Der Jubel der Zuschauer, als die beiden jungen Athleten den

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Gerstäcker

Der Kunstreiter

1. Band

Bosse & Co., Hamburg

1914

1.

Auf der Hauptpromenade der Residenzstadt *** herrschte heute, bei dem

außerordentlich freundlichen und warmen Wetter, reges Leben. Dieser

Platz lag am entferntesten von dem Meßtreiben, das gerade jetzt die

übrige Stadt erfüllte, und zahlreiche Equipagen fuhren auf und ab,

während das schattige Laub der Parkanlagen selbst eine Menge Fußgänger

angelockt hatte. Da kam plötzlich eine ganz ungewohnte Bewegung in die

vor wenigen Minuten noch so ruhig Promenierenden. Ein großer Volkshaufe

wälzte sich von oben die breite Hauptstraße herab, und die Equipagen

drehten um und fuhren aus dem Wege, während die meisten der Fußgänger

dem Schwarme ebenfalls auszuweichen suchten.

Zwei junge Damen, von einem Kürassieroffizier begleitet, blieben

unschlüssig stehen und sahen den Weg hinauf.

»Wenn wir zurückgehen,« sagte die ältere von ihnen, »so verfehlen wir

jedenfalls Papa, der gerade in dieser Stunde aus dem Ministerium kommt,

und wir haben versprochen, ihm bis hierher entgegen zu gehen. Was kann

das nur sein?«

»Jedenfalls irgend ein Meßzug,« erwiderte der Offizier, »wenn wir einen

Augenblick in der Veranda jenes Cafés Schutz suchen, wird sich die Menge

vorüberwälzen und verlaufen.«

Unter der mit allen möglichen Blumen und Pflanzen der Tropenwelt

geschmückten Veranda fand sich so nach und nach in gleicher Absicht eine

zahlreiche Gesellschaft von Herren und Damen ein, und wie sich dort

eine Menge Bekannte trafen, sammelten sich plaudernd und lachend kleine

Gruppen.

Unter einem in vollen Blüten prangenden Granatbaume hatte sich die

junge, reizende Komtesse Melanie, die Tochter des Kriegsministers von

Ralphen, mit ihrer jüngeren Schwester auf ein paar leichte Rohrfauteuils

niedergelassen. Der Menschenschwarm stockte oben in der Straße, und es

dauerte eine Zeitlang, bis er sich wieder in Bewegung setzte. Die

junge Komtesse hielt einen Becher mit Erdbeer-Gefrorenem in den zarten

Fingern, nur langsam dann und wann daran kostend, und neben ihr, beide

Hände auf den zwischen seinen Knieen stehenden Pallasch gestützt, saß

Graf Wolf von Geyerstein, Rittmeister eines Kürassier-Regiments

in ***schen Diensten. Graf Geyerstein stammte aus einer alten,

norddeutschen Familie und war ein deutscher Edelmann im schönsten Sinne

des Wortes. Von ernstem, für seine Jahre vielleicht zu ernstem Wesen,

mischte er sich dabei selten oder nie in die leichtfertigen Vergnügungen

der Kameraden, und wenn ihn auch manche für stolz und kalt hielten,

schlug doch ein für alles Gute warmes Herz in seiner Brust.

In diesem Augenblicke hatte aber die reizende Plauderin an seiner Seite

den Ernst aus den edlen Zügen gebannt. Das offene, dunkle Auge hing

lächelnd an den Lippen der schönen Nachbarin und lauschte, weniger dem

Sinn, als dem Klange der Worte, die wie das Rauschen eines murmelnden

Waldquells zu ihm drangen.

»Aber nun sagen Sie mir um Gottes willen, an was Sie jetzt gedacht

haben!« unterbrach sich da Melanie, indem sie ihren kleinen Teller

senkte und sich halb gegen ihren Nachbar wandte.

»Ich, Komtesse?« rief der Graf, halb erschreckt wie aus einem Traume

auffahrend, und er fühlte dabei, daß er errötete, »wahrhaftig nur an

Sie.«

»An mich?« sagte die Dame, ungläubig mit dem Kopfe schüttelnd, »und

zweimal habe ich Sie indes gefragt, ob Sie den jungen Grafen Selikoff

schon gesprochen, ohne daß Sie mir auch nur mit einer Silbe geantwortet

hätten.«

»Und doch war ich nur bei Ihnen,« entgegnete mit herzlichem Tone der

junge Mann. »Zürnen Sie mir nicht, daß ich den Sinn der gleichgültigen

Frage dabei überhörte.«

»Gleichgültige Frage?« lachte die Komtesse, »und woher wissen Sie,

Herr Rittmeister, daß mir die Frage oder vielmehr deren Beantwortung

gleichgültig war? -- Aber ich sehe, Sie sind heute wieder in einer

verzweifelten Stimmung. Man muß erstaunliche Geduld mit Ihnen haben.«

»Und nicht wahr, Komtesse, _die_ fehlt Ihnen?« lächelte der Graf.

»Darüber können _Sie_ sich wahrlich nicht beklagen, und ich weiß gar

nicht -- aber was ist das?« unterbrach sich die junge Dame im nächsten

Augenblicke selbst, als jene lärmende, wogende Menschenmenge die Straße

herunter drängte. Einzelne Trompetenstöße wurden dazwischen laut, und

der Graf selber horchte erstaunt auf.

»Ach, das ist herrlich!« rief die Komtesse Rosalie, Melanies jüngere

Schwester, »das muß die Kunstreiter- und Seiltänzergesellschaft sein,

Monsieur Bertrand mit seiner Truppe, der seine Tour durch die Residenz

macht, um sich dem Publikum vorzustellen. Letzte Woche hat er auf

dem hochgespannten Seile getanzt, und diesen Abend wird die erste

Vorstellung in dem erst heute fertig gewordenen Zirkus sein.«

»Du bist ja sehr genau unterrichtet,« lächelte Melanie. »Haben Sie

diesen Monsieur Bertrand schon gesehen, Herr Graf? Er soll in seiner

Kunst ganz Ausgezeichnetes leisten.«

»Noch nicht, Komtesse,« erwiderte der junge Mann. »Ich liebe derartige

Kunststücke nicht, und das Seiltanzen vor allem ist mir das Verhaßteste,

Entwürdigendste für den Menschen.«

»Und weshalb? Gehört nicht ein außergewöhnlicher Mut dazu, um sein Leben

in schwindelnder Höhe auf dem schwanken Seil zu wagen?«

»Es ist das kein Mut mehr, den ich in dem _Manne_ gewiß ehren würde,«

erwiderte der Rittmeister, »sondern nur eine verzweifelte Tollkühnheit,

welche Glieder und Leben um wenige Taler, oft um Groschen preisgibt;

ja nicht selten sogar kaum mehr als feige Furcht, durch _Arbeit_ eine

Existenz erringen zu müssen, die jedenfalls ehrenvoller wäre als solch

ein Dasein.«

»Sie urteilen zu streng.«

»Ich glaube kaum. Es ist wenigstens meine Ueberzeugung.«

»Und doch fühlen sich die Menschen glücklich in ihrem Berufe.«

»Das kann ich mir kaum denken,« erwiderte kopfschüttelnd der Graf.

