Kasimir Edschmid
Die Engel mit dem Spleen
Mit Steinzeichnungen
von
Robert Genin
Hans Heinrich Tillgner Verlag
Berlin 1923
Copyright 1923 by Hans Heinrich Tillgner Verlag in Berlin
Die Engel mit dem Spleen
Ich warne unbefangene Leute, sich in diese Geschichte einzulassen, die
sich aus Kriminalitäten und Unwahrscheinlichkeiten zusammensetzt und
vielleicht nicht einmal zeitgemäß scheint. Es werden in ihr die Menschen
weder verdorben noch zu jenen dekorativen Läuterungen aufgerufen, mit
denen der dichtende Schwert-Adel heute seine Unvollkommenheit zu echter
Männlichkeit behängt. Man wird die Bürger darin am Leben gelassen und
die Arbeiter nicht mit Verbeugungen bedacht finden und weder um Generäle
noch um Kapitäne der Kohle jenes Wesen gemacht sehen, das nicht ihnen,
sondern der Geschichte zukommt.
Man wird eine lächerlich phantastische Angelegenheit hinzunehmen haben,
die vielleicht nicht einmal gut erzählt ist, weil sie des Nachts statt
in einem Eisenbahnabteil in einer abscheulichen Landkutsche erzählt
wurde, die zu heftig nach Apfelsinen und Zigaretten roch, um nicht
Kopfschmerzen zu machen. Ich klage den Chef der Bahnen nicht an, daß
unser Jahrhundert zerrüttet ist, vielmehr versuche ich für den Leser die
Verbindung zu einer Zeit herzustellen, wo die Launen der Menschen noch
stichhaltigere Werte waren wie heute ihre Verzweiflung. Man wird gewiß
heute einen Mord ebenso zu kaufen bekommen wie eine verbotene Banknote,
aber der Hunger und die Geschäfte der Börse werden die Erinnerung daran
zerstört haben, daß es Zeiten gab, die so unmenschlich vollendet
schienen, daß es Genies bedurfte, um sich jene Anregungen der Herzen zu
verschaffen, die man Leidenschaften heißt.
Sie sind billig wie die Äpfel geworden und nichts erscheint heute im
neunten Jahr des Dreißigjährigen Krieges, den die Herren Creusot und
Stinnes, oder wie ihre Nachfolger heißen werden, sich liefern, um die
lothringischen Erze zum Ruhrkoks oder den Ruhrkoks zu den lothringischen
Erzen zu bringen, nichts scheint bewunderswerter als ein kaltes Herz.
Diese Geschichte in der Tat, welche aus der mathematischen Sicherheit
eines Zeitalters hinausführt, von dem uns erst zehn Jahre zu trennen
scheinen, das uns aber legendär wie ein Roman Jules Vernes erscheinen
will, hat die fatale Absicht, sich in Gegenden zu verirren, die heute an
der Tagesordnung, früher kaum in Romanen sichtbar waren. Ich fürchte,
man wird mit phantastischen Darstellungen langweilen oder sich stets
dann lächerlich machen, wenn die Gegenwart die unglaubhafteste Phantasie
selbst ist.
Ohne Zweifel wäre es richtiger, nur engelhafte Wesen in dieser Zeit
darzustellen, wo Frauen uns dadurch entwürdigt werden, daß wir sie bei
allen jenen abscheulichen Maschinen an die Arbeit geschmiedet finden,
die das letzte Jahrhundert zu erfinden die Bosheit hatte, und daß wir
kaum erschrecken, wenn wir sie mit den Wahlzetteln in der Hand auf dem
Weg finden, unsere Schicksale, den Staat, ja sogar die Führung der
Kriege und Grausamkeiten zu beeinflussen.
Einer derart barbarisch verwilderten Zeit gehörten Frauenbilder, die wie
in Walter-Scott-Romanen jene Anmut hätten, deren Anblick allein
vergöttlichte Gedanken hervorruft. Die wahre Literatur hat immer nur
Frauen dargestellt, die uns beglücken und die Herzen wie beim Anblick
einer hinreißend süßen Natur erheben sollen oder solche, die sich durch
das Böse, das sich in ihrer Schönheit, wenn es einmal in sie
eingedrungen ist, nur um so verhängnisvoller auswirkt, zu unserer
Vernichtung verschworen haben.
Die Sitten der Nationen waren immer von solcher Haltung, daß sie, sofern
sie die Frauen nicht die Äcker bebauen ließen, ihnen jedenfalls die
Freiheit nahmen, in jenem Sinne frei zu sein, der für eine Frau den
Untergang bedeuten muß. Eine Frau darf nicht über jene Schwelle treten,
wo sie das Geheimnis ihrer erhabensten Wirkung verlieren muß.
Eine Frau, die einer tragischen Schuld unterliegt, und jene Mädchen,
welche mit den herrlichsten Gedanken der Sehnsucht auf den Lippen
sterben, sind immer von dem verehrungsvollen Zauber verhüllt, den die
männliche Gesellschaft bei den Frauen als ein Erbteil des Rittertums
anbetet, welches seine Stärke demütig zu machen suchte, wo es jene
wundervolle Schwäche fand, welche Frauen so unermeßlich erhebt. Die
Literatur täte gut daran, wo heute die einen Frauen leiden, weil sie
ihre Angehörigen auf den Schlachtfeldern getötet sehen oder die anderen
in den Fabriken sie um die Sonne geschunden oder die meisten sie am
Hunger zu Grunde gehen sehen, nur Frauen von einer unermeßlichen
Lichtkraft darzustellen, deren Anblick allein erhebt.
Allein, wo die Furien der sozialen Aufklärung oder die Agentinnen der
kriegerischen Verhetzung durch die Straßen jagen und dafür noch sich
bezahlen lassen, scheint es nicht weniger für die Entdeckung der
Geographie des menschlichen Herzens bedeutsam, einen Heroismus in der
Literatur wieder darzustellen, der aus Spielerei und Spleen sich
entfaltete und dabei keineswegs geringer an Freude und Schmerzen
zugeteilt bekam als andere. Die Zeiten jener unbeschreiblichen
Leidenschaft, welche Nonnen und Krieger, oder Arme und Adlige, sich
verbluten ließ, sind verschwunden in dem Augenblick, wo man der Frau als
sichtbarsten Fortschritt die Erlaubnis gab, sich der Freiheit des Mannes
zu bedienen, und damit die Frauen vernichtete. Die Frauen mußten in
einer Freiheit zerstört werden, die sie zu albernen Karrikaturen der
Männer erniedrigte oder ihnen jenen zarten Reiz nahm, der sie manchmal
himmlisch wirken ließ und der in ihrer Unfähigkeit, auf sich selbst
gestellt zu leben, bestand.
Indem man den Frauen die Brutalität gab, sich Eisenbahnplätze vor dem
Mann zu erobern oder ihn auf dem Motorrad zu überholen, tat man das
gleiche, wie wenn man den Engeln Grünewalds Revolver oder den Jungfrauen
Holbeins Strümpfe in die Hand gegeben hätte, man tötete sie. Man
vernichtete die Leidenschaften und gab unruhvollen Herzen auf, sich
Rebusse zu erfinden, um die Welt in ihren Widersprüchen bis zu jener
Tollheit zu erleben, die manchmal mit dem Tod bezahlt wurde aber
unvergeßlich war.
