Die Bisayer, wenigstens die Bewohner der Inseln Samar und Leyte
(andre habe ich nicht näher kennen gelernt) gehören Einem Stamme
an. [227] Sie sind körperlich und geistig, in Charakter, Tracht,
Sitten und Gebräuchen so ähnlich, dass meine ursprünglich an
verschiedenen Punkten der beiden Inseln gemachten Aufzeichnungen durch
Ausscheidung der zahlreichen Wiederholungen zu Einer verschmolzen,
die ein vollständigeres Bild und zugleich Gelegenheit giebt, kleine
Verschiedenheiten, wo sie stattfinden, deutlicher hervortreten
zu lassen.
Negritos sind weder in Samar noch in Leyte vorhanden, aber viele
Cimarronen, die keinen Tribut zahlen und nicht in Dörfern, sondern
unabhängig in den Wäldern leben. Ich habe leider keinen persönlichen
Umgang mit ihnen gehabt, und was ich von den christlichen Bewohnern
Samar's über sie erfahren, ist zu unzuverlässig, um wiederholt zu
werden. Sicher scheint es aber, dass alle diese Cimarronen oder
ihre Vorfahren schon mit den Spaniern verkehrt haben, und dass ihre
Religion manche katholische Formeln aufgenommen hat. So pflegen sie
bei dem Reispflanzen, wo sie nach alter Sitte etwas von der Saatfrucht
absondern, um es an den vier Ecken des Feldes als Opfer darzubringen,
gern einige verstümmelte katholische Gebete herzusagen, die sie für
wirksamer zu halten scheinen, als ihre alten heidnischen. Einige
lassen sogar ihre Kinder taufen, da es nichts kostet, erfüllen aber
sonst keine christlichen oder bürgerlichen Pflichten. Sie sind sehr
friedlich, bekriegen einander nicht, haben auch keine vergifteten
Pfeile. Beispiele von Cimarronen, die zum Christenthum und Dorfleben
sammt Tribut und Frohnden übertreten, sind äusserst selten. Umgekehrt
ist auch die Zahl der Indier, welche sich in die Wälder zurückziehn,
um Cimarronen zu werden, sehr unbedeutend, wohl noch geringer
als in Luzon, da die Eingeborenen bei dem leidenschaftlosen, fast
pflanzlichen Leben, das sie führen, nicht leicht in den Fall kommen,
ihr Dorf verlassen zu müssen, das mehr noch als in Luzon für sie die
Welt bedeutet.
Der Reisbau richtet sich nach den Jahreszeiten. An einigen Orten, wo
grössere Felder vorhanden sind, ist der Pflug (arado) und der Sodsod
(hier surod genannt) in Gebrauch; fast allgemein aber lässt man das
Reisfeld in der Regenzeit nur von Büffeln durchtreten. Man säet an der
Westküste im Mai und Juni, pflanzt im Juli und August und erntet von
November bis Januar. Eine Ganta Aussaat giebt zwei, zuweilen drei bis
vier Cabanes (d. h. 50, 75 bis 100 fach). Bei der Hauptstadt Catbalógan
sind nur sehr wenige bewässerte Reisfelder (Tubigan, von Tubig,
Wasser) vorhanden, deren Ertrag für das Bedürfniss nicht ausreicht, das
Fehlende wird aus andern Küstenplätzen der Insel ergänzt; Catbalógan
führt dagegen Abaca, Kokosöl, Wachs, Balate (essbare Holothurien),
getrocknete Fische und Gewebe aus. An der Nord- und Ostküste säet
man von November bis Januar und erntet sechs Monate später. Während
der übrigen sechs Monate dient das Feld als Weide für das Vieh; an
manchen Orten findet auch während dieser Monate, also von Juli bis
Dezember Reisbau, aber auf andern Feldern statt. Von diesem Reis geht
häufig wegen des schlechten Wetters ein grosser Theil verloren.
