Die Komplikation der Aufhebungs-, Subtraktions- und Verkehrungsvorgänge,

durch welche endlich aus den Affekten der Traumgedanken die des Traumes

werden, läßt sich an geeigneten Synthesen vollständig analysierter

Träume gut überblicken. Ich will hier noch einige Beispiele von

Affektregung im Traume behandeln, die etwa einige der besprochenen Fälle

als realisiert erweisen.

V. In dem Traume von der sonderbaren Aufgabe, die mir der alte _Brücke_

stellt, mein eigenes Becken zu präparieren, _vermisse ich im Traume

selbst das dazu gehörige Grauen_. Dies ist nun Wunscherfüllung in mehr

als einem Sinne. Die Präparation bedeutet die Selbstanalyse, die ich

gleichsam durch die Veröffentlichung des Traumbuches vollziehe, die mir

in Wirklichkeit so peinlich war, daß ich den Druck des bereitliegenden

Manuskriptes um mehr als ein Jahr aufgeschoben habe. Es regt sich nun

der Wunsch, daß ich mich über diese abhaltende Empfindung hinaussetzen

möge, darum verspüre ich im Traume kein »_Grauen_«. Das »_Grauen_« im

anderen Sinne möchte ich auch gern vermissen; es graut bei mir schon

ordentlich, und dies _Grau_ der Haare mahnt mich gleichfalls, nicht

länger zurückzuhalten. Wir wissen ja, daß am Schlusse des Traumes der

Gedanke zur Darstellung durchdringt, ich würde es den Kindern überlassen

müssen, in der schwierigen Wanderung ans Ziel zu kommen.

Gegenseitige Förderung der Affekte.

In den zwei Träumen, die den Ausdruck der Befriedigung in die nächsten

Augenblicke nach dem Erwachen verlegen, ist diese Befriedigung das

einemal motiviert durch die Erwartung, ich werde jetzt erfahren, was es

heißt, »ich habe schon davon geträumt«, und bezieht sich eigentlich auf

die Geburt der ersten Kinder, das anderemal durch die Überzeugung, es

werde jetzt eintreffen, »was sich durch ein Vorzeichen angekündigt hat«,

und diese Befriedigung ist die nämliche, die seinerzeit den zweiten Sohn

begrüßt hat. Es sind hier im Traume die Affekte verblieben, die in den

Traumgedanken herrschen, aber es geht wohl in keinem Traume so ganz

einfach zu. Vertieft man sich ein wenig in beide Analysen, so erfährt

man, daß diese der Zensur nicht unterliegende Befriedigung einen Zuzug

aus einer Quelle erhält, welche die Zensur zu fürchten hat, und deren

Affekt sicherlich Widerspruch erregen würde, wenn er sich nicht durch

den gleichartigen, gern zugelassenen Befriedigungsaffekt aus der

erlaubten Quelle decken, sich gleichsam hinter ihm einschleichen würde.

Ich kann dies leider nicht an dem Traumbeispiel selbst erweisen, aber

ein Beispiel aus anderer Sphäre wird meine Meinung verständlich machen.

Ich setze folgenden Fall: Es gäbe in meiner Nähe eine Person, die ich

hasse, so daß in mir eine lebhafte Regung zu stande kommt, mich zu

freuen, wenn ihr etwas widerfährt. Dieser Regung gibt aber das

Moralische in meinem Wesen nicht nach; ich wage es nicht, den

Unglückswunsch zu äußern, und nachdem ihr unverschuldet etwas zugestoßen

ist, unterdrücke ich meine Befriedigung darüber und nötige mich zu

Äußerungen und Gedanken des Bedauerns. Jeder Mann wird sich in solcher

Lage schon befunden haben. Nun ereigne es sich aber, daß die gehaßte

Person sich durch eine Überschreitung eine wohlverdiente

Unannehmlichkeit zuziehe; dann darf ich meiner Befriedigung darüber

freien Lauf lassen, daß sie von der gerechten Strafe getroffen worden

ist, und äußere mich darin übereinstimmend mit vielen anderen, die

unparteiisch sind. Ich kann aber die Beobachtung machen, daß meine

Befriedigung intensiver ausfällt als die der anderen; sie hat einen

Zuzug aus der Quelle meines Hasses erhalten, der bis dahin von der

inneren Zensur verhindert war, Affekt zu liefern, unter den geänderten

Verhältnissen aber nicht mehr gehindert wird. Dieser Fall trifft in der

Gesellschaft allgemein zu, wo antipathische Personen oder Angehörige

einer ungern gesehenen Minorität eine Schuld auf sich laden. Ihre

Bestrafung entspricht dann gewöhnlich nicht ihrem Verschulden, sondern

dem Verschulden vermehrt um das bisher effektlose Übelwollen, das sich

gegen sie richtet. Die Strafenden begehen dabei zweifellos eine

Ungerechtigkeit; sie werden aber an der Wahrnehmung derselben gehindert

durch die Befriedigung, welche ihnen die Aufhebung einer lange

festgehaltenen Unterdrückung in ihrem Innern bereitet. In solchen Fällen

ist der Affekt seiner Qualität nach zwar berechtigt, aber nicht sein

Ausmaß; und die in dem einen Punkte beruhigte Selbstkritik

vernachlässigt nur zu leicht die Prüfung des zweiten Punktes. Wenn

einmal die Türe geöffnet ist, so drängen sich leicht mehr Leute durch,

als man ursprünglich einzulassen beabsichtigte.

Der auffällige Zug des neurotischen Charakters, daß affektfähige Anlässe

bei ihm eine Wirkung erzielen, die qualitativ berechtigt, quantitativ

über das Maß hinausgeht, erklärt sich auf diese Weise, soweit er

überhaupt eine psychologische Erklärung zuläßt. Der Überschuß rührt aber

aus unbewußt gebliebenen, bis dahin unterdrückten Affektquellen her, die

mit dem realen Anlaß eine assoziative Verbindung herstellen können, und

für deren Affektentbindung die einspruchsfreie und zugelassene

Affektquelle die erwünschte Bahnung eröffnet. Wir werden so aufmerksam

gemacht, daß wir zwischen der unterdrückten und der unterdrückenden

seelischen Instanz nicht ausschließlich die Beziehungen gegenseitiger

Hemmung ins Auge fassen dürfen. Ebensoviel Beachtung verdienen die

Fälle, in denen die beiden Instanzen durch Zusammenwirken, durch

gegenseitige Verstärkung einen pathologischen Effekt zu stande bringen.

Diese andeutenden Bemerkungen über psychische Mechanik wolle man nun zum

Verständnis der Affektäußerungen des Traumes verwenden. Eine

Befriedigung, die sich im Traume kundgibt, und die natürlich alsbald an

ihrer Stelle in den Traumgedanken aufzufinden ist, ist durch diesen

Nachweis allein nicht immer vollständig aufgeklärt. In der Regel wird

man für sie eine zweite Quelle in den Traumgedanken aufzusuchen haben,

auf welche der Druck der Zensur lastet, und die unter dem Drucke nicht

Befriedigung, sondern den gegenteiligen Affekt ergeben hätte, die aber

durch die Anwesenheit der ersten Traumquelle in den Stand gesetzt wird,

ihren Befriedigungsaffekt der Verdrängung zu entziehen und als

Verstärkung zu der Befriedigung aus anderer Quelle stoßen zu lassen. So

erscheinen die Affekte im Traume als zusammengefaßt aus mehreren

Zuflüssen und als überdeterminiert in bezug auf das Material der

Traumgedanken; _Affektquellen, die den nämlichen Affekt liefern können,

treten bei der Traumarbeit zur Bildung desselben zusammen_(175).

(175) Analog habe ich die außerordentlich starke Lustwirkung der

tendenziösen Witze erklärt.

Ein wenig Einblick in diese verwickelten Verhältnisse erhält man durch

die Analyse des schönen Traumes, in dem »_Non vixit_« den Mittelpunkt

bildet (vgl. p. 301). In diesem Traume sind die Affektäußerungen von

verschiedener Qualität an zwei Stellen des manifesten Inhaltes

zusammengedrängt. Feindselige und peinliche Regungen (im Traume selbst

heißt es »von merkwürdigen Affekten ergriffen«) überlagern einander

dort, wo ich den gegnerischen Freund mit den beiden Worten vernichte. Am

Ende des Traumes bin ich ungemein erfreut und urteile dann anerkennend

über eine im Wachen als absurd erkannte Möglichkeit, daß es nämlich

Revenants gibt, die man durch den bloßen Wunsch beseitigen kann.

Die Affekte im Traume »Non vixit«.

Ich habe die Veranlassung dieses Traumes noch nicht mitgeteilt. Sie ist

eine wesentliche und führt tief in das Verständnis des Traumes hinein.

Ich hatte von meinem Freunde in Berlin (den ich mit Fl. bezeichnet habe)

die Nachricht bekommen, daß er sich einer Operation unterziehen werde,

und daß in Wien lebende Verwandte mir die weiteren Auskünfte über sein

Befinden geben würden. Diese ersten Nachrichten nach der Operation

lauteten nicht erfreulich und machten mir Sorge. Ich wäre am liebsten

selbst zu ihm gereist, aber ich war gerade zu jener Zeit mit einem

schmerzhaften Leiden behaftet, das mir jede Bewegung zur Qual machte.

