UEBER DIE GEOLOGISCHE BESCHAFFENHEIT DER PHILIPPINEN

von J. Roth.

Mit Ausnahme von Java -- Dank zunächst den Untersuchungen Junghuhn's --

ist die Kenntniss der geologischen Beschaffenheit der ostasiatischen

Inselwelt eine geringe. Sie beschränkt sich auf einzelne Angaben

und vereinzelte Punkte. In diesem Betracht ist daher jeder neue

Beitrag willkommen zu heissen. Die von Herrn Dr. Jagor 1859 und

1860 auf einer Reise durch die Philippinen gesammelten und mir

zur Untersuchung mitgetheilten Gesteine gestatten Einiges schärfer

anzugeben als es bisher geschehen konnte. Die geologische Literatur

über die Philippinen ist nicht überreich. Ausser einzelnen Angaben

von A. von Chamisso [310], E. Hofmann [311], Meyen [312], Sainz de

Baranda [313], Chevalier [314], Dana [315] sind zunächst zu nennen

die Aufzählung der Vulkane durch L. von Buch in seinem Werke über

die Canarischen Inseln, die Berichte von Hochstetter's [316] bei

Gelegenheit der Novara-Reise, der Aufsatz von Richthofen's über das

Vorkommen der Nummulitenformation [317], die Aufsätze von C. Semper

[318] und dessen 6 Skizzen: die Philippinen und ihre Bewohner. Würzburg

1869. Im Folgenden habe ich versucht, Alles zusammenzustellen, was

sich aus den bisherigen Beobachtungen ergiebt.

Als einem Stück des grossen Vulkangürtels des stillen Meeres hat sich

schon früh die Aufmerksamkeit den Vulkanen der Philippinen zugewandt,

dem Verbindungsgliede der Reihe Kurilen-Japan-Formosa und der Reihe,

welche über Mindanao und die Sangirinseln in die Molucken fortsetzend

dort einen Zweig westlich nach Java hinsendet, einen anderen nach

Osten, die seit L. von Buch sogenannte westaustralische, bis nach

Neuseeland sich erstreckende Reihe. Viel geringer ist die Kenntniss

der auf den Philippinen vorhandenen neptunischen Ablagerungen, und

auch hier werden nur wenige Beiträge dazu geliefert.

Es ergiebt sich als Resultat des bisher Bekannten, dass in

den Philippinen auf einen Grundstock krystallinischer Schiefer

junge, z. Th. sicher tertiäre (eocäne) und reichlich noch jüngere

Ablagerungen folgen, gehobene Küstenbänke und Korallenriffe mit

den noch heut im stillen Ocean lebenden Mollusken. Die gehobenen

Korallenriffe schliessen sich den lebenden vollständig an und reichen

zu beträchtlichen Höhen, nach Dana's Angabe bei Punta S. Diego,

S. von Manila, bis zu 600 Fuss Meereshöhe. Dass die Hebung noch jetzt

fortdauert, ist zwar nicht durch genaue Messungen sicher gestellt,

erscheint aber höchst wahrscheinlich. Nach von Richthofen ist ein

Theil der vulkanischen Gesteine jünger als der Nummulitenkalk,

welcher mit den »Trachyten« grobe Breccien bildet und von ihnen

eingeschlossen wird. In und auf den vulkanischen Gebilden liegen

jüngere Sedimente, deren Bildung ebenso wie die vulkanische Thätigkeit

bis jetzt fortdauert. Die letztere äussert sich in heftigen und

häufigen Erdbeben. Im grossen Ganzen eine gute Parallele zu dem Bau

der Insel Java.

