1. Bacon als philosophischer Dichter.

Die Bacon-Theorie hat noch einen Schritt zu thun, und der Gipfel ihrer

Mythenbildung ist erstiegen: sie bedarf weder des Promus noch der

großen Geheimschrift, wenn sich nachweisen läßt, daß die Werke

Shakespeares, die 36 Dramen der Folio, alle die Historien, Komödien

und Tragödien philosophische Werke sind, insbesondere

naturphilosophische, die als solche nicht William Shakespeare, sondern

nur Francis Bacon, der erste Philosoph des Zeitalters, der Begründer

der Naturphilosophie und des Empirismus, verfaßt haben konnte. Dies zu

beweisen, hat nun die allerjüngste Bacon-Theorie unternommen.

Darnach habe Bacon das Hauptwerk seines Lebens, die große Erneuerung

der Wissenschaften (_Magna instauratio_), welches in sechs Theile

zerfällt, nicht nur theilweise, sondern ganz und vollständig

ausgeführt: die erste Hälfte in drei prosaischen Werken (der

Encyklopädie, dem Organon und der Naturgeschichte), die zweite in den

36 Dramen der Folio.

Philosophische Dramen sind allegorischer Art und gehören als

allegorische Dramen zu jenen Maskenspielen, über welche Bacon einen

seiner Essays verfaßt hat, der mit der Erklärung beginnt und endet,

daß solche Spiele bloßer Tand (_toys_) seien. [Fußnote: _Works

VII. Ess. XXVIII. Masques and triumphs, pag. 467-68_.]

Und er sollte die Absicht gehabt haben, die Hälfte seines größten

Werkes in dieser Form auszuführen? Wir vergessen das große Schweigen,

das absichtliche Dupiren! Dieser Essay soll dazu dienen, ihn selbst

als dramatischen Dichter zu verschleiern: er ist ja ein heimlicher

Dichter, ein geheimnißvoller, er ist Shakespeare! Eben darin besteht

ja das Bacon-Geheimniß! [Fußnote: Bormann, S. 293.]

Shakespeare und die Bacon-Mythen · 第 31 / 42 题