»Aeußerlich mag es allerdings so scheinen; wer sie aber beobachten

könnte, wenn sie sich unbeachtet wissen, möchte doch wohl ein anderes

Urteil über sie fällen. Aber da kommen sie; ich kann wenigstens die

wallenden Federn des Baretts oder Helms erkennen.«

Hunderte von Menschen drängten indessen lachend und erzählend vorbei,

mit dem Zuge zu gehen und den Marsch mit anzuhören, den das gemietete

Musikkorps blies, während andere wieder stehen blieben, die wunderlich

gekleideten Gestalten an sich vorbei passieren zu lassen. So etwas sahen

sie nicht alle Tage.

Und macht es nicht einen gar eigentümlichen Eindruck auf den Zuschauer,

plötzlich, in dem wirklichen, bestimmt ausgesprochenen Alltagsleben,

das ihn nach allen Seiten umgibt, und in dem ihn das geringste

Außergewöhnliche schon störte, ja selbst im hellen, lichten Sonnenschein

phantastisch aufgeputzten und geschminkten Menschen zu begegnen?

Die unteren Schichten der Bevölkerung, mit den Kindern, freuen sich

allerdings darüber. Sie sehen nur die äußere Hülle, das Flittergold

und die wallenden Federn, die gestickten Wämser und bunten Farben. Den

Gebildeten überkommt bei solchem Anblick aber fast immer ein eigenes

unbehagliches Gefühl -- nicht der Bewunderung etwa, sondern eher des

Mitleids mit den Unglücklichen, die solcher Art, in ihrem glänzenden

Elend, äußerlich stolz und guter Dinge, doch nur -- »an der menschlichen

Gesellschaft vorüber -- den Pranger reiten.«

Weit anders ist es mit der Bühne. Hier wird uns ein abgerundetes und

in sich fest stehendes Kunstwerk von _Künstlern_ vorgeführt, und

die phantastischen Trachten, die durch die Kulissen ihren wahren

Hintergrund, durch die Lichter ihre richtige Beleuchtung erhalten,

stören uns nicht, ja, sind sogar nötig, die Täuschung zu vollenden,

die uns in andere Zeiten, andere Sitten versetzen soll. Ich rede hier

freilich nicht von jener Entweihung der Kunst, dem neu aufgekommenen

Unfug der Sommertheater, die zu den »Kunstreitern« schon den Uebergang

bilden. -- Hier dagegen, wo die Häuser, in denen wir selber wohnen,

den Hintergrund formen und wir in eigener Person, sobald solche

abenteuerliche Gestalten zwischen uns und aus ihrem Rahmen heraustreten,

Mitspieler in dem Drama werden, schaut uns der _Ernst_ des Lebens nur so

viel greller aus solchem Spottgebild entgegen.

Aber ähnliche Gedanken erfüllen schwerlich die Herzen der lärmenden

Schar, die gerade jetzt die Straße heraufgezogen kam, bis dicht am

Café francais vorüber, von wo aus man den bunten Trupp vollkommen gut

übersehen konnte. Wenn auch das Volk -- Arbeiter, Kindermädchen und

Müßiggänger -- einen festen Wall an der Seite bildete, so ragten die

berittenen und phantastisch geschmückten Gestalten doch über die Köpfe

dieser hoch hinaus. Voran ritten dem Zuge zwölf Trompeter in roten,

abgetragenen und verschossenen, mit unechten Borden besetzten Uniformen,

ungeschickte, hohe Tschakos mit roten und weißen Federbüschen auf dem

Kopfe, und bliesen einen schmetternden Marsch. Der Zug wollte _gesehen_

werden, und je mehr Lärm sie deshalb machten, desto besser. Unmittelbar

hinter diesen folgte der Herr der Schar, der berühmte Monsieur Bertrand,

in einem reichbesetzten, schwarzsamtnen Waffenrock, ein schwarzes Barett

auf dem Kopfe mit wallenden schneeweißen Straußenfedern, die von einer

mit jedenfalls unechten Steinen besetzten Agraffe gehalten wurde. Es

war eine hohe, männliche Gestalt, mit edlen Zügen, so weit sich diese

nämlich unter dem nach vorn gerückten Barett und dem vollen Bart

erkennen ließen. Ernst und schweigend blickte der Reiter aber auf den

Kopf seines Rappen nieder, der unter ihm sprang und tanzte; weder nach

rechts noch links schaute er hinüber und schien die ihn umtobende,

jauchzende Menge so wenig zu hören, als ob er allein durch eine Wüste

ritte.

Den Gegensatz zu ihm bildete ein wunderschönes Weib an seiner Seite.

Eine wahrhaft junonische Gestalt, mit Augen voll Glut und Leben und

in feuerfarbene goldgestickte Seide gekleidet, bändigte sie den wilden

Fuchs, den sie ritt, doch mit der kleinen Hand so kräftig und hielt ihn

so fest im Zügel, daß er seinen Platz innehalten mußte, er mochte wollen

oder nicht. Dabei neigte sie sich mit holdem Lächeln bald hier, bald

da hinüber, einem oder dem andern der Grüßenden zu danken, und nichts

entging dem scharfen Blick der kühnen Reiterin.

Die Gesellschaft, die bis dahin in der Veranda des Cafés gesessen,

war aufgestanden, um den Zug besser übersehen zu können, und Komtesse

Melanie sagte jetzt: »Das ist die sogenannte schöne Georgine, die Frau

des Seiltänzers. Sehen Sie nur, Herr Graf, wie sie so keck nach uns

herüberschaut.« Ihr Nachbar erwiderte kein Wort, und als sie sich

erstaunt nach ihm umwandte, hielt er den Blick fest und starr auf die

Gruppe geheftet -- ja, es schien ihr fast, als ob alles Blut seine

Wangen verlassen hätte.

»Ei, ei, Herr Rittmeister!« flüsterte die schöne Komtesse, während

ihr ein Gefühl durch das Herz zuckte, von dem sie sich selber keine

Rechenschaft geben konnte oder wollte, »wie mir scheint, haben sie dort

drüben eine alte Bekanntschaft entdeckt.«

»Ich glaubte es im Anfange, Komtesse, aber ich habe mich geirrt. Es war

nur eine Aehnlichkeit, wie man sie ja so oft im Leben findet.«

Wildes Jauchzen und Geschrei, sowie Lachen und Jubeln der Masse

übertönte in diesem Augenblick seine Worte, denn hinter dem Zuge, der

gerade jetzt vorüber war, kam der Hanswurst der Truppe in buntscheckigem

Anzuge, die weiße spitze Filzmütze auf dem Kopf, das Gesicht auf die

grellste Weise bemalt, auf einem kleinen Pony nachgeritten. Auf diesem

aber führte er die groteskesten Künste aus: bald stand er auf dem Kopf,

bald überschlug er sich, bald war er unten und fuhr mit seiner Pritsche

unter die kreischend zurückdrängende Straßenjugend, während er im

nächsten Augenblick wieder rittlings auf seinem Tiere saß und den

Nachspringenden Gesichter schnitt. Das Volk schrie und jauchzte dabei

vor Vergnügen, und selbst die in dem Gedränge mitgehenden Polizeidiener

vergaßen für kurze Zeit ihren sonstigen Ernst und lächelten.