Aus den Traumgedanken erfahre ich nun, daß ich für das Leben des teuren

Freundes fürchtete. Seine einzige Schwester, die ich nicht gekannt, war,

wie ich wußte, in jungen Jahren nach kürzester Krankheit gestorben. (Im

Traume: _Fl. erzählt von seiner Schwester und sagt: in ¾ Stunden war sie

tot._) Ich muß mir eingebildet haben, daß seine eigene Natur nicht viel

resistenter sei, und mir vorgestellt, daß ich auf weit schlimmere

Nachrichten nun endlich doch reise -- und zu _spät_ komme, worüber ich

mir ewige Vorwürfe machen könnte(176). Dieser Vorwurf wegen des

Zuspätkommens ist zum Mittelpunkte des Traumes geworden, hat sich aber

in einer Szene dargestellt, in der der verehrte Meister meiner

Studentenjahre _Brücke_ mir mit einem fürchterlichen Blicke seiner

blauen Augen den Vorwurf macht. Was diese Ablenkung der Szene zu stande

gebracht, wird sich bald ergeben; die Szene selbst kann der Traum nicht

so reproduzieren, wie ich sie erlebt habe. Er läßt zwar dem anderen die

blauen Augen, aber er gibt mir die vernichtende Rolle, eine Umkehrung,

die offenbar das Werk der Wunscherfüllung ist. Die Sorge um das Leben

des Freundes, der Vorwurf, daß ich nicht zu ihm hinreise, meine

Beschämung (_er ist unauffällig_ [zu mir] nach Wien gekommen), mein

Bedürfnis, mich durch meine Krankheit für entschuldigt zu halten, das

alles setzt den Gefühlssturm zusammen, der im Schlafe deutlich verspürt,

in jener Region der Traumgedanken tobt.

(176) Diese Phantasie aus den unbewußten Traumgedanken ist es, die

gebieterisch _non vivit_ anstatt _non vixit_ verlangt. »Du bist zu

spät gekommen, er lebt nicht mehr.« Daß auch die manifeste Situation

des Traumes auf »non vivit« zielt, ist p. 303 angegeben worden.

An der Traumveranlassung war aber noch etwas anderes, was auf mich eine

ganz entgegengesetzte Wirkung hatte. Bei den ungünstigen Nachrichten aus

den ersten Tagen der Operation erhielt ich auch die Mahnung, von der

ganzen Angelegenheit niemandem zu sprechen, die mich beleidigte, weil

sie ein überflüssiges Mißtrauen in meine Verschwiegenheit zur

Voraussetzung hatte. Ich wußte zwar, daß dieser Auftrag nicht von meinem

Freunde ausging, sondern einer Ungeschicklichkeit oder Überängstlichkeit

des vermittelnden Boten entsprach, aber ich wurde von dem versteckten

Vorwurfe sehr peinlich berührt, weil er -- nicht ganz unberechtigt war.

Andere Vorwürfe als solche, an denen »etwas daran ist«, haften

bekanntlich nicht, haben keine aufregende Kraft. Zwar nicht in der Sache

meines Freundes, aber früher einmal in viel jüngeren Jahren hatte ich

zwischen zwei Freunden, die beide auch mich zu meiner Ehrung so nennen

wollten, überflüssigerweise etwas ausgeplaudert, was der eine über den

anderen gesagt hatte. Auch die Vorwürfe, die ich damals zu hören bekam,

habe ich nicht vergessen. Der eine der beiden Freunde, zwischen denen

ich damals den Unfriedensstifter machte, war Professor _Fleischl_; der

andere kann durch den Vornamen _Josef_, den auch mein im Traume

auftretender Freund und Gegner P. führte, ersetzt werden.

Von dem Vorwurfe, daß ich nichts für mich zu behalten vermöge, zeugen im

Traume die Elemente _unauffällig_ und die Frage _Fls._, _wie viel von

seinen Dingen ich P. denn mitgeteilt habe_. Die Einmengung dieser

Erinnerung ist es aber, welche den Vorwurf des Zuspätkommens aus der

Gegenwart in die Zeit, da ich im _Brücke_schen Laboratorium lebte,

verlegt, und indem ich die zweite Person in der Vernichtungsszene des

Traumes durch einen _Josef_ ersetze, lasse ich diese Szene nicht nur den

einen Vorwurf darstellen, daß ich zu spät komme, sondern auch den von

der Verdrängung stärker betroffenen, daß ich kein Geheimnis bewahre. Die

Verdichtungs- und Verschiebungsarbeit des Traumes sowie deren Motive

werden hier augenfällig.

Der in der Gegenwart geringfügige Ärger über die Mahnung, nichts zu

verraten, holt sich aber Verstärkungen aus in der Tiefe fließenden

Quellen und schwillt so zu einem Strome feindseliger Regungen gegen in

Wirklichkeit geliebte Personen an. Die Quelle, welche die Verstärkung

liefert, fließt im Infantilen. Ich habe schon erzählt, daß meine warmen

Freundschaften wie meine Feindschaften mit Gleichalterigen auf meinen

Kinderverkehr mit einem um ein Jahr älteren Neffen zurückgehen, in dem

er der Überlegene war, ich mich frühzeitig zur Wehre setzen lernte, wir

unzertrennlich miteinander lebten und einander liebten, dazwischen, wie

Mitteilungen älterer Personen bezeugen, uns rauften und -- _verklagten_.

Alle meine Freunde sind in gewissem Sinne Inkarnationen dieser ersten

Gestalt, die »früh sich einst dem trüben Blick gezeigt«, _Revenants_.

Mein Neffe selbst kam in den Jünglingsjahren wieder, und damals führten

wir Cäsar und Brutus miteinander auf. Ein intimer Freund und ein

gehaßter Feind waren mir immer notwendige Erfordernisse meines

Gefühlslebens; ich wußte beide mir immer von neuem zu verschaffen, und

nicht selten stellte sich das Kindheitsideal so weit her, daß Freund und

Feind in dieselbe Person zusammenfielen, natürlich nicht mehr

gleichzeitig oder in mehrfach wiederholter Abwechslung, wie es in den

ersten Kinderjahren der Fall gewesen sein mag.

Auf welche Weise bei so bestehenden Zusammenhängen ein rezenter Anlaß

zum Affekt bis auf den infantilen zurückgreifen kann, um sich durch ihn

für die Affektwirkung zu ersetzen, das möchte ich hier nicht verfolgen.

Es gehört der Psychologie des unbewußten Denkens an und fände seine

Stelle in einer psychologischen Aufklärung der Neurosen. Nehmen wir für

unsere Zwecke der Traumdeutung an, daß sich eine Kindererinnerung

einstellt oder eine solche phantastisch gebildet wird etwa folgenden

Inhalts: Die beiden Kinder geraten in Streit miteinander um ein Objekt,

-- welches, lassen wir dahingestellt, obwohl die Erinnerung oder

Erinnerungstäuschung ein ganz bestimmtes im Auge hat; -- ein jeder

behauptet, er sei _früher gekommen_, habe also das Vorrecht darauf; es

kommt zur Schlägerei, Macht geht vor Recht; nach den Andeutungen des

Traumes könnte ich gewußt haben, daß ich im Unrecht bin (_den Irrtum

selbst bemerkend_); ich bleibe aber diesmal der Stärkere, behaupte das

Schlachtfeld, der Unterlegene eilt zum Vater, respektive Großvater,

verklagt mich, und ich verteidige mich mit den mir durch die Erzählung

des Vaters bekannten Worten: _Ich habe ihn gelagt, weil er mich gelagt

hat_; so ist diese Erinnerung oder wahrscheinlicher Phantasie, die sich

mir während der Analyse des Traumes -- ohne weitere Gewähr, ich weiß

selbst nicht wie -- aufdrängt, ein Mittelstück der Traumgedanken, das

die in den Traumgedanken waltenden Affektregungen wie eine Brunnenschale

die zugeleiteten Gewässer sammelt. Von hier aus fließen die

Traumgedanken in folgenden Wegen: Es geschieht dir ganz recht, daß du

mir den Platz hast räumen müssen; warum hast du mich vom Platze

verdrängen wollen? Ich brauche dich nicht, ich werde mir schon einen

anderen verschaffen, mit dem ich spiele u. s. w. Dann eröffnen sich die

Wege, auf denen diese Gedanken wieder in die Traumdarstellung einmünden.

Ein solches »ôte-toi que je m'y mette« mußte ich seinerzeit meinem

verstorbenen Freunde Josef zum Vorwurfe machen. Er war in meine

Fußstapfen als Aspirant im _Brücke_schen Laboratorium getreten, aber

dort war das Avancement langwierig. Keiner der beiden Assistenten rückte

von der Stelle, die Jugend wurde ungeduldig. Mein Freund, der seine

Lebenszeit begrenzt wußte, und den kein intimes Verhältnis an seinen

Vordermann band, gab seiner Ungeduld gelegentlich lauten Ausdruck. Da

dieser Vordermann ein schwer Kranker war, konnte der Wunsch, ihn

beseitigt zu wissen, außer dem Sinne: durch eine Beförderung auch eine

anstößige Nebendeutung zulassen. Natürlich war bei mir einige Jahre

vorher der nämliche Wunsch, eine frei gewordene Stelle einzunehmen, noch

viel lebhafter gewesen; wo immer es in der Welt Rangordnung und

Beförderung gibt, ist ja der Weg für der Unterdrückung bedürftige

Wünsche eröffnet. _Shakespeares Prinz Hal_ kann sich nicht einmal am

Bett des kranken Vaters der Versuchung entziehen, einmal zu probieren,

wie ihm die Krone steht. Aber der Traum straft, wie begreiflich, diesen

rücksichtslosen Wunsch nicht an mir, sondern an ihm(177).

(177) Es wird aufgefallen sein, daß der Name _Josef_ eine so große

Rolle in meinen Träumen spielt (siehe den Onkeltraum). Hinter den

Personen, die so heißen, kann ich mein Ich im Traume besonders leicht

verbergen, denn _Josef_ hieß auch der aus der Bibel bekannte

_Traumdeuter_.

