_Schwarzenberg_, _Geyer_, _Scheibenberg_ nach _Annaberg_ und von da
weiter herum führen. Auch nach _Wiesenthal_ um des _Fichtelberges_
willen werden wir einen Abstecher machen müssen.
Jetzt will ich noch von den Festen, Gebräuchen und Vergnügungen des
obern Erzgebirges erzählen, worin man gewiß viel Interessantes und
Nationales finden wird.
III.
Vorzügliche Feste der obern Erzgebirger.
1.
Die Fastnacht.
Unter die vorzüglichen Feste gehört die Fastnacht, eigentlich ein Fest
nur für die Bergleute, aber an den meisten Orten nimmt Jedermann gern
Antheil daran. Ich werde daher jetzt von Johanngeorgenstadt sprechen,
weil in dieser Stadt dieses Bergfest mit bergmännischen Solennitäten
gefeiert wird.
Tags vorher sind gewöhnlich die Bergleute aus den combinirten
Bergrevieren Schwarzenberg und Eibenstock in ihrem Ornate daselbst
eingetroffen. Früh um fünf Uhr wird dann die große Glocke geläutet,
worauf von dem Stadtpfeifer und den Berghautboisten ein Morgenlied von
dem Thurme geblasen wird. So wie nun der Tag angebrochen ist, sieht
man die geputzten Bergleute auf den Gassen einher- und in das Rathhaus
ziehen, woselbst sie sich Alle versammeln. Das Volk steht nun umher
und freut sich; Mütter freuen sich über ihre Söhne, Weiber über ihre
Männer, Kinder über ihre geputzten Väter, Mädchen über die schmucken
Bursche. Das ist ein Treiben und Drängen, Schwatzen und Lachen; am
Markte und in der Kirchgasse sind fast alle Fenster besetzt. Nun werden
auch die Bergbeamten nach dem Range von Steigern und Bergältesten, so
wie die Schichtmeister von ihren Leuten auf das Rathhaus feierlich
begleitet, wo von oben herab ihnen Trompeten und Pauken entgegen
tönen. Mit dieser Feierlichkeit wird auch die Fahne abgehohlt. Welche
Lebhaftigkeit hier herrsche, kann man sich leicht vorstellen.
Endlich um neun Uhr unter dem Geläute der Glocken bewegt sich
der festliche Zug mit starker Musik nach der Kirche zu. Ein
Knappschaftsältester oder Schichtmeister führt den Zug an, welcher
vier Mann hoch eingerichtet ist. Doch dieß Alles nach der Ordnung zu
beschreiben nebst der Tracht, wäre zu weitläufig und überflüssig.
Abbildungen von der festlichen Bergmannstracht findet man im Freyberger
bergmännischen Taschen-Kalender. Aber das Ganze nimmt sich vortrefflich
aus; wenn man von oben den langsam wallenden Zug erblickt, sieht
man nichts als Grün, Weiß und Schwarz, nebst den hier und da hervor
ragenden Federbüschen. Das Bergamt in seiner Tracht nimmt sich
vorzüglich schön aus. Und so ist der Zug längst in der Kirche, welche
fern vom Rathhause steht, während man immer noch seinem Ende aus dem
Rathhause entgegen sieht.
In der Kirche wird musicirt und sodann eine Bergpredigt gehalten. Nach
derselben wird unter andern auch verlesen, wie viel in diesem Jahre Erz
ausgebracht worden sei u. d. gl.
Nach der Predigt oder vielmehr nach dem Gottesdienste geht der Zug
in der nämlichen Ordnung wieder auf das Rathhaus und lößt sich dann
wieder auf, so wie er begonnen hat. Nun nimmt jede Familie vergnügt ein
festliches Mittagsmahl ein; vorzüglich bäckt man an diesem Tage viel
Hefenklöße und der ärmste Bergmann thut sich da, nach seinem Ausdrucke,
eine Güte, d. h. er ißt mit seiner, oft zahlreichen, Familie, ein
halbes Pfund Schweinebraten mit Erdäpfelbrei oder Sauerkraut, und
trinkt ein Glas Brandtewein.