Mit dem Hanswurst wogte aber auch der Menschenschwarm vorüber, und wie

die Trompeten in weiter Ferne verklangen, nahm die Straße wieder

ihren früheren ruhigen Charakter an. Ein paar Freundinnen der Komtesse

Melanie, die sich ebenfalls vor dem Gedränge hierher geflüchtet hatten,

beschäftigten die junge Dame jetzt vollkommen, da es galt, den Besuch

der heutigen Vorstellung Monsieur Bertrands zu bereden. Außerdem ging

das sehr interessante Gerücht, das die beiden Damen mitbrachten,

der tollkühne Mensch habe sich erboten, zwischen den Türmen der

Katharinenkirche ein Seil zu spannen und dort oben seine Künste zu

zeigen. Der Magistrat hätte es aber bis jetzt noch nicht gestattet, und

man glaubte, er wolle sich deshalb an den Fürsten selber wenden.

Der Kriegminister von Ralphen, der versprochen hatte, seinen Töchtern

hier zu begegnen, kam jetzt ebenfalls die Straße herunter und ging,

als er den Rittmeister von Geyerstein erkannte, auf ihn zu, um ihn zu

begrüßen.

»Ach, Papa,« bat die Komtesse Rosalie, die sich schmeichelnd an seinen

Arm hing, »heut' abend ist die erste Vorstellung Monsieur Bertrands im

Zirkus, und es soll so hübsch werden. Dürfen wir hin?«

»Recht gern, mein liebes Kind,« sagte der alte Herr freundlich, indem er

ihre Stirn streichelte, »und deine Mutter wird euch gewiß begleiten.

Ich selber bin leider durch eine Sitzung verhindert, die meine Zeit

wenigstens bis neun Uhr in Anspruch nimmt, und doch möchte ich euch

nicht gern ohne männlichen Schutz an solchem Platze wissen.«

»O, dann begleitet uns Graf Geyerstein!« rief die lebhafte Rosalie, halb

bittend, halb fragend zu dem Rittmeister aufschauend. »Ich habe überdies

ein Vielliebchen von ihm gewonnen, das er noch einlösen muß, und setze

es jetzt zum Pfand.«

»Sie sind zu gnädig, Komtesse,« lächelte mit einer leichten Verbeugung

der junge Mann, »mir eine solche Ehre als Buße aufzuerlegen. Ich stehe

natürlich den Damen mit Vergnügen zu Diensten -- wenn Exzellenz es

gestatten.«

»Ich bin Ihnen dankbar dafür, lieber Geyerstein,« nickte ihm der alte

Herr zu, »und da es gerade mit der Zeit zusammentrifft, so speisen

Sie heute mittag bei uns, und fahren dann mit den Damen nach dem Diner

hinüber in den Zirkus. Das wäre also abgemacht, Kinder, und da sich die

Menge jetzt verlaufen hat, denk' ich, wir gehen nach Hause. Es ist spät

geworden, und eure Mutter wird euch erwarten.«

2.

Mitten auf dem breiten Landgrafenplatz stand eine mächtige runde

bretterne Bude, von deren spitzer Zinne die französische Trikolore

wehte. Das Innere derselben war übrigens geschmackvoll dekoriert und mit

Gas erleuchtet, und an der Kasse für den ersten und zweiten Platz saß

ein bildhübsches junges Mädchen, die Billetts auszugeben. -- Nur etwas

zu hell fiel das Gaslicht auf die leicht geschminkten Wangen und die

nachgemachten, an einigen Stellen schon etwas zerknickten Blumen, die

ihren Kopfschmuck bildeten.

Das Publikum beteiligte sich indessen sehr bedeutend an diesem

ersten Abend, für den auf riesengroßen, farbigen Anschlagzetteln

Außerordentliches versprochen worden. Die dritte Galerie war schon

eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung bis in ihre letzten Räume

gefüllt, während noch umsonst nach Billetts rufende Scharen vor dem

Schiebfenster unter der schmalen, dort hinaufführenden Holztreppe

standen.

Auch die erste und zweite Galerie füllte sich rasch, und manche Equipage

fuhr sogar vor, der Damen in glänzender Toilette entstiegen. Monsieur

Bertrand, über den man sich in der Residenz die abenteuerlichsten Dinge

erzählte, war eben Mode geworden, und da es gerade in dieser Zeit,

besonders in den höheren Kreisen, an Stoff zur Unterhaltung fehlte, so

wollte niemand versäumen, ihn zu sehen.

Oben auf der über dem Eingange für die Pferde angebrachten Tribüne hatte

sich das Musikkorps gesammelt, das heute morgen auch den Umzug durch

die Stadt anführen mußte, und die Leute stimmten ihre Instrumente

und tranken Bier dazu. In der Reitbahn selber, die durch einen

improvisierten Kronleuchter und zahlreiche Flammen an den Seitensäulen

reichlich erhellt wurde, kehrten eben ein paar Stallknechte den Kreis,

und ein Mann in hohen Kanonenstiefeln und einem Reitfrack, eine lange

Peitsche in der Hand, kam herein, um zu sehen, ob alles in Ordnung wäre.

»Ist er _das_?« flüsterte es hier und da, aber die Antwort fiel

verneinend aus. Es war nur einer der Leute, ein Bereiter -- so sah er

wenigstens aus -- irgend jemand aus dem untergeordneten Personal der

Gesellschaft. Die Familie des Kriegsministers von Ralphen erschien

gerade und nahm eben ihre Plätze auf der zweiten Bank ein, als die

dritte Galerie in ein schallendes Gelächter und lauten Jubel

ausbrach. Der Hanswurst sprang nämlich, sich fünf- oder sechsmal dabei

überschlagend, eben in den Zirkus und warf sich dem dort sehr ernsthaft

befehlenden Stallmeister oder Bereiter so geschickt zwischen die Füße,

daß dieser auf ihn zu sitzen kam und durch den Wurf die Balanze verlor.

Er fiel wenigstens hinterrücks in den Sand, und während er unter dem

Gejauchze der Menge wieder aufsprang und den flüchtenden Hanswurst mit

der Peitsche zu treffen suchte, benutzte dieser die anscheinend darüber

sehr entrüsteten Stallknechte, sich hinter ihnen zu verbergen und sie

die nach ihm gezielten Hiebe auffangen zu lassen.

Der Bajazzo hatte jedenfalls die Sympathien der dritten Galerie und der

Kinder für sich; aber auch selbst den Ernstesten entlockte er mit seiner

grotesken Malerei und Gliedergewandheit ein Lächeln. Sein Alter ließ

sich allerdings in den dick mit weißer und roter Farbe bestrichenen

Zügen nicht erkennen, aber seine Figur war schlank und schmächtig,

und die kleinen blitzenden Augen behielten selbst unter den bis zur

Verzerrung gemalten Brauen ihre scharfe Lebendigkeit. Die ganze Szene

hatte übrigens nur dazu dienen sollen, die Aufmerksamkeit des Publikums

kurze Zeit zu beschäftigen, und noch während des Umherspringens und

Ausweichens des Bajazzos flog plötzlich ein kleines weißes Pony in

gestrecktem Galopp über die niedere Eingangsbarriere und mitten in

den Zirkus hinein. Auf seinem Rücken aber saß ein kleines, vielleicht

siebenjähriges, als Elfe gar phantastisch gekleidetes Mädchen.