Es ist selbstverständlich, daß man derartige Launen heute leicht wie
Capricen auffaßt und darin eher eine dumme Koketterie als eine
Leidenschaft erblicken will. Ohne Zweifel war vor einem Dezennium, als
die kriegerischen Wölfe noch in den Höhlen Europas schliefen, jene Laune
einer Frau nur ihr unbewußter Drang zu einer Übertreibung des Gefühls,
durch die es erst unsterblich wird. Es ist aber genau so ungeheuer
offensichtlich, daß diejenige Frau, die sich soweit gegen die Gesetze
ihres Schicksals und der Zeit stellte, vernichtet werden mußte.
Die Literatur kennt viele Beispiele, daß ein Dichter Vorwürfe wählt, die
aus einem Leben von Höhepunkten in eine grauenhafte Kriminalistik
münden, oder die in Absonderlichkeiten enden, die wahnsinnig sind. Die
Pole gesicherten Lebens scheinen die mystische Anziehungskraft der
umstürmten Pole schicksalhaft zu spüren. Es ist bekannt, daß Balzac sich
der Listen der Gerichte bediente, um edle Menschen in ihren
abscheulichsten Paragraphen aufzuhenken. Die Romane Dostojewskis sind in
der Regel Scheußlichkeiten des täglichen Lebens, die ein Genie mit einem
bewundernswerten Grad von Reichtum beschenkte, der sie über das
Menschliche erhob. Stendhal mußte in der Kartause von Parma zeigen, daß
in den erhabensten Seelen Mörderbanden steckten, die sich entfalteten,
wenn die geringste Leidenschaft ihnen die Besinnung nahm, und welch
unbeschreiblich edle Herzen hat er geschildert! Stiege man in die
Jahrhunderte hinunter, wäre von Iweins Fahrten bis zu den Jünglingen im
Feuerofen, von Muspilli bis zum Kastellan von Coucy, von Rabelais bis zu
den beispiellosen Epen Krestien von Troies der Gleichklang von
Adeligkeit und Verbrechen in einem Maße auffindbar, der sich fast über
die gesamte Literatur erstreckte. Erinnert man sich nicht jener
Prinzessin, die in der siebenjährigen Gefangenschaft ihres Turmes ihre
Gefährtinnen verspeiste, um endlich erlöst zu werden, mit einem Lächeln,
das die Unschuld der ganzen Welt auf ihre Stirne trieb?
Diese junge Frau, die mir gegenüber in einer nach Lysol und Zigaretten
riechenden Arztkutsche saß, die, wie vom Teufel gejagt, über
aufgepflügte Äcker sauste, weil durch irgendeine der Verwicklungen der
ehrgeizigen östlichen Staaten die Bahnen eingestellt waren, hatte keinen
anderen Wunsch, als von mir eine Erklärung gerade über diese
Angelegenheiten des Herzens zu erfahren, nachdem sie die Torheit
begangen hatte, mich in ihr Schicksal hineinschauen zu lassen. Man wird
verstehen, warum ich, statt abzukürzen, so lange mich mit den Launen der
Frauen beschäftige, weil dies in jener Zeit der Achtzehnjährigen, in der
die Keime zu den Schicksalen der Menschheit von Dreißig heute gelegt
wurden, tatsächlich die einzigen Möglichkeiten waren, Schicksale, die
töten, zu erleben.
Die junge Frau war einer Puppe ähnlicher wie einer Dreißigjährigen und
hatte, soweit man bei der unmöglichen Beleuchtung sehen konnte, die
eigentlich nur aus der Gewöhnung des Auges an eine klassische Dunkelheit
bestand, eine tiefe Melancholie über ihr Gesicht gleiten lassen, hinter
der man die Spuren von Tränen zu sehen glaubte, die zu oft geflossen
waren, um sich wiederholen zu können. Der Schmerz schien diese Figur,
die auch unter dem fürchterlichen Tempo eines Wagens, der keine Federung
besaß und querfeldein sprang, eine bemerkenswerte Elastizität zeigte,
förmlich verstrickt zu haben.
Das Leben dieser jungen Frau war in einem Maße von ihm infiziert, daß
sie gar nicht daran dachte, aufzuhören, über ihr Schicksal nachzudenken.
Sie hatte sich ihm nicht ergeben, obwohl der Schmerz in einer
fürchterlichen Form Gewalt über sie erlangt hatte. Die Art, wie sie von
ihrem Leben sprach, bewies die Glut, mit der sie es erhofft hatte und
die Enttäuschung, die sie mit gleicher Größe überrumpelt hatte und mit
der sie sich noch auseinandersetzte.
Sie hatte, kurz, in einem wahnsinnigen Schicksal noch die Kraft, es
abzuleugnen oder vielmehr nach seinem Sinn zu suchen, weil, wenn sie es
anerkennen und sich die Schuld zuschreiben müßte, sie sofort daran zu
Grunde gehen würde.
Das gab ihrer Haltung eine merkwürdige Eleganz, eine Süßigkeit der
Bewegungen, die vom Tod gelähmt aber von einer wundervollen Energie noch
gehalten wurden. Ihr Körper hatte eine Lässigkeit, die Frauen oft
besitzen, denen der Sport einmal eine Beherrschung aller Muskeln
geschenkt hat, die sie nun besitzen, aber nicht mehr auszuüben vermögen.
Es war nicht möglich, ihren Kopf, der mit dem matten Schein einer
fremden Blume aus dem Pelz herauskam, in der Beleuchtung zu sehen, man
vermochte ihn aber mit seinen blassen Lippen, den etwas schrägen aber
mandelgroßen hellblauen Augen und der Stirn, die an den Schläfen
eigensinnig nach vorn gewölbt war, irgendwo zu vermuten, obgleich man,
wenn sie sprach, bemerkte, daß man ihn vorher an einem falschen Platz
geglaubt hatte. Der Kopf besaß also die Einprägsamkeit, daß man ihn
deutlich körperlich wahrnahm, selbst, wenn er unsichtbar war, was für
seinen Reiz sprach. Der Charme des Kopfes lag wohl mehr in jenem Teil,
wo die Stirnwurzeln über dem Nasenbogen sitzen und wo die Erlebnisse dem
Kopf die Charakternoten geben, als in dem Mund, der von Entsagungen
nichts zu wissen schien, ja einen fast leblosen Eindruck machte. Die
Glut, die diesen Kopf hinter den Augen bewohnte, war die des Untergangs
und nicht der Reiz der Zukunft.
Es war offensichtlich, daß diese Frau nach etwas nur hungerte und das
war, daß man sie tröstete, indem man ihr Leben bejahte.
Für den Mann, der das Leben jeder Frau nur mit seinem eigenen
vergleichen und nur nach dem Weg seines eigenen beurteilen kann, wenn es
wie der Mond dieses begleitet und ihm daher untertan war, ist nicht in
der Lage, dies zu tun. Eine Frau wird kein Glück haben, wenn sie die
Lebenskurve einen Mann prüfen läßt, der darin nichts erkennt als seine
eigenen Bewegungen, seine eigene Freiheit, alle jene Torheiten, aber
Bestimmungen seiner Männlichkeit, die nun einmal zu einer Frau nicht
gehören.
