DIE NEUEN ZOLLHÄFEN. -- STEINKOHLE IN CEBU. -- YLOILO. --
AUFSCHWUNG DES ZUCKERBAUES.
1830 wurden versuchsweise sieben neue Häfen geöffnet, wegen grosser
Zolldefraudationen aber bald darauf wieder geschlossen. 1831 Errichtung
eines Zollamtes in Zamboánga, SW. Spitze von Mindanáo. 1855 wurden Suál
im Golf von Lingayen, einer der sichersten Häfen auf der Westküste
Luzon's und Yloílo auf Panay, 1863 Cebú auf der gleichnamigen Insel
für den direkten Verkehr mit dem Auslande geöffnet.
Schon 1635 hatten die Spanier ein Fort in Zamboánga errichtet, das
die Seeräuberzüge gegen die Kolonie zwar nicht ganz verhindern konnte,
sie aber doch sehr einschränkte. [238] Bis 1848 sollen von den Moros
jährlich 800 bis 1500 Personen fortgeschleppt worden sein. [239]
Der Gründung dieses Zollamtes lagen daher mehr politische als
kommerzielle Rücksichten zu Grunde: man wollte den Seeräuberstaaten
der Solosee einen leicht zugänglichen Platz zum Umsatz ihrer Produkte
öffnen. Der Handel ist bis jetzt höchst unbedeutend; die Ausfuhr
besteht hauptsächlich in etwas Kaffee (1871 gegen 6000 Picos), der
wegen seiner nachlässigen Behandlung 30% weniger als Manila-Kaffee
gilt, und in eingesammelten Produkten des Waldes und Wassers
(Wachs, Vogelnester, Schildpatt, Perlen, Perlmutter, und essbare
Holothurien). Dieser Handel wird, so wie der mit Solo nur durch
Chinesen betrieben, welche allein die dafür erforderliche Geduld,
Geschmeidigkeit und Gewandtheit besitzen.
Suál ist besonders für Reisausfuhr wichtig. Sein Fremdhandel wird daher
vom Ausfall der Ernten in Saigon, Birma, China beeinflusst. 1868, wo in
obigen Ländern die Ernten gut ausgefallen, trieb Suál nur Küstenhandel.
Cebú, 34,000 E., Hauptstadt der Insel desselben Namens, Sitz der
Regierung und des Bischofs für die Bisayas, in 48 Stunden von Manila
im Dampfboot zu erreichen, hat eine eben so günstige Lage für den
östlichen Theil der Bisaya-Gruppe, als Yloilo für den westlichen und
wird mehr und mehr zum Stapelplatz seiner Produkte. Von Bojól erhält
es Zucker und Tabak, von Panay Reis, von Leyte und Mindanao Abacá, von
Misámis (Mindanao) Kaffee, Wachs, spanisches Rohr, Perlmutter. Es ist
von Samar 26, von Leyte 7 1/2 von Bojol 4, von Negros 18 M. entfernt.
Die Insel Cebú hat 75 quadr. M. Flächeninhalt, ein hohes Gebirge
durchzieht sie von N. bis Süd und scheidet die Ost- von der
Westseite, ihre Einwohnerzahl wird auf 340,000 geschätzt, 4533 auf die
quadr. M. Die Bewohner sind friedfertig und gefügig, Diebstähle kommen
sehr selten, Räubereien nie vor. Die Gewerbe bestehn in Ackerbau,
Fischerei und Weberei für den eignen Gebrauch. Cebú produzirt Zucker,
Tabak, Mais, Reis u. s. w., in den Bergen auch Kartoffeln, aber
der gewonnene Reis deckt den Bedarf nicht, da nur wenig ebenes Land
vorhanden ist, der fehlende Reis wird von Panay eingeführt.
Die Insel besitzt beträchtliche Kohlenlager, deren nachdrückliche
Ausbeutung jetzt zu erwarten steht, da der Ausfuhrzoll durch Dekret
vom 5. Mai 1869 aufgehoben worden ist. [240] Während in Luzon und
Panay das Land grösstentheils Eigenthum der Bauern, gehört es in
Cebú meist Mestizen und wird von ihnen in ausserordentlich kleinen
Parzellen nach dem Metayer-System verpachtet. Die Grundbesitzer
wissen die Bauern durch wucherische Vorschüsse in Abhängigkeit zu
erhalten; eine der Folgen dieses Missbrauches ist, dass der Ackerbau
auf dieser Insel tiefer steht als in irgend einem andern Theil des
Archipels. [241] Der Gesammtwerth der Ausfuhr 1868 betrug 1,181,050
Dollar, davon 481,127 Dollar Zucker und 378,256 Dollar Abacá nach
England, 112,000 Dollar Abacá nach Amerika, 188,260 Dollar Tabak
nach Spanien. Die Einfuhr fremder Güter findet über Manila statt,
grösstentheils durch Chinesen, die von den fremden Importhäusern in
Manila kaufen. Der Werth dieser Einfuhren betrug 1868 182,522 Dollar,
davon 150,000 Dollar für englische Baumwollenstoffe. Die Gesammteinfuhr
der Insel wurde auf 1,243,582 Dollar, die Lokalausfuhr auf 226,989
Dollar geschätzt. Unter den Einfuhren werden 20 Kisten Bilder, ein
Zeichen des tief gewurzelten Marienkultus, aufgeführt. Früher kauften
die fremden Kaufleute die Ausfuhrprodukte meist durch chinesische
Mestizen auf, jetzt unmittelbar von den Produzenten, welche nun, nach
Wegfall der hohen Maklergebühren, höhere Preise erhalten. Diesem der
Energie der fremden Kaufleute zu dankenden Umstande ist die allmälige
Zunahme des Ackerbaues hauptsächlich zuzuschreiben.