»Weil er herrschsüchtig war, darum erschlug ich ihn.« Weil er nicht

erwarten konnte, daß ihm der andere den Platz räume, darum ist er selbst

hinweggeräumt worden. Diese Gedanken hege ich unmittelbar, nachdem ich

in der Universität der Enthüllung des dem anderen gesetzten Denkmals

beigewohnt habe. Ein Teil meiner im Traume verspürten Befriedigung

deutet sich also: Gerechte Strafe; es ist dir recht geschehen.

Bei dem Leichenbegängnis dieses Freundes machte ein junger Mann die

unpassend scheinende Bemerkung: Der Redner habe so gesprochen, als ob

jetzt die Welt ohne den einen Menschen nicht mehr bestehen könne. Es

regte sich in ihm die Auflehnung des wahrhaften Menschen, dem man den

Schmerz durch Übertreibung stört. Aber an diese Rede knüpfen sich die

Traumgedanken an: Es ist wirklich niemand unersetzlich; wie viele habe

ich schon zu Grabe geleitet; ich aber lebe noch, ich habe sie alle

überlebt, ich behaupte den Platz. Ein solcher Gedanke im Moment, da ich

fürchte, meinen Freund nicht mehr unter den Lebenden anzutreffen, wenn

ich zu ihm reise, läßt nur die weitere Entwicklung zu, daß ich mich

freue, wieder jemanden zu überleben, daß nicht _ich_ gestorben bin,

sondern _er_, daß ich den Platz behaupte, wie damals in der

phantasierten Kinderszene. Diese aus dem Infantilen kommende

Befriedigung darüber, daß ich den Platz behaupte, deckt den Hauptanteil

des in den Traum aufgenommenen Affekts. Ich freue mich darüber, daß ich

überlebe, ich äußere das mit dem naiven Egoismus der Anekdote zwischen

Ehegatten: »Wenn eines von uns stirbt, übersiedle ich nach Paris.« Es

ist für meine Erwartung so selbstverständlich, daß nicht ich der eine

bin.

Man kann sich's nicht verbergen, daß schwere Selbstüberwindung dazu

gehört, seine Träume zu deuten und mitzuteilen. Man muß sich als den

einzigen Bösewicht enthüllen unter all den Edlen, mit denen man das

Leben teilt. Ich finde es also ganz begreiflich, daß die _Revenants_ nur

so lange bestehen, als man sie mag, und daß sie durch den Wunsch

beseitigt werden können. Das ist also das, wofür mein Freund Josef

gestraft worden ist. Die Revenants sind aber die aufeinanderfolgenden

Inkarnationen meines Kindheitsfreundes, ich bin also auch befriedigt

darüber, daß ich mir diese Person immer wieder ersetzt habe, und auch

für den, den ich jetzt zu verlieren im Begriffe bin, wird sich der

Ersatz schon finden. Es ist niemand unersetzlich.

Wo bleibt hier aber die Traumzensur? Warum erhebt sie nicht den

energischesten Widerspruch gegen diesen Gedankengang der rohesten

Selbstsucht und verwandelt die an ihm haftende Befriedigung nicht in

schwere Unlust? Ich meine, weil andere einwurfsfreie Gedankenzüge über

die nämlichen Personen gleichfalls in Befriedigung ausgehen und mit

ihrem Affekt jenen aus der verbotenen infantilen Quelle decken. In einer

anderen Schicht von Gedanken habe ich mir bei jener feierlichen

Denkmalsenthüllung gesagt: Ich habe so viele teure Freunde verloren, die

einen durch Tod, die anderen durch Auflösung der Freundschaft; es ist

doch schön, daß sie sich mir ersetzt haben, daß ich den einen gewonnen

habe, der mir mehr bedeutet, als die anderen konnten, und den ich jetzt

in dem Alter, wo man nicht mehr leicht neue Freundschaften schließt, für

immer festhalten werde. Die Befriedigung, daß ich diesen Ersatz für die

verlorenen Freunde gefunden habe, darf ich ungestört in den Traum

hinübernehmen, aber hinter ihr schleicht sich die feindselige

Befriedigung aus infantiler Quelle mit ein. Die infantile Zärtlichkeit

hilft sicherlich die heute berechtigte verstärken; aber auch der

infantile Haß hat sich seinen Weg in die Darstellung gebahnt.

Im Traume ist aber außerdem ein deutlicher Hinweis auf einen anderen

Gedankengang enthalten, der in Befriedigung auslaufen darf. Mein Freund

hat kurz vorher nach langem Warten ein Töchterchen bekommen. Ich weiß,

wie sehr er seine früh verlorene Schwester betrauert hat, und schreibe

ihm, auf dieses Kind würde er die Liebe übertragen, die er zur Schwester

empfunden; dieses kleine Mädchen würde ihn den unersetzlichen Verlust

endlich vergessen machen.

So knüpft auch diese Reihe wieder an den Zwischengedanken des latenten

Trauminhaltes an, von dem die Wege nach entgegengesetzten Richtungen

auseinandergehen: Es ist niemand unersetzlich. Sieh, nur _Revenants_;

alles was man verloren hat, kommt wieder. Und nun werden die

assoziativen Bande zwischen den widerspruchsvollen Bestandteilen der

Traumgedanken enger angezogen durch den zufälligen Umstand, daß die

kleine Tochter meines Freundes denselben Namen trägt wie meine eigene

kleine Jugendgespielin, die mit mir gleichalterige Schwester meines

ältesten Freundes und Gegners. Ich habe den Namen »Pauline« mit

_Befriedigung_ gehört, und um auf dieses Zusammentreffen anzuspielen,

habe ich im Traume einen Josef durch einen anderen Josef ersetzt und

fand es unmöglich, den gleichen Anlaut in den Namen Fleischl und Fl. zu

unterdrücken. Von hier aus läuft dann ein Gedankenfaden zur Namengebung

bei meinen eigenen Kindern. Ich hielt darauf, daß ihre Namen nicht nach

der Mode des Tages gewählt, sondern durch das Andenken an teure Personen

bestimmt sein sollten. Ihre Namen machen die Kinder zu »_Revenants_«.

Und schließlich, ist Kinder haben nicht für uns alle der einzige Zugang

zur _Unsterblichkeit_?

Über die Affekte des Traumes werde ich nur noch wenige Bemerkungen von

einem anderen Gesichtspunkte aus anfügen. In der Seele des Schlafenden

kann eine Affektneigung -- was wir Stimmung heißen -- als dominierendes

Element enthalten sein und dann den Traum mitbestimmen. Diese Stimmung

kann aus den Erlebnissen und Gedankengängen des Tages hervorgehen, sie

kann somatische Quellen haben; in beiden Fällen wird sie von ihr

entsprechenden Gedankengängen begleitet sein. Daß dieser

Vorstellungsinhalt der Traumgedanken das einemal primär die

Affektneigung bedingt, das andere Mal sekundär durch die somatisch zu

erklärende Gefühlsdisposition geweckt wird, bleibt für die Traumbildung

gleichgültig. Dieselbe steht allemal unter der Einschränkung, daß sie

nur darstellen kann, was Wunscherfüllung ist, und daß sie nur dem

Wunsche ihre psychische Triebkraft entlehnen kann. Die aktuell

vorhandene Stimmung wird dieselbe Behandlung erfahren wie die aktuell

während des Schlafes auftauchende Sensation (vgl. p. 176), die entweder

vernachlässigt oder im Sinne einer Wunscherfüllung umgedeutet wird.

Peinliche Stimmungen während des Schlafes werden zu Triebkräften des

Traumes, indem sie energische Wünsche wecken, die der Traum erfüllen

soll. Das Material, an dem sie haften, wird so lange umgearbeitet, bis

es zum Ausdruck der Wunscherfüllung verwendbar ist. Je intensiver und je

dominierender das Element der peinlichen Stimmung in den Traumgedanken

ist, desto sicherer werden die stärkst unterdrückten Wunschregungen die

Gelegenheit, zur Darstellung zu kommen, benutzen, da sie durch die

aktuelle Existenz der Unlust, die sie sonst aus Eigenem erzeugen müßten,

den schwereren Teil der Arbeit für ihr Durchdringen zur Darstellung

bereits erledigt finden; mit diesen Erörterungen streifen wir wieder das

Problem der Angstträume, die sich als der Grenzfall für die

Traumleistung herausstellen werden.

i) _Die sekundäre Bearbeitung_.

Wir wollen endlich an die Hervorhebung des vierten der bei der

Traumbildung beteiligten Momente gehen.

Setzt man die Untersuchung des Trauminhaltes in der vorhin eingeleiteten

Weise fort, indem man auffällige Vorkommnisse im Trauminhalt auf ihre

Herkunft aus den Traumgedanken prüft, so stößt man auch auf Elemente,

für deren Aufklärung es einer völlig neuen Annahme bedarf. Ich erinnere

an die Fälle, wo man sich im Traume wundert, ärgert, sträubt und zwar

gegen ein Stück des Trauminhaltes selbst. Die meisten dieser Regungen

von Kritik im Traume sind nicht gegen den Trauminhalt gerichtet, sondern

erweisen sich als übernommene und passend verwendete Teile des

Traummaterials, wie ich an geeigneten Beispielen dargelegt habe. Einiges

der Art fügt sich aber einer solchen Ableitung nicht; man kann das

Korrelat dazu im Traummaterial nicht auffinden. Was bedeutet z. B. die

im Traume nicht gar seltene Kritik: Das ist ja nur ein Traum? Dies ist

eine wirkliche Kritik des Traumes, wie ich sie im Wachen üben könnte.