Gegen Abend geht er zu Bier und zu Tanz und verjubelt lustig und froh
die letzten, sauer verdienten paar Groschen, weiß nicht, ob er morgen
noch lebt oder zerschmettert aus der Grube herauf gezogen wird.
Das Bergamt veranstaltet gewöhnlich einen Ball, woran der Rath, die
Geistlichkeit und alle Honoratioren der Stadt Antheil nehmen und wo
es äußerst froh und vergnügt zugeht. Viel Fremde aus der umliegenden
Gegend nehmen häufig Theil an diesem Balle, daß die Fastnachtsfreude in
Johanngeorgenstadt seit mehrern Jahren sehr merkwürdig geworden ist.
So endigt oft mit dem Morgen des folgenden Tages ein Volksfest, welches
dem Bergmanne dortiger Gegend heilig, für den stillen Beobachter aber
äußerst lehrreich und interessant ist.
2.
Weihnachten.
So wie in allen christlichen Ländern und Provinzen das Weihnachtsfest
mit allerlei verschiedenen Feierlichkeiten und Gebräuchen begangen
wird: so machen auch hier die Bewohner des obern Erzgebirges keine
Ausnahme, vielmehr feiern sie es sehr solenn und verfahren dabey noch
mit besondern Eigenheiten. Doch diese Feierlichkeit, muß ich erinnern,
hat blos Bezug auf den heiligen Abend und höchstens auf den ersten
Feiertag.
Während der ganzen Adventzeit arbeitet und schnitzt der fleißige und
speculative Bergmann an allerlei mechanischen Spielereien, welche
meistentheils allerlei Modelle des Bergbaues sind und ihm manchen
Schweißtropfen kosten. Diese verkauft er nun entweder, damit er
Feiertagsgeld habe, oder er illuminirt sie zur Freude seiner Familie
am heiligen Abend. So findet man hölzerne Steiger, in deren Bauche
man ein ganzes, wohllöbliches Bergamt mit den Köpfen nickend Session
haltend sieht; überbaute 4--5 Stock hohe Pyramiden, wo man das ganze
Bergbauwesen, auch die Eisenhammer, Wasserkünste in völligem Gange
sieht u. d. gl. m.
Aber der heilige Abend selbst, wie illuminirt wird er gefeiert. Zu
dieser Zeit hat es mir vorzüglich in _Schneeberg_ gefallen, wo man
Abends auf dem sogenannten Gebirge hinter Neustädtel und auf dem
Mühlberge fast alle Häuser an den Fenstern sehr hell erleuchtet
sieht, welches in dem Dunkel der Nacht sehr schön in die Augen fällt.
Dazwischen tönt immer ein beständiges Lärmen und Singen, auch die
Bergsänger gehen Abends mit Stangen-Laternen und Zithern herum und
singen allerley Bergmannslieder. Bei dem geschickten Schlosser-Meister
_Muth_ sah man sonst auch verschiedene Bergwerks-Vorstellungen, welche
ein einfacher Mechanismus lebendig machte, wobei noch allerhand
kleine Spaßerei vorkam. Die gewöhnlichen Speisen am heilgen Abende
sind _Semmelmilch_, Hering mit Milchbrey oder mit Aepfelsallat, oder
Sauerkraut und Wurst, wobey das Gläschen Schnaps nicht fehlen darf. Zu
dieser Mahlzeit brennt ein großes, bunt gemahltes Licht, auf welchem
oft Namen und Jahrzahl zu sehen ist oder ein Spruch. Diese Lichte
machen und mahlen sich die Bergleute selbst und schenken zu dieser
Zeit einige ihren Vorgesetzten. Die Andächtigen singen zu Hause fromme
Lieder, während die Frohen umher ziehen und die Weihnachtsgeschenke
bewundern. Da geht denn der Wirth oder die Wirthin des Hauses, wo es
bescheert hat,[58] herum und theilt Kuchen und Aepfel unter die, zum
Theil deßhalb anwesenden, Zuschauer aus.