Von älteren Formationen liegen von den durch Herrn Dr. Jagor bereisten

Inseln Luzon, Samar und Leyte keine Gesteine vor. Nach Semper scheinen

im Norden Luzon's und in Cebu vorkommende Petrefakten ein etwas höheres

Alter anzudeuten. Aeltere Eruptivgesteine, von denen A. von Humboldt

[319] Granit im nördlichen Theile von Luzon erwähnt, wurden von Herrn

Dr. Jagor beobachtet, aber nur in Geschieben. Diese Eruptivgesteine

durchbrechen wohl die krystallinischen Schiefer [320].

Wie überall, wo die vulkanische Thätigkeit noch heut in grösserem

Maassstabe auftritt, wo also Ausbrüche von Lava aus den Feuerbergen

stattfinden, sieht man daneben auch auf den Philippinen erloschene

Vulkane, entweder ganz unthätig oder in dem Zwischenzustande

der Solfatara verharrend. Man darf annehmen, was sich aus den

Gesteinsproben und den Angaben nicht ausmachen lässt, dass es an

modernen Eruptivgesteinen nicht gefehlt hat, an Auftreten von Trachyten

-- diesen Ausdruck im weitesten Sinne genommen -- und Doleriten in

der Weise der alten Eruptivgesteine, also ohne vulkanisches Gerüst,

wofür namentlich einzelstehende Kegelberge zu sprechen scheinen. Bei

manchen der erloschenen Vulkane ist es schwer Sicherheit zu gewinnen

über die Zeit und die Grösse der Ausbrüche, ja über die Thatsache,

ob in historischen Zeiten Eruptionen stattfanden.

Abgesehen von Mindanao [321] und Negros, auf welcher Insel Semper den

nach seiner Schätzung mindestens 5000 Fuss hohen, im Nordtheil der

Insel befindlichen Vulkan (Malespina der hydrogeographischen Karte der

Philippinen) stark rauchen sah, sind nur auf Luzon, den nördlich von

Luzon gelegenen Babuyanes-Inseln und auf der kleinen Insel Camiguin

(zwischen Mindanao und Siquijor) thätige Vulkane bekannt. Auf Camiguin

fand nach einem Briefe aus Manila (Spenersche Zeitung 1871. No. 167)

am 1. Mai 1871 ein vulkanischer Ausbruch statt. Seit Monaten hätten auf

Bojol, Cebu und Camiguin wiederholte Erdbeben stattgefunden, Camiguin

war von dem grössten Theil seiner Bewohner verlassen worden. Am 1. Mai

um 5 Uhr Abends spaltete sich unter Donnergetöse und heftigen Stössen

ein über dem Dorf Catarman gelegener Berg. Rauch, Asche, Erde und

Steine wurden ausgeworfen; der Krater hatte bei einer Länge von etwa

1500 Fuss eine Breite von 150 und eine Tiefe von 27 Fuss. Um 7 Uhr

Abends erfolgte ein zweiter Ausbruch. Von einem Lavastrom ist nicht

die Rede. Noch im Juli 1871 war der Krater thätig.

Auf der Insel Babuyan Claro liegt »ein wie es scheint in beständiger

Eruption begriffener Vulkan« [322] und auf der südöstlichsten Insel

der Babuyanes, auf Camiguin, ein im Solfatarazustand befindlicher. Auf

den östlich von Camiguin gelegenen Didicaklippen, die nach Semper

wohl nichts Anderes sind als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines

früheren Vulkans, hat sich 1856 ein im October 1860 mindestens 700

Fuss hoher Vulkan gebildet. Nachdem zwischen zwei Klippen Rauch

aufgestiegen war, hat sich zwischen ihnen, deren obere Hälfte

eingestürzt war, eine kleine Insel gebildet, welche sich durch

Aufschüttung vergrösserte. Begleitet von heftigen Erdbeben fand dort

1857 ein starker Ausbruch statt.