Yloilo ist der wichtigste der neu eröffneten Häfen, Zentralpunkt der
Bisayas, in einer der volkreichsten, betriebsamsten Provinzen. N. Loney
schätzt die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern von Yloilo und
den benachbarten Provinzen auf eine Million Dollar jährlich. Der
Hafen ist ausgezeichnet, völlig geschützt durch eine queer davor
gelagerte Insel. Die Fahrzeuge liegen in zwei Faden Tiefe (bei Ebbe)
unmittelbar am Strande. Wegen der Barre müssen tiefgehende Schiffe
ihre Ladung ausserhalb derselben vervollständigen. Vor Eröffnung
der neuen Häfen waren alle Provinzen gezwungen, ihre für die Ausfuhr
bestimmten Produkte nach Manila zu bringen, und ihre ausländischen
Bedürfnisse von dort zu beziehn, wodurch erstere namentlich wegen
der doppelten Schifffahrts-, Umlade-, Makler- und Lagerkosten sehr
erheblich vertheuert wurden. Aus einem handschriftlichen Bericht
N. Loney's geht hervor, wie günstig die Eröffnung von Yloilo schon
nach so wenigen Jahren auf die davon zunächst betroffenen Provinzen
der Inseln Panay und Negros gewirkt hat.
Die höheren Preise, die für direkt ausgeführten Zucker gezahlt werden
konnten, die Leichtigkeit und Sicherheit des Geschäfts, im Vergleich zu
dem früher von Manila monopolisirten, hatte eine grosse Ausdehnung des
Zuckerbaus zur Folge. Nicht nur in Yloilo, sondern auch in Antíque und
Negros entstanden viele neue Pflanzungen; die alten wurden so viel als
möglich vergrössert. Nicht weniger bedeutend war der Fortschritt in der
Fabrikation. 1857 gab es auf der ganzen Insel nicht eine eiserne Mühle;
bei den vorhandenen hölzernen blieben im Rohr, nachdem es dreimal durch
die Walzen gegangen, 30% Saft zurück. Jetzt verdrängen eiserne, durch
Dampf oder Büffel getriebene Pressen die hölzernen. Ihre Anschaffung
wird unbemittelten, auch eingeborenen Pflanzern sehr erleichtert,
da diese jetzt aus den Niederlagen der englischen Importhäuser auf
Kredit kaufen können. Anstatt der alten chinesischen gusseisernen
Pfannen werden bessere aus Europa eingeführt. Mehrere grosse,
mit allen Erfordernissen der Neuzeit ausgerüstete, durch Dampf
betriebene Fabriken sind entstanden, auch im Feldbau ist reger
Fortschritt bemerkbar. Aus Europa bezogene verbesserte Pflüge,
Karren und Ackergeräthe werden immer häufiger. Diese Veränderungen
zeigen wie wichtig es war, an verschiedenen Punkten des über 200
Meilen ausgedehnten Archipels Verkehrszentren zu schaffen, wo sich
Ausländer niederlassen können. Ohne Letztere und die durch sie
herbeigeführten Krediterleichterungen wäre der schnelle Aufschwung
Yloilo's nicht möglich gewesen, denn die Handelshäuser der Hauptstadt
können ihnen unbekannten Pflanzern in fernen Provinzen nicht anders,
als gegen baar verkaufen. Eine grosse Anzahl Mestizen, die früher
mit in Manila gekauften Manufakturwaaren Handel trieben, vermögen,
seitdem die dortigen fremden Firmen ihre Güter direkt in die Provinz
senden, weder diesen, noch den chinesischen Kleinhändlern gegenüber
zu bestehn, und haben sich zu ihrem und des Landes grossen Vortheil
auf Zuckerbau verlegt. So sind auf Negros bedeutende Pflanzungen
entstanden, die mit Eingeborenen von Yloilo bewirthschaftet werden,
da es auf jener Insel an Händen fehlt.
