ABACA ODER MANILA-HANF.

Eines der interessantesten Erzeugnisse jener Inseln ist der sogenannte

Manila-Hanf, von den Franzosen, die aber fast keinen Gebrauch davon

machen, wegen des seidenartigen Glanzes Pflanzenseide genannt. Bei

den Eingeborenen heisst die Faser Bandála, im Handel gewöhnlich

Abacá, wie die Pflanze von der sie gewonnen wird. Letztere ist eine

in den Philippinen ursprünglich wild wachsende Banane, auch árbol

de cáñamo (Hanfbaum) genannt, Musa textilis Lin. Sie unterscheidet

sich im allgemeinen Anblick nicht merklich von der essbaren Banane,

M. paradisiaca, einer der allerwichtigsten Kulturpflanzen warmer

Erdstriche, die als beliebte Zierpflanze unserer Treibhäuser Jedermann

bekannt ist. Ob die an andern Orten des indischen Archipels wild

wachsenden Musen (M. troglodytarum, M. sylvestris und andere),

häufig auch M. textilis genannt, derselben Art angehören, ist noch

nicht festgestellt.

Die Musen sind nur krautartige Pflanzen, der scheinbare Stamm besteht

aus Blattstielen von mondsichelförmigem Querschnitt, die einander

umschliessend den dünnen zentralen Blüthenschaft umgeben. Diese

Blattstiele stecken voll Bastfasern und werden deshalb vielfach statt

Bindfadens benutzt, bilden aber keinen Handelsartikel. Als solcher

dienen bis jetzt ausschliesslich die in dem südöstlichen Theil der

Philippinen gewonnenen Abacáfasern.

Besonders geeignet für den Anbau dieser Pflanze sind die Provinzen

Süd-Camarines und Albay, die Inseln Samar und Leyte und die umliegenden

Eilande, auch Cebu; ein Theil des »Cebu-Hanfs« kommt aber von

Mindanao. Auf Negros gedeiht die Bastbanane nur im Süden, nicht im

Norden, und Yloilo, das die meisten Abacá-Gewebe (Guináras) erzeugt,

muss den Rohstoff von den östlicheren Distrikten einführen, da er

auf der Insel Panay nicht gedeiht (In Capiz wächst wohl etwas Abacá,

es ist aber von geringem Werth). Alle Versuche den Abacábau auch in

den westlichen und nördlicheren Provinzen heimisch zu machen -- es

soll an ernstlichen Bemühungen nicht gefehlt haben -- sind bisher

misslungen; die Pflanzen wurden kaum zwei Fuss hoch, ihr Ertrag

deckte die Unkosten nicht. Als Ursache des Fehlschlagens gilt die

dort mehrere Monate dauernde trockne Jahreszeit; in den östlichen

Provinzen fallen das ganze Jahr reichliche Niederschläge.

Der grosse Nutzen, den der Manilahanf seit einigen Jahren den

Produzenten abwirft, ermuthigt aber zu immer neuen Versuchen,

und so wird sich wohl bald zeigen, ob der Abacábau wirklich an sein

bisheriges enges Gebiet gebunden ist, während die essbaren Arten sich

innerhalb der Wendekreise über die ganze Erde verbreitet haben. Auf

den vulkanischen Bergen des westlichen Java wächst eine wilde Musa in

grosser Ueppigkeit, die Regierung hat sie aber nicht zum Gegenstand

nachhaltiger Kulturversuche gemacht, und der Privatunternehmungsgeist

ist dort bis jetzt durch das »Kultursystem« gefesselt. In verschiedenen

Schriften wird angegeben, dass im Norden von Celébes Abacá gewonnen

werde. Bickmore sagt aber ausdrücklich, dass die von den Residenten

mit grosser Anstrengung gemachten Versuche wieder aufgegeben wurden,

weil der Kaffeebau sich lohnender erwies. [245] Guadalupe soll auf

vorhergehende Bestellung Abacá (Fasern von M. textilis?) liefern

können. [246] Pondichery und Guadalupe sollen Abacágewebe und

Französisch-Guiana Stoffe von Fasern essbarer Bananen ausgestellt

haben. [247] [248] Alles dies sind aber nur Versuche.

