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Anmerkungen zur Transkription.
Das Original ist in Fraktur gesetzt. Die Schreibweise und Interpunktion
des Originaltextes wurden übernommen; offensichtliche Druckfehler sind
stillschweigend korrigiert worden.
Worte in Antiqua sind so +gekennzeichnet+; gesperrte so: ~gesperrt~
und =fett gedruckte= so.
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=~Reise~=
in das
=~Morgenland~=
in den Jahren 1836 und 1837
von
+Dr.+ Gotthilf Heinrich von Schubert.
Dritter und letzter Band.
Mit einer Karte und dem Grundriße von Jerusalem.
Erlangen, =1839=
~bei J. J. Palm und Ernst Enke~.
~Reise~
in das
~Morgenland~
in den Jahren 1836 und 1837.
Dritter und letzter Band.
Erlangen,
gedruckt bei C. H. Kunstmann.
Vorrede.
Dieser letzte Band meiner Reisebeschreibung, welcher heute vollendet
vor mir liegt, führt den theilnehmenden Leser weiter durch das alte
Heimathland des Glaubens, dann zu jenem des wissenschaftlichen
Beschauens, endlich aber zurück zu dem Ort des leiblichen Daheimseyns.
Indem ich am Schlusse der ganzen Arbeit noch einmal die Bahn betrachte,
durch welche mein Reisebericht führt, erkenne ich freilich, lebendiger
denn vielleicht irgend ein Andrer, die Mangelhaftigkeit dieses
Führers. Denn obgleich es die Quellen vom Hermon und Libanon, von
Judäas und Ephraims Gebirgen, dem vorüberrinnenden Bächlein meiner
Beschreibungen an Nahrung nicht fehlen ließen, blieb dieses dennoch
ein Siechbach, welcher nur zu oft dem Gesetz des Falles unterliegend
von der Höhe herab in die dürre Ebene der Alltäglichkeit sich ergoß
und hier im Sande sich verlor. Wenn aber auch nicht selten ein Gebüsch
der Tamarisken, das am Rande des vertrockneten Gießbaches grünet, die
Erwartung des Lesers täuschen sollte, der sich da einem erfrischenden
Quell im Haine der Zypressen zu nahen hoffte, möge dennoch der
Getäuschte dem alten Reisebeschreiber nicht zu sehr zürnen. Es sind
nicht allein die Quellen des Gebirges, die man nach Willkühr aufsuchen
und wieder verlassen kann, welche dem dürren Lande sein lebendiges
Wasser geben, sondern die Segnungen von diesem kommen am meisten und
zunächst aus dem oberen Gewölk, über dessen Erguß und Lauf unser
Wille keine Gewalt hat. Und selbst jene Weise der Darstellung, welche
dem armseligen Gebüsch der Tamariske aus der Ferne die anscheinende
Gestalt der edlen Cypresse verleihet, kam nicht aus der Willkühr des
Beschreibers. Die Erinnerung an das vorhin Empfundene und Erlebte ist
ein Abendroth, welches selbst die unscheinbaren Nebel der Höhe mit
seinem lieblichen Purpur bekleidet, und zugleich auf das Angesicht
Dessen der es betrachtet und beschreibt, einen veredlenden Schein
wirft, der jenem von Natur nicht zukommt.
Es war anfänglich meine Absicht als Anhang zu diesem letzten Bande
meiner Reise ein Verzeichniß von Arabischen Namen der Naturkörper,
namentlich der Pflanzen und Thiere zu geben. Dieses war der Grund
aus welchem ich die Arabischen Benennungen, auch wo sie mir bekannt
geworden, im Buche selber nur selten beifügte. Abgesehen jedoch davon,
daß der Inhalt des dritten Bandes selber unter der Hand zu einer
größeren Ausdehnung angewachsen war als ich erwartet hatte, und daß
ein solches Namensverzeichniß nur für den geringsten Theil der Leser,
für welche ich zunächst dieses Buch schrieb, von Interesse seyn würde,
hielt ich es nach reiflicherer Ueberlegung auch aus andren Gründen für
besser, jenen weitläufigen und dennoch lückenhaften Anhang für eine
passendere Gelegenheit zurück zu behalten.
Eine Zusammenstellung unsrer auf der Reise von Kairo bis nach
Beirut gemachten barometrischen Beobachtungen sammt den hierauf
gegründeten Berechnungen der Höhen verspricht mein verehrter
College, +Dr.+ E. A. von Steinheil, welcher dem Geschäft jener
Berechnungen freundlich sich unterzog, in den Denkschriften der
Münchner Academie der Wissenschaften zu geben. Freilich geht jenen
Angaben leider die Sicherheit ab, die sie nur durch correspondirende
Beobachtungen erhalten konnten, und von den vier aus München wie aus
Wien mitgenommenen Barometern war das einzige, durch +Dr.+ Erdls
unermüdete Wachsamkeit noch für den letzten wichtigsten Theil der
Reise gerettete, vielleicht nicht einmal das beste; dennoch können
unsre Beobachtungen einen vorläufigen Anhalt für die Höhenkenntniß von
Palästina geben.
Die hier beigefügte Landkarte, zu welcher mein treuer Reisegefährte
+Dr.+ Erdl den Plan von Jerusalem, großentheils nach Catherwood
zeichnete, gewährt nur eine allgemeine Uebersicht über die Richtung
unsres Weges; von dem Haupt- und Mittelpunkt der ganzen Reise, von der
Landschaft Palästina's, wird die hoffentlich bald erscheinende Karte
meines Freundes K. von Raumer ein möglichst vollständiges und getreues
Bild geben.
Die Auswahl aus den Zeichnungen meines Reisebegleiters, des Herrn
Maler Bernatz liegt nun vollendet, in vier Heften, vor. Wenn diese
Abbildungen auch keinesweges auf glänzenden Effekt berechnet sind, so
kann ich dagegen desto mehr die gewissenhafte Treue rühmen, mit welcher
dieselben an Ort und Stelle entworfen sind. Die von mehreren Seiten
gerügte Ungleichheit der Abdrücke war nicht die Schuld des in weiter
Entfernung vom Druckorte wohnenden Künstlers.
Sehr zu beklagen habe ich, daß mir die vorläufigen Berichte der Herren
Robinson und Eli Smith über ihre Reise in Arabien und Palästina (in
der Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes) erst nach dem Abdruck
des zweiten Bandes meiner Reise zu Gesichte kamen. Ich würde mich
sonst ausführlich über die Gründe erklärt haben, aus denen ich noch
jetzt, übereinstimmend zwar im Ganzen mit den Wahrnehmungen jener
trefflichen Beobachter, zugleich aber auch in Berücksichtigung von
Siebers, Catherwoods u. A. Annahmen über den Lauf der alten Mauern von
Jerusalem, es für mehr als wahrscheinlich halte, daß die Stätte, auf
welcher die h. Grabeskirche erbaut ist, zur Zeit von Christi Kreuzigung
außerhalb der Stadtmauern gelegen sey, und daß sie die wirklichen
Orte von Golgatha und vom heiligen Grabe umfasse. Uebrigens freue ich
mich von Herzen auf das Erscheinen einer Reisebeschreibung, welche so
reichhaltig zu seyn verspricht an Aufschlüssen über die Geographie und
Naturbeschaffenheit von Palästina denn vielleicht kaum eine andre der
neueren Zeit.
