»Ihn zu verkaufen! Nein, albernes Mädchen! Du weißt, daß Dei

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Textauszeichnungen wurden folgendermaßen ersetzt:

Sperrung: =gesperrter Text=

Antiquaschrift: #Antiquatext#

Onkel Tom's Hütte

oder die

Geschichte eines christlichen Sklaven.

Von

Harriet Beecher Stowe.

________

Aus dem Englischen übertragen

von

L. Du Bois.

Erster Band.

S. Zickel.

Nro. 19. Dey-Street.

NEW-YORK.

Erstes Kapitel.

In welchem der Leser die Bekanntschaft eines menschenfreundlichen Mannes

macht.

An einem kalten Februartage, spät des Nachmittags, saßen zwei Herren in

einem schön möblirten Eßzimmer, in der Stadt P-- in Kentucky, allein

beim Weine. Keine Dienstboten waren gegenwärtig, und die Herren, mit

dicht an einander gerückten Stühlen, schienen den Gegenstand ihrer

Unterhaltung mit sehr großem Eifer zu besprechen.

Der Bequemlichkeit halber haben wir uns bisher des Ausdrucks: »zwei

=Herren=« bedient; allein einer derselben würde bei einer genaueren

Untersuchung, im strengeren Sinne des Wortes, nicht unter diese

Kathegorie zu bringen gewesen sein. Er war ein kurzer, untersetzter

Mann, mit groben, gemeinen Zügen, und jenem großthuenden, gemeinen

Wesen, welches stets einen Menschen niedrigen Standes verräth, der

bemüht ist, sich in höhere Sphären hinauf zu drängen. Seine Kleidung war

überladen, und ließ eine bunte Weste von zahllosen Farben mit einer

blauen, gelbgefleckten Halsbinde sehen, deren stutzermäßige Schleife mit

dem ganzen Wesen des Mannes in genauem Einklange stand. Seine großen,

ungeschickten Hände waren reich mit Ringen bedeckt, und an seiner Brust

hing eine schwere goldene Uhrkette, mit Petschaften von ungewöhnlicher

Größe und sehr verschiedenartigen Farben, welche er im Eifer des

Gesprächs, augenscheinlich mit großem Wohlgefallen, durch seine Hände

spielen ließ. Seine Unterhaltung verrieth eine freie und dreiste

Verachtung jeder grammatischen Regel, und war überdies in passenden

Zwischenräumen mit verschiedenen gemeinen Ausdrücken und Wendungen

ausgeschmückt, die selbst der Wunsch, in unserer Schilderung getreu zu

sein, uns nicht bestimmen kann, hier wiederzugeben.

Sein Gesellschafter, Mr. Shelby, hatte das Aeußere eines Gentleman, und

die häuslichen Einrichtungen, so wie das ganze Aeußere des Hauses und

Haushaltes ließen auf gute Verhältnisse und sogar auf Reichthum

schließen. Wie wir vorher erwähnt haben, befanden sich Beide in sehr

angelegentlicher Unterhaltung.

»Dies ist der Weg, den ich vorschlagen würde, um die Sache in Ordnung zu

bringen,« sagte Mr. Shelby.

»Kann auf diese Weise keinen Handel machen, -- kann wahrhaftig nicht,

Mr. Shelby,« sagte der Andere, ein Glas Wein zwischen seinem Auge und

dem Lichte haltend.

»Ja, aber ich versichere Euch, Haley, der Tom ist ein ganz

ungewöhnlicher Kerl; er ist ganz ohne Zweifel die Summe überall

werth, -- beständig, ehrlich, tüchtig, und verwaltet eine ganze Wirthschaft

wie nach der Uhr.«

»Ihr meint, so ehrlich, wie's bei Negern möglich ist,« sagte Haley, sich

selbst ein Glas Brandwein einschenkend.

»Nein, ich meine in vollem Ernste, Tom ist ein guter, stätiger,

vernünftiger, frommer Kerl. Er hat seine Religion in einer

Brüderversammlung, vor vier Jahren empfangen; und ich glaube, er besitzt

=wirklich= Religion. Ich habe ihm seitdem Alles anvertraut, was ich

besitze, -- Geld, Haus und Pferde, -- habe ihn durch das Land gehen

lassen und ihn dennoch stets treu und redlich gefunden.«

»Manche Leute glauben nicht an fromme Neger, Shelby,« sagte Haley mit

einer ungenirten Handbewegung, »aber ich glaube dran. Ich hatte 'mal

einen Kerl, -- er war mit unter dem letzten Trupp, den ich dieses Jahr

nach Orleans brachte, -- 's war so gut wie eine Betstunde, wenn man den

Kerl beten hörte, und dabei war er ganz sanft und gefügig. Brachte mir

auch eine gute Summe ein, denn ich hatte ihn von Einem gekauft, der

verkaufen =mußte=; so gewann ich netto sechs hundert an ihm. Ja, kein

Zweifel, Religion ist eine ganz vortreffliche Sache in einem Neger,

wenn's ächte Waare ist, kein Zweifel.«

»Nun, bei Tom ist es ächte Waare,« entgegnete der Andere. »Seht, letzten

Herbst ließ ich ihn allein nach Cincinnati gehen, um für mich Geschäfte

abzumachen und ungefähr fünfhundert Dollar zu holen. >Tom,< sagte ich zu

ihm, >ich vertrau Dir, weil ich weiß, daß Du ein Christ bist, -- daß Du

nicht betrügen willst.< Tom kömmt zurück, pünktlich, ich wußte es wohl.

Einige schlechte Kerle sollen zu ihm gesagt haben: >Tom, warum nahmst Du

nicht den Weg nach Canada?< >Ah,< hat er geantwortet, >Master hat mir

getraut, und ich konnte nicht.< So ist mir erzählt worden. Ich muß sagen,

es thut mir leid, mich von ihm zu trennen. Ihr solltet ihn für den ganzen

Rest der Schuld annehmen; und Ihr würdet es thun, Haley, wenn Ihr ein

Gewissen hättet.«

»Je nun, ich habe gerade so viel Gewissen, wie ein Mann in Geschäften

brauchen kann, -- grade so etwas, um drauf zu schwören, so zu sagen,«

entgegnete der Händler scherzhaft, »und dann bin ich auch immer gern

bereit, guten Freunden gefällig zu sein; aber dieses Jahr, seht, dieses

Jahr ist ein wenig zu schwer für einen Mann, -- zu schwer.« Bei diesen

Worten seufzte der Händler gedankenvoll und schüttete von Neuem etwas

Brandwein hinunter.

»Nun so sagt, Haley, wie soll der Handel werden?« sagte Mr. Shelby nach

einer peinlichen Pause.

»Wohl, ist denn da kein Junge oder Mädchen, das mit Tom in den Handel

geworfen werden kann?«

»Hm! -- ich wüßte keinen, den ich entbehren könnte, und, um die Wahrheit

zu sagen, es ist nur eine bittere Nothwendigkeit, was mich überhaupt

dazu bestimmt, zu verkaufen. Ich trenne mich höchst ungern von irgend

einem meiner Leute, ganz gewiß.«

Hier öffnete sich die Thür, und ein kleiner Mulattenknabe von vier bis

fünf Jahren kam in das Zimmer. Es lag etwas außerordentlich Liebliches

und Einnehmendes in seiner Erscheinung. Sein schwarzes, seidenfeines

Haar hing in vollen Locken um sein volles Gesicht, während ein Paar

großer, dunkler Augen unter schweren, langen Wimpern hervorschauten, als

er neugierig in das Zimmer blickte. Ein buntes Röckchen von gelber und

scharlachrother Farbe, welches sehr sorgfältig gearbeitet und besonders

passend für ihn war, hob seine üppige, dunkle Schönheit noch mehr, und

eine gewisse komische Zuversicht mit einer eigenthümlichen Mischung von

Schüchternheit in seinem Wesen verrieth, daß er von seinem Herrn nicht

unbeachtet und ungehätschelt geblieben war.