Stallknechte, Bajazzo und Stallmeister stoben blitzschnell auseinander,

und während das Pony den Zirkus durchflog, war die jugendliche Reiterin

in die Höhe gesprungen und grüßte, auf dem breiten Sattel stehend,

freundlich lächelnd nach allen Seiten hinüber. Sie trug fleischfarbene

Trikots, ein kurzes, leichtes rosa Röckchen von durchsichtigem Stoff,

das Kleidchen dabei tief ausgeschnitten, und an den halbnackten

Schultern ein Paar buntfarbige Flügel, handhabte auch ihr zierliches Roß

vortrefflich und zeigte eine für ihre Jahre außerordentliche Uebung.

Die Frauen waren ganz entzückt von dem kleinen Wesen, das in jeder

seiner Bewegungen -- nur nicht im Körper selber -- erwachsen schien.

Zum äußersten kokett und überlegen, grüßte und winkte sie bald da,

bald dorthin, trieb ihr Pferd mit der kleinen Peitsche an, und hielt

plötzlich, um sich von dem rasch herbeispringenden Stallmeister noch

einmal die Sohlen mit Kreide streichen zu lassen. Dabei lächelte sie

auch dem Bajazzo zu, der um sie her die tollsten Kapriolen machte,

sprang dann durch Reifen und Girlanden, und trieb alle die übrigen

Kunststücke, die Kinder in dem Alter gewöhnlich bei solchen

Gesellschaften treiben. Das Publikum applaudierte zwar lebhaft, aber

es bleibt doch immer ein eigenes, eben nicht angenehmes, oft sogar

unbehagliches Gefühl, ein _Kind_ zu solchen Künsten _abgerichtet_ zu

sehen. -- Was für Erfahrungen hat das Kinderherz nicht schon gesammelt,

das dort mit der affektierten Handbewegung und halben Kußhänden

den Applaus des Publikums erwidert! Wie lange schon mußte es seinen

schönsten Schmuck, die Kindlichkeit, abgeschüttelt haben, jede Bewegung

einer erwachsenen Kokette so täuschend nachzuahmen! Ihr applaudiert und

jubelt der Kleinen zu. Fragt euch einmal, wie euch zu Mute sein würde,

wenn das _euer_ Kind wäre, und dann bedauert das unglückliche Wesen,

das sein böses Geschick in solche Bahn, in solch ein glänzendes Elend

geworfen. Und fühlt es sich selber glücklich in solchem Leben? -- Es

nickt und lächelt da oben mit freudestrahlendem Gesicht und sprengt

lustig -- hinter die Kulissen. -- Was es _dort_ treibt, kümmert das

Publikum nicht.

»Mademoiselle Josefine,« wie die Kleine auf dem Zettel genannt wurde,

hatte mit diesem Ritt die Vorstellung eröffnet, und ihr folgte auf einem

schwarzbraunen Pony Monsieur Charles, »der kleine Herkules«. Monsieur

Charles, ebenfalls in fleischfarbenen Trikots, mit einem kurzen

Löwenfell bekleidet und mit einer Keule in der Hand, war ein Knabe von

etwa vierzehn Jahren, aber für sein Alter von außergewöhnlicher Kraft

und Gewandheit -- ein wahres Talent in seinem Fache. Die schwierigsten

Kunststücke führte er auf dem Rücken des dahinsausenden Pferdes aus, und

mit kaltem ja tollkühnem Mute schien er die Gefahr weit eher zu suchen,

als zu vermeiden. Monsieur Charles wurde hervorgerufen, wie er die Arena

kaum unter stürmischem Applaus verlassen hatte, und zwei Athleten nahmen

jetzt seine Stelle ein, die mit halsbrechender Geschicklichkeit, der

eine eine Stange balanzierte, während der andere daran hinaufkletterte

und oben die gefährlichsten und kühnsten Stellungen ausführte.

Und wie hing das kecke Menschenkind da oben! Das Nachlassen einer

Muskel, ein Krampf in den zum Zerspringen angespannten Sehnen der Hand,

ein Straucheln des Stangenträgers, und er war rettungslos verloren. --

Und das Publikum saß dabei, hielt den Atem in peinlicher Spannung

an, dankte Gott, als der Frevler mit seinen Gliedern den Boden wieder

berührte, und -- applaudierte doch wie rasend, ihn dadurch nur zu neuen

noch tollkühneren Versuchen anfeuernd. Komtesse Melanie hatte sich

schaudernd abgewandt, denn sie fürchtete den Menschen im nächsten

Augenblick zerschmettert vor ihren Füßen zu sehen. Graf Geyerstein,

der an ihrer Seite saß, flüsterte: »Sie haben recht, Komtesse;

ein Nervenkitzel erscheint vielen erwünscht, die Monotonie ihres

alltäglichen Lebens zu unterbrechen. Diese Kunststücke werden aber zur

Nervenqual -- und doch, sehen Sie die freudig staunenden Gesichter

Ihrer Umgebung, die keine Ahnung von dem zu haben scheinen, was schon im

nächsten Moment ihren Genuß unterbrechen könnte.«

»Es sollte verboten werden, solch entsetzliche Kunststücke öffentlich zu

zeigen,« sagte Melanie. Graf Geyerstein zuckte mit den Achseln.

»Ja und nein,« sagte er dabei. »Wir wissen dann nur nicht, wo wir die

Grenzen ziehen sollen, die der Polizei gestatten, in das Privatleben

bürgerlichen Erwerbes einzugreifen. Solange Seiltanzen und Kunstreiterei

erlaubt bleibt, wird es unmöglich sein einen Maßstab anzulegen, welches

von ihnen für den Ausführenden gefährlicher -- für den Zuschauer

peinlicher ist. Das Publikum allein hätte es in seiner Gewalt, sich

solche Schau zu verbitten, aber die große Mehrzahl verlangt derartige

Produktionen, ja läuft gerade dem Unnatürlichsten und Widerlichsten am

meisten nach. Doch, Gott sei Dank, es ist vorüber, und der tollkühnste

Ritt der Gesellschaft wird uns nach dieser Schau wie Spielerei

erscheinen.«

Der Jubel der Zuschauer, als die beiden jungen Athleten den Schauplatz

verlassen hatten, legte sich eben, als jener Stallmeister mit einer

halbkreisförmigen Verbeugung anzeigte: Madame Georgine Bertrand und

Monsieur Bertrand! -- Bajazzo benutzte diesen unbewachten Augenblick,

seine klappernde Pritsche auf den hervorragendsten Teil desselben

niederprasseln zu lassen, und wenn der Scherz auch eben nicht zart

war, wurde er doch von dem Publikum dankbar angenommen. Während der

Stallmeister auf seinen Erzfeind vergebens einfuhr, sprengte das

wunderschöne Weib des Kunstreiters und Seiltänzers in die Arena. Mochte

nun die Beleuchtung und die vielleicht aufgetragene Farbe dem Gesichte

der Frau diese jugendliche Frische geben, aber Georgine war wirklich

schön, und ein lautes unwillkührliches »Ah!« entfloh den Lippen der

Versammlung, als sie leicht geschürzt und in ganz ähnlicher, nur weit

brillanterer Kleidung wie »Mademoiselle Josefine« im Zirkus erschien.