Ich bin befragt worden, wie hoch sich wohl die Kosten einer solchen
Reise, wie die unsrige war, belaufen möchten? Hierauf kann ich
antworten, daß wenn eine kleine Gesellschaft, etwa der unsrigen an
Zahl der Personen gleich, denselben Weg einschlagen wollte, den wir
zurücklegten, die Ausgaben für eine Person beiläufig 900 Thaler
Preußisch oder nahe 1600 Gulden rheinisch betragen möchten; daß man
aber bei der jetzigen Einrichtung der Dampfschiffahrt gar wohl mit etwa
800 Gulden die Reise von Triest nach dem gelobten Lande, dann durch
ganz Syrien und von dort zurück nach Triest machen könnte. In der That,
gering und unbedeutend waren die äußren Opfer, Entbehrungen und Mühen,
welche diese Reise erforderte, gegen den Genuß und Gewinn welchen sie
uns brachte; denn wir wurden im ganzen Verlauf derselben wie auf
Adlersfittichen geführt und bewahrt; selbst die Wüste gewährte uns
Freuden, welche im Geräusch der Städte kaum gefunden werden.
Pähl im Ammergrunde am 28sten August 1839.
Der Verfasser.
Inhalt des dritten Bandes.
=I. Wanderungen durch Palästina und Syrien S. 1 bis 384.=
Das Ausruhen S. 1, 2; Pilgerheimweh 3, 4.
~Bethlehem, Thekoa und St. Johann~ S. 5-56. Reiseplan 5, Anfang
des Weges nach Bethlehem 6, Brunnen der Magier, Kloster des Elias 7;
geographische Frage 8; Rahels Grab 9; eine geistige Aehrenlese 9,
10; Armuth der jetzigen Bethlehemiten 11; ihre Geschäftigkeit und
künstlichen Handarbeiten 12-15. Freundlicher Wiederempfang im Kloster
16; die Grotte der heiligen Geburt, nebst historischen Erörterungen
über dieselbe 17, 18; die Kirche +Mariae de praesepio+ 19,
die Krippe 20; Grotte des St. Hieronymus so wie der St. Paula und
Eustochium 20, 21; Kapelle der unschuldigen Kindlein 21; Grotte
der Bergung 22. Wandrung nach Thekoa; Wadi Ehretoun 23; Verirren
zwischen den Trümmern von Thekoa 24; das wahre Wort der Weissagungen
25; Trümmer der Christenkirche 25, 26; Aussicht über die Umgegend
27, 28; Abendbrod bei den Hirten 28, 29. Das Labyrinth 30; ein Ort
der Lobgesänge 31, 32; der Frankenberg 33; Feld der Hirten 34;
Abschied von Bethlehem 35. Zweiter Besuch in »Salomons Gärten« 36;
Salomo's Teiche 37; der Quell 38; St. Georg 39; Baitschallah und
seine Wasserträgerinnen 40, 41. Das Thal von St. Philipp 42-44.
Beschwerlicher Gebirgsweg 45; Aussicht vom Berge 46-48; Ankunft in
St. Johann 49; das Terebinthenthal 50; Freundliche Wohnstätte 51.
St. Johann in der Wüste 52, 53. Der Klostergarten 54; Kloster des h.
Kreuzes 55; Heimkunft nach Jerusalem 56.
~Neuer Aufenthalt in Jerusalem~ S. 56-67. Soldatenroheit 57.
Besuch bei der Sakharamoschee 58; Beschreibung ihres Aeußren 59, 60;
Aussage eines Augenzeugen über ihr Innres 61, 62; Nachtwache in der h.
Grabeskirche 63-67.
~Reise nach dem todten Meere und Santa Saba~ S. 67-103.
Voreiliges Verirren 68, 69; Ruinen in Süden von Bethanien 70; Brunnen
der Apostel 71; wüste Gegend zwischen Jerusalem und Jericho 72; das
Mordthal; der Berg der Versuchung 73; Thalkluft des Elisabaches 74;
Ruinen und Stätte von Jericho 75; Nachtlager beim Dorfe Richa 76, 77;
historische Erinnerungen 78: an Gilgal 79; Obdach des Feigenbaumes 80.
Morgengedanken 81; der Jordan 81-84. Der Weg nach dem todten Meere 85;
sein Wasser 86; seine tiefe Lage 87, 88; Beschaffenheit der Ufer 89,
90; Erinnerungen an die Geschichte der Umgegend 91, 92; ökonomische
Verlegenheit 92; ein Englisches Fahrzeug 93. Brandstätte der Natur 94.
Mohamedanische Sagen 95. Die Wüste der Einsiedler 96; gefahrvoller
Felsenpaß 97; die Klosterveste von St. Saba 98; Grotte des heiligen
Saba 99; andre Sehenswürdigkeiten des Klosters 100; Abendliche Stille
101; nächtliches Geläute 102; Rückkehr nach Jerusalem 102, 103.
~Naturgeschichtliche Bemerkungen~ S. 103-122. Eigenthümlichkeiten
der Lage und des Klima's von Jerusalem 103-107; herrschende
Gebirgsarten 108-110; natürliche Fruchtbarkeit von Palästina 111;
Flora 112-116; Fauna 117-120; Großes im Kleinen 121, Abschied 122.
~Reise nach Sichem und Nazareth~ S. 122-221. Abreise von
Jerusalem und Rückblicke 122, 123. Verlegenheit des Forschers der
Oertlichkeiten 124; Thal Ajalon und Beeroth 125; Ruinen daselbst
126; Gebirge Ephraims 127; Jabrut 128; Nachbarschaft von Bethel
129; Nachtlager in Sindschil, Aussicht nach Silo, Erinnerungen an
das Land der Kindheit 130-132. Nachtlager im Freien 133. Verlust
durch Diebstahl und ungerechter Verdacht 133, 134. Das Thal von
Libna 134; Sawia 135; Thal von Howara 136. Anblick des Garizim 136;
Thal von Sichem oder Nablus; Jacobsbrunnen 137; Josephs Grab 138.