Nach Royle [249] übertrifft die Abacáfaser den russischen Hanf an

Festigkeit, Leichtigkeit, Tragkraft und Billigkeit, und steht ihm

nur darin nach, dass die daraus gefertigten Taue bei Regenwetter

steif werden, was aber an der Art des Verspinnens liegen und durch

zweckmässige Behandlung zu vermeiden sein soll. [250] In der That

werden diese Uebelstände jetzt z. Th. durch bessere Bereitung des

Rohstoffs in Manila vermittelst geeigneter Maschinen beseitigt. Den

Vortheil grösserer Billigkeit hat das Abacá gegenwärtig nicht mehr,

da die Nachfrage viel schneller zunimmt, als sie befriedigt werden

kann. Während es 1859 in London 22 bis 25 £ per Tonne galt, kostete

es 1868 45 bis 50 £, russischer Hanf 31 £, es war also in 9 Jahren

auf das Doppelte gestiegen.

In Albay werden etwa zwölf Abarten von Bastbananen gebaut, deren

Wahl sich nach der Beschaffenheit des Bodens richtet. Die Kultur

ist äusserst einfach und von den Jahreszeiten unabhängig. Am besten

gerathen die Pflanzungen auf den Abhängen vulkanischer Berge,

woran Albay und Camarines so reich sind, auf Waldlichtungen, in

denen jedoch schattengebende Bäume in Entfernungen von etwa 60 Fuss

stehn bleiben. Auf offenen Flächen gelingen sie weniger, in Sumpfland

gar nicht.

Zur Anlage einer neuen Pflanzung werden gewöhnlich junge Triebe

benutzt, die in solcher Fülle aus der Wurzel sprossen, dass jedes

Individuum bald zu einem Busch wird. Auf gutem Boden lässt man daher

Abstände von wenigstens 10 Fuss zwischen den Pflanzen, auf geringerem

6 Fuss. Die ganze Arbeit beschränkt sich auf gelegentliche Vertilgung

des Unkrautes und Unterholzes während der ersten Zeit; später wuchern

die Pflanzen so üppig, dass sie keine andere neben sich aufkommen

lassen, dann sind auch schattengebende Bäume nicht mehr nöthig,

da die jungen Triebe unter den wedelartigen Blättern der alten

hinreichenden Schutz gegen die Sonnengluth finden. Nur in seltenen

Fällen, bei Uebersiedelung in entfernte Gebiete, werden Pflanzen

aus Samen gezogen. Zu dem Zwecke schneidet man die Früchte ab und

trocknet sie, doch dürfen sie nicht überreif sein, da die Kerne sonst

nicht keimen. Letztere haben die Grösse von Pfefferkörnern (bei den

essbaren Arten sind sie fast bis zum Verschwinden verkümmert). Zwei

Tage vor dem Aussäen werden die Kerne aus der Frucht genommen, über

Nacht in Wasser gelegt, am folgenden Tage im Schatten getrocknet, am

dritten Tage ausgesäet, in zolltiefe Löcher, auf frisch umgegrabenen

hinreichend beschatteten Waldboden, mit 6 Zoll Abstand zwischen den

Pflanzen und Reihen. Nach einem Jahre pflanzt man die dann etwa 2'

hohen Sämlinge um und behandelt sie weiter wie Wurzeltriebe. Während

viele essbare Bananen schon nach einem Jahre Früchte tragen, einige

sogar schon nach 6 Monaten, braucht die Abacá im Durchschnitt 3 Jahre

bis zur Bastreife, wenn sie aus Wurzeltrieben; vier Jahre, wenn sie

aus ein Jahr alten Sämlingen gezogen wird; unter den günstigsten

Verhältnissen 2 Jahre.

Bei der ersten Ernte schneidet man von jedem Busch nur einen Stamm,

später nimmt der Nachwuchs so schnell zu, dass alle paar Monate

geschnitten werden kann; [251] nach einigen Jahren wird die Pflanzung

so dicht, dass es kaum möglich ist, durchzudringen. Am besten ist der

Bast zur Zeit, wo die Blüthe ansetzt, doch wird, wenn die Faser hoch

im Preise steht, dieser Zeitpunkt nicht immer abgewartet.

Pflanzen, die geblüht haben, werden gar nicht ausgebeutet, angeblich

weil ihre Faser zu schwach ist. Eine so zartfühlende Rücksicht für

den unbekannten Konsumenten jenseits des Weltmeers trotz dringender

Nachfrage und mangelnder Aufsicht wäre befremdend. Auch ist kein

Grund ersichtlich, weshalb die Faser schwächer werden sollte durch

den Vorgang der Fruchtbildung, der doch nur zu den Gefässzellen in

Beziehung steht, die Umwandlung ihres Inhalts in lösliche Stoffe

und ihre allmälige Entleerung zur Folge hat, während die Faserzellen

dadurch nicht beeinflusst werden. Diese nehmen im Gegentheil mit dem

Alter der Pflanze an Festigkeit zu; haften aber, weil die entleerten

Zellen, durch Ablagerung harziger Stoffe an einander kleben, so fest

zusammen, dass es nicht möglich sein würde, sie ohne sehr vermehrten

Kraftaufwand und unzerrissen zu gewinnen. So mag die irrige Meinung

entstanden sein. Durch vorheriges Rösten, wie beim Hanf, liessen

sich vielleicht auch die alten Pflanzen verwerthen, jedoch nicht ohne

beträchtliche Erhöhung des Arbeitslohns, der schon jetzt den grössten

Theil der Darstellungskosten ausmacht. [252]