Sonst war auch das sogenannte heilige Christ-Spiel gebräuchlich, wo
Bergleute und andere gemeine Leute in schön gereimten, burlesken
Versen die Geburt Jesu als ein Lustspiel aufführten und so von Haus
zu Haus zogen. Dabei war immer eine lustige Person, welche allerhand
Possen trieb, z. B. dem König Herodes, welcher frisirt mit goldnem
Zepter und Reichsapfel auf einem hölzernen Stuhle saß, Schnupftaback
unter die Nase rieb, daß er nießen mußte. Joseph wurde als hektisch
vorgestellt und hatte eine Säge in der Hand; Maria sprach oft im
schönsten Contrabaß, denn Frauenzimmer waren bei dieser Truppe nicht;
die Engel giengen in langen Hemden, mit vielen Bändern geschmückt und
gepudert, und hielten mit einem seidenen Tuche große Husarensäbel
in der Hand; die Hirten hatten hohe spitzige Hüthe von Zuckerpapier
auf und knallten entsetzlich mit den Peitschen, auch bliesen sie
auf Nachtwächter-Hörnern; der Stern war von Pappe und ölgetränktem
Papier an einer Stange aufgesteckt und konnte gedreht werden; manchmal
brannte er, denn inwendig stack ein brennendes Licht, auch an;
das Christkindlein endlich war nicht himmlischer Abkunft, es sah
erbärmlich aus und ward oft sehr übel behandelt. Uebrigens war immer
ein Knecht Ruprecht dabei, welchen man im Gebirge _Rupperich_ nennt;
wie gewöhnlich war er in einem Schafpelz vermummt, mit einer Klingel
und einer Ofengabel versehen und mußte die nachlaufenden Jungen
zurückschrecken. -- Am sogenannten heiligen drei Königfeste erschienen
dabei gar diese drei Majestäten, wobei eine schwarze war. Doch seit
mehrern Jahren hat dieser Unfug aufgehört, welcher eigentlich noch ein
Ueberbleibsel des in Sachsen ehedem herrschenden Aberglaubens war. So
wurde vor wenig Jahren in einer dort benachbarten böhmischen Stadt das
Leiden und der Tod Jesu auf diese Weise aufgeführt, wo den Heiland ein
starker Fleischer repräsentirte, welcher einmal, als er am Kreutze
hieng und von dem Lanzenknecht in die Seite gestochen wurde, mit
starker Stimme vom Kreutze hernieder rief:[59] »_Hannes, stiech nett
su dährb, sust stiechst d' mer halter ja d' Leber gkuttenkar durch!_«
-- Doch auch diese Gräuel sind nicht mehr, auch dort geht ein helleres
Licht auf und wirkt -- Wunder! --
Am Christtage früh um 5 Uhr[60] wird dann Metten gehalten; daß
dieses von den katholischen Messen herstamme, brauche ich nicht
erst zu erklären. Hier thut sich nun der Bergmann wiederum auf sein
Grubenlicht etwas zu Gute, mit welchem er, eines Arms dicke Flamme
aufgeschürt, in die Kirche zieht, daß man glaubt, der Ort brenne. Und
erst in der Kirche, wenn man auf den Emporkirchen viele hundert dieser
hochlodernden Grubenlichter in mehrern schönen Reihen erblickt, hat man
dann die prächtigste Illumination.
Bei dem folgenden heiligen Abenden geht es eben wieder so, wie am
Weihnachtsabende, zu. Doch was ich erzählte, gilt nicht etwa von
Schneeberg ganz allein, man trifft es fast in allen obergebirgischen
Städten an. --
IV.
Besondere Gebräuche.
1.
Das Hutzengehn.