Don Claudio Montero hat auf der Nordspitze von Luzon nahe unter

dem Cabo Engaño (Provinz Cagayan) einen 2489 p. Fuss hohen Vulkan

aufgefunden, den Monte Cagua [323]. Semper sah ihn im October 1860

von Aparri aus rauchen. In weitem Abstande von diesen vier auf engen

Raum zusammengedrängten Vulkanen, getrennt von einander durch weite

Strecken, aber durch eine Reihe erloschener Vulkane verbunden,

liegen die übrigen drei noch thätigen Vulkane Luzon's: der Taal,

der Albay oder Mayon und auf der äussersten Südspitze der Insel

der Bulusan, an dessen Fuss nach von Hochstetter heisse Quellen

entspringen. Herr Dr. Jagor sah ihn rauchen, leider sind die dort

gesammelten Gesteinsproben verloren gegangen.

Viel zahlreicher sind die erloschenen Vulkane. Nach Semper finden sie

sich auf allen Inseln der Philippinen mit Ausnahme von Cebu und Bojol,

welche nach ihm aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten

gebildet scheinen. Auch auf Panay sah Dana nichts an vulkanische Berge

Erinnerndes. Die Angaben lassen jedoch oft Zweifel, ob man erloschene

Vulkane oder ungeöffnete Dome vor sich hat. An der Ostseite der

Insel Leyte ist ein erloschener Vulkan, der Dagami, sicher gekannt,

an dessen Ostfuss eine Solfatara sich findet; auf Samar kennt man

keinen, eine ganze Reihe dagegen auf Luzon. Mit der Südspitze der Insel

beginnend den M. Pocdol bei Bacon, zwischen dem Bulusan und dem Albay

gelegen; nordwestlich vom Albay den Mazaraga, von welchem nördlich

der Malinao oder Buhi und der Yriga auftreten. Ihnen folgt im Norden

der mächtige Ysarog. In der Provinz Camarines norte sind der Labo und

der Pic von Colasi zu nennen; südlich der Laguna de Bay der Majayjay,

der Sosoncambing und der Malarayat, der von diesen südlich gelegene

Tanabon (wohl Monte Tombol bei von Hochstetter), endlich der Maquiling

[324], durch grosse Solfataren ausgezeichnet. An seinem Fusse treten

die heissen Schwefelquellen von los Baños, der Kesselsee Dagatan, der

Schlammvulkan von Nataños, der Krater von Maicap u. s. w. auf. Zwischen

ihm und dem Majayjay liegt das vulkanische Gebiet von San Pablo mit

zahlreichen kleinen Kraterseen. Nordöstlich vom Majayjay finden sich

zwischen Lucban und Mauban Dolerite und Tuffe. Die Doleritlaven der

Insel Talim in der Laguna de Bay und die der Halbinsel Jalajala, die

Obsidianströme der Halbinsel und Bucht von Binangonan deuten dort

einen grossen vulkanischen Mittelpunkt an. Die Bay von Manila wird

westlich durch die Kette des Pico Butilao und die Sierra de Mariveles,

letztere mit Doleritlaven begrenzt; auf der Insel Corregidor sah von

Kotzebue [325] einen alten Krater. Die Umgebung von Manila zeigt

mächtige Tuffmassen, welche auch als niedriger Damm die Laguna di

Bombon vom Meer trennen.