»Sieh da, Jim Crow!« rief Mr. Shelby pfeifend und ihm eine Weintraube

zuwerfend, »greif zu!«

Das Kind sprang mit allen Kräften nach der Beute, während sein Herr

lachte.

»Komm hierher, Jim Crow,« sagte Mr. Shelby, und klopfte, als das Kind zu

ihm getreten war, freundlich seinen lockigen Kopf und sein Kinn. »Nun,

Jim Crow, zeige diesem Herrn, wie Du tanzen und singen kannst.«

Der Knabe begann augenblicklich mit seiner hellen, klaren Stimme einen

jener wilden Gesänge, die unter den Negern üblich sind, und begleitete

ihn mit mannigfachen Bewegungen seiner Hände, Füße und seines ganzen

Körpers, welche in genauem Einklange mit dem Takte der Musik waren.

»Bravo!« sagte Haley, ihm eine halbe Orange zuwerfend.

»Nun, Jim, laß uns sehen, wie Onkel Cudjoe geht, wenn er die Gicht hat,«

sagte sein Herr.

Sofort nahmen die biegsamen Glieder des Knaben eine mißgestaltete

verzerrte Form an, während er, mit hinaufgezogenen Schultern, den Stock

seines Herrn in der Hand, durch das Zimmer hinkend, sein kindliches

Gesicht in eine schmerzhafte Miene verzog, und, nach rechts und links

speiend, die Gewohnheit eines alten Mannes nachäffte.

Beide Anwesende brachen in ein schallendes Gelächter aus.

»Nun, Jim, zeige uns, wie der alte Elder Robins den Psalm singt,« sagte

drauf sein Herr.

Der Knabe verzog sein rothwangiges Gesicht in unglaubliche Länge und

begann einen Psalm mit unerschütterlichem Ernste durch die Nase zu

singen.

»Hurra, bravo! was für ein Junge ist das!« rief Haley. »Der Junge ist

ein Kapital, auf mein Wort! -- Hört,« sagte er dann plötzlich, seine

Hand auf Mr. Shelby's Schulter legend, »werft den Jungen mit in den

Handel -- und unsre Rechnung soll abgemacht sein. Kommt, seht, das ist

der beste Weg!«

In diesem Augenblicke wurde die Thüre langsam geöffnet, und eine junge

Mulattin, ungefähr fünfundzwanzig Jahr alt, trat ein. Es bedurfte nur

eines Blickes auf sie und das Kind, um sie als die Mutter desselben zu

erkennen. Sie hatte dasselbe tiefe, volle und dunkle Auge, mit den

langen Wimpern, und dieselben Locken schwarzen seidenen Haares. Das

Braun ihrer Haut wich auf den Wangen einem deutlich erkennbaren Anfluge

von Röthe, welche sich steigerte, als sie den Blick des fremden Mannes

in dreister und unverstellter Bewunderung auf ihre Person geheftet sah.

Ihre Kleidung war im höchsten Grade sauber und passend, und ließ ihre

schönen Körperformen vortheilhaft hervortreten. Ihre zart geformte Hand

und ihr niedlicher Fuß waren Dinge, die dem schnellen Auge des Händlers

nicht entgingen, welches daran gewöhnt war, in einem Blicke alle

Merkmale eines schönen weiblichen Artikels aufzufassen.

»Nun, Elisa?« fragte der Herr, als sie zaudernd still stand und ihn

anblickte.

»Ich suchte Harry,« erwiderte sie, während der Knabe in großen Sätzen

auf sie zugesprungen kam, ihr seine Beute zeigend, die er im Schooße

seines Kleides trug.

»Wohl, so nimm' ihn hinweg,« sagte Mr. Shelby, worauf sie sich eiligst,

den Knaben auf den Arm nehmend, mit ihm entfernte.

»Bei Jupiter!« rief der Händler, sich voll von Bewunderung zu Mr. Shelby

umwendend, »das ist ein Artikel! Ihr könntet Euer Glück mit dem Mädchen

allein jeden Augenblick in Orleans machen. Ich habe mehr als tausend für

Mädchen bezahlen sehen, die kaum so hübsch waren.«

»Ich will mein Glück mit ihr nicht machen,« entgegnete Mr. Shelby

trocken, und suchte das Gespräch auf einen andern Gegenstand zu lenken,

indem er eine neue Flasche öffnete und den Gast um seine Meinung darüber

fragte.

»Vortrefflich, -- erste Qualität!« sagte der Händler und fuhr dann fort,

sich zu Shelby wendend und ihm vertraulich auf die Schulter schlagend:

»Kommt, was wollt Ihr für das Mädchen haben? -- was soll ich sagen? --

was verlangt Ihr?« »Mr. Haley, sie soll nicht verkauft werden,« sagte

Shelby, »meine Frau würde sich nicht für eben so viel Gold, als sie

wiegt, von ihr trennen.«

»Pah, pah, Weiber reden immer so, weil sie keine Berechnung haben. Zeigt

ihnen nur, wie viel Uhren, Federn und andere Sachen für so viel Gold,

als ein Mensch wiegt, gekauft werden können, das wird die Sache schon

ändern, denke ich.«

»Ich sage Euch, Haley, davon darf keine Rede sein, ich sage nein und ich

meine nein,« sagte Shelby mit Nachdruck.

»Nun, so werdet Ihr mir wenigstens den Jungen lassen,« sagte der

Händler, »Ihr müßt zugestehen, daß ich ein hübsches Gebot für ihn

gemacht habe.«

»Wozu in aller Welt braucht Ihr den Jungen?« sagte Shelby.

»Wozu? seht, ich habe einen Freund, der in diesen Artikeln handelt, --

der hübsche Jungen aufkaufen und für den Markt aufziehen will. Sind

natürlich Luxusartikel, -- werden als Aufwärter und so dergleichen an

Reiche verkauft, die dafür bezahlen können. Es macht sich gar nicht übel

in solchen großen Häusern, -- wenn ein wirklich hübscher Junge die Thür

aufmacht, und aufwartet und bedient. Diese Art bringt einen hübschen

Preis; und dieser kleine Hallunke ist so ein komisches, musikalisches

Exemplar, daß er gerade dazu paßt.«

»Ich möchte ihn doch lieber nicht verkaufen,« sagte Mr. Shelby

nachdenkend; »seht, Herr, ich habe menschliches Gefühl, und kann das

Kind nicht von der Mutter reißen.«

»O wahrhaftig? -- So etwas von der Art? -- ich verstehe, ganz richtig.

S'ist manchmal =gewaltig= fatal, mit Weibern zu thun zu haben. Ich hasse

das Geschrei und Geheul. S'ist =gewaltig= fatal; aber seht, so wie ich

das Geschäft einrichte, wird es gewöhnlich vermieden. Warum schickt Ihr

nicht das Mädchen für eine Woche, oder ein paar Tage oder so aus dem

Wege? -- dann macht sich die Sache ganz ruhig ab; -- ehe sie zurückkömmt

ist Alles vorüber. Eure Frau mag ihr dann ein Paar Ohrringe, oder ein

neues Kleid, oder so etwas Aehnliches geben, was Alles wieder gut macht

bei ihr.«

»Ich fürchte nicht!« sagte Shelby.

