GLEICHZEITIGER AUSBRUCH DREIER VULKANE 1641.

(Zu S. 110.)

Die über dieses Ereigniss vorhandenen Angaben sind sehr

ungenügend. A. Perrey giebt S. 53 eine ausführliche Beschreibung

nach J. E. Nierembergius, dessen Obras filosoficas einen Abdruck des

amtlichen Originalberichtes enthalten. Da letzterer äusserst selten

(ich verdanke seine Mittheilung dem Professor Don P. de Gayangos),

und auch Perrey's Documents (Mém. Acad. Dijon) wenig verbreitet sind,

so lasse ich eine genaue Uebersetzung der wesentlichen Stellen jenes

interessanten Schriftstückes folgen; das Nebensächliche ist abgekürzt

oder ausgelassen. Wo Perrey's Uebersetzung nicht mit dem Originaltexte

übereinstimmt (unwesentliche Abweichungen sind nicht hervorgehoben),

ist der spanische Text sowohl als der französische in [] beigefügt.

Der Titel lautet:

Succeso raro de tres Volcanes dos de fuego, y uno de agua, que

rebentaron a 4 de Enero deste año de 641 a un mismo tiempo, en

diferentes partes de estas islas Filipinas, con grande estruendo por

los ayres, como de artilleria y mosquetaria.

Averiguado por orden y comission del Señor Don Fray Pedro Arçe obispo

de Zebu y Gobernador del Arçobispaso de Manila JHS en la compañia de

Jesus. Manila Año MDCXXXXI por Raymundo Magisa.

Ende Dezember 1640 fiel zweimal Asche bei Zamboanga und bedeckte die

Felder leicht wie Reif. Am 1. Januar legte ein von Manila nach Ternate

bestimmtes Geschwader mit Hülfstruppen dort an. Am 3. Januar um 7 Uhr

Nachm. vernahm man plötzlich in Zamboanga ein anscheinend 1/2 Stunde

entferntes Geräusch, das Besorgniss erregte. Es klang wie Arkebusier-

und Artilleriefeuer, man glaubte ein Feind wolle die Küste beunruhigen,

und bereitete sich darauf vor. Der General der Ruderflotte sandte

ein leichtes Boot aus um zu sehn ob es etwa eines der Schiffe des

Hülfsgeschwaders sei, das zu Grunde ginge: es fand nichts.

Am folgenden Tage, dem 4. gegen 9 Uhr Vm. [el dia siguiente a 4,

como a las 9 de la mañana -- le lendemain à quatre heures et à

neuf heures du matin] nahm das (vermeintliche) Geschützfeuer so

zu, dass man fürchtete das Hülfsgeschwader sei auf holländische

Galeonen gestossen. Es dauerte etwa eine halbe Stunde. -- Aber bald

überzeugte man sich, dass das Geräusch von einem Vulkan herrühre, der

sich aufgethan; denn gegen Mittag sah man von Süden her eine grosse

Finsterniss hereinbrechen, die sich allmälig über jene Hemisphäre

verbreitete und das ganze Gesichtsfeld verdeckte, so dass man sich um 1

Uhr NM. in wahrer Nacht, und um 2 Uhr in so dichter Finsterniss befand,

dass man nicht die Hand vor Augen sehn konnte . . . grosse Bestürzung,

Alles läuft in die Kirchen, betet und beichtet, zündet Kerzen an.

Diese Finsterniss, während welcher im ganzen Gesichtskreis kein Licht

wahrzunehmen, dauerte bis 2 Uhr Morgens, als sich etwas Mondschein

blicken liess [se commenzo a descubrir alguna claridad de la luna --

ce ne fut qu'alors qu'on commença à découvrir la Laguna] zur grossen

Freude der Spanier und Indier die befürchtet hatten, unter der Menge

von Asche begraben zu werden, welche seit 2 Uhr [que desde las dos

-- qui dès le deux] begonnen hatte auf sie herabzufallen. Dieselbe

Nacht brachte zur selben Stunde auch das Geschwader in Verwirrung,

welches der Küste von Mindanao folgend, sich bereits unfern Cap

San Agustin befand, in der Nähe einer Insel Sanguil genannt (Pater

Nieremberger schreibt Sanguiz) wo der Vulkan [el volcan -- un volcan]