Ob die bei S. Mateo und die östlich zwischen Antipolo und Bosoboso

mit dem Kalk zusammenkommenden, bei von Richthofen als Trachyt

bezeichneten Gesteine, ebenso die von ihm bei Zamboanga mit Kalk

zusammen gesehenen einfach eruptiv sind oder Laven angehören,

ist nicht zu ermitteln. Aus der kaum 90 Fuss hoch über dem Meere

erhabenen Ebene von Pampanga, NW. von Manila, steigt steil und schroff

der 3150 Fuss hohe »trachytische« Doppelkegel des Monte Arayat auf,

an dessen Fuss heisse Quellen hervortreten. Im Norden der centralen

Ebene von Luzon zwischen dem M. Arayat und S. Tomás steigen, isolirt

von allen Bergketten, vier kleine vulkanische Berge auf, darunter der

M. Cujaput. Gehören diese Berge, der Arayat, der M. Data bei Mancayan

(NW. Luzon), der Subig in der Kette von Zambales zu den erloschenen

Vulkanen? Am 4. Januar 1641, dem Tage des Ausbruches des Sanguir

[326] (ob am Südcap von Mindanao oder auf der südlich gelegenen

Sanguirinsel?) entstand nach spanischen Berichten zugleich ein Vulkan

auf der Insel Sulu [327] (Jolo) und ein Vulkan Aringay oder Monte

Santo Tomás am Golf von Lingayen. Wenn dort wirklich ein Vulkan sich

bildete, so ist er jetzt erloschen. Nach Claudio Montero's Messung

ist er 6948 Fuss hoch.

Ein Versuch, die Vulkane, die thätigen wie die erloschenen, auf

ein oder mehrere Spaltensysteme zurückzuführen, scheitert an der

mangelnden Kenntniss, nicht nur von Luzon, sondern namentlich der

übrigen Inseln. Dass die Nord-Südrichtung vorwiegend erscheint,

folgt aus der topographischen Configuration der gesammten Inselkette.

Von den thätigen Vulkanen Luzon's ist der kaum 840 Fuss hohe Taal,

der demnach zu den niedrigsten [328] thätigen Vulkanen gehört,

ausgezeichnet durch seine Lage auf einer aus Schlacken gebildeten Insel

in der sehr tiefen Laguna die Bombon und durch einen Kratersee, aus

welchem der Ausbruchskegel mit einem zweiten Krater sich erhebt. A. von

Chamisso [329] fand den Vulkan 1818 schwach thätig, E. Hofmann 1825,

Wilkes [330] 1842 sahen ihn in voller Thätigkeit. Delamarche [331], der

ihn am 25. October 1842 unthätig fand, hat eine genaue Beschreibung des

Berges gegeben. Semper, der den Taal am 30. April 1859 bestieg, sah den

Krater beständig rauchen. Der Kraterboden, auf dem zahlreiche kleine

Erhöhungen hervortraten, war mit Thon und Gypskrystallen bedeckt,

überall brach heisser saurer Wasserdampf hervor; Alaun, Schwefel und

ähnliche Bildungen waren reichlich vorhanden, kleine Bäche kochenden

Wassers traten an einzelnen Stellen aus. Den Krater fand Semper mit

kochendem milchweissem Wasser erfüllt, es entstiegen ihm schweflige

Dämpfe. Demnach befand sich der Taal in dem Solfatarazustand. Am

Nordwestende der Insel liegt ein ganz erloschener, aus Tuff bestehender

regelmässiger Kegelberg mit Krater, der Binintiang grande, am

Südende liegt der kleine Binintiang. Das Gestein des Berges zeigt

nach L. von Buch [332] in dunkelbrauner, feinsplittriger Grundmasse

kleine Feldspäthe. Ob es zu den Sanidintrachyten oder zu den Gesteinen

mit triklinen Feldspathen gehört, lässt sich nach den vorliegenden,

stark zersetzten Gesteinsproben nicht bestimmen, wahrscheinlich ist

es Dolerit. Der Hauptausbruch des Berges 1754 (der letzte Ausbruch

hatte 1716 stattgefunden) war ein heftiger Aschenausbruch, dem später

viele kleine Eruptionen gefolgt sind. Lavaströme scheint der Berg

seit langer Zeit nicht gegeben zu haben.

Im Gegensatz dazu liefert der 7000 Fuss hohe Albay oder Mayon nicht nur

Aschenausbrüche und die sie begleitenden zerstörenden Schlammströme,

sondern auch Ströme von Lava. Seine Hauptausbrüche fallen in die

Jahre 1766, 1800 und 1814. Er warf 1857 viel Asche aus, 1858 war der

Krater voll Dampf, Herr Dr. Jagor fand ihn 1859 erfüllt mit heissen

schwefligsauren Dämpfen.