Ein paar junge Kavallerieoffiziere fingen an zu applaudieren, und das

Einstimmen des Publikums war eine Huldigung, die man der lieblichen

Erscheinung brachte. Madame Bertrand zeigte sich auch dankbar dafür.

Ihre Bahn dahinfliegend, hatte sie fast für jeden ein Lächeln, wenn

auch ein noch so flüchtiges, für jeden einen freundlichen Blick, eine

halbversteckte Kußhand, mit der sie die Herzen gleichsam sichelförmig

abschnitt oder mähte -- denn _zwei_ genügten für das ganze Publikum.

Und wie sie dahinflog, siegesgewiß -- siegesgewohnt! Das hochgeschürzte

leichte Kleid im Winde flatternd, die Locken von dem Luftzug gelöst, mit

den zarten Fußspitzen den Sattel kaum berührend, glaubte man wirklich,

sie habe Flügel, und wäre kaum noch erstaunt gewesen, das Pferd unter

ihr davoneilen und sie ihren Rundzug ohne dasselbe fortsetzen zu sehen.

»Eine reizende Erscheinung!« flüsterte Melanie ihrem Nachbar zu, während

Madame Bertrand ihr schnaubendes Tier am Eingange plötzlich parierte,

daß es auf den Hinterbeinen herumflog und Front gegen die Mitte machte;

»wenn sie nur _etwas_ weniger keck und zuversichtlich auftreten wollte!«

Ihr Nachbar antwortete ihr nur durch ein langsames, kaum bewußtes

Kopfnicken, und als sie ihr Auge zu ihm hob, sah sie, daß sein Blick

fest und fast stier auf der Stelle haftete, an der die schöne Reiterin

hielt. Ihre eigene Aufmerksamkeit wurde aber in dem Moment von ihm

abgelenkt.

»Monsieur Bertrand! Monsieur Bertrand!« ging der flüsternde Ruf durch

die Reihen der Zuschauer, und als Melanie den Kopf dorthin wandte,

sah sie, wie an Georginens Seite, in phantastischer, aber höchst

geschmackvoll gewählter Tracht, der Reiter auf milchweißem arabischen

Hengste hielt. Doch auch Graf Geyerstein bog sich jetzt zu ihr nieder

und erwiderte auf die frühere Bemerkung seiner Nachbarin vollkommen

ruhig: »Sie dürfen bei solchen Damen nicht sittsame Schüchternheit

erwarten, Komtesse. Schon das Reiten selber bedingt eine gewisse

Zuversicht, die Reiter oder Reiterin haben _muß_, um das Tier in

der Gewalt zu halten. Wie viel mehr also hier, wo der Ritt für die

Oeffentlichkeit bestimmt ist und die Frau nur zu leicht jede zarte

Weiblichkeit abschüttelt!«

»Sie mögen recht haben,« sagte Melanie nach kurzem Zögern. »Aber gerade

das Außergewöhnliche hat ja auch uns hierher geführt. Wir wollen die

Pferde und Menschen bewundern -- uns wenigstens an ihnen ergötzen. Was

kümmert uns das Uebrige!« Der junge Offizier sah die schöne Gräfin etwas

erstaunt über diese Bemerkung an; Melanies Aufmerksamkeit schien

aber wieder vollständig auf das Paar gerichtet, das jetzt mit

außerordentlicher Geschicklichkeit und wirklich vieler Grazie en Pas

de deux mit den Pferden tanzte. Gleich darauf, und inmitten desselben,

sprengten die beiden Kinder wieder herein -- der Knabe jetzt genau so

gekleidet wie Monsieur Bertrand -- indem sie das Pas de deux in ein Pas

de quatre verwandelten. Die Pferde führten dasselbe auch vortrefflich

durch, und der rauschende Beifall galt diesmal besonders der

Geschicklichkeit und Ausdauer des Mannes, der die Dressur der edlen

Tiere zu solcher Vollkommenheit gebracht. Nach dem Tanze hielten die

beiden Paare wieder ihren Umritt um die Arena, in einer Art Triumphzug

den wohlverdienten Applaus einzuernten, den ihnen diesmal selbst die

Damen nicht versagten. Nur Melanie saß still und regungslos, ihren

Blick fest auf die Reiterin heftend, deren Auge sie bewachte. Es war

ihr nämlich nicht entgangen, daß die Kunstreiterin, wo das nur irgend

geschehen konnte, ihren Nachbar, den Grafen Geyerstein, scharf fixierte.

Der nach allen Seiten hin grüßende Blick haftete in der Sekunde, in

der sie an ihnen vorüberflog, jedesmal fest und forschend auf der edlen

Gestalt des Rittmeisters, und als sie die Arena verlassen und durch

dröhnenden Applaus zurückgerufen wurde, schien derselbe Blick nur ihm

allein zu danken.

Die Szene wechselte jetzt, und der Bajazzo übernahm die Unterhaltung

des Publikums aufs neue durch halsbrechende Kunststücke und

Gliederverrenkungen. Aber das Publikum wollte sich amüsieren; die

übersättigten Bewohner der Residenz verlangten einen neuen Reiz für ihre

abgespannten Nerven -- und diese atemlose Angst um ein Stück wertlosen

Menschenlebens gewährte ihn. Ein Mulatte beschloß die erste Abteilung

durch groteske Sprünge und gymnastische Uebungen, die er mit seinem

Pferde ausführte. Wie eine Schlange wand und schnellte er sich im

vollen Rennen seines Tieres darüber hin. All die verschiedenen und

schwierigsten Piecen führte er aber mit solcher Leichtigkeit aus, und

war dabei in jeder seiner noch so gewagten Bewegungen so sicher, daß

sich das Publikum unmöglich für ihn interessieren konnte. Es sah eben

keine Gefahr dabei und die Szene vorher hatte es verwöhnt.

Eine kurze Pause folgte jetzt, in der selbst die ebenso unermüdlichen

wie erbarmungslosen Musiker ihre gequälten Instrumente für eine

Viertelstunde ruhen ließen. Das Trommelfell der ihnen zunächst sitzenden

Zuschauer vibrierte aber eine ganze Weile fort, als ob sich die

aufgewühlten Schallwellen des hohen Raumes noch nicht beruhigt hätten.

Die Trompeter gossen dabei ihre Instrumente aus und ließen ihre

Bierkrüge füllen, wechselten die Notenblätter, um eine andere _Nummer_

aufzulegen, und nahmen dann ihre Sitze wieder ein, beim ersten gegebenen

Zeichen mit schmetterndem Tusch und lustiger Fanfare bereit zu sein.

Ein Teil des Publikums, besonders alle solche, die den Ausgang leicht

erreichen konnten, ohne die hinter ihnen sitzenden Damen zu sehr zu

inkommodieren, strömte hinaus an das Büffet und fand dort nicht allein

Erfrischungen in Masse, sondern auch -- Buketts, Kränze und Zuckertüten,

für die der vortrefflich spekulierende Restaurateur Sorge getragen.