Er kann den harten Stahl, die scharfe Linie, die Exponiertheit eines
weiblichen Daseins nicht ertragen, das ihm verwildert, entzaubert,
geschändet vorkommt; er kann es nicht anders sehen wie eine Frau, die
ihm in seinen eigenen Kleidern entgegentritt. Der Mann hat ein tiefes
und unerschütterliches Gefühl der Zuneigung zu jedem weiblichen
Schicksal, das sich im Glanz der weiblichen Schwäche, die er als Stärke
verehrt, vollzieht. Er will die Frau anbeten, aber sie nicht als
Konkurrentin erblicken. Er vermag den Schein an ihr nur zu verstehen,
der ihm in seinen dunklen Minuten von seiner eigenen Flamme entfacht von
ihrer Stirn zurückscheint.
Er wird ein auf den Spuren der männlichen Energie abenteuerndes
Frauenschicksal nur verehren, wenn es Spuren des schöpferischen Genius
an sich trägt wie das der Dido, der Sappho, der Jeanne d'Arc, der
Cortey, der Bettina, der Rahel, der Sand. Er wird diesen Frauen jenen
äußersten Respekt der Verehrung in seinem Herzen einräumen, den er den
großen Ausnahmen der Natur: Gewittern, Lawinen, Erdbeben, Vulkanen
entgegenbringt. Er wird wissen, daß die Erscheinung dieser Frauen diesen
wunderlichen Entladungen der Natur ähnlich und tödlich, jedenfalls
unberechenbar aber toll aus Größe ist. Er wird sie anerkennen, aber als
Frauen nicht begehren. Er wird ihnen ausweichen und sich vorlügen, daß
ihr Leben ihn nichts angehe, wenn ihre Produkte nur das Siegel des
Genius tragen, und wird versuchen, sich an die Werke zu halten, wobei er
bei letzter Ehrlichkeit sogar hier noch widerstrebt.
Es gehört die Schwäche eines romantischen Zeitalters, die Melancholie
Mussets, die Verzweiflung Constants dazu, sich herrischen Naturen wie
der Sand und der Tochter Neckers in einer Liebe hinzugeben, die eine
Tyrannei werden mußte und in unfruchtbarer Verzweiflung endete.
Frühere Epochen, die sich durch die Tugend einer Männlichkeit
auszeichneten, die, sicher auf der Erdkugel stehend, das Gesicht
selbstbewußt nach allen Seiten zu kehren wußte, haben einen Schlag
Frauen verehrt, der ihnen wohl mit der Üppigkeit eines Rubens, mit der
süßen Erscheinung der Lady Alice in schottischen Balladen, mit den
visionären Überirdischkeiten eines Grünewald, den sanften Traumfiguren
des Botticelli, den verstrickten zarten Klarheiten des Holbein als die
wahrhaftigen Erfüllerinnen der tiefen Sehnsuchtsträume des Mannes
erscheinen, und die, so verschieden sie kamen, mit schicksalstreuer
Gewalt irgendwo mädchenhaft blieben. Sie hatten einen Hintergrund der
Demut, die wohl eine Abart des Stolzes sein konnte, aber dann sicher
immer nur der süße Trotz der Schwäche war.
Diese Hilflosigkeit kann der Mann verehren, sie kann ihm als das
wundervollste aller begnadeten Dinge erscheinen, er kann sich in diesem
unwahrscheinlichen, ja himmlischen Mysterium der Schwäche als der
notwendige Ergänzer vorkommen, den die Vorsehung dazu bestimmte. Die
Griechen, die in ihren Anfängen wohl Männer gewesen zu sein scheinen,
haben vermutlich gewußt, warum, wer Diana sah, dem Tod verfallen, wer
aber Aphrodite sah, gesegnet war.
Diese junge Frau, die mir gegenüber die Stöße des Wagens mit einer
bemerkenswerten Ruhe ertrug, hatte die unverzeihliche Sünde begangen,
die die Natur nie verzeiht, sich auf die Pfade des Mannes zu begeben und
seine Freiheiten zu ihren zu machen, eine Sünde, die nur dadurch
entschuldigt wird, daß sie die einzige Kühnheit einer Zeit war, die den
Namen Hindenburg noch nicht kannte, nicht wußte, daß mit dem Namen eines
Amerikaners, Wilson, sich die größten Enttäuschungen, mit denen des
General Foch vollständige Änderungen in der Geographie der Nationen
Europas einstellen würden. Aus den Klammern der Feiertage und
Eisenbahnzeiten, der narrenhaften Versteifung der Gesellschaft, in der
nur die Ränge, aber nicht die Bedeutungen entschieden, in einer Zeit,
die cäsarisch angelegt aber mit den Methoden eines Warenhauses verwaltet
war, aus dieser Zeit vermochten nur Capricen jener furchtbaren Art zu
erlösen, die die Frau aus ihren gesellschaftlichen Banden heraus in
Abenteuer gegen die erstarrte Gesellschaft trieb. Es war ein aufregendes
Spiel, weil der gesellschaftliche Untergang stets das Atout war, mit dem
gespielt wurde, und das dann Sieger bleiben mußte, wenn einen Herzschlag
lang die Haltung nicht größer war als die Gefahr.
Ich will die Frauen nicht verteidigen, indem ich sie entschuldige, ich
will sie zeigen. Man muß dem Elend einer Zeit, das seine Frauen zu
Wölfen und Maschinen, statt zu Müttern und zarten Geliebten erzieht, das
sie aufklärt über Geheimnisse, die eine Frau nie ausgesprochen hören
darf, die sie mit Männern zusammen in den Universitäten belehrt über
Angelegenheiten, von denen eine Frau keine Ahnung haben dürfte, man muß
dem Elend einer solchen gegenwärtigen Zeit nicht ein falsch und herrlich
gemaltes Bild der vorangegangenen Zeit entgegensetzen, um sie zu
belehren. Die Frauen in der Tat, welche freudig bereit ihre Söhne in den
Tod eines Krieges entließen, dessen Sinn sie nicht verstanden, die aber
später in dem Ruin der Revolutionen und Friedensschlüsse fast zu Hyänen
erniedrigt wurden, die fast an nichts als die Befriedigung ihres Hungers
denken durften, waren ohne Zweifel ein Übergang. Sie waren im Besitz
einer Freiheit, deren Anwendung man ihnen nicht erlaubte. Sie waren
bereits Halbemanzipierte dem Mann gegenüber, sie lagen nicht mehr tief
gebettet im Schoß der Familie, die sie vor den harten Forderungen des
Lebens behütet, sondern sie klammerten sich gerade noch an die Türen der
Familie, deren Schein sie noch umschwebte, aber den sie abzustreifen
begannen. Trotzdem aber war es damals möglich, oft Frauen zu sehen, die
jene Scham kannten, die unter Blicken errötet und die sich bewußt waren,
daß es Sünde gibt, obwohl sie nicht wußten, daß sie unschuldig waren. Es
gehört die Kühnheit eines Looping the Loop-Fahrers dazu, sich aus diesem
durch tödliche Strafen gerade noch gehaltenen Zersetzungszustandes der
Familie hinauszustürzen, aber diese Kühnheit war der Mut des Frevels und
nicht jener der Entdeckung und der Opferungsbereiten.
