolution eine Rolle gespielt,

sich aber dann auf sein Gut Waldfrieden in der Neumark zurückgezogen.

Auf Grund einer von Berlin ausgegangenen Denunziation, wonach bei ihm

die Waffen für die kommunistische Kampforganisation untergebracht seien,

fand bei ihm am 22. Mai 1920 unter Führung des Oberleutnants _Koppe_

eine Haussuchung nach Waffen statt, die von 60 Soldaten unter Führung

von zwei Offizieren durchgeführt wurde.

Paasche saß in Badehosen an seinem See und fischte, als der Gendarm

Wendland ihn bat, ins Schloß zu kommen, weil dort Herrschaften auf ihn

warteten. Ein Haftbefehl bestand nicht. Als Paasche die Postenkette

erblickte, wurde er mißtrauisch, wandte sich um »zu einem

Fluchtversuch«. Gemäß dem Befehl, »wonach sie zu schießen hätten, wenn

eine festgenommene Person auf dreimaliges Haltrufen nicht stände« (amtl.

Bericht des Oberleutnants Koppe, »Vossische Zeitung«, 1. Juni 1920),

erschossen ihn die Soldaten. Den tödlichen Schuß gab der Schütze

_Diekmann_ ab. Um Stimmung zu machen, berichtete das

Reichswehrschutzregiment in Deutsch-Krone am 25. Mai 1920 im »Berliner

Tageblatt«: »Wie mitgeteilt wird, sollen bei Paasche eine größere Anzahl

Dumdumgeschosse gefunden worden sein.« Diese haltlose Behauptung wurde

später nicht mehr aufrecht erhalten. In den verschiedenen amtlichen

Berichten, insbesondere dem des Preußischen Ministeriums des Innern

(»Berliner Tageblatt«, 3. Juni 1920) wurde zugegeben, daß absolut nichts

Belastendes gefunden wurde. Die Regierung versprach strengste

Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen. Die Untersuchung endete

folgendermaßen:

»Herrn Viktor Fränkl, Justizrat, Berlin.

Das Verfahren ist am 27. November 1920 eingestellt, weil eine

strafbare Handlung nicht nachweisbar ist. Der Tod des Paasche ist

auf ein Zusammentreffen nicht voraussehbarer unglücklicher

Umstände zurückzuführen, für welche niemand strafrechtlich

verantwortlich zu machen ist.

Schneidemühl, den 6. Dezember 1920.

Vier Jahre Politischer Mord · 第 60 / 146 题