Wie überall mit thätigen und erloschenen Vulkanen stehen auch hier mit

ihnen Tuffe in Verbindung. Weiter unten ist ihr Vorkommen genauer

erwähnt. Von ihrer grossen Verbreitung um Manila war schon die

Rede. Diese graugrünen Tuffe, fest genug um als Baustein zu dienen,

bilden am Flussufer des Pasig nach der Laguna de Bay hin an manchen

Stellen 40 bis 60 Fuss mächtige Ablagerungen. Es sind nach G. Rose

(Meyen Reise II. 202) Bimsteinconglomerate, die in rauher, grauer,

leicht ritzbarer Grundmasse eckige, bräunlich-graue Bimsteinstücke

umschliessen. Sie fuhren nach Dana Blattabdrücke und verkieselte

Hölzer, meist Palmen und zwar lebende Arten. In der Nähe der

thätigen Vulkane treten lose vulkanische Sande auf, in der Umgebung

der erloschenen sind sie verkittet zu mehr oder minder festen

Massen, hie und da auch umgelagert und mit der Unterlage gemengt

oder am Meeresstrande durch Kalk, den Muschelschalen entnommen,

cementirt. Das Korn wechselt in hohem Maasse, ebenso die Zahl und

die Grösse der eingeschlossenen Gesteinstrümmer. Wo sie und die Tuffe

durch Verwitterung oder Fumarolenwirkung gelitten haben, werden aus

ihnen Thone ausgewaschen, die, im nächsten Verband stehend, bisweilen

mächtige Ablagerungen bilden.

Unter den sehr zahlreichen vulkanischen Gesteinen, die vom südlichen

Luzon, Samar und Leyte vorliegen, und in den zu ihnen gehörigen Tuffen

sind, mit sehr geringen Ausnahmen, nur zwei und noch dazu einander

sehr nahe stehende Gesteinstypen vertreten: beide mit triklinem

Feldspath, einer mit Hornblende, einer mit Augit, Hornblendeandesit

und Augitandesit oder Dolerit. Die Analyse der Feldspäthe wird

zeigen, ob man in manchen Gesteinen, wie man nach dem Habitus und

der Aehnlichkeit mit Aetnalaven schliessen darf, Labrador oder einen

kieselsäurereicheren Feldspath vor sich hat. In den Amphibolandesiten

ist noch Magneteisen und meist Olivin vorhanden, bisweilen tritt

noch sparsamer grüner Augit dazu. Diese Gesteine finden sich in der

Berggruppe des Labo, Colasi, Ysarog, auf der Insel S. Miguel, am Dagami

und Danaan auf Leyte und zwar meist mit sehr ähnlichem, porphyrischem

Habitus. Zu den Doleriten gehören die Laven des Albay, Yriga,

Mazaraga, Malinao und der ganzen Umgebung der Laguna de Bay. Neben

dem Augit treten in ihnen Olivin und Magneteisen, seltener noch dunkle

Glimmerblättchen auf. In den entsprechenden Tuffen und Sanden kehren

die Mineralien der Gesteine wieder. Wenn auch einzelne Bimsteinstücke

in jenen sich finden, so gehören doch grössere Ablagerungen rein aus

Bimstein bestehend zu den Ausnahmen. Ebenso ist Mandelsteinbildung und

Auftreten von Zeolithen sehr sparsam vorhanden. Glasige Gesteine kommen

kaum vor; v. Hochstetter sah an der in die Laguna de Bay hineinragenden

Halbinsel Binangonan säulig zerklüftete Obsidianströme. Ob überhaupt

in dem genannten Gebiet ächte Sanidintrachyte auftreten, erscheint

zweifelhaft. Ueber das relative Alter der beiden Andesite lässt sich

ebensowenig eine Vermuthung aussprechen als über die chronologische

Folge der einzelnen vulkanischen Berge.