Um den Bast zu erhalten, wird der Stamm dicht über dem Boden

abgeschnitten und von den Blättern und äussern Hüllen befreit; dann

löst man die einzelnen Blattstiele in Streifen ab, macht auf der

innern, konkaven Seite einen Querschnitt durch die Haut und reisst

sie sammt dem daran haftenden fleischigen Theil (dem Parenchym) ab,

so dass nur die äussere Haut möglichst rein zurückbleibt. Oder man

löst den Bast von dem unzertheilten Stamm. Zu dem Zweck macht der

Arbeiter einen schrägen Einschnitt in die Haut am untern Ende des

Stammes, fährt mit dem Messer unter den Zipfel, zieht einen möglichst

breiten Streifen der ganzen Länge nach ab, und wiederholt dies so

lange es lohnt. Dies Verfahren, ausgiebiger, aber zeitraubender als

das zuerst beschriebene und daher nur selten angewendet, heisst:

jagot, jenes: luni. Die Baststreifen werden dann unter einem drei

Zoll hohen, sechs Zoll langen Messer durchgezogen, das mit einem

Ende an einem elastischen Stock so befestigt ist, dass die Klinge

senkrecht über einem geglätteten Block schwebt, und am andern Ende,

dem Griff, mittelst einer an einem Trittbrett angebrachten Schnur

fest aufgedrückt werden kann. Der Arbeiter zieht die mehr oder

weniger gereinigten Bastreifen zwischen Block und Messer durch,

von der Mitte anfangend erst nach der einen, dann nach der andern

Seite. Das Messer darf nicht schartig oder gar sägenförmig gezähnt

sein, wie Padre Blanco angiebt. [253]

In Lohn arbeitend liefern 3 Mann gewöhnlich 25 Pfd. per Tag. Einer

haut den Stamm um, löst die Blätter ab und trägt zu; ein Zweiter,

häufig ein Knabe, bereitet die Streifen, der Dritte zieht sie unter

dem Messer durch. Es kommt vor, dass einzelne Pflanzen bis 2 Pfund

Fasern liefern; der günstigste Durchschnitt beträgt wohl nur selten

ein Pfund, auf schlechtem Boden kaum den sechsten Theil. Der Besitzer

beutet die Pflanzung entweder selbst aus, oder durch Tagelöhner oder,

bei sehr niedrigen Marktpreisen, indem er den Arbeitern die Hälfte

des Ertrages überlässt. In diesem Fall soll ein tüchtiger Arbeiter

einen Pico in der Woche liefern können. Legt man den bei meiner

Anwesenheit ausnahmsweise niedrigen Preis, 16,5 r. für den Pico zu

Grunde, so gewinnt der Arbeiter in 6 Tagen den halben Betrag = 8,25

r., täglich 1,375 r. Der Tagelohn war damals 0,5 r. und Beköstigung =

0,25 r., zusammen 0,75 r.

im Tagelohn: auf halben Antheil:

Der Arbeiter verdiente also täglich 0,75 r. 1,375 r.

Der Arbeitslohn per Pico betrug 12,6 r. 8,25 r.

Der Nutzen des Pflanzers

nach Abzug des Arbeiterlohns 3,9 r. 8,25 r.

Die Ränder der Blattstiele, die viel feinere Fasern enthalten als

die Mitte, werden in zollbreiten Streifen besonders abgelöst und

mit starkem Druck mehrere Male unter dem Messer durchgezogen. Ihr

Produkt heisst Lúpis, steht hoch im Preise und wird zu feinen

inländischen Geweben benutzt, während die Bandála hauptsächlich zu

Tauwerk dient. [254] Das Lupis wird nach der Feinheit der Fasern in

vier Klassen sortirt (1o Binani, 2o Totogna, 3o Sogotan, 4o Cadaclan)

indem man ein Bündel davon in die linke Hand nimmt, und mit der rechten

die drei ersten Sorten in die Zwischenräume der vier Finger einreiht,

die vierte zwischen Daum und Zeigefinger behält. Diese letztere ist

für sehr feine Gewebe nicht mehr verwendbar, und wird daher häufig

mit der Bandála verkauft. Nachdem die feinen Sorten im Reis-Mörser

gestampft worden, um die Fasern geschmeidiger zu machen, werden diese

einzeln an einander geknüpft und zum Weben verwendet.