Käufe von Land kommen nur ausnahmsweise vor; gewöhnlich wird es
durch Urbarmachen, Erbschaft oder als verfallenes Pfand erworben. Bei
Catbalógan war bestes Reisland mit 1 Dollar für eine Ganta Aussaat,
und an der Nordküste bei Láuang ein Feld, das jährlich 100 Cabanes
trägt, mit 30 Dollar bezahlt worden. Rechnet man wie bei Naga, 1
Ganta Aussaat auf 4 Loanes, und 75 Cabanes Ertrag auf 1 Quiñon, so
kostet der Morgen Reisland im ersten Falle 3 1/3 Thaler, im zweiten
3 Thaler. Bei Verpachtungen leiht der Besitzer den nackten Grund und
Boden und empfängt als Zins die Hälfte der Ernte. [228] Der Reisbau
in Leyte ist von dem in Samar nicht verschieden, hat aber abgenommen,
durch die Abacákultur verdrängt, da die Guvernöre als sie noch Handel
treiben durften, die Eingebornen zwangen, einen Theil ihrer Felder
und ihrer Arbeit auf diese zu verwenden. Der Reis zur Ausfuhr wird
gewöhnlich auf dem Halm zu einem vor der Ernte verabredeten Preise
per Caban verkauft. Dergleichen Verträge pflegen selbst im Falle
der Vorausbezahlung pünktlich erfüllt zu werden. Bleibt ein Bauer im
Rückstand, so ist es im Lande allgemein geltender Brauch, dass er dem
Händler bei der nächsten Ernte das Schuldiggebliebene doppelt liefere.
Bergreis (bei Catbalógan wird fast nur solcher gewonnen) erfordert
kein andres Ackergeräth als das Waldmesser, um den Boden etwas
aufzulockern, und einen spitzen Stock, um Löcher in Entfernungen von
6 Zoll zur Aufnahme von je 5 bis 6 Reiskörnern zu machen. Man säet
von Mai bis Juni, jätet zweimal und schneidet nach 5 Monaten Halm
für Halm. Der Schnitter empfängt 1/2 Real Tagelohn und Kost. Der
Ertrag ist 2 bis 3 Cabanes auf eine Ganta oder 50 bis 75 fach. Das
Land kostet nichts, der Arbeitslohn beträgt gegen 5 Realen per Ganta
Aussaat. Nach einer guten Ernte gilt der Caban 4 Realen. Kurz vor der
Ernte steigt der Preis bis auf 1 Dollar, oft viel höher. Der Boden
wird nur ein einziges Mal für trocknen Reis benutzt; nach der Ernte
pflanzt man Camote (Bataten), Abaca und Caladium darauf. Der Bergreis
wird besser bezahlt als Wasserreis, etwa im Verhältniss von 9 zu 8.
Nächst Reis sind die Hauptnahrungsmittel Camote (Convolvulus Batatas),
Ubi (Dioscorea), Gabi (Caladium) Paláuán (ein grosses Arum mit
gefingerten Blättern und geflecktem Stiel). Camote kann das ganze Jahr
gepflanzt werden und reift in 4 Monaten; aber es geschieht gewöhnlich,
wenn der Reisbau vorüber ist, da während desselben wenig Arbeitskräfte
verfügbar sind. Wird der Camotebau beibehalten, so lässt man in der
Regel die alten Pflanzen sich selbst durch ihre Ausläufer vermehren
und nimmt nur die Knollen aus dem Boden. Mehr Ertrag erhält man aber,
wenn man den Boden reinigt und neu pflanzt. Für 1/2 Real erhält man
8 bis 15 Gantas Camote, einen Scheffel etwa für 3 bis 6 Sgr. [229]
Abacá, obgleich davon grosse Pflanzungen vorhanden sind, wurde zur
Zeit meiner Anwesenheit, da der Preis nicht lohnend genug war, fast
gar nicht ausgebeutet.
Tabak wird auch gebaut; er durfte früher im Lande verkauft, muss
jetzt aber an die Hacienda abgeliefert werden.