»Gott helf mir! Diese Geschöpfe sind ja nicht wie weiße Menschen; die

kommen da bald drüber weg, wenn Ihr's richtig angreift. Da sagt das

Volk,« fügte er, eine vertrauliche Miene annehmend, hinzu, -- »diese Art

Geschäft mache Einen hartherzig; aber ich habe das nie gefunden. Die

Sache ist, ich hab's nie so treiben können; wie es Manche thun. Ich habe

Viele gesehen, die die Kinder den Weibern aus den Armen rissen, und zum

Verkaufe ausstellten, während jene wie wahnsinnig schrieen; -- große

Thorheit, -- schadet dem Artikel nur, -- macht ihn zuweilen ganz

unbrauchbar. Ich sah einmal in Orleans ein hübsches Weib, das durch

solche Art Behandlung total drauf ging. Der Kerl, der sie in Handel

hatte, wollte ihr Kind nicht haben, und sie war eine von der rechten,

hohen Art, wenn ihr Blut heiß war. Ich sage Euch, sie drückte das Kind

in ihre Arme, und schrie, und gebährdete sich auf eine schrecklich

Weise. Es läuft mir noch jetzt kalt über, wenn ich daran denke; und als

sie das Kind fortschleppten und sie einsperrten, fing sie an zu rasen,

und war acht Tage nachher todt. Tausend Dollar, Herr, gradezu

weggeworfen, -- nur durch unrichtige Behandlung, -- so ist's. Es ist am

besten, die Sache menschlich zu betreiben; das ist meine Erfahrung.«

Nach diesen Worten lehnte sich der Händler, mit verschränkten Armen und

einer Miene tugendhafter Entschlossenheit, zurück in seinen Stuhl, und

hielt sich augenscheinlich für einen zweiten Wilberforce. Der Gegenstand

schien indeß den Ehrenmann zu interessiren, denn während Mr. Shelby

gedankenvoll eine Orange abschälte, hub er von Neuem an, zwar mit

bescheidener Zurückhaltung, aber als wenn er von der Gewalt der Wahrheit

unwiderruflich getrieben würde, noch einige Worte hinzuzufügen.

»Es sieht zwar nicht gut aus, wenn ein Mensch sich selbst rühmt, aber

ich sage es nur, weil's die Wahrheit ist. Ich glaube, ich bin bekannt

dafür, daß ich die besten Negerzüge auf den Markt bringe; wenigstens hat

man mir so gesagt: alle in gutem Stande, -- fett und gesund, und ich

verliere weniger als irgend Einer im Geschäfte. Alles das kommt aber nur

von der Art her, wie ich das Geschäft betreibe, Herr! Menschlichkeit,

Herr, kann ich sagen, ist die große Säule meines Geschäfts.«

Mr. Shelby wußte nicht, was er eben dazu sagen sollte, und sagte deshalb

nur: »Wirklich?«

»Ja, seht, man hat mich ausgelacht wegen dieser Ideen, und hat mir

Vorwürfe gemacht. Sie wären nicht populär, und nicht allgemein, hieß es;

aber ich blieb dabei, -- blieb dabei, und habe guten Profit damit

gemacht; -- ja, Herr, sie haben sich bezahlt gemacht, kann ich sagen,«

fügte er, über seinen eigenen Witz lachend, hinzu.

Es lag etwas so Pikantes und Originelles in dieser Anschaulichmachung

von Menschlichkeit, daß Mr. Shelby unwillkürlich mitlachen mußte.

Vielleicht lachst Du auch, lieber Leser; allein Du weißt, daß

Menschlichkeit sich heut zu Tage unter sehr verschiedenartigen Formen

und Gestalten zeigt, und daß die Sonderbarkeiten des menschlichen Thuns

und Treibens nie aufhören werden.

Mr. Shelby's Lachen ermuthigte den Händler, fortzufahren.

»S'ist kurios! aber ich habe das niemals den Leuten in den Kopf bringen

können. Da war Tom Locker, mein alter Compagnon, in Natchez, -- ein

gewandter, geschickter Kerl, dieser Tom, -- aber ein wahrer Teufel bei

den Negern; -- und aus Grundsatz, -- aus Grundsatz, denn einen

gutherzigeren Kerl hat es nie gegeben; -- aber s'war sein System, Herr.

Ich pflegte mit ihm zu reden. >Tom,< sagte ich, >wenn Deine Weiber an zu

schreien fangen, was nützt es dann, ihnen mit der Peitsche um die Ohren zu

hauen? S'ist lächerlich,< sagt' ich, >und thut nicht gut. Ich nehm's ihnen

nicht übel,< sagt' ich, >s'ist Natur,< sagt' ich, -- >und muß sich Bahn

machen so oder so. Und nebenbei, Tom,< -- sagt' ich -- >verdirbt's Dir die

Weiber, sie werden kränklich und lassen's Maul hängen; -- und manchmal

werden sie häßlich, -- besonders die gelben, -- oder der Teufel holt sie

ganz und gar. Warum< -- sagt' ich -- >kannst Du sie nicht lustig machen,

und freundlich mit ihnen reden? Glaube mir, Tom, so ein Bischen

Menschlichkeit mit hineingeworfen in's Geschäft, ist ein gut Theil besser,

als Dein Fluchen und Peitschen; und außerdem bringt's mehr ein,< -- sagt'

ich, -- >glaube mir.< Aber Tom wollte nichts davon wissen, und verdarb mir

so Viele, daß ich zuletzt mit ihm abbrechen mußte, obgleich er ein

gutherziger Kerl war, und ganz vortrefflich im Geschäfte.«

»Und findet Ihr, daß Eure Art das Geschäft zu betreiben, vortheilhafter

ist, als Tom seine?« sagte Mr. Shelby.

»Ja, ich glaube. Seht, wenn ich irgend kann, so geb' ich wohl Acht, bei

den unangenehmen Theilen des Geschäfts, wie Kinder verkaufen, -- schaffe

die Weiber aus dem Wege, -- aus den Augen, aus dem Sinn, Ihr wißt ja, --

und wenn Alles abgemacht ist, und Nichts mehr dran geändert werden kann,

so gewöhnten sie sich natürlich daran. S'ist ja nicht, als wenn es Weiße

wären, die dazu erzogen worden sind, für ihre Weiber und Kinder zu

sorgen, und alles das. Neger, wißt Ihr wohl, die richtig aufgebracht

worden sind, wissen von allem Dem nichts und so wird's ihnen viel

leichter.«

»Dann fürchte ich, daß die meinigen nicht richtig aufgebracht worden

sind,« sagte Mr. Shelby.

»Wahrscheinlich. Ihr Kentucky Leute verderbt alle Eure Neger. Ihr

meint's ganz gut, aber das heißt nicht ihnen wirklich Gutes thun. Seht,

ein Neger, der in der Welt herumgestoßen und geworfen, und an Tom, und

Dick, und Gott weiß wen, verkauft werden soll, -- für den ist's keine

Wohlthat, Begriffe zu bekommen und Hoffnungen, oder zu gut aufgebracht

zu werden, denn das Rauhe und Harte fällt ihm nachher um so schwerer.