Gewöhnlich wird die erste Sorte als Einschlag mit der zweiten

als Kette, die dritte als Kette mit der zweiten als Einschlag

verarbeitet. Dergleichen Gewebe sind fast so schön, wie Ananas-Stoffe

(Nipis de piña), kommen den feinsten Batisten an Feinheit gleich,

sind trotz der vielen kleinen vom Verknüpfen der Fasern herrührenden

Knötchen, die man bei genauerer Beschauung entdeckt, noch klarer,

auch starrer, und haben einen wärmeren gelblichen Ton. [255] In Bezug

auf diese letzten drei Eigenschaften, Klarheit, Starrheit und Farbe,

verhalten sie sich zum Batist etwa wie Pauspapier zu Seidenpapier.

Die Herstellung solcher Stoffe auf sehr unvollkommenen Webstühlen

ist äusserst mühsam, da die nicht gesponnenen, sondern geknoteten

Fasern häufig reissen. Die feinsten Zeuge verlangen einen so grossen

Aufwand von Geschick, Geduld und Zeit, und steigen dadurch so sehr

im Preise, dass sie in Europa der billigen Maschinenarbeit gegenüber

keine Käufer finden würden. Selbst ihr schöner warmer Ton wird ihnen

von den an stark gebläute Wäsche gewohnten Europäerinnen zum Vorwurf

gemacht. Im Lande dagegen werden sie von den reichen Mestizinnen,

welche die Arbeit zu würdigen verstehn, sehr hoch bezahlt.

Die Fasern der innern Blattstiele, die weicher, aber nicht so

stark sind als die der äussern, heissen Tupus und werden mit der

Bandála verkauft, oder zu inländischen Geweben, besonders zu Tapis

benutzt. Auch die Bandála dient zu Geweben, und in dem Theil des

Archipels, wo die Abacákultur einheimisch, besteht oft der ganze Anzug

beider Geschlechter nur aus grober Guinára. Noch gröbere starrere

Zeuge werden für den europäischen Markt bereitet, als Krinoline,

oder zum Fassonniren für Putzmacherinnen.

Schon vor Ankunft der Spanier trugen die Eingeborenen Stoffe von

Abacá. Einen wichtigen Ausfuhrartikel bildet es erst seit einigen

Jahrzehnten. Dies ist zum grossen Theil dem Unternehmungsgeist

zweier amerikanischen Häuser zu danken und wurde nicht ohne viel

Beharrlichkeit und beträchtliche Geldopfer erreicht.