Auch hier ergiebt sich eine gute Parallele mit Java, in so fern die

Andesite dort reichlich, wenn nicht ausschliesslich, vertreten sind. Es

liegen jedoch von Luzon, Samar und Leyte dichte basaltische Gesteine,

die in Java so häufig sind, nur von einer Stelle vor, und zwar,

wie die Uebergänge beweisen, von Amphibolandesit.

Als höchst bezeichnend ist ferner hervorzuheben, dass bei der

häufigen Fumarolenthätigkeit nur Einwirkungen von Schwefelwasserstoff,

resp. schwefliger Säure und Sublimation von Schwefel beobachtet sind;

daneben die diesen Agentien entsprechende Bildung von Gyps, Alaun,

Alunogen, Bianchetto; je nach der Stärke und der Dauer der Einwirkung

die vollständige Entfernung der Thonerde oder ihre Umwandlung in

schwefelsaure Salze. Die reiche Gypsbildung erklärt sich aus dem

Kalkgehalt der Hornblende, des Augites und des Feldspathes. Ebenso

wenig fehlt die Bildung basischschwefelsaurer Eisenoxyde, und

die Röthung des Rückstandes durch Eisenoxyde, endlich die durch

Bunsen's schöne Versuche erläuterte Bildung von Schwefelkies, dessen

Verwitterung die Zerstörung der Gebirsgsarten unterstützt. Dagegen

mangelt jede Spur salzsaurer Fumarolen. Wenn auch der Absatz leicht

löslicher Chlorverbindungen nicht zu erwarten war, so erscheint

doch keine Spur von sublimirtem und zu Eisenglanz zersetztem

Chloreisen. Auch Bildung von Palagonit ist nirgend beobachtet,

wozu die (freilich oft grobkörnigen) Tuffe Gelegenheit zu bieten

scheinen. Zahlreich dagegen sind Absätze von Kieselsinter, Opal

und Hyalith aus der letzten Phase der vulkanischen Thätigkeit, aus

Kohlensäure und Alkalibikarbonat enthaltenden Quellen, ähnlich wie

in Island, Madeira, Neuseeland, Californien, Nevada, Montana-Wyoming

u. s. w., Absätze, die ihre Erläuterung in den Arbeiten Bunsen's über

Island finden. Auf denselben Ursprung müssen auch die Jaspisvorkommen

der vulkanischen Gegenden zurückgeführt werden. Geisirähnliche

Erscheinungen wurden nicht beobachtet.

Der Antheil der vulkanischen Bildungen an dem Aufbau der Philippinen

darf jedoch nicht zu hoch angeschlagen werden, räumlich sind

sie untergeordnet gegenüber den krystallinischen Schiefern und

den Sedimenten. Gneiss, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer,

Hornblendegneiss, Talk- und Chloritschiefer, Serpentin sind von

den ersteren beobachtet. Im nördlichen Theil von Luzon sind

sie verbreitet. Meyen beobachtete in S. Mateo und bei Balate

(N. von S. Mateo) feinkörnigen Hornblendeschiefer, auf dem der

Kalk von S. Mateo aufliegt. Die von Semper erwähnten Goldwäschen

im Flussthal des Agno grande im Land der Ygoroten deuten ebenfalls

auf krystallinische Schiefer, ähnlich wie die Eisenerze bei Angat

(Provinz Bulacan); nach Chevalier giebt es Serpentin in der Provinz

Bataan (W. der Bai von Manila). Die Nordostküste der Provinz Camarines

norte zwischen Paracali, Mambulao und Lungos wird von Gneissen und

den dazu gehörigen Hornblendeschiefern, Talkschiefern und Serpentinen

gebildet, welche bis nach Indang und Labo fortsetzen, wahrscheinlich

auch die jenseits der Bai von S. Miguel gelegenen Sierra de Caramuan

zusammensetzen. An der Südküste derselben Provinz bei Pasacao treten

Hornblendegneisse und Hornblendeschiefer auf. Im Nordwesttheile der

Insel Samar, ferner bei Loquilocun, bei Basey und auf der Insel Leyte

bei Tanauan (Ostküste) sind sie ebenfalls beobachtet.