In Samar und Albay, wahrscheinlich auch in andern Provinzen, wird ein
harziges Oel, Baláo oder Malapájo gewonnen; man erhält es von einem
Dipterocarpus (Apíton), einem der höchsten Bäume des Waldes, indem
man ein breites Loch einen halben Fuss tief in den Stamm schlägt,
es beckenartig aushöhlt und von Zeit zu Zeit, um die verstopften
Zuflusskanäle wieder zu öffnen, Feuer darin anmacht. Das angesammelte
Oel wird täglich ausgeschöpft und ohne weitere Vorbereitung in den
Handel gebracht. Seine interessanteste Verwendung ist zur Konservirung
des Eisens bei dem Schiffbau. Vor dem Einschlagen in Balaoöl getauchte
Nägel sollen, wie glaubwürdige Leute versicherten, noch nach zehn
Jahren völlig rostfrei sein. Hauptsächlich wird Balao als Firniss für
Schiffe benutzt, die sowohl innen als aussen damit angestrichen werden;
es schützt auch die Hölzer gegen Termiten und andre Insekten. Das
Balao wird in Albay, die Tinaja von 10 Gantas zu 4 Realen, (das
Liter zu 8 Pfennig) verkauft; nach Europa scheint es bis jetzt nur
in Proben gekommen zu sein. Zum Schutz der Schiffsböden verwendet
man auch ein Zement aus gebranntem Kalk, Elemiharz und Kokosöl in
solchem Verhältniss gemischt, dass es vor dem Auftragen einen dicken
Schleim bildet. Der Anstrich hält sich ein Jahr. [230] Wachs wird von
den Cimarronen eingetauscht. Ganz Samar liefert jährlich 200 bis 300
Picos, deren Werth 25 bis 50 Dollar per Pico beträgt; in Manila ist
der Preis gewöhnlich 5 bis 10 Dollar höher; doch schwankt er sehr,
da dasselbe Erzeugniss von mehreren andern Lokalitäten und in sehr
unregelmässigen Zwischenräumen einkommt.
Viehzucht ist trotz des üppigen Graswuchses und der Abwesenheit
reissender Thiere fast gar nicht vorhanden. Pferde und Büffel sind
sehr selten und sollen spät, angeblich erst in diesem Jahrhundert,
eingeführt sein. Da es in Samar kaum andre Landstrassen giebt als den
Seestrand und seichte Flussbetten (im Norden von Leyte ist es besser),
so wird der Büffel nur gebraucht, um alljährlich einmal den Boden des
Reisfeldes durchzutreten. Den Rest des Jahres bringt er frei auf der
Weide zu, im Walde oder auf einer kleinen Insel, wenn eine solche in
der Nähe. Nur gelegentlich werden mehrere Büffel vor einen grossen
Baumstamm gespannt, um ihn nach dem Dorfe zu schleifen; ihre Zahl
ist daher äusserst gering. Büffel, welche Reisland gut durchtreten,
werden bis zu 10 Dollar bezahlt. Der Mittelpreis ist 3 Dollar für
einen Büffelstier, 5 bis 6 Dollar für eine Büffelkuh. Rindvieh
wird nur zuweilen bei Festen als Schlachtvieh benutzt, ist in sehr
geringer Menge vorhanden, unter viele Besitzern vertheilt, lebt halb
verwildert in den Bergen. Handel findet darin kaum statt, aber drei
Dollar für Jungvieh, fünf bis sechs Dollar für eine Kuh mag etwa der
Mittelpreis sein. Fast jede Familie besitzt ein Schwein, einige deren
drei bis vier. Ein fettes Schwein kostet sechs bis sieben Dollar,
also mehr als eine Kuh. Rindfleisch wird von vielen Indiern gar
nicht gegessen; bei ihren Schmausereien darf aber Schweinefleisch
nicht fehlen. Auch wird das Schmalz so theuer bezahlt, dass daraus
unter günstigen Verhältnissen von einem fetten Thiere für drei bis
vier Dollar erlöst werden. Schafe und Ziegen gedeihen vorzüglich,
vermehren sich leicht, sind aber auch nur in geringer Zahl vorhanden
und werden fast gar nicht, weder der Wolle noch des Fleisches wegen,
benutzt. Kreolen und Mestizen sind meist zu träge, um selbst Schafe zu
halten, und essen lieber das ganze Jahr täglich Hühnerfleisch. Auch
Shanghai-Schafe, die der Guvernör in Taclóban eingeführt hatte,
gediehen und vermehrten sich sehr gut. Eine Eier legende Henne kostet
1/2 r., ein Hahn dasselbe; ein Kampfhahn bis drei Dollar, oft viel
mehr. Man kauft sechs bis acht Hühner oder 30 Eier für einen Real.