Die Sache ist, Mr. Shelby, jeder Mensch hält natürlich seinen eigenen

Weg für den besten; und ich denke, ich behandle meine Neger gerade so

gut, als es ihnen zuträglich ist.«

»Es ist eine schöne Sache, mit sich selbst zufrieden zu sein,« sagte Mr.

Shelby mit einem leichten Schauder und einer lebhaften Empfindung von

Abscheu.

»Wohl,« sagte Haley, nachdem Beide eine Zeit lang stillschweigend ihre

Nüsse geschält hatten, »was meint Ihr dazu?«

»Ich will die Sache mit meiner Frau überlegen und besprechen,« sagte Mr.

Shelby. »Inzwischen, Haley, wenn Ihr wünscht, daß die Sache in aller

Stille abgemacht werden soll, wie Ihr vorhin erwähntet, so würdet Ihr am

besten thun, Euch nichts davon hier in der Nachbarschaft merken zu

lassen. Es könnte sonst unter meine Leute kommen, und es möchte kein

sehr ruhiges Geschäft sein, einen von ihnen von hier wegzubekommen, wenn

sie es vorher wissen, -- darauf verlaßt Euch.«

»Versteht sich, auf jeden Fall, nichts gesprochen. Aber hört, ich hab's

teufelmäßig eilig, und muß es so schnell wie möglich wissen, woran ich

bin,« sagte er indem er aufstand und sich seinen Ueberrock anzog.

»Wohl, kommt diesen Abend zwischen sechs und sieben Uhr, dann sollt Ihr

meine Antwort haben,« sagte Mr. Shelby, worauf der Händler sich mit

einer Verbeugung aus dem Zimmer entfernte.

»Ich wollte, ich hätte den Kerl die Treppe hinunter werfen können,«

sagte Shelby zu sich selbst, als die Thür wieder fest geschlossen

war, -- »mit seiner Unverschämtheit! allein er weiß, welchen Vortheil er

über mich hat. Wenn Jemand jemals zu mir gesagt hätte, daß ich den Tom

an einen dieser schuftigen Händler im Süden verkaufen sollte, so würde

ich gefragt haben: >Ist Dein Diener ein Hund, daß das mit ihm geschehen

soll?< -- und nun muß es doch geschehen, so viel ich sehen kann. Und

Elisa's Kind dazu! Ich weiß im voraus, daß ich deshalb bei meiner Frau

einen harten Strauß zu bestehen haben werde: und eben so wegen Tom's.

Alles wegen der fatalen Schulden! -- Der Kerl sieht seinen Vortheil und

will so viel Nutzen wie möglich davon ziehen.«

Die mildeste Form von Sklaverei ist vielleicht in Kentucky zu finden, wo

die ausgedehntere Betreibung eines ruhigen Feldbaues in regelmäßigen

Abstufungen nicht jene periodischen Ueberhäufungen von Arbeit

herbeiführt, die in den südlicheren Provinzen so gewöhnlich sind, und

deshalb das Loos des Negers ein unerträglicheres ist, während der Herr,

zufrieden mit einem allmählicheren Erwerbe, nicht jenen Versuchungen,

hartherzig zu werden, ausgesetzt ist, die stets den Sieg über die

schwache menschliche Natur davon tragen, sobald die Aussicht auf einen

schnellen und plötzlichen Gewinn in die Wagschaale fällt, und kein

schwereres Gegengewicht vorhanden ist, als die Rücksicht auf Hülflose

und Schutzlose.

Wer gewisse Besitzungen dort besucht, und die nachsichtige, wohlwollende

Behandlung einzelner Herren und Herrinnen, und die aufrichtige

Anhänglichkeit einzelner Sklaven sieht, möchte sich versucht fühlen, von

der oft wiederholten poetischen Fabel patriarchalischer Institutionen zu

träumen; allein über diesen Scenen hängt ein schwarzer Schatten, -- der

Schatten =des Gesetzes=. So lange das Gesetz alle diese menschlichen

Wesen mit schlagenden Herzen und regen Empfindungen nur als eben so viel

Dinge ansieht, die einem Herrn gehören, -- so lange das Falissement,

oder sonstiges Unglück, oder Unklugheit, oder der Tod eines

menschenfreundlichen Herrn die Ursache werden kann, daß dieselben ein

Leben freundlichen Schutzes und Wohlwollens gegen ein Leben voll harter

Arbeit und endloses Elend vertauschen müssen, -- so lange ist es

unmöglich, auch das bestverwaltete Sklavenverhältniß zu einem schönen,

angenehmen Loose zu machen.

Mr. Shelby war ein gewöhnlicher, gutmüthiger Mensch, freundlich und

stets bereit, den Wünschen seiner Umgebung zu entsprechen, so daß den

Negersklaven seiner Besitzung nie etwas mangelte, was zu ihrem

körperlichen Wohlbefinden beitragen konnte. Er hatte sich aber in

bedeutende und unvorsichtige Speculationen eingelassen, hatte sich dabei

tief verwickelt, und seine Wechsel waren zu einem bedeutenden Betrage in

Haley's Hände gefallen. Dieser Umstand diene als Schlüssel zu der

vorangegangenen Unterhaltung.

Inzwischen hatte es sich zugetragen, daß Elisa, als sie sich der Thür

nahte, genug von obiger Unterhaltung hörte, um zu erfahren, daß der

Händler ihrem Herrn Anerbietungen für irgend Jemanden mache. Sie hätte

gern an der Thür gehorcht, als sie das Zimmer wieder verließ, allein

ihre Herrin rief gerade nach ihr und zwang sie davon zu eilen. Dennoch

glaubte sie gehört zu haben, daß der Händler ein Gebot für ihr Kind

gemacht habe; -- konnte sie sich geirrt haben? Ihr Herz schlug

fieberhaft, und unwillkürlich preßte sie ihn so gewaltsam an sich, daß

das Kind ihr erstaunt ins Gesicht blickte.

»Elisa, Mädchen, was ist heut mit Dir?« fragte ihre Herrin, als Elisa

das Waschbecken ausgeschüttet, die Wasserkaravine umgestoßen hatte, und

endlich ihrer Herrin in voller Gedankenlosigkeit ein langes Nachthemde

an Stelle des seidenen Kleides brachte, welches sie ihr aufgetragen

hatte, aus der Garderobe zu holen.

Elisa erschrack, und kam zur Besinnung. »O Mistreß!« sagte sie, indem

sie ihre Augen aufschlug, und dann in Thränen ausbrechend, sich

schluchzend auf einen Stuhl niedersetzte.

»Elisa, Kind, was fehlt Dir?« fragte ihre Herrin.

»O Mistreß, Mistreß,« sagte Elisa, »ein Sklavenhändler ist bei dem Herrn

im Zimmer, und hat mit ihm gesprochen. Ich hörte ihn.«

»Nun, dummes Mädchen, wenn auch, was ist's weiter?«

»O Mistreß, glauben Sie, daß der Herr meinen Harry verkaufen könnte?«

Und das arme Wesen fiel von Neuem in einen Stuhl, und begann

convulsivisch zu schluchzen.

»Ihn zu verkaufen! Nein, albernes Mädchen! Du weißt, daß Dein Herr nie

mit diesen südlichen Händlern Geschäfte macht, und nicht Willens ist, je

einen seiner Dienstboten zu verkaufen, so lange diese sich gut betragen.

Wer denkst Du denn, thörichtes Kind, würde Deinen Harry kaufen wollen?