Darunter versteht der gemeine obere Erzgebirger, einen Nachbar,
Bekannten oder Freundin auf eine nicht lange Zeit zu besuchen, mit ihm
oder ihr zu schwatzen. So habe ich bei gemeinen Leuten vorzüglich im
Winter dieses Hutzengehn _so_ bemerkt: der Nachbar, die Bekannte oder
Freundin kam im Negligee, grüßte, setzte sich auf die Ofenbank, fieng
ein Gespräch an, und war es eine Mannsperson, so schmauchte er ein
Pfeifchen. Abends kamen mehrere Mädchen mit ihren Klöppelkissen und
Klöppelflaschen,[61] setzten sich um ein tischförmiges, rundes Gerüste,
auf dessen Mitte ein Oellämpchen stand, stellten ihre Flaschen darum,
setzten sich mit ihren Klöppelkissen bereit und nun gieng das Klöppeln
an, welches ein sonderbares Geräusche macht. Sie erzählten sich und
sangen, scherzten und bemerkten nach besonders ausgesprochenen
Sprüchen, wie viel sie _Schläge gemacht_ hatten.[62] Dann kamen einzeln
junge Bursche, welche sich mit hinzusetzten und scherzten, oder, da es
meist junge Bergleute waren, erzählten, wie sie heute auf der Grube
hätten unglücklich seyn können, worüber die Mädchen erschracken und
sie innig bedauerten. Kurz, solche Winterabende im Erzgebirge sind
sehr interessant; wenn draußen im Schnee der Sturm tobt und man in der
warmen Stube unter solchen gutherzigen Menschen traulich sitzt und
ihren Erzählungen horcht, auch wohl gar von ihrer Gastfreundschaft mit
der einzigen Kost, mit gebratenen Erdäpfeln tractirt wird, -- in der
That, wenn man die Menschen liebt, vergißt man hier Ball und glänzende
Gesellschaften, wo selten ein warmes, gefühlvolles Herz schlägt, wo
man nur der Eitelkeit und ausländischen Sitten fröhnt. O! unter diesen
Naturmenschen befand ich mich besser, als in der sogenannten großen
Welt; ich fand unter ihnen beinahe wieder, was ich dort verlor. --
2.
Die Aschermittwoche.
An diesem Tage ist es in den meisten Orten gebräuchlich, daß das
männliche und weibliche Geschlecht, freilich gewöhnlich die erwachsene
Jugend, mit Häckerling oder Heugesäme gegen einander zu Felde zieht und
sich damit einäschert. Diese Motion ist freilich oft etwas derb und die
Empfindungen dieses Aescherns sind ziemlich unangenehm, denn man fühlt
ein immer währendes Jucken und Brennen, welches der auf die Haut und in
die Haare geriebene Häckerling verursacht. Aber die gebirgischen jungen
Leute sind nicht so überzart und überzuckert, sie lieben diese Motion
sehr und verfahren dabei gegenseitig schonungsloos und ohne Mitleid,
daß sie dann Stunden lang mit dem Auskämmen und Reinigen der Haare
zubringen müssen. Niemand nimmt den Andern etwas übel, ein Gemeingeist,
ein Frohsinn spornt Alle zur lebhaftesten Thätigkeit. --
Doch giebt es auch verschiedene Abwechselungen; Liebende oder junge
Eheleute z. B. äschern sich oft mit Rosinen und Mandeln an diesem
Tage ein. Freilich ist dieses nicht so unangenehm und beschwerlich,
und mancher süsse Herr wird dieses auch finden. Ich wollte es euch
nicht rathen, ihr zarten, duftenden Herrchen, deren Abgott das hoch
gekräuselte, schilfähnliche Haar ist, -- ich wollte es euch ja nicht
rathen, bei einem Einäschern mit Häckerling und Heugesäme zugegen
zu seyn! Verzweiflung würde euch tödten, wenn ihr im oft und gern
betrachteten Spiegel euer zerstörtes Haargethürm mit so grobem Puder
durchstreut sähet, wenn ihr alle eure Hoffnungen und Mühe so vernichtet
erblicktet; denn die erzgebirgischen Mädchen kümmern sich wenig um
eure Hahnenkämme, dadurch berückt ihr sie noch nicht! --
3.
Der Walpurgisabend.
Jener, und wie man hoffen darf, ziemlich verschwundene Glaube an
Hexen und ihre Macht hat auch im obern Erzgebirge einen Gebrauch
hinterlassen, welchen man fast an allen Orten desselben antrifft. Am
Abende vor dem ersten Mai nämlich, also am Walpurgisabend hört man
in den Gegenden umher ein immer währendes Schießen, bisweilen auch
aus Mörsern,[63] wodurch man sonst die in der Luft reitenden Hexen
erschießen wollte. _Jetzt_ sollte nun vielmehr dieses Schießen als
ein Zeichen des besiegten Aberglaubens angesehen werden, also ein
Victoriaschießen nach dem Kampfe mit Irrwahn und Vorurtheil.