Gar nicht selten ist sie auch nur die Vorläuferin des Erwachens; noch

häufiger geht ihr selbst ein peinliches Gefühl vorher, das sich nach der

Konstatierung des Traumzustandes beruhigt. Der Gedanke: »Das ist ja nur

ein Traum« während des Traumes beabsichtigt aber dasselbe, was er auf

offener Bühne im Munde der schönen Helena von _Offenbach_ besagen soll;

er will die Bedeutung des eben Erlebten herabdrücken und die Duldung des

Weiteren ermöglichen. Er dient zur Einschläferung einer gewissen

Instanz, die in dem gegebenen Moment alle Veranlassung hätte, sich zu

regen und die Fortsetzung des Traumes -- oder der Szene -- zu verbieten.

Es ist aber bequemer weiter zu schlafen und den Traum zu dulden, »weil's

doch nur ein Traum ist«. Ich stelle mir vor, daß die verächtliche

Kritik: Es ist ja nur ein Traum, dann im Traume auftritt, wenn die

niemals ganz schlafende Zensur sich durch den bereits zugelassenen Traum

überrumpelt fühlt. Es ist zu spät ihn zu unterdrücken, somit begegnet

sie mit jener Bemerkung der Angst oder der peinlichen Empfindung, welche

sich auf den Traum hin erhebt. Es ist eine Äußerung des esprit

d'escalier von Seite der psychischen Zensur.

Anteil der sekundären Bearbeitung an der Traumschöpfung.

An diesem Beispiel haben wir aber einen einwandfreien Beweis dafür, daß

nicht alles, was der Traum enthält, aus den Traumgedanken stammt,

sondern daß eine psychische Funktion, die von unserem wachen Denken

nicht zu trennen ist, Beiträge zum Trauminhalt liefern kann. Es fragt

sich nun, kommt dies nur ganz ausnahmsweise vor oder kommt der sonst nur

als Zensur tätigen psychischen Instanz ein regelmäßiger Anteil an der

Traumbildung zu?

Man muß sich ohne Schwanken für das Zweite entscheiden. Es ist

unzweifelhaft, daß die zensurierende Instanz, deren Einfluß wir bisher

nur in Einschränkungen und Auslassungen im Trauminhalt erkannten, auch

Einschaltungen und Vermehrungen desselben verschuldet. Diese

Einschaltungen sind oft leicht kenntlich; sie werden zaghaft berichtet,

mit einem »als ob« eingeleitet, haben an und für sich keine besonders

hohe Lebhaftigkeit und sind stets an Stellen angebracht, wo sie zur

Verknüpfung zweier Stücke des Trauminhaltes, zur Anbahnung eines

Zusammenhanges zwischen zwei Traumpartien dienen können. Sie zeigen eine

geringere Haltbarkeit im Gedächtnis als die echten Abkömmlinge des

Traummaterials; unterliegt der Traum dem Vergessen, so fallen sie zuerst

aus, und ich hege eine starke Vermutung, daß unsere häufige Klage, wir

hätten soviel geträumt, das meiste davon vergessen und nur Bruchstücke

behalten, auf dem alsbaldigen Ausfall gerade dieser Kittgedanken beruht.

Bei vollständiger Analyse verraten sich diese Einschaltungen manchmal

dadurch, daß sich zu ihnen kein Material in den Traumgedanken findet.

Doch muß ich bei sorgfältiger Prüfung diesen Fall als den selteneren

bezeichnen; zumeist lassen sich die Schaltgedanken immerhin auf Material

in den Traumgedanken zurückführen, welches aber weder durch seine eigene

Wertigkeit noch durch Überdeterminierung Anspruch auf Aufnahme in den

Traum erheben könnte. Die psychische Funktion bei der Traumbildung, die

wir jetzt betrachten, erhebt sich, wie es scheint, nur im äußersten

Falle zu Neuschöpfungen; so lange es noch möglich ist, verwertet sie,

was sie Taugliches im Traummaterial auswählen kann.

Was dieses Stück der Traumarbeit auszeichnet und verrät, ist seine

Tendenz. Diese Funktion verfährt ähnlich, wie es der Dichter boshaft vom

Philosophen behauptet; mit ihren Fetzen und Flicken stopft sie die

Lücken im Aufbau des Traumes. Die Folge ihrer Bemühung ist, daß der

Traum den Anschein der Absurdität und Zusammenhanglosigkeit verliert und

sich dem Vorbilde eines verständlichen Erlebnisses annähert. Aber die

Bemühung ist nicht jedesmal vom vollen Erfolge gekrönt. Es kommen so

Träume zu stande, die für die oberflächliche Betrachtung tadellos

logisch und korrekt erscheinen mögen; sie gehen von einer möglichen

Situation aus, führen dieselbe durch widerspruchsfreie Veränderungen

fort und bringen es, wiewohl dies am seltensten, zu einem nicht

befremdenden Abschluß. Diese Träume haben die tiefgehendste Bearbeitung

durch die dem wachen Denken ähnliche psychische Funktion erfahren; sie

scheinen einen Sinn zu haben, aber dieser Sinn ist von der wirklichen

Bedeutung des Traumes auch am weitesten entfernt. Analysiert man sie, so

überzeugt man sich, daß hier die sekundäre Bearbeitung des Traumes am

freiesten mit dem Material umgesprungen ist, am wenigsten von dessen

Relationen beibehalten hat. Es sind das Träume, die sozusagen schon

einmal gedeutet worden sind, ehe wir sie im Wachen der Deutung

unterziehen. In anderen Träumen ist diese tendenziöse Bearbeitung nur

ein Stück weit gelungen; so weit scheint Zusammenhang zu herrschen, dann

wird der Traum unsinnig oder verworren, vielleicht um sich noch ein

zweites Mal in seinem Verlaufe zum Anschein des Verständigen zu erheben.

In anderen Träumen hat die Bearbeitung überhaupt versagt; wir stehen wie

hilflos einem sinnlosen Haufen von Inhaltsbrocken gegenüber.

Die Phantasien oder Tagträume.

Ich möchte dieser vierten, den Traum gestaltenden Macht, die uns ja bald

als eine bekannte erscheinen wird -- sie ist in Wirklichkeit die einzige

uns auch sonst vertraute unter den vier Traumbildnern; -- ich möchte

diesem vierten Moment also die Fähigkeit, schöpferisch neue Beiträge zum

Traume zu liefern, nicht peremptorisch absprechen. Sicherlich aber

äußert sich auch ihr Einfluß, wie der der anderen, vorwiegend in der

Bevorzugung und Auswahl von bereits gebildetem psychischen Material in

den Traumgedanken. Es gibt nun einen Fall, in dem ihr die Arbeit, an den

Traum gleichsam eine Fassade anzubauen, zum größeren Teil dadurch

erspart bleibt, daß im Material der Traumgedanken ein solches Gebilde,

seiner Verwendung harrend, bereits fertig vorgefunden wird. Das Element

der Traumgedanken, das ich im Auge habe, pflege ich als »_Phantasie_« zu

bezeichnen; ich gehe vielleicht Mißverständnissen aus dem Wege, wenn ich

sofort als das Analoge aus dem Wachleben den _Tagtraum_ namhaft

mache(178). Die Rolle dieses Elements in unserem Seelenleben ist von den

Psychiatern noch nicht erschöpfend erkannt und aufgedeckt worden; M.

_Benedikt_ hat mit dessen Würdigung einen, wie mir scheint,

vielversprechenden Anfang gemacht. Dem unbeirrten Scharfblicke der

Dichter ist die Bedeutung des Tagtraumes nicht entgangen; allgemein

bekannt ist die Schilderung, die A. _Daudet_ im _Nabab_ von den

Tagträumen einer der Nebenfiguren des Romans entwirft. Das Studium der

Psychoneurosen führt zur überraschenden Erkenntnis, daß diese Phantasien

oder Tagträume die nächsten Vorstufen der hysterischen Symptome --

wenigstens einer ganzen Reihe von ihnen -- sind; nicht an den

Erinnerungen selbst, sondern an den auf Grund der Erinnerungen

aufgebauten Phantasien hängen erst die hysterischen Symptome. Das

häufige Vorkommen bewußter Tagesphantasien bringt diese Bildungen

unserer Kenntnis nahe; wie es aber solche bewußte Phantasien gibt, so

kommen überreichlich unbewußte vor, die wegen ihres Inhaltes und ihrer

Abkunft vom verdrängten Material unbewußt bleiben müssen. Eine

eingehendere Vertiefung in die Charaktere dieser Tagesphantasien lehrt

uns, mit wie gutem Rechte diesen Bildungen derselbe Name zugefallen ist,

den unsere nächtlichen Denkproduktionen tragen, der Name: _Träume_. Sie

haben einen wesentlichen Teil ihrer Eigenschaften mit den Nachtträumen

gemein; ihre Untersuchung hätte uns eigentlich den nächsten und besten

Zugang zum Verständnis der Nachtträume eröffnen können.

(178) rêve, petit roman -- day-dream, story.

Wie die Träume sind sie Wunscherfüllungen; wie die Träume basieren sie

zum guten Teil auf den Eindrücken infantiler Erlebnisse; wie die Träume

erfreuen sie sich eines gewissen Nachlasses der Zensur für ihre

Schöpfungen. Wenn man ihrem Aufbaue nachspürt, so wird man inne, wie das

Wunschmotiv, das sich in ihrer Produktion betätigt, das Material, aus

dem sie gebaut sind, durcheinander geworfen, umgeordnet und zu einem

neuen Ganzen zusammengefügt hat. Sie stehen zu den Kindheitserinnerungen,

auf die sie zurückgehen, etwa in demselben Verhältnis wie

manche Barockpaläste Roms zu den antiken Ruinen, deren Quadern

und Säulen das Material für den Bau in moderneren Formen

hergegeben haben.