Nach Sainz de Baranda tritt Serpentin auf in Mindanao bei Camahat,

Provinz Caraga und bei Pigtao, Provinz Misamis. Am Westende bei

la Caldera (NW. von Zamboanga) sah Dana Geschiebe von Hornblende

und Talkschiefer, auf der Insel Lubang (SW. von Manila) Talk- und

Chloritschiefer, die nach der Insel Mindoro fortsetzen und dort

in Serpentin übergehen. In S. José, Westküste von Panay, sah Dana

Geschiebe von Talkschiefer und Quarz. Nach Meyen (l. c. 245) ist

Talkschiefer auf Cebu besonders häufig.

Nach ihrer Zertrümmerung und Verwitterung gaben die krystallinischen

Schiefer das Material zu sedimentären Absätzen, welche, mehr oder

minder sandig und thonig, und petrographisch zwischen Thonlagern und

Sandsteinen schwankend, die Mineralien der ursprünglichen Gesteine,

zunächst Quarz, Feldspath, Glimmer, Magneteisen erkennen lassen.

Die Angaben über das Vorkommen älterer Eruptivgesteine auf den

Philippinen erscheinen wenig genau. In Nordluzon wird Granit und

Porphyr angegeben. In Pual (Sual der Karte, 16° 10' N. B. am Golf von

Lingayen) wechsellagern nach Callery [333] Euphotid, Serpentin und

Petrosilex. Itier [334] fand bei Angat (Provinz Bulacan) Geschiebe

von Diorit, Mandelsteinen, Spiliten, Epidot und Porphyren.

Unter den Sedimenten treten neben Kalken Sandsteine und Thonschichten

hervor, deren Ursprung, wie erwähnt, z. Th. auf krystallinische

Schiefer, z. Th. auf vulkanische Tuffe zurückzuführen ist. Die von

Semper beobachtete schnelle Umwandlung der gehobenen, weithin sich

erstreckenden Korallenbänke in sehr harten, dichten Korallenkalk

lehrt, dass die dichten spröden Kalke wenigstens nicht überall,

wie von Richthofen annimmt, diese Umwandlung den »Trachyten«

verdanken. In manchen der dichten Kalke lassen sich noch Spuren der

Korallen auffinden, obwohl in Folge der Umwandlung die Erhaltung der

organischen Reste in den Kalken eine sehr schlechte ist. Bei Binangonan

(N. der Laguna de Bay) fand von Richthofen in den dort gebrochenen

Kalken neben undeutlichen Austern zahlreiche Nummuliten [335]. Im Kalk

von S. Mateo suchte Meyen vergeblich nach Versteinerungen. Zwischen

beiden Punkten sah von Richthofen den Kalk zwischen Antipolo

und Bosoboso einen allseitig schroff ansteigenden, zerklüfteten,

oben verebneten Berg bilden. Wahrscheinlich bestehen aus demselben

Kalke die schroffen Gipfel der Sierra de Zambales (NW. der Pampanga,

NW. Manila). Callery (l. c.) sah 4 Lieues von Sual ein zwei Lieues

breites Band von Grobkalk und Travertin horizontal auf dem Euphotid

lagern. Er fand im Grobkalk die decapoden Kruster Portunus leucodon

Desmarest und Noptacus Latreillei. Im Thal von Benguet und in der

Provinz Batangas (Nordluzon), an der Nord- und Ostküste von Luzon,

an der Ostküste von Camiguin (Babuyanes) fand Semper Korallenkalk.