Auf den Bergen versammeln sich die Jungen, welche alte Besen anbrennen,
sie dann oft herum schwingen und endlich hoch in die Luft schleudern,
welches bei dem Dunkel der Nacht ein hübsches Schauspiel abgiebt. Dabei
wird übrigens gejubelt und geschrieen, wie es die rohe Jugend immer zu
thun pflegt. --
Man belächle diesen alten Gebrauch der Erzgebirger nicht; nicht aus
Aberglauben üben sie denselben, ich versichere vielmehr, daß dort die
Bergleute in vielen Dingen weit aufgeklärter und belehrter sind, als
der niederländische Bauer. So z. B. ist der Glaube an den Berggeist
oder _Kobel_ ziemlich verschwunden.
4.
Das Osterficken.
Am ersten Osterfeiertage früh, an einigen Orten am dritten Feiertage
Nachmittags, ist es gebräuchlich, daß Bekannte sich aufsuchen und mit
Gerten von Birkenreisern oder Wacholder einander peitschen, welches man
_ficken_ nennt. Oft im Bette wird man von solchem Zuspruche überrascht
und an den Händen oder Füssen ausgefickt. So sieht man die fröhlichen
Leute im größten Negligee oft einander auf den Gassen verfolgen. Das
weibliche Geschlecht fällt in starker Anzahl oft über eine einzige
Mannsperson her und dann wehe dieser; ungeachtet seiner natürlichen
Sanftheit verfährt es hier dennoch ohne Schonung. Es ist ein sehr
lustiger Krieg, welchen man führt. Auch dieser Gebrauch ist sehr alt
und war sonst allgemeiner. --
5.
Der Pfingstlümmel.
Am ersten Pfingstfeiertage sorgt jedes Glied in einer Familie, daß es
nicht zuletzt im Bette angetroffen werde: ist dieses der Fall, so wird
man ausgelacht, verspottet und _Pfingstlümmel_ genannt. Den ganzen Tag
über, wohin man geht, hört man sich so nennen und wird ausgelacht. Das
ist nun die größte Lust, wenn mehrere solche Pfingstlümmel zusammen
kommen und sich selbst über einander lustig machen. Auch auf den
Zechen, Tags vorher ist dieß der Fall und so bei vielen Professionen
und Ständen, auch sogar die Hirten beobachten diesen Gebrauch, wer der
erste ist, klatscht ein Konzert mit der Peitsche.
6.
Der Johannisabend.
Es ist auch an mehrern Orten des obern Erzgebirges, vorzüglich an der
böhmischen Gränze, Gebrauch, am Abende vor dem Johannisfeste große
Feuer an zu machen. Man sorgt aber nicht für die Größe des Feuers,
sondern vielmehr, daß ein dicker, großer Dampf entstehe; deswegen
nimmt man grünes Reißig und schürt diese Johannisfeuer in Thälern an
den Bächen an, damit man durch eingeweichtes Fichtenreißig einen recht
dicken Dampf machen könne. Dieser Gebrauch ist auch bei den Gränzböhmen
häufig, aber ich konnte nirgends eine bestimmte Ursache erfahren.
Geschieht es dem Johannes zu Ehren oder liegt irgend ein Aberglaube zum
Grunde? ich weiß es nicht.
Am Johannistage selbst tanzen die Kinder um eine mit Bändern, Kränzen
und vergoldeten Eierschalen geschmückte junge Tanne. Doch dieser
Gebrauch herrscht fast überall in Sachsen.
V.
Die vorzüglichsten Vergnügen im obern Erzgebirge.
1.
Das Vogelstellen im Herbste.