Die junge Frau, die nun unter den verrückten Stößen des Wagens zu
seufzen begann, hatte diesen Sprung getan, sie war nun der Ruin aller
Vorzüge, die sie einst hatten vergöttern lassen, und sie hatte jetzt nur
die eine Hoffnung im Herzen, während sie zu dem Sterbelager ihres
letzten Kindes fuhr, daß ich ihrem Leben recht gab, das ich
verabscheute. Ich hatte diese Gestalt, die aus der Ferne in ihrem
gestreiften zusammengesetzten Pelz, wie ihn die Engländerinnen um diese
Zeit trugen, mitten in den Äckern vor zwei Tagen angetroffen, wo sie
mehr einem Tier aus der Entfernung als einer Frau glich, die im
Zusammenbrechen noch die Kraft hatte, nach ihrem Kinde zu rufen.
Dieser Ruf, der mich, als sie zu sich kam, in ihr Leben mit einzuziehen
schien, war der Grund, daß sie ihr Schicksal vor mir öffnete, ohne daß
ich es gewünscht hätte. Wir hatten zwei Tage, beide abgeschnitten durch
den Streik der Bahnen und die sich daran schließenden kriegerischen
Unternehmungen irregulärer Banden, die uns eines Nachts mit Kugeln
verpfefferten, als ob sie auf unsere Pelzen sich einschießen wollten,
den Fluß nach einer Überfahrt abgesucht, die mich den dritten Teil
meiner Barschaft kostete. Ihre Sehnsucht, selbst auf die tollste Weise
nach Deutschland zu kommen, hatte mich gerührt, obwohl ich keineswegs
eilte und mit Vergnügen die Entwicklung dieses Bauernkrieges aus Kowno
durch die Zeitungen verfolgt hätte.
Dieser Wagen kostete mich das zweite Drittel meiner Barschaft, das
letzte Drittel würde denjenigen das Leben kosten, der es begehrte, da
ich entschlossen war, es an der Grenze der Dame einzuhändigen, um sie
nicht schutzlos zu lassen. Ich gestehe, daß ich unter ihren
Geständnissen ebenso litt wie ich erstaunt war, daß sie hingegen über
sich selbst und ihren Namen ein tiefes Geheimnis breitete. Sie hatte
mich mit einem unwiderstehlichen Blick gebeten, sie an der Grenze allein
zu lassen. Man hörte zwischen den Windstößen, die den Regen auf den
Boden schlugen, den Kutscher abgerissen die Pferde anfeuern, plötzlich
sank der linke Teil des Wagens auf die Seite. Der Sturz hatte die
Unbekannte auf meine Kniee geschleudert.
»Vertrauen Sie mir,« flüsterte ich ihr zu, da ich fürchtete, daß der
Wagen umstürzen werde. Im gleichen Augenblick rissen ihn die Pferde aus
der Mulde und jagten weiter. Die junge Frau hatte die Nervosität
abgelegt, die Frauen an den Tag legen, die ihr Leben selbst zu bestimmen
gedenken und sich der Führung des Mannes anzugliedern nicht entschließen
können. Der Druck ihres mädchenhaften Körpers hatte eine bezaubernde
Vertrauenswilligkeit gezeigt. Sie war so zerschmettert vom Leben und so
in Eile, einem furchtbaren Verhängnis vorzugreifen, daß sie weich genug
war, zu glauben.
Dieser Moment, wenn ein Herz sich bezwingt, hat etwas von
überwältigender Größe, und ich hätte ihr die Hände geküßt, wenn ich
nicht gefürchtet hätte, sie in ihrem Schmerz zu verletzen. Ich stand
ohne Zweifel als Verteidiger vor einem Schicksal, das ich ablehnte und
war entflammt für eine Frau, der ich es nicht zeigen durfte und deren
Leben davon abhalten mußte, daß sie mir gefiel. Dazu waren wir in
Lebensgefahr. Ich fürchtete, daß sie unter den grotesken Sprüngen, die
der Wagen immer öfter vornahm, vor Schmerzen ohnmächtig werden müßte.
Man mußte eine belebte Gegend erreicht haben, obwohl es noch weit zur
Grenze sein durfte, denn man hörte von Zeit zu Zeit das Rufen von
Stimmen, denen unser litauischer Kutscher antwortete. Plötzlich wurde an
den Zügeln gerissen. Diesem schlug der Kutscher die Peitsche quer durch
das Gesicht, das wie ein Gespenst am Fenster vorbeifiel. Jedesmal in
solchen Augenblicken fühlte ich, daß mein Gegenüber zitterte wie nur
eine Frau zittern kann, deren letzte Zuflucht, deren Glaube an die Güte
der Welt und ihres Schöpfers auf dem Spiel stand und die zu dem Lager
ihres Kindes wie eine Wahnsinnige, die sich kalt stellt, floh.
Ich vermutete ihre Augen zu sehen, obwohl das Dunkel fast
undurchdringlich war, und ich hatte den Eindruck, daß ihr Licht etwas
Verklärtes habe, trotzdem es verwirrt war, als habe der Tod
hineingeschienen und in die Süßigkeit dieses Lächelns den Zauber
gebracht, der es erst unübertrefflich macht. »Glauben Sie, daß wir es
erreichen?« murmelte sie. »Vertrauen Sie,« sagte ich und begriff, wie
sehr sie litt, denn diese Fahrt entschied über ihr Leben.
Sie war sich als Kind eines Luxus bewußt gewesen, der ihr fast alle
Neigungen gestattete, und sie hatte nicht mehr als den unbewußten
Gebrauch gemacht, der ihr als selbstverständlich erschien und von dem
sie annahm, daß alle Menschen über ihn verfügten. Das Gold hat genug
Kraft, die edelsten Menschen, die in seiner Umgebung aufgewachsen, in
einer wunderbaren Weise über die Leiden der Welt im ungewissen zu
lassen.
Die Kinder des Luxus leben wie die der Armut in einer gleichen
Unklarheit, die einen über die Tiefen, die anderen über die Höhen des
Daseins. Das Bewußtwerden erst dieser furchtbaren Kluft schafft in
diesen Kreisen die Emporkömmlinge, die krepieren werden oder die Macht
zwischen den Schenkeln haben wollen, und jene Messiasse, die im Dunkeln
ein Selbstgenügen predigen, das in dem Munde dessen eine Lüge sein muß,
der aus dem Reichtum kommt. Es wird nur eine Vermischung, aber keine
Versöhnung der Klassen möglich sein, indem die Elenden sich bereichern
und die Begüterten etwas verarmen und zwischen ihnen die Schranken
fallen, denn es ist offenbar, daß die Armen die Notwendigkeit des Luxus
und die Reichen die Entsetzlichkeit des Elends gegenseitig immer weniger
verstehen, als ein Chinese einen Marabu, oder ein vollblütiger Franzose
einen deutschen General verstehen kann.