Glaubst Du denn, daß die ganze Welt in ihn so vernarrt ist, wie Du,

Gänschen? Komm her, sei munter, und hake mein Kleid zu. Nun lege mein

Haar in die hübsche Flechte, die Du vor ein paar Tagen gelernt hast, und

horche nie wieder an den Thüren.«

»Ja, aber nicht wahr, Mistreß, Sie würden nie Ihre Einwilligung dazu

geben, daß -- daß --«

»Dummes Zeug! Kind. Gewiß, nimmer. Wozu sind diese Schwatzereien? Eben

so wenig, wie daß eins meiner Kinder verkauft würde. Aber wahrhaftig,

Elisa, Du wirst mir beinahe zu stolz auf den Buben. Kein Mensch darf

seine Nase zur Thüre hinein stecken, ohne daß Du glaubst, Dein Bube soll

verkauft werden.«

Beruhigt durch den zuversichtlichen Ton ihrer Herrin fuhr Elisa flink

und gewandt mit ihren Toilettengeschäften fort, und lachte selbst über

ihre Befürchtungen.

Mistreß Shelby war eine Frau von hoher geistiger und moralischer

Bildung. Mit jener angeborenen Hochherzigkeit, welche so häufig als ein

charakteristisches Merkmal der Weiber in Kentucky gefunden wird, verband

sie ein religiöses Gefühl, welches sich in allen ihren Handlungen

praktisch kund gab. Ihr Mann, der keinen Anspruch auf besondere

Religiosität machte, achtete und ehrte nichts destoweniger diese Seite

in ihrem Charakter, und hegte vielleicht sogar eine Art Scheu vor ihrer

Meinung. Gewiß ist, daß er ihr unbegränzte Machtvollkommenheit in allen

ihren Bestrebungen für das Wohl und den Unterricht ihrer Dienstboten

gab, obgleich er selbst keinen direkten Antheil daran nahm. In der That,

wenn er auch nicht an die Lehre von der Wirksamkeit der =besondern=

guten Werke der Heiligen glaubte, so schien er doch gewissermaßen

anzunehmen, daß seine Frau Frömmigkeit und Wohlthätigkeit genug für zwei

besitze, -- und die schwache Hoffnung zu hegen, durch Vermittlung

derjenigen Tugenden in den Himmel zu gelangen, welche seine Frau in so

großem Maaße besaß, obgleich er selbst darauf keinen besondern Anspruch

machen konnte.

Die schwerste Last auf seiner Seele jetzt, nach der Unterredung mit dem

Sklavenhändler, war die von ihm vorempfundene Nothwendigkeit, seiner

Frau die getroffenen Verabredungen mitzutheilen, und den dringenden

Gegenvorstellungen zu begegnen, auf die er, wie er wußte, mit Sicherheit

rechnen konnte.

Da Mistreß Shelby von den finanziellen Verlegenheiten ihres Ehemannes

durchaus keine Ahnung hatte, und die gewöhnliche Gutmüthigkeit seines

Herzens kannte, so war sie in dem Ausdrucke ihrer Ungläubigkeit

rücksichtlich des von Elisa geäußerten Verdachtes ganz aufrichtig

gewesen. Sie hatte in der That mit keinem Gedanken weiter daran gedacht;

und da sie überdieß mit den Vorbereitungen zu einem Abendbesuche

beschäftigt war, so entschwand der Gegenstand gänzlich aus ihrem Kopfe.

Zweites Kapitel.

Die Mutter.

Elisa war von ihrer Kindheit an bei ihrer Herrin als ein gehätschelter

und verwöhnter Günstling auferzogen worden.

Der Reisende im Süden wird oft jene Zartheit und Sanftheit der Stimme

und des ganzen Wesens bemerkt haben, welche sehr häufig eine besondre

Gabe der Mestizen und Mulattenweiber zu sein scheint. Die natürliche

Grazie der Mulattin ist oft mit einer blendenden Schönheit, und stets

wenigstens mit einem äußerst angenehmen und einnehmenden Aeußeren

verbunden. Elisa, wie wir sie geschildert haben, ist kein Phantasiebild,

sondern der Erinnerung entnommen, wie wir sie vor Jahren in Kentucky

gesehen haben. Sicher unter der schützenden Sorge ihrer Herrin hatte sie

ihre körperliche Reife ohne jene Versuchungen erlangt, welche die

Schönheit einer Sklavin so häufig zu einer so unheilvollen Erbschaft

machen. Sie war an einen hübschen und talentvollen jungen Mulatten

verheirathet worden, der Sklave auf einer nachbarlichen Besitzung war,

und den Namen Georg Harris führte.

Dieser junge Mann war von seinem Herrn in eine Fabrik von Sackleinwand

verdungen worden, wo seine Geschicklichkeit und Einsicht ihm sehr bald

den Ruf des besten Arbeiters verschafft hatten. Er hatte eine Maschine

erfunden, den Hanf zu reinigen, welche, wenn man die Erziehung und

Verhältnisse des Erfinders berücksichtigte, eben so viel mechanisches

Genie verrieth, wie Whitney's Baumwollenspinnmaschine. Er war von

hübscher Figur und einnehmendem Wesen, wodurch er bald der allgemeine

Liebling in der Fabrik wurde. Nichtsdestoweniger waren alle diese

edleren Eigenschaften, da der junge Mann vor dem Gesetze nicht ein

Mensch, sondern nur eine Sache war, der Herrschaft eines gemeinen,

engherzigen, tyrannischen Herrn unterworfen. Dieser Ehrenmann, als er

von der in der Umgegend viel besprochenen Erfindung Georgs gehört hatte,

nahm sich eines Tages die Mühe, nach der Fabrik hinüber zu reiten, um zu

sehen, was dieses einsichtsvolle Stück seines Eigenthums dort treibe.

Der Besitzer empfing ihn mit großer Begeisterung, und gratulirte ihm,

einen so werthvollen Sklaven zu besitzen. Er wurde durch die ganze

Fabrik geführt, und Georg zeigte ihm das ganze Maschinenwesen, und

sprach dabei so lebhaft und so fließend, zeigte eine solche Haltung, und

erschien so schön und männlich, daß seinen Herrn ein gewisses

unbehagliches Gefühl von Untergeordnetheit beschlich. Wozu hatte sein

Sklave nöthig, durch das Land zu gehen, Maschinen zu erfinden, und mit

Gentlemen zu verkehren? Er wollte dem bald ein Ende machen, -- er wollte

ihn zurückholen und hacken und graben lassen, und sehen, »ob er sich

dabei auch so stattlich ausnehmen werde.« Wie gesagt, so geschehen. Der

Fabrikbesitzer und alle dabei gegenwärtigen Arbeiter waren erstaunt, als

er plötzlich Georgs Lohn verlangte, und seine Absicht zu erkennen gab,

ihn mit sich nach Hause zu nehmen.

»Aber, Mr. Harris,« entgegnete der Fabrikbesitzer, »ist das nicht

eigentlich zu schnell?«

»Und wenn es ist? -- ist der Mann nicht =mein=?«

»Ich würde nichts dagegen haben, Mr. Harris, den Lohn zu erhöhen.«

»Gleichviel, Herr, ich habe nicht nöthig meine Arbeiter auszudingen,

wenn ich keine Lust dazu habe.«

»Aber, Herr, er scheint ganz besonders geeignet zu diesem Geschäfte.«

»Mag sein, -- er taugte aber nie viel zu irgend einer Sache die ich ihm

auftrug, mein Seel'!«

»Denken Sie aber nur an seine Erfindung der Maschine,« wendete hier

einer der Arbeiter unglücklicher Weise ein.