Es ist nicht zu berechnen, welch' eine Menge Vögel, und meistens
Krametsvögel, alljährlich nur im obern Erzgebirge auf allerlei Art und
Weise gefangen wird, und der Vogelfang selbst macht ein vorzügliches
Vergnügen des Erzgebirges aus. Um Michaelis geht gewöhnlich das
Vogelstellen an und ich werde hier alle die verschiedenen Arten des
Fanges aufzählen und beschreiben.
Um kleine Vögel, meistentheils Roth- oder Blaukehlchen, zu fangen,
bedient man sich _der Tränke_. Zur Zeit, wenn kleine Bäche früh schon
ein wenig zu gefrieren, sucht man in einem nahen Waldthale einen
solchen kleinen Bach, deren es viele giebt. Diesen bedeckt man nun eine
große Strecke weit mit dichtem Fichten- und Tannenreißig, läßt aber
hier und da kleine Lücken, daß das Wasser hervor blinkt, und bringt
darin viereckige Rahmen von dünnen Bretchen an, worin man Leimruthen
fest steckt. Dieses Alles bereitet man gegen Abend vor und geht dann
wieder fort.
Früh Morgens fliegen nun die kleinen Vögel umher und wollen trinken,
aber die Bäche sind gefroren; so kommen sie endlich durstig an unsern
Graben, welcher durch das dicht überdeckte Reißig für Frost gesichert
ist. Lange hüpfen sie darum, bis sie endlich an die Lücken kommen, wo
die Leimruthen stecken, worauf sie sich setzen und trinken, für diese
Bequemlichkeit aber ihre Freiheit und gewöhnlich ihr Leben hingeben
müssen. Den Nachmittags geht man hin und nimmt die schreienden und
flatternden Gefangenen ab, wobei man manches Vergnügen hat. --
Um Stieglitze und Hänflinge zu fangen, hat man eigene, kleine Heerde,
wo der sogenannte Strauch[64] aus dürren Disteln besteht, dessen Saamen
jene Vögel gern fressen; sie gehen häufig darauf, wo denn plötzlich
über sie ein Netz springt und sie fängt. Die Erzgebirger halten, so wie
die Harzbewohner, (über welche man sich in Bechsteins Naturgeschichte
der Stuben- und Singvögel belehren kann,) sehr viel auf Sing- und
Stubenvögel, wenden oft den letzten Groschen dafür an und sind meistens
ganz leidenschaftlich für manche Arten Vögel eingenommen. So findet man
in der Stube des ärmsten Bergmanns doch immer gewöhnlich ein halbes
Dutzend lebendiger Vögel, worunter die beliebtesten und allgemeinsten
folgende sind:[65] 1) der Reitzufink, 2) der Stieglitz, 3) der
Hänfling, 4) die Lerche, 5) der Zeißig, 6) der Quäcker, 7) die Zippe,
8) der Grünschling, 9) der Gimpel und andere mehr. In Schönhaide ist
das Vogelstellen, vorzüglich auf Feld- und Heidelerchen, einheimisch. --
Der Vogelfang mit Leimruthen ist bekannt. Aber weniger und fast
gar nicht werden die _Kloben_ bekannt seyn, welche Art, Vögel zu
fangen, der übrigens verdienstvolle Oberförster _Mirus_ in Jahnsgrün
erfunden hat, wovon auch eine Abbildung und Beschreibung im Forst- und
Jagdkalender für das Jahr (wenn ich nicht irre) 1798. zu sehen und zu
lesen ist. -- Früh vor Tages geht man auf den Klobenheerd; hier steht
eine mit grünem Reißig überdeckte Hütte, um welche nicht weit davon in
einem halben Kreise eine Anzahl hoher, oben mit einigen wenigen Aesten
versehener, Stangen steht, worauf die Kloben, welche wie hervor ragende
Aeste aussehen, angebracht sind. Unten gehen von jeder Stange Schnüre
herein in die Hütte; so wie nun auf irgend einem Kloben einer solchen
Stange man Vögel sitzen sieht, sucht man, wie viel Nummer die Stange
sei und faßt die dahin gehende Schnur; ruckt ein wenig und plötzlich
schreit oben auf dem Kloben der mit den Beinen gefangene Vogel. Man