In der »sekundären Bearbeitung«, die wir unserem vierten traumbildenden

Moment gegen den Trauminhalt zugeschrieben haben, finden wir dieselbe

Tätigkeit wieder, die sich bei der Schöpfung der Tagträume ungehemmt von

anderen Einflüssen äußern darf. Wir könnten ohne weiteres sagen, dies

unser viertes Moment sucht aus dem ihm dargebotenen Material _etwas wie

einen Tagtraum_ zu gestalten. Wo aber ein solcher Tagtraum bereits im

Zusammenhang der Traumgedanken gebildet ist, da wird dieser Faktor der

Traumarbeit sich seiner mit Vorliebe bemächtigen und dahin wirken, daß

er in den Trauminhalt gelange. Es gibt solche Träume, die nur in der

Wiederholung einer Tagesphantasie, einer vielleicht unbewußt

gebliebenen, bestehen, so z. B. der Traum des Knaben, daß er mit den

Helden des Trojanischen Krieges im Streitwagen fährt. In meinem Traume

»_Autodidasker_« ist wenigstens das zweite Traumstück die getreue

Wiederholung einer an sich harmlosen Tagesphantasie über meinen Verkehr

mit dem Professor N. Es rührt aus der Komplikation der Bedingungen her,

denen der Traum bei seinem Entstehen zu genügen hat, daß häufiger die

vorgefundene Phantasie nur ein Stück des Traumes bildet, oder daß nur

ein Stück von ihr zum Trauminhalt hindurchdringt. Im ganzen wird dann

die Phantasie behandelt wie jeder andere Bestandteil des latenten

Materials; sie ist aber oft im Traume noch als Ganzes kenntlich. In

meinen Träumen kommen oft Partien vor, die sich durch einen von den

übrigen verschiedenen Eindruck hervorheben. Sie erscheinen mir wie

fließend, besser zusammenhängend und dabei flüchtiger als andere Stücke

desselben Traumes; ich weiß, dies sind unbewußte Phantasien, die im

Zusammenhange in den Traum gelangen, aber ich habe es nie erreicht, eine

solche Phantasie zu fixieren. Im übrigen werden diese Phantasien wie

alle anderen Bestandteile der Traumgedanken zusammengeschoben,

verdichtet, die eine durch die andere überlagert u. dgl.; es gibt aber

Übergänge von dem Falle, wo sie fast unverändert den Trauminhalt oder

wenigstens die Traumfassade bilden dürfen, bis zu dem entgegengesetzten

Falle, wo sie nur durch eines ihrer Elemente oder eine entfernte

Anspielung an ein solches im Trauminhalt vertreten sind. Es bleibt

offenbar auch für das Schicksal der Phantasien in den Traumgedanken

maßgebend, welche Vorteile sie gegen die Ansprüche der Zensur und des

Verdichtungszwanges zu bieten vermögen.

Phantasien im Traume. -- _Maurys_ Guillotinentraum.

Bei meiner Auswahl von Beispielen für die Traumdeutung bin ich Träumen,

in denen unbewußte Phantasien eine erheblichere Rolle spielen, möglichst

ausgewichen, weil die Einführung dieses psychischen Elements weitläufige

Erörterungen aus der Psychologie des unbewußten Denkens erfordert hätte.

Gänzlich umgehen kann ich jedoch die »Phantasie« auch in diesem

Zusammenhange nicht, da sie häufig voll in den Traum gelangt und noch

häufiger deutlich durch ihn durchschimmert. Ich will etwa noch einen

Traum anführen, der aus zwei verschiedenen, gegensätzlichen und einander

an einzelnen Stellen deckenden Phantasien zusammengesetzt erscheint, von

denen die eine die oberflächliche ist, die andere gleichsam zur Deutung

der ersten wird(179).

(179) Ein gutes Beispiel eines solchen, durch Übereinanderlagerung

mehrerer Phantasien entstandenen Traumes habe ich im »Bruchstück einer

Hysterieanalyse« 1905 analysiert. Übrigens habe ich die Bedeutung

solcher Phantasien für die Traumbildung unterschätzt, solange ich

vorwiegend meine eigenen Träume bearbeitete, denen seltener Tagträume,

meist Diskussionen und Gedankenkonflikte zu grunde liegen. Bei anderen

Personen ist die _volle Analogie des nächtlichen Traumes mit dem

Tagtraume_ oft viel leichter zu erweisen. Es gelingt häufig bei

Hysterischen eine Attacke durch einen Traum zu ersetzen; man kann sich

dann leicht überzeugen, daß für beide psychische Bildungen die

Tagtraumphantasie die nächste Vorstufe ist.

Der Traum lautet -- es ist der einzige, über den ich keine sorgfältigen

Aufzeichnungen besitze -- ungefähr so: Der Träumer -- ein

unverheirateter junger Mann -- sitzt in seinem, richtig gesehenen

Stammwirtshause; da erscheinen mehrere Personen, ihn abzuholen, darunter

eine, die ihn verhaften will. Er sagt zu seinen Tischgenossen: Ich zahle

später, ich komme wieder zurück. Aber die rufen hohnlächelnd: Das kennen

wir schon, das sagt ein jeder. Ein Gast ruft ihm noch nach: Da geht

wieder einer dahin. Er wird dann in ein enges Lokal geführt, wo er eine

Frauensperson mit einem Kinde auf dem Arme findet. Einer seiner

Begleiter sagt: Das ist der Herr Müller. Ein Kommissär oder sonst eine

Amtsperson blättert in einem Packe von Zetteln oder Schriften und

wiederholt dabei: Müller, Müller, Müller. Endlich stellt er an ihn eine

Frage, die er mit Ja beantwortet. Er sieht sich dann nach der

Frauensperson um und merkt, daß sie einen großen Bart bekommen hat.

Die beiden Bestandteile sind hier leicht zu sondern. Das Oberflächliche

ist eine _Verhaftungsphantasie_, sie scheint uns von der Traumarbeit neu

gebildet. Dahinter aber wird als das Material, das von der Traumarbeit

eine leichte Umformung erfahren hat, die _Phantasie der Verheiratung_

sichtbar, und die Züge, die beiden gemeinsam sein können, treten wieder

wie bei einer _Galton_schen Mischphotographie besonders deutlich hervor.

Das Versprechen des bisherigen Junggesellen, seinen Platz am Stammtische

wieder aufzusuchen, der Unglaube der durch viele Erfahrungen gewitzigten

Kneipgenossen, der Nachruf: Da geht (heiratet) wieder einer dahin, das

sind auch für die andere Deutung leicht verständliche Züge. Ebenso das

Jawort, das man der Amtsperson gibt. Das Blättern in einem Stoß von

Papieren, wobei man denselben Namen wiederholt, entspricht einem

untergeordneten, aber gut kenntlichen Zug aus den Hochzeitsfeierlichkeiten,

dem Vorlesen der stoßweise angelangten Glückwunschtelegramme,

die ja alle auf denselben Namen lauten. In dem persönlichen

Auftreten der Braut in diesem Traume hat sogar die Heiratsphantasie

den Sieg über die sie deckende Verhaftungsphantasie davongetragen.

Daß diese Braut am Ende einen Bart zur Schau trägt, konnte

ich durch eine Erkundigung -- zu einer Analyse kam es nicht --

aufklären. Der Träumer war Tags vorher mit einem Freunde, der ebenso

ehefeindlich ist wie er, über die Straße gegangen und hatte diesen

Freund auf eine brünette Schönheit aufmerksam gemacht, die ihnen

entgegen kam. Der Freund aber hatte bemerkt: Ja, wenn diese Frauen nur

nicht mit den Jahren Bärte bekämen wie ihre Väter.

Natürlich fehlt es auch in diesem Traume nicht an Elementen, bei denen

die Traumentstellung tiefer gehende Arbeit verrichtet hat. So mag die

Rede: »Ich werde später zahlen« auf das zu befürchtende Benehmen des

Schwiegervaters in Betreff der Mitgift zielen. Offenbar halten den

Träumer allerlei Bedenken ab, sich mit Wohlgefallen der Heiratsphantasie

hinzugeben. Eines dieser Bedenken, daß man mit der Heirat seine Freiheit

verliert, hat sich in der Umwandlung zu einer Verhaftungsszene

verkörpert.

Wenn wir nochmals darauf zurückkommen wollen, daß die Traumarbeit sich

gern einer fertig vorgefundenen Phantasie bedient, anstatt eine solche

aus dem Material der Traumgedanken erst zusammenzusetzen, so lösen wir

mit dieser Einsicht vielleicht eines der interessanten Rätsel des

Traumes. Ich habe auf p. 20 den Traum von _Maury_ erzählt, der, von

einem Brettchen im Genick getroffen, mit einem langen Traume, einem

kompletten Roman aus den Zeiten der großen Revolution, erwacht. Da der

Traum für zusammenhängend ausgegeben wird und ganz auf die Erklärung des

Weckreizes angelegt ist, von dessen Eintreffen der Schläfer nichts ahnen

konnte, so scheint nur die eine Annahme übrig zu bleiben, daß der ganze

reiche Traum in dem kurzen Zeitraume zwischen dem Auffallen des Brettes

auf _Maurys_ Halswirbel und seinem durch diesen Schlag erzwungenen

Erwachen komponiert worden und stattgefunden haben muß. Wir würden uns

nicht getrauen, der Denkarbeit im Wachen eine solche Raschheit

zuzuschreiben, und gelangten so dazu, der Traumarbeit eine

bemerkenswerte Beschleunigung des Ablaufes als Vorrecht zuzugestehen.