Die Blumen für die Damen, das Zuckerwerk für die Kinder! Die jungen

Kavaliere kauften in Masse, und das Büfett machte ausgezeichnete

Geschäfte. Unter den zurückgebliebenen Zuschauern entspann sich indessen

eine lebhafte Unterhaltung über das Gesehene, und besonders schien

Monsieur Bertrand auf die Damen einen für ihn nur schmeichelhaften

Eindruck hervorgebracht zu haben. Die jüngeren besonders -- vielleicht

weniger zurückhaltend als die älteren -- schwärmten für ihn, und

Komtesse Rosalie erklärte, daß sie kaum die Zeit erwarten könne, in der

er wieder erscheinen würde.

»Und was halten _Sie_ von Monsieur Bertrand, Herr Rittmeister?« wandte

sich da Melanie an ihren auffallend schweigsamen Nachbar. »Als so

vortrefflicher Reiter werden auch Sie ihm Ihren Beifall kaum versagen

können.«

»Allerdings nicht, Komtesse,« erwiderte der junge Mann, »es ist eine

edle, männliche Gestalt und -- er reitet untadelhaft.«

»Wie ernst er aber aussieht und was für dunkle, seelenvolle Augen er

hat! Ich kann mir kaum denken, daß er wirklich zum Kunstreiter --

und noch schlimmer -- zum Seiltänzer erzogen ist, denn mit seiner

Erscheinung würde er _jeden_ Platz in der menschlichen Gesellschaft

ehrenvoll ausfüllen.«

»Ich glaube auch,« sagte der Rittmeister leise, fast wie mit sich selber

redend. »Wer weiß, welche unglücklichen Verhältnisse ihn gerade in diese

Bahn getrieben!«

»Und doch fühlt er sich vielleicht vollkommen glücklich darin,« warf

Melanie ein. »Wir dürfen andere nicht immer nach uns selber beurteilen.

Eine andere Erziehung gibt dem Menschen doch auch sicher andere

Ansichten über das Leben, und jeder hält die seinigen gewiß immer für

die richtigen.«

»Sein _Ernst_ widerspricht dem,« entgegnete Graf Geyerstein. »Eher

glaub' ich, daß sich die Dame glücklich in ihrem Berufe oder -- ihrer

_Kunst_ fühlt -- wenn wir es so nennen wollen.«

»Es ist seine Frau?« sagte Melanie, leicht hingeworfen.

»Ich glaube wohl -- ich weiß es nicht,« erwiderte der Graf. »Sie trägt,

dem Zettel nach, wenigstens seinen Namen.«

»Vielleicht seine Schwester.«

»Der Zettel sagt _Madame_ Bertrand.«

»Die Kleine kann aber kaum ihre Tochter sein; die Frau sieht dafür zu

jugendlich aus. Wo sind _Sie_ früher schon mit ihnen zusammengetroffen?«

»Ich?« fragte der Rittmeister, »so viel ich mich besinnen kann, habe ich

die Gesellschaft heute zum ersten Male gesehen.«

»Sagten Sie mir nicht heute morgen, daß es eine alte Bekanntschaft sei?«

fragte die Komtesse, und ihr Blick haftete dabei forschend auf den Zügen

ihres Nachbars.

»Ich wüßte nicht, Komtesse,« erwiderte der Graf. »So viel ich mich

entsinne, sprach ich von einer _Aehnlichkeit_, und das begegnet uns ja

oft im Leben, daß uns die Züge eines sonst vollkommen fremden Menschen

irgend eine Erinnerung aus früheren Zeiten wecken, so wenig er

selber auch mit ihnen im Zusammenhange steht. Ist Ihnen das noch nie

vorgekommen?«

»Mir? -- ja, o ja. Ich habe mich dann geirrt. Ich glaubte, Sie sprächen

von einer alten Bekanntschaft. Aber die Vorstellung beginnt wieder. Jene

schrecklichen Menschen da oben in den alten, uniformierten Jacken nehmen

ihre Marterinstrumente wieder zur Hand. Mir wirbelt der Kopf schon

ordentlich von dem furchtbaren Lärm. Ob man _uns_ damit einen Genuß

bereiten will?«

»Täuschen Sie sich darüber nicht, Komtesse,« lächelte der Rittmeister.

»Was jene Leute _Musik_ nennen, ist meist nur ein für die _Pferde_

bestimmter, taktmäßiger Lärm, den sie vollführen. Schwiegen sie still,

so würden auch die Tiere ihre Kunststücke nicht ausführen, zu denen sie

den geräuschvollen Takt notwendig brauchen. Daß die Zuschauer gewöhnlich

glauben, die Musik würde ihretwegen gemacht, ist ihre eigene Schuld.«

»Dann werde ich mich künftig nicht mehr darüber beklagen,« lächelte

Melanie. »Aber da beginnen sie wirklich ihre Pferdemusik schon von

neuem, und jener gräßliche Gliederverrenker scheint seine Künste

ebenfalls wieder produzieren zu wollen. Sehen Sie nur, Herr Graf, was

dieser Bajazzo für ein fataler Mensch ist. Ein frecheres, widerlicheres

Gesicht ist mir im ganzen Leben noch nicht vorgekommen. -- Ob _der_ Mann

auch Familie hat?«

»Und warum nicht?« erwiderte der Rittmeister. »In _seinen_ Kreisen

glänzt er vielleicht sogar.«

»Und glauben Sie wirklich, daß sich ein Mädchen in solch ein -- Geschöpf

verlieben kann?«

»Komtesse,« sagte achselzuckend der Rittmeister, »in _jenen_ Kreisen

kommt es oft auf Liebenswürdigkeit oder _ehrenvolles_ Brot nicht an.

Sobald der Mann nur eben sein Brot _hat_ -- sobald er imstande ist, eine

Frau vor Mangel zu schützen -- denn mehr verlangen solche Leute selten

-- sobald hat er auch Anspruch darauf, als gute Partie betrachtet zu

werden -- betrachtet er sich doch selber dafür. In welcher _Achtung_

er bei seinen Nachbarn oder gar den höheren Schichten der Gesellschaft

steht, was liegt ihm daran! Solange das Publikum, dem er seine Späße

vormacht, darüber lacht, solange ihn sein Brotherr dafür bezahlt,

solange er ein Mann ist, der seinen Platz in der menschlichen

Gesellschaft, gleichviel, wie -- ausfüllt: so lange hat er eben sein

Brot. Hört das einmal auf, bricht er einen Arm oder ein Bein oder wird

er sonst zum Krüppel, vielleicht gar krank -- dann ist er eben verloren.

Dann macht er Kollekten oder schickt die Frau betteln -- aber das alles

liegt für ihn noch in der Zukunft -- liegt weiter als der nächste Tag,

und was sollte er sich jetzt schon deshalb Sorge machen?«

»Ein fürchterliches Leben!« sagte die Komtesse, zusammenschaudernd, »und

doch klingt es, als ob es wahr sein könnte. Wo haben _Sie_ nur einen so

tiefen Blick in diesen Abgrund des Elends getan, Graf?«

»Guter Gott,« sagte der Rittmeister, »ein Soldat verkehrt mit allerlei

Ständen, und ohne daß wir es wollen oder suchen, wendet uns oft das

Leben auch seine dunkeln Seiten zu.«

Wüstes Geschrei und Jauchzen unterbrach ihr Gespräch, denn Bajazzo hatte

die zweite Abteilung auf einem Esel eröffnet, mit dem er in die

Arena sprengte. Auf dem Rücken des Tieres suchte er Monsieur Bertrand

nachzuahmen, und die Galerie war glücklich darüber. Ihm folgten die

beiden Kinder wieder, denen man die erst angekauften Zuckertüten zur

Belohnung zuwarf, und als Bajazzo ein paar davon entwenden wollte und

von dem Stallmeister dabei erwischt und daran verhindert wurde, kannte

der Jubel des Publikums keine Grenzen mehr.