An der Westseite der grossen Cordillere in Nordluzon sammelte Semper

in etwa 800 Fuss Meereshöhe mitten im Lande mürbe Sandsteine mit

marinen Muscheln (Conus sp.), im Oberlauf des Agno (Nordluzon)

in etwa 400 Fuss Meereshöhe Korallen in einem porphyrischen

Gestein, dessen Hauptbestandtheile granitische und trachytische

Rollsteine waren [336]. An der Südspitze des westlichen Theils von

Mindanao bei Zamboanga fand v. Richthofen in den Kalken Massen

von Austernschalen. Daneben kommen dort unreine Sandsteine mit

Pflanzenabdrücken, blaue Kalkmergel und dunkle weiche Schiefer

vor. Auch an manchen anderen Punkten enthalten Thone und Sandsteine

Blattabdrücke; die Sandsteine führen bisweilen Braunkohle: bei

Mauban ist sie kiesig und kommt auch in der Gegend von Aringay nach

D. José de Santos (Citat bei Semper) vor. Auch in Caramuan soll

Kohle sich finden. In Samar wurde bei Loquilocun angeschwemmte

Braunkohle gefunden; auf Cebu findet sich im Gebiet von Naga im

Gebirge Alpaco (Revista minera 1863. 17. 244) Braunkohle; ebenso

nach von Richthofen auf Mindanao östlich von Zamboanga im Seno de

Sibugey, nach Sainz de Baranda auf der Insel Siargao (Nordostende von

Mindanao). Die Sedimente sind also nur z. Th. marinen Ursprungs. Als

Vergleich für die Sedimente möchte die durch von Hochstetter

(Novara-Reise. Geol. Theil. Bd. II.) aufgestellte Gliederung in Java

heranzuziehen sein.

Von den auf den Philippinen vorkommenden Erzen gehören die Eisenerze

den krystallinischen Schiefern an: das Magneteisen am Fuss der

Sierra de Bacacay (S. von Paracali) und die Eisenerze in der Nähe

von Angat-Kupang, Provinz Bulacan. Ueber das reiche Vorkommen

von Kupfererzen in Nordluzon ist nichts Genaueres bekannt. Sehr

beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen liegen dort bei Mancayan

im Distrikt Lepanto zwischen Cagayan und Ylocos. Nach Zerrenner

(Berg- und Hüttenm. Zeit. 28. 105 und 113. 1869) kommt dort auf

Quarzgängen in Trachytporphyr Kupferkies mit Enargit vor. In Spanischen

Schriften wird das Gestein als Trapp bezeichnet. Auf der Insel Lubang

(SW. von Manila) enthalten nach Dana die Talk- und Chloritschiefer

Kupferkies. Quarzgänge, die in den krystallinischen Schiefern, zumeist

in Talkschiefer und Serpentin auftreten, führen neben Schwefelkies,

Bleiglanz und Kupferkies gediegen Gold und Chrombleispath. So

wenigstens ist das Vorkommen bei Mambulao und Paracali (Provinz

Camarines norte, Luzon). Das Vorkommen entspricht also ganz dem

uralischen von Beresowsk.

Goldhaltige Sande, reich an Magneteisen, aus krystallinischen

Schiefern werden an vielen Orten gewaschen. Nach Sainz de Baranda

[337] kommt Gold ausser auf Luzon auch in Mindanao, Sibuyan, Panay,

Dinagat vor; Quecksilber angeblich in Leyte; Kupfer (cobre nativo

en polvo finisimo y pirita de cobre) auf Mindanao. Er giebt ferner

schöne Krystalle von Rutil auf der Insel Bigat an, wohl ein Beweis

für das Vorkommen krystallinischer Schiefer.

Nach dieser allgemeinen Uebersicht ist in dem Folgenden die specielle

Beschreibung der von Herrn Dr. Jagor gesammelten Gesteine gegeben.

Reisen in den Philippinen · 第 88 / 95 题