»O ja! -- eine Maschine um Arbeit zu sparen, nicht wahr? So etwas wird

er schon erfinden, ohne Zweifel! 's müßte ja kein Neger sein. Die sind

alle selbst Maschinen, die Arbeit zu sparen, -- einer wie der andere!

Nein, er soll das Feld treten!«

Georg stand wie angezaubert da, als er so plötzlich sein Urtheil von

einer Gewalt ausgesprochen hörte, gegen die kein Widerstand möglich war.

Er preßte die Lippen krampfhaft zusammen, und ein ganzer Vulkan bitterer

Empfindungen brannte in seinem Busen, und sandte Feuerströme durch seine

Adern. Sein Athem ging kurz, seine großen, dunklen Augen glühten wie

feurige Kohlen, und es möchte vielleicht ein gefährlicher Ausbruch bei

ihm statt gefunden haben, wenn nicht der gutherzige Fabrikbesitzer

seinen Arm berührt, und ihm leise zugeflüstert hätte: »Gieb nach, Georg;

geh jetzt mit ihm; wir wollen doch sehen, wie wir Dir helfen können.«

Der Tyrann bemerkte das Flüstern, und errieth seine Bedeutung, obgleich

er nicht hören konnte, was gesagt wurde, und diese Wahrnehmung bestärkte

ihn nur in seinem Vorsatze, die Gewalt, die ihm über sein Opfer zustand,

geltend zu machen.

Georg wurde nach Hause geführt und an die niedrigsten Arbeiten der

Farmwirthschaft gestellt. Er hatte es über sich vermocht, jedes

unehrerbietige Wort zu unterdrücken; aber das funkelnde Auge und die

finstere Stirn waren Theile einer natürlichen Sprache, welche sich nicht

unterdrücken ließ, -- sichere Anzeichen dessen, daß der Mensch nicht zur

Sache werden könne.

Es war während jener glücklichen Periode seiner Beschäftigung in der

Fabrik, daß Georg sein Weib kennen gelernt und geheirathet hatte.

Während jener Zeit hatte er, da der Fabrikherr ihm seine Gunst und sein

Vertrauen in besonderem Grade zugewendet hatte, volle Freiheit gehabt,

zu gehen und zu kommen, wann und wie er wollte. Die Heirath wurde von

Mistreß Shelby besonders begünstigt, die, mit einer Art weiblichen

Gefallens an Ehestiftungen, sich gefreut hatte, ihren schönen Schützling

mit einem in jeder Beziehung passenden Manne derselben Klasse verbunden

zu sehen; und so wurden Beide in dem Wohnzimmer ihrer Herrin verbunden,

und diese selbst schmückte das schöne Haar der Braut mit Orangenblüthen,

und warf den bräutlichen Schleier darüber, der ohne Zweifel auf keinem

schöneren Kopfe geruht haben könnte. Auch fehlte es nicht an weißen

Handschuhen und Kuchen und Wein, und an Gästen, die die Schönheit der

Braut und die Güte und Freigebigkeit der Herrin priesen.

Ein oder zwei Jahre lang sah Elisa ihren Gatten häufig, und nichts

störte ihr Glück, als der Verlust zweier Kinder im ersten Alter, an

denen sie mit leidenschaftlicher Liebe hing, und um die sie mit so

verzehrendem Kummer trauerte, daß ihre Herrin sich veranlaßt fühlte, ihr

sanfte Vorwürfe zu machen, und sich bemühte, ihre von Natur

leidenschaftlichen Empfindungen durch den Einfluß der Vernunft und

Religion zu mäßigen. Nach der Geburt des kleinen Harry war sie jedoch

allmählig ruhiger geworden und jeder blutende, zuckende Nerv schien

durch die neue Verbindung mit diesem jungen Leben geheilt worden zu

sein, und Elisa war wieder ein glückliches Weib bis zu dem Augenblicke,

wo ihr Mann von seinem menschenfreundlichen Principale auf so rohe Weise

losgerissen, und unter die eiserne Herrschaft seines rechtmäßigen

Besitzers zurückgebracht worden war.

Der Fabrikherr besuchte, seinem Versprechen getreu, nach ein oder zwei

Wochen Mr. Harris, in der Hoffnung, daß die erste Hitze sich gelegt

haben werde, und wandte alles Mögliche an, um ihn zu bestimmen, Georg

seiner früheren Beschäftigung zurückzugeben.

»Sie brauchen sich keine Mühe zu geben, und weiter darüber zu sprechen,«

sagte er mürrisch, »ich weiß am besten selbst was ich zu thun habe.«

»Ich wollte mir nicht anmaßen, mich in Ihre Angelegenheiten zu mischen;

sondern ich dachte nur, Sie würden es selbst Ihrem Interesse angemessen

finden, uns diesen Mann unter den offerirten Bedingungen zu überlassen.«

»O ich verstehe Alles vollkommen. Ich sah Ihr Winken und Flüstern an dem

Tage, wo ich ihn von der Fabrik wegholte, aber ich lasse mich auf diese

Weise nicht hintergehen. Es ist hier ein freies Land, Herr; der Mann ist

=mein=, und ich thue mit ihm was mir gefällt, -- verstanden?«

Und so fiel Georgs letzte Hoffnung zu Boden. Nichts lag nun vor ihm als

ein Leben voll Mühe und Qual, welches durch die gesuchten Kränkungen und

Entwürdigungen noch mehr verbittert wurde, welche eine tyrannische

Erfindungskunst zu erdenken vermochte.

Ein sehr menschenfreundlicher Jurist sagte einst: »das größte Uebel, das

du dem Menschen zufügen kannst, ist ihn zu hängen.« Nein, es gibt noch

ein anderes Uebel, welches dem Menschen zugefügt werden kann, und

welches =größer= ist!

Drittes Kapitel.

Der Gatte und Vater.

Mistreß Shelby hatte das Haus verlassen, um ihren Besuch zu machen, und

Elisa stand in der Veranda des Hauses und schaute traurig dem

fortfahrenden Wagen nach, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte.

Sie wandte sich um, und ein freundliches Lächeln leuchtete

augenblicklich aus ihren schönen Augen.

»Georg, bist Du es? Wie Du mich erschreckt hast! Ach, wie froh bin ich,

daß Du gekommen bist! Mistreß ist ausgefahren, um einen Besuch zu

machen; komm' also in mein kleines Zimmer, wir haben den ganzen

Nachmittag für uns.«

Indem sie dies sagte, zog sie ihn in ein niedliches kleines Gemach,

welches an der einen Seite der Vorhalle lag und in welchem sie sich

gewöhnlich aufhielt, mit ihren Nähereien beschäftigt, um den Ruf ihrer

Herrin hören zu können.

»Wie froh ich bin! Warum bist Du denn nicht freundlich? -- Und sieh'

Harry, wie er wächst.« Der Knabe blickte scheu durch seine Locken

hindurch auf den Vater und hielt sich ängstlich an den Röcken seiner

Mutter fest. »Ist er nicht hübsch?« sagte Elisa, seine Locken aufhebend

und ihn küssend.

»Ich wollte, er wäre nie geboren worden!« sagte Georg bitter. »Ich

wollte, ich wäre selbst nie geboren worden!«

Ueberrascht und erschreckt setzte sich Elisa nieder, lehnte ihren Kopf

an ihres Gatten Schulter und brach in Thränen aus.