Die Festlichkeiten der Mohamedaner am Moharremfeste 139, 140; Tag
des Aschura 141. Jetziger Zustand von Sichem 142; das Griechische
Pilgerhaus 143, 144. Der Abhang und die Höhe des Garizim 145;
Gartengesellschaften 146; Eleasars Grab 147, der alte Stadtthurm mit
seiner Aussicht und seinen Erinnerungen 147-149; Justinus Martyr der
Sichemit 150, 151. Nochmaliger Besuch bei dem Brunnen der Samariterin
und bei Josephs Grabe 152-154; schlechtes Nachtlager 154; Abreise
aus Sichem 155; Samaria 156; Herodes und St. Johann der Täufer 157;
Ruinen der Johanniterkirche 158; Reste der älteren Tempel und Paläste
159, 160; Geruch des Todes 160. Stätte von Bethulia 161, Nachtlager
bei Dschennin 162. Das Gefilde Esdrälon und die Gebirge Gilboa's 163;
Hinblick auf die Stätte von Jesreel, Taanach u. f. 164; Fernansicht
des Thabor und des kleinen Hermon 165. Fruchtbarkeit der Ebene von
Jesreel 166; der Kison und die Berge von Nazareth 167. Ankunft im
Kloster während eines heftigen Sturmes 168; Betrachtung der Umgegend
von Nazareth und der Stadt selber 169, 170; Kirche der Verkündigung,
Brunnen der Maria, Haus des Joseph u. f. 171. Der Weg nach dem Thabor
173; auffallender Umriß des Berges 173; Dabury 174; die reiche
schöne Natur des Gipfels und die Aussicht von demselben 175, 176.
Zertrümmerte Bergveste mit dem schlafenden Einsiedler 177, 178;
Erinnerungen welche der Anblick des Thaborgipfels und die Aussicht
hinab auf das Schlachtfeld von Hittin weckt 179. Kurzer Ueberblick
über die Geschichte der Kreuzzüge: innrer Grund ihres Entstehens
180, 181; der trübe Winterstrom ihres ersten Hervorbrechens 182,
183; mannichfache Entartungen auch des besseren Anfanges 184-186;
ritterliche Kraft und Tapferkeit 187-189; unverkennbare Bezeugungen
eines christlichen Heldenmuthes und gottbegeisterten Sinnes 190-195;
das Leben aus dem Tode 196-198. Tröstliches Naheseyn 199. Die Ruinen
auf dem Thabor 200; Heimweg nach Nazareth 201, 202. Der Weg nach dem
Carmel; St. Giacomo 203; das Dorf Geida und der Tell Scheikh Beraik
204; das grasreiche Kisonthal und der Umriß des Carmel 205; die
Eliasschlacht und die Stätte des Opferaltars 206, 207; Kaipha 208;
der Bazar 209. Das neue Klostergebäude am Carmel 210; seine schöne,
vortheilhafte Lage zur Aufnahme von neuen Ankömmlingen aus Europa
211; die Flora der Umgegend 212; Aussicht 213; Europäisch-stattliche
Einrichtung im Innren des Klosters 214. Die neue Kirche und ihre
Kunstwerke 215. Akre oder Akko 216, 217; Atlit und andre Orte der
Nachbarschaft 218, 219; der Padre Matteo; Heimkehr nach Nazareth 220;
Abschied von da 221.
~Reise von Nazareth nach Damaskus~ S. 221-276. Weg nach Cana
in Galiläa 221, 222; die Ebene von Hittin und die Geschichte des
4ten Juni 1187 223-230. Der Kesselrand des Tiberiassees, angebliche
Stätte der Speisung 231. Tiberias in seinem vom Erdbeben schadhaften
Zustand 232, 233; die hiesigen Israëliten 234, 235; die Trümmer
aus Römischer Zeit 236; der See und seine günstige Lage 237, 238;
die warmen Heilquellen 239; bedeutungsvolle Umgegend des Sees 240.
Allgemeines Verirren 241, 242; Nachtlager am See 243; eine Nachfeier
des Auferstehungsfestes 244, 245; der rauchende Bach 247; ein
ungestümer Bettler 248, 249. Magdala 250; Nachbargegend des alten
Capernaum 251, 252. Der Josephsbrunnen 253; Aussicht auf Saphet 254;
Dschebel Szafad 255; die Jacobsbrücke 256-260; nächtliche Ruhe und
Unruhe 260, 261. Fortsetzung der Reise über den hohen, östlichen
Jordansrand 261; Eichen von Basan 262; eine Landschaft von Ituräa
263; Nowaran und Tell el Khanzyr 264; die Gegend der Phialaquelle und
von Kanneytra 265, 266; Sturmwind und nothgedrungene Frugalität 267,
268; kaltes Nachtlager auf der Heide 268, 269. Der Geburtstagsmorgen
269, 270; Sasa 271; die öde Hochebene 272; Nachtlager bei dem Khan el
Scheikh 273. Das Dorf Kokab 274; Wettrennen der Mucker 275; Ankunft im
Lateinischen Kloster von Damaskus 275, 276.
~Damaskus~ 276-305. Beschreibung des ersten Eindruckes in der
Bildersprache des Orients 276-279; die Mystik des Orients 279, 280.
Leibliches Freudegefühl 280, 281. Frühere Undultsamkeit der Bewohner
von Damaskus gegen die Franken 281; jetzige Dultsamkeit 282. Klima
und Cultur des Bodens der Umgegend 283-286. Der Kasiunberg, und
seine Sagen 286, 287; Saladins Grab; die Moschee der Ommiaden 287;
christliche Erinnerungen 288. Damaskus das Madrid, wie Kairo das Paris
des Morgenlandes 289; das Alter von Damaskus und die Züge seiner
Verwandtschaft mit den Städten des abgelegneren Ostens 290; Größe und
Bauart 291; das Gemisch der Bewohner 292; Veranlassung zur gehässigen
Verstimmung der hiesigen Mohamedanischen Bewohner gegen die Christen
293; kräftige Gewerbthätigkeit der Damascener 294, 295; Vorsorge für
künftige Reisende 296. Nähere Betrachtung der hochberühmten Moschee
der Ommiaden die zuerst ein Tempel der Juno war 297, 298; andre
Bauwerke und Erinnerungszeichen des heidnischen wie des christlichen
Alterthumes 299, 300. Die Charfreitagsfeier der orientalischen
Christen 300, 301. Kaffeehäußer von Damaskus 301. Ein verborgner
Edelstein 302, 303; allerhand Bekanntschaften 303; Salehieh und Mr.
Farren 304.
~Reise von Damaskus nach Beirut~ S. 305-350. Verstimmung der
Seele durch kleinen Anlaß 305, 306. Der Findschaquell 307; glücklich
vorübergegangene Gefahr 307; Lieblichkeiten der Gegend; Thal des
Barrada 308; das Dorf Hhassenie; Nebi Abel mit Abels vermeintlichem
Grabe 309, 310; El Suk mit den Ruinen seiner Nachbarschaft 311. Das
Nachtlager auf dem Naßfeld 312. Zebdeni, Weg über den Antilibanon 313;
Nachtlager in einem Kirchlein von Zarain 314, 315. Das Thal der Thäler
316. Marco Polo's Paradies der Assassinen 317; Steinbruch von Baalbeck
mit seinen riesenhaften Werksteinen 318. Der Bischof von Baalbeck und
seine Wohnung 319, 320. Betrachtung des jetzigen Baalbeck und seiner
natürlichen Lage, mit Rückblicken auf seine Geschichte 321-325. Kurze
Beschreibung der Ruinen des Sonnentempels und des Pantheons 326-331.