Diese Blindheit unter den einzelnen Völkern ist das Schicksal unseres
Jahrhunderts, das bestimmt scheint, diese Mißverständnisse als das
hinzunehmen, was sie keineswegs sind: nämlich als die furchtbarsten
Bürgerkriege.
Die unbekannte junge Frau, die mit mir durch ein in Flammen des Hasses
aufgehendes Land in einer um ein Vermögen gekauften Kutsche unserer
Großeltern jagte, war die Tochter eines Vaters, dessen Liebe ihr zum
Verhängnis ward, mehr fast als seine Strenge. Dieser aus Deutschland
eingewanderte und später in England naturalisierte Mann (der seine
Nationalität nach der Sitte damalig freier Männer nicht aus Schwäche,
sondern aus ausdrücklichem Bekenntnis zur neu gewählten Heimat änderte)
war mit der fast kindischen Sorgfalt bestrebt, das Häßliche von seiner
Tochter fernzuhalten und das Schöne und Vortreffliche um sie zu
versammeln. Er hatte die Schwäche der Männer, die ihre Frau überirdisch
geliebt haben und in der Tochter ihr Bild weiter verehren wollen.
Sie überhäufen ihre Kinder mit einem Maß von Güte, die jene nicht zu
ertragen vermögen, und züchten den Geist eines Widerstandes, der um so
mehr aus dem schlummernden Bösen kommt, je höher man die liebenswerten
Seiten ihres Gefühles belastet. Ein Haus in London und das Sterbehaus
der Mutter in Kairo standen ihr zur Verfügung, ihr Vermögen war in
Holland angelegt, was so gut war, als sei es Gott in die Hand gegeben.
Ihr Vater hatte geschworen, daß sie ihr Glück machen werde, und darum
hatte vielleicht, weil dies ein Frevel ist, der Teufel sich bemüht, in
ihr Herz die Widerstände zu säen, die das unmöglich machen sollten.
Je mehr der Vater sich versteifte, sie mit Geschenken, Aufmerksamkeiten,
Überraschungen zu überhäufen, um so erbitterter sann dieses schöne und
edle Mädchen darauf, sich dem entgegenzusetzen, wobei sie sich ihrer
Handlung kaum mehr als eines fast schelmischen Trotzes bewußt ward.
Diese Situation war furchtbar, denn sie liebte ihren Vater, der,
wiederum aus Liebe, sie vor der Welt abschloß. Der alte Starrkopf, der
seine Tochter vortrefflich machen wollte, sperrte das Kind vor jeder
Gefahr ab. Er war ebenso eifersüchtig auf sie, für die er sich auf die
Stelle die Hand hätte abschlagen lassen, wie voll ständiger
Ängstlichkeit, so daß er sie unter anderem jeden Monat zu allen
Spezialisten schleifte, um von allen die Versicherung ihrer Gesundheit
zu erhalten.
Der Alte war bereit, ein Vermögen für jede ihrer lächerlichsten Wünsche
auszugeben. Das junge Mädchen zeigte sich bedürfnislos. Es hätte keine
noch so phantastische Angelegenheit gegeben, die der Alte ihr nicht zu
Füßen gelegt hätte. Sie hätte den Eifelturm abreißen und eine eigene
Bahnlinie nach Dover verlangen können, es wäre ihr ebenso sicher
gewesen, wie daß sie keine Sekunde allein an diesen Genüssen hätte
teilhaben können. Ihr Vater ließ sie keinen Schritt ohne Begleitung tun,
nicht weil er mißtraute, sondern weil er um sie bangte, und gerade dies
ist es, was junge Mädchen mit entzündlicher Phantasie zu Dämonen
verwandeln kann. Es machte seine Güte so nutzlos wie einen verwilderten
Garten. Das Mädchen begann diese Aufmerksamkeit zu hassen und sich vor
der Liebe zurückzuziehen, die ihr Herz mit Entzückungen erwidert hätte,
wenn sie weniger pendantisch sich gezeigt hätte.
Dieser Kampf zwischen der elterlichen Liebe, die bevormundete, und der
Liebe des Kindes, die sich ihr entzog, und damit der Teuflischkeit
zuwandte, dauerte bis zum achtzehnten Jahr dieses noblen Herzens, an
welchem Tag sie verschwand.
Sie reiste ein Jahr, doch das genügte, sie völlig zu verderben. Sie
reiste ein Jahr, ohne das geringste zu erleben. Ihr Vater, den die
Entfernung der Tochter wie ein Schlag traf, ließ sie nicht im Stich,
sondern bemühte sich erst recht, sie auf die Entfernung zu beeinflussen.
Das trieb das merkwürdige Geschöpf, das selbst in dieser furchtbaren
Nacht, halb dem Tod überliefert und von so vielen Leiden
zusammengeschlagen, noch einen unbegreiflichen Schein von Reinheit um
sich hatte, in einen entsetzlichen Widerstand. Die Briefe ihres Vaters,
der sie mit Beweisen seiner Sorge in Gestalt von Detektiven,
Auskunfteien, vorausbestellten Schiffen, Hotels und Zügen, ja mit
Menschen, die plötzlich auftraten und ihr Geschick zu beeinflussen
wagten, überschwemmte, bewirkten in ihr eine Anzahl launenhafter
Widerstände, die verrückt bezeichnet werden müssen.
Die Geschichte ihrer Erlebnisse, mit denen ihr Vater sie ins Verderben
jagte, hat hier keinen Sinn. Seine Güte ermangelte der Strenge, ohne die
Liebe keinen Zweck hat. Statt sie arretieren zu lassen und sie an einen
Mann von Vermögen, Sicherheit, Stellung und nicht zuviel Geist zu
verheiraten, dessen männliche Nüchternheit ihr die versteifte Romantik
abgenommen hätte, benutzte er ihr Entweichen zu verdoppelten Beweisen
seiner Zärtlichkeit. Ein Jahr lang hatte sie alle Angriffe abgewiesen,
ja sich eine Frau für ihre Toilette und eine zur Wahrung ihres Rufes
gehalten, währenddem sie ihren Vater aus Trotz im Glauben ließ, sie
reise allein und sei eine Emanzipierte, die sie in keiner Weise war, ein
Jahr lang hatte sie über die Männer lachen können, bis allzuviele
Warnungen sie ihnen in die Hände trieb.
Ihr Spleen trieb dieses im Grunde sanftmütige Mädchen in die Hände eines
Mannes, den sie offensichtlich nicht liebte, als sie sich ihm gab, der
sie nicht einmal reizte, in dem sie nach wenigen Wochen aber einen
Verbrecher fand. Diese Erkenntnis, die sie fast zum Wahnsinn brachte,
vermochte, daß sie sich entschloß, ihren Mann zu lieben.
Die Tyrannei des Verbrechens hatte die wunderbare Kraft, dieses edle
Geschöpf anzuziehen und zu einer Hingebung zu bringen, welche die Liebe,
vor der sie sich auf der Flucht befand, nie erreicht hatte. Diese
furchtbaren Umstände sind bei leidenschaftlichen Menschen deshalb bis
zur Unerschütterlichkeit bestimmend, weil die ersten Schritte, die sie
von der Familie und den der Frau vorgeschriebenen Gesetzen abseits tun,
bereits die Tragödie mit der unendlichen Kraft des Untergangs
herbeigerufen haben.