Eine Familie von Vater, Mutter und fünf Kindern braucht täglich nicht
ganz 24 Chupas Palay (Reis mit der Hülse), welcher enthülst ungefähr
12 Chupas giebt und zum Mittelpreise von 4 r. per Caban, etwa 1/2
r. kostet (nach der Ernte zuweilen 3 r. per Caban, vor derselben
10 r., in Albay 20 bis 30 r.); ausserdem 2 bis 3 cu. für Zuspeise
(Fische, Krabben, Kräuter, etc.), die aber gewöhnlich von den Kindern
gesammelt werden, endlich für Oel 2 cu., Buyo 1 cu., Tabak 3 cu. (3
Blatt für 1 cu.); letzterer wird geraucht, nicht gekaut. An Buyo und
Tabak verbraucht eine Frau halb so viel als ein Mann. Buyo und Tabak
wird in Leyte weniger genossen als in Samar.
An Kleidungsstücken verwendet ein Mann jährlich: 4 grobe Hemden von
Guinara zu 1 bis 2 r., 3 bis 4 Hosen zu 1 bis 2 1/2 r., 2 Kopftücher
zu 1 1/2 r. (Hüte werden an der Süd- und Westküste nicht getragen)
und für die Kirchweih gewöhnlich: 1 Paar Schuhe 7 r., 1 feines Hemd 1
Dollar oder mehr, 1 feine Hose 4 r. -- Eine Frau hat 4 bis 6 Camisas
von Guinara zu 1 r., 2 bis 3 Sayas von Guinara zu 3 bis 4 r. und 1
oder 2 gedruckte Kattunsayas aus Europa zu 5 r., 2 Tücher zu 1 1/2 bis
2 r., 1 oder 2 Paar Pantoffeln (Chinelas), um in die Messe zu gehen,
zu 2 r. und mehr nöthig.
Ausserdem besitzen die Frauen fast immer einige feine Camisas zu
wenigstens 6 r., eine Mantilla zum Kirchgang 6 r.; (sie dauert 4
Jahre), einen Kamm, 2 cu. Manche haben auch Unterröcke (nabuas), 2
Stück zu 4 r., Messing-Ohrringe und einen Rosenkranz, Sachen die nur
einmal angeschafft werden. In den ärmeren Ortschaften, in Láuang z. B.,
werden nur im Hause gewebte Guinaras getragen. Dort bedarf ein Mann:
3 Hemden und 3 Hosen, die aus 3 Stück Guinara zu 2 r. geschnitten
werden; einen Salacot (Hut) gewöhnlich eigener Anfertigung, Werth
1/2 r. Eine Frau braucht jährlich: 4 Sayas, Werth 6 r., Camisas,
mit Einschluss einer feineren für das Fest, 8 r. Unterröcke werden
nicht getragen. Die Kleidung der Kinder kann etwa auf die Hälfte der
obigen Preise veranschlagt werden.
