Morde im Rheinland 1919

Der Bergmann Aloys _Fulneczek_ in Bottrop, Fulenbrockstr. 24, war am 19.

Februar 1919 als Delegierter der K.P.D. mit Delegierten der anderen

Parteien zum Kommandanten der einrückenden Truppen des Hauptmann

Lichtschlag zwecks Verhandlungen gegangen. Auf dem Rückwege wurde er von

den Truppen festgehalten, mißhandelt, ins Gerichtsgefängnis in Bottrop

eingeliefert und dort in der Zelle von dem Regierungssoldaten _Heuer_

in Gegenwart eines zweiten Soldaten von hinten erschossen. Heuer wurde

wegen Totschlags vor dem Militärgericht angeklagt, aber auf die Aussage

seines Begleiters hin freigesprochen, weil er angeblich in Notwehr

gehandelt. Der Militärfiskus ist in I. Instanz zum Schadenersatz

verurteilt.

Moritz _Steinicke_ aus Gelsenkirchen, Reichstr. 15, wurde in der Nacht

vom 20. zum 21. Februar 1919 von zwei Schutzleuten, zwei Soldaten und

einem Zivilisten ohne Haftbefehl verhaftet und von dem Führer der

Abteilung, _Blumberg_ und einem Polizisten vor dem Hause Wilhelmstr. Nr.

51 »auf der Flucht« erschossen. Steinicke war Mitglied der U.S.P.D., es

lag nichts gegen ihn vor. Das Verfahren wurde eingestellt, weil Blumberg

»zur Verhinderung des Fluchtversuches von seiner Waffe Gebrauch gemacht

und also gemäß der ihm erteilten allgemeinen Instruktion gehandelt

habe«. (Aktenzeichen 7 a. J. 585/19 der Staatsanwaltschaft Essen.)

Vier Jahre Politischer Mord · 第 18 / 146 题