ausgebrochen war. Für sie wurde es früher Nacht als in Zamboánga,

denn um 10 Uhr Vormittags befanden sie sich in so dichter Dunkelheit

und schrecklicher Finsterniss, dass sie den Tag des jüngsten Gerichts

gekommen glaubten. Es begann so viele Steine, Erde und Asche zu regnen,

dass sich die Schiffe in Gefahr sahen und genöthigt waren Licht

anzuzünden, und sich schnell der schweren Last von Erde und Asche zu

entledigen; und die Galera nahm ihr Zelt ab und zündete Laternen an,

als ob es Nacht wäre. Man beobachtete geraume Zeit von den Schiffen

aus, wie aus besagter Insel Sanguil schnell nach einander feurige

Federbüsche und Säulen hervorbrachen die sich gen Himmel erhoben

und im Herabfallen die benachbarten Wälder in Brand steckten. Die

Finsterniss verbreitete sich über den grössten Theil besagter Insel

Mindanao, welche sehr gross ist, die Asche flog bis nach Zebu, Panay

und andern umliegenden Inseln, und besonders nach der von Jolo, die

wohl mehr als vierzig Leguas von Sanguil, wo der Vulkan ausgebrochen,

entfernt sein mag; und obgleich man zur Zeit wegen der Finsterniss

und des Aufruhrs des Wetters, in Jolo nicht wahrnahm, wo das was vom

Himmel herabstürzte, herkam, so bemerkte man, als es hell wurde,

dass um dieselbe Zeit wo in Mindanao und Sanguil der erste Vulkan

ausgebrochen [y aunque entonces por la escuridad y revolucion del

tiempo, no repararon en Jolo de donde les venia lo, que el cielo

arrojava, despues de sereno advertieron que al mismo tiempo que

en Mindanao y Sanguil avia rebentado el primer volcan -- quoique

l'obscurité eut empêché les navires d'observer ce qui se passait

alors à l'île d' Jolo (die Schiffe waren ja über 100 Leguas von Jolo

entfernt!) au dessus de laquelle le ciel paraissait tout rouge, ils ont

appris depuis, que dans le même moment, où le premier volcan faisait

éruption à Sanguiz et lançait ses cendres jusqu' á Mindanao] sich auch

dort die Elemente empört, und noch ein zweiter Vulkan aufgethan hatte,

auf einer kleinen Insel, welche der Barre des Hauptflusses von Jolo,

wo sich unser Presidio befindet, gegenüber liegt. Dort öffnete sich

(wie später festgestellt) die Erde unter grossen Erschütterungen

und spie feurige Flammen aus und dazwischen Bäume und grosse Steine

[Llamas de fuego y entre ellas -- des flammes de feu, qui entraînèrent

avec elles des arbres]. So gross war der Aufruhr der Elemente, dass

er, durch die Eingeweide der Erde bis in die des Meeres dringend,

durch eben den Mund, der sich auf dem Lande aufgethan, eine Menge

grosser Muscheln und verschiedene andre Dinge ausspie, die das Meer

auf seinem Boden erzeugt. Heute steht die Mündung dieses Vulkans offen;

sie ist sehr weit, und hat die ganze Umgebung jener Insel verbrannt.

Aber was am meisten Bewunderung erregt, ist, dass in der Provinz

Ilocos, auf der Insel Manila, die wenigstens 150 Leguas in gerader

Linie von der Stelle entfernt ist, an demselben Tage und zur selben

Stunde, wo die erwähnten beiden Feuervulkane ausbrachen, in einigen

Ortschaften der Igoloten, welche letztere noch ungläubig sind, ein

anderer Sturm stattfand und der dritte Vulkan ausbrach, welcher von

Wasser war und so furchtbar, wie man aus einem Kapitel des Briefes von

Fray Gonzalo de Palma, General Procurators der Augustiner, ersehn wird,

welches im Wesentlichen lautet: Bei den Igoloten, die in Bezug auf die

Ilocos fünf Tagereisen weiter östlich landeinwärts wohnen, erlitt die

Erde am 4. Januar ein so furchtbares und erschreckliches Erdbeben wie

der vorausgegangene wüthende Orkan es angekündigt. Die Erde verschlang

3 Berge von denen einer, an dessen Abhang drei Ortschaften lagen,

unzugänglich war. Diese ganze aus ihren Grundfesten gerissene Masse

flog in die Luft zugleich mit vielem Wasser, so dass die Lücke einen

weiten See bildete ohne irgend ein Zeichen zurückzulassen, weder der

Ortschaften noch der hohen Berge, die dort gestanden hatten. Wind und

Wasser zersprengten die Eingeweide der Erde mit so ausserordentlicher

Wuth, dass Bäume und Berge (montes) in Bruchstücken zwölf Piken hoch

geschleudert wurden und bei dem Aneinanderstossen in der Luft und

im Herabfallen ein so furchtbares Geräusch machten, dass es viele

Stunden weit gehört wurde.