»Das noch, Elisa, o es ist zu sündlich von mir, Dir solchen Schmerz zu

bereiten, armes Weib!« sagte er zärtlich, »'s ist zu sündlich. O, wie

wünsche ich, daß Du mich nie gesehen hättest, -- dann hättest Du

vielleicht glücklich werden können.«

»Georg, Georg, wie kannst Du so reden? Was ist denn Schreckliches

geschehen, oder was soll geschehen? Wir waren doch so glücklich bis vor

Kurzem.«

»Das waren wir,« sagte Georg. Dann das Kind auf seinen Schooß nehmend,

schaute er ihm in seine funkelnden, dunklen Augen und fuhr mit den

Händen durch seine langen Locken.

»Gerade wie Du, Elisa; und Du bist das hübscheste Weib, das ich je

gesehen habe, und das beste, das ich je zu sehen wünsche. Aber ach! ich

wollte, ich hätte Dich nie gesehen, und Du nie mich.«

»O Georg, wie kannst Du --?«

»Ja, Elisa, 's ist Alles Elend, Elend, nichts als Elend. Mein Leben ist

bitter wie Wermuth; alle Lebenskraft verzehrt sich in mir. Ich bin ein

armes, elendes, verlorenes Lastthier; ich werde Dich nur mit mir

hinabziehen, das ist Alles! Was nützt es, daß man sich Mühe giebt, etwas

zu verrichten, etwas zu lernen, etwas zu sein? Wozu nützt das ganze

Leben? Ich wollte, ich wäre todt!«

»O lieber Georg, aber das ist wahrhaftig sündlich! Ich weiß, wie sehr es

Dich schmerzt, daß Du Deinen Platz in der Fabrik verloren hast, und daß

Du einen harten Herrn hast; aber, bitte, sei geduldig, vielleicht --«

»Geduldig!« sagte er, sie unterbrechend; »bin ich nicht geduldig

gewesen? Sagte ich ein Wort, als er kam und mich ohne jeden irdischen

Grund von dem Orte wegnahm, wo Jeder freundlich gegen mich war? Ich habe

ihm gewissenhaft jeden Cent von meinem Lohne ausgeliefert, -- und Alle

sagten, daß ich ein guter Arbeiter wäre.«

»Ja, es ist schrecklich,« sagte Elisa, »aber Du weißt, er ist doch nun

einmal Dein Herr!«

»Mein Herr? und wer machte ihn zu meinem Herrn? Das ist es gerade, was

mir durch den Kopf geht, -- welches Recht hat er auf mich? Ich bin ein

Mensch, so gut wie er; -- ich bin ein besserer Mensch als er. Ich

verstehe mehr vom Geschäfte als er; ich kann besser lesen als er, besser

schreiben als er, -- und ich habe es Alles selbst gelernt, ohne seinen

Beistand, -- selbst gegen seinen Willen. Welches Recht hat er nun, aus

mir ein Zugpferd zu machen? -- mich von Geschäften wegzunehmen, die ich

verrichten kann, und besser verrichten kann als er, um mich zu Arbeiten

anzustellen, die nur für ein Pferd geeignet sind. Er versucht es; er

sagt, er will mich niederdrücken, er will mich demüthigen, und giebt mir

deshalb absichtlich die schwerste, niedrigste und schmutzigste Arbeit.«

»O Georg, Georg! Du erschreckst mich! Ich habe Dich nie so reden hören;

ich fürchte mich, daß Du etwas Schreckliches begehen könntest. Ich

wundere mich durchaus nicht über Deine Empfindungen, aber ich bitte

Dich, sei vorsichtig, -- bitte, bitte, -- um meinetwillen, um Harry's

willen!«

»Ich bin vorsichtig gewesen, und bin geduldig gewesen, aber es wird

immer schlimmer; Fleisch und Blut kann es nicht länger tragen: jede

Gelegenheit, die sich darbietet, mich zu kränken und zu quälen, benutzt

er. Ich dachte, ich könnte meine Arbeit ruhig und still verrichten, und

würde dann nach den Arbeitsstunden einige Zeit zum Lesen und Lernen

haben; allein je mehr er sieht, daß ich thun kann, desto mehr ladet er

mir auf. Er sagt, daß obgleich ich nichts sage, er dennoch sehe, daß ich

den Teufel in mir habe, und den wolle er austreiben; -- ja, er soll

dieser Tage herausfahren, aber in einer Weise, die ihm nicht gefallen

wird, denke ich.«

»O Gott! was sollen wir thun?« sagte Elisa traurig.

»Erst gestern wieder,« sagte Georg, »als ich beschäftigt war, Steine in

einen Wagen zu laden, stand der junge Master Tom dabei und knallte mit

seiner Peitsche so dicht über dem Pferde, daß es unruhig wurde. Ich bat

ihn so freundlich als ich konnte, es nicht zu thun, -- allein nun fuhr

er erst recht fort. Ich bat ihn abermals, worauf er sich gegen mich

wendete und mich an zu peitschen fing. Ich hielt seine Hand fest, und

dann schrie er und schlug um sich und lief zu seinem Vater, dem er

erzählte, ich habe ihn angreifen wollen. =Der= kam wüthend zu mir gerannt

und sagte, er wolle mir zeigen, wer mein Herr sei, und band mich an

einen Baum und schnitt Ruthen für den jungen Herrn aus, und hieß ihn

mich peitschen, so lange er könne, -- und das that er. -- Wenn ich ihm

das nicht noch 'mal vergelte!«

Bei diesen Worten wurde die Stirn des jungen Mannes so finster und seine

Augen begannen so zu funkeln, daß seine junge Frau davor erbebte. »Wer

machte diesen Mann zu meinem Herrn? Das ist es, was ich wissen will!«

sagte er.

»Wohl,« sagte Elisa traurig, »ich dachte immer, daß ich meinem Herrn und

meiner Herrin gehorchen müsse, oder ich könne keine Christin sein.«

»In Deinem Falle hat es Etwas für sich. Sie haben Dich auferzogen wie

ein Kind, haben Dich genährt, gekleidet und unterrichtet, so daß Du eine

gute Erziehung bekommen hast. Hier ist wenigstens einiger Grund, weshalb

sie auf Dich Anspruch haben. Aber ich bin gestoßen und gepeitscht und

verflucht worden, und im glücklichsten Falle mir allein überlassen

worden; und was schulde ich? Ich habe meine Erhaltung mehr als

hundertmal bezahlt. Ich =will= es nicht länger tragen! Nein, ich =will=

nicht!« sagte er, seine Faust mit einem wilden Blicke ballend.

Elisa zitterte und schwieg. Sie hatte ihren Gatten noch nie in solcher

Stimmung gesehen, und ihr sanftes System von Ethik schien sich wie

Schilf in der Brandung solcher Leidenschaft zu beugen.