Dem Kinderritt folgte ein imposanteres Schauspiel: ein Turnier, in einer

Art von Pantomime, in der sich zwei Ritter um den Besitz der schönen

Georgine stritten. Monsieur Bertrand war einer von diesen, und in voller

Rüstung, mit geschlossenem Visier und eingelegter Lanze, warf er in

wirklich prachtvollem Rennen seinen Gegner in den Sand. Dann, mit

abgeworfenem Helm, hielt er an der Seite der erbeuteten Schönen seinen

Siegesritt um die Arena, und die Buketts flogen jetzt von allen Seiten

dem lieblichen Ritterfräulein zu. Eins der Buketts hatte die schöne

und kecke Reiterin selber vom Boden aufgehoben, und es hoch in der Hand

haltend, schwang sie sich damit unter dem Beifallsjauchzen der Menge

wieder auf ihr Pferd, während dieses, bei dem Schmettern der Trompeten,

in wilder Flucht die Arena umschnaubte. Der Ritter konnte sich kaum

an ihrer Seite halten, und immer wilder, immer toller hieb er auf das

schäumende Tier ein, es noch zu stärkerem, rasenderem Laufe anzutreiben.

Wieder kam es Melanie da vor, als ob ihr Blick, so oft die tolle Jagd

an ihnen vorüberbrauste, den Nachbar suche und finde. Grüßend neigte

sie sich gegen ihn und jetzt -- als sie ihren Zelter mitten in vollster

Flucht herumriß, die Arena, dem Ausgange zu, quer zu durchfliegen, warf

sie die linke Hand, in der sie die Blumen hielt, empor, und der Strauß

-- ob absichtlich oder zufällig nach dieser Richtung getrieben -- fiel

im nächsten Augenblicke zu den Füßen des jungen Grafen nieder. Fast

in demselben Moment war auch die Schöne, über die Bahn hinweg,

verschwunden, und Melanie sah zu dem Rittmeister empor, dessen Antlitz

Totenblässe bedeckte.

»Wollen Sie den Strauß nicht aufheben?« sagte sie mit vor innerer

Bewegung fast erstickter Stimme.

Der Rittmeister bückte sich, aber er tat es wie in einem Traume, und die

Blumen aufgreifend, hielt er sie fast bewußtlos seiner Nachbarin hin.

»Sie befehlen, Komtesse?«

»Ich danke Ihnen, Herr Graf!« erwiderte jedoch die junge Dame mit so

auffallender Kälte im Tone, daß Graf Geyerstein erstaunt sie ansah. »Die

Blumen sind ohne Zweifel dorthin gelangt, wohin sie bestimmt waren, und

ich möchte Sie derselben nicht berauben -- würde ich überhaupt etwas

annehmen, was einer -- Kunstreiterin zugeworfen ist.«

»Komtesse?«

»Sie haben jetzt Gelegenheit, Ihr Bukett wieder zu verwerten,« sagte

das schöne und, wie es schien, beleidigte Mädchen. In der Tat erschien

Georgine in diesem Augenblick wieder auf den donnernden Hervorruf der

Menge, während ihr aufs neue von allen Seiten Blumen entgegenflogen.

Graf Geyerstein war aber durch die Worte Melanies so überrascht worden,

daß er das Bukett unschlüssig in der Hand behielt, bis die schöne

Reiterin die Arena verlassen hatte.

Wieder sprang jetzt der Bajazzo mit seinen gliederverrenkenden Künsten

in die Arena, nachdem die Bahn vorher von den hineingeworfenen Blumen

gesäubert worden, und zwei andere junge Damen, Mademoiselle Amelie

und Leontine, waren ebenfalls noch in dem Programm angeführt. Komtesse

Melanie hatte durch den Lärm der Trompeten Kopfschmerzen bekommen, und

obgleich sich die jüngere Schwester dem nur ungern fügte, bat doch die

Mutter den Grafen, ihren Wagen vorfahren zu lassen. Zehn Minuten

später verließ die Familie des Kriegsministers von Ralphen, vom

Grafen Geyerstein natürlich begleitet, den Zirkus, um nach Hause

zurückzukehren.

3.

Der nächste Tag war ein Sonntag. Reges, bewegtes Leben herrschte in

der Residenz, wo einesteils die gerade abgehaltene Messe eine Menge von

Landleuten und Fremden in die Stadt gelockt hatte, während zugleich, zur

Geburtstagsfeier des Fürsten, große Parade abgehalten wurde. Equipage um

Equipage fuhr langsam durch das Gedränge der Straßen, dem Landesherrn

zu diesem Tage die Glückwünsche des Hofes und der Beamten, ja des ganzen

Volkes zu bringen. Der Rittmeister von Geyerstein sah sich den Morgen

über durch seinen Dienst teils auf der Parade, teils bei Hofe gefesselt

und kam erst gegen zwei Uhr nach Hause, während er um fünf schon wieder

zur Tafel befohlen worden. Zum nicht geringen Erstaunen seines Burschen

kleidete er sich aber, so wie er zurückkehrte, um und in Zivil, und

während dieser, immer dabei mit dem Kopfe schüttelnd, die verschiedenen

nötigen Gegenstände herbeibrachte, sagte sein Herr: »Hast du mir die

Wohnung gefunden, wie ich dir aufgetragen, Karl?«

»Zu Befehl, Herr Rittmeister -- die von dem Seiltänzer, meinen Sie

doch?«

»Von Monsieur Bertrand.«

»Sehr wohl. Rosenstraße Nummer 47, zweiter Stock, erste Türe rechts.«

»Rosenstraße? -- wo ist die Rosenstraße? die kenne ich gar nicht.«

»Gleich am Landgrafenplatz, zu Befehl, die kleine Gasse, die hinter der

Bude hineinläuft. Nummer 47 ist das rechte Eckhaus, aber der Eingang in

der Gasse drin. Das Haus selber heißt auch die Rose und war früher

ein Hospital, ist aber jetzt ein Wirtshaus, und die Kunstreiter kehren

gewöhnlich dort ein, weil ihnen die Ställe unten bequem liegen und der

Mann, dem das Haus gehört, auch Futter und Streu zu verkaufen hat.«

»Es ist gut, du -- kannst mir eine Droschke holen.«

»Herr Rittmeister halten zu Gnaden, um fünf Uhr Tafel.«

»Ich weiß es -- bis dahin bin ich wieder zurück. Du gehst mir indessen

nicht fort und hältst alles bereit.«

»Sehr wohl, Herr Rittmeister!«

Wenige Minuten später rasselte die Droschke über das Pflaster und hielt

vor der Türe.