Lord Lindsays Briefe und Vergleich von Baalbeck mit Palmyra 331, 332.
Sterbegedanken des Heidenthumes 333; der Festvorabend unter den Ruinen
334. Theilung der Reisegesellschaft für mehrere Tage 335; Rückblicke
auf die alten Herrlichkeiten von Baalbeck 336, 337. Der Weg durch das
Bekaa; Begegnen einer wandernden Turkomannenhorde 338. Quellen des
Leontes; Dschebel Sanin; vornehmer Reuter 339. Gastmahl der Bewohner
von Kerak im Freien 340; Noahs Grab 340, 341. Ankunft in Sachile;
freundlicher Empfang im dortigen Maronitenkloster 341. Der Nachmittag
des Himmelfahrtsfestes unter blühenden Rosengebüschen; langentbehrtes
Geläute der Vesperglocken 342. Herzliche Theilnahme der christlichen
Bewohnerinnen von Sachile an den beiden Fränkischen Pilgerinnen 343;
Fleiß und christlicher Eifer der Einwohner von Sachile 344. Fröhliche
Abendtafel im Kloster 345; Feuersgefahr 346; Abschied von Sachile und
vom Anblick des Quellgebirges des Jordans 347; der Dschebel Riehan und
die Aussicht von seinem Gipfel auf das Meer 347. Nachtlager auf dem
Dache des Khan Hussein, Umgegend des Khans 348, 349. Ungesetzlicher
Durst eines Derwisches 349. Ankunft der einen Abtheilung der
Reisegesellschaft in Beirut 350.
~Reise zu den Cedern des Libanon, beschrieben von +Dr.+
Johannes Roth~ S. 351-375. Schwierigkeiten der Reise, gleich nach
den ersten Stunden durch das Erkranken des Maulthiertreibers erhöht,
der die Reisenden geleiten sollte 351; Umwege, durch die Schneemassen
geboten 352; Wildheit und erhabene Naturschönheit der Gegend 352, 353;
seltsamer Holztransport 353. Die Schneemassen in der Nachbarschaft
des Dschebel Makmel 354; erhebende Aussicht auf die Ferne,
niederschlagende auf die Nähe 355; Rückerinnerung an eine Bergfahrt am
Sinai (eine Episode) 356. Gefahrvolles Hinabsteigen 357; Nachtlager
auf der kalten Höhe 358. Ein freundlicher Geleitsmann aus dem Dorfe
Hosran 359. Das Thal und der Hain der Cedern 360, 361. Das Heiligthum
des Waldes 362; Flora der Gegend 363; gastfreundlicher Empfang
in Betscherri, beim dortigen Scheikh 363; +Dr.+ Gaëtano
Gaëtani; erquickliche Nachtruhe unter dem gastfreien Obdach des
Scheikh 365; die Gegend und ihre Bewohner 365. Ankunft in Eden; seine
Lage 366. Liebevolle Aufnahme und Bewirthung im Hauße des Schech
Petrus von Eden 367-370; Nachtlager in Sibbaihl beim Schech Tobia 371;
Weg hinab nach der Küstengegend von Tripolis 372, 373; Nachtlager bei
Batrun, Ankunft in Beirut 374.
~Beirut~ 375-390. Vergleich des Lebens der Reise durch die
Wüste und durch Palästina mit dem in einem Europäisch eingerichteten
Gasthofe 375, 376. Freundliche Vorsorge aus der Ferne; Gefälligkeiten
des Griechischen Consuls Thesee 377; Lage und natürlicher Reichthum
von Beirut 377-379; die Bewohner und ihre Beschäftigung 380, 381. Ein
St. Simonist 381. Erfreuliche Bekanntschaften und geistige Genüsse
in Beirut 381, 382. Das Griechische Maienfest 383; unerwartetes
Wiedersehen 384; Wahl der Schiffsgelegenheit 385. Die Feier des
Pfingstfestes im fernen Lande 386, 387; Reste des alten Berytus 388.
Eine mannichfach geartete Schiffsgesellschaft 389; Sehnsucht nach der
Abreise 390.
=II. Reise nach Griechenland S. 391-514.=
~Die Seefahrt nach Patmos~ S. 391-443. Die Qualen der Ungedult
391; die Einrichtung des Schiffes 392, 393; dankbarer Abschied 394;
die erste Nacht im Schiffe 394, 395; letzte Ansicht des heilen Landes
395. Unterhaltungen auf dem Meere 396; Annäherung an Cypern 397; seine
Gebirge und sein natürlicher Reichthum 398, 399; Landen und Einkäufe
bei Limasol 400. Das wechslende Glück der Seefahrt 401, 402; eine
Schule der Gedult 403; Windstöße und Windstille 404; Mangel und Sturm
405; vergebliche Versuche in den Hafen von Castell rosso einzulaufen
406. Die genußreichen Rasttage in Cacamo 407; die Nekropolis des
Ortes 408; Gespräche mit griechischen Matrosen und Pilgrimen 409;
der Sabbathvorabend bei den Gräbern 410; Lebensrettung der Syrischen
Ziege 410. Sonntagsstille und Sabbathsgenuß in der grünenden Einöde
der Felsen 411-414. Abfahrt von Cacamo und neuer Kampf mit den
Elementen 415, 416; Anblick der Tauruskette und der Ruinen von
Patara 416, 417; eine Geburtstagsfeier auf dem Meere 417, 418; eine
fremde Weininspection 419; Annäherung an Rhodos und Symi bei täglich
mehr sich steigerndem Mangel im Schiffe 419, 420; ein kärgliches
Sonntagsmahl 421. Ein günstiger Wind der sich zum Sturm verstärkt
421, 422; ein Gewitter auf dem Meere 422. Ein Nachtgespräch der Seele
423; Annäherung an Patmos 424; Zeitvertreib mit Sagen des Volkes 425;
Einlaufen in den Hafen der Insel und Lob der billigen Quarantäne 425;
Erquickung nach langer Noth und Hinaufsteigen nach der Stadt 426; die
Grotte des Apostel Johannes 427; das Kloster des h. Kristodulos 428;
das gastfreie Haus des Kapitäns 429. Naturgeschichtliche Bemerkungen
über die Insel 430-432. Aerztliche Thätigkeit des +Dr.+ Roth
in Patmos 433. Christliche Erinnerungszeichen 433, 434. Edle Natur
und Sitte der Bewohner der Insel 434-436. Verhältniß zur jetzigen
Türkischen Oberherrschaft 436. Ueberzahl der Frauen 437. Die frühere
Nebenbestimmung des Klosters zum Zufluchtsort der Bewohner und ihrer
Güter 437, 438. Der Lug ins Land 438. Wanderungen und Abschiedsbesuche
am vorletzten Tage des Aufenthaltes 438, 439. Stille Feier eines
Festvorabends in der Grotte der Apokalypse 440; der ländliche
Feiertag 441. Der nordwestliche Hafen 442; Abschiedsgesang und
Abschiedsgedanken 443.