Gegen diese rasch populär gewordene Folgerung haben neuere Autoren (_Le

Lorrain_, _Egger_ u. a.) lebhaften Einspruch erhoben. Sie zweifeln teils

die Exaktheit des Traumberichtes von Seite _Maurys_ an, teils versuchen

sie darzutun, daß die Raschheit unserer wachen Denkleistungen nicht

hinter dem zurückbleibt, was man der Traumleistung ungeschmälert lassen

kann. Die Diskussion rollt prinzipielle Fragen auf, deren Erledigung mir

nicht nahe bevorzustehen scheint. Ich muß aber bekennen, daß die

Argumentation, z. B. _Eggers_, gerade gegen den Guillotinentraum

_Maurys_ mir keinen überzeugenden Eindruck gemacht hat. Ich würde

folgende Erklärung dieses Traumes vorschlagen: Wäre es denn so sehr

unwahrscheinlich, daß der Traum _Maurys_ eine Phantasie darstellt, die

in seinem Gedächtnis seit Jahren fertig aufbewahrt war und in dem Moment

geweckt -- ich möchte sagen: _angespielt_ -- wurde, da er den Weckreiz

erkannte? Es entfällt dann zunächst die ganze Schwierigkeit, eine so

lange Geschichte mit all ihren Einzelheiten in dem überaus kurzen

Zeitraume, der hier dem Träumer zur Verfügung steht, zu komponieren; sie

ist bereits komponiert. Hätte das Holz _Maurys_ Nacken im Wachen

getroffen, so wäre etwa Raum für den Gedanken gewesen: Das ist ja gerade

so, als ob man guillotiniert würde. Da er aber im Schlafe von dem Brette

getroffen wird, so benutzt die Traumarbeit den anlangenden Reiz rasch

zur Herstellung einer Wunscherfüllung, _als ob_ sie denken würde (dies

ist durchaus figürlich zu nehmen): »Jetzt ist eine gute Gelegenheit, die

Wunschphantasie wahr zu machen, die ich mir zu der und der Zeit bei der

Lektüre gebildet habe.« Daß der geträumte Roman gerade ein solcher ist,

wie ihn der Jüngling unter mächtig erregenden Eindrücken zu bilden

pflegt, scheint mir nicht bestreitbar. Wer hätte sich nicht gefesselt

gefühlt -- und zumal als Franzose und Kulturhistoriker -- durch die

Schilderungen aus der Zeit des Schreckens, in der der Adel, Männer und

Frauen, die Blüte der Nation, zeigte, wie man mit heiterer Seele sterben

kann, die Frische ihres Witzes und die Feinheit ihrer Lebensformen bis

zur verhängnisvollen Abberufung festhielt? Wie verlockend, sich da

mitten hinein zu phantasieren als einer der jungen Männer, die sich mit

einem Handkuß von der Dame verabschieden, um unerschrocken das Gerüst zu

besteigen! Oder wenn der Ehrgeiz das Hauptmotiv des Phantasierens

gewesen ist, sich in eine jener gewaltigen Individualitäten zu

versetzen, die nur durch die Macht ihrer Gedanken und ihrer flammenden

Beredsamkeit die Stadt beherrschen, in der damals das Herz der

Menschheit krampfhaft schlägt, die Tausende von Menschen aus Überzeugung

in den Tod schicken und die Umwandlung Europas anbahnen, dabei selbst

ihrer Häupter nicht sicher sind, und sie eines Tages unter das Messer

der Guillotine legen, etwa in die Rolle eines der Girondisten oder des

Heros _Danton_? Daß die Phantasie _Maurys_ eine solche ehrgeizige

gewesen ist, darauf scheint der in der Erinnerung erhaltene Zug

hinzuweisen »von einer unübersehbaren Menschenmenge begleitet.«

Diese ganze seit langem fertige Phantasie braucht aber während des

Schlafes auch nicht durchgemacht zu werden; es genügt, wenn sie

sozusagen »angetupft« wird. Ich meine das folgendermaßen: Wenn ein paar

Takte angeschlagen werden und jemand wie im »_Don Juan_« dazu sagt: Das

ist aus »_Figaros_ Hochzeit« von _Mozart_, so wogt es in mir mit einem

Male von Erinnerungen, aus denen sich im nächsten Moment nichts

Einzelnes zum Bewußtsein erheben kann. Das Schlagwort dient als

Einbruchsstation, von der aus ein Ganzes gleichzeitig in Erregung

versetzt wird. Nicht anders brauchte es im unbewußten Denken zu sein.

Durch den Weckreiz wird die psychische Station erregt, die den Zugang

zur ganzen Guillotinenphantasie eröffnet. Diese wird aber nicht noch im

Schlafe durchlaufen, sondern erst in der Erinnerung des Erwachten.

Erwacht, erinnert man jetzt in ihren Einzelheiten die Phantasie, an die

als Ganzes im Traume gerührt wurde. Man hat dabei kein Mittel zur

Versicherung, daß man wirklich etwas Geträumtes erinnert.

Beispiele von Phantasien im Traum.

Man kann dieselbe Erklärung, daß es sich um fertige Phantasien handelt,

die durch den Weckreiz als Ganzes in Erregung gebracht werden, noch für

andere auf den Weckreiz eingestellte Träume verwenden, z. B. für den

Schlachtentraum _Napoleons_ vor der Explosion der Höllenmaschine. Unter

den Träumen, welche _Justine Tobowolska_ in ihrer Dissertation über die

scheinbare Zeitdauer im Traume gesammelt hat, erscheint mir jener der

beweisendste, den _Macario_ (1857) von einem Bühnendichter, Casimir

Bonjour, berichtet(180). Dieser Mann wollte eines abends der ersten

Aufführung eines seiner Stücke beiwohnen, war aber so ermüdet, daß er

auf seinem Sitz hinter den Kulissen gerade in dem Moment einnickte, als

sich der Vorhang hob. In seinem Schlaf machte er nun alle fünf Akte

seines Stückes durch und beobachtete alle die verschiedenartigen Zeichen

von Ergriffenheit, welche die Zuhörer bei den einzelnen Szenen äußerten.

Nach der Beendigung der Vorstellung hörte er dann ganz selig, wie sein

Name unter den lebhaftesten Beifallsbezeigungen verkündet wurde.

Plötzlich wachte er auf. Er wollte weder seinen Augen noch seinen Ohren

trauen, die Vorstellung war nicht über die ersten Verse der ersten Szene

hinausgekommen; er konnte nicht länger als zwei Minuten geschlafen

haben. Es ist wohl nicht zu gewagt, für diesen Traum zu behaupten, daß

das Durcharbeiten der fünf Akte des Bühnenstückes und das Achten auf das

Verhalten des Publikums bei den einzelnen Stellen keiner Neuproduktion

während des Schlafes zu entstammen braucht, sondern eine bereits

vollzogene Phantasiearbeit in dem angegebenen Sinne wiederholen kann.

Die _Tobowolska_ hebt mit anderen Autoren als gemeinsame Charaktere der

Träume mit beschleunigtem Vorstellungsablauf hervor, daß sie besonders

kohärent erscheinen, gar nicht wie andere Träume, und daß die Erinnerung

an sie weit eher eine summarische als eine detaillierte ist. Dies wären

aber gerade die Kennzeichen, welche solchen fertigen, durch die

Traumarbeit angerührten Phantasien zukommen müßten, ein Schluß, welchen

die Autoren allerdings nicht ziehen. Ich will nicht behaupten, daß alle

Weckträume diese Erklärung zulassen oder daß das Problem des

beschleunigten Vorstellungsablaufes im Traume auf diese Weise überhaupt

wegzuräumen ist.

(180) _Tobowolska_, p. 53.

Die sekundäre Bearbeitung.

Es ist unvermeidlich, daß man sich hier um das Verhältnis dieser

sekundären Bearbeitung des Trauminhaltes zu den übrigen Faktoren der

Traumarbeit bekümmere. Geht es etwa so vor sich, daß die traumbildenden

Faktoren, das Verdichtungsbestreben, der Zwang der Zensur auszuweichen

und die Rücksicht auf Darstellbarkeit in den psychischen Mitteln des

Traumes vorerst aus dem Material einen vorläufigen Trauminhalt bilden,

und daß dieser dann nachträglich umgeformt wird, bis er den Ansprüchen

einer zweiten Instanz möglichst genügt? Das ist kaum wahrscheinlich. Man

muß eher annehmen, daß die Anforderungen dieser Instanz von allem

Anfange an eine der Bedingungen abgeben, denen der Traum genügen soll,

und daß diese Bedingung ebenso wie die der Verdichtung, der

Widerstandszensur und der Darstellbarkeit gleichzeitig auf das große

Material der Traumgedanken induzierend und auswählend einwirken. Unter

den vier Bedingungen der Traumbildung ist aber die letzterkannte

jedenfalls die, deren Anforderungen für den Traum am wenigsten zwingend

erscheinen. Die Identifizierung dieser psychischen Funktion, welche die

sogenannte sekundäre Bearbeitung des Trauminhaltes vornimmt, mit der

Arbeit unseres wachen Denkens ergibt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit

aus folgender Erwägung: Unser waches (vorbewußtes) Denken benimmt sich

gegen ein beliebiges Wahrnehmungsmaterial ganz ebenso wie die in Frage

stehende Funktion gegen den Trauminhalt. Es ist ihm natürlich, in einem

solchen Material Ordnung zu schaffen, Relationen herzustellen, es unter

die Erwartung eines intelligibeln Zusammenhanges zu bringen. Wir gehen

darin eher zu weit; die Kunststücke der Taschenspieler äffen uns, indem

sie sich auf diese unsere intellektuelle Gewohnheit stützen. In dem

Bestreben, die gebotenen Sinneseindrücke verständlich zusammenzusetzen,

begehen wir oft die seltsamsten Irrtümer oder fälschen selbst die

Wahrheit des uns vorliegenden Materials. Die hieher gehörigen Beweise

sind zu sehr allgemein bekannt, um breiter Anführung zu bedürfen. Wir

lesen über sinnstörende Druckfehler hinweg, indem wir das Richtige

illusionieren. Ein Redakteur eines vielgelesenen französischen Journals

soll die Wette gewagt haben, er werde in jeden Satz eines langen

Artikels durch den Druck einschalten lassen, »von vorn« oder »von

hinten«, ohne daß einer der Leser es bemerken würde. Er gewann die

Wette. Ein komisches Beispiel von falschem Zusammenhange ist mir vor

Jahren bei der Zeitungslektüre aufgefallen. Nach jener Sitzung der

französischen Kammer, in welcher _Dupuy_ durch das beherzte Wort: La

séance continue den Schreck über das Platzen der von einem Anarchisten

in den Saal geworfenen Bombe aufhob, wurden die Besucher der Galerie als

Zeugen über ihre Eindrücke von dem Attentat vernommen. Unter ihnen

befanden sich zwei Leute aus der Provinz, deren einer erzählte,

unmittelbar nach Schluß einer Rede habe er wohl eine Detonation

vernommen, aber gemeint, es sei im Parlament Sitte, jedesmal, wenn ein

Redner geendigt, einen Schuß abzufeuern. Der andere, der wahrscheinlich

schon mehrere Redner angehört hatte, war in dasselbe Urteil verfallen,

jedoch mit der Abänderung, daß solches Schießen eine Anerkennung, sei,

die nur nach besonders gelungenen Reden erfolge.

Es ist also wohl keine andere psychische Instanz als unser normales

Denken, welche an den Trauminhalt mit dem Anspruch herantritt, er müsse

verständlich sein, ihn einer ersten Deutung unterzieht und dadurch das

volle Mißverständnis desselben herbeiführt. Für unsere Deutung bleibt es

Vorschrift, den scheinbaren Zusammenhang im Traume, als seiner Herkunft

nach verdächtig, in allen Fällen unbeachtet zu lassen und vom Klaren wie

vom Verworrenen den gleichen Weg des Rückganges zum Traummaterial

einzuschlagen.

Wir merken aber dabei, wovon die oben, p. 245, erwähnte Qualitätenskala

der Träume von der Verworrenheit bis zur Klarheit wesentlich abhängt.

Klar erscheinen uns jene Traumpartien, an denen die sekundäre

Bearbeitung etwas ausrichten konnte, verworren jene anderen, wo die

Kraft dieser Leistung versagt hat. Da die verworrenen Traumpartien so

häufig auch die minder lebhaft ausgeprägten sind, so dürfen wir den

Schluß ziehen, daß die sekundäre Traumarbeit auch für einen Beitrag zur

plastischen Intensität der einzelnen Traumgebilde verantwortlich zu

machen ist.

Soll ich für die definitive Gestaltung des Traumes, wie sie sich unter

der Wirkung des normalen Denkens ergibt, irgendwo ein Vergleichsobjekt

suchen, so bietet sich mir kein anderes als jene rätselhaften

Inschriften, mit denen die »Fliegenden Blätter« solange ihre Leser

unterhalten haben. Für einen gewissen Satz, des Kontrastes halber dem

Dialekt angehörig und von möglichst skurriler Bedeutung, soll die

Erwartung erweckt werden, daß er eine lateinische Inschrift enthalte. Zu

diesem Zwecke werden die Buchstabenelemente der Worte aus ihrer

Zusammenfügung zu Silben gerissen und neu angeordnet. Hie und da kommt

ein echt lateinisches Wort zu stande, an anderen Stellen glauben wir

Abkürzungen solcher Worte vor uns zu haben, und an noch anderen Stellen

der Inschrift lassen wir uns mit dem Anscheine von verwitterten Partien

oder von Lücken der Inschrift über die Sinnlosigkeit der vereinzelt

stehenden Buchstaben hinwegtäuschen. Wenn wir dem Scherze nicht

aufsitzen wollen, müssen wir uns über alle Requisite einer Inschrift

hinwegsetzen, die Buchstaben ins Auge fassen und sie unbekümmert um die

gebotene Anordnung zu Worten unserer Muttersprache zusammensetzen.

Die sekundäre Bearbeitung ist jenes Moment der Traumarbeit, welches von

den meisten Autoren bemerkt und in seiner Bedeutung gewürdigt worden

ist. In heiterer Verbildlichung schildert H. _Ellis_ dessen Leistung

(Einleitung, p. 10):

»Wir können uns die Sache tatsächlich so denken, daß das

Schlafbewußtsein zu sich sagt: Hier kommt unser Meister, das

Wachbewußtsein, der ungeheuer viel Wert auf Vernunft, Logik u. dgl.

legt. Schnell! Faß die Dinge an, bringe sie in Ordnung, jede Anordnung

genügt -- ehe er eintritt, um vom Schauplatze Besitz zu ergreifen.«

Die Identität dieser Arbeitsweise mit der des wachen Denkens wird

besonders klar von _Delacroix_ (p. 526) behauptet:

»Cette fonction d'interprétation n'est pas particulière au rêve; c'est

le même travail de coordination logique que nous faisons sur nos

sensations pendent la veille.«

J. _Sully_ vertritt dieselbe Auffassung. Ebenso _Tobowolska_:

»Sur ces successions incohérentes d'hallucinations, l'esprit s'efforce

de faire le même travail de coordination logique qu'il fait pendant la

veille sur les sensations. Il relie entre elles par un lien imaginaire

toutes ces images décousues et bouche les écarts trop grands qui se

trouvaient entre elles« (p. 93).

Einige Autoren lassen diese ordnende und deutende Tätigkeit noch während

des Träumens beginnen und im Wachen fortgesetzt werden. So _Paulhan_

(p. 547):

»Cependant j'ai souvent pensé qu'il pouvait y avoir une certaine

déformation, ou plutôt reformation du rêve dans le souvenir . . . . La

tendence systématisante de l'imagination pourrait fort bien achever

après le réveil ce qu'elle a ébauché pendant le sommeil. De la sorte, la

rapidité réelle de la pensée serait augmentée en apparence par les

perfectionnements dus à l'imagination éveillée.«

_Leroy_ et _Tobowolska_ (p. 592):

»dans le rêve, au contraire, l'interprétation et la coordination se font

non seulement à l'aide des données du rêve, mais encore à l'aide de

celles de la veille . . . . .«

Es konnte dann nicht ausbleiben, daß dieses einzig erkannte Moment der

Traumbildung in seiner Bedeutung überschätzt wurde, so daß man ihm die

ganze Leistung, den Traum geschaffen zu haben, zuschob. Diese Schöpfung

sollte sich im Moment des Erwachens vollziehen, wie es _Goblot_ und noch

weitergehend _Foucault_ annehmen, die dem Wachdenken die Fähigkeit

zuschreiben, aus den im Schlaf auftauchenden Gedanken den Traum zu

bilden.

_Leroy_ et _Tobowolska_ sagen über diese Auffassung: »On a cru pouvoir

placer le rêve au moment du réveil et ils ont attribué à la pensée de la

veille la fonction de construire le rêve avec les images présentes dans

la pensée du sommeil.«

Das »funktionale Phänomen«.

An die Würdigung der sekundären Bearbeitung schließe ich die eines neuen

Beitrages zur Traumarbeit, den feinsinnige Beobachtungen von H.

_Silberer_ aufgezeigt haben. _Silberer_ hat, wie an anderer Stelle

erwähnt(181), die Umsetzung von Gedanken in Bilder gleichsam in

flagranti erhascht, indem er sich in Zuständen von Müdigkeit und

Schlaftrunkenheit zu geistiger Tätigkeit nötigte. Dann entschwand ihm

der bearbeitete Gedanke und an seiner Statt stellte sich eine Vision

ein, welche sich als der Ersatz des meist abstrakten Gedankens erwies.

(Siehe die Beispiele p. 256.) Bei diesen Versuchen ereignete es sich

nun, daß das auftauchende, einem Traumelement gleichzustellende Bild

etwas anderes darstellte als den der Bearbeitung harrenden Gedanken,

nämlich die Ermüdung selbst, die Schwierigkeit oder Unlust zu dieser

Arbeit, also den subjektiven Zustand und die Funktionsweise der sich

mühenden Person, anstatt des Gegenstandes ihrer Bemühung. _Silberer_

nannte diesen bei ihm recht häufig eintretenden Fall das »_funktionale_

Phänomen« zum Unterschiede von dem zu erwartenden »_materialen_«.

(181) Siehe p. 256.