Nach langen religiös-abergläubischen Erörterungen heisst es weiter:

Das letzte ausserordentlichste und allgemeinste Wunder dieses

4. Januartages ist das in diesem Briefe hervorgehobene Getöse,

welches zwischen 9 und 10 Uhr in der Luft entstand und nicht nur

in Manila und den wohl 130 Leguas entfernten Provinzen Ilocos und

Cagayan, sondern auch in sämmtlichen philippinischen Inseln und den

Molukken gehört wurde. Und es drang bis in das Festland von Asien, in

die Reiche von Cochinchina, Champa, Cambodia, wie durch verschiedene

Geistliche und andre glaubwürdige Personen, die aus diesen Reichen

nach Manila gekommen, kund wurde. Eine Entfernung die wohl einen Kreis

von mehr als 300 Leguas Durchmesser und 900 Leguas Umfang bildet,

und in dieser ganzen Entfernung hörte man das Geräusch gleichmässig an

demselben Punkte und demselben Orte. Alle vermutheten, dass es starkes

Artillerie- und Gewehrfeuer sei, und glaubwürdige Leute fügen hinzu,

dass sie einen Schall wie von Trommeln unterschieden [discernieron

sonido como de caxas de guerra -- distingaient le son comme celui

de boîtes d'artifice] und alle hörten es solcher Art, und in solcher

Entfernung, dass sie meinten es sei 2 oder 3 Leguas von der Stelle wo

sie sich befanden. In Manila wähnten sie, es sei im Hafen von Cavite,

und in Cavite, dass es in Manila sei, . . . und es wurden Depeschen von

einem Ort zum andern gesandt. . . . Und so geschah es in allen Inseln,

Städten und Ortschaften innerhalb des Umkreises von 900 Leguas,

eine wunderbare Sache, die, wie es scheint die Grenzen der Natur

überschreitet und den Grundsätzen der Philosophie widerstrebt . . .

Es folgen wieder abergläubische Betrachtungen, darunter eine von

chronologischem Interesse: Da nämlich Malacca, das am 13. Januar von

den Holländern erobert wurde, am 4. schon hart bedrängt war, so meinten

viele, als sie später die Kunde erhielten, der Himmel habe durch die

Vulkane Lärm schlagen lassen, um die Spanier auf den grossen Schaden

aufmerksam zu machen den der Verlust dieser vornehmen Stadt allen jenen

Archipelen, Küsten und davorliegenden Inseln bringen würde. Auch wird

angeführt dass der 5. Januar in Macao dem 4. in Manila entspricht,

weil die Portugiesen von W. nach O., die Spanier von O. nach W. nach

ihren indischen Kolonien gehn. Die Missionäre von Cochinchina gaben

nämlich den 5. Januar als Datum der Ausbrüche.

Perrey kommt zu dem Schluss, dass Nieremberg's Sanguiz ident sei

mit Sanguil oder Sanguir (man findet auch Sangin, Sangi, Sanghir,

Sangir, Sangil, Sanguili) und dass derjenige der drei Ausbrüche der

das Geschwader in Gefahr brachte, auf der Insel Sanguir stattfand,

die etwa 36 Leguas S. von Mindanao liegt. Die erste Annahme wird

durch den Originalbericht bestätigt, gegen die zweite aber erheben

sich manche Bedenken. Dafür scheint der Name der Insel zu sprechen

und ihre Lage zwischen Zamboanga und Ternate.

Aber nur gar zu häufig sind in jenen Ländern verschiedene

Oertlichkeiten mit demselben Namen benannt, wodurch grosse Verwirrung

entsteht. (Ein auffallendes Beispiel davon wird am Schluss dieses

Artikels mitgetheilt.) Auch auf der Insel Mindanao ist zweifellos

wenigstens ein Vulkan Sanguil vorhanden den indessen verschiedene

Schriftsteller an verschiedene Stellen versetzen. Im Originaltext

heisst es nicht, wie in der Uebersetzung, dass der erste Vulkan in

Sanguil ausbrach und seine Asche bis Mindanao schleuderte, sondern

dass er in Mindanao und Sanguil ausbrach, eine schwer zu verstehende

Stelle, die aber nach Ansicht spanischer Autoritäten nur bedeuten

kann: »in Mindanao und zwar in Sanguil«. Der Umstand, dass unter

den Bewohnern von Mindanao Sanguiles aufgeführt werden (s. unten),

lässt vermuthen, dass noch heut ein Gebiet Sanguil dort vorhanden ist.