~Fahrt von Patmos nach Syra und Athen~ S. 443-514. Lebewohl
443; neue Ungunst der Elemente 444; Anblick von Amorgos und Mykonos,
gefährliche Nachbarschaft der Felsen-Stiere 445; das Kreuz des
Kreuzens 446; Anblick von Stenosa und Naxos 447; Paros und Delos 448,
449; Tenos 450. Ankunft im Hafen von Syra 451; die fremden Segel-
und Dampfschiffe 452. Besuch von Landsleuten 453. Ein gefährlicher
Anstoß 453, 454. Auszug aus dem Schiff in die Landquarantäne 454.
Beschreibung der neuen Wohnstätte 455; unser Leben in der Quarantäne
456-458. Eine Illumination 459; Hineinziehen in die Stadt und
gastfreundliche Aufnahme in derselben 460. -- Die Volksschulen in
Syra und der in ihnen herrschende Geist 460-463. Hildner, Sandersky,
Robertson 464. Abreise von Syra in einem kleinen, Griechischen
Segelboot 465; Ausfuhr aus dem Hafen 466; der förderliche zugleich
aber unbequeme Seitenwind 466; Anblick von Seriphos, Serpho-Pulo und
Thermia 467; Ceos 468; Euböa und das Vorgebirge Sunium 469; Aegina
Fernanblick der Akropolis von Athen, Einlaufen im Piräus 469, 470;
ein neuer Gastfreund 471. Annäherung an Athen; Vergleich desselben
mit Jerusalem 472, 473, so wie der vormaligen Bewohner beider Städte
474. Athens Auferstehen aus der Asche 475. Zustand der Stadt und
ihrer Bewohner vor der Griechischen Revolution nach dem Bericht eines
zuverlässigen Augenzeugen 475-477. Erster Eindruck des jetzigen Athens
477. Freundliche Bewillkommnung im Hauße des Collegienrathes Brandis
478. Spaziergang am ersten Abend 479; Stätte des Areopagus; Gefängniß
des Sokrates 480. König Otto von Griechenland 481-483; die junge
Königin 483. Ignaz von Rudhart 484-488. Die Akropolis 489; Trümmer der
Propyläen 490; Thurm des Odysseus; Tempel der Nike apteros 491; der
Parthenon 492; Aussicht von seinem Gemäuer 493; das Erechteion 493;
Stätte des Theaters; Ausgrabungen bei und innerhalb der Akropolis 494;
Stätte des alten Odeions so wie des Museions; Denkmal des Philopappus
495; Rednerbühne der Pnyx, 496; der Pantheon oder Olympieion 496;
Tempel des Theseus, Thurm der Winde, alte Mauern des Hafens 497; das
Stadium des Herodes Attikus mit dem Begräbnißplatz der Fremden 498.
Deutsche Einwandrer und Soldaten 498, 499. Das eigentliche Volk von
Athen 499. Ein alter Schulfreund 500. Feier des achten Juli; der
naturhistorische Verein von Athen 501. Reichthum der Umgegend an
fossilen Thierüberresten; die Anlage des botanischen Gartens 502.
Leibmedikus Röser 503; genußreiche neue und alte Bekanntschaften
504, 505; philologischer Verein 505. Besuch bei der Stätte der alten
Akademie 506; Wanderung auf den Pentelikon 507; am Ilissus 508.
Abschied von Athen 508, 509. Abreise mit dem Postschiffe, zurück nach
Syra 509, 510. Bekehrungseifer des Mönches vom Sinai 511, 512. Eine
Landparthie 513; Abschied von Syra 513, 514.
=III. Die Heimreise S. 515-576.=
~Fahrt nach Livorno~ 515-552. Vergleich des Dampfschiffes mit
dem Segelschiff 515, 516; das Dampfschiff Minos 517; Ansicht von
Melos 518, 519; die Küstengegenden von Lakonien 520; Cerigo 521;
Vorgebirge Tänarium 522, 523; Stätte von Känopolis 524; geistiger
und leiblicher Fernblick auf die Stätte von Olympia 525; Malta 526;
die hiesige Quarantäne 527; Besuche von Freunden, mißliche Aussicht
auf die Weiterreise 528; Bedenklichkeiten aller Art und vergebliche
Streitigkeiten mit dem Kapitän des Minos 529; nothgedrungener
Entschluß mit dem schadhaften Dampfschiff Sesostris weiter zu gehen
530; unangenehme Verzögerung der Abfahrt 530, 531; nächtliche
gefährliche Ueberfahrt nach dem Sesostris 531; Ankunft auf diesem 531,
532; Annäherung an Sizilien 532, 533; die Ostküste der Insel 533;
abendliche Beleuchtung der Gebirge 534; der Aetna 535-537; Taormina
537; Reggio und Messina 538, 539; Scylla und Charibdis 540, 541. Die
Liparischen Inseln und der Stromboli 542-544; Fernansicht von der
Küste von Kalabrien; Vorgebirge Palinuro und Posidion 545; Gegenden
von Pästum und Salern; die Bucht von Neapel 546; Kurzes Verweilen
bei Civita vecchia 547. Erste Vorüberfahrt an Elba 548; ein heftiger
Seesturm 548, 549; zweite Annäherung an Elba 549; vergeblicher
Versuch, im Hafen von Porto lunghone zu ankern 549; Ausruhen in Porto
rio 550, 551; Ankunft auf der Rhede von Livorno 552.
~Die Quarantäne in Livorno~ S. 553-565. Zustand des
Quarantänegefangenen 553; freundlicher und unfreundlicher Empfang 553,
554; Beschreibung des fünfwöchentlichen Aufenthaltsortes 555; die
Mitgefangenen 556; Benutzung des leeren Raumes 557; Tagesordnung 558;
Tageslast und nächtliche Sorgen 559; Beschäftigung und Unterhaltung
560; unterhaltende Nachbarschaft 561; Erweisungen gastfreundlicher
Liebe 562; Cholera-Scherz und Ernst 563; Sonnenschein und Sturm 564;
günstigere Aussicht 565.
~Reise über Florenz nach München~ S. 565-576. Zuspruch in der
Stadt 565; Pisa und die beiden Savi 566. Florenz die blühende Jungfrau
unter den Städten Italiens 567; Tagesordnung und tägliche Genüsse 568.
Ein innres wie äußres Werk der Baukunst 568, 569. Wiedersehen von
St. Croce und andern Denkwürdigkeiten der Stadt 569-571; Fülle der
Kunst und Natur 571, 572. Ein andres Wiedersehen 573. Das gesegnete
Haus des Herrschers 573, 574. Eine unerwartete Reisegesellschaft 574,
575. Bologna und Mantua 575; fröhliches Annähern an den heimathlichen
Wohnsitz und Ankunft in München 576.