»Z. B.: Ich liege eines Nachmittags äußerst schläfrig auf meinem Sofa,

zwinge mich aber, über ein philosophisches Problem nachzudenken. Ich

suche nämlich die Ansichten Kants und Schopenhauers über die Zeit zu

vergleichen. Es gelingt mir infolge meiner Schlaftrunkenheit nicht, die

Gedankengänge beider nebeneinander festzuhalten, was zum Vergleich nötig

wäre. Nach mehreren vergeblichen Versuchen präge ich mir noch einmal die

Kantische Ableitung mit aller Willenskraft ein, um sie dann auf die

Schopenhauersche Problemstellung anzuwenden. Hierauf lenke ich meine

Aufmerksamkeit der letzteren zu; als ich jetzt auf Kant zurückgreifen

will, zeigt es sich, daß er mir wieder entschwunden ist, vergebens

bemühe ich mich, ihn von neuem hervorzuholen. Diese vergebliche

Bemühung, die in meinem Kopf irgendwo verlegten Kant-Akten sogleich

wiederzufinden, stellt sich mir nun bei geschlossenen Augen plötzlich

wie im Traumbild als anschaulich-plastisches Symbol dar: Ich verlange

eine Auskunft von einem mürrischen Sekretär, der, über einen

Schreibtisch gebeugt, sich durch mein Drängen nicht stören läßt. Sich

halb aufrichtend, blickt er mich unwillig und abweisend an« (p. 314).

Andere Beispiele, die sich auf das Schwanken zwischen Schlaf und Wachen

beziehen:

»Beispiel Nr. 2. -- Bedingungen: Morgens beim Erwachen. In einer

gewissen Schlaftiefe (Dämmerzustand) über einen vorherigen Traum

nachdenkend, ihn gewissermaßen nach- und austräumend, fühle ich mich dem

Wachbewußtsein näher kommend, ich will jedoch in dem Dämmerzustand noch

verbleiben.

Szene: Ich schreite mit einem Fuß über einen Bach, ziehe ihn aber

alsbald wieder zurück, trachte herüben zu bleiben« (p. 625).

»Beispiel Nr. 6. -- Bedingungen wie im Beispiele Nr. 4. (Er will noch

ein wenig liegen bleiben, ohne zu verschlafen.) Ich will mich noch ein

wenig dem Schlafe hingeben.

Szene: Ich verabschiede mich von jemand und vereinbare mit ihm (oder

ihr), ihn (sie) bald wieder zu treffen.«

Das »funktionale« Phänomen, die »Darstellung des Zuständlichen anstatt

des Gegenständlichen« beobachtete _Silberer_ wesentlich unter den zwei

Verhältnissen des Einschlafens und des Aufwachens. Es ist leicht zu

verstehen, daß nur der letztere Fall für die Traumdeutung in Betracht

kommt. _Silberer_ hat an guten Beispielen gezeigt, daß die Endstücke des

manifesten Inhaltes vieler Träume, an die das Erwachen unmittelbar

anschließt, nichts anderes darstellen als den Vorsatz oder den Vorgang

des Erwachens selbst. Dieser Absicht dient: das Überschreiten einer

Schwelle (»Schwellensymbolik«), das Verlassen eines Raumes, um einen

anderen zu betreten, das Abreisen, Heimkommen, die Trennung von einem

Begleiter, das Eintauchen in Wasser und anderes.

Es ist keineswegs undenkbar oder unwahrscheinlich, daß diese

»Schwellensymbolik« auch für manche Elemente mitten im Zusammenhange

eines Traumes aufklärend würde, z. B. an Stellen, wo es sich um

Schwankungen der Schlaftiefe und Neigung, den Traum abzubrechen,

handelte. Doch sind gesicherte Beispiele für dieses Vorkommen noch nicht

erbracht. Häufiger scheint der Fall der Überdeterminierung vorzuliegen,

daß eine Traumstelle, welche ihren materialen Inhalt aus dem Gefüge der

Traumgedanken bezieht, _überdies_ zur Darstellung von etwas

Zuständlichem an der seelischen Tätigkeit verwendet wurde.

Das sehr interessante funktionale Phänomen _Silberers_ hat ohne

Verschulden seines Entdeckers viel Mißbrauch herbeigeführt, indem die

alte Neigung zur abstrakt-symbolischen Deutung der Träume eine Anlehnung

an dasselbe gefunden hat. Die Bevorzugung der »funktionalen Kategorie«

geht bei manchen so weit, daß sie vom funktionalen Phänomen sprechen, wo

immer intellektuelle Tätigkeiten oder Gefühlsvorgänge im Inhalt der

Traumgedanken vorkommen, obwohl dieses Material nicht mehr und nicht

weniger Anrecht hat, als Tagesrest in den Traum einzugehen, als alles

andere.

Wir wollen anerkennen, daß die _Silberer_schen Phänomene einen zweiten

Beitrag zur Traumbildung von Seite des Wachdenkens darstellen, welcher

allerdings minder konstant und bedeutsam ist als der erste, unter dem

Namen »sekundäre Bearbeitung« eingeführte. Es hatte sich gezeigt, daß

ein Stück der bei Tage tätigen Aufmerksamkeit auch während des

Schlafzustandes dem Traume zugewendet bleibt, ihn kontrolliert,

kritisiert und sich die Macht vorbehält, ihn zu unterbrechen. Es hat uns

nahe gelegen, in dieser wachgebliebenen seelischen Instanz den Zensor zu

erkennen, dem ein so starker eindämmender Einfluß auf die Gestaltung des

Traumes zufällt. Was die Beobachtungen von _Silberer_ dazugeben, ist die

Tatsache, daß unter Umständen eine Art von Selbstbeobachtung dabei

mittätig ist und ihren Beitrag zum Trauminhalt liefert. Über die

wahrscheinlichen Beziehungen dieser selbstbeobachtenden Instanz, die

besonders bei philosophischen Köpfen vordringlich werden mag, zur

endopsychischen Wahrnehmung, zum Beachtungswahn, zum Gewissen und zum

Traumzensor geziemt es sich, an anderer Stelle zu handeln(182).

(182) Zur Einführung des Narzissmus. Jahrbuch der Psychoanalyse, VI,

1914.

Das unbewußte Denken und die Traumarbeit.

Ich gehe nun daran, diese ausgedehnten Erörterungen über die Traumarbeit

zu resümieren. Wir fanden die Fragestellung vor, ob die Seele alle ihre

Fähigkeiten in ungehemmter Entfaltung an die Traumbildung verwende oder

nur einen in seiner Leistung gehemmten Bruchteil derselben. Unsere

Untersuchungen leiten uns dazu, solche Fragestellung überhaupt als den

Verhältnissen inadäquat zu verwerfen. Sollen wir aber bei der Antwort

auf demselben Boden bleiben, auf den uns die Frage drängt, so müssen wir

beide einander scheinbar durch Gegensatz ausschließenden Auffassungen

bejahen. Die seelische Arbeit bei der Traumbildung zerlegt sich in zwei

Leistungen: die Herstellung der Traumgedanken und die Umwandlung

derselben zum Trauminhalt. Die Traumgedanken sind völlig korrekt und mit

allem psychischen Aufwand, dessen wir fähig sind, gebildet; sie gehören

unserem nicht bewußt gewordenen Denken an, aus dem durch eine gewisse

Umsetzung auch die bewußten Gedanken hervorgehen. So viel an ihnen auch

wissenswert und rätselhaft sein möge, diese Rätsel haben doch keine

besondere Beziehung zum Traume und verdienen nicht, unter den

Traumproblemen behandelt zu werden. Hingegen ist jenes andere Stück

Arbeit, welches die unbewußten Gedanken in den Trauminhalt verwandelt,

dem Traumleben eigentümlich und für dasselbe charakteristisch. Diese

eigentliche Traumarbeit entfernt sich nun von dem Vorbilde des wachen

Denkens viel weiter, als selbst die entschiedensten Verkleinerer der

psychischen Leistung bei der Traumbildung gemeint haben. Sie ist nicht

etwa nachlässiger, inkorrekter, vergeßlicher, unvollständiger als das

wache Denken; sie ist etwas davon qualitativ völlig Verschiedenes und

darum zunächst nicht mit ihm vergleichbar. Sie denkt, rechnet, urteilt

überhaupt nicht, sondern sie beschränkt sich darauf, umzuformen. Sie

läßt sich erschöpfend beschreiben, wenn man die Bedingungen ins Auge

faßt, denen ihr Erzeugnis zu genügen hat. Dieses Produkt, der Traum,

soll vor allem der _Zensur_ entzogen werden und zu diesem Zwecke bedient

sich die Traumarbeit der _Verschiebung der psychischen Intensitäten_ bis

zur Umwertung aller psychischen Werte; es sollen Gedanken ausschließlich

oder vorwiegend in dem Material visueller und akustischer

Erinnerungsspuren wiedergegeben werden, und aus dieser Anforderung

erwächst für die Traumarbeit die _Rücksicht auf Darstellbarkeit_, der

sie durch neue Verschiebungen entspricht. Es sollen (wahrscheinlich)

größere Intensitäten hergestellt werden, als in den Traumgedanken

nächtlich zur Verfügung stehen, und diesem Zwecke dient die ausgiebige

_Verdichtung_, die mit den Bestandteilen der Traumgedanken vorgenommen

wird. Auf die logischen Relationen des Gedankenmaterials entfällt wenig

Rücksicht; sie finden schließlich in _formalen_ Eigentümlichkeiten der

Träume eine versteckte Darstellung. Die Affekte der Traumgedanken

unterliegen geringeren Veränderungen als deren Vorstellungsinhalt. Sie

werden in der Regel unterdrückt; wo sie erhalten bleiben, von den

Vorstellungen abgelöst und nach ihrer Gleichartigkeit zusammengesetzt.

Nur ein Stück der Traumarbeit, die in ihrem Ausmaße inkonstante

Überarbeitung durch das zum Teil geweckte Wachdenken, fügt sich etwa der

Auffassung, welche die Autoren für die gesamte Tätigkeit der

Traumbildung geltend machen wollten.

Die Traumdeutung · 第 50 / 57 题