Das Mädchen hielt mit einer Treue zu dem Mann, der weder ihren Geist
noch ihre Vornehmheit des Charakters besaß, die einer beispielhaften Ehe
jede Ehre gegeben hätte. An dem ungelösten Körper dieser Frau, deren
Mädchenhaftigkeit durch ihren Kummer nicht vertrieben worden war, konnte
man heute noch sehen, daß sie eine wahre befreiende Liebe nie gekannt
hatte. Sie hatte sich aus Laune in eine Verliebtheit hineingestürzt, die
von der glühenden Zartheit einer mädchenhaften Neigung unendlich
entfernt war. Sie liebte einfach ihr Schicksal wie alle starken Naturen,
die auch zu ihren Fehlern und Niederlagen stehen.
Die Spannkraft, die ein menschliches Herz für soviel Leiden hinzugeben
hat, besitzt eine Grenze, und sie schien es mit dem Zittern, das sie hin
und wieder grundlos überlief, zu ahnen.
Ihr Vater, der sie dem Mann entreißen wollte, hatte den Fehler begangen,
es nicht mit jener Brutalität zu tun, die Halunken dieser Art allein
einschüchtert, nämlich nach ihrer Entlarvung ihnen den Prozeß zu machen
und sie henken zu lassen. Die Möglichkeit hierzu war gegeben, von einem
Skandal spricht man einen Monat und in bewegten Zeiten eine Woche, und
wenn es sich um ein vornehmes Herz mit großem Vermögen und einer
gewissen Schönheit handelt, drei Tage. Er fürchtete, seine Tochter zu
verletzen und gab ihr nach, er kaufte sie dem Mann ab, der mit einer
großen Summe Geld verschwand. Er ließ eine Frau zurück, die ein
zweijähriges Kind in der Wiege und eines unter dem Herzen trug und ihrem
Vater diesen Streich nie verzieh.
Sie holte ihren Mann ein, der sich nicht weigern konnte, sie
aufzunehmen, vielmehr die Waffe umdrehte und auf Grund seiner
tatsächlichen Schandtaten ihren Vater erpreßte, dessen Angst vor Skandal
größer war als sein Zorn. Dieser Balte, dessen Name keine Erwähnung
fand, verpraßte einen Teil des väterlichen Vermögens auf eine
schwachsinnige Weise. Er liebte diese Frau nicht, weil sie ihm ergeben
war, und suchte Anregungen in Angelegenheiten, die er seinem damaligen
Vermögensstand nach nicht gebraucht hätte. Er war ein Spieler, der auf
jeden Zufall versessen war und den der Krieg, der erbarmungsvoll hauste,
staatenlos und also zu den verrücktesten Unternehmungen geeignet fand.
Sein Vermögen nahm in einer beängstigenden Weise ab, worauf er, bei der
Unmöglichkeit, für einige Monate aus England Geld zu beziehen, da die
Konten der ehemaligen Deutschen gesperrt waren, seine Frau kurzerhand
verkaufte.
Man wird fragen, wie eine Frau, die jede Freiheit hatte und über eine
Familie und Vermögen verfügte, dazu der übermenschlichen Liebe eines
Vaters sicher war, diese Ungeheuerlichkeit ertragen konnte, zumal von
der Seite eines Mannes, den sie nur in der Einbildung lieben konnte. Sie
ertrug es, und diese Heldentat ist eines jener tiefen Mysterien der
weiblichen Seelen, die, wenn sie von der Natur zur Reinheit bestimmt
sind, alle Höllen des Lasters und der Erniedrigung durchlaufen können,
ohne daß ihr Wesen auch nur im geringsten leidet.
Zu spät ließ ihr Vater den Mann verhaften, er setzte seine Ehre aufs
Spiel, die er verlor, und erreichte, daß seine Tochter ihn haßte und das
Jahr, bis ihr Mann aus dem Gefängnis entfloh, diesem glühende Briefe in
seine Verlassenheit schrieb. Dieser Elende behandelte sie mit einer
Kälte und Brutalität, die mit ihrer Liebe wuchs. Entflohen, verbot er
ihr zu folgen. Sie folgte ihm. Ihr Vater hatte England, gebeugt,
verlassen müssen, der Skandal seines Schwiegersohns hatte ihn
zertrümmert. Die Kälte seiner Tochter brachte ihn zur Verzweiflung.
Innerhalb zweier Jahre war der Alte um dreißig Jahre gealtert. Die drei
Menschen lebten jahrelang in einer furchtbaren Verfolgung. Der Gatte
diente seinen dunklen und abenteuerlichen Neigungen, die ihn jeden Tag
in Gefahr brachten, mit den Gesetzen sich zu verwickeln. Seine Frau
suchte seinen Aufenthalt auszukundschaften und bei ihm zu leben, wovon
sie keine Erniedrigung abhielt. Ihr Vater bemühte sich, ihr Herz zu
erweichen, mit ihm in sichere Verhältnisse zurückzukehren, Europa zu
verlassen und ein Glück zu suchen, das ihr nach soviel Schmerzen
vorbehalten sein mußte ... aber was er erreichte, war, daß sein Vermögen
zerfiel. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, wie früher seine Tochter,
so ihren Mann zu bespitzeln, und, um ihr Herz zu gewinnen, ihrem Mann
ein Leben zu verschaffen, das ihn sorglos machen mußte.
Diese Geschichte der Liebe ist furchtbar, weil sie sinnlos bis zum
Äußersten ist, denn jeder dieser Liebenden beging Verbrechen gegen die
Liebe. Sie zerstörten sich in einer grauenerregenden Weise, während sie
sich zu nutzen suchten.
Der Alte, der durch den Untergang Deutschlands zu einer rührenden Liebe
zu seinem Heimatland gebracht wurde, legte sein Vermögen in Deutschland
an, was seinen Schwiegersohn bald zur Raserei brachte, und als er es
ablösen wollte, war es bereits ruiniert. Der Schlag, den Deutschland
empfing, war auch mit derselben Teufelei in den Nackenwirbel des Alten
gehauen. Er hatte sich mit der Freiheit seiner großzügigen Denkungsart
von seinem Vaterland geschieden, als dessen unfeiner Reichtum ihm
mißfiel. Als er es elend und am Boden fand, sah er die Möglichkeit, es
wieder zu lieben, und kam in eine Begeisterung, die ebenso großartig und
bewundernswert wie vernichtend war.
Er starb an dieser letzten Leidenschaft, die ihn unfähig gemacht hatte,
vernünftig zu denken, was ein Lebensalter lang seine Stärke gewesen war.
Er fiel mit dem Stolz seiner Heimat und begrub sein Vermögen im Sturz
der deutschen Mark, deren wahnsinniges ungeheuerliches Vernichten sein
letzter Seufzer war. Es war ihm nicht gelungen, seine Tochter
wiederzugewinnen.