Hausrath: Ein Kochtopf -- die Kochtöpfe, aus unglasirtem gebrannten
Thon, werden von den Schiffen aus Manila mitgebracht; ihr Inhalt an
Reiskörnern ist ihr Preis; [231] -- mehrere Bambusrohre; Teller,
7 Stück à 2 bis 5 cu.; ein Carahai (eiserne Pfanne) 3 bis 4 r.;
Kokosschalen statt der Gläser; einige kleine Töpfe, zusammen 1/2 r.;
1 Sundang, 4 bis 6 r., oder Bolo (grösseres Waldmesser) 1 Dollar;
1 Scheere (für die Frauen) 2 r. Der Webestuhl, den jede Haushaltung
selbst aus Bambus zusammenfügt, veranlasst keine baare Auslagen.
Der Tagelohn unter den Eingeborenen beträgt 1/2 r., keine
Beköstigung. Europäer müssen aber immer 1 r. und Kost geben, wenn sie
nicht durch Begünstigung des Gobernadorcillo Polistas zu dem obigen
niedrigen Tagelohn erhalten können, der dann ordnungsmässig in die
Gemeindekasse fliessen soll. Ein Zimmermann verdient 1 bis 2 r.,
die besten 3 r. täglich. Der Arbeitstag ist von 6 bis 12 Mittags und
von 2 bis 6 Uhr Abends.
Fast jedes Dorf hat einen rohen Schmied, der Sundangs und Bolos zu
machen versteht; es müssen aber bei jeder Bestellung das Eisen und
die Kohlen dazu geliefert werden. Andre Metallarbeiten werden nicht
angefertigt. Ausser etwas Schiffbau wird kaum ein andres Gewerbe
betrieben als Weberei; der Webestuhl fehlt fast in keinem Hause. Es
werden Guinara fabrizirt, d. h. Abacázeuge, auch etwas Piña und
gemusterte Seidenstoffe; die Seide dazu wird aus Manila bezogen und
ist chinesischen Ursprungs. Alle diese Gewebe werden in den einzelnen
Häusern gefertigt, eine Fabrik ist nicht vorhanden.
An Orten, wo es an Reis mangelt, fischen die geringeren Leute,
salzen und trocknen die Fische und tauschen dafür Reis ein. In den
Hauptstädten wird gewöhnlich für baares Geld gekauft; im Innern sind
Gewebe und getrocknete Fische sehr gebräuchliche Tauschmittel. Geld ist
dort fast nicht vorhanden. Salz wird durch Abdampfen des Meerwassers
in kleinen eisernen Handpfannen (Carahais) ohne vorherige Verdampfung
an der Sonne gewonnen. Die Schifffahrt zwischen Catbalógan und
Manila dauert von Dezember bis Juli; von Juli bis Dezember liegen die
Schiffe abgetakelt unter Schuppen. Ausserdem findet Küstenschifffahrt
östlich bis Guíuan, nördlich bis Catarman, selten bis Láuang statt. Die
Mannschaft besteht zum Theil aus Einheimischen, zum Theil aus Fremden,
da die Bewohner der Inseln sehr ungern zur See gehen, fast nur
gezwungen ihr Dorf verlassen. Ausser der Küsten- und Flussschifffahrt
besitzt Samar beinahe keine Verkehrsmittel; das Innere ist unwegsam,
Lasten können nur auf der Schulter getragen werden. Ein starker Träger,
der 1 1/2 r. ohne Kost erhält, schleppt 3 Arrobas (75 Pfund span.) 6
Leguas weit in einem Tage, kann aber am folgenden Tage nicht dieselbe
Arbeit verrichten und braucht wenigstens einen Tag Ruhe. 1 1/2 Arrobas
trägt ein kräftiger Mann täglich 6 Leguas weit eine ganze Woche lang.
Märkte finden in Samar und Leyte nicht statt; wer etwas kaufen will,
sucht es in den einzelnen Häusern; auf dieselbe Weise bietet der
Verkäufer seine Waaren an.