läßt die Stange nieder, nimmt die Vögel aus und stellt wieder auf. Ich
würde gern einen solchen Kloben hier näher beschreiben; aber theils
gehört dieses nicht hier her, theils kann man sich aus der schweren
Beschreibung desselben keine deutliche Vorstellung machen, besser ists,
wenn man Alles selbst sehen kann. --
So künstlich und sicher auch dieser Vogelfang ist, so gefallen mir
doch die großen Heerde mit Schlagnetzen weit besser und schöner. Früh
um drei, vier Uhr zieht man schon fort, mit einer Laterne, und mit
Lebensmitteln versehen. Man kommt in der Hütte an; hier wird mit Kohlen
der kleine Ofen geheitzt und Wasser nebst Milch zum Kaffee zugesetzt,
während der Vogelsteller die Lockvögel füttert und aushängt, und die
Netze aufspannt. Während dessen kommt die Morgenröthe schon ein wenig
und, da solche Vogelheerde meistentheils auf Bergen zwischen dem Walde
liegen, so ist es dann ein herrlicher Anblick, wenn die Sonne aufgeht
und nun Alles lebendig im Walde wird, so wie auch die vielen Lockvögel
nun an zu singen fangen. Jetzt muß man ruhig seyn, der Kaffee ist auch
fertig geworden und man trinkt, raucht ein Pfeifchen und giebt Acht, wo
es Vögel giebt. Man kann durch Spalten und kleine Fensterchen zu allen
Seiten der Hütte hinaus sehen. -- So wie dann ein Schwarm Vögel heran
und in den mit Beeren geschmückten Strauch gefahren ist, wird mit einem
Ruck plötzlich das große Netz zugezogen und wer da ist, muß nun eine
dabei liegende Ruthe ergreifen und die gefangenen Vögel in die Zipfel
des Netzes treiben, wo man sie leichter heraus nehmen kann.
In andern Gegenden sticht man, um den Vogel zu tödten, ihm eine Feder
durch den Kopf; welch' ein grausamer Tod! Der obererzgebirgische
Vogelsteller hat einen bessern Vortheil; er weiß nämlich auf dem
Rücken des Vogels einen kleinen Knochen, welchen er geschickt schnell
zerdrückt, daß der Vogel kein Glied mehr zuckt. Dieß geht sehr schnell
und ein Schock Vögel drückt er so in wenig Minuten todt. --
Uebrigens hat es mir recht sehr auf diesen Vogelheerden gefallen, es
ist so heimlich und traulich daselbst, daß man sich Mittags ungern
trennt. Freilich es kommt viel auf die Gesellschaft an, in welcher man
sich befindet; ich war in sehr lustiger Gesellschaft und erinnere mich
noch mancher lächerlicher Scenen und Geschichten, welche auf solchen
Vogelheerden vorfielen. Es giebt der Vogelheerde sehr viele im obern
Erzgebirge, besonders an der Gränze.
Endlich durch den Dohnenstrich fängt man auch Vögel in Menge und im
Herbste kann man immer und wohlfeile gebratene Krametsvögel essen und
niederländische Leckerbissen im Gebirge ganz gewöhnlich antreffen.
Man ist ungemein im Erzgebirge für den Vogelfang eingenommen,
kleine Jungen sogar sieht man häufig mit einer Klette, worauf
Leimruthen stecken, nebst zwei oder drei Lockvögel aufstellen.
Das Forstdepartement eifert zwar sehr darüber, aber die geplagten
Forstbedienten können nicht überall sehen und seyn. Das Geschlecht der
Vögel stirbt darum nicht aus, sonst müßte es jetzt weniger derselben
geben, als sonst und dieses kann wohl Niemand beweisen. Uebrigens kommt
die viele Waldung und die Menge der Wacholder- und Eibischbeeren dem
obergebirgischen Vogelfange sehr zu statten. --
2.
Im Winter das Ruscheln.
Für den Fremden muß es ein besonderer Anblick seyn, wenn er im Winter
die obergebirgische Jugend auf kleinen für sie eingerichteten Schlitten
von hohen Bergen mit Pfeilesschnelle herunter fahren oder vielmehr
gleiten sieht, welches man _Ruscheln_[66] nennt.