Als sie seinen Tod erfuhr, stand sie am Sarg ihrer zweiten Tochter, ohne
zu wissen, wo ihr Mann sich befand, der ein Vergnügen darin suchte, sie
mit einer Öffentlichkeit zu betrügen, deren nur ein Neger fähig ist. Die
rohste Natur hat vor einem Grad des Leides jene Ehrfurcht, die der
Zauber der Frau auch bei Kannibalen auszulösen vermag. Dieser Balte,
dessen slawisches Blut seine deutsche Güte, dessen deutsche Rohheit
seine slawische Weichheit vertrieben hatte, dieser Verbrecher, den die
verfluchten Fehler zweier Nationen gezeugt hatten, ohne eine einzige
Tugend außer einer schwachköpfigen Kühnheit ihm zu verleihen, fand einen
beispiellosen Genuß daran, seine Frau zu demütigen. Es gibt wohl keine
Schande, in die er sie nicht verwickelt hatte.
Wäre die junge Frau nicht mit einem so ungeheuren Stolz von der Natur
versehen worden, so wäre sie ohne Zweifel durch das Übermaß der
Erniedrigung dazu gebracht worden, diesen Mann zu vernichten. Sie hielt
ihrem Schicksal eine beispiellose Treue, sie überwand das Verbrechen
sogar, indem sie sich nicht wehrte. Es gelangte nicht bis in ihre Seele.
Als sie ihren Mann erreichte, fand sie ihn in Fesseln. Ihr
wohltrainierter Körper war durch die Kinder und die Sorgen mitgenommen,
unterhöhlt, aber nicht aufgerieben. Sie sah ihren Mann, den es, nachdem
er die Familie seiner Frau zerstört hatte, wie alle Abenteurer nach dem
Osten trieb, dessen wildes Chaos ihnen voll wunderbarer Reize scheint,
an einer Mauer stehen. Sie lief aus dem Wagen in eine Umzäunung, ein
Tuch in der Hand, als von der anderen Seite einmal die Trommel gerührt
wurde. Darauf erschollen Schüsse, ihr Mann fiel vor ihren Augen langsam
um, ohne sie anzublicken. Die Soldaten, die aus Bewunderung über den Mut
des Mannes, der mit keiner Wimper gezuckt hatte, in die Hände
klatschten, fanden sie auf dem Rücken liegen. Sie war am Abend bereits
wieder bei Sinnen.
Eine Sekunde hatte genügt, sie ihre tiefe Schuld begreifen zu lassen.
Eine geheimnisvolle Stimme hatte im Augenblick der Salve, als ihr Mann,
der von Wuchs und Aussehen von vollkommener Schönheit war, fiel, gesagt,
daß vom Augenblick ihrer Entfernung von ihrem Hause alle Schuld und
alles Elend, das in ihrem Kreis geschehen sei, auf ihr liege, sie
empfand unwiderleglich auch die Erschießung ihres Mannes als einen
bewundernswerten Heldentod.
Sie fühlte mit einer Klarheit, die fast erhebend war, die Last dreier
vernichteter Leben auf ihrer Seele und war einsichtig genug, daran nicht
zu sterben, sondern ihren Glauben mit jener Tapferkeit, die schon
überirdisch wirkte, auf ihr Kind zu setzen.
In diesem Kind und seiner Zukunft schien ihrer mütterlichen Seele der
Sinn ihres Lebens und die Frage ihrer Schuld sich zu lösen oder zu
knüpfen, und sie hatte ein Maß der Gläubigkeit darüber, das keinen
Zweifel gestattete. Doch hat die Natur der Spannkraft eines Herzens
Grenzen gesetzt, die nicht übertreten werden dürfen, ohne zu vernichten.
Sie erfuhr die Erkrankung dieses Kindes, das sich in Dresden befand.
Gleichzeitig brachen die Bahnen ab. Sie schien zurückgestoßen von einem
Schicksal, das sie nach Jahren des Leidens zur Klarheit hatte erwachen
lassen. Das Leben dieses Kindes ward das Ziel eines grauenhaften
Wettlaufs, den sie mit dem Schicksal unternahm. Sie wäre ohne Schuhe bis
an das Ende der Welt gelaufen, um dieses Kind wieder in die Arme zu
nehmen und den Erfolg ihres vernichteten Lebens in jener Erkenntnis dem
Kinde zuzuführen, das in einer Erziehung sich geäußert hätte, die die
Fehler der ihren vermied und die Liebe so aus der Hand gab, daß sie
genommen werden konnte, ohne in die Schuld hinauszutreiben.
Diese Frau konnte nur ein ganz ungeheures Glück retten, konnte nur ein
sie dauernd in Sicherheit hüllendes Ereignis am Leben erhalten.
Sie hatte die Grenze des Lebens fast schon überschritten, und jede
Enttäuschung war ihr sofortiger Tod. Ihre Seele war an das Leben ihres
Kindes angebunden wie ein Flügel an den anderen bei einem Falter, sie
würde sich mit diesem Kind in das Leben wieder retten oder mit ihm
zusammen zerfallen müssen. Sie befand sich in dem Zustand einer gewissen
Übererhöhtheit des Lebens, wie es in Augenblicken eintritt, an denen die
Qual und das Leid so übertrieben sind, daß sie überirdisch scheinen. Die
Frau schien von einer Zartheit der Seele zu sein, daß man nicht gewagt
hätte, ihren Körper ohne Not zu berühren, aus Angst, er könne im Zustand
dieser Verklärtheit zusammenbrechen. Man mußte diese Seele in eine
Behandlung nehmen wie einen Lichtschein, den man nicht mit dem Schatten
der Hand verderben möchte.
Diese Seele war nur in der Lage, die Welt in einer Verschleierung
aufzunehmen, die sie ermunterte. Jeder Zweifel war schon der Tod für
dieses Wesen, das nur einer Medizin, nämlich der Bejahung und des
Trostes und der Zuversicht bedürftig war.
Man mußte diesem Körper, auch wenn man die Unwahrheit verabscheute,
Lügen zuführen, die allein ihr die Kraft geben konnten, die nächsten
Stunden zu überleben, kurz, ich war gezwungen, wenn auch ohne
Begeisterung, so mit der Leidenschaft, die sie in mir entflammte, zu
lügen.
Da sie eine Frau von Geist war, konnte man die Literatur zu Hilfe
ziehen, die ähnliche Schicksale wie die ihren bejaht hat, ihnen sogar
eine bestimmte Größe des Ruhmes zugewiesen hat, aber man mußte die fast
tödlich verzogene Frage auf ihrem Munde lesen, welches denn die Gründe
seien, die große Schriftsteller veranlassen konnten, ihre Wesen in
Verbrechen zu führen, statt die ausgezeichneten Bahnen einer Literatur
einzuschlagen, welche jenseits des Kriminellen genug Maße für höchste
Leidenschaften findet. Der Abbé Prevost hat seinem Desgrieux, der ohne
Zweifel ein Halunke aus Liebe war, ein großes Monument errichtet.