»Du weißt, du gabst mir den armen kleinen Carlo,« fügte Georg hinzu;

»das Thierchen war mein einziger Trost. Er schlief mit mir des Nachts

und folgte mir des Tages überall, und sah mich an, als wenn er wisse,

was ich fühlte. Eines Tages fütterte ich ihn gerade mit einigen

Ueberbleibseln, die ich vor der Küchenthür gefunden hatte, als der Herr

vorüber kam und sagte, ich füttere den Hund auf seine Kosten, und das

könne er nicht ausführen, daß jeder Neger seinen Hund halte. Er befahl

mir, ihm einen Stein an den Hals zu binden und ihn in's Wasser zu

werfen.«

»O Georg, Du thatest es doch nicht?«

»Ich nicht, aber er that es. Er und Tom warfen das arme Thier mit

Steinen, während es im Ertrinken war. Es sah mich so traurig an, als

wenn es sich wundere, daß ich ihm nicht zu Hülfe komme. Ich wurde

gepeitscht, weil ich es nicht selbst thun wollte. Ich frage nichts

darnach. Er wird schon sehen, daß ich Keiner bin, der sich durch

Peitschenhiebe zähmen läßt. Meine Zeit wird schon noch kommen, wenn er

sich nicht vorsieht.«

»Was hast Du im Sinne? O Georg, thue nichts Schlechtes! Wenn Du nur auf

Gott vertraust und Recht thust, so wird er Dich erretten.«

»Ich bin kein Christ, wie Du, Elisa; mein Herz ist voll Bitterkeit; ich

kann nicht auf Gott vertrauen. Warum läßt er das so geschehen?«

»O Georg, wir müssen glauben. Mistreß sagt, daß, wenn uns Alles

mißglückt, wir glauben müssen, Gott habe es zu unserm Besten gethan.«

»Das können solche Leute leicht sagen, die auf ihrem Sopha sitzen und in

ihrem Wagen fahren; aber laß sie an meinem Platze sein, ich glaube, dann

würde es ihnen etwas schwerer fallen. Ich wollte, ich könnte fromm sein;

aber mein Herz brennt mir und kann nicht wieder ruhig werden. Du

könntest es auch nicht in meiner Stelle, -- Du kannst es jetzt nicht,

wenn ich Dir Alles gesagt habe, was ich zu sagen habe. Du weißt noch

nicht Alles.«

»Was kann denn jetzt noch kommen?«

»Vor einiger Zeit sagte mein Herr, er sei ein Narr gewesen, daß er mir

erlaubt habe, außerhalb des Platzes zu heirathen; daß er Mr. Shelby und

seine ganze Familie hasse, weil sie Alle stolz wären und ihre Köpfe

höher trügen als er, und daß ich stolze Begriffe von ihnen bekommen

hätte; und sagte, daß er mich gar nicht wieder hierher gehen lassen

wolle, und daß ich auf seinem Gute ein Weib nehmen solle. Anfangs sagte

er diese Dinge nur, wenn er brummte und schalt, aber gestern befahl er

mir, Mina als Weib zu mir zu nehmen und mit ihr in eine Hütte zu ziehen,

oder er wolle mich den Fluß hinunter schicken und verkaufen lassen.«

»Wie? -- Du bist ja aber mit =mir= verheirathet worden, durch den

Geistlichen, gerade so, als wenn Du ein Weißer wärest!« sagte Elisa

einfach.

»Weißt Du nicht, daß ein Sklave sich nicht verheirathen kann? Es giebt

kein Gesetz dafür in diesem Lande. Ich kann Dich nicht als mein Weib

behalten, wenn es ihm einfällt uns zu trennen. Das ist der Grund,

weshalb ich wollte, ich hätte Dich nie gesehen, -- weshalb ich wünschte,

ich wäre nie geboren worden; es wäre für uns beide besser gewesen, -- es

wäre für dieses arme Kind besser gewesen, wenn es nie geboren worden

wäre. Alles dies kann ihm auch noch begegnen!«

»O, aber mein Herr ist so gut!«

»Ja, aber wer weiß? -- er kann sterben, -- und dann kann er verkauft

werden, Gott weiß, an wen. Welche Freude kann es uns gewähren, daß er

schön und kräftig ist? Ich sage Dir, Elisa, daß ein Schwert Dein Herz

durchdringen wird für jede gute und schöne Eigenschaft, die das Kind

besitzt; es wird ihn Dir zu werth machen, als daß Du ihn behalten

könntest!«

Diese Worte fielen Elisa schwer auf's Herz. Die Erscheinung des

Sklavenhändlers trat wieder vor ihre Augen, und als wenn irgend Jemand

ihr einen tödtlichen Schlag versetzt hätte, wurde sie plötzlich bleich

und verlor den Athem. Sie blickte angstvoll nach der Veranda, wohin sich

der Knabe, überdrüssig der ernsten Unterhaltung, zurückgezogen hatte,

und wo er auf Mr. Shelby's Spazierstock triumphirend auf- und

niederritt. Sie war im Begriff, ihrem Manne ihre Befürchtungen

mitzutheilen, aber hielt dennoch zurück.

»Nein, nein, -- er hat genug zu tragen, der Arme!« dachte sie. »Nein,

ich will ihm nichts davon sagen; überdies ist es ja auch nicht wahr;

Mistreß täuscht uns niemals.«

»Also, Elisa, mein Weib,« sagte der Mann traurig, »sei standhaft, und

nun lebe wohl, ich gehe.«

»Du gehst, Georg? -- wohin denn?«

»Nach Canada,« sagte er, sich hoch aufrichtend, »und wenn ich dort bin,

will ich Dich kaufen; das ist die einzige Hoffnung, die uns bleibt. Ich

will Dich und den Knaben kaufen, -- so Gott mir helfe!«

»O schrecklich! wenn Du gefangen werden solltest!«

»Ich werde nicht gefangen werden, Elisa; eher will ich =sterben=! Ich

will frei sein, oder sterben!«

»Du wirst Dich doch nicht selbst umbringen?«

»Das wird nicht nöthig sein, -- sie werden mich schnell genug

niedermachen. Nimmer sollen sie mich lebendig den Fluß hinab bringen!«

»O Georg, um meinetwillen sei vorsichtig! Thue nichts Böses, lege nicht

Hand an Dich selbst, oder an irgend einen Andern! Du bist zu sehr

gereizt, -- zu sehr. Gehen mußt Du, -- aber sei vorsichtig, sei weise.

Bitte Gott, daß er Dir beistehe.«

»Wohlan denn, Elisa, so höre meinen Plan. Meinem Herrn fiel es ein, mich

grade hier vorbei zu schicken mit einem Briefe an Mr. Symmes, der eine

Meile weiter wohnt. Ich glaube, er rechnete drauf, daß ich hierher

gehen würde, Dir zu erzählen, was ich bekommen habe. Es würde ihm Freude

machen, wenn er denken könnte, daß das >Shelby'sche Volk<, wie er es

nennt, sich darüber ärgerte. Ich gehe jetzt nach Hause, und thue, als

wenn ich ganz resignirt wäre, verstehst Du, als wenn Alles vorbei wäre.

Inzwischen habe ich schon einige Vorbereitungen getroffen, -- und ich

habe Freunde, die mir helfen werden, -- und in Zeit von acht Tagen oder

so werde ich vermißt werden. Elisa, bete für mich, vielleicht erhört

=Dich= der gute Gott!«

»O bete selbst für Dich, Georg, und vertraue auf ihn, wenn Du gehst;

dann wirst Du nichts Böses thun.«

»So =lebe wohl= denn,« sagte Georg, Elisa's Hände haltend, und

unverwandt in ihre Augen blickend. Beide standen eine Zeit lang

schweigend; dann folgten die letzten Worte, Schluchzen und bittre

Thränen, und ein solcher Abschied, wie er zwischen Personen stattfinden

muß, deren Hoffnung auf Wiedersehen so schwach wie Spinngewebe ist. Dann

trennten sich Gatte und Gattin.

Viertes Kapitel.

Onkel Tom's Hütte(#31459) · 第 1 / 12 段