»Wohin?« fragte der Kutscher.

»Landgrafenplatz!« und fort klapperte das Fuhrwerk, der bezeichneten

Richtung zu.

Am Landgrafenplatz angekommen, schaute der Kutscher in das vordere

Fenster hinein, zu erfahren, ob er sich rechts oder links halten müsse.

Eine Handbewegung des Fahrenden wies ihn zurecht, und in der Nähe der

kleinen Straße angekommen, stieg der Rittmeister aus. Er wollte nicht

vor dem Hause mit dem Wagen halten. Den bezeichneten Platz fand er ohne

alle Schwierigkeit. Die Beschreibung des Burschen war genau gewesen, und

er betrat gleich darauf einen dunkeln, schmutzigen Hausflur, in dem sich

nur ein paar Pferdeknechte herumtrieben und mit dem hindurchgehenden

Hausmädchen schäkerten. Einige Schwierigkeit hatte es, die Treppe in

den zahlreichen Einschnitten des alten Gebäudes zu finden, die zu ebenso

vielen Keller- oder Stubentüren, bald mit Stufen abwärts, bald aufwärts,

führten. Endlich fand er aber die schmale, hölzerne Stiege, der er, ohne

weiter jemandem zu begegnen, bis in die zweite Etage folgte. Die ihm von

seinem Burschen bezeichnete erste Türe rechts trug eine daran geheftete

Visitenkarte, und als er näher trat, las er die mit feiner, zierlicher

Schrift gestochenen Worte: »George Bertrand.«

»Georg,« flüsterte der Rittmeister leise vor sich hin, und zögernd,

unschlüssig hob sich seine Hand nach dem Drücker. Sollte er anklopfen?

-- aber die Zeit verging, und im nächsten Augenblicke tönte ihm schon

ein lautes »Herein!« aus dem Zimmer entgegen.

Ohne sich länger zu besinnen, öffnete er die Türe und überraschte hier

eine Dame, die _sehr_ ungeniert und in tiefstem Negligé auf dem Sofa

lag, auch nur langsam den Kopf nach dem Eintretenden umdrehte. Kaum

aber erkannte sie, daß es ein Fremder sei, als sie auch blitzschnell

aufsprang und wie ein Schatten durch die dicht daneben befindliche Türe

huschte. Verlegen, hier so gestört zu haben, sah sich der Rittmeister

im Zimmer um und entdeckte jetzt erst in der anderen Ecke, dicht am

Fenster, noch eine andere Persönlichkeit, einen älteren Mann, der ihn

mit eben nicht freundlichem Blick und etwas vorgebogenem Kopfe über eine

Klemmbrille hinüber betrachtete.

»Suchen Sie jemanden?« fragte er dabei mit heiserer Stimme.

»Herrn Bertrand. Ist er zu Hause?«

»Nein.«

»Wann kann ich ihn treffen?«

»Weiß ich nicht. Was wollen Sie?«

»Ich möchte ihn sprechen.«

»Müssen Sie morgen wiederkommen -- heute hat er keine Zeit,« brummte der

Alte, der, wie der Rittmeister jetzt erst sah, mit einer kurzen

Pfeife im Munde, eine Hanswurstjacke auf den Knieen liegen hatte und

beschäftigt schien, sie mit Nadel und Zwirn auszubessern.

»Ich bitte den Herrn, ein klein wenig zu warten -- ich komme den

Augenblick,« rief da die Stimme der Dame aus dem Nebenzimmer, und der

Alte, als ob damit die Sache für ihn erledigt sei, schob sich seine

Brille zurecht und nahm seine Arbeit wieder auf. Der Fremde mochte sich

indessen selber die Zeit vertreiben.

Dem Rittmeister war es nicht wohl in dieser Umgebung und er überlegte

schon, ob er nicht lieber Monsieur Bertrand zu sich bestellen solle.

Er hatte gehofft, ihn allein zu finden, denn bei dem, was er mit ihm zu

sprechen wünschte, brauchte und wollte er keinen Zeugen. Aber er mochte

nicht unartig gegen die Dame sein; jedenfalls erhielt er von ihr auch

bessere Auskunft, als der mürrische Alte, in dem er jetzt den Hanswurst

von gestern abend zu erkennen glaubte, geben mochte. -- Ganz recht --

er hatte sich nicht getäuscht. An der linken Seite des eben nicht zu

sorgfältig gewaschenen Gesichts ließ sich noch ein schmaler Streifen

der weißen Farbe erkennen, mit der er gestern bemalt gewesen. Aber wie

anders sah der sauertöpfische Gesell heute aus gegen gestern, wie er da,

zusammengekauert, ein Bein über das andere geschlagen, mit hohlen, tief

liegenden Augen und runzeligen Wangen, das stark mit Grau gemischte

Haar wirr und ungekämmt um den Kopf hängend, vor ihm saß und seine

Narrenjacke flickte! Doch in der ganzen Stube sah es ebenso wild

und ungeordnet aus. Auf dem Sofa lagen eine Menge getragener

Kleidungsstücke, die jedenfalls der Dame gehörten -- Unterkleider

und Trikots, _ohne_ den Glanz, den ihnen die abendliche Beleuchtung

verliehen; über einen Stuhl daneben war ein prachtvoller Waffenrock von

kirschfarbenem Samt geworfen. Darunter stand ungeputztes Schuhwerk,

und Schmuck und Tand, mit Schminknäpfchen, Pinseln, Farben und allen

möglichen anderen Utensilien, das Publikum zu täuschen, deckten den

Tisch und die benachbarte Kommode. Das Zimmer war auch noch nicht

ausgekehrt, eine Decke mit einem schon mehrfach gebrauchten Kopfkissen

nahm einen der Stühle ein -- es sah fast aus, als ob jemand die Nacht

auf dem Sofa gelegen hätte, und der Tabaksqualm aus der Pfeife des Alten

hatte den Schlafdunst noch nicht bewältigen können.

Dem Rittmeister benahm es bald den Atem, und draußen lag der helle

Sonnenschein so warm auf den Fensterscheiben. Er hätte Gott weiß was

darum gegeben, ein Fenster aufreißen zu dürfen. Da öffnete sich die

Kammertüre wieder, durch welche die Dame vorhin geflüchtet war, und

Madame Bertrand -- nicht so bezaubernd wie sie gestern abend wohl dem

Publikum erschienen, aber noch immer ein bildschönes Weib -- trat auf

die Schwelle.

»Ich muß tausendmal um Entschuldigung bitten,« sagte sie, während

ihr Blick im Zimmer umherschweifte und sie rasch die jedenfalls ihr

gehörigen und zunächst liegenden Kleidungsstücke aufraffte und hinter

sich in die Kammer warf -- »Sie finden uns aber noch so in Unordnung...«

»Madame,« unterbrach sie der Rittmeister höflich, »wenn jemand hier um

Entschuldigung zu bitten hat, so bin ich es, der ich unangemeldet bei

Ihnen eintrat und Sie unberufen störte.«

Madame Bertrand hatte indessen zu ihm aufgesehen, und ein eigenes

Lächeln belebte plötzlich ihre Züge.

Der Kunstreiter, 1. Band · 第 1 / 11 段