Zwischen dem Rolla des Alfred de Musset und Karl Moor besteht nur der
Unterschied, daß der Franzose Vernunft, der Deutsche nur Verzweiflung
kennt, daß aber ein Schicksal beide mit einem Fangarm erreicht, dessen
Rumpf eine verzweiflungsöde Epoche ist. Der Marquis de Sade hat die
Verbrechen offenbar der Wollust unterlegt, während Shakespeares Halunken
das Böse so genial verkörpern, daß ihre verwandtschaftliche Nähe zu den
Engeln deutlich ist. Es bedarf nur einer kleinen Wendung des Charakters,
um sie zu unsäglichen Heilbringern zu verwandeln. Die Antike, ähnlich
dem britischen Genie, kannte nur Verstöße gegen heilige Institutionen
der Götter, deren Verstoß aber ungeheuerlicher Frevel war. Zwischen
Verbrechen und Heldentaten machten sie so wenig Unterschied wie alle
Stämme, denen mit der Kriegerischkeit ein Sinn für große Ideen verliehen
war.
Die Natur scheint die Gesetze des Blutes und der Familie mit einem
ungeheuren Schutz umgeben zu haben, der in ihrer Reinhaltung die beste
Auslese unter der menschlichen Rasse bewirken zu wollen schien. Die
ungeheuerlichen Strafen für den Frevel an der Familie sind mit einem
anderen Sinn nicht erklärbar. Es gibt Geheimnisse, in die alle Nationen
einbezogen sind, und in denen die Reinheit der Frau als wundervollste
Säule der Familie und des gewaltigen Bauwerks eines stolzen Staates mit
nicht beweisbarer aber beispielloser Gesetzlichkeit verwoben sind.
Man mußte dieser in ihrem Elend bezaubernden Frau eine dünne Limonade
der Ewigkeit brauen, wenn man ihr diese Gesetze verschwieg und aus der
Literatur einen Saft zog, der vielleicht von großen Dichtern, aber
schlechten Kennern des Schicksals stammte. Es hieß ihr die Welt mit
wohlwollender, aber zitternder Hand verschleiern und erbeben unter der
Hast und dem Glück, mit dem sie diese schwache Weisheit in sich sog.
Man konnte ihr auf die Frage, die am Anfang dieser Geschichte
angeschnitten steht, schließlich sagen, daß die Dichter den Weg ins
Verbrechen deshalb immer wieder suchten, weil in den närrischsten und
grundlosesten Leidenschaften sie den unendlichen Goldgrund der besten
Herzenstugenden am schönsten schimmern sehen, aber man konnte diese
akademische Phrase nur loswerden, weil man das Geschöpf, an das sie
gerichtet war, liebte. Das Bangen der jungen Frau hatte etwas von jener
Gläubigkeit und Unberührtheit, deren Nähe niemand verlassen kann, ohne
einer tiefen Rührung zu verfallen. Ich hätte meinen Kopf gegeben, wenn
ich in diesem Augenblick die Hände der jungen Frau hätte an mich ziehen
und ihr zuflüstern können, daß diese Neugeburt zur Mädchenhaftigkeit,
die das Schicksal mit einer kurzen, vielleicht in Stunden schon
beendeten aber jetzt in unvergleichlichem Glanz erstrahlenden Frist ihr
verliehen hatte, mich in meiner tiefsten Seele getroffen habe.
Ich war in der verdammten Lage, sie ohne Pause belügen zu müssen. »Was
hätten Sie gehabt,« rief ich wohl etwas zu prahlerisch, »wenn Sie ohne
das Erlebnis so gewaltiger Schmerzen Ihr Leben verbracht hätten? Die
Literatur zeigt, daß die Unschuld, wenn sie mit dem Verbrechen
zusammentrifft, die wundervollsten Menschenblumen hervorbringt. Sie
hätten ohne Zweifel einen Gatten und Kinder besessen, aber Sie wären
sich nicht mehr der Welt bewußt gewesen, als daß Sie die
wirtschaftlichen Mächte, unter denen wir stehen, mit einem geringen
Stolz gespürt hätten. Das heißt, Sie hätten reich gewohnt, den sozialen
Aufstieg Ihres Gatten bewundert, Ihre Kinder gekleidet, die Menüpläne
Ihrer Köchinnen berichtigt und mit Verehrung oder Verachtung auf die
Gesellschaft um Ihr Leben herumgeblickt, je nachdem sie im Rang über
oder unter Ihnen gestanden wäre. Was wäre aus Ihrem Herzen geworden?
Soviel an Großmut und soviel an spätem ungeheurem Glück, wie Sie es
heute zu verlangen haben, vermag ein durchschnittliches Leben nie zu
geben, und die Tugend, die nie an den Abgrund geschleppt ward, hat
keinen Anspruch, ein Herz zu besitzen, das durch den Tod wie durch die
Liebe mit derselben Kühnheit hindurchgeschritten ist.« Man wird mir
zugestehen, daß ich mit Feuer log, obwohl mein Gefühl offenbar geneigt
war, in Tränen auszubrechen, denn je mehr ich mich begeisterte, um so
furchtbarer empfand ich, welch verabscheuenswerten Unsinn ich sprach.
Sie seufzte, als ob sie alle Liebe der Welt einsauge, und das brachte
mich fast von Sinnen. Nur als ich mit der falschen Kühnheit, die
Verliebten eigen ist, fragte: »Was hätten Sie gehabt?« schien sie wie
ohnmächtig zurückzufallen. Ein Blick, den ich durch ein Licht, das
aufglomm, auf ihrem Gesicht mit göttlicher Ergebung aufgeschlagen sah,
belehrte mich, daß sie an ihren Vater dachte. In diesem Augenblick
schienen wir umzingelt zu sein.
Um uns herum erschollen Stimmen. Der Kutscher hielt den Wagen an und gab
sichtlich Auskunft. Ich öffnete die Wagentür nach der einen Seite und
schloß sie im gleichen Augenblick. Offenbar hatte man sich an der Stelle
zusammengeknäuelt, um eine Auskunft einzuziehen. Ich riß den anderen
Schlag auf, zog die junge Frau heraus, und wir liefen über die Wiese.
Als wir hinter Buschwerk kamen, zitterte sie so, daß ich sie tragen
mußte. Als wir den Wald erreichten, fing eine sinnlose Schießerei an,
überall loszuknallen. Wir standen hinter Bäumen, um nicht getroffen zu
werden. In diesem Augenblick war ihr Herz auf der Höhe der Gefahr. Eine
Verwundung hätte sie niedergeworfen und getötet. Denn dieses
wundgelaufene Herz hatte nur noch eine kurze Frist, die die Natur ihr
verliehen hatte, zu leben oder auszusetzen, und diese Frist langte noch
bis zum Lager ihres Kindes, aber litt keine Minute Verzögerung.
Es gibt eine Zärtlichkeit bei Männern, die in Augenblicken der Gefahr
für das geliebte Wesen sich in nichts von der Liebe unterscheidet, die
das schönste Recht der Mütter ist. Ich hätte diese Frau, deren Schmerz
und deren Schicksal ich offenbar wie ein Wahnsinniger liebte, mit meinem
Körper zudecken mögen, um sie vor den Kugeln zu schützen, wenn diese
Bewegung nicht eine Narrheit gewesen wäre und die Soldaten auf uns
gelenkt hätte. Sie war im Augenblick der Gefahr von einer fast
übermenschlichen Kühle. Als wir eine halbe Stunde durch den Niederwald
gerannt waren, kamen wir auf eine Straße. Wir hatten die Vorposten
hinter uns und waren in Sicherheit.