Nach Berghaus (Hydro-geog. Mem. 62) liegt der Vulkan Sanguili auf der

Halbinsel Sarangani, der Südspitze Mindanao's; auf einer M. S. Karte

aus Forster's Nachlass (Neue berichtigte und verbesserte Karte der

Philippinischen Inseln 1772, K. Bibliothek Berlin) ist ein Vulkan

Sanguil ungefähr an der Stelle eingetragen wo Berghaus den Gunong

Tibangan setzt, etwa 6° 30' N., 124° 30' O. Gr. Nach Magisa liegt der

Vulkan auf einer Insel (?) Sanguil bei Kap San Agustin, welches nach

Allg. Historie (s. unten) Kap Serangani sein kann; nach Perrey auf

der Insel Gross-Sangir. Nach Combes im Gerichtsbezirk von Mindanao

(was sich nach Semper nicht auf den südlichen Theil der Insel beziehen

kann), der Vulkan aber, der (1641) den furchtbaren Ausbruch hatte,

im Gerichtsbezirk von Buhayen, 60 Leguas von Zamboanga, was recht gut

auf den der Südspitze Mindanaos, Kap Sarangani passt. Nach Murillo

Velarde S. 124 giebt es in Sanguil, welches im Süden von Mindanao

liegt, einen Vulkan. Prof. Semper identifizirt S. 5 und auf seiner

Karte den Sanguil mit dem Serangani, bezweifelt aber die Identität

in einer Anmerkung S. 92.

Gegen Perreys zweite Annahme spricht ferner der Umstand, dass sich

das Geschwader längs der Küste bewegte. Befand es sich wirklich bei

Kap S. Agustin so war es sehr aus seinem Kurs gekommen, wofür kein

Grund ersichtlich ist, da Stürme vor dem Ausbruch nicht gemeldet

werden. Dem angegebenen Kurse würde es besser entsprechen, dass sich

das Geschwader zur Zeit des Ausbruches an der Südspitze von Mindanao

bei Kap Sarangani in unmittelbarer Nähe des dortigen Vulkanes befand

und dass die Namen der Kaps verwechselt sind. Auch in der Allgemeinen

Historie der Reisen, XVIII, 391 ist zu lesen, dass das unter 5°

30' N. liegende Kap den Namen Sarangan oder des heiligen Augustin

trage. Indessen weder in dem einen, noch in dem andern Fall konnte sich

das Geschwader gleichzeitig in solcher Nähe der 52, bezüglich 36 Leguas

entfernten Insel Gross-Sanguir und der über 100 Leguas entlegenen Insel

Jolo befinden um von ersterer aus mit Erde und Steinen beschüttet zu

werden und wahrnehmen zu können was auf letzterer vorging.

Perrey führt zwar auch noch einen dritten Grund an, den Umstand

nämlich, dass sich in Zamboanga die Finsterniss von Süden aus

verbreitete; die Insel Gross-Sanguir liegt aber SO. Wahrscheinlicher

ist es, dass der in Zamboanga beobachtete Aschenregen von Jolo kam,

wo gleichzeitig ein Ausbruch stattfand. Dr. Neumayer macht mich darauf

aufmerksam, dass der Januar in jenen Meeren frei von Stürmen ist, dass

in den Berichten nur lokale Stürme und Unwetter erwähnt werden, das zur

Zeit herrschende Windsystem, der NO.-Monsun, also wohl nicht allgemein

gestört war. Die Asche des Joloausbruches konnte also wie solches bei

andern gewaltigen Eruptionen vorgekommen, durch den untern Luftstrom

in den darüber SW. oder WSW. wehenden Aequatorialstrom geschleudert

und von diesem nach Zamboanga und den Bisayas getragen werden.

Gegen Perrey's Annahme muss es auch Bedenken erregen, dass Valentyn

Beschrijving der Moluccos S. 2 in Oud en Nieuw Oost Indie der eine

ausführliche Beschreibung der Insel Gross-Sanguir giebt, und alle

späteren holländischen Schriftsteller keinen früheren Ausbruch dort

erwähnen als den von 1711. Doch war die Insel den Holländern lange

bekannt: 1625 hatten sie das Schiff Trouw daselbst verloren, 1664,

nur 23 Jahre nach den drei gleichzeitigen Ausbrüchen kam überdies

Ternate und damit auch die Insel Sanguir in ihren Besitz.