=I. Wanderungen durch Palästina und Syrien.=
Ich kenne ein Krankseyn, nicht des Leibes, sondern der Seele, das mir
immer, vor allen Arten des Krankseyns wunderlich und geheimnisvoll
erschien: sein Name ist ~Heimweh~. Dieses bittersüße Wehe hat mich
befallen da ich noch Kind war; es hat mich öfters, mitten im raschen
Laufe der Jünglingsjahre ereilt, hat mich besucht bei der Arbeit der
männlichen Tage und nicht verlassen in der Zeit des heranrückenden
Alters. Soll ich mit wenig Worten sagen was ich vom Heimweh weiß, dann
nenne ich es ein sehnliches Verlangen nach Frieden, nach dem Stillseyn
und Ausruhen aller Kräfte des Leibes und der Seele von dem Drang der
Wünsche, von dem Treiben des Begehrens.
Hat doch schon jedes alltägliche, leibliche Ausruhen, nach
vorangegangener Mühe und Arbeit eine Süßigkeit, welche, noch ehe man
ihrer genoß, das Sehnen wecket, und auf die, wenn sie vorüber ist, das
Verlangen oft und gern zurücke blickt. Wenn wir darauf merken, bei
welchen Stunden einer gewöhnlichen Wanderung über Berg und Thal die
Erinnerung am liebsten verweile, zu welchen sie mit der höchsten Lust
zurückkehre, finden wir dann nicht: es sind die Stunden der Frühe, in
denen der Leib, durchdrungen von den Kräften ~der Ruhe~ seine
Füße aufhub zum Gang durch die grünenden Auen, und noch mehr die des
mittäglichen Ausruhens im Schatten der Bäume, in deren Zweigen die
Cicade sang, vor allem aber am meisten, mehr denn die Stunden der Frühe
oder die des mittäglichen Ausruhens sind es jene des Abends, nach denen
die Erinnerung gern sich hinwendet. Jene Stunden der stillen Rast, da
sich der ermüdete Leib am Bache des Thales, bei der Wohnung der Hirten
erquickte, während die Sonne hinter der Felsenwand der Alpen hinabgieng
und mit dem Ton der Vesperglocke zugleich das Lied der Steindrossel
ertönte. Wie das Eisen, das man, eben noch glühend ins frische Wasser
tauchte, hier zum festen Stahle ward, so sind auch die Erinnerungen
aus den heißen Stunden des Tages während denen die innre Freudigkeit
verstummt war, erst durch jene Weihe, welche die Stille des Abends über
sie ergoß, zu einem feststehenden Gut und Genuß der Seele geworden.
Und dennoch, was ist alles leibliche Ausruhen; was ist selbst die
friedliche Stille auf der Höhe und im Thale der Alpen, die Ruhe der
Liebe im Haus der Eltern, nach welcher das Heimweh des Schweizers sich
sehnt und abhärmet? Sind sie doch alle bloß ein Schattenbild von jener
Sabbathsruhe des Geistes, welche dem ritterlichen Kampfe des Lebens
verheißen ist, und welche Der kennet, der sie erfuhr.
Auch das Ausruhen in Palästina und bei Zions Burg, nach den Mühen der
Wüstenreise, war zuletzt nur ein Schattenbild des lebenskräftigen
Urbildes, aber dennoch ein solches, dem in besondrer Stärke ein
Vorschmack innen wohnte, von den Süßigkeiten einer Ruhe, welche künftig
seyn wird. Denn als der Wandrer dort verweilte bei der »Stadt des
großen Königes,« im Thale der Oelbäume, war es da nicht öfters als
ob Salems Thor sich aufthäte und aus ihm hervorträte jener König des
Friedens, Melchisedek, ein Priester Gottes des Höchsten, der auch über
ihn, den Pilger im Thale, die Hände segnend aufhub? War es nicht,
mitten in der Unruhe der Zeit, ein stiller Frieden der Ewigkeit, der
sich zuweilen dort, am Fuße des Oelberges, in das Herz ergoß, wenn
Leib und Seele sich freueten in dem lebendigen Gott und der Geist
ausruhete vor Seinem Nahen? Und ob mich auch nun, im Obdache des
leiblichen Vaterlandes nicht selten besuchet das Gefühl des innren
Friedens, so ergreift mich dennoch ein Sehnen des Heimwehes, wenn ich
deiner gedenke, du hehres Land, das ich nur wie mit der fliehenden Eil
eines Zugvogels durchwandelte; deiner du Jordan und Thabor, deiner du
hochgebautes Jerusalem. Selbst der Traum der Nächte führt mich, dem
hohen Nebo, Mosis Grabe gegenüber, an die Ufer des todten Meeres, aber
dieses erscheint dann nicht mehr als ein todtes, seine Fluth ist wie
von einem Odem des Lebens mächtig bewegt, sein Wasser von Schaaren der
buntfarbigsten Fische durchwebt.
Es war nicht das Wehen des Abendwindes, im Wipfel der Palme am
Morija, nicht der Duft und die Farbenpracht des Landes der Lilien, im
paradiesisch schönen Gefilde Esdrälon, nicht der Wald der blühenden
Granatbäume bei Nazareth oder das Rauschen der silberklaren Bäche
vom Felsen herunter, in der Heimath der Turteltauben bei Magdala am
Tiberiassee; nicht die hehre Aussicht vom Carmel oder vom Libanon,
was in meine Seele den Keim zu jenem tiefen Heimweh, zu dem Sehnen
nach dem Wiedersehen des Landes der Verheißungen legte. Mit dem Hauche
des Windes der am Abend über Josaphats Thal und des Oelberges Abhang
sich aufmachte, wehete meiner Seele noch ein andrer, höherer Odem des
Lebens an, als jener, der im irdischen Luftkreise liegt; der Thau vom
Hermon, wenn er, über Nains Stätte, da der Herr den Sohn der Wittwe aus
des Todes Schlaf erweckte, herabsank auf Jesreels Lilienthal oder in
das Myrtengebüsch bei Nazareth, war von andren Kräften der Erfrischung
durchdrungen, als das gewöhnliche, leibliche Wasser sie einschließet;
das Rauschen der Wellen des Sees und die Stimme der Waldtauben bei
Tiberias und Magdala sprachen nicht nur, wie andre Naturtöne dieser
Art von den Lieblichkeiten dieses Landes, sondern zugleich vor den
Entzückungen des Petrus und Johannes, als nach der vergeblichen Arbeit
der Nacht der Herr, der Sieger aus des Grabes Nacht, hier am Ufer
des Sees ihnen erschien; oder von den Freuden des Wiedersehens der
Magdalenerin, da sie klagend den heiligen Leichnam, der nicht mehr
im Grabe war, aufsuchte. Darum du Heimweh nach dem Lande, in welchem
meiner Seele Loblieder geboren wurden und Gedanken des innren Lebens,
wie der Thau aus der Morgenröthe, will ich deine Schmerzen wie ein
Kleinod in meinem Herzen tragen und bewahren, denn aus ihnen soll mir
geboren werden und immer besser sich entfalten ein Heimweh der andren,
höheren Art, das die Seele hinanziehet, wie auf Taubenflügeln, zu einer
Stätte, aus welcher ferner kein Hinwegscheiden seyn wird.