Ausländer können jetzt gesetzlich Grund und Boden erwerben und
vollgültige Besitztitel erhalten, was bis vor wenigen Jahren nur durch
Umgehung des in diesem Punkt sehr unbestimmt lautenden Gesetzes möglich
war. Das Land wird durch Kauf oder, wenn es noch unbenutzt ist, durch
»Denuncia« erworben. In diesem Falle bezeichnet der Denunziant den
betreffenden einheimischen Behörden das Stück Land, das er bebauen
will, und erhält, falls kein Andrer Anspruch darauf erhebt, einen
Schein darüber ausgestellt, auf dessen Einreichung der Alkalde ohne
andre Kosten als Stempel und Gebühren den Besitztitel ausfertigt.
Manche Mestizen und Eingeborene, denen das nöthige Kapital zum
erfolgreichen Betriebe einer grossen Pflanzung fehlt, verkaufen ihre
urbar gemachten Felder an europäische Kapitalisten und bilden so einen
Vortrab für bemittelte Pflanzer. Die Kolonial-Regierung ist jetzt
aufrichtig geneigt, die Anlage grosser Pflanzungen zu begünstigen.
Es fehlt noch sehr an guten Strassen. Mit der Zunahme des Landbaus
werden sie sich aber vermehren; auch liegen die meisten Zuckerfabriken
in Negros an Flüssen, die hinreichend tief für flache Lastboote
sind. Der Bodenwerth hatte sich in manchen Gegenden seit zehn Jahren
verdoppelt. [242] Diese Ergebnisse sind der durch Ausfuhrfreiheit so
lukrativ gewordenen Zuckerindustrie zuzuschreiben.
Bis 1854 galt der Pico Zucker 1,25 Dollar bis 1,5 Dollar in Yloilo
und selten über 2 Dollar in Manila; 1866: 3,25 Dollar, 1868: 4,75
bis 5 Dollar per Pico in Yloilo. Schon zu 1,75 Dollar in Yloilo ist
das Geschäft lohnend. [243]
Ende 1866 waren auf der Insel Negros allein, ausser zahlreichen
Mestizen, 20 Europäer als Zuckerpflanzer angesiedelt, von denen mehrere
mit Dampfmaschinen und Vacuumpfannen arbeiteten. Der Tagelohn betrug
2,5 Dollar bis 3 Dollar monatlich. Auf einigen Pflanzungen sind
»Acsa« (Antheil) Kontrakte in Gebrauch: der Eigenthümer überlässt
ein Stück Land sammt Zugvieh und Ackergeräth zur Bearbeitung an einen
Eingeborenen, der das gewonnene Rohr in die Mühle zu liefern hat und
einen Theil (gewöhnlich ein Drittel) für sich erhält. In Negros wird
violettes, bei Manila weisses (Otaheiti) Rohr gebaut; der Boden wird
nicht gedüngt. Auf neuem Boden wird das Rohr oft 13 Fuss hoch. Die
grosse Zunahme des Wohlstandes ist auch an den Kleidern ersichtlich;
Stoffe von Piña und Seide werden immer allgemeiner. Die Zunahme von
Luxus ist ein gutes Zeichen: mit den Bedürfnissen wird der Fleiss
steigen.
Wie schon mehrfach erwähnt, scheinen Californien, Japan, China,
Australien die naturgemässen Hauptabnehmer für die Kolonial-Produkte
der Philippinen. Gegenwärtig freilich ist England der beste Kunde,
aber mehr als die Hälfte seiner Rechnung ist für Zucker, in Folge
eigenthümlicher Zollgesetze. Nur ein Viertel etwa der Zuckerernte wird
hinreichend gereinigt, um in Californien und Australien mit den Sorten
von Bengalen, Java, Mauritius konkurriren zu können; die übrigen drei
Viertel müssen sonderbarer Weise die weite Reise nach England machen,
trotz der hohen Fracht und eines Gewichtverlustes auf der Seereise
von 10 bis 12% (durch Auslaufen der Molasse). Gerade seine schlechte
Beschaffenheit empfiehlt den philippinischen Zucker dem englischen
Raffinör, der ihn nur mit 8 Sh. per Cwt. verzollt, während reinerer
10 bis 12 Sh. kostet. [244]
So prämiirt das englische Zollgesetz die schlechte
Zuckerfabrikation. Dasselbe that bis 1862 die Kolonial-Regierung,
indem sie den Fabriken nicht gestattete ihre Molassen zu Rum zu
destilliren (s. S. 58). Man hatte daher wenig Lust, dem Zucker mit
Unkosten einen nicht zu verwerthenden Körper zu entziehn. Unter
normalen Verhältnissen deckt die Rumfabrikation nicht nur die Kosten
der Reinigung, sie liefert auch einen erheblichen Gewinn.