Am wahrscheinlichsten ist wohl der Vulkan auf der südlichsten

Spitze Mindanao's (Halbinsel Sarangani) als der Heerd des Ausbruchs

anzunehmen, doch ist es nach dem Bericht des Jesuiten Magisa nicht

möglich den Ort mit Bestimmtheit festzustellen. Die Position des

Geschwaders ist unklar, die Richtung in welcher es die Erscheinungen

beobachtete nicht angegeben. Die angeführten Entfernungen bekannter

Punkte, meist um die Hälfte zu gering, zeigen nur dass diese Angaben

werthlos sind. Der Verfasser berichtet vom Hörensagen, seinem Stande

und seiner Zeit entsprechend, nicht geologisch sondern theologisch.

Durch eine ähnliche Betrachtung muss man sich trösten wenn in der

sechsbändigen Historia de los P. P. Dominicos en las islas filipinas

(Madrid 1870) mit Stolz hervorgehoben wird, dass allein Aduarte

(der Dominikaner war) ein am 30. November stattgefundenes grosses

Erdbeben beschreibe und dann seine Schilderung abgedruckt wird,

jedoch mit der Jahrszahl 1619 statt 1610 (s. S. 6).

In Geschichten von Mönchsorden sind solche Irrthümer häufig und

ziemlich unschädlich. Schlimmer ist es wenn sehr gelesene Zeitungen

falsche Angaben in einer Form verbreiten, die den Stempel höchster

Zuverlässigkeit trägt.

Die Illustrated London News 7. Oktober 1871 giebt die Abbildung eines

neuen auf der Insel Camiguin in den Philippinen entstandenen Vulkanes

und dazu folgende Erläuterung: »Der ehrenwerthe F. C. P. Vereker,

Lieutenant zur See, Kommandör des zu hydrographischen Aufnahmen

detachirten K. Grossbrit. Schiffes Nassau erfreut uns mit einer

Skizze des vulkanischen Ausbruchs auf der kleinen Insel Camiguin,

einer der nördlichsten der Philippinen in 19° N. und etwa 122° O. Gr.

Darauf folgt eine kurze Beschreibung des Ausbruches vom 1. Mai

1871 ohne Angabe des Datums . . Als der Nassau den Vulkan im Juli

besuchte war er noch thätig, grosse Massen Dampf und Rauch drangen

aus den Seiten und dem Gipfel, hin und wieder wurden auch Steine

ausgeworfen. Zwei Offiziere die den Vulkan ersteigen wollten, mussten

es wegen der Hitze des Bodens aufgeben.

Der Bericht hat einen fast amtlichen Klang, ist aber dennoch falsch;

denn die gesperrt gedruckte Stelle ist vom Redaktör nach eigenem

Ermessen eingeschoben, die vom Nassau besuchte und skizzirte Insel

Camiguin liegt 9° N. 124° 20' O. Gr., d. h. über 200 Leguas von der

gleichnamigen Insel der Babuyanesgruppe entfernt, nach welcher der

Redaktör das Ereigniss verlegt.

Nach Berichten aus Manila besteht sie aus drei Bergrücken: Catarman,

Sigay und Maginog. Schon am 17. Februar wurden heftige Erdstösse

mit starkem unterirdischen Geräusch wahrgenommen. Am 1. Mai 1871

bemerkten die Bewohner des kleinen Bergdorfes Catarman eine aus dem

Boden aufsteigende Rauchsäule; um 7 Uhr NM. desselben Tages hörten sie

plötzlich einen lauten Knall, und sahen sich von einer Wolke von Feuer

und Steinen umgeben. Einige die sich in grösserer Entfernung befanden,

wurden von dieser Wolke erreicht und an verschiedenen Stellen des

Körpers verbrüht und verbrannt. Alles flüchtete an die Küste um die

Insel zu verlassen, es waren aber nur wenige Fahrzeuge vorhanden. Die

Zahl der Opfer muss sehr beträchtlich gewesen sein. Noch am 12. spie

der Vulkan aus fünf Oeffnungen Rauch und Flammen aus.

Es scheint auf dem Gipfel des Berges von Catarman ein Kratersee

vorhanden gewesen zu sein, dessen Wasserstand grossen Schwankungen

unterlag. Zuweilen trocknete der See ein, einigemale floss er über

und überschwemmte die Umgebung, so namentlich in den Jahren 1827 und

1862. Häufig wurde er durch Gasausströmungen in Wallung versetzt. Ein

eigentlicher Ausbruch hatte in geschichtlicher Zeit nicht statt

gefunden.

Reisen in den Philippinen · 第 85 / 95 题