Bethlehem, Thekoa und St. Johann.
Wir verlassen jetzt mit der Beschreibung unsrer Reise Jerusalem, zu
welchem wir später noch zweimal zurückkehren. Die erste Auswanderung
aus der werthen Stadt führte uns gen Süden, nach Bethlehem und Thekoa,
dann durch manches Thal und über steiles Gebirge, vorüber an den Gärten
und Teichen Salomons nach Baitdschalla, an jene Stätte da der Engel
des Herrn Sanheribs Heer schlug; von hier durch den fruchtbaren Grund
von St. Philipp und dann nach jenen Gegenden des Gebirges Juda, in
denen die Trümmer des hochgebauten Modin der Makkabäer herabschauen auf
das Thal der Terebinthen, das in Israëls Geschichte durch Davids Sieg
über den Goliath verherrlicht ward, und in dessen Nähe die Andacht der
späteren, christlichen Jahrhunderte die Orte verehrt, da St. Johann
der Täufer geboren ward und in der Wüste sich enthielt, bis daß er
hervortreten sollte zu dem Volk (Luc. 1, V. 80).
Den Wanderern durch diese Gegenden ergehet es wie einem Liebenden,
welcher ausgehet den Freund zu suchen, der über den Weg der Felsen
vorangieng. Der Freund hat zum Zeichen, daß sein Fuß hier wandelte,
bald hier bald da dem Gestein die Zeichen seines Namens eingeschrieben;
dort wo er weidete, wo er ruhete am Mittage; ein jedes dieser Zeichen
weckt das Sehnen der Liebe, das Sehnen Ihn zu finden, bis die Seele des
Wandrers es innen wird, daß der Gesuchte nahe sey; denn das was sie
vernimmt in ihrem Innren das ist die Stimme ihres Freundes.
Der fünfte April war zur Reise nach Bethlehem bestimmt, wir mußten für
diesmal zwei unsrer lieben Reisegefährten in Jerusalem zurücklassen,
denn +Dr.+ Roth war von einem fieberhaften Krankseyn befallen und
Freund Erdl mit dem Arabischen Knechte blieben als Pfleger bei ihm.
Es war ein herrlicher Morgen, da wir drei, der Maler Bernatz und ich
mit der Hausfrau, bald nach Sonnenaufgang uns zu Fuße aufmachten,
während die andren Gefährten noch der Lastthiere warteten. Auf Ben
Hinnoms Thale und Gihons Teiche ruhete der Schatten; als wir, zur
Rechten vom Berge des bösen Rathes, die Höhe betraten, umleuchtete uns
der Schein der Morgensonne. Der Himmel war so klar und durchsichtig,
daß es dem innren Auge schien als könne es da hindurch und hinanblicken
nach der Urstätte jener leiblichen Verherrlichung, die sich vormals in
Jerusalem und Bethlehem zur Natur des Menschen herabließ, und welche,
wenn auch für längere Zeit aufgehoben und abgeschieden von der Stätte
ihres irdischen Erscheinens, dennoch zu dieser einst wiederkehren wird.
Wir hatten den Weg von Jerusalem nach Bethlehem schon einmal gemacht;
damals aber, im Anblick der Stadt, welche der Reise Ziel war, ergieng
es uns wie Jenen, denen die Sonne ins Angesicht leuchtet, und die
vom Glanze der Herrscherin geblendet, das was zur Rechten und Linken
liegt nicht bemerken. Heute sahe das ungeblendete Auge auch das minder
Glänzende und Nahe. Die Höhe, über die man von Jerusalem nach Bethlehem
hingehet, hat zu ihrer Linken das Thal Rephaim, oder der Riesen, in
dessen grünende Tiefe man am ungehemmtesten erst in der Nähe von
Bethlehem hinabschaut; zur Rechten senkt sie sich nach dem Fuße des
Höhenzuges, an dessen Abhange Baitschalla liegt: die Grabstätte von
Sanheribs Heere. Nahe am Wege, zu unsrer Linken, sahen wir mehrere
alte Gemäuer, unter ihnen vielleicht die Kapelle Habakuks, ein Bauwerk
aus der christlichen Herrscherzeit des Landes. Da wir zum Brunnen der
drei Könige kamen, begegneten uns einige Bethlehemitische Christen.
Sie schienen nicht vorauszusetzen, daß uns die heilige Sage von diesem
Orte bekannt sey und was uns in der Wortsprache der Leute vielleicht
noch unverständlich hätte bleiben können, das wäre schon durch die
Zeichensprache erläutert worden, denn mit den Händen zeigten sie gegen
den Himmel, wo der Stern, der den Weisen hier von neuem erschien, über
der Stätte von Bethlehem glänzte.
Ohngefähr in der Mitte des nur zweistündigen Abstandes zwischen
den beiden irdischen Hauptstädten der Geburt und des Endes stehet,
auf dem Rücken des Bergsattels, das sogenannte Kloster des Elias,
von griechischen Mönchen bewohnt. Hieher hatte die Sage, die sich
im Kloster erhält, jene Stätte (die freilich jenseits Bersaba lag)
versetzt, bei welcher sich der gewaltige Thisbite, vor Jesabel
fliehend, unter das Gesträuch setzte und bat, daß seine Seele stürbe,
denn, so sprach er: »Es ist genug, so nimm nun Herr meine Seele; ich
bin nicht besser als meine Väter.« Jene Stätte wo den Schlafenden unter
dem Gesträuch der Engel des Herrn mit einem Brod und Wasser stärkete,
dessen Kräfte zum Lauf über einen großen Weg ausreichten[1]. In der
Nähe von hier überblickt man gen Norden die Stadt und Umgegend von
Jerusalem, gegen Süden hin Bethlehem. Hätten wir damals gewußt oder
bedacht, daß auch nur noch der leiseste Zweifel darüber herrschen
könne, ob Bethlehem von Jerusalem südöstlich oder südwestlich liege[2],
dann wäre es uns an dieser Stelle leicht gewesen die Frage zu
entscheiden. Ich läugne es nicht, daß ich, wenn ich meiner Erinnerung
folgen wollte, mich für die erstere Meinung erklären müßte. Denn
obgleich von Jerusalem aus der Weg anfangs südwestwärts über Ben
Hinnoms Thal zur Höhe führt, lenkt er sich dennoch auf dieser selber
nach Süden und zuletzt, wenigstens von der Gegend von Rahels Grabe an,
sehr entschieden gegen Südost, so daß mir Bethlehems Stellung gegen
Jerusalem Süd in Ost erscheinen würde[3]. Wo könnte es aber auch der
Seele leichter geschehen, daß sie über dem Anblick des Himmels selber,
der sich über den Hügeln wölbt, der Himmelsgegenden vergäße, als hier
bei Bethlehem. Wird doch da auch das trägeste Herz so wanderlustig,
daß es den Stab der Erinnerungen, der an dieser Stätte reicher und
herrlicher aufgrünt als Aarons Stab, munter ergreift und ausziehet aus
dem armen Heute, das vor Augen liegt, in die reiche Vergangenheit.