Da die Pflanzen ohne Pflege fortwachsen, und nur die Gewinnung der

Fasern Mühe macht, so scheut der durch die Freigiebigkeit der Natur

gegen Noth geschützte Eingeborene diese Mühe, wenn der Marktpreis

nicht sehr lockend ist. Auf regelmässige Lieferungen wäre bei niedrigen

Preisen kaum zu rechnen, wenn der Leichtsinn der Indier den Händlern

nicht eine Handhabe böte, um sie zur Arbeit anzuhalten: man macht

ihnen Vorschüsse in Waaren oder Geld, die sie durch Lieferungen

von Bandála aus der eigenen Pflanzung oder durch Arbeit in der des

Gläubigers tilgen müssen. [256] So lange das Produkt hoch im Preise

steht, geht alles ziemlich gut, obwohl auch dann durch Unredlichkeit

der Indier, Trägheit, Unwirthschaftlichkeit und Unfähigkeit der nicht

kaufmännisch geschulten Zwischenhändler zuweilen beträchtliche Verluste

vorkommen. Sinkt aber die Waare bedeutend im Preise, so sucht der

Indier auf jede Weise seine dann sehr unbequeme Verpflichtung zu

umgehn; der nach Prozenten berechnete Nutzen der Zwischenhändler

deckt kaum die Zinsen des geborgten Kapitals; dennoch müssen sie

liefern, da sie kein andres Mittel zur Verzinsung ihrer Schuld

besitzen. Dann führen die Indier bittre Klage über die Agenten,

die sie durch Vorschüsse unter wucherischen Bedingungen zu harter

unergiebiger Arbeit zwingen, die Agenten (gewöhnlich Kreolen und

Mestizen) klagen über die schlauen habgierigen Fremden, die sich

nicht entblöden, sie, die Herren der Kolonie, in ihre Schlinge zu

locken um sie zu Grunde zu richten, die schlauen Fremden endlich

verlieren beträchtliche Kapitalien. Nachdem auf solche Weise eine

der bedeutendsten Firmen sehr hohe Summen eingebüsst, soll es den

an diesem Handel vorwiegend betheiligten Amerikanern gelungen

sein dem bisher befolgten Vorschusssystem ein Ende zu machen,

selbst Magazine und Pressen an den Bezugsquellen zu errichten, und

durch ihre Kommis unmittelbar vom Produzenten zu kaufen. Alle früher

dahin zielenden Bestrebungen waren an dem Widerstand der Spanier und

Kreolen gescheitert, denn diese betrachten die Ausbeutung der Kolonie

und besonders den Binnen- und Kleinhandel als ihr ausschliessliches

Recht, sind sehr neidisch auf die »fremden Eindringlinge, die sich

auf ihre Unkosten bereichern« und legen ihnen jedes Hinderniss in den

Weg. Hinge es von diesen Leuten ab, so müssten alle Fremde aus dem

Lande vertrieben, die Chinesen nur als Kulis zugelassen werden. [257]

In derselben Weise werden die Chinesen als tüchtige zuverlässige

Arbeiter von den Indiern gehasst, und alle Versuche, grössere

Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind

bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene

nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung

vertreiben. Auch den Kolonialbehörden wird vorgeworfen, dass sie die

Chinesen nicht wie sie sollten, gegen dergleichen Gewaltthätigkeiten

beschützen. Dass bisher in den Philippinen grössere Unternehmungen in

der Regel nicht glückten, oder wenigstens keinen bedeutenden Nutzen

abwarfen, ist nicht zu bestreiten, und wird von Vielen vornehmlich

jenen Umständen zugeschrieben. Manche freilich erklären die Misserfolge

aus andern Ursachen und versichern, dass die Indier gut arbeiten, wenn

sie pünktlich und angemessen bezahlt werden. Die Regierung scheint

allmälig zu der Einsicht gekommen, dass die natürlichen Hülfsquellen

der Kolonie nicht erschlossen werden können ohne das Kapital und den

Unternehmungsgeist der Ausländer. Sie hinderte daher in neuer Zeit

ihre Niederlassung in der Provinz durchaus nicht. 1869 ist den Fremden

endlich das Niederlassungsrecht durch ein Gesetz zugestanden worden.

Die nächste Zukunft scheint sich für die Abacákultur sehr glänzend

zu gestalten. Seit Beendigung des amerikanischen Krieges, der

ein bedeutendes Fallen im Werthe dieses hauptsächlich in Amerika

verwendeten Produktes zur Folge hatte, sind die Preise fortwährend

im Steigen. Mas (Informe) giebt an, dass 1840 136,034 Picos Abacá zum

Werth von 397,995 Dollar ausgeführt wurden, wonach sich der Werth per

Pico auf 2,9 Dollar berechnet. Der Preis stieg allmälig und hielt

sich zwischen 4 und 5 Dollar; erreichte während des Krimkrieges,

der die Ausfuhr des russischen Hanfs verhinderte, die enorme Höhe

von 9 Dollar, was die Anlage vieler neuen Pflanzungen veranlasste,

deren Produkt, als es nach 3 Jahren bei inzwischen wieder eingetretenen

normalen Verhältnissen auf den Markt kam, die Preise auf 3 1/2 Dollar

herabdrückte, wobei es sich eben noch lohnte, vorhandene Pflanzungen

auszubeuten, nicht aber neue anzulegen. Diese Preise erhielten sich bis

1860, sind seitdem allmälig gestiegen (nur während des amerikanischen

Krieges trat eine Stockung ein), stehn jetzt wieder so hoch wie während

des Krimkrieges, und es scheint keine Aussicht vorhanden, dass sie

fallen werden, so lange den Philippinen kein Konkurrent erwächst. 1866

kostete in Manila der Pico nie weniger als 7 Dollar, was noch 2 Jahre

vorher als Maximum galt, und stieg bis auf 9 1/2 Dollar für ordinäre

Sorten. »Die Produktion hat in manchen Provinzen die äusserste Grenze

erreicht, eine Steigerung derselben ist für das Erste wenigstens

nicht möglich, da die ganze männliche Bevölkerung bereits an der

Kultur betheiligt ist ... ein Beleg dafür, dass reichlicher Lohn die

Faulheit der Eingeborenen zu überwinden vermag«. [258]

Nachstehende Tabelle scheint die Richtigkeit dieser Ansicht zu

bestätigen.

Reisen in den Philippinen · 第 59 / 95 题