Ein Indier, der Geld borgen will, muss reichliches Pfand geben und
den Dollar monatlich mit 1 r. (12 1/2 % pro Monat) verzinsen. Mehr
als 5 Dollar findet er nicht leicht zu borgen, da er gesetzlich nur
bis zu dieser Summe haftbar ist. Im östlichen und nördlichen Samar
sind Handel und Kreditwesen noch weniger entwickelt als im westlichen
Theile der Insel, der in regerem Verkehr mit den übrigen Bewohnern
des Archipels steht. Baares Geld wird dort fast gar nicht geliehen,
sondern nur Waaren zu einem Real per Monat für jeden Dollar des
Werthes. Kann der Schuldner zur festgesetzten Frist nicht zahlen, so
wird ihm häufig eines seiner Kinder genommen, das bis zur Tilgung der
Schuld bei dem Darleiher ohne Lohn für die blosse Beköstigung dienen
muss. Ich habe einen jungen Mann gesehn, der wegen 5 Dollar, die sein
Vater, ein ehemaliger Gobernadorcillo von Paranas, einem Mestizen
in Catbalógan schuldete, 5 Jahre lang umsonst gedient hatte, um die
Schuld zu tilgen, und an der Ostküste ein hübsches junges Mädchen,
das wegen einer väterlichen Schuld von 3 Dollar schon seit 2 Jahren
bei einem Eingeborenen diente, der im Ruf eines Wüstlings stand. Man
zeigte mir in Borongan eine Kokospflanzung von 300 Bäumen; die vor
etwa 20 Jahren wegen einer Schuld von 10 Dollar verpfändet, seitdem
vom Gläubiger wie sein Eigenthum genutzt worden war. Vor einigen
Jahren starb der Schuldner, und es gelang den Kindern desselben nur
mit vieler Mühe, gegen Zahlung der ursprünglichen Schuld das Eigenthum
zurückzuerhalten. Es kommt vor, dass ein Eingeborener von einem andren
2 1/2 Dollar borgt, um sich von den 40 Tagen jährlicher Frohnden
loszukaufen, und dann seinem Gläubiger ein ganzes Jahr lang dient,
weil er nicht im Stande ist, das Geld pünktlich zurückzuzahlen. [232]
Die Bewohner von Samar und Leyte sind träger, nicht so reinlich als die
von Luzon, und scheinen hinter den Bicol eben so sehr zurückzustehn,
als diese hinter den Tagalen. Bei Taclóban, wo lebhafter Verkehr mit
Manila stattfindet, sind diese Eigenschaften weniger ausgesprochen;
die Frauen dort sind angenehm und baden viel. Uebrigens sind
die Bewohner beider Inseln freundlich, gutmüthig, folgsam und
friedfertig. Schimpfreden oder Thätlichkeiten kommen fast nie vor;
wird Einer beleidigt, so verklagt er seinen Gegner im Tribunal. An
der Nord- und Westküste scheint grosse Sittenreinheit zu herrschen,
aber nicht an der Ostküste und in Leyte. Die äusserliche Frömmigkeit
ist überall sehr gross; das haben sie von den Priestern gelernt. Die
Familien sind sehr einig, die Frauen haben grossen Einfluss, verrichten
vorzüglich die häuslichen Geschäfte und sind zum Theil sehr geschickt
im Weben, auf dem Felde fallen ihnen nur die leichteren Arbeiten
zu. Das Ansehen der Eltern und des ältesten Bruders ist sehr gross;
die jüngeren Geschwister wagen nie, diesem zu widersprechen. Frauen
und Kinder werden sehr gut behandelt.
Die Eingeborenen von Leyte haften eben so sehr an dem heimathlichen
Boden wie die von Samar, haben auch keine Lust zur Schifffahrt,
wenn schon die Abneigung dagegen nicht ganz so ausgesprochen ist,
wie bei den Bewohnern von Samar. [233]
Anstalten der Wohlthätigkeit sind auf keiner der beiden Inseln
vorhanden. Jede Familie erhält ihre Armen und Krüppel und behandelt
sie gut. In Catbalógan, der Hauptstadt der Insel, mit 5 bis 6000
Einwohnern, gab es nur 8 Almosenempfänger (in Albay fehlte es nicht
an Bettlern). In Láuang hatte bei einer feierlichen Gelegenheit
ein Spanier ausrufen lassen, dass er Reis unter die Armen vertheilen
wolle; es meldete sich Niemand. Die Ehrlichkeit der Bewohner von Samar
wird sehr gepriesen. Schulden sollen fast immer ohne schriftliche
Dokumente kontrahirt und nie abgeleugnet, wenn auch nicht immer
pünktlich bezahlt werden. Räubereien kommen auf Samar fast nie vor,
Diebstahl höchst selten. Schulen giebt es auch hier in den Pueblos,
sie leisten nicht viel weniger als in Camarínes.
Unter den öffentlichen Vergnügungen stehn die Hahnenkämpfe obenan,
werden aber nicht so leidenschaftlich betrieben wie auf Luzon. An den
Kirchweihfesten wird ein aus dem Spanischen übersetztes Schauspiel,
gewöhnlich religiösen Inhalts aufgeführt, die Kosten werden durch
freiwillige Beiträge der Principalia gedeckt. Die Hauptlaster der
Bevölkerung sind Spiel und Trunksucht; auch Weiber, selbst junge
Mädchen betrinken sich gelegentlich. Bei den Heirathen dauern
die Festlichkeiten, Gesang und Tanz oft mehrere Tage und Nächte
hintereinander, so lange Speisen und Getränke ausreichen. Der Freier
muss im Hause der Brauteltern 2, 3, selbst 5 Jahre dienen, bevor er die
Braut heimführen kann. Durch Geld ist diese Last nicht abzukaufen. Er
speist im Hause der Brauteltern, die den Reis liefern, hat aber die
Zuspeise selbst zu beschaffen. [234] Zu Ende der Dienstzeit baut
er mit Hülfe seiner Verwandten und Freunde das Haus für die neu zu
gründende Familie.
Ehebruch ist häufig, Eifersucht selten und führt nie zu
Gewaltthätigkeiten; der Beleidigte geht mit dem Schuldigen gewöhnlich
zum Pfarrer, der mit einer Strafpredigt für den Einen und Trostworten
für den Anderen Alles wieder in's Geleise bringt. Ehefrauen
sind leichter zugänglich als Mädchen, aber auch diesen wird die
Aussicht auf Verheirathung durch Fehltritte im ledigen Stande kaum
geschmälert. Mädchen unter väterlicher Gewalt werden in der Regel
streng gehalten, schon um die Dienstzeit des Freiers zu verlängern. Der
äussere Schein wird bei den Bisayern noch mehr gewahrt als bei den
Bicols und Tagalen. Auch hier herrscht die irrthümliche Ansicht, dass
die Zahl der Frauen die der Männer übersteige (vergl. S. 45). Mütter
von 12 Jahren kommen vor, aber selten. Frauen gebären 12 bis 13 Kinder;
es sterben indessen viele derselben, und Familien mit mehr als 6 oder
8 Kindern sind äusserst selten.
Es herrscht viel Aberglauben. Ausser dem katholischen Marienbildchen,
das jede Indierin an einer Schnur um den Hals trägt, haben Viele
auch heidnische Amulete. Ich hatte Gelegenheit, ein solches zu
untersuchen, das einem sehr kühnen Verbrecher abgenommen worden
war. Es bestand aus einem Unzenfläschchen, vollgestopft mit feinen,
anscheinend in Oel gebratenen Wurzelfasern, war von den heidnischen
Stämmen bereitet und hatte die Eigenschaft, den Besitzer stark und
muthig zu machen. Die Gefangennehmung des Letztern war sehr schwierig;
sobald ihm aber das Fläschchen entrissen war, gab er allen Widerstand
auf und liess sich binden. Fast in jedem grössern Dorf giebt es eine
oder mehrere Asuán-Familien, die allgemein gefürchtet und gemieden,
wie Ausgestossene behandelt werden und sich nur untereinander
verheirathen können. Sie stehen im Rufe, Menschenfresser zu
sein. Vielleicht stammen sie von solchen ab? -- Der Glaube ist sehr
allgemein und festgewurzelt. Darüber zur Rede gestellt antworteten
alte einsichtsvolle Indier, sie glaubten allerdings nicht, dass die
Asuánen jetzt noch Menschen frässen, aber ohne Zweifel hätten ihre
Vorfahren es gethan. [235]
Alte Legenden, Traditionen, Lieder sollen nicht vorhanden sein. Bei
ihren Tänzen singen sie zwar; es sind aber Improvisationen ohne
Geist, meist obszön. Denkmäler früherer Zivilisation haben sich nicht
erhalten. »Tempel besassen die alten Pintados nicht, jeder machte
sich seine Anitos im Hause selbst, ohne besondere Feierlichkeit.«
(Morga f. 145 v.). Pigafetta (S. 92) erwähnt zwar, dass der König
von Cebu, als er Christ geworden, viele am Seestrande erbaute Tempel
zerstören liess, es mögen indessen wohl nur Bauten sehr vergänglicher
Art gewesen sein. Bei gewissen Gelegenheiten feierten die Bisayer ein
grosses Fest Pandot, bei welchem sie ihre Götter in eigens erbauten
mit Blumen und Lampen geschmückten Laubhütten verehrten. Sie nannten
diese Hütten Simba oder Simbahan (so heissen jetzt die Kirchen)
»und dies ist das einzige, was sie haben, das einer Kirche oder
einem Tempel ähnlich sieht«. (Informe I. 1. 17). Nach Gemelli Careri,
(S. 449) beteten sie auch einige besondere, ihnen von ihren Vorfahren
hinterlassene, von den Bisayern Davata (Divata), von den Tagalen
Anito genannte Götter an [236]; es gab auch einen See-Anito und
einen für das Haus, um die Kinder zu behüten. Unter diese Anitos
wurden ihre Grossväter und Urgrossväter versetzt, die sie in allen
Nöthen anriefen (s. S. 210), zu ihrem Gedächtniss bewahrten sie kleine
hässliche Bildsäulen von Stein, Holz, Gold und Elfenbein, welche sie
Liche oder Laravan nannten. Auch zählten sie zu ihren Göttern Alle,
die durch das Schwert umkamen, vom Blitz getödtet, oder von Krokodilen
gefressen wurden und glaubten, dass ihre Seelen gen Himmel stiegen auf
einem Bogen, den sie Balangas nannten. Pigafetta (S. 92) beschreibt die
von ihm gesehenen Idole folgendermaassen: »Sie sind von Holz, konkav
oder hohl ohne Hintertheile, ihre Arme sind geöffnet, auch die Beine,
die Füsse nach oben gekehrt. Sie haben sehr grosse Gesichter mit vier
gewaltigen Zähnen, Eberstosszähnen ähnlich, und sind ganz bemalt. [237]
Zum Schluss eine kurze Nachricht über die Religion der alten
Bisayer nach Fr. Gaspar (Conq. 169): Den Teufel oder Genius, dem
sie opferten, nannten sie Divata was einen Gegensatz der Gottheit,
einen gegen dieselbe Empörten zu bezeichnen scheint ... die Hölle
nannten sie Solad, den Himmel (in ihrer gebildetsten Sprache) Ologan
... die Seelen der Verstorbenen gehn auf einen Berg in der Provinz
Oton, welcher Medias heisst, wo sie sehr gut bewirthet und bedient
werden. Erschaffung der Welt: Ein Geier schwebt zwischen Wasser und
Himmel, findet keine Stätte, um sich zu setzen, das Wasser steigt
gen Himmel. Der Himmel wird zornig, erschafft Inseln. Der Geier
spaltet einen Bambus, daraus entstehn Mann und Frau, sie zeugen viele
Kinder und treiben sie als ihre Zahl zu gross geworden, mit Schlägen
aus. Einige verbergen sich in der Kammer, dies werden die Datos,
einige in der Küche, das werden die Sklaven, die übrigen gehn die
Treppe hinab und werden das Volk.