Wir traten jetzt zu jenem Gebäude, das die Türken über der
vermuthlichen Stätte von Rahels Grab erbaut haben. Die Lage ist
dieselbe wie sie das erste Buch Mosis (C. 35 V. 16-20) beschreibt: am
Wege nach Ephrat das ist Bethlehem, einen Feldweges, von dem alten
Gemäuer der vormaligen Stadt, und man darf mit Wahrscheinlichkeit
noch jetzt die Worte nachsprechen: »dasselbe ist das Grabmahl Rahels,
bis auf diesen Tag.« Erscheint ja doch auch in andrer Hinsicht der
Gedanke an das Weib der ersten, innigsten Liebe des Erzvaters wie ein
Vers, welcher in dem Liede, das von Bethlehems großen Geschichten
singt nicht fehlen darf. Wenn auch nicht eine Mutter Juda's, des
Verherrlichten[4], ward doch Rahel als eine Mutter der Schmerzen einer
Aehnlichkeit gewürdigt mit der erhabensten der Mütter. Die Söhne die
sie gebahr waren beide Söhne der Schmerzen und der tausendfältigen
Sorgen, und dennoch ward Joseph, der als todt Beweinte; da ihn Gott
aus des Gefängnisses Nacht erhöht hatte, ein Retter und Heiland seiner
Brüder und noch bei andrer Gelegenheit redet der Geist von einem Weinen
Rahels um ihre Kinder, da sie sich nicht wollte trösten lassen[5]; von
einem Wehe der irdischen, menschlichen Mutterliebe, bei der Ausgeburt
der ersten Zeugen, die um Seines Namens willen erwürgt wurden, in das
selige Leben der Ewigkeit.
Auf Bethlehems Feldern wird die Seele gerne zu einer Aehrenleserin,
welche die hin und wieder verstreuten Halme der Erinnerungen aufsammlet
und in Bündelein bindet, die von der Erndte, welche die Jahrhunderte
der Geschichte hier gehalten, zurückblieben. War es nicht da, auf einem
der nachbarlichen Felder, wo Ruth, die Moabitin, welche aus fremden
Lande gekommen war zu dem Gott Israëls, daß sie unter seinen Flügeln
Zuflucht nähme, Aehren auflas, hinter den Dirnen und Schnittern des
Boas, des gesegneten Mannes[6], und haben vielleicht auch einmal hier
in der Nähe von Mutter Rahels Grabe die Gebeine der Treuen geruhet,
welche, da Arpa schon umgekehrt war, nicht von Naëmi der armen Wittwe
und Schwiegermutter lassen wollte, sondern hingehen wo sie hingieng,
bleiben wo sie blieb. Denn, so sprach sie: »dein Volk ist mein Volk
und dein Gott ist mein Gott; wo du stirbst da sterbe ich auch; da
will ich auch begraben werden.« Ja, wie Boas dieß aussprach: der Herr
vergalt ihr, der Treuen, ihre That, ihr Lohn war vollkommen von Ihm,
dem Gott Israëls; denn sie war erwählet zu werden eine der Mütter des
Königlichen Geschlechtes aus dem Christus der Herr kam, sie gebar Boas
den Obed, den Vater Jesses, Davids, des gesalbten Königes Großvater.
Nahe bei Rahels Grabe findet sich der Acker mit den kleinen, runden,
erbsenartigen Steinen (dem Bethlehemitischen Erbsensteine, der in den
meisten Sammlungen der Pilgrime sich findet); man blickt von hier
über die Hochebene, auf welcher Sanheribs Heer der Macht des Engels
erlag. Wir naheten uns jetzt der Stadt, genannt Ephrata, die Stätte der
Fülle; Bethlehem, das Haus des Brodes. Die Namen, welche der Mensch
giebt, erfassen öfters, ohne daß der Namengeber dieß weiß, die äußre
und innre Geschichte des Gegenstandes bei seiner Wurzel. Die Fülle der
äußren Fruchtbarkeit so leicht sie auch noch jetzt ihre Wohnung fände,
im grünenden Nachbarthale Rephaim und am quellenreichen Abhange von
Baitschalla, ist freilich gewaltsam verscheucht worden; das Brod von
leiblicher Art ist dem verödeten Lande nur sparsam zugemessen, aber
welche Stätte auf Erden verdient mehr eine Stätte der Fülle zu heißen
als Bethlehem Ephrata, die da klein war unter den Tausenden in Juda,
und aus welcher Der kam, der in Israël Herr war, welches Ausgang vom
Anfang und von Ewigkeit her gewesen[7]. In der That, die Ernteengel der
Geschichte haben uns hier auf dem Gefilde von Bethlehem eine reichere
Nachlese der Aehren des Andenkens und der Erquickungen zurückgelassen
als die Knaben und Dirnen des Boas, auf Befehl ihres Herrn, für Ruth,
die Moabitin liegen ließen; sie haben »von ihren Bündlein herausgezogen
und es hingelegt,« daß wir es aufnähmen.
Wir giengen heute nicht auf jenem Steige, der weiter ostwärts, an den
Trümmern einer alten Christenkapelle, wie man sagt aus den Zeiten der
Kaiserin Helena vorüber, unmittelbar nach dem Kloster führt (diesen
Weg machten wir zu andrer Zeit), sondern durch die Gassen und über die
Schutthaufen der sogenannten, westwärts von dem Kloster gelegnen Stadt.
Ist denn über Ephratas Hügeln von all den Gesängen die hier ertönten
nichts mehr übrig geblieben als die Stimme des Klagens, Weinens und
Heulens; da Jakob seine Rahel beweinte, oder Bethlehems Mütter ihre
zarten, hingemordeten Kinder? In der That, das Elend und die Armuth die
hier unter den Trümmern haußen und aus den Lehmhütten herausblicken
scheinen zu sagen: es ist aus mit uns. Und dennoch sind die Leute
fröhlich; Kindlein spielen so munter wie bei uns im Grünen, dort auf
den Haufen des Schuttes und wie man sagt haben es die Bewohner von
Bethlehem jetzt besser als sie es vor wenig Jahrzehenden hatten. Denn
die Furcht vor Ibrahim Pascha's Macht hält nicht nur im Allgemeinen
die Feindseligkeit der Mohamedaner in Zaum, sondern hat es auch diesen
erschwert in dem Städtlein selber zu wohnen, welches deshalb jetzt
mit all seinen armseligen Häußern in ausschließenderem Besitz der 70
oder 80 Christenfamilien ist, welche da für beständig ihren Aufenthalt
haben. Diese gehören der größeren Zahl nach zu den Gemeinschaften der
Lateinischen und Griechischen Christen; einige von ihnen